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Veröffentlicht am 09.09.2018

Wenn alles zu zerbrechen scheint ...

Save Us
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Inhalt

Nach Rubys Rausschmiss aus Maxton Hall sind ihre Träume, in Oxford zu studieren, jäh zerplatzt. Kann James tatsächlich hinter den schrecklichen Fotos stecken, die sie ihre Zukunft kosten? Während ...

Inhalt

Nach Rubys Rausschmiss aus Maxton Hall sind ihre Träume, in Oxford zu studieren, jäh zerplatzt. Kann James tatsächlich hinter den schrecklichen Fotos stecken, die sie ihre Zukunft kosten? Während das junge Paar erneut vor einer Zerreißprobe steht, hat auch Lydia mit ihrer familiären Situation zu kämpfen. Die Clique scheint immer weiter zu zerbrechen, Geheimnisse und Misstrauen stehen im Raum. Werden sie es schaffen, sich gegenseitig wieder zu vertrauen?

Meine Bewertung

Mir tut es gerade im Herzen weh, diese Rezension schreiben zu müssen, da ich die ersten beiden Teile der Maxton-Hall-Trilogie wirklich gefeiert habe. Deshalb war ich auch unheimlich gespannt auf „Save Us“ und habe erwartet, dass es mich trotz einiger bekannter Tropes wie die Vorgänger mitreißen würde. Dass ich jetzt aber hier sitze und mich beim Lesen ernsthaft fragen musste, ob ich das Buch nicht lieber abbreche, ist schon ein bitterer Schock, den ich nicht erwartet habe.

„Save Us“ fing mit einer guten Situation für viel Drama an: Ruby wurde suspendiert und muss sich gegen die Gerüchte behaupten, dass sie eine Affäre mit ihrem Lehrer haben soll. Ich hatte da viel mehr Emotionen erwartet, stattdessen hat Ruby sich mit Alkohol abgeschossen, wie es sonst eher James tut. Der setzt natürlich alles daran, dass alles wieder gut wird – und innerhalb weniger Kapitel war dann auch schon alles abgefrühstückt. Mir hat dabei der emotionale Bezug gefehlt, noch mehr Elemente, die die Situation hoffnungsloser machen.

Das war auch das Problem, dass sich durch das ganze Buch gezogen hat. Kaum taucht ein Problem auf, wird es schon wieder gelöst, die Charaktere müssen sich eigentlich auch kaum dafür anstrengen. Alles geht reibungslos, stattdessen ist das Selbstmitleid aber umso höher. So oft wollte ich Ruby und James im dritten Band anschreien, mal weniger zu jammern und stattdessen ernsthaft die Initiative zu ergreifen. Aber das haben beide irgendwie nur drauf, wenn es um ihre liebevolle Beziehung geht. Und so zieht sich auch ein gewisser Kitsch durch „Save Us“, den ich irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Ich habe die ersten zwei Bände trotz ihres Seifenopern-Charakters sehr gern gemocht, aber hier hatte ich wirklich Schwierigkeiten, am Ball zu bleiben, ohne ständig die Augen zu verdrehen, weil alles so perfekt und so reibungslos ist.

In „Save Us“ kommen dazu noch zwei weitere Sichten hinzu: Graham und Alistair haben sie erhalten, was ich denkbar unnötig fand. Alistairs und Keshavs Geschichte fand ich noch ziemlich schön, aber viel zu oberflächlich gehalten, auch da war erst mal viel Geheule und dann ging alles prima, ohne dass groß was passiert wäre. Ebenso verhielt es sich bei Lydia und Graham: Babyparty, Umzug, alles wundervoll bis auf ein kleines Drama am Anfang, das mir viel zu aufgesetzt und übertrieben war. Ich hätte hier einfach mehr Hintergründe erwartet, mehr Schwierigkeiten anstatt des ständigen Jammerns über Probleme, die man sich nur selbst schafft, weil man den Mund nicht aufbekommt.

Was aber wirklich alles getoppt hat, war das Ende. Ich werde an dieser Stelle nicht spoilern, aber ich habe tatsächlich nur durchgehalten, um zu erfahren, wie das Beaufort-Drama um James‘ und Lydias Vater aufgelöst wird. Und auch hier ging mir einerseits alles zu schnell, zu einfach und zu kitschig. Böser Papa, großes Geheimnis, minimaler Aufwand – und ein Charakter wie Percy, der Chauffeur, der so viel Potenzial hatte, wurde nur als Plotstütze benutzt. Da wars für mich dann endgültig vorbei. Ich stehe auf Happy Ends, aber dieses wirkte nicht verdient.

So sehr ich die ersten zwei Bände auch mochte, „Save Us“ hat mich kaum überzeugen können. Mona Kastens Schreibstil war zwar wieder angenehm zum Lesen, doch dank der Handlung, die mich überhaupt nicht packen konnte, kam ich zu schwer voran. Es ist schade, dass das Buch für mich nun keinen guten Abschluss der Maxton-Hall-Reihe bietet, aber „Save Us“ war einfach zu schwach.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Ein fesselndes und bewegendes Buch ...

Und du bist nicht zurückgekommen
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Inhalt

Marceline ist fünfzehn, als sie mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau gebracht wird. Nur wenige Kilometer trennen sie voneinander, doch die Distanz wird ihr Leben auf ewig verändern. Marceline ...

Inhalt

Marceline ist fünfzehn, als sie mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau gebracht wird. Nur wenige Kilometer trennen sie voneinander, doch die Distanz wird ihr Leben auf ewig verändern. Marceline kommt frei – doch ihren Vater sieht sie nie wieder. Sie lässt ihn zurück an dem Ort, der für die unmenschlichsten Kapitel der Geschichte steht. Ihr Leben lang versucht sie, sich an die letzte Nachricht ihres Vaters zu erinnern, seine Worte wieder in ihr Gedächtnis zu rufen, doch niemand wird jemals verstehen, wie viel Marceline tatsächlich zurückgelassen hat.

Meine Bewertung

„Und du bist nicht zurückgekommen“ ist eine Autobiografie, die völlig von meinen gewohnten Genres abweicht. Trotzdem finde ich es auch angesichts der Thematik wichtig, mich immer wieder an etwas anderes heranzuwagen, und dieses Buch schien mir das richtige dafür zu sein. Es ist erschreckend, aufrüttelnd und ruft uns ins Gedächtnis, wieso wir nie wieder solch dunkle Zeiten wie während des zweiten Weltkriegs zulassen dürfen – und vor allem ist es geprägt von so viel Liebe und Schmerz, dass man sie auf jeder Seite findet.

Die Autorin war fünfzehn Jahre alt, als sie aus Frankreich nach Birkenau deportiert wurde, um dort unter den menschenverachtenden Kommandos zu arbeiten. Kleider sortieren, Gräber schaufeln – Marceline hat in dem jungen Alter mehr Schrecken gesehen als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Ihr Vater war in Auschwitz, eigentlich nicht weit von ihr entfernt, und doch trennte sie zu viel. Der Brief, der sich durch die ganze Geschichte zieht, hat einen großen Einfluss auf Marcelines Leben. Ihr Vater hat ihn ihr übermitteln lassen, wofür sie beide alles hätten verlieren können. Und für Marceline steht fest: Ihr Leben gegen seins. Selbst als sie nach Hause kommt, erholt sie sich nicht mehr von den Schrecken, wird für immer auf der Suche nach ihrem Vater sein, der sein Leben lassen musste.

Es gibt kaum angemessene Worte, die dieses Buch beschreiben können. Ich wusste von Anfang an, worauf ich mich einlasse, aber es zu wissen und dann selbst zu erleben, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Ausführungen der Autorin waren ein ziemlicher Schock, auch wenn ich denke, dass wir das Thema in der Schule schon sehr weit und ausführlich abgehandelt haben. Trotzdem sind solche Berichte Überlebender der Konzentrationslager nichts für schwache Nerven. Ich hatte ein ganz ungutes Gefühl im Bauch und habe selbst gemerkt, wie ich versucht habe, eine innere Distanz dazu aufzubauen, um nicht zu tief in die Gefühlswelt der jungen Marceline abzurutschen. Ihre Schilderungen haben mich sehr mitgenommen und werden mir wahrscheinlich noch lange Kopfzerbrechen bereiten.

Was für mich aber noch heftiger war, war der krasse Gegensatz der Gefühle in diesem Buch. Um alles zu verarbeiten, musste auch die Autorin eine gewisse Barriere um sich herum aufbauen und sich gefühlsmäßig abschotten. Sie hat die Worte vergessen, die ihr Vater ihr in einem Brief schrieb – und das trägt sie ihr Leben lang mit sich. Selbst ihre zweite Ehe hat Parallelen zu ihrem Vater. Sein Tod nimmt sie spürbar mit und das Aufarbeiten seines Lebens beschäftigt sie. Diese Liebe inmitten der Kühle, Distanz und der Fassungslosigkeit in Anbetracht der Unmenschlichkeiten war für mich sehr aufrüttelnd und irgendwo auch spannend zu lesen. Während ihre Familie vieles totschweigt und möchte, dass Marceline normal weiterlebt, kann sie es umso schwerer verarbeiten. Ihr Vater hätte ihr helfen können, haben sie doch die gleichen Erfahrungen geteilt – aber er kommt nicht mehr zurück.

„Und du bist nicht zurückgekommen“ ist ein Buch, das nachdenklich und sehr traurig stimmt. Gleichzeitig halte ich es für unglaublich wichtig, dass wir alle uns als Gesellschaft mit der Historie befassen und dabei auch Zeitzeugen sprechen lassen. Vor allem die, die so viel Leid davongetragen haben: Ihre Stimmen sind wichtig und sollten gehört werden, damit wir niemals wieder in eine solch dunkle Zeit abrutschen können. Marceline Loridan-Ivens hat hier ein eindrucksvolles Werk hinterlassen, dessen Stimme weithin gehört werden sollte.

Veröffentlicht am 30.10.2018

Mystisch und erstaunlich seltsam ...

All the strangest things are true.
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Wink. Poppy. Midnight. Drei Spieler einer Geschichte, ein Held, eine Wölfin, eine Strippenzieherin – und ein altes, verlassenes Spukhaus, in dem sich grausame Dinge ereignet haben. Alle seltsamen Geschichten ...

Wink. Poppy. Midnight. Drei Spieler einer Geschichte, ein Held, eine Wölfin, eine Strippenzieherin – und ein altes, verlassenes Spukhaus, in dem sich grausame Dinge ereignet haben. Alle seltsamen Geschichten sind wahr, und so auch diese: Zwischen Lüge und Verrat, Begehren und Verderben, erzählt jeder seine ganz eigene Geschichte. Aber es gibt nur eine Wahrheit – und sie ist dunkler als alles, was im Spukhaus geschah …

Ich muss ganz ehrlich sagen … Ich weiß nicht so recht, was ich hier eigentlich gelesen habe. „All the strangest things are true“ lag schon länger auf meinem SuB und jetzt habe ich es doch sehr schnell runtergelesen blieb aber mit einem riesigen Fragezeichen zurück. Was genau war dieses Buch? Mystery? Jugendroman? Seltsam beschreibt es wohl auf jeden Fall gut, und alle seltsamen Dinge sind schließlich wahr, aber hoffentlich nicht diese Geschichte.

Wink, Poppy und Midnight erzählen sie aus ihren Sichten und könnte unterschiedlicher nicht sein. Aber mir waren sie als Charaktere zu überzeichnet, zu sehr in Schubladen gepresst, um dann doch wieder umgekrempelt zu werden, weil sich die Autoren zu einem besonderen Plot Twist am Ende entschieden hat. Mir persönlich hat der nicht gefallen. Es hat nur dazu geführt, dass ich von allen dreien am Ende genervt war, weil ich weder ihre Motivationen verstehen und nachfühlen konnte, noch damit zurechtkam, dass sie die drei Special Snowflakes sind und irgendwie alles an der Geschichte möglichst „special“ sein sollte.

Der Schreibstil war anstrengend und leicht zugleich. Das klingt zurecht nach einem Widerspruch, aber während ich wirklich schnell vorankam, weil große Passagen sehr leicht zu lesen waren, haben mich die ständigen Wortwiederholungen und wörtlichen Reden genervt, die wohl besonders poetisch klingen sollten. Aber mal im Ernst: So redet niemand. Erst recht nicht drei Teenager. Ich lese gern Bücher mit besonderen sprachlichen Wendungen und voll schöner Beschreibungen, und hier hat sich zwar eine mystische Atmosphäre gebildet, aber sie konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Plot leider sehr dünn ist.

Im Endeffekt ist das Buch eine riesige Geschichte, die sich Wink einfach nur ausdenken könnte: Sie benutzt die Charaktere als Schachfiguren in ihrer eigenen Welt. Aus Poppys Sicht ist aber sie es, die besonders perfekt ist und die Königin in dem ganzen Spiel zu sein scheint. Und Midnight steht irgendwo zwischen der Verführerin und dem Manix Pixie Dream und lässt sich herumschubsen und bezeichnet es als Liebe. Die ganzen Beziehungen der Charaktere, wirklich aller Charaktere untereinander, waren extrem toxisch und seltsam.

An sich hätte die Geschichte wirklich cool werden können und ich muss sie doch stark für die Einbeziehung des Übernatürlichen und die mystische, dunkle Atmosphäre loben, die über allem mitschwingt. Vor allem das Roman-Luck-Haus hat mich mit seinen Spukereien echt gegruselt. Aber alle anderen Umstände waren für mich nicht besonders toll zu lesen und ich war froh, als das Buch dann vorbei war. Irgendwie hat es mehr Fragen aufgeworfen, als es tatsächlich beantwortet hat. In dem Sinne ist „All the strangest things are true“ kein kompletter Reinfall, aber auch nicht unbedingt mein Liebling.

Veröffentlicht am 27.10.2018

Am leuchtenden Abgrund Hollywoods ...

Starlight Nights - Immer wieder du
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Ein schreckliches Ereignis brachte die Schauspielfreunde Calista und Eric auseinander. Dabei sind sie die Einzigen, die sich gegenseitig Hoffnung schenken können, wenn sie schon im Keim von ihren übergriffigen ...

Ein schreckliches Ereignis brachte die Schauspielfreunde Calista und Eric auseinander. Dabei sind sie die Einzigen, die sich gegenseitig Hoffnung schenken können, wenn sie schon im Keim von ihren übergriffigen Familien erstickt wird. Doch Callie will nach dem frühen Ende ihrer Karriere nichts mehr als ein normales Leben – bis Eric wieder in ihrem Leben auftaucht. Seine Anziehungskraft ist nicht geringer geworden, und als er Callie eine Traumrolle in einer Serie anbietet, muss sie zustimmen – doch da wäre noch ein kleines Problem: Eric ist inzwischen verlobt …

Diese Rezension fängt mit einem langen Seufzer an. Denn auf „Starlight Nights – Immer wieder du“ hatte ich mich wirklich gefreut. Das Thema der Hollywood-Beziehungen hatte ich schon lang nicht mehr in Liebesromanen und gerade unter dem Aspekt der Gefahren, an denen Kinderstars leiden, fand ich es umso interessanter. Eigentlich wollte ich bei dem neuen Roman von Stacey Kade einfach nur zum Schmachten gebracht werden, und anfangs sah es auch prima aus – bevor das Buch seinen Reiz verloren hat.

Was ich der Geschichte zugutehalten kann, ist der wirklich interessante Einstieg. Wir erfahren ein wenig über Calistas College-Leben, das von ihrer ehemaligen Skandalen und der Ausgrenzung aufgrund ihres früheren Ruhms geprägt ist, und man fiebert mit, ob Eric es schafft, sie für eine Rolle in seiner neuen Serie „Fly Girl“ zu engagieren. Ich fand den Einstieg locker und leicht und hätte mir gewünscht, dass es länger so bleibt. Vor allem die Wortgefechte zwischen Callie und Eric haben mir gut gefallen, dass sie ihm oft Kontra geboten hat und einen Plan hatte, wo ihr Leben hinführen soll.

So viel dazu. Denn danach ging es leider stetig bergab und von meiner anfänglichen Euphorie, weil ich die beiden geshippt habe wie einige ihrer Fans auch, blieb nicht viel übrig. Seite für Seite erfährt man mehr über Callies und Erics Vergangenheit am Set der Serie Starlight, über das Ereignis, das ihre Leben für immer veränderte, über Erics neue Beziehung und die Familien, die beide behandeln wie den größten Dreck. Und langsam kam bei mir Langeweile auf. Die Autorin verstrickt sich immer stärker in Wiederholungen, ein Klischee wurde ans nächste gereiht. Ich hatte mir anfangs gewünscht, dass sich der Hauptteil des Buchs am Set von „Fly Girl“ abspielen würde und man so richtig in die Hollywood-Welt eintauchen könnte, aber das ist leider nicht eingetreten. Stattdessen wurde die Schauspielerei eine totale Nebensache – lieber ergehen sich die Charaktere im seitenlangen gegenseitigem Anschmachten und wieder Wegstoßen.

Die Gründe für das Wegstoßen? Eric denkt, er sei nicht gut genug für Calista. Oh, come on. Ich bin ehrlich, ich kann diese Art von bösem Bad Boy nicht mehr lesen, dessen einzige böse Seite darin besteht, dass er Selbstzweifel hat und die Protagonistin so stark verletzt wie nur möglich. Eric ist kein Boyfriend zum Anschmachten, aber auch nicht so gefährlich und böse, wie er sich selbst immer darzustellen versucht. Gut, er trinkt gern mal und hat ausschweifende Partys gefeiert. Und das soll nun böse gewesen sein? Mir hat sich schlicht und ergreifend nicht erschlossen, was ihn und Calista die ganze Zeit daran hindert, einfach einzusehen, was jeder andere im Buch auch sieht: Dass sie offenbar das perfekte Paar sind, das einander retten kann.

Ich möchte hier jetzt nicht davon anfangen, dass diese Beziehung der beiden sehr konstruiert wirkt und die Funken für mich spätestens ab der Hälfte endgültig erloschen waren. Im Endeffekt baut die Beziehung drauf, dass sie eine gemeinsame Vergangenheit haben und ja so unsterblich ineinander verliebt sind – was die Autorin nicht müde wird, ständig wieder zu betonen. Diese Gefühle der Verliebtheit kamen aber absolut nicht bei mir an. Und zeitgleich fahren die Charaktere so eine seltsame Doppelmoral, dass ich sie einfach nicht verstehen konnte. Eric hasst Calistas Mutter, will sie seit Jahren von ihrer Tochter fernhalten, benutzt sie dann aber wieder, um Calista in „Fly Girl“ reinzukriegen und stößt sie damit zurück in ihre extrem toxische Familie? Wo passt das bitte zusammen? Und fangen wir mal nicht davon an, dass Dr. Katie, die Tierärztin und Erics Verlobte, einfach das unnötigste Plot Device des ganzen Buches ist. Sie ist nur dazu da, um Calista besser wirken zu lassen, verbündet sich mit Erics Vater, will ihn zum besseren Menschen machen … Dieses irrsinnige Bild, dass eine Beziehung jemanden retten und zum besseren Menschen machen kann, wird hier wirklich voll ausgeschlachtet.

Calista ist für ihr Alter extrem naiv und unwissend, und ich kaufe die Erklärung, dass das an ihrer kontrollierenden Mutter liegt, keiner erwachsenen Frau ab. Callie ist am Anfang des Buchs im Studium und studiert sogar etwas Wirtschaftliches – aber sie darf kein eigenes Konto führen? Hat noch nie eins besessen und kennte ihre eigene Sozialversicherungsnummer nicht? Also bitte! Callie ist die perfekte Damsel in Distress – förmlich dazu konzipiert, von Eric gerettet zu werden und ihm dafür dankbar zu sein, obwohl er sie selbst oft genug richtig dreckig behandelt.

Ich sage es mal so: Der Schreibstil war in Ordnung, und es hätte ein cooles Buch werden können, wenn man tiefer an Hollywoods Oberfläche, am Dreh, an den Beziehungen am Set gearbeitet hätte. Aber diese Umsetzung mit den Charakteren, die für mich weder geistige Reife noch irgendeine Art von Tiefe gezeigt haben, hat mir das Buch verdorben. Ich habe mich wirklich riesig auf „Starlight Nights“ gefreut, aber es hat wohl nicht sollen sein.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Auf den Spuren der Zeit ...

Die kleine Hummel Bommel und die Zeit
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Ein Besuch von Oma Hummel sorgt für ganz schön viel Aufregung. Gespannt und voller Vorfreude wartet die kleine Hummel Bommel mit Mama und Papa Hummel am Bahnhof. Wenn doch nur der Zug nicht so lang brauchen ...

Ein Besuch von Oma Hummel sorgt für ganz schön viel Aufregung. Gespannt und voller Vorfreude wartet die kleine Hummel Bommel mit Mama und Papa Hummel am Bahnhof. Wenn doch nur der Zug nicht so lang brauchen würde! Und überhaupt, wieso geht die Zeit so langsam vorbei? Wieso wird sie in manchen Augenblicken schneller und fließt dann doch wieder zäh wie Honig dahin? Bommel macht sich auf die Spuren der Zeit und entdeckt ihre Geheimnisse …

In dem neuesten Abenteuer der kleinen Hummel Bommel gibt es wieder einmal viel zu entdecken. Gerade das Thema, das „Die kleine Hummel Bommel und die Zeit“ aufgreift, fand ich sehr spannend, denn ein abstraktes Konstrukt wie die Zeit sinnvoll und verständlich für Kinder aufzubereiten, fällt wohl vielen Erwachsenen, auch mir, schwer. So war ich gespannt darauf, was Bommel bei seinen Abenteuern entdecken würde und was auch wir Großen noch von den Kleinen lernen können, wenn es um die Zeit geht.

Die Einbettung des Rahmenthemas in die Geschichte fand ich richtig gut gelungen. Bommel wartet mit seinen Eltern auf den Bummelzug (ein wahrer Zungenbrecher!), der mal wieder rumbummelt und seine Oma endlich wieder zur Familie bringen soll. Gerade für die kleinen Leser ist so ein Gefühl der Vorfreude sicher nicht unbekannt und auch das Warten macht selbst uns Erwachsene oftmals verrückt. So macht sich Bommel auf die Erkundungstour durch den Bahnhof, um herauszufinden, was die Zeit eigentlich ist. Ich fand die Story wieder superniedlich und auch Bommels Versuche, der Zeit eine Bedeutung zu geben.

Besonders einfallsreich fand ich diesmal die Eintagsfliege Einstein. Das hat dem Ganzen noch einen lustigen Kick gegeben und man hat Einstein natürlich wunderbar erkannt. Das Lied hingegen fand ich diesmal etwas schmuckloser und fast schon langweiliger, dafür ist es aber sehr eingängig und die Melodie und Botschaft sind super gesetzt. Auch die vielen kleinen Botschaften, die Bommel über die Zeit mitnimmt, finde ich gut auf Kinder abgestimmt. Sie entsprechen auch den Fragen, die in dem Alter mal auftreten können und die die Eltern so mit Bommels Hilfe beantworten können.

Joëlle Tourlonias‘ Zeichnungen setzen dem Buch wieder die Krone auf. Ich finde es schön, dass es hier wieder neue wie alte Charaktere mit dem unverkennbaren Zeichenstil zu entdecken gibt, und auch die Umgebung war sehr warm und freundlich gestaltet, was den Bahnhof zu einem schönen Ort des Wartens macht, an dem man gern seine Zeit verbringt. Britta Sabbag, Maite Kelly und Joëlle Tourlonias ist mit „Die kleine Hummel Bommel und die Zeit“ ein weiteres Buch der kleinen Hummel gelungen, das den anderen in nichts nachsteht.