Ehrlich und ungeschönt
Normale Menschen„Normale Menschen“ erzählt von Connell und Marianne, die sich in ihrer Schulzeit kennenlernen und über Jahre hinweg immer wieder in unterschiedlichen Lebensphasen aufeinandertreffen. Zwischen Nähe und ...
„Normale Menschen“ erzählt von Connell und Marianne, die sich in ihrer Schulzeit kennenlernen und über Jahre hinweg immer wieder in unterschiedlichen Lebensphasen aufeinandertreffen. Zwischen Nähe und Distanz, Missverständnissen und intensiven Gefühlen entwickelt sich eine Beziehung, die sich ständig verändert und nie ganz eindeutig ist. Der Roman begleitet die beiden auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden und zeigt, wie sehr sie sich gegenseitig prägen.
Ich habe das Buch relativ schnell gelesen, auch wenn ich am Anfang etwas gebraucht habe, um hineinzufinden. Der Stil ohne klassische Anführungszeichen bei der direkten Rede hat mich zunächst irritiert und das Lesen ein bisschen anstrengender gemacht. Nach einer Weile fand ich das aber sogar ziemlich passend, weil es der Geschichte einen eigenen Vibe und eine besondere Stimmung verleiht.
Die Handlung fühlt sich über weite Strecken ruhig und fast unspektakulär an – sie „plätschert“ eher vor sich hin. Genau das passt aber zum Kern des Buches: Es geht um ein ganz normales Leben und eine unperfekte Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich immer wieder verlieren und wiederfinden. Dieses Hin und Her hat mich teilweise echt geärgert, weil ich mir manchmal gewünscht hätte, sie würden einfach klarer miteinander umgehen. Gleichzeitig wirkte es dadurch unglaublich realistisch. Es fühlte sich an wie etwas, das im echten Leben genauso passieren könnte.
Gerade diese Echtheit hat mich am meisten überzeugt. Die Geschichte ist emotional, ohne dramatisch zu sein, und zeigt Beziehungen so, wie sie oft sind: kompliziert, widersprüchlich und nicht immer erfüllend. Beim Lesen hatte ich häufig ein leicht unbefriedigendes Gefühl – nicht im negativen Sinne, sondern eher, weil es kein klassisches Happy End oder klare Auflösung gibt. Vieles bleibt offen und läuft auf nichts „Großes“ hinaus. Ich glaube aber, genau das ist auch die Absicht des Romans.
Insgesamt hat mir das Buch ziemlich gut gefallen. Es liest sich angenehm, fühlt sich sehr authentisch an und bleibt auch nach dem Ende noch im Kopf. Ich würde ihm etwa vier von fünf Sternen geben – nicht perfekt, aber auf jeden Fall interessant und auf seine eigene Art sehr eindringlich.