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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2025

unglaublich berührend

Furye
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„Und wenn die tiefe Traurigkeit in mir hochsteigen will,so tief und dunkel, dass ich fühle, wie sie mich mit gierigen, schweren Klauen, dass ich fühle, wie sie mich mit gierigen, schweren Klauen zu Boden ...

„Und wenn die tiefe Traurigkeit in mir hochsteigen will,so tief und dunkel, dass ich fühle, wie sie mich mit gierigen, schweren Klauen, dass ich fühle, wie sie mich mit gierigen, schweren Klauen zu Boden reißen will – sage ich mir wieder und wieder, wiederhole es, bis ich es selbst glaube:
Das ist erst der Anfang.
Alles kann noch gut werden.
Das ist erst der Beginn.
Der Beginn deines richtigen Lebens.
Und irgendwann werde ich alt sein
Und mit Wehmut sagen:
Damals… damals war ich siebzehn Jahre alt…
Und in dem viel zu warmen Sommer
floss das Leben weich und träge wie warmer Honig,
der in den Strahlen der Sonne schimmert, durch uns
hindurch…
Der Sommer der Furien.“

Die Geschichte von Alec, die im HEUTE als erfolgreiche Musikmanagerin arbeitet, aber innerlich leer und zerissen ist, hat mich sprachlos und sehr aufgewühlt zurückgelassen. Fast ist es, als müsse man sich als Leser genauso neu zusammensetzen, wie das Alec tun muss.
„Furye“ ist ein vielschichtiges, düsteres Drama, der anfangs noch harmlos als Coming-of-Age-Roman daherkommt, schnell aber sehr komplex wird. Die Geschichte spielt auf 2 Zeitebenen (ganz toll fand ich, dass sie in 2 Schriftarten geschrieben sind). In der Vergangenheit sind Alec und ihre beiden Freundinnen Meg und Tess 17 Jahre alt und sie erleben diesen einen flirrend heißen Sommer, der für alle 3 lebensverändernd ist. Es geht um die erste große Liebe aber auch um Sucht, Gewalt, Patriarchat , psychische Gesundheit und Armut. Und herauszufinden, was das Leben der Drei so verändert hat, ist wirklich lesenswert und entfaltet großes Suchtpotential. Dazu gibt es immer wieder unerwartete Wendungen, großartige Sätze und einen wunderschönen poetischen Schreibstil. „Furye“ ist ein unbequemes Buch, ich habe gelacht und geweint und mitgelitten. Ich bin jedenfalls absolut begeistert und empfehle die Lektüre jeden, der Lust auf tiefgründigen, fesselnden, sprachlich gewaltigen und außergewöhnlichen Roman hat.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

durchkreuzte Pläne

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Als die Mittvierzigerin Phoebe Stone nach 20 Jahren von ihrem Mann verlassen wird, nachdem sie mehrere künstliche Befruchtungen über sich ergehen lassen hat, immer wieder aufs neue akzeptieren muss, dass ...

Als die Mittvierzigerin Phoebe Stone nach 20 Jahren von ihrem Mann verlassen wird, nachdem sie mehrere künstliche Befruchtungen über sich ergehen lassen hat, immer wieder aufs neue akzeptieren muss, dass sie keiner Festanstellung als Literaturprofessorin wert ist (während ihr Mann selbstverständlich sofort eine bekommen hat) und sie mit dem Schreiben ihres Buches seit Jahren festhängt, bringt der Tod ihrer Katze das berühmte Fass zum Überlaufen und sie beschließt ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie verlässt das Haus nur bekleidet in einem grünen Abendkleid, dass sie für einen besonderen Anlass gekauft aber noch nie getragen hat und reist nach Rhode Island in ein Luxushotel, das Zimmer für 800 Dollar die Nacht vermietet. Dort trifft sie auf Lila, die eigentlich das gesamte Hotel für ihre Traumhochzeitswoche reserviert hat und dementsprechend nicht begeistert über Phoebes Anwesenheit ist.
Phoebe ist wirklich eine erstaunliche Protagonistin. Sie erkennt ihren Wert nicht (mehr), dabei hat sie so viele Talente (z.Bsp. ihr enzyklopädisches Wissen), sie steckt im Alltagstrott fest, glaubt nicht mehr an sich selbst und stellt die Bedürfnisse anderer in den Vordergrund.
Lila scheint auf den 1. Blick das komplette Gegenteil zu sein: perfektionistisch, kontrollierend, privilegiert und selbstsicher. Doch auch Lila trägt ihr Päckchen – sie trauert um ihren kürzlich verstorbenen Vater, ist genervt von ihrer exzentrischen alkoholabhängigen Mutter, die ihr ständig sagt, dass es ein Fehler sei, den deutlich älteren Gary zu heiraten und steht Garys Tochter, die sie offensichtlich abgrundtief hasst, völlig hilflos gegenüber.
Interessanterweise wird Phoebe zu Lilas Beraterin, denn eventuell ist diese Fremde die einzige wirklich ehrliche Person in der ganzen Hochzeitsgesellschaft. Nach und nach helfen die Gespräche mit Lila, ihrem Bräutigam und anderen Hochzeitsgästen Phoebe aus ihrer dunklen Phase herauszukommen. Bald ist der selbstgewählte Tod kein Thema mehr, was aber nicht heißt, dass es nicht zahlreiche andere Herausforderungen zu bewältigen gilt.
Was wäre, wenn Lila die Beziehung zu Gary noch nicht bis zum Ende durchdacht hat? Was, wenn Phoebe erkennt, dass das Leben ihr andere Chancen bietet?
Diese Geschichte ist eine perfekte Balance zwischen Drama, tiefgründigem Humor und skurrilen Momenten. Mir hat besonders der Handlungsverlauf, die aufkeimende Freundschaft zweier unterschiedlicher Frauen aber auch die gefühlvollen Momente, die Selbsterkenntnisse und der Mut, neu anzufangen, gefallen. Phoebes Figur hat sich großartig entwickelt und auch Lilas Verletzlichkeit haben mir sehr gut gefallen.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 23.04.2025

Eine dysfunktionale Familie

Wo wir uns treffen
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Im Mittelpunkt des Geschehens steht das Herrenhaus von Sussex, das sich auf einem 400 Hektar großen Grundstück befindet. Dort kämpfen Philip Brooke und seine Tochter Francesca (genannt Frannie) seit 10 ...

Im Mittelpunkt des Geschehens steht das Herrenhaus von Sussex, das sich auf einem 400 Hektar großen Grundstück befindet. Dort kämpfen Philip Brooke und seine Tochter Francesca (genannt Frannie) seit 10 Jahren für die Natur. Nun ist Philip gestorben und wir begleiten die Familie durch 5 Tage rund um sein Begräbnis.
„Wo wir uns treffen“ von Anna Hope hätte ein „normaler“ Roman über Bedauern, Sehnsüchte und Feindseligkeiten zwischen Geschwistern sein können, die sich zur Beerdigung ihres Vaters versammeln - aber dies ist ein Roman, der tiefer und dunkler in eine Familie eindringt, die unter dem Schatten des patriarchalischen und egoistischen Philip Brooke - Erbe eines mehrere Generationen zurückreichenden Familienbesitzes und bekennender Partylöwe - sowie ihrer privilegierten Herkunft gelebt und gelitten hat.
Nachdem er seine Frau (die immer noch allein auf dem Anwesen lebt) und seine Kinder verlassen hat und nach Amerika gegangen ist, gerät das Anwesen in Unordnung, bis Frannie, das älteste der Kinder, nach Hause zurückkehrt und sich daran macht, das Land in einen Ort der Wiederbegrünung zu verwandeln. Philip kehrt schließlich nach Hause zurück, um seine letzten Jahre auf dem Anwesen zu verbringen - ein Zustand der Buße für vergangene Taten - und arbeitet an der Seite von Frannie.
Frannies Bruder Milo hat die Vision, ein Vermögen zu machen, indem er einen Teil des Landes als Rückzugsort für einen Millionär nutzt, während die junge Schwester Isa ihre eigenen Gründe hat, auf das Landgut zurückzukehren, da sie in ihrer Ehe Probleme hat.
Der Roman wird aus der Perspektive und mit der Stimme jeder der Hauptfiguren erzählt, die alle durch die Handlungen von Philip geschädigt wurden. Die Spannungen, die Gier und das Streben zwischen den Figuren sind spürbar. Die Charaktere sind alle gut ausgearbeitet, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Einige haben Probleme, wie Milo, der viele Dämonen hat, Isla dagegen ist hin- und hergerissen und unsicher, während Frannie zielstrebig und rücksichtslos ist, wenn es darum geht, eine Vision zu verfolgen. Die herausragende Figur ist für mich Frannies neugierige Tochter Rowan, die nicht unbedingt wie ein typisches Kind in ihrem Alter denkt, aber in Wirklichkeit eine zentrale Rolle spielt, um das Ganze zusammenzuhalten.
Anna Hope hat einen großartigen Roman geschrieben, der sich mit weitreichenden gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt - allen voran mit dem Erbe, das wir hinterlassen (Umwelt/Natur, Klimawandel), aber auch mit den unausgesprochenen Faktoren der Vergangenheit und der Notwendigkeit, dass die Wohltäter vergangener Reichtümer die Wurzeln ihres Anspruchs und ihres Glücks anerkennen.
Insgesamt ist dies ein fesselnder und anspruchsvoller Roman, der mich überzeugt hat. Ich habe Anna Hope bisher noch nicht gelesen, werde mir nun aber als nächstes „Was wir sind“ vornehmen.

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Veröffentlicht am 23.09.2020

konnte mich nicht restlos begeistern

Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau
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Ich bin auf das Buch von Marie-Renée Lavoie gestoßen, als ich mich über das diesjährige Partnerland Kanada bei der Frankfurter Buchmesse informiert habe. Das freche Cover fand ich sehr ansprechend und ...

Ich bin auf das Buch von Marie-Renée Lavoie gestoßen, als ich mich über das diesjährige Partnerland Kanada bei der Frankfurter Buchmesse informiert habe. Das freche Cover fand ich sehr ansprechend und da ich selbst schon ein paar Jahre Ehe auf dem Buckel habe, die auch nicht immer nur harmonisch waren, interessieren mich Bücher über Frauen in ähnlichem Alter und Lebensstadium. Als ich das Buch dann hier bei der Leserunde entdeckt und auch noch gewonnen habe, war die Freude groß. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal, dass ich bei der Leserunde dabei sein durfte!

Das Buch startet mit der bissigen Meinung der Hauptprotagonistin Diane über die Ehe und zeichnet im weiteren Verlauf ein kritisches Bild unserer Gesellschaft voller Doppelmoral und egoistischer Männer. So wird die einst gemeinsame Entscheidung für Familie und Haus ab der Trennung zu einer, die die Frau alleine schultern muss. Die Schuld für die misslungene Ehe wird auf die Frau abgewälzt. Dazu kommt, dass der Ehemann, obwohl er seiner Frau gerade eröffnet hat, dass er sich nach 28 gemeinsamen Ehejahren von ihr wegen einer jüngeren Frau trennen wird („Ich bin einfach nicht mehr glücklich mit Dir!“), dennoch ihre gemeinsame Silberhochzeit feiern möchte, um den Schein zu wahren („denn das erwarten alle und sie haben es verdient“). Diane platzt der Kragen und ab jetzt geht sie mit der buchstäblichen Axt zu Werke. Sie lässt nichts aus – Verleugnung, Zusammenbrüche, Kurzschlussreaktionen, Rachepläne, Zerstörungsorgien bis hin zur Suche eines neuen Ichs und Neuanfang.

„Schreiend komisch“ wie vom Verlag beworben, würde ich dieses Buch jetzt nicht betiteln. Ab und zu musste ich schmunzeln aber so laut wie das Cover ist die Handlung nicht. Eigentlich sind die Situationen, in die Diane gerät mehr traurig als komisch.
Mir blieb Diane relativ fremd. Ihre Aktionen konnte ich meist nicht nachvollziehen und fand sie übertrieben. Der Schreibstil ist flüssig und das Buch ist in kurze Kapitel geteilt, die sich schnell weglesen lassen. Jedoch ist die Geschichte nicht fesselnd oder mitreißend. Man folgt Diane von einer Episode zur nächsten, erlebt mit ihr Alltagsbanalitäten und viele Fremd-Schäm-Aktionen. Ein bisschen hat mich auch gestört, dass Diane (natürlich) aus sehr gut betuchten Verhältnissen kommt und sich um Geld keine Gedanken zu machen braucht. Sie kann einfach aus dem Vollen schöpfen, Dinge zerstören und neu ersetzen. Das geht nicht Jedem so und macht sie für mich noch ein bisschen unsymphatischer.

Dennoch schafft Marie-Renée Lavoie ein Zusammengehörigkeitsgefühl und ruft uns Frauen einen Appell zu „Bleibt, wie ihr seid, egal ob langweilig oder nicht und lebt euer Leben.“ Wer entscheidet schon, was langweilig ist und was nicht?

Schönstes Zitat: „Niemand besteigt ein Boot mit dem Gedanken, dass es untergehen wird. Aber Boote gehen nun mal unter. …Die Liebe ist genau wie das Meer das Risiko wert, auf das wir uns einlassen.“

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Veröffentlicht am 29.08.2020

Das große Finale

Stronger than Fate
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Der 3. Teil der Stronger-Reihe von Meghan March gibt endlich einige Antworten. In diesem Teil passiert mehr als in den beiden ersten Bänden. Zu viel!
Ich freue mich natürlich für Meghan und Cricket samt ...

Der 3. Teil der Stronger-Reihe von Meghan March gibt endlich einige Antworten. In diesem Teil passiert mehr als in den beiden ersten Bänden. Zu viel!
Ich freue mich natürlich für Meghan und Cricket samt Anhang und für die beiden alten Männer über das Happy End.
Aber was die Autorin alles aus dem Hut zaubert um die Geschichte zu Ende zu bringen, ist definitiv too much: es gibt grosses Drama auf jeder Seite, Lügen, unglaubliche Offenbarungen und sogar Mord und Totschlag. Mir schwirrt noch richtig der Kopf! Meiner Meinung nach leidet die Glaubwürdigkeit unter dieser Vielzahl und das Ende war fast schon lachhaft.
Natürlich gibt es immer noch massenhaft Schuldgefühle und dementsprechend viele Entschuldigungen, nicht minder viele (sinnlose) Versprechen und auch einige Sexszenen.
Mögen die Überlebenden glücklich bleiben bis ans Ende ihrer Tage und falls sie nicht gestorben sind, dann leben sie vielleicht noch heute...

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