Ehrlich, nahbar und erschreckend real
HalbwachZoe ist erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, glaubt für sich selbst aber nicht an die große Liebe. Stattdessen genießt sie ihre Freiheit und möchte sich auf keine feste Beziehung einlassen. Als sie ...
Zoe ist erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, glaubt für sich selbst aber nicht an die große Liebe. Stattdessen genießt sie ihre Freiheit und möchte sich auf keine feste Beziehung einlassen. Als sie Mael kennenlernt, der ähnliche Vorstellungen vom Leben hat, scheint alles unkompliziert zu sein. Doch je näher die beiden sich kommen, desto mehr geraten ihre Überzeugungen ins Wanken und Zoe muss sich fragen, ob sie sich selbst vielleicht doch etwas vormacht.
Halbwach war für mich genau das Buch, das ich erwartet hatte und sogar ein kleines bisschen mehr. Wer hier einen klassischen Liebesroman erwartet, wird wahrscheinlich überrascht sein. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Selbstfindung, Freundschaften, Bindungsängste und die Frage, welche Erwartungen unsere Gesellschaft an Beziehungen stellt.
Besonders gefallen hat mir, wie ehrlich und realitätsnah die Geschichte erzählt wird. Ich glaube, dass sich viele junge Frauen in diesem Buch wiederfinden können. Vielleicht nicht unbedingt in Zoe selbst, aber sicher in einzelnen Gedanken, Situationen oder in Menschen aus dem eigenen Umfeld. Auch die Figuren rund um Zoe wirken unglaublich authentisch. In dieser Freundesgruppe findet sich gefühlt die ganze Generation zwischen zwanzig und dreißig wieder. Da gibt es die Schwester, die früh heiratet, die Person, die noch nie eine Beziehung hatte, Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen von Liebe und Zukunft. Dadurch fühlt sich das Buch unglaublich echt an.
Immer wieder musste ich beim Lesen an That Girl von Gabriella Santos de Lima denken. Beide Bücher haben diese ungefilterte Ehrlichkeit und zeigen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten, ohne sie zu idealisieren.
Auch der Schreibstil hat mich komplett überzeugt. Er ist flüssig, angenehm und sehr direkt, ohne dabei übertrieben dramatisch zu werden. Die Seiten sind nur so dahin geflogen und gleichzeitig regt die Geschichte immer wieder zum Nachdenken an.
Für mich war Halbwach ein authentischer und moderner Roman, der zeigt, dass das Leben und die Liebe nicht immer geradlinig verlaufen. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und kann es allen empfehlen, die ehrliche Geschichten über das Erwachsenwerden, Freundschaften und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben mögen.