Jeder Mensch ist ein Rätsel
The Inheritance GamesIn The Inheritance Games bekommt man eine komplette Klischee-Klatsche. Und das war genau das, was ich in dem Moment lesen wollte. Die Protagonistin kommt aus ärmlichen Verhältnissen, erarbeitet sich jedes ...
In The Inheritance Games bekommt man eine komplette Klischee-Klatsche. Und das war genau das, was ich in dem Moment lesen wollte. Die Protagonistin kommt aus ärmlichen Verhältnissen, erarbeitet sich jedes Detail in ihrem Leben und wird über Nacht reich. Dafür muss sie nur ein Jahr mit vier heißen, aber nun auch enterbten Enkeln im Haus vom verstorbenen Tobias Hawthorne verbringen. Es ist wie ein wahrgewordener Traum. Das würde Avery auch bestätigen. Ein wahrgewordener Albtraum.
Die Autorin greift eine interessante Idee auf und macht das arme Aschenputtel über Nacht reich. Dabei greift sie stark in die Realitätskiste und zeigt jede Form von Schattenseite dieses Daseins. Plötzlich benötigt Avery Personenschutz, die Presse ist überall und deren Spekulationen über ihr plötzliches Erbe sind nicht unbedingt immer freundlich. Aber das ist nicht das einzige Rätsel, dass Tobias hinterlassen hat. In jedem Detail seines letzten Willens sind kleine Rätsel enthalten, das ganze Haus ist voller versteckter Hinweise. Hier schlägt jedes Mistery-Herz hoch.
Avery selbst wird als das letzte Rätsel des Herren angesehen und sie legt alles daran es zu lösen. Für mich war sie eine absolut authentische Protagonistin. Sie schien von der Situation total überfordert, hadert mit einigen Hindernissen und ist natürlich auch absolut neugierig. Außerdem passt sie perfekt in die Welt der Familie Hawthorne. Durch ihre jahrelange, harte Arbeit erzielt sie grandiose Leistungen in der Schule und glänzt durch eine Menge Intelligenz. Sie kombiniert ausgezeichnet, ist rational und hat ein Händchen für Rätsel.
Ich fand die Rätsel mehr als intelligent zusammengestellt. Alles verfolgt einen roten Faden und überrascht mit interessanten Lösungen. Bei vielem kann man miträtseln und auch auf das Ergebnis kommen, aber einiges hab ich gar nicht enträtselt. Hier kann man sein Rätseltalent auf jeden Fall ein wenig austesten.
Der Autorin liegt der rationale, intelligente Part. An welcher Stelle es mir gefehlt hat, ist der emotionale Bereich. Ich hatte Schwierigkeiten die Romanze nachzuempfinden, es kamen keine Funken bei mir an. Hier erhoffe ich mir mehr Tiefgründigkeit und eine spürbare Verbindung in den Folgebänden.
Fazit:
Als Thriller hätte ich dieses Buch nicht unbedingt eingeordnet. Eher als Mystery-Roman mit Rätselspaß und Detektivarbeit. Auf intelligenter Ebene, spannend gestaltet. Der romantische Teil ist noch ausbaufähig.