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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

Ehrlich und ungeschönt

Normale Menschen
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„Normale Menschen“ erzählt von Connell und Marianne, die sich in ihrer Schulzeit kennenlernen und über Jahre hinweg immer wieder in unterschiedlichen Lebensphasen aufeinandertreffen. Zwischen Nähe und ...

„Normale Menschen“ erzählt von Connell und Marianne, die sich in ihrer Schulzeit kennenlernen und über Jahre hinweg immer wieder in unterschiedlichen Lebensphasen aufeinandertreffen. Zwischen Nähe und Distanz, Missverständnissen und intensiven Gefühlen entwickelt sich eine Beziehung, die sich ständig verändert und nie ganz eindeutig ist. Der Roman begleitet die beiden auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden und zeigt, wie sehr sie sich gegenseitig prägen.

Ich habe das Buch relativ schnell gelesen, auch wenn ich am Anfang etwas gebraucht habe, um hineinzufinden. Der Stil ohne klassische Anführungszeichen bei der direkten Rede hat mich zunächst irritiert und das Lesen ein bisschen anstrengender gemacht. Nach einer Weile fand ich das aber sogar ziemlich passend, weil es der Geschichte einen eigenen Vibe und eine besondere Stimmung verleiht.

Die Handlung fühlt sich über weite Strecken ruhig und fast unspektakulär an – sie „plätschert“ eher vor sich hin. Genau das passt aber zum Kern des Buches: Es geht um ein ganz normales Leben und eine unperfekte Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich immer wieder verlieren und wiederfinden. Dieses Hin und Her hat mich teilweise echt geärgert, weil ich mir manchmal gewünscht hätte, sie würden einfach klarer miteinander umgehen. Gleichzeitig wirkte es dadurch unglaublich realistisch. Es fühlte sich an wie etwas, das im echten Leben genauso passieren könnte.

Gerade diese Echtheit hat mich am meisten überzeugt. Die Geschichte ist emotional, ohne dramatisch zu sein, und zeigt Beziehungen so, wie sie oft sind: kompliziert, widersprüchlich und nicht immer erfüllend. Beim Lesen hatte ich häufig ein leicht unbefriedigendes Gefühl – nicht im negativen Sinne, sondern eher, weil es kein klassisches Happy End oder klare Auflösung gibt. Vieles bleibt offen und läuft auf nichts „Großes“ hinaus. Ich glaube aber, genau das ist auch die Absicht des Romans.

Insgesamt hat mir das Buch ziemlich gut gefallen. Es liest sich angenehm, fühlt sich sehr authentisch an und bleibt auch nach dem Ende noch im Kopf. Ich würde ihm etwa vier von fünf Sternen geben – nicht perfekt, aber auf jeden Fall interessant und auf seine eigene Art sehr eindringlich.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Eine Liebeserklärung

Sommer auf Sylt
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„Sommer auf Sylt“ ist kein klassischer Roman, sondern eine literarische Sammlung aus Betrachtungen, kurzen Erzählungen, Briefen und Zeichnungen. Das Buch versteht sich als persönliche Liebeserklärung an ...

„Sommer auf Sylt“ ist kein klassischer Roman, sondern eine literarische Sammlung aus Betrachtungen, kurzen Erzählungen, Briefen und Zeichnungen. Das Buch versteht sich als persönliche Liebeserklärung an die Nordseeinsel Sylt.

Ernst Penzoldt beschreibt darin Landschaft, Natur und Menschen der Insel – von Dünen, Watt und Meer bis zu humorvollen Beobachtungen des Alltagslebens. Seine Texte verbinden poetische Naturdarstellung mit persönlichen Eindrücken und künstlerischen Illustrationen

„Sommer auf Sylt“ lebt weniger von Handlung als von Stimmung. Penzoldt zeichnet mit sensibler Sprache ein atmosphärisches Bild der Insel. Besonders stark ist seine Fähigkeit, Natur in Worte zu fassen: Farben, Licht und Wind erscheinen fast malerisch.
Die Texte wirken zeitlos und ruhig. Sie laden zum langsamen Lesen ein. Dabei bleibt der Ton oft leicht und humorvoll, etwa wenn Penzoldt Menschen und ihr Verhalten auf der Insel beobachtet.
Dieses Buch hat keine spannende Handlung oder einen durchgehenden Plot, es ist eher ein literarischer Begleiter – ein Werk zum Schmökern, Nachdenken und Genießen einzelner Passagen.

„Sommer auf Sylt“ ist eine poetische, ruhige Liebeserklärung an eine magische Landschaft. Selbst ich, die eigentlich keine Prosa liest habe mich in den Beschreibungen verloren und bin nur so durch die Seiten geflogen.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Wunderbarer Debütroman

Bestie
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Als die Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin sucht, sieht Delia darin die Chance für einen radikalen Neuanfang und zieht unter dem Namen Lilly bei ihr ein. Während Delia versucht, sich als selbstbewusste ...

Als die Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin sucht, sieht Delia darin die Chance für einen radikalen Neuanfang und zieht unter dem Namen Lilly bei ihr ein. Während Delia versucht, sich als selbstbewusste Bühnenautorin neu zu erfinden, glaubt Anouk, Lilly für ihre eigenen Zwecke nutzen zu können. Zwischen den beiden entsteht eine intensive Beziehung, die ihre Vorstellungen von Erfolg, Identität und Freundschaft zunehmend ins Wanken bringt.

Ich verfolge Joana June schon lange auf Youtube und habe mich riesig auf ihren ersten Roman gefreut. Die Art wie sie spricht und was sie selbst gerne liest spiegeln sich meiner Meinung nach in diesem Roman wieder. Daher wusste ich eigentlich vorher schon, dass er mir gefallen wird.

Die Geschichte war unterhaltsam, ließ sich sehr flüssig lesen und ist ingesamt ein wirklich gelungenes Debüt.
Besonders spannend fand ich, dass die beiden Hauptcharaktere extrem unsympathisch sind. Sie lügen, belügen sich selbst und machen sich gegenseitig etwas vor . Genau das hat mich beim Lesen gefesselt. Es war erfrischend, einmal Figuren zu begleiten, die man nicht mögen muss, um sie interessant zu finden.

Die Dynamik zwischen den beiden fand ich sehr stark, vor allem wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass sie gerade deshalb so gut zusammenpassen, weil sie sich beide permanent etwas vormachen und in ihren eigenen Konstruktionen leben.
Der Theaterbezug hat mir ebenfalls gut gefallen. Obwohl das eigentlich gar nicht meine Welt ist, wirkte nichts zu abgehoben oder unverständlich. Auch die ans Theater angelehnte Struktur der Geschichte fand ich sehr passend und atmosphärisch.

Das Ende war für mich persönlich nicht ganz befriedigend, aber trotzdem stimmig. Es passt zu der Tonalität des Romans und zu seinem realistischen Blick auf die Figuren. Insgesamt zeichnet das Buch ein glaubwürdiges Bild von zwei sehr unterschiedlichen Frauen in der heutigen Welt.

Ich kann „Bestie“ definitiv empfehlen. Wie viele Bücher aus dem Pola-Verlag ist es keine klassische Happy-End-Geschichte, sondern eine intensive, manchmal unbequeme Erzählung über zwei starke weibliche Charaktere. Gerade diese Unbequemlichkeit macht das Buch spannend und lesenswert.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Außergewöhnlich, aber nicht ganz dem Hype gerecht

Die sieben Männer der Evelyn Hugo
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Evelyn Hugo ist eine legendäre Hollywood-Diva, die jahrzehntelang im Rampenlicht stand und für ihr glamouröses, skandalträchtiges Leben bekannt ist. Und plötzlich entscheidet sie sich, ihre wahre Lebensgeschichte ...

Evelyn Hugo ist eine legendäre Hollywood-Diva, die jahrzehntelang im Rampenlicht stand und für ihr glamouröses, skandalträchtiges Leben bekannt ist. Und plötzlich entscheidet sie sich, ihre wahre Lebensgeschichte zu erzählen und zwar ausgerechnet der unbekannten Journalistin Monique Grant. In einem exklusiven Interview blickt Evelyn auf ihre Karriere, ihre Beziehungen und die sieben Ehen zurück, die ihr Image geprägt haben. Doch schnell wird klar, dass hinter dem öffentlichen Mythos eine sehr viel komplexere und verletzlichere Frau steckt.

Ich fand The Seven Husbands of Evelyn Hugo insgesamt gut, würde es aber eher mit 3 von 5 Sternen bewerten. Obwohl mich die Geschichte grundsätzlich interessiert hat und ich auch wissen wollte, wie alles zusammenhängt, habe ich ungewöhnlich lange gebraucht, um das Buch zu beenden. Ich habe es immer wieder zur Seite gelegt, ohne genau sagen zu können, warum. Es hat mich einfach nicht richtig gepackt, obwohl ich es beim Lesen selbst durchaus mochte.

Wenn ich gelesen habe, hat es mir Spaß gemacht, und der Schreibstil von Taylor Jenkins Reid ist für mich wie immer ein großes Plus: flüssig, emotional und sehr zitierwürdig. Evelyn Hugo als Protagonistin finde ich großartig – eine starke, widersprüchliche, faszinierende Figur, über die ich auch viele Stellen im Buch markiert habe. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass mich die Geschichte nicht konstant mitgenommen hat. Vielleicht lag es an den vielen Namen und Zeitsprüngen oder daran, dass mir andere Bücher der Autorin emotional nähergegangen sind.

Ich verstehe den großen Hype um dieses Buch daher nur teilweise. Es ist definitiv kein schlechtes Buch und hat viele starke Momente, aber für mich persönlich hat es nicht ganz die Wirkung entfaltet, die ich erwartet hatte.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Informativ und gut aufbereitet

Hygge @ Work
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Hygge@Work von Meik Wiking ist insgesamt ein angenehm zu lesendes Buch, das sich schnell und leicht durcharbeiten lässt. Der Schreibstil ist locker und zugänglich, sodass man gut durch die einzelnen Kapitel ...

Hygge@Work von Meik Wiking ist insgesamt ein angenehm zu lesendes Buch, das sich schnell und leicht durcharbeiten lässt. Der Schreibstil ist locker und zugänglich, sodass man gut durch die einzelnen Kapitel kommt und sich auch zwischendurch immer wieder zum Weiterlesen motiviert fühlt.

Inhaltlich bietet das Buch eine schöne Zusammenstellung rund um das Thema Wohlbefinden und Zufriedenheit im Arbeitsalltag. Vieles davon ist interessant aufbereitet und wird durch Diagramme, Statistiken und Studien sinnvoll ergänzt. Diese fand ich tatsächlich einen der stärkeren Aspekte des Buches.
Die vielen Fotos hingegen hätten für mich nicht unbedingt sein müssen; sie tragen nicht immer viel zum Inhalt bei und wirken teilweise eher wie Füllmaterial.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, waren wirklich neue oder überraschende Erkenntnisse. Wer sich bereits mit Themen wie Arbeitszufriedenheit, Unternehmenskultur oder Work-Life-Balance beschäftigt hat, wird hier vermutlich nicht allzu viel Neues mitnehmen. Trotzdem ist das Buch informativ und bietet eine gute Zusammenfassung bekannter Ansätze.

Unterm Strich ist Hygge@Work ein solides, gut geschriebenes Buch, das man problemlos lesen kann und das einen netten Überblick über das Thema gibt. Kein absolutes Must-read, aber durchaus empfehlenswert, wenn man sich schnell und unkompliziert inspirieren lassen möchte. Für mich ein solides 3,5- bis 4-Sterne-Buch

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