Ein mutiges Nein mit weitreichenden Folgen
Hazel sagt Nein„Hazel sagt Nein“ (Originalausgabe 2025 erschienen unter „Hazel Says No“) ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.
Der Roman gliedert sich in vier Teile, deren Titel Hazels Entwicklung veranschaulichen: ...
„Hazel sagt Nein“ (Originalausgabe 2025 erschienen unter „Hazel Says No“) ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.
Der Roman gliedert sich in vier Teile, deren Titel Hazels Entwicklung veranschaulichen: Hazel sagt Nein, Öffentliche Schikanen, Hauptfigurenenergie und Sommer in Maine. Die jeweiligen Kapitel sind kurz gehalten. Der Schreibstil ist klar, vermittelt einen anschaulichen Eindruck der amerikanischen Lebensweise. Die Perspektivenwechsel – es wird abwechselnd aus Sicht von Hazel, deren elfjährigen Bruder Wolf und ihren Eltern Claire und Gus – erzählt, gestalten die Handlung nicht nur abwechslungsreich, sondern geben auch tiefen Einblick in deren Gedanken und Gefühle, zeigen auf, wie schwerwiegend sich das Ereignis auf alle auswirkt. Dass auch auf die Auswirkungen auf den Täter und dessen Familie eingegangen wird, rundet das Gesamtbild ab.
Die Atmosphäre im fiktiven Riverburg, wohin die Familie Blum von Brooklyn, umgezogen ist, ist gut vorstellbar dargestellt, das ländliche Flair, die rauen Wetterverhältnisse, ebenso die Charaktere. Trotz des ernsthaften Grundthemas eines sexuellen Übergriffs und dessen Folgen für Täter und Opfer liegt über all den Ängsten, der Unsicherheit und verzweifelten Momenten eine positive Grundstimmung. Dadurch liest sich das Buch lockerer als ich annahm, regt dennoch zum Nachdenken und Diskutieren an.
Da die Folgen von Hazels Nein sich nicht nur auf ihre Familie, das College und auf Bewohner von Riverburg beschränken, sondern durch die Medien weit ins Land hinausgetragen werden, wird auch auf die divergierenden Reaktionen eingegangen, auch auf jene, die versuchen, das Opfer zum Täter zu machen. Der mediale Hype um Hazel mag American Life entsprechen, mir war das zu ausufernd berichtet. Hazel steht der medialen Aufmerksamkeit zwiespältig gegenüber. Einerseits ist sie verlockend nahe an ihrem Traumziel, Schriftstellerin zu werden, andererseits fühlt sie sich bedrängt und überfordert und sehnt sich eigentlich nach einem Leben als ganz normale Studentin. Das Ende hat mich überrascht, angenehm überrascht.
Das Thema Me-Too ist sehr umfassend behandelt, vielschichtig betrachtet. Die Reaktion und Handlungen der Protagonisten sind nachvollziehbar. Ein gutes Buch, regt zum Diskutieren und Nachdenken an. Eine Leseempfehlung!