Profilbild von Jiskett

Jiskett

Lesejury Profi
offline

Jiskett ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jiskett über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Highlight

Die Stadt der Träumenden Bücher
1 0

"Die Stadt der Träumenden Bücher" ist der erste Teil der 'Biographie' des Lindwurms Hildegunst von Mythenmetz, die Walter Moers großzügig 'übersetzt' hat - und sie hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte ...

"Die Stadt der Träumenden Bücher" ist der erste Teil der 'Biographie' des Lindwurms Hildegunst von Mythenmetz, die Walter Moers großzügig 'übersetzt' hat - und sie hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte ein paar kleine Startschwierigkeiten, aber schon bald konnte das Buch mich fesseln. Die Geschichte, wie von Mythenmetz auszieht, um den Autor des besten Textes, den er je gelesen hat, zu finden, war faszinierend und sehr wendungsreich; dazu kommt eine unglaublich gut ausgearbeitete Welt, bei der jede Kleinigkeit interessant und fantasievoll ist, angefangen von den Namen der verschiedenen Schriftsteller (Anagramme von echten Autoren, wie ich gelesen habe) über Bücherarchitektur bis hin zu der speziellen Nahrung der kleinen Buchlinge. Generell sind die verschiedenen Spezies, denen wir auf der Reise begegnen, detailverliebt dargestellt und es hat mir gefallen, mehr über sie zu erfahren. Außerdem hat Moers auch gute Arbeit mit der 'Übersetzung' typischer zamonischer Ausdrücke geleistet und Gegebenheiten, die uns nicht vertraut sind, die von Mythenmetz aber für selbsterklärend hielt, zufriedenstellend erläutert ;)

Die ganze Welt war sehr interessant und voller Bücher, sodass ich mir mehr als einmal gewünscht habe, ich könnte dort sein. Allerdings hat der Autor auch klar gemacht, dass in dieser auf den ersten Blick fast perfekt scheinenden Stadt voller Lesestoff auch Gefahren lauern und dass Bücher gefährlich sein können. Der Protagonist gerät in einige sehr brenzlige Situationen und mir hat gut gefallen, dass es auch diese negativen Seiten gab und dass die Stadt der Träumenden Bücher nicht einfach nur ein Paradies ist. Alles wirkt, obwohl das Setting sehr fantasievoll und auch oft unglaublich ist, lebendig und echt, da sie in vielen Einzelheiten ausgearbeitet wurde. Dazu kommen eine (meist) packende Geschichte und auch ein paar emotionale Szenen, auch wenn das World Building für mich klar im Vordergrund stand. Das Ende des Buches würde definitiv neugierig auf mehr machen, aber ich habe Band 2 ja schon gelesen. Auf jeden Fall bin ich jetzt noch mehr gespannt auf "Das Schloss der Träumenden Bücher"; der zweite Teil war zwar gut, aber nicht überragend, während dieses Buch hier definitiv ein Highlight ist.
Die vielen Illustrationen sind natürlich ein Bonus, da sie wirklich schön sind und gut zur Geschichte passen.

Fazit
Ich kann "Die Stadt der Träumenden Bücher" wirklich sehr empfehlen. Das Buch ist fantasievoll, interessant und gerade, wer es liebt, neue Welten zu entdecken, wird seine Freude damit haben.
4,5/5 Sternen

Veröffentlicht am 16.08.2017

Fesselnd

Shadowdwellers - Trace
0 0

"Trace" ist der erste Band einer Trilogie um die die Bewohner der Schattenwelt, die gerade erst einen Krieg hinter sich haben. Sie sind sehr stark und haben besondere Fähigkeiten, dazu leben sie lange. ...

"Trace" ist der erste Band einer Trilogie um die die Bewohner der Schattenwelt, die gerade erst einen Krieg hinter sich haben. Sie sind sehr stark und haben besondere Fähigkeiten, dazu leben sie lange. Sie können sich in der Menschenwelt bewegen, leben aber recht abgeschieden; in der Schattenwelt selbst gibt es zwar auch Menschen, sogenannte Verlorene, doch normalerweise können sie die übernatürlichen Wesen nicht wahrnehmen oder mit ihnen interagieren. Deshalb ist Trace sehr überraschend, als ihn eines Tages eine sterbliche Frau - Ashla - sehen kann. Er ist von dieser Kuriosität und auch der Frau selbst fasziniert und will sie näher kennen lernen; dabei entsteht zwischen ihnen natürlich eine unglaubliche Chemie, die sich bald entlädt.

Die Romanze der beiden wurde von der Autorin schön geschrieben. Ich war zunächst nicht begeistert, wie beziehungsweise unter welchen Umständen sie zum ersten Mal miteinander intim wurden, doch die Probleme, die ich mit der Situation hatte, wurden ausreichend thematisiert und es gab ein klärendes Gespräch zwischen den Protagonisten, sodass von dieser Seite her alles in Ordnung war. Davon abgesehen ist die starke Verbindung von Trace und Ashla gut herausgearbeitet und es ist offensichtlich, dass sie zusammenpassen und einander in vielerlei Hinsicht ergänzen.

Neben der schönen Liebesgeschichte gab es noch einige andere Handlungsstränge. Da ist zunächst das Rätsel darum, wieso Ashla in der Lage ist, Trace und sein Volk zu sehen und wie sie dort hingekommen ist. Die Auflösung war passend und obwohl sie mich kaum überrascht hat, war es doch interessant zu sehen, wie die Charaktere versucht haben, das ganze zu durchschauen. Außerdem hat der vergangene Krieg noch Auswirkungen auf das Leben der Gesellschaft und die Protagonisten werden mehrfach bedroht, sodass bis zuletzt eine gewisse Spannung da ist, aufgrund der ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Auch die Einblicke in die für uns fremdartige Kultur der Schattenbewohner waren faszinierend und ich hoffe, dass der zweite Band noch mehr Einzelheiten offen legen wird.

Der erste Band der Reihe hat mir sehr gefallen und ich bin schon gespannt auf "Magnus"; er hatte in diesem Buch bereits eine wichtige Rolle und bisher ist er mir sehr sympathisch.

Veröffentlicht am 14.08.2017

Eine lebendige, vielfältige Geschichte

Die Stadt des Zaren
0 0

"Die Stadt des Zaren" erzählt die Geschichte der Anfänge der Stadt St. Pieterburch (St. Petersburg), die von der Autorin mit den Schicksalen verschiedener Personen verwoben wird. Dabei begegnet der Leser ...

"Die Stadt des Zaren" erzählt die Geschichte der Anfänge der Stadt St. Pieterburch (St. Petersburg), die von der Autorin mit den Schicksalen verschiedener Personen verwoben wird. Dabei begegnet der Leser den unterschiedlichsten Menschen, vom Zaren selbst über eine deutsche Arztfamilie, Tischler und Kriegsgefangene hin zu Leibeigenen. Dadurch entsteht ein vielfältiges Bild der damaligen Zeit und man erfährt sehr viel über all die Probleme, die sich beim Aufbau der Stadt ergeben haben und wie die Menschen davon betroffen waren.

Gefallen hat mir, dass alle Charaktere facettenreich sind. Es gibt zwar jene, die sympathischer sind als andere und dafür ebenso unliebsame Figuren, doch alle haben ihre 'guten' und 'schlechten' Seiten. Der Zar wird als ehrgeiziger Visionär und Herrscher dargestellt, der zugleich temperamentvoll ist und die Geduld verliert, während beispielsweise Zoja, eine Leibeigene, sowohl provokant und selbstsicher als auch verletzlich ist. Die Motivationen sind ebenfalls vielschichtig und es war interessant, aus welchen Gründen die Menschen in die neu entstehende Stadt gekommen und warum sie geblieben sind.

Die Handlung spielt in den Jahren 1703 bis 1712 und in dieser Zeit wird den Protagonisten einiges zugemutet. Es wird Krieg mit Schweden geführt, ihr neues Zuhause ist erst im Aufbau, sie erleiden Katastrophen, erleben wunderschöne Momente und müssen persönliche Verluste ertragen. Einige Schicksale haben mich sehr mitgenommen, über andere habe ich mich gefreut; dadurch, dass es so viele verschiedene Charaktere gibt, die abwechselnd in den Mittelpunkt der Geschichte rücken, fand ich es jedoch manchmal schwer, wirklich mit ihnen mitzuleiden - wenn ihnen etwas zustieß, wurden ihre Gefühle und die Konsequenzen zwar deutlich aufgezeigt, aber da es in den nächsten Kapiteln dann oft um ganz andere Situationen ging, konnte man sich als Leser nicht hundertprozentig damit auseinandersetzen. Schade fand ich ebenfalls, dass am Ende einiges offen bleibt beziehungsweise nicht direkt angesprochen wird, obwohl die Autorin die meisten Handlungsstränge gut zusammengeführt hat und es auch realistisch wirkt, da das Leben für ihre Figuren eben über die Handlung des Buches hinaus weitergeht.

Davon abgesehen ist "Die Stadt des Zaren" meiner Meinung nach eine sehr interessante Lektüre; Sahler ist es gelungen, die historischen Fakten zu einer lebendigen, vielfältigen Geschichte zu verweben und die Entstehung der Stadt Petersburg anschaulich darzustellen.

Veröffentlicht am 11.08.2017

Ein verzwickter Fall

Wildeule
0 0

In "Wildeule" muss Gesine Cordes sich zum dritten Mal mit einem Fall auseinandersetzen, der persönlicher ist, als er sein sollte. Bei einer Beerdigung, auf der sie arbeitet, wird entdeckt, dass die falsche ...

In "Wildeule" muss Gesine Cordes sich zum dritten Mal mit einem Fall auseinandersetzen, der persönlicher ist, als er sein sollte. Bei einer Beerdigung, auf der sie arbeitet, wird entdeckt, dass die falsche Leiche im Sarg liegt und alles auf ein Tötungsdelikt hindeutet; als wäre das nicht schon schlimm genug, stellt sich bald heraus, dass ihr enger Freund Hannes ein Verdächtiger ist, was Gesine in einen schrecklichen Zwiespalt bringt. Einerseits will sie nicht glauben, dass er zu so etwas fähig ist, andererseits deutet vieles darauf hin und Marina Olbert ermittelt gegen ihn. Bei dieser verzwickten Lage hilft es auch nicht, dass Hannes sich merkwürdig und sogar verdächtig benimmt.

In diesem Band fahren die Gefühle der Protagonistin Achterbahn und auch in ihrem Verhalten wird deutlich, dass sie hin und her gerissen ist. Sie verhält sich oft irrational, weigert sich, Beweise für die Schuld ihres Freundes anerkennen, sie verfolgt eigene Theorien und ermittelt auf eigene Faust. Zugleich gibt es Momente des Zweifels, die sie zwar verdrängt, die aber da sind. Die Autorin hat Gesines Innenleben sehr gut beleuchtet und obwohl es Szenen gab, in denen ihr sturer Glaube an Hannes Unschuld mich ein wenig gestört hat, weil wirklich viel gegen ihn sprach, kann ich es doch verstehen. Er ist ihr Freund, sie vertraut ihm. Natürlich kämpft sie für seine Unschuld. Auch Hannes Verhalten ist damit zu erklären, dass er unter Druck steht, es gab allerdings Momente, in denen ich seinen Umgang mit Gesine überhaupt nicht mochte. Die Lage ist wirklich verfahren.

Der Fall an sich war wieder interessant und mir hat gefallen, dass Olbert eine objektivere Sicht auf die Dinge geliefert hat und sie somit Gesines Perspektive ausgeglichen hat. Ich konnte beide Seiten verstehen und die Mischung hat den Reiz des Buches ausgemacht; der Leser kann sehen, wieso Hannes verdächtig ist, zugleich will man es aber - wie Cordes - nicht wahrhaben. Die Ermittlungsarbeit war wieder gut dargestellt und die Auflösung war stimmig und hat zu den zuvor präsentierten Beweisen gepasst.

"Wildeule" ist erneut ein guter Krimi, der mich von Anfang an fesseln konnte und den ich gerne gelesen habe. Die Reihe gefällt mir bisher sehr und ich hoffe, dass es einen vierten Band geben wird.

Veröffentlicht am 11.08.2017

Regt zum Nachdenken an

Und Marx stand still in Darwins Garten
0 0

In "Und Marx stand still in Darwins Garten" zeichnet die Autorin ein eindrucksvolles Porträt von zwei Männern, die wohl jeder kennt: Charles Darwin, der vor allem für die Evolutionstheorie bekannt ist, ...

In "Und Marx stand still in Darwins Garten" zeichnet die Autorin ein eindrucksvolles Porträt von zwei Männern, die wohl jeder kennt: Charles Darwin, der vor allem für die Evolutionstheorie bekannt ist, und Karl Marx, einem Theoretiker des Sozialismus. Mir war zuvor nicht bewusst gewesen, dass die beiden so nahe beieinander gelebt hatten und sich dennoch nie getroffen haben, aber es ist interessant, sich eine Begegnung zwischen ihnen vorzustellen. Die Szene, in der sie aufeinander treffen, ist Jerger dann auch sehr gelungen - sie ist genauso unangenehm und angespannt, wie man erwarten könnte, vor allem, wenn man noch Darwins religiöse Frau und ihren Pfarrer zur Tischrunde hinzufügt. Leider bleibt es aber bei diesem einen Treffen und obwohl es durchaus interessant war und einige Denkanstöße für die Debatte lieferte, kam es mir doch ein wenig zu kurz.

Dafür sind die Parallelen der beiden Männer, die so unterschiedlich zu sein scheinen, sehr gut herausgearbeitet. Ein Großteil des Romans befasst sich mit den gesundheitlichen Problemen, mit denen sie zu kämpfen haben, doch auch ihre Arbeit ist für die Geschichte bedeutsam. Darwins Beobachtungen und seine Forschung waren faszinierend dargestellt und auch Marx' Überzeugungen über das Proletariat und die Klassenunterschiede wurden deutlich herausgearbeitet. Gerade Darwin war mir sympathisch; man lernt ihn nicht nur als großen Wissenschaftler, sondern als Mensch kennen, der seine Familie liebt, mit sich hadert und unsicher ist. Natürlich blickt man auch bei Marx hinter das allseits bekannte Bild, doch im Vergleich ist er für mich trotzdem ein bisschen blass geblieben. Das könnte daran liegen, dass man direkte Einblicke in Darwins Gedanken bekommt, während Marx zu großen Teilen nur aus der Sicht anderer - seines Arztes, Darwins oder seines Freundes - dargestellt wurde. Das war ein bisschen schade, da seine Gedankengänge bestimmt ebenfalls interessant gewesen wären, doch der Autorin gelingt es auch so, ihn hervorragend zu charakterisieren.

Insgesamt hat mir das Buch gefallen. Es ist eine stille Lektüre, die zum Nachdenken anregt, durchaus bewegende Momente liefert und mich neugierig darauf gemacht hat, mich mehr mit den Werken beider Männer zu beschäftigen. Trotzdem muss ich kritisieren, dass Marx ein wenig zu sehr im Hintergrund geblieben ist, auch wenn es mich beim Lesen nicht wirklich gestört hat, und auch das Treffen hätte etwas ausführlicher dargestellt werden können. Deshalb gibt es 'nur' 3,5/5 Sternen.