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Veröffentlicht am 06.10.2020

Genial!

NEBEL
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Kommissarin Hulda Hermannsdottir von der Kriminalpolizei in Reykjavik wird kurz nach Weihnachten in ein abgelegen gelegenes Haus gerufen. Mehrere Tote, die möglicherweise schon Wochen dort liegen, wurden ...

Kommissarin Hulda Hermannsdottir von der Kriminalpolizei in Reykjavik wird kurz nach Weihnachten in ein abgelegen gelegenes Haus gerufen. Mehrere Tote, die möglicherweise schon Wochen dort liegen, wurden aufgefunden. Doch nicht nur die Arbeit fordert Hulda, auch ihre 13-jährige Tochter Dimma macht ihr Sorgen. Das Mädchen kapselt sich mehr und mehr ab und versinkt in ihre eigene Welt. Das kann doch nicht nur die Pubertät sein, wie Ehemann Jon vermutet? Es belastet Hulda noch zusätzlich, dass eine junge Frau, nicht viel älter als Dimma, spurlos verschwunden ist.

Nach "Dunkel" und "Insel" ist dies der dritte und letzte Teil der Trilogie rund um Hulda Hermannsdottir. Durch den aussergewöhnlichen Aufbau wird in Teil eins das Ende behandelt und dann rückwärts erzählt. Man bekommt also in diesem dritten Teil den Beginn der Geschichte erzählt. Man kann sicher diesen dritten Teil einzeln lesen, allerdings fehlt da dann so manches Aha-Erlebnis. So hatte ich zum Beispiel mit dem Wissen aus Band eins und zwei einen ganz anderen Blick auf Huldas Familienleben und die Probleme mit ihrer Tochter Dimma. Immerzu habe ich darauf gewartet, dass Hulda herausfindet, was ich aus den ersten zwei Teilen schon weiss. Das war ungeheuer fesselnd, denn einmal mehr erkennt man, dass direkt Betroffene oft als letzte ahnen, was Sache ist.

Doch nicht nur Huldas Privatleben ist spannend, auch die Tat in dem einsam gelegenen Haus hat mich atemlos durch die Seiten fliegen lassen. Durch den Prolog und den Klappentext weiss man, dass dort mehrere Tote liegen. Dann startet dieser Strang erst mal mit Kapitel eins in der Vergangenheit und man erfährt einiges über die Lebensbedingungen von Einar und Erla, einem älteren Ehepaar, das völlig abgeschieden lebt.

Sehr atmosphärisch wird ein Schneesturm, Frost und Kälte und die Einsamkeit mitten im Nirgendwo im Hochland von Island beschrieben. Die Wintertage, an denen es konstant dämmert und man besser im Haus bleibt.
Dann plötzlich die Bedrohung, die aus Hilfsbereitschaft entsteht und schlussendlich zu Vorsicht und Angst wechselt. Das Böse nicht nur im eigenen Daheim, sondern auch noch ohne jegliche Hilfe erwarten zu können, ist absolut gruselig. Das Setting ist geschickt gewählt und bildlich beschrieben und hat mir Gänsehaut beschert.
Einmal mehr bin ich erstaunt, wie die Tatsache, dass ich schon wusste, was geschieht, ganz und kein Spannungskiller war.
Im Gegenteil!
Dadurch wird diese auf ein ganz besonderes und hohes Level gehoben!

Dieser Island Thriller ist sehr düster und hat mich schaudern lassen. Für einmal eine Trilogie, die nicht mit dem ersten Teil überzeugt und dann immer schwächer wird. "Nebel", also Teil drei war meiner Meinung nach der beste der Reihe, obwohl sich "Dunkel" und "Insel" auch sehen lassen können. Die ganze Trilogie ist ein voller Erfolg und beschert fesselnde Lesestunden.

Den Schreibstil von Ragnar Jonasson kann ich nur lobend erwähnen. Er schafft es mit einer Handvoll Figuren und geschicktem Wechseln zwischen den Strängen, einmal aus der Sicht von Hulda und dann wieder von Erla, eine hervorragend aufgebaute und logische Verbindung zu schaffen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2020

Cold Case!

Funkenmord
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Kommissar Kluftinger von der Kripo Kempten hat es mit einem alten Fall zu tun. Am 12. Februar 1985, am Funkensonntag, wurde die Lehrerin Karin Krause tot aufgefunden. 35 Jahre später stellt sich heraus, ...

Kommissar Kluftinger von der Kripo Kempten hat es mit einem alten Fall zu tun. Am 12. Februar 1985, am Funkensonntag, wurde die Lehrerin Karin Krause tot aufgefunden. 35 Jahre später stellt sich heraus, dass wohl damals ein Unschuldiger verurteilt und der wahre Täter nie gefasst wurde. Da der Mord an der Lehrerin damals Kluftingers erster Fall war, setzt er alles daran den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Klufti im Stress! Denn dazu kommt, dass noch eine neue Kollegin eingearbeitet werden muss.
Doch Kluftinger ist nicht nur im Beruf gefordert. Die Taufe seines Enkelkindes muss organisiert werden, Ehefrau Erika leidet unter Migräne und Klufti ist im Haushalt gefordert.

Sehnsüchtig habe ich auf den neuen Fall von dem liebenswerten Kommissar Kluftinger gewartet. Die Figur hat mich nicht enttäuscht und mir so manchen Lacher beschert. Klufti besitzt ganz viel Charme und plumpst oft mitten rein ins Fettnäpfchen.
Egal ob er sich nun einen Thermomix anschafft, um so die Kocherei, für die er eher kein Talent aufweist, im Handumdrehen zu erledigen. Oder den Herrn Pfarrer, der sein Enkelchen taufen soll, zuerst falsch einschätzt. Wäsche waschen, auch so ein Lacher, … wenn er denn mit der Waschmaschine nicht seinem Enkelkind ein Trauma beschert.

Oft musste ich schmunzeln oder laut lachen. Zum Schreien ist zum Beispiel ein Weihnachtsbaumkauf, der sich als Teambuildingsevent gestaltet. Allerdings gab es auch wohl als witzige gedachte Passagen, die mir sauer aufgestossen sind. Als zum Beispiel in der Gestalt des befreundeten Arztes Sexismus zelebriert wird. So sagt Doktor Langhammer, Frauen seien nicht geeignet um für Zucht und Ordnung zu sorgen. Er nennt die beschäftigten Frauen in seiner Praxis tüchtige Helferlein. Die weiblichen Angestellten sind, laut Arzt, für die Patienten ein Blickfang am Empfang. Da blieb mir das Lachen im Hals stecken. Solche Witze finde ich einfach nicht lustig.

Das Team rund um Kluftinger ist bodenständig und versucht mit dem Tod des früheren Kollegen fertig zu werden. Man spürt sehr gut, wie nahe dieser Verlust auch Kluftinger geht, und wie er sich auf Dinge einlässt, die ein Kollege zwecks Trauerverarbeitung anzettelt.
Neben all dem Klamauk und humoristischen Einlagen blieb der Fall, der Cold Case, lange Zeit eher blass. Hochgerechnet ging es etwa in einem Fünftel des Buches um den kriminalstischen Fall. Zwar gab es klassische Ermittlungsarbeit mit Befragungen, Begehung des ehemaligen Tatortes und Aktenstudium. Jedoch eher nebenbei laufend und wenig Platz einnehmend. Ich war direkt froh, als nach der Hälfte des Buches ein Toter gefunden wird. So kam doch noch ein Schuss Krimi in die Geschichte rein und Kluftinger glänzte mit dem, was er am besten kann: Ermitteln statt Wäsche zu waschen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2020

Geballte Ladung Frauenpower!

Die Stunde der Inseltöchter
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Die Schwestern Lauren und Jenna haben ein enges Verhältnis, und das, obwohl sie meilenweit voneinander entfernt leben. Lauren lebt mit ihrem Mann Ed und der Tochter Mack in London. Jenna mit ihrem Mann ...

Die Schwestern Lauren und Jenna haben ein enges Verhältnis, und das, obwohl sie meilenweit voneinander entfernt leben. Lauren lebt mit ihrem Mann Ed und der Tochter Mack in London. Jenna mit ihrem Mann Greg auf der Insel Martha's Vineyard vor der Küste Massachusetts, wo die beiden auch aufgewachsen sind. Als sich das Leben von Lauren auf einen Schlag verändert, fährt sie mit Mack zurück auf die Insel. Obwohl sie weiss, dass ein Geheimnis aus der Vergangenheit in dem Ort ihrer Kindheit noch schwerer zu bewahren sein wird. Zudem lebt auch ihre Mutter Nancy dort, zu der die Schwestern schon immer ein schwieriges und seit dem Tod von Vater Tom ein noch distanzierteres Verhältnis haben.


Diese Geschichte ist eine Geschichte mit einer geballten Ladung Frauenpower!
Vier Frauen: Mutter Nancy, ihre Töchter Lauren und Jenna, sowie Enkelin Mack, die alle von der anpackenden Sorte Mensch sind. Zudem sind sie verstrickt in eine Familiengeschichte mit einigen Geheimnissen, die das Buch zu einer abwechslungsreichen Lektüre machen.
Eines der Geheimnisse, die mich gedanklich von Beginn weg beschäftigt hat, wird relativ früh aufgelöst. Vor Mitte Buch weiss man Bescheid über Teile der Vergangenheit von Lauren und ab da wird dieser Punkt sehr vorhersehbar. Da hätte eine spätere Auflösung der Spannung sicher gutgetan.

Sehr gefallen hat mir die tiefe Verbundenheit, die man zwischen den zwei Schwestern spürt. Sie sind füreinander da, haben schon einiges zusammen erlebt und verstehen sich oft ohne Worte. Trotzdem ist die Familie keine heile Welt - Familie. Einiges liegt im Argen oder Dunkeln, das nach und nach von den Familienmitgliedern aufgearbeitet wird. Wie es im familiären Umfeld auch in der Realität so ist, geht es auch hier in der Familie Stewart um Beziehungen. Die zwischen Mutter und Tochter, zwischen Schwestern, Ehepartnern und auch zwischen Grossmutter und Enkelin. Immer geschieht etwas Neues, die Geschichte wird nie langweilig.

Als Kritikpunkt empfand ich die mühelose Umsetzung von Vorhaben. So wird ein ganzes Haus mit zehn Zimmern in wenigen Wochen in ein Hotel umgewandelt. Wohlverstanden: dies nicht von professionellen Handwerkern. Sondern von der einen Schwester, ihrer Mutter und einem Freund der Familie. Da werden Wände gestrichen, Böden abgeschliffen, dekoriert und Quilts für jedes Zimmer genäht. Wer schon mal einen Quillt genäht hat, weiss wie viel Stunden Arbeit in einem einzigen Stück stecken. Und Lauren näht am Laufmeter Quilts für jedes Zimmer und streicht und schleift noch nebenher ein ganzes Haus mit der Hilfe von 2, 3 Personen in wenigen Wochen?

Als zweiter Kritikpunkt muss ich hier, obwohl ich normalerweise die Ausstattung eines Buches nicht erwähne, das sehr kleine Schriftbild erwähnen. Ich lese 12 bis 15 Bücher pro Monat und normalerweise habe ich keinerlei Probleme damit, die Schrift zu entziffern. Doch in " Die Stunde der Inseltöchter" hat mich das Entziffern der kleinen Schrift oft angestrengt.

Den Schreibstil von Sarah Morgan habe ich schon in einem ihrer anderen Bücher, das ich gelesen habe, schätzen und lieben gelernt. Auch in" die Stunde der Inseltöchter" ist dieser wieder sehr bildlich, flüssig zu lesen und immer wieder stösst man auf Formulierungen die tiefgründig sind.

  • Cover
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Veröffentlicht am 30.09.2020

Uebersinnliche Komponente!

Das Böse in deinen Augen
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Die elfjährige Ellie Atkinson ist Waise und der Verlust ihrer Familie hat sie schwer traumatisiert. Die Pflegeeltern sind mehr oder weniger hilflos, nur die 15-jährige Mary findet Zugang zu Ellie. Als ...

Die elfjährige Ellie Atkinson ist Waise und der Verlust ihrer Familie hat sie schwer traumatisiert. Die Pflegeeltern sind mehr oder weniger hilflos, nur die 15-jährige Mary findet Zugang zu Ellie. Als die Kinderpsychologin Imogen Reid nach Gaunt zieht, übernimmt sie den Fall der Elfjährigen und versucht ihr zu helfen. Dann geschieht etwas, was Imogen an Ellie zweifeln lässt und sie fragt sich, ob das Mädchen in ihrer Wut schreckliche Dinge geschehen lassen kann ...



Lange Zeit habe ich mich gewundert, wie unprofessionell sich Imogen verhält. So lässt sie sich das Schicksal der kleinen Ellie viel zu nahe gehen, kauft ihr Kleider und macht mit ihr einen Ausflug. Erst als man nach und nach erfährt, was Imogen in ihrer Kindheit durchmachen musste, erklärt sich ihre Unprofessionalität.
Wie immer, wenn Kinder unter schlechten Bedingungen aufwachsen müssen, hat mich die Vergangenheit von Imogen sehr betroffen gemacht. Genau so sehr, wie das Trauma, das Ellie erlitten hat und versucht zu überwinden. Der Verlust ihrer ganzen Familie, die sie nun als Waise ganz alleine da stehen lässt. Dazu kommt, dass die Elfjährige Dinge erlebt, die leider immer wieder in Schulen an der Tagesordnung sind.

Einige Szenen gingen mir da sehr nahe. Nicht ganz schlau wurde ich aus Ellie's Lehrerin. Ihr Verhalten empfand ich als ein grosses Klischee und ihre Rolle so klar definiert, dass da ausser hinterhältigem nichts anders herauskam. Da hätte man in der Charakterisierung meiner Meinung nach subtiler vorgehen dürfen.
Weniger gefallen hat mir die übersinnliche Komponente, mit der die Figur Eliie charakterisiert wurde. Zwar wusste man nie so genau, ob nun wirklich das Mädchen besondere Kräfte besitzt oder ob da noch was anderes mitspielt. So hat die übersinnliche Komponente mich nicht das ganze Buch über irritiert. Ich gestehe aber, dass meine Neugier dadurch geweckt wurde. Wollte ich doch wissen, was hinter den Ereignissen, die alle als Hexenkräfte titulieren, denn steckt?

Gefallen hat mir, dass man als Leser die Sicht von Imogen, sowie die von Ellie erfährt. So kann man sich sehr gut in beide Hauptfiguren hinein fühlen. Allerdings empfand ich beide dann und wann ziemlich schräg. Beide vorbelastet mit Problemen oder Verlusten in der Vergangenheit und die Reaktionen oft davon geleitet.

Mich hat das Schicksal von Ellie berührt und so war ich von der Geschichte gefesselt und wollte unbedingt erfahren, auf was das Ganze hinausläuft. Was auch direkt eine Ueberraschung beinhaltete, denn diese Auflösung hatte ich nie auf dem Schirm.

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Veröffentlicht am 30.09.2020

Zu weit hergeholt...

Die stille Kammer
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Susan Webster hat vor einigen Jahren ihren 3 Monate alten Sohn Dylan getötet . Während all der Jahre in der Psychiatrie hat sich ihr Ehemann von ihr getrennt, Freunde und Bekannte von ihr abgewendet. Nur ...

Susan Webster hat vor einigen Jahren ihren 3 Monate alten Sohn Dylan getötet . Während all der Jahre in der Psychiatrie hat sich ihr Ehemann von ihr getrennt, Freunde und Bekannte von ihr abgewendet. Nur ihre Freundin Cassie, die sie in Haft kennen gelernt hat, ist ihr nach der Entlassung geblieben.
Unter falschem Namen versucht Susan mit dem Verlust des kleinen Dylan zurecht zu kommen. Bis ihr ein Foto zugeschickt wird ...ein Foto des 4 jährigen Dylan. Ist er gar nicht tot oder versucht jemand sie in den Wahnsinn zu treiben? Zusammen mit dem Journalisten Nick macht sie sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit.

Der Klappentext dieses Psychothrillers hat mich sehr angesprochen. Als spannend habe ich mir die Story von Susan vorgestellt.
Was ich nun fühle , am Ende dieses Buches ist Ernüchterung. Statt eines Psychothrillers habe ich eine Familien, Beziehungs und Liebesgeschichte bekommen. Gefühle spielen eine grosse Rolle, die Gefühle von Susan.
Durch den etwas langatmigen Schreibstil hat es die Autorin geschafft null Spannung aufkommen zu lassen. Dadurch , dass zu 75 % des Buches die Verarbeitung von Susan und der Verlust ihres kleinen Sohnes thematisiert wurde und nicht die Tat an sich, hatte ich eher das Gefühl in einem Schicksalsroman gelandet zu sein.
Die Story wird in zwei Erzählsträngen geführt. In einem werden die Sorgen und Nöte von Susan ausdauernd erläutert.
Im zweiten Strang wird über eine Clique junger Leute berichtet. Diesen Strang konnte ich lange Zeit nicht mit der Hauptgeschichte verbinden. ...erst ganz gegen Schluss verstricken sich die beiden Stränge, was meiner Meinung nach sehr weit hergeholt ist.

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