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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2025

Mehr Schein als Sein

Bis die Sonne scheint
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Daniel, seine drei Geschwister und die Eltern waren einst eine gut bürgerliche Familie in der Nähe von Bremen. Mutter und Vater arbeiteten in angesehenen Berufen. Doch nach der fehlgeschlagenen Selbstständigkeit ...

Daniel, seine drei Geschwister und die Eltern waren einst eine gut bürgerliche Familie in der Nähe von Bremen. Mutter und Vater arbeiteten in angesehenen Berufen. Doch nach der fehlgeschlagenen Selbstständigkeit des Vaters ist die Familie chronisch pleite.

Im Laufe des Romans wird nicht nur die Geschichte der sechsköpfigen Familie erzählt, sondern auch auf die Vergangenheit der Eltern und Großeltern, die vom Krieg und Entbehrungen geprägt waren, eingegangen.

Der Autor erzählt detailreich die Höhen und Tiefen, die Träume und Wünsche, die Nöte und Sorgen der der einzelnen Familienmitglieder, allen voran von denen des Protagonisten Daniel. Obwohl die Sechs immer weiter in die Schulden schlittern, wahren sie nach Außen den Schein. Aber es es hat den Anschein als ob sie nicht nur Fremden gegenüber alles schönreden, sondern auch sich selbst sowie den beiden Großmüttern.

Das Cover passt sehr gut zur beschriebenen Zeit sowie zum vermittelten Lebensgefühl des Buches. Auch der Titel ist gut gewählt.

Der Roman birgt keine großen Sensationen oder Entwicklungen, beleuchtet aber sehr gut das Innenleben der einzelnen Personen sowie den Zeitgeist der 80er Jahre. Berührend von ich das Nachwort des Autors, in dem erst zur Sprache kommt, dass große Teile der Handlung anscheinend auf autobiografischen Erfahrungen beruhen, das verleiht dem Roman ihm Nachhinein eine ganz besondere Authentizität.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Zwei Außenseiter

Klapper
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Klapper ist ein 15-jähriger ein Computernerd, Außenseiter und Einzelgänger. Als Bär in seine Klasse kommt verändert sich sein Leben. Sie ist groß, stark und selbstbewusst, alles was Klapper nicht ist. ...

Klapper ist ein 15-jähriger ein Computernerd, Außenseiter und Einzelgänger. Als Bär in seine Klasse kommt verändert sich sein Leben. Sie ist groß, stark und selbstbewusst, alles was Klapper nicht ist. Mit der Zeit freunden sich die beiden an. Sie entwerfen zusammen Maps für Counter Strike. Doch sowohl in Klappers als auch in Bärs Familie gibt es Probleme. Klappers Mutter hat eine psychische Krankheit und Bärs Eltern streiten oft, anscheinend schlägt der Vater die Mutter. Mit der Zeit verändert sich die Beziehung zwischen Klapper und Bär immer mehr.

Die familiären Probleme schweben zwar während der gesamten Handlung über dem Geschehen, sie werden jedoch immer sehr subtil angedeutet. Man erfährt, dass hier etwas im Argen liegt, jedoch wird wenig Konkretes über die Missstände berichtet.

Die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt: 2011 als die beiden Protagonisten noch Jugendliche sind und 2025, einem Rückblick des nun 30.jähigen Klappers, der an seinen Erinnerungen zu zerbrechen droht. Da bereits am Anfang der Handlung erwähnt wird, dass Bär nun seit 4891 Tage nicht mehr online war, weiß man dass hier irgendetwas gravierendes passiert sein muss. Diese Ahnung schwebt wie eine düstere Atmosphäre über der gesamten Handlung.

Das kreative Cover mit der aufgeschnittenen Orange am Horizont als Sonne vermittelt eine Hoffnung in einer düsteren Atmosphäre und passt daher sehr gut zum Inhalt.

Mich hat der Roman positiv überrascht. In einfachen und schnörkellosen Sätzen wird über die Freundschaft und Familiengeschichte der beiden Jugendlichen berichtet, mit all ihren Problemen. Einfühlsam aber auch spannend erzählt. Man fiebert bis fast zum Ende des Buches mit den Beiden mit und ahnt doch, dass diese Freundschaft kein gutes Ende nehmen wird. Einziger Kritikpunkt: Ich finde, dass das Zitat von Benjamin Stuckrad-Barre auf der Rückseite des Buchumschlags zu viel vom Ausgang des Romans verrät.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Nicht das was ich erwartet habe

Dancing Queen
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Die Enddreißigerin Paulina ist desillusioniert von ihrer Beziehung und dem Leben allgemein. Einzig ihr Hund und ihre Arbeitskollegin Maite, mit denen sie schließlich einen Roadtrip ins Umland von Buenos ...

Die Enddreißigerin Paulina ist desillusioniert von ihrer Beziehung und dem Leben allgemein. Einzig ihr Hund und ihre Arbeitskollegin Maite, mit denen sie schließlich einen Roadtrip ins Umland von Buenos Aires unternimmt scheinen ihr etwas Freude zu bereiten. Auf diesem Ausflug machten die drei außerdem unerwartet Bekanntschaft mit Lara, einer 15jährigen, die Paulina neuen Mut zu geben scheint.

Nachdem das erste Kapitel spektakulär mit einem Autounfall beginnt, habe ich mir auch vom weiteren Verlauf des Romans etwas mehr erwartet. Leider ist es eher ein Dahingeplätscher von melancholischen Lebenserfahrungen Paulinas, bei denen zwischendurch immer wieder der besagte Autounfall aufblitzt der wie ein Fixpunkt über der ganzen Handlung steht.

Insgesamt konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen, da es mit rund 170 Seiten jedoch recht kurz gehalten ist, habe ich bis zum Schluss durchgehalten.

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Veröffentlicht am 16.01.2025

Eine Geschichte nach Escher

Wackelkontakt
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Es werden zunächst zwei Geschichten erzählt. Escher wartet auf einen Elektriker und liest währenddessen ein Buch über die Geschichte des Verbrechers Elio, alias Steiner, der sich in einem Zeugenschutzprogramm ...

Es werden zunächst zwei Geschichten erzählt. Escher wartet auf einen Elektriker und liest währenddessen ein Buch über die Geschichte des Verbrechers Elio, alias Steiner, der sich in einem Zeugenschutzprogramm gegen die Mafia befindet. Währenddessen liest Elio die Geschichte von Escher, der auf den Elektriker wartet.
Im weiteren Verlauf nehmen die beiden Handlungen einen dramatischen Verlauf. Die Erzählstränge verschlingen sich dabei immer weiter ineinander. Auch Puzzle spielen in der Handlung Eschers eine wichtige Rolle. Die Puzzleteile kann man dabei wohl wie die einzelnen Teile der Geschichte sehen, die sich immer weiter zusammenfügen.
Vorbild des Autors war unverkennbar der berühmte Maler Escher, der auch mehrfach im Roman genannt wird, und dessen Motive sich u. a. auch auf seinen Puzzle wiederfinden. Ich finde die Übertragung des graphischen Vorbilds in ein literarisches Werk eine interessante Idee, die vom Autor sehr gut umgesetzt wurde. Über die Verwobenheit der beiden Geschichten bis sie schließlich zu einer einzigen zusammenschmelzen staunen nicht nur die Leser, sondern schlussendlich auch die Protagonisten des Romans selbst.

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Veröffentlicht am 16.01.2025

Wenn die Zeit stillstehet

Für immer
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Ganz plötzlich scheint für die Menschheit die Zeit still zu stehen, während sie in der Natur weiteläuft. Weder werden Menschen geboren noch sterben sie. Auch Krankheiten oder Schwangerschaften schreiten ...

Ganz plötzlich scheint für die Menschheit die Zeit still zu stehen, während sie in der Natur weiteläuft. Weder werden Menschen geboren noch sterben sie. Auch Krankheiten oder Schwangerschaften schreiten nicht weiter voran.

Diesen Zustand erleben die Protagonisten dieses Romans ganz unterschiedlich. Während sich die einen über die geschenkte Zeit aufgrund einer lebensbedrohenden Erkrankung freuen, sorgen sich andere um die ungeborenen Kinder. die nun im Mutterleib nicht weiterwachsen. Aber auch ganz kuriose Situationen ergeben sich. Das Bestattungsunternehmen ist plötzlich arbeitslos, wer hätte sich so etwas je vorstellen können. Ein Rentnerehepaar trennt sich, weil die Ehefrau meint ihren nun so unermesslich verlängerten Lebensabend nicht mit ihrem Ehemann verbringen zu können. Bisher kannten wir eine derartige Konstellation eher umgekehrt, so dass man den letzten Lebensabschnitt als viel zu kurz empfindet und diesen mit den liebsten Menschen verbringen möchte.

Und so stellt der zeitliche Stillstand das Leben der Menschen auf den Kopf. Doch obwohl sich die Menschheit die Unsterblichkeit schon immer herbeisehnte, scheint die Welt in diesem Zustand uns insgesamt nicht wirklich glücklicher zu machen. Glück und Unglück sind höchstes zwischen den Individuen verschoben.

Das Cover mit der scheinbar in der Explosion eingefangenen und zum Stillstand bekommenen Blume spiegelt das Thema des Romans sehr gut wieder.

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