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Veröffentlicht am 09.09.2018

Wenn alles zu zerbrechen scheint ...

Save Us
2

Inhalt

Nach Rubys Rausschmiss aus Maxton Hall sind ihre Träume, in Oxford zu studieren, jäh zerplatzt. Kann James tatsächlich hinter den schrecklichen Fotos stecken, die sie ihre Zukunft kosten? Während ...

Inhalt

Nach Rubys Rausschmiss aus Maxton Hall sind ihre Träume, in Oxford zu studieren, jäh zerplatzt. Kann James tatsächlich hinter den schrecklichen Fotos stecken, die sie ihre Zukunft kosten? Während das junge Paar erneut vor einer Zerreißprobe steht, hat auch Lydia mit ihrer familiären Situation zu kämpfen. Die Clique scheint immer weiter zu zerbrechen, Geheimnisse und Misstrauen stehen im Raum. Werden sie es schaffen, sich gegenseitig wieder zu vertrauen?

Meine Bewertung

Mir tut es gerade im Herzen weh, diese Rezension schreiben zu müssen, da ich die ersten beiden Teile der Maxton-Hall-Trilogie wirklich gefeiert habe. Deshalb war ich auch unheimlich gespannt auf „Save Us“ und habe erwartet, dass es mich trotz einiger bekannter Tropes wie die Vorgänger mitreißen würde. Dass ich jetzt aber hier sitze und mich beim Lesen ernsthaft fragen musste, ob ich das Buch nicht lieber abbreche, ist schon ein bitterer Schock, den ich nicht erwartet habe.

„Save Us“ fing mit einer guten Situation für viel Drama an: Ruby wurde suspendiert und muss sich gegen die Gerüchte behaupten, dass sie eine Affäre mit ihrem Lehrer haben soll. Ich hatte da viel mehr Emotionen erwartet, stattdessen hat Ruby sich mit Alkohol abgeschossen, wie es sonst eher James tut. Der setzt natürlich alles daran, dass alles wieder gut wird – und innerhalb weniger Kapitel war dann auch schon alles abgefrühstückt. Mir hat dabei der emotionale Bezug gefehlt, noch mehr Elemente, die die Situation hoffnungsloser machen.

Das war auch das Problem, dass sich durch das ganze Buch gezogen hat. Kaum taucht ein Problem auf, wird es schon wieder gelöst, die Charaktere müssen sich eigentlich auch kaum dafür anstrengen. Alles geht reibungslos, stattdessen ist das Selbstmitleid aber umso höher. So oft wollte ich Ruby und James im dritten Band anschreien, mal weniger zu jammern und stattdessen ernsthaft die Initiative zu ergreifen. Aber das haben beide irgendwie nur drauf, wenn es um ihre liebevolle Beziehung geht. Und so zieht sich auch ein gewisser Kitsch durch „Save Us“, den ich irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Ich habe die ersten zwei Bände trotz ihres Seifenopern-Charakters sehr gern gemocht, aber hier hatte ich wirklich Schwierigkeiten, am Ball zu bleiben, ohne ständig die Augen zu verdrehen, weil alles so perfekt und so reibungslos ist.

In „Save Us“ kommen dazu noch zwei weitere Sichten hinzu: Graham und Alistair haben sie erhalten, was ich denkbar unnötig fand. Alistairs und Keshavs Geschichte fand ich noch ziemlich schön, aber viel zu oberflächlich gehalten, auch da war erst mal viel Geheule und dann ging alles prima, ohne dass groß was passiert wäre. Ebenso verhielt es sich bei Lydia und Graham: Babyparty, Umzug, alles wundervoll bis auf ein kleines Drama am Anfang, das mir viel zu aufgesetzt und übertrieben war. Ich hätte hier einfach mehr Hintergründe erwartet, mehr Schwierigkeiten anstatt des ständigen Jammerns über Probleme, die man sich nur selbst schafft, weil man den Mund nicht aufbekommt.

Was aber wirklich alles getoppt hat, war das Ende. Ich werde an dieser Stelle nicht spoilern, aber ich habe tatsächlich nur durchgehalten, um zu erfahren, wie das Beaufort-Drama um James‘ und Lydias Vater aufgelöst wird. Und auch hier ging mir einerseits alles zu schnell, zu einfach und zu kitschig. Böser Papa, großes Geheimnis, minimaler Aufwand – und ein Charakter wie Percy, der Chauffeur, der so viel Potenzial hatte, wurde nur als Plotstütze benutzt. Da wars für mich dann endgültig vorbei. Ich stehe auf Happy Ends, aber dieses wirkte nicht verdient.

So sehr ich die ersten zwei Bände auch mochte, „Save Us“ hat mich kaum überzeugen können. Mona Kastens Schreibstil war zwar wieder angenehm zum Lesen, doch dank der Handlung, die mich überhaupt nicht packen konnte, kam ich zu schwer voran. Es ist schade, dass das Buch für mich nun keinen guten Abschluss der Maxton-Hall-Reihe bietet, aber „Save Us“ war einfach zu schwach.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Ein fesselndes und bewegendes Buch ...

Und du bist nicht zurückgekommen
1

Inhalt

Marceline ist fünfzehn, als sie mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau gebracht wird. Nur wenige Kilometer trennen sie voneinander, doch die Distanz wird ihr Leben auf ewig verändern. Marceline ...

Inhalt

Marceline ist fünfzehn, als sie mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau gebracht wird. Nur wenige Kilometer trennen sie voneinander, doch die Distanz wird ihr Leben auf ewig verändern. Marceline kommt frei – doch ihren Vater sieht sie nie wieder. Sie lässt ihn zurück an dem Ort, der für die unmenschlichsten Kapitel der Geschichte steht. Ihr Leben lang versucht sie, sich an die letzte Nachricht ihres Vaters zu erinnern, seine Worte wieder in ihr Gedächtnis zu rufen, doch niemand wird jemals verstehen, wie viel Marceline tatsächlich zurückgelassen hat.

Meine Bewertung

„Und du bist nicht zurückgekommen“ ist eine Autobiografie, die völlig von meinen gewohnten Genres abweicht. Trotzdem finde ich es auch angesichts der Thematik wichtig, mich immer wieder an etwas anderes heranzuwagen, und dieses Buch schien mir das richtige dafür zu sein. Es ist erschreckend, aufrüttelnd und ruft uns ins Gedächtnis, wieso wir nie wieder solch dunkle Zeiten wie während des zweiten Weltkriegs zulassen dürfen – und vor allem ist es geprägt von so viel Liebe und Schmerz, dass man sie auf jeder Seite findet.

Die Autorin war fünfzehn Jahre alt, als sie aus Frankreich nach Birkenau deportiert wurde, um dort unter den menschenverachtenden Kommandos zu arbeiten. Kleider sortieren, Gräber schaufeln – Marceline hat in dem jungen Alter mehr Schrecken gesehen als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Ihr Vater war in Auschwitz, eigentlich nicht weit von ihr entfernt, und doch trennte sie zu viel. Der Brief, der sich durch die ganze Geschichte zieht, hat einen großen Einfluss auf Marcelines Leben. Ihr Vater hat ihn ihr übermitteln lassen, wofür sie beide alles hätten verlieren können. Und für Marceline steht fest: Ihr Leben gegen seins. Selbst als sie nach Hause kommt, erholt sie sich nicht mehr von den Schrecken, wird für immer auf der Suche nach ihrem Vater sein, der sein Leben lassen musste.

Es gibt kaum angemessene Worte, die dieses Buch beschreiben können. Ich wusste von Anfang an, worauf ich mich einlasse, aber es zu wissen und dann selbst zu erleben, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Ausführungen der Autorin waren ein ziemlicher Schock, auch wenn ich denke, dass wir das Thema in der Schule schon sehr weit und ausführlich abgehandelt haben. Trotzdem sind solche Berichte Überlebender der Konzentrationslager nichts für schwache Nerven. Ich hatte ein ganz ungutes Gefühl im Bauch und habe selbst gemerkt, wie ich versucht habe, eine innere Distanz dazu aufzubauen, um nicht zu tief in die Gefühlswelt der jungen Marceline abzurutschen. Ihre Schilderungen haben mich sehr mitgenommen und werden mir wahrscheinlich noch lange Kopfzerbrechen bereiten.

Was für mich aber noch heftiger war, war der krasse Gegensatz der Gefühle in diesem Buch. Um alles zu verarbeiten, musste auch die Autorin eine gewisse Barriere um sich herum aufbauen und sich gefühlsmäßig abschotten. Sie hat die Worte vergessen, die ihr Vater ihr in einem Brief schrieb – und das trägt sie ihr Leben lang mit sich. Selbst ihre zweite Ehe hat Parallelen zu ihrem Vater. Sein Tod nimmt sie spürbar mit und das Aufarbeiten seines Lebens beschäftigt sie. Diese Liebe inmitten der Kühle, Distanz und der Fassungslosigkeit in Anbetracht der Unmenschlichkeiten war für mich sehr aufrüttelnd und irgendwo auch spannend zu lesen. Während ihre Familie vieles totschweigt und möchte, dass Marceline normal weiterlebt, kann sie es umso schwerer verarbeiten. Ihr Vater hätte ihr helfen können, haben sie doch die gleichen Erfahrungen geteilt – aber er kommt nicht mehr zurück.

„Und du bist nicht zurückgekommen“ ist ein Buch, das nachdenklich und sehr traurig stimmt. Gleichzeitig halte ich es für unglaublich wichtig, dass wir alle uns als Gesellschaft mit der Historie befassen und dabei auch Zeitzeugen sprechen lassen. Vor allem die, die so viel Leid davongetragen haben: Ihre Stimmen sind wichtig und sollten gehört werden, damit wir niemals wieder in eine solch dunkle Zeit abrutschen können. Marceline Loridan-Ivens hat hier ein eindrucksvolles Werk hinterlassen, dessen Stimme weithin gehört werden sollte.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Im Paris der Göttermythen ...

Gold und Schatten
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Inhalt

Nach ihrem Umzug in die Stadt der Liebe, Paris, wird die behütet aufgewachsene Livia immer wieder von Krankheiten und seltsamen Vorkommnissen geplagt. Wieso fangen Pflanzen an, mit ihr zu sprechen? ...

Inhalt

Nach ihrem Umzug in die Stadt der Liebe, Paris, wird die behütet aufgewachsene Livia immer wieder von Krankheiten und seltsamen Vorkommnissen geplagt. Wieso fangen Pflanzen an, mit ihr zu sprechen? Und wer ist der attraktive Maél, der sie in die Katakomben unter Paris entführt? Dass sie ihn getroffen hat, ist alles andere als Zufall, doch als mitten in Paris die geheime Welt der griechischen Götter zum Leben erwacht, muss Livia ihren Platz zwischen den Sagengestalten finden. Doch dunkle Mächte sind bereits auf dem Vormarsch und sie machen nicht vor Livia und Maél Halt …

Meine Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleine Spoiler zur Geschichte!

Griechische Götter in Paris? Count me in! „Gold und Schatten“ von Kira Licht war für mich auf mehreren Ebenen eine Must Read, weshalb ich mich umso schwerer getan habe, diese Rezension zu schreiben. So gut der Aufhänger mit Livias Kräften, der Traumstadt Paris und der Mythologie in diesem Buch war, so langatmig und schwierig war dann die Geschichte selbst. Tatsächlich musste ich es sehr lange sacken lassen und meine Gedanken dazu aufschreiben, denn ich bin wahnsinnig zwiegespalten, was diese Geschichte angeht.

Fangen wir mit den guten Seiten an: Tatsächlich fand ich Kira Lichts Schreibstil angenehm und flüssig zu lesen, auch wenn es zwischendurch sehr viele Längen gab, die man im Lektorat noch gut und gern hätte zusammenkürzen können. Der Spannungsbogen war für mich etwas schwierig aufgebaut, vieles ging in Alltagsszenen und Livias Schwärmereien für den gutaussehenden Hottie Maél unter. Was an sich für die Altersstufe auch kein Problem ist, denn mit 14 Jahren sind diese Schwärmereien auch völlig in Ordnung – nur war Livia schon älters als 14-jährige Leser. Dafür wirkte sie auf mich an vielen Stellen sehr naiv und zu schüchtern, hatte aber manchmal Anfälle von Waghalsigkeit und Mut, die ich dann wiederum unterhaltsam fand. Ich hoffe, dass der Teil ihrer Persönlichkeit im zweiten Band weiter ausgebaut wird und sie sich nicht mehr so stark unterbuttern lässt. Sie hat nämlich einige coole Fähigkeiten!

Diese war für mich vor allem ihre Begabung, mit Pflanzen zu sprechen. Für Bewanderte in der griechischen Mythologie ist schnell klar: Livia gehört den Nymphen an. Und obwohl sie das auch recht früh im Buch feststellt, wird daraus kaum ein richtiges Thema gemacht, ihre Kräfte nicht weiter beleuchtet. Sie wirken eher wie ein Mittel zum Zweck, wenn es gerade gebraucht wird. Hier wurde meiner Meinung nach viel Potenzial verschenkt und auch in dem Punkt hoffe ich, dass der zweite Band noch ordentlicher reinhaut.

Schön fand ich außerdem Livias Beziehung zu ihren zwei neuen besten Freundinnen. Gigi und Jemma hätten für mich straight aus „Mean Girls“ kommen können, sie waren aber super unterhaltsam und mit Livia zusammen ein tolles Trio. Mancher sarkastischer Spruch zwischen ihnen hat mich zum Lachen gebracht. Gleichzeitig waren sie mir fast etwas zu stereotyp gezeichnet, was auch daran liegen könnte, dass sie in vielen Bereichen Plot Devices blieben – nur da, um die Story voranzutreiben, aber eigene Einflüsse hatten sie kaum. Trotzdem fand ich sie sehr liebenswert und die Szenen mit ihnen haben das Buch gut aufgelockert. Ebenso verhielt es sich mit der Motte Evangeline – sie war eine so süße, treue Begleiterin, die Livia zur Seite stand! Sie mochte ich ganz besonders und ihre Fähigkeiten waren auch nicht ohne. Das hat mir sehr gut gefallen und in dem Moment habe ich auch festgestellt, dass Kira Licht wirklich sehr interessante Ideen hineingebracht hat.

Aber leider war nicht alles so positiv. Denn während ich mich auf den mythologischen Teil sehr gefreut habe, kam mir dieser an einigen Stellen so verdreht und unangenehm vor, dass ich das Buch gern weggelegt hätte. Die Beziehung zwischen Hades und Persephone und ihre Darstellung als Charaktere war mir echt richtig unangenehm, denn sie war unglaublich vorhersehbar und passte nicht mit meiner Vorstellung von ihnen zusammen. Das ist nun natürlich die Interpretation der Autorin und hierfür möchte ich auch ganz klar sagen: Das ist rein persönlicher Geschmack. Mir hat dieser Punkt einfach nicht gefallen, vor allem Persephones Darstellung als kratzbürstige, zickige Luxus-Ehefrau, die Aphrodite auch noch Adonis ausspannt. Das war für mich echt zu viel des Guten.

Dafür waren andere Charaktere wie Aphrodite und Hermes super gemeistert! Beide haben mir viel Freude bereitet, und auch die Irrungen und Wirrungen des wie eine Droge wirkenden Ambrosia waren sehr unterhaltsam geschildert. Die hat Maéls und Livias Beziehung vorangebracht, auch wenn ich von dieser überhaupt nicht angetan war.

Denn seien wir mal ehrlich: Maél ist kein Bookboyfriend. Es tut mir hier sehr leid der Autorin gegenüber, die sich viel Mühe gegeben hat, seinen Charakter verständlich zu machen, aber die zwei führen eine solch toxische, unangenehme Beziehung, dass mir regelmäßig die Galle hochstieg. Maél prügelt sich, weil Livia nicht mit ihm reden will, und eine Woche später ist alles vergessen? Seine mysteriöse Art ist höchst übergriffig und nicht so liebevoll, wie es dargestellt werden sollte. Sein Benehmen Livia gegenüber ist oftmals respektlos, soll dann aber mit kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten wiedergutgemacht werden. Am Ende erfährt man zwar, was dahintersteckt, aber dieses Trope des armen Jungen, der seine einzig wahre Liebe vor sich selbst schützen muss und sie deshalb immer wieder wegstößt, ist übelst toxisch. Entweder willst du eine Beziehung oder du willst sie nicht, aber wenn Letzteres der Fall ist, ist es ein Unding, mit Livias Gefühlen zu spielen, sie immer wieder näher zu dir zu ziehen und sie dann doch wieder wegzustoßen unter dem Vorwand, sie schützen zu wollen. Das ist keine Liebe. Das ist bloße Spielerei und jedes Mädchen, das so was bereits erlebt hat, ist mit verletzten Gefühlen und viel Trauer herausgegangen.

Neben all diesen Punkten fand ich wie gesagt den Spannungsaufbau nicht ganz plausibel gestaltet. Es gab unnötige Längen im Buch, die man zum Beispiel mit mehr Bedeutung der Katakomben hätte füllen können, oder mit mehr Begegnungen zwischen Livia und den Göttern/anderen mythischen Wesen. Das Nymphen-Thema wurde kaum aufgegriffen, nur wenn es notwendig war. Hier blieb noch viel Luft nach oben, und wo es dann Erklärungen gab, arteten sie schnell in Info-Dumps aus. Ich hoffe sehr, dass Kira Licht das Pacing im zweiten Band besser gelingt (und bitte, wie auch andere Rezensenten, um etwas kürzere Kapitel).

Werde ich also den zweiten Teil noch lesen? Ich musste wirklich überlegen, aber ja, ich werde es tun. Kira Licht hat mit mit „Gold und Schatten“ zwar nicht vollständig überzeugen können, aber ich hoffe sehr darauf, dass es im zweiten Teil „Staub und Flammen“ besser wird. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben mit dem Ende des ersten Buches, ich hoffe, dass die Autorin es besser umsetzen wird und der Beziehung zwischen Livia und Maél den richtigen Schubs gibt.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Kein Buch, das man schnell vergisst!

Falling Fast
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Inhalt

Mutig sein, Abenteuer erleben, die USA bereisen: Hailee DeLucas Zeit als stille graue Maus ist vorbei. Auf ihrem Roadtrip will sie sich einen Sommer lang ihren Ängsten stellen und sie besiegen, ...

Inhalt

Mutig sein, Abenteuer erleben, die USA bereisen: Hailee DeLucas Zeit als stille graue Maus ist vorbei. Auf ihrem Roadtrip will sie sich einen Sommer lang ihren Ängsten stellen und sie besiegen, um nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Schwester Katie stolz zu machen. Doch als ihr Wagen in der kleinen Stadt Fairwood den Geist aufgibt, ist sie dort gestrandet. Dort lernt sie Chase Whittaker kennen und ist augenblicklich in Schwierigkeiten – wie kann sie sich seinem Charme entziehen und ihm widerstehen, wenn er ihr Innerstes nach Außen kehrt? Schließlich ist ein Sommer alles, was sie haben …

Meine Bewertung

Hailee und Chase sind die großen Herzensbrecher dieses Jahres. Ich hatte jedes Mal beim Lesen wieder ein Lächeln auf den Lippen und Tränen in den Augen. Es ist unglaublich zu sehen, was für eine Entwicklung die Charaktere durchmachen und wie sich in mein Leben geschlichen haben. Es fällt mir unheimlich schwer, in Worte zu fassen, was dieses Buch mit mir getan hat, aber eins weiß ich: „Falling Fast“ ist mein Highlight des Jahres, denn nichts übertrifft die vielen schönen Stunden, die ich mit Hailee in Fairwood verbracht habe.

Fangen wir doch direkt dort an: Fairwood ist so heimelig, dass es mich sofort an Stars Hollow aus den „Gilmore Girls“ erinnert hat. Die Charaktere sind ebenso lebensnah und echt gestaltet, dass man Chase‘ Familie, die Leute aus dem Diner und dem süßen Café, die Besitzerin des Buchladens und selbst ganz besondere Orte, die typisch für das Shenandoah-Tal sind, direkt vor Augen hatte. Ich für meinen Teil mag von den Nebencharakteren Jesper am meisten. Er ist der Grund, dass Hailee überhaupt nach Fairwood kommt, und obwohl dies sehr traurig ist, hat er das Buch über einen riesigen Einfluss auf sie gehabt. Er scheint ein ganz besonderer Mensch zu sein, den man nicht direkt kennenlernt, sondern nur durch Erzählungen. Denn Jesper ist bereits zu Anfang des Buchs tot und wir begleiten Hailee auf den Friedhof, wo sie zu seinem Grab geht.

Nur kurz darauf taucht Chase auf und hier wird es wieder lustiger: Hailees eher schüchterne Art, mit der sie wirklich Schwierigkeiten hat, auf Menschen zuzugehen, beißt sich mit ihrem Vorsatz, mutig zu sein. Ich fand es schön zu sehen, dass sie trotz aller mutigen Aktionen ihren Charakter nicht völlig ändert, dass sie immer noch Selbstzweifel und Ängste hat, denn darin habe ich mich am meisten widergespiegelt gesehen. Ich verstehe die Anxiety, die Hailee in diesen Momenten überkommt, die das Sprechen und Denken schwer macht, weil man Angst hat, sich zu blamieren. Und ich bewundere sie für ihre Entschlossenheit, für die Spontaneität, für ihren Vorsatz, den sie durchzieht. Hailee ist ein ganz besonderer Charakter und Chase passt einfach perfekt zu ihr …

… was auch das Problem an der Sache ist. Denn sie haben nur einen Sommer, der bald endet. Und beide sind verwickelt in Geheimnisse, die ihre Leben auf den Kopf stellen. Ich fand es schön zu sehen, dass Chase nicht der typische Bad Boy ist, sondern ein wahrer Familienmensch und darin auch sein größter Struggle liegt. Er ist unfassbar nahbar, ich mochte seine Art, die nicht aufdringlich war, Hailee aber trotzdem herausgefordert hat, aus ihrem Schneckenhaus (oder besser gesagt ihrem roten Honda) zu kriechen. Die zwei hatten so viele schöne, emotionale, berührende und lustige Momente, die dieses Buch ganz besonders machen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es das Beste ist, was Bianca Iosivoni bisher geschrieben hat.

Und trotzdem geht jedes gute Buch auch zu Ende. Je näher ich diesem kam, desto aufgeregter war ich. Beim ersten Lesen saß ich im Café, als ich es gelesen habe … Keine gute Entscheidung. Denn natürlich wird die Spannung für Flying High stark aufrechterhalten. Ich war mit den Nerven völlig fertig, hätte am liebsten geweint und musste mich stark zusammenreißen. Denn „Falling Fast“ ist ein vielschichtiges, facettenreiches Buch, das nicht nur die lockere Leichtigkeit und die schönen Seiten des Lebens anreißt, sondern auch tiefe Abgründe und schwere Entscheidungen beinhaltet. Die Charaktere wären nichts ohne die Probleme, die sie verfolgen. Und das macht Hailee zu meiner Vertrauten. Deshalb kann ich mich mit ihr am besten identifizieren. Weil sie, ebenso wie jeder andere Mensch, Schattenseiten hat. Ihre reichen vielleicht in ganz andere Richtungen, aber ich konnte jeden einzelnen Gedankengang mitfühlen. Ich konnte sie auf einer Ebene verstehen, die ich keinem anderen Menschen wünschen würde, weil es nichts ist, worauf man stolz sein sollte. Aber ich bin froh, ihre Geschichte gelesen zu haben. Und ich hoffe, dass sie vielen Menschen zeigen wird, wie wichtig es ist, Menschen nicht nur nach ihren offensichtlichsten Taten zu beurteilen. Denn jeder hat etwas in sich, das keiner sehen kann. Und obwohl mich Hailees Mut beeindruckt hat, ist das Ende nichts für schwache Nerven.

Veröffentlicht am 01.04.2019

Vom Rockstar zum Heartbreak ...

All In - Tausend Augenblicke
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Kurz vor dem Höhepunkt ihrer Karriere steht Rockstar Kacey vor ihrem persönlichen Absturz. Alkohol und wilde Partys lassen sie immer wieder ihre guten Vorsätze über Bord werfen, während sie mit ihrer Band ...

Kurz vor dem Höhepunkt ihrer Karriere steht Rockstar Kacey vor ihrem persönlichen Absturz. Alkohol und wilde Partys lassen sie immer wieder ihre guten Vorsätze über Bord werfen, während sie mit ihrer Band auf Tournee ist. Doch als sie nach einer besonders wilden Nacht auf Jonahs Couch aufwacht, ist sie gerührt von der Fürsorge des Chauffeurs, der sich um sie gekümmert hat. Während sie mehr und mehr über ihn erfährt, wird ihr auch klar, weshalb Jonah so abweisend ist – und dass sie etwas an ihrem Leben ändern muss, um ihre Augenblicke zu bewahren …

„All In – Tausend Augenblicke“ war eine ganze Weile lang verschrien als das Buch mit dem höchsten Taschentuchverbrauch in 2018. Ich war schon vorbereitet und wusste auch, wie diese emotional anspruchsvolle Geschichte ausgehen soll, und gleichzeitig, was der zweite Teil bereithält. Allerdings muss ich sagen: Für mich war „All In“ eher ein Buch für Zwischendurch, aber nichts, was mich wahnsinnig mitgenommen hat.

Je länger ich über das Buch nachgedacht habe, desto schwieriger war es, mir eine richtige Meinung drüber zu bilden. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich die Schuld bei mir selbst suche – normalerweise bin ich doch so nah am Wasser gebaut. Wieso diesmal nicht? Wieso hat mich diese Geschichte, die von anderen, teilweise sehr kritischen Lesern hochgelobt wurde, nicht auch so abgeholt? Wieso kam mir die Liebesgeschichte eher überstürzt und konstruiert vor, statt süß und angenehm und auch teilweise sehr sexy?

Dann habe ich Ivys Rezension gelesen und sie kam mir wie ein Geschenk des Himmels vor. Endlich eine Bloggerin, der ich zwar nicht in jedem Punkt zustimme, die mir aber aufgezeigt hat, was mich an dem Buch wirklich störte. Denn es war nicht nur, dass ich das Gefühl hatte, das Buch würde sich ewig und ein Leben lang ziehen. Es waren Feinheiten, wie die Charaktere beschrieben wurden, die mich haben verzweifeln lassen. Kacey wird so auf ihr Davor und Danach fixiert – bevor sie Jonah kennenlernt, kann sie sich nicht befreien aus dem Teufelskreis. Danach ist es plötzlich ganz leicht, dem Alkohol abzuschwören und aus der Band auszutreten. Ja, man sieht sie manchmal strugglen, aber Kacey macht was Alkohol und Nikotin angeht, einen ziemlich schnellen, kalten Entzug durch. Wieso wird dann nie erwähnt, was das für Auswirkungen auf sie hat? Wieso wird sie so emotional abhängig von einer Beziehung dargestellt, die zwar nicht toxisch für sie sein mag, aber sie wieder in die Rolle einer Frau drängt, die den Mann in ihren Lebensmittelpunkt stellt?

Ich mochte Kaceys Entwicklung nicht. Und Jonah … der blieb genau so, wie er war. Bis zum Ende hin habe ich seinen Charakter nicht wachsen sehen, auch er war mit den Gedanken ständig auf Kacey fixiert. Obwohl er bei Familie und Freunden war, gab es immer nur die rosarote Brille. Irgendwann hat es mich einfach genervt. Ja, ist gut, ich habs verstanden, die beiden sind perfekt zusammen. Das ändert nichts daran, dass es am Ende kommen muss, wie es kommt. Das ändert auch nichts daran, dass Kacey keine einzige Entscheidung nur für sich trifft, sondern immer wieder mit Jonah im Hinterkopf. So zumindest war mein Empfinden, denn selbst ihr Austritt aus der Band war immer mit dem Gedanken an ihre Insta-Love behaftet.

Versteht mich nicht falsch: Das Buch war flüssig zu lesen, das Ende angemessen dramatisch, prima. Aber ich habe nichts gefühlt, was die zwei Charaktere anging. Und dass in der zweiten Hälfte diese eigentlich bis dahin noch ganz schöne Beziehung auf ständigen Sex reduziert wurde, hat mir echt den Rest gegeben. Ja, ich mag Sexszenen. Aber sie waren meiner Meinung nach nicht gut geschrieben, es lief immer gleich ab, Jonah entwickelte sich da plötzlich zum Hulk, was mir einfach mega komisch vorkam, wenn er doch manchmal schon am Treppenlaufen scheitert.

Für mich war „All In – Tausend Augenblicke“ einfach nicht rund genug. Die Charaktere und ihre Beziehung haben mich nicht abgeholt, die Chemie zwischen den beiden kam bei mir nicht an. Und dieses Fixiertsein aufeinander war mir einfach zu viel des Guten. Keine Beziehung ist perfekt, aber manchmal saß ich trotz meiner Vorliebe für Kitsch da und dachte mir: Kann es wirklich so schnulzige Paare geben? Kann es wirklich sein, dass Probleme in einer Beziehung nur durch außen kommen, nie von innen? Gibt es nicht wenigstens eine verdammte Sache, die Jonah und Kacey aneinander stört, die wirklich was mit ihrem Charakter zu tun hat?

Trotz allem war der Aufbau der Geschichte in Ordnung, die Glasbläserei sehr schön beschrieben und ich mochte trotzdem ziemlich viele Nebencharaktere. Ich glaube auch, dass der zweite Teil besser punkten wird, denn Theo kommt mir deutlich interessanter und weniger glatt als Jonah vor. Ich mochte die Eltern der zwei und auch den Zusammenhalt zwischen Freunden und Familie – das hat mir wirklich ein paar positive Momente beschert. Deshalb blicke ich mit sehr gemischten Gefühlen auf diesen ersten Band zurück. Er war nicht ganz schlecht, aber auch nichts, was ich noch mal lesen würde. Er war Okay – aber ich gebe dem zweiten Band nach diesem Okay wirklich nur wegen Theo eine Chance, in der Hoffnung, eine weniger glatte, romantisierte und alles in allem eine ehrlichere Beziehung vorzufinden.