Ups and Downs
Dark Sigils – Was die Magie verlangtDer Einstieg ins Buch wird leicht gestaltet. Der Leser wird begrüßt von einem epischen, dramatischen Schreibstil, der gefühlt bei jedem 2. Satz für Gänsehaut sorgt. Er ist brutal, nichts für schwache Nerven, ...
Der Einstieg ins Buch wird leicht gestaltet. Der Leser wird begrüßt von einem epischen, dramatischen Schreibstil, der gefühlt bei jedem 2. Satz für Gänsehaut sorgt. Er ist brutal, nichts für schwache Nerven, aber auch magisch und bildhaft schön. So werden der Weltenentwurf, aber auch die Lebenssituation der Protagonistin passend untermalt.
In dieser Welt gibt klassische Elemente der Schichtenspaltung. Es gibt die Unteren und Oberen. Die Unteren besitzen wenig Magie, kämpfen und töten für ein Gramm. Während die Oberen scheinbar endlos viel zu besitzen scheinen und die Unteren nach Belieben damit versorgen. Und Ray lebt Unten.
Um Geld zu verdienen, kämpft sie mit Hilfe von Magie in Kampfarenen.
"»Du kämpfst wie jemand, der nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen hat.«"
Die Kämpfe sind brutal und atemlos, lassen den Leser mit fiebern. Gleichzeitig sind die Kämpfe die perfekte Einführung in die Welt, da Ray Magie direkt verwendet und erklärt.
Magische Elemente sind spannend und originell eingebaut. Es gibt Magie zur Defensive oder Offensive. Ray ist im offensiven Bereich Zuhause, lässt Magiemienen erscheinen oder lässt ihre Gegner mit einer Handbewegung erstarren.
Die Magie hier wird unfassbar schön, bildreich und mächtig beschrieben. Aber sie hat nicht nur Sonnenseiten. Magie ist begrenzt verfügbar. Magie ist gefährlich. Magie macht süchtig.
Durch diese Prämissen, schneidet Anna Benning wirklich interessante Themen an. Nicht nur ärmliche Verhältnisse werden gut herübergebracht, sondern auch Verhalten in Abhängigkeit oder wie man durch Notsituationen in Mitglied in Gangs wird (z. B. weil man kein Dach über dem Kopf hat oder sonst den Schutz der anderen Mitglieder verliert) werden aufgegriffen.
- eine Trigger Warnung dazu, wäre vorab jedoch sicherlich nicht verkehrt gewesen -
Das Buch hat also eine komplexe Fantasy-Welt mit vielen Details zur Magie, dessen Nutzung, Auswirkungen sowie unterschiedlichen Schichten. Man kann das hier nicht nebenbei lesen. Konzentration ist hier die Devise. Also genau das, was ich an neuen Fantasy-Welten mag!
Ab dem Einblick in die Welt der Oberen, nahm meine Begeisterung jedoch graduell ab. Es ging erst viel um Charakter- und Weltvorstellung. Doch je länger man liest, desto höher war der Fokus auf der Lovestory (die ich nicht nachvollziehen konnte, insbesondere nicht in dem Tempo).
Der Protagonistin widerfährt von Oberen, deren Welt und auch explizit ein paar der Charaktere viele Ungerechtigkeiten. Für den Leser entsteht damit Story technisch viel Spannung. Mit der Hauptfigur konnte man mitfühlen. Hier hat man sich gemeinsam hilflos, wütend und verloren gefühlt. Vielleicht auch ein wenig ängstlich.
Aus dieser Gefühlswelt einen Wechsel der Emotionen entstehen zu lassen, ist schwierig und benötigt eine Entwicklung und Zeit(!). Die hat mir hier gefehlt. Somit war es mir nur schwer möglich mich in das Zwischenmenschliche, die Bindung zwischen den Charakteren hineinzufühlen. Diese empfand ich als zu oberflächlich ausgearbeitet.
Zudem war mir dann das „Liebe, die nicht sein darf“-Konzept zu über dramatisch und zu viel – sicherlich davon unterstützt, dass ich die Gefühlsentwicklung schon nicht nachvollziehbar fand.
Fazit:
Schade.
Ich wollte das Buch mögen. Es hat vielversprechend begonnen. Die Grundlagen – Schreibstil, Weltenentwurf, Magie-Elemente – sind unfassbar gut ausgearbeitet. Der wachsende Fokus auf die Liebesgeschichte mit einer wenig authentischen Gefühlsentwicklung, hat dem Leseerlebnis für mich jedoch einen Abbruch getan und zähflüssiger gestaltet.
Eine Ausarbeitung der Charakterbindung oder eine Fokusänderung z. B. auf das Abenteuer selbst, würden mir (in den Folgebänden) besser gefallen.