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Veröffentlicht am 08.04.2025

Leander Lost ist einfach genial

Lautlose Feinde
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Mit „Lautlose Feinde“ ist meiner Meinung nach Gil Ribeiro wieder ein Meisterstück gelungen. Es hat genau die richtigen Anteile an spannendem Krimi, dann aber auch wieder sehr familiäre Szenen und Lokalkolorit ...

Mit „Lautlose Feinde“ ist meiner Meinung nach Gil Ribeiro wieder ein Meisterstück gelungen. Es hat genau die richtigen Anteile an spannendem Krimi, dann aber auch wieder sehr familiäre Szenen und Lokalkolorit der Ostalgarve.

Worum geht es:

Am Tag vor der Hochzeit von Leander Lost und Soraia wird der Zollbeamte André Bento getötet, seine Enkelin, die ihm gerade etwas bringen wollte, wird entführt. Das Kind wird befreit, aber die Entführer entkommen.

Der Leser wechselt vom Ermittlerteam um Graciana zu zwei Paaren, die offensichtlich hinter dem Koffer eines Amerikaners her sind und sich in seinen Besitz bringen wollen. Im Zuge dieser Jagd nach dem Koffer verlieren drei Menschen ihr Leben.

Leander und Isadora waren für mich die herausragenden Ermittler in diesem Fall. Graciana hatte ihre Leitungsfunktion kurzfristig an Miguel Duarte abgeben müssen, der aber in alte Muster zurückfällt und sich hauptsächlich darum kümmert, in der Presse gut dazustehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Leander und Isadora funktioniert einwandfrei und ich fand es genial, den beiden in ihren Schlüssen zu folgen.

Privat haben Soraia und Leander endlich ihr Glück gefunden und in einer ergreifenden Zeremonie geheiratet. Für einen Asperger-Patienten wächst er mit seiner Liebeserklärung an Soraia über sich hinaus: „Sein Herz brachte ihn zum Lächeln, denn es tanzte, tanzte vor Vergnügen. »All das lässt nur eine Hypothese zu: du bist mein ganz persönliches Wunder, Soraia.«“ Fast hätte dieses Glück nur einen Tag gedauert, auch hier empfand ich es als großen Liebesbeweis Leanders, Soraia seinen Wächtern anzuvertrauen und selbst darauf zu verzichten.

Und natürlich kommt auch die portugiesische Küche nicht zu kurz, wofür alleine schon Carlos mit seinem steten Hunger und Raquel mit ihrer hervorragenden Kochkunst sorgen. Eine Hochzeitszeremonie in Fuseta mit der Einbeziehung des ganzen Dorfes miterleben zu dürfen, das hatte schon etwas Besonderes.

Ich war bereits von Band 6 der Reihe um Leander Lost sehr angetan gewesen und finde, Gil Ribeiro hat sich mit Band 7 noch weiter gesteigert. Er ist absolut lesenswert und hoffentlich folgt auch noch Band 8. Die Bewunderung Victoria Coens und Gloria Santos für die schnellen Schlüsse Leanders lassen fast auf einen Karriereschritt im nächsten Buch schließen. Allerdings glaube ich dann doch nicht, dass er die Ostalgarve verlassen wird.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Ihr Leben gehört dem Theater

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Der Umschlag basiert auf einem Bild „Juno und Jupiter“ von Gavin Hamilton, der im 18. Jh. lebte. Juno war auch in der römischen Antike die Frau des Göttervaters Jupiter, auch im Roman sind die beiden gleichnamigen ...

Der Umschlag basiert auf einem Bild „Juno und Jupiter“ von Gavin Hamilton, der im 18. Jh. lebte. Juno war auch in der römischen Antike die Frau des Göttervaters Jupiter, auch im Roman sind die beiden gleichnamigen Hauptfiguren miteinander verheiratet.
Jupiter in unserem Buch leidet allerdings an Multipler Sklerose und Juno hilft ihrem schwerkranken Mann, die Tücken des Alltags irgendwie zu meistern. Jupiter ist Schriftsteller, Juno Performance-Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater. Beide leben von dem was sie verdienen mehr schlecht als recht, glücklicherweise bezieht Jupiter Pflegegeld, so dass die Wohnung wenigstens gesichert ist und die beiden nicht hungern müssen.
Während Juno tagsüber ihren kranken Mann betreut, kann sie nachts nicht schlafen und führt ein Doppelleben im Internet. Sie chattet mit sogenannten Love-Scammern, die mittels Fake-Profilen Kontakt zu Liebessuchenden aufnehmen, um sie finanziell auszubeuten. Bei ihr ist es allerdings so, dass sie sehr genau weiß, was sie tut und dass sie ihrerseits diese jungen Männer an der Nase herumführt, die in ihr eine Geldquelle sehen.
Einer dieser Betrüger ist Benu aus Nigeria, mit dem sie eine intensive virtuelle Beziehung aufbaut. Trotz des Wissens um die Künstlichkeit der Situation entsteht zwischen ihnen eine besondere Verbindung. Sie geben sich zwar nie ganz zu erkennen, aber sind doch erstaunlich offen miteinander, sie kümmern und sorgen sich umeinander. Juno beginnt sogar, sich Literatur über Nigeria zu besorgen.
Die Beziehung zu Jupiter ist derweil mehr von Sorge um das körperliche Wohlergehen bestimmt. Sie funktioniert wie eine Pflegekraft, organisiert seine Arztbesuche, sie kauft ihm, was er gerne isst, sie fährt mit ihm zu Lesungen, tiefgreifende Gespräche habe ich allerdings vermisst. Sie reden nicht sehr viel miteinander und scheinen mehr aneinander vorbeizuleben.
Es ist schon eine schwere Belastung, die Juno da auf sich genommen hat, denn selbst mit über 50 tanzt sie noch und tritt sie noch überregional auf. Für diese Auftritte muss sie lange planen, denn dann muss Jupiter allein zurechtkommen. Für Pflegekräfte reicht das Geld meistens nicht und selbst finanzielle Auszeichnungen für Jupiter als Schriftsteller oder für Junos Performances sind meist schnell wieder verplant und ausgegeben.
Dennoch hatte ich oft das Gefühl, dass diese Auszeiten ganz, ganz wichtig für sie waren. Sie lebte auf in ihren Performances, dort konnte sie sich zeigen, wie sie wirklich war. Eigentlich war es ja Theater, aber Juno zeigte dort sich selbst. Die Realität hingegen war entweder nur ein Funktionieren, oder sie spielte ihren Scammern eine Wirklichkeit vor, die es nicht gab.
Ich fand den Klappentext nicht so zutreffend, weil er einen gewissen Voyeurismus weckte. Dabei wurde das Love-Scamming aber von ganz anderen Themen überlagert, nämlich der täglichen Überforderung durch Care-Arbeit, den prekären Verhältnissen, wenn das Geld nicht so floss, wie man es brauchte und den kleinen Fluchten in Traum-Welten, entweder im Theater oder solche, die sich durch die Versuche junger Männer in Afrika oder anderen Ländern ergaben, eine einsame Frau um ihr Geld zu bringen und die sich dann selbst hinters Licht geführt sahen.
Es ist schon ein Buch, über das man nachdenken kann, auch wenn es mich nicht 100 %ig mitgenommen hat.




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Veröffentlicht am 29.03.2025

Hetzjagd durch den Rheingau

Rheingau-Höllen
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Elisa Lowe ist als Phantomzeichnerin beim hessischen LKA angestellt. Eine alte Freundin bittet sie zum Spaß um ein Phantombild als Hochzeitsgeschenk für einen Freund und sie erfüllt ihr diesen Wunsch. ...

Elisa Lowe ist als Phantomzeichnerin beim hessischen LKA angestellt. Eine alte Freundin bittet sie zum Spaß um ein Phantombild als Hochzeitsgeschenk für einen Freund und sie erfüllt ihr diesen Wunsch. Nur dumm, dass der Gezeichnete, ein Jura-Professor und Richter, kurz darauf tot aufgefunden wird und man seine Brieftasche bei Elisa findet.

Damit gerät die Angestellte des LKA unter Mordverdacht und die Kollegen müssen gegen sie ermitteln. Elisa macht sich selbst auf die Suche nach dem Täter, unterstützt von ihrem Freund, dem Fotografen Silviu, der allerdings angesichts von Elisas Vorgehen manchmal ganz verzweifelt ist und nicht mehr weiß, ob er ihr vertrauen kann oder nicht.

Der Autor Stephan Reinbacher beschreibt eine rasante Jagd durch den Rheingau, der Wein spielt allerdings, anders als man es vom Titelbild des Buches her erwarten könnte, keine besondere Rolle. Lediglich der Assmannshäuser Höllenberg findet hin und wieder Erwähnung. Und anders als in einem Cozy Crime werden die Orte des Rheingaus zwar erwähnt, die besonderen touristischen Highlights werden aber bestenfalls am Rande gestreift.

Ich habe mich eigentlich durch das ganze Buch hindurch gewundert, warum Elisa nicht mehr Vertrauen in ihre Kollegen hatte. Warum sie sich sofort auf die Flucht begeben hat und sich damit erst richtig verdächtig machte. Dieses überstürzte Handeln ohne vorher zu überlegen brachte nicht nur ihren Kollegen Engleholm zur Verzweiflung sondern auch ihren Partner, der zwischenzeitlich gar nicht wusste, wo sie war oder wie er sie erreichen konnte. Im Endeffekt deckt sie damit allerdings auch noch ganz andere Machenschaften bei der hessischen Justiz auf.



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Veröffentlicht am 27.03.2025

Bei dieser Geschichte wird der Krimi fast zur Nebensache

Nordlicht - Die Spur des Mörders
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Am Sockel des Idstedt Löwen in Flensburg wird die Leiche des 73jährigen Karl Bentien gefunden. Der Idstedt-Löwe ist seit seiner Renovierung und Wiederaufstellung Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft. ...

Am Sockel des Idstedt Löwen in Flensburg wird die Leiche des 73jährigen Karl Bentien gefunden. Der Idstedt-Löwe ist seit seiner Renovierung und Wiederaufstellung Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft. Warum würde man hier einen alten Mann umbringen? Ein Fall für das deutsch-dänische Ermittlerteam aus Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.

Und tatsächlich müssen die beiden zur Lösung des Falles weit in die Vergangenheit eintauchen. Nicht nur der Leser lernt hier eine ganze Menge über die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zwischen den beiden Ländern. Und das machte für mich auch den Reiz des Buches aus, der Fall selbst wurde da fast zur Nebensache.

Dennoch sind auch die Ermittlungen spannend beschrieben und der Leser wird oft genug auf falsche Fährten gelockt. Ich fand das Buch ausgesprochen lesenswert und empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Tattoos als Mittel der Verständigung

Flusslinien
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Das Buch fällt auf durch ein sehr schönes atmosphärisches Cover, die Wildgänse fliegen über die Elbe und das gegenüberliegende Ufer ist durch den Nebel kaum zu erkennen. Etwas oberhalb liegt der Römische ...

Das Buch fällt auf durch ein sehr schönes atmosphärisches Cover, die Wildgänse fliegen über die Elbe und das gegenüberliegende Ufer ist durch den Nebel kaum zu erkennen. Etwas oberhalb liegt der Römische Garten, den Elsa Hoffa Anfang des 20. Jh. angelegt hat. Es ist der Lieblingsort der 102-jährigen Margret. Hierhin lässt sie sich von Arthur, dem Fahrer der Seniorenresidenz täglich bringen, weil der Garten Erinnerungen an ihre Mutter birgt. Ihre Mutter Johanne war die Freundin der Gärtnerin. Margret war in ihrem Berufsleben Therapeutin für Stimmbildung und Atemübungen. Auch heute noch nimmt das richtige Atmen in ihrem Leben einen wichtigen Platz ein.


Margret hat eine Enkelin Luzie, ihr Sohn Frieder lebt seit Jahren in Australien. Luzie ist traumatisiert aus Australien zurückgekehrt und hat kürzlich kurz vor dem Abitur die Schule verlassen. Mit ihrer Mutter Brisko verbindet sie ein eher schwieriges Verhältnis, mit ihrer Großmutter befindet sie sich eher auf einer Wellenlänge. Luzie träumt von einer Karriere als Tattoo Artist und sie ist auch tatsächlich gut in dem, was sie macht.
Die dritte Person, deren Schicksal an zwölf Frühsommertagen an der Elbe beleuchtet wird, ist Arthur, der Fahrer. Auch er hat seinen Weg noch nicht gefunden. Er taucht, erfindet Sprachen für Computerspiele und fährt die Patienten der Seniorenresidenz zu ihren Terminen. Und nebenbei trägt er an einer Schuld, die ihn nicht loslässt.
Das Buch ist abwechselnd aus Sicht der drei Hauptfiguren Margrit, Luzie und Arthur geschrieben und durch Rückblenden oder ihre Gedanken und Gespräche miteinander erfahren wir beim Lesen die volle Geschichte der drei. Luzies Wut und Verzweiflung über das was in Australien geschah, wird dabei deutlich spürbar.
Vielleicht ist das, was die drei Charaktere verbindet, die Sprache. Margret kann allein schon am Atmen ihres Gegenübers erkennen, wie er oder sie sich fühlt. Luzie drückt sich durch ihre Bilder und Tattoos aus und Arthur entwirft vollkommen neue Sprachen.
Margrit stellt sich Luzie als Übungsobjekt für ihre Tattoos zur Verfügung und Luzie entwirft einen Flusslauf mit wesentlichen Stationen aus Margrits Leben. Dass Margret sich tätowieren lässt, kann ich noch nachvollziehen, denn damit erhält sie Zugang zu Luzie und ihren Gedanken. Bei den Altersgenossen in der Seniorenresidenz kamen mir aber doch Zweifel. Auch wenn Gregor es vielleicht aus Zuneigung zu Margret in Erwägung gezogen hat.
Margret und ihre Enkelin sind sich herzlich zugetan und genau diese Liebe ist es auch, die beide im Umgang miteinander milder werden lässt. Während Luzie ihrer Umwelt meistens ziemlich wütend gegenübersteht, sieht sie ihrer Oma schon allein aus Altersgründen einiges nach. Die Tattoos sind ein Verständigungsmittel, damit teilt sie sich ihrer Umwelt mit.
Katharina Hagenas Sprache lehnt sich an das wunderschöne Cover an und ist häufig naturbezogen. Das Buch liest sich gut und flüssig, zählt aber nicht so ganz zu meinen Highlights, obwohl ich sicher bin, dass es sehr viele Fans finden wird.

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