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Veröffentlicht am 16.04.2026

Zu viele Nebenhandlungen

Die Briefträgerin
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"Die Briefträgerin" von Francesca Giannone ist ein leiser, aber eindringlicher Roman über eine starke Frau.

Anne kommt mit ihrem Ehemann Carlo aus Norditalien in den Süden. Dort herrschen andere ...

"Die Briefträgerin" von Francesca Giannone ist ein leiser, aber eindringlicher Roman über eine starke Frau.

Anne kommt mit ihrem Ehemann Carlo aus Norditalien in den Süden. Dort herrschen andere Gesetze, als sie es kennt. Anna ist selbstbewusst, stößt dadurch auf Widerstand, nicht nur in ihrer neuen Familie, auch in Lizzanello, ihrer neuen Heimat. Auch wenn ihr der Wind direkt ins Gesicht weht, geht sie ihren Weg und wird Briefträgerin. Sie hat nicht geahnt, was sie durch ihre Tätigkeit alles über die Einwohner von Lizzanello erfährt.

Die Charaktere in diesem Romann sind präzise und lebendig beschrieben. Anna mit ihrer selbstbewussten Art und ihrer Liebe zu Büchern war mir sofort sympathisch. Im Gegensatz dazu steht ihre Schwägerin Agata, die im Gegensatz zu Anna fest im Glauben verankert ist. Egoistisch nimmt sie nur ihre eigenen Interessen wahr, was sie nicht gerade zum Sympathieträger macht.

Die Sprache von Giannone hat mir gefallen, sie ist bildhaft und atmosphärisch. Die verschiedensten Schicksale beschreibt sie gut und empathisch.

Im Verlauf des Romans hat die Autorin mir allerdings zu viel in die Handlung gepackt, dadurch fehlte an manchen Stellen für mich Tiefe. Gerade ein Mädchen und später eine Frau wie Lorenza hätte hier mehr Aufmerksamkeit verdient.Andere Stränge um Anna hätten ebenfalls ausführlicher dargestellt werden können. Ich will hier nicht spoilern, deshalb kann ich das hier nicht weiter ausführen.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen, für die oben erwähnten Punkte ziehe ich allerdings Sterne ab. Er ist leicht lesbar, wenn auch in Teilbereichen nicht historisch belegt (Thema Frauenhaus)

Gute 3 Sterne und eine eingeschränkte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Wieder richtig komisch, wenn auch ziemlich sjurril

Die Rotkäppchenmisere: Urkomische Krimikomödie aus Bayern
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Auch in seinem dritten Hörbuch aus Fackenreuth, der "Rotkäppchenmisere", haben mich Roland Zingerle und der Sprecher Michael A. Grimm wieder in ihren Bann gezogen.

Lucia ist frühmorgens unterwegs um ...

Auch in seinem dritten Hörbuch aus Fackenreuth, der "Rotkäppchenmisere", haben mich Roland Zingerle und der Sprecher Michael A. Grimm wieder in ihren Bann gezogen.

Lucia ist frühmorgens unterwegs um Zeitungen auszutragen, wohl ist ihr dabei nicht. Da taucht plötzlich ein Mädchen auf, das sich Rotkäppchen nennt und seine Großmutter sucht. Lucia bringt das Mädchen zur Polizei, aber auch der uns bereits aus den Vorgängerbänden bekannte Dorfpolizist Xaver erfährt nicht mehr. So wirklich Zeit hat er allerdings auch nicht, da im Wald die Leiche des Jägers Basti gefunden wird, er wurde erschossen. Da Xavers Vater in der Presse allerdings über Rotkäppchen berichtet, stürmen Blogger Fackenreuth. Der beschauliche Ort liegt wieder einmal mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Xaver entdeckt in der Zeitung außerdem einen kleinen Bericht über die Eröffnung einer Begleitagentur in Fackenreuth. Mitgründerin dieser Agentur ist ausgerechnet seine Exfreundin Bettina.

Als bekennender Fackenreuth-Fan musste ich dieses Hörbuch natürlich anhören. Grimm verleiht auch diesem Band mit seiner Stimme und seinem Bayrisch Lebendigkeit. Der Regionalkrimi ist genau wie die anderen Bände witzig und leicht zu hören, dabei aber auch durchaus spannend. Wir treffen wieder alte Bekannte: den Lukki, den den Uhrensepp, Bettina und natürlich die feministische Wirtin der Dorfkneipe. Diese passt aufgrund der Ereignisse um Rotkäppchen ihre Speisekarte an, ein Brüller für sich! Die Blogger, allen voran Frau Feminina, haben die Handlung aus meiner Sicht bereichert. Das Ende des Romans war mir diesmal allerdings etwas zu skurril, daher gibt es diesmal auch nur 4 Sterne.

Ein wirklich netter Hörgenuss, den ich "für zwischendurch" gerne weiterempfehle! Ich freue mich schon auf den nächsten Band, der hoffentlich bald erscheint!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Achtsamkeit für Anfänger

Einatmen. Ausatmen.
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Ich bin ein Maxim Leo-Fan und habe schon einiges von ihm gelesen. Auch dieses Werk "Einatmen. Ausatmen." hat mir wieder richtig gut gefallen.

Marlene Buchholz ist eine hochqualifizierte Managerin in einem ...

Ich bin ein Maxim Leo-Fan und habe schon einiges von ihm gelesen. Auch dieses Werk "Einatmen. Ausatmen." hat mir wieder richtig gut gefallen.

Marlene Buchholz ist eine hochqualifizierte Managerin in einem Konzern, leider fehlt es ihr an Sozialkompetenz, Da sie Vorstandsvorsitzende in ihrem Konzern (Aviola) werden soll wird sie von ihrem Chef zu einem Achtsamkeitsseminar verdonnert. Nicht besonders motiviert fährt sie zum Seminar und trifft dort auf den Coach Alex Grow, den Seelenflüsterer. Alex selbst hat auch Probleme, die er verstecken muss. Da sind zum Einen seine Panikattacken, zum Anderen die Tatsache, dass seine Akademie kurz vor der Pleite steht und nur ein Großauftrag der Aviola ihn retten kann.

Mit viel Humor, aber ohne sie lächerlich zu machen, bringt uns Maxim Leo die Protagonist*innen nah. Er beschreibt jeden einzelnen sehr lebensnah und so manches Mal musste ich laut lachen. Die Sprache von Leo ist immer wieder herzerfrischend, Er schafft es bei aller Komik auch, der gesamten Story Tiefgang zu verleihen und regt zum Nachdenken an. Über die Prioritäten des eigenen Lebens, den Umgang untereinander. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen, wieder einmal mehr hat mich Maxim Leo überzeugt!

Volle 5 Sterne für dieses Lesevergnügen und eine Leseempfehlung nicht nur für Fans von Maxim Leo!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Fluch oder Aberglaube?

Der Fluch der Falodun Frauen
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Anja Herden ist mit "Der Fluch der Falodun Frauen" von Oyinkan Braithewaite Preisträgerin des Deutschen Hörbuchpreises 2026 in der Kategorie "Beste Interpretin" . Und das zu Recht!

Über den Falodun Frauen ...

Anja Herden ist mit "Der Fluch der Falodun Frauen" von Oyinkan Braithewaite Preisträgerin des Deutschen Hörbuchpreises 2026 in der Kategorie "Beste Interpretin" . Und das zu Recht!

Über den Falodun Frauen liegt ein Fluch. Vor vielen Generationen hat Ehefrau Nr. 1 die Ehefrau Nr. 2 ihres Ehemannes und alle folgenen Generationen verflucht. Keine der Frauen soll glücklich werden mit dem Mann, den sie liebt

Monife wird begraben und am gleichen Tag kommt ihre Nichte Eniiyi zur Welt, viel zu früh. Da sie ihrer Tante extrem ähnlich sieht, halten sie alle für eine Reinkarnation. Auch als sie älter wird, ist die Ähnlichkeit verblüffend, viele halten Eniiyi für ihre Tante oder vergleichen sie mit ihr. Sie leidet sehr darunter, möchte ihr eigenes Leben leben, ohne von Flüchen und Aberglauben beherrscht zu werden.

Wir begleiten in diesem Roman in verschiedenen Zeitsträngen und aus verschiedenen Perspektiven Monife, Eniiyi und ihre Mutter Ebu. In jeder Generation ist das Leben der Frauen, die in einem Haus zusammen und ohne Männer wohnen, geprägt von Aberglaube und Spiritualität, aber auch von Auflehnung. Eine Yorubapriesterin festigt den Aberglauben durch für uns Europäer seltsame Zeremonien, durch die Frauen ihren Auserwählten über den Fluch hinaus an sich binden sollen. Für mich hat sich hier die Frage gestellt, ob es sich tatsächlich um einen Fluch handelt, oder eher der Glaube der Frauen an diesen Fluch dazu beiträgt, ihre Männer und damit ihre Liebe zu verlieren. Als Mann hätte mich da doch manches Verhalten eher abgeschreckt (glaube ich zumindest, mich würde die Meinung eines Mannes tatsächlich interessieren) Braithwaite versteht es gut, die Kultur in Nigeria zu vermitteln. Die Familie, mit der wir es hier zu tun haben, gehört wohl eher zu einer privilegierten Schicht, können die Frauen doch studieren oder den von ihnen gewünschten Berufen nachgehen. Eniiyi ist eine starke Frau, wehrt sich von früher Jugend an gegen die Bevormundung ihrer Familie selbstbewusst.

Anja Herden hat diesen Preis wirklich verdient. Sie liest den Roman unglaublich empathisch und verleiht hierbei jedem Charaktere eine passende Stimmlage. Für mich war es ein Genuss, ihr zuzuhören!

Ich fand den Roman sehr gelungen, zumal er uns eine uns fremde Kultur näherbringt. Für den Roman und die hervorragende Sprecherin vergebe ich verdiente 5 Sterne und empfehle ihn sehr gerne weiter. Für Hörbuchfreund*innen ist das Hörbuch eigentlich Pflicht!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein Plädoyer für Inklusion

Pina fällt aus
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"Pina fällt aus" von Vera Zischke hat mich sehr berührt!

Leo ist besonders, denn er ist Autist. Als Pina, die Mutter von Leo, auf der Straße zusammenbricht, ist Leo allein. Pina macht sich im Krankenaus ...

"Pina fällt aus" von Vera Zischke hat mich sehr berührt!

Leo ist besonders, denn er ist Autist. Als Pina, die Mutter von Leo, auf der Straße zusammenbricht, ist Leo allein. Pina macht sich im Krankenaus auf der Intensivstation in wachen Momenten große Sorgen um Leo. Wie soll er auf sich selbst gestellt zurechtkommen? Sie will nur noch nach Hause. . Leo ist zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs bei der 87-jährigen Inge, die das Haus nicht mehr verlässt und manchmal auf Leo "aufpasst". Sie ist überfordert, denn im Haus gibt es außer ihr nur noch Zola und Wojtek. Zola ist 16 Jahre alt, hat die Schule abgebrochen, Wojtek ist ein Sonderling. Trotzdem kümmern sich alle gemeinsam um Leo, obwohl sie erst lernen müssen, mit seinen Besonderheiten umzugehen. Und nach und nach beginnen sie alle, Leo zu mögen und zu brauchen, integrierenihn in ihr Leben.

Der Roman lässt sich fast in einem Rutsch durchlesen. Wir lernen die Perspektiven und Gefühle der Protagonist*innen nach und nach kennen und begleiten sie und Leo durch den Alltag. Leo vermisst seine Mutsch und ist traurig. Zola möchte eigentlich lieber zocken, kümmert sich aber rührend um Leo und versteht immer mehr, wie er "tickt". Zola war mir sehr sympathisch, sie hat einen guten Kern, den sie selbst garnicht kennt. Auch in Inge, die immer noch um ihren Mann trauert, konnte ich mich gut einfühlen. Wojtek dagegen ist zwar auch ein interessanter Charakter, blieb mir allerdings etwas fremd. Zischke beschreibt sehr einfühlsam den Umgang mit Menschen mit Einschränkungen, das Wegschauen vieler Menschen, Zitat "Inklusion, das ist immer das, worum sich die anderen kümmern müssen" Das Thema Autismus wird gut bechrieben und hat mich an den Film "Rain Man" erinnert, der auch zeigt, was für liebenswerte Menschen Personen mit Einschränkungen sind. Gleichzeitig beschreibt Zischke aber auch, was häusliche Pflege für Angehörige bedeutet und welchen Belastungen Pflegepersonal in Krankenhäusern ausgesetzt ist (und dabei trotzdem mit viel Herz diese Arbeit ausfüllt). Aber man darf beim Lesen trotz des ernsten Themas auch schmunzeln, z.B. bei der Beschreibung der Charaktere durch Leo.. Der Schreibstil der Autorin ist leicht, flüssig und lebensnah.

Der Roman ist ein Plädoyer für Inklusion, gegen Wegschauen und den Pflegeberuf gleichzeitig. Er weckt Verständnis und rüttelt auf. Ich kann den Roman auf jeden Fall weiterempfehlen, nicht nur an Lesende aus Pflege- oder Sozialberufen!

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