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Veröffentlicht am 22.07.2025

Hommage an Jane Austen

Jane Austen – Stolz und Leidenschaft
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«Jane Austen - Stolz und Leidenschaft», geschrieben von Maxine Wildner, erzählt in fiktionaler Form das Leben der britischen Schriftstellerin Jane Austen, die 1775 bis 1817 lebte und deren Werke zu den ...

«Jane Austen - Stolz und Leidenschaft», geschrieben von Maxine Wildner, erzählt in fiktionaler Form das Leben der britischen Schriftstellerin Jane Austen, die 1775 bis 1817 lebte und deren Werke zu den Klassikern der englischen Literatur gehören, obwohl sie zu Lebzeiten weder reich noch besonders berühmt war. Der Roman erinnert an die Filmbiografie «Becoming Jane» aus dem Jahr 2007.

Zu Beginn des Romans, lebt die 20-jährige Pfarrerstochter mit ihren Geschwistern und Eltern im ländlichen Steventon in der Region Hampshire, als sie, als junge ledige Frau im heiratsfähigen Alter, unter die Haube gebracht werden soll. Zwei Anträge lehnt sie ab, denn Jane hat ihr Herz bereits an den irischstämmigen Tom Lefroy verloren. Doch das Schicksal ist ihr nicht gewogen und so gilt ihre Leidenschaft fortan dem Schreiben.

„Das Mädchen, dass so gern Geschichten von Liebesschmerz und Liebesglück zu Papier bringt, gibt es nicht mehr. Du bist eine junge Frau und spürst all das im eigenen Herzen, was bisher nur deine Romanfiguren fühlten.“

Es gibt authentische Einblicke in das Familienleben der Austens, bei denen die wertschätzende Vater-Tochter-Beziehung deutlich wird und die Unterstützung, die Jane von ihrer Familie erhielt, um ihren Traum zu erfüllen. Ich konnte mir eine anschauliche Vorstellung davon machen, wie Jane Austen wohlmöglich Inspiration für ihre Romane fand und wie eng ihr Leben mit ihren Romanfiguren verknüpft war, in dessen Gesellschaft sie sich weniger einsam fühlte. Der Roman zeigt, wie beschwerlich der Weg als Schriftstellerin für sie war, an welchen Orten sie lebte und welche Bekanntschaften sie inspirierten, wer ihr ein Vorbild war und warum Jane Austen die fortschrittliche Haltung einnahm, nur aus wahrer Liebe zu heiraten, die damals unüblich war.

Es entsteht eine wunderbare Geschichte, die mich in die Vergangenheit entführt und berührt hat, in der Jane Austen für ihre Werke gewürdigt wird und die Anerkennung erhält, die sie zu Lebzeiten verdient gehabt hätte. Sie ist in diesem Werk keine tragische Figur ihrer eigenen Liebesgeschichte, sondern eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die geschätzt und geliebt wurde.

Leider trübt gleich auf der ersten Seite ein Jahreszeiten-Fehler in der Überschrift (nicht bei allen Ausgaben) und auch das, durch eine künstliche Intelligenz geschaffene, Cover den ersten Eindruck. Was ich im Roman außerdem vermisst habe, waren Hinweise auf die regen Briefwechsel, die Jane unterhielt - mit ihrer Schwester Cassandra beispielsweise, ihrer großen Liebe zu Büchern oder das sie 1802 einen Heiratsantrag annahm und dann doch ablehnte. Es gibt noch weitere Unterschiede zu der realen Lebensgeschichte von Jane Austen, weshalb für mich trotzdem ein unvollständiges Bild von ihr entstand. Ihr Porträt zeigt jedoch ihre gute Beobachtungsgabe, ihren scharfen Verstand und ihre Sprachbegabung.

Anrührend erzählt, ist es weniger eine Biografie von Jane Austen, vielmehr eine fiktive literarische Kompositionen ihrer Romane, die auf ihre Person übertragen wurde und sowohl einfühlsames Gesellschaftsporträt als auch mitreißendes Melodrama ist. Der Schreibstil verschmilzt gekonnt mit den Klassikern von Jane Austen und lässt einen völlig eintauchen. Besonders gelungen fand ich die Schreibprozesse, bei denen man Jane über die Schulter sieht und in kurze Szenen ihrer Romane schlüpft. Eine Empfehlung für alle, die Fans von den Dialogen in «Stolz und Vorurteil» sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.07.2025

Die erste Liebe

Die Geschichte des Klangs
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«Die Geschichte des Klangs» erzählt in zwei Teilen von Lionel und Annie. Annie sieht den 84-jährigen Lionel im Fernsehen und ist von ihm und seinen Worten beeindruckt. Er gibt zu seiner neusten Buchveröffentlichung ...

«Die Geschichte des Klangs» erzählt in zwei Teilen von Lionel und Annie. Annie sieht den 84-jährigen Lionel im Fernsehen und ist von ihm und seinen Worten beeindruckt. Er gibt zu seiner neusten Buchveröffentlichung über amerikanische Balladen ein Interview. Anni hat aus Liebe zu ihrem Mann Henry ihre Träume aufgegeben. Als sie in ihrem neuen Haus eine versteckte Kiste mit Phonographenwalzen findet, die für Lionel vorgesehen sind, bringt es sie dazu, über ihr Leben und ihre Entscheidungen nachzudenken.
Der Ich-Erzähler Lionel hat auf Anraten seines Arztes den Teil seines Lebens aufgeschrieben, über den er lieber schweigt, bis die Vergangenheit in Form eines Pakets ihn eingeholt hat. Es war der Beginn einer geheimen Liebe, als er 1916 in einer Bar David kennenlernte. „Wir blieben bis zum Morgengrauen. Er spielte Klavier, ich sang.“ Beide verbindet das musikalische Talent. Der damals 17- jährige Lionel begleitet David schließlich auf seinen Sammeltouren durch Maine. Sie sprechen Bewohner an und nehmen alte Volkslieder mithilfe einer Phonographenwalze auf. Ein unvergesslicher Sommer für Lionel, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, wie bedeutend diese Erinnerungen einmal für ihn sein werden. „Mein Großvater hat mir gesagt, dass Glück keine Geschichte ist. Darum gibt es über diese ersten Wochen nicht viel zu sagen (…), aber ich glaube, ich bin nie glücklicher gewesen…“

Es ist eine leise Geschichte über die erste große Liebe in jungen Jahren, wenn man das ganze Leben noch vor sich hat, die empfundene Reue, verpasste Chancen, erlittene Verluste, die Magie von Musik und das Aufbewahren kostbarer Erinnerungen. Es geht um all den Zauber, der drumherum passiert. Über die Beziehung, Gespräche oder David selbst, erfährt man wenig. Ben Shattuck findet den richtigen Ton und erzählt berührend und sanft von zwei Menschen, die über ihr Leben nachsinnen und dabei ein Stück verbunden sind, ohne sich kennengelernt zu haben. Die poetische Schreibweise macht die knapp hundert Seiten zu einem literarischen Genuss voller Gefühl und Nostalgie. Eine große Empfehlung für alle, die es sich zwei Stunden mit einem guten Buch gemütlich machen wollen, welches nachklingt.

Veröffentlicht am 22.07.2025

Politsatire-Geschenk für Deutschland

Das Geschenk
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In Berlin tauchen plötzlich Elefanten auf und es werden immer mehr. Ingesamt 20. 000 Elefanten schenkt der Präsidenten von Botswana Deutschland - und Geschenke kann man nicht einfach zurückgeben. Das bringt ...

In Berlin tauchen plötzlich Elefanten auf und es werden immer mehr. Ingesamt 20. 000 Elefanten schenkt der Präsidenten von Botswana Deutschland - und Geschenke kann man nicht einfach zurückgeben. Das bringt Bundeskanzler Hans Christian Winkler in eine schwierige Situation, denn seine politische Einmischung hat dramatische Folgen für Botswana. Nun muss er diese bittere Pille schlucken und um seine Wiederwahl fürchten. Die neu ernannte Ministerin für Elefantenangelegenheiten Hannelore Hartmann soll es richten und präsentiert eine Lösung für das Klimaproblem gleich mit. Doch es müssen Opfer gebracht werden, um mit den Elefanten zusammenzuleben und nicht jeder Wähler ist bereit, diese Opfer zu bringen.

„Elefanten in Berlin, das will ich nicht verpassen.“ Dieses verlockenden Bild von Elefanten, die in der Spree baden, noch bevor der Bundeskanzler seine Zeitung aufgeschlagen hat, fand ich extrem amüsant. Was für ein tolles literarisches Setting-Geschenk an Deutschland, wo doch jedes andere europäische Land dafür hätte herhalten können. Gaea Schoeters spielt ein hypothetisches Szenario durch, bei dem sogar ein Hauch Magie zum Einsatz kommt. Ihr Roman dient als Probebühne für einen politischen Diskurs und eine irre Idee, die viel realistischer ist, als man annehmen könnte.

Dabei rückt sie diese wunderbaren Kolosse in den Fokus, die als faszinierende Nebendarsteller die Hauptrolle verdient hätten, aber neben Propaganda und Rechtsextremismus, ebenso zur Nebensache werden, wie die einzelne Bevölkerung.
Beim Lesen kann man sich über vieles, was da schief läuft, amüsieren. Ob Elefantenhaufen, die zum Staatseigentum werden oder die kreativen touristischen Einfälle, um Geld in die Kassen zu spülen. Neben anrührenden Interaktionen gibt es auch unangenehme Zwischenfälle, in die nur so tief eingetaucht wird, wie nötig (und auf so kurzer Seitenzahl möglich). Stattdessen wird die Geschichte vorangetrieben, die Probleme steigern sich und enden in einem grandiosen Finale, das leider nicht realistischer hätte sein können. Es ist eine Politsatire, zum Weinen und Lachen - machmal gleichzeitig. Eine sommerliche Gefühlsachterbahn voller aktueller Debatten, mit Fakten über Elefanten, Einblicken in die Politik und interessanten Überlegungen, während Doppelmoral, Misogynie oder Emanzipation Einzug halten.

„Elefanten sind keine Flüchtlinge“, schreibt Gaea Schoeters in ihrem Roman, aber eine Metapher für so einiges, was hier im Raum steht. Letztlich war ich überrascht, dass viel weniger in der Geschichte erfunden wurde, als gedacht. Eine wunderbar leichte Satire, absolut pointiert und prägnant. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 22.07.2025

Witzig, spannend und einfach magisch

Nachts in der Bibliothek (Band 1)
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Die zehnjährigen Zwillinge Page und Turner Reed sind mit einer seltenen Erstausgabe ihres Vaters auf dem Weg in die Bibliothek. Als das wertvolle Buch plötzlich verschwindet, tauchen sie in die nächtlichen ...

Die zehnjährigen Zwillinge Page und Turner Reed sind mit einer seltenen Erstausgabe ihres Vaters auf dem Weg in die Bibliothek. Als das wertvolle Buch plötzlich verschwindet, tauchen sie in die nächtlichen Geheimnisse der Bibliothek ein, um es zu finden.

Erzählt wird die Geschichte von dem schüchternen Turner. Seine Schwester Page ist das Gegenteil von ihm: laut, impulsiv und spontan. Dadurch wird besonders deutlich, wie mutig Turner eigentlich ist und wie sich die Beziehung zwischen den Zwillingen vertieft. Zurückhaltende Kinder werden sich gut mit Turners Gedanken identifizieren können. Auch die Nichtbeachtung ihrer verreisten Eltern wird thematisiert. Beide beweisen, dass sie leidenschaftliche Bücherwürmer sind, ein Detektiven Gespür haben und man ihnen so leicht nichts vormachen kann.

Die New York Public Library als Setting ist einfach genial. Diese riesige ehrwürdige Bibliothek birgt eine bibliophile Atmosphäre, die nachts, wenn keine Besucher mehr da sind, an Magie gewinnt, die unbedingt entdeckt werden will. Sehr verlockend! Hier geschehen wilde Abenteuer, während die meisten Menschen schlafen, weil sich die Magie in den alten Büchern anstaut und die Figuren einfach mal Abwechslung brauchen. Das spektakuläre Cover fängt dieses Gefühl ein und macht auch Lust das Buch zu lesen, wenn man sonst keine Graphic Novels bevorzugt. Es lohnt sich! Christopher Lincoln wird nicht nur seiner Zielgruppe gerecht, sondern auch erwachsene Leseratten werden dieser abenteuerlichen Hommage, an die größten Klassiker der Weltliteratur und ihren bekanntesten Figuren, restlos verfallen.

Für Kinder ist es ein idealer Einstieg, weil es eine spannend erzählte Fantasygeschichte ist und sie die magische Welt der Bücher kennenlernen. Der Humor ist kindgerecht und superlustig. Die Seiten punkten mit einer übersichtlichen Anordnung, einem ausgewogenem Bild-Text-Verhältnis, kleinen Lesehilfen und gut lesbaren Texten. Dazu ist die Story abwechslungsreich und vielschichtig. Erwachsene können sich zudem an den Zitatenschildern, witzigen Anspielungen und aufkommenden Kindheitserinnerungen erfreuen. Ob man Alice im Wunderland oder Peter Pan schon kennt oder nicht - es macht einfach Stimmung, wenn die eigensinnigen Figuren aus den Büchern kommen und Chaos anrichten - wobei sie sich auch als sehr hilfreich erweisen.

Der Hintergrund ist farblich an die Umgebung anpasst. Das finde ich gerade für Kinder gelungen, weil es mit wenigen Details den Blick auf die Figuren lenkt. Von denen gibt es einige, aber nicht überfrachtend und man kann sie gut auseinander halten. Trotzdem gibt es viel zu entdecken und zu staunen. Immer wieder kamen gut gemachte Wendungen und Momente, die mein Herz schneller schlagen ließen. Mit Magie ist einfach alles möglich! Absolute Leseempfehlung für alle Kinder und Erwachsene, die fantastische Abenteuer lieben. Ein unverzichtbares Vergnügen für Fans von «Tintenherz» oder «Die magische Bibliothek der Buks».

Veröffentlicht am 22.07.2025

Abgedreht, fantasievoll und wild

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
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„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“

Ein originelles, tiefgründiges und fantasievolles Debüt, bei dem man nie genau weiß, was als nächstes passiert und wohin die Reise ...

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“

Ein originelles, tiefgründiges und fantasievolles Debüt, bei dem man nie genau weiß, was als nächstes passiert und wohin die Reise führt. Was ist real? Was ist Fantasie? Werden die schlimmsten Befürchtungen wahr?

Der fast 13-jährige Beinahe-Teenager Mika erlebt ein ungewöhnliches Abenteuer, das bildgewaltig erzählt wird. Dabei lernt er ganz viel über sich selbst, seine Fähigkeiten, Freundschaft und die Freude, am Leben zu sein. Mika hat es nicht leicht: er ist klein für sein Alter und wird in der Schule gemobbt. Doch er fühlt sich nicht nur körperlich klein: kritische Trommeln schlagen in seinem Kopf, die ihn runterputzen und nie schweigen, egal wohin er geht. Nun stehen ihm langweilige Sommerferien bei seiner Oma bevor. Zocken kann er in der abgeschiedenen Gegend vergessen, aber er kann wenigstens in sein Notizbuch zeichnen und hat seine Ruhe. „Als Mika aus dem Zug steigt, ahnte er nicht, dass er heute sterben würde.“ Mit diesem krassen Satz beginnt die Geschichte und die Ankunft bei seiner Oma. Dabei fragt man sich unweigerlich, was schreckliches passieren wird… Und das ist erst der Anfang der Fragen, der Dramatik, der Absurdität und des Glücks. Als dann das spektakuläre Luftschiff in Form eines Wales auftaucht, war ich von der Unwirklichkeit fasziniert, die in bunten Ideen und verrückten Gestalten daherkommt. Es gibt einige affenstarke Schwarz-Weiß-Skizzen von Mika Thorwarth in dem Buch, die eine schöne Ergänzung waren, um sich alles besser vorzustellen. Denn atmosphärische Details gibt es nicht und auch ein Blick in Mikas Gedanken gibt es nur, wenn es relevant wird. Dabei gab es Situation, in denen ich sein gefasstes Handeln nicht gleich nachvollziehen konnte. Es steht die Handlung im Vordergrund, die Irritation mit der Wirklichkeit, das Spielerische und die neuen Möglichkeiten, die sich auftun. Ich mochte ganz viel daran. Besonders die Botschaften, die Entwicklung von Mika und die Pfannkuchen-Variationen.

«Immerland - Stadt der Ewigkeit» ist alles andere, als vorhersehbar und eine kreative und witzige aber auch tiefgreifende Coming-of-Age-Geschichte, die es in sich hat. „Alles passiert aus einem Grund. Und meistens ist es Physik!“ Es gibt keinen Cliffhanger, aber wir dürfen uns auf eine Fortsetzung im Herbst 2026 freuen.