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Veröffentlicht am 14.01.2026

Kälte unter der Haut

Die Eiskinder
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Die Eiskinder hat mich schon mit den ersten Seiten ins Wintergrau gezogen: Atem, der in der Luft hängt, knirschender Schnee, das Schweigen eines Ortes, in dem jeder jeden zu kennen glaubt – und trotzdem ...

Die Eiskinder hat mich schon mit den ersten Seiten ins Wintergrau gezogen: Atem, der in der Luft hängt, knirschender Schnee, das Schweigen eines Ortes, in dem jeder jeden zu kennen glaubt – und trotzdem bleibt etwas Unsichtbares zwischen den Häusern. Genau diese Stimmung liebe ich: Wenn die Kälte nicht nur draußen liegt, sondern in die Geschichte hineinzieht.

Die Handlung entwickelt sich leise, dann immer drängender. Es geht um Geheimnisse, die alt wirken, um Spuren, die der Wind fast wieder verweht – und um ein paar Mutige, die doch noch einmal nachschauen, wo andere längst wegsehen. Ich mochte, wie nah ich an den Figuren dran war: keine Comic-Helden, sondern Menschen mit Angst, Trotz, Loyalität. Vor allem die Momente zwischen den Zeilen – ein kurzer Blick, ein unsicheres Lächeln, ein Satz, der zu spät kommt – haben mich gepackt.

Sehr stark fand ich die Naturbilder: Eisflächen, die trügerisch tragen; ein Meer, das mal schützt und mal verschluckt; Wege, die bei Tageslicht harmlos wirken und in der Dämmerung zu etwas ganz anderem werden. Das verleiht der Geschichte diese körperliche Spannung: Man liest nicht nur, man friert ein bisschen mit.

Erzählerisch bleibt das Tempo angenehm variabel: ruhige Passagen zum Atmen, dann wieder Kapitel, die man fast in einem Zug liest. Ein, zwei Wendungen habe ich früh geahnt, und an wenigen Stellen wirken Zufälle sehr hilfreich – nichts, was mich rausgeworfen hätte, eher ein kurzes „na gut“-Nicken, bevor es weitergeht.

Unterm Strich ist Die Eiskinder für mich ein winterlicher Spannungsroman mit Herz: atmosphärisch, nah an seinen Figuren, mit jener Sorte Geheimnis, die nicht nur gelöst werden will, sondern verstanden. Ein Buch für kalte Abende, das einen daran erinnert, dass die wärmsten Entscheidungen oft dort getroffen werden, wo die Kälte am dichtesten ist.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Länger jünger

Hacking Age
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Hacking Age hat mich direkt neugierig gemacht, weil es nicht verspricht, die Zeit zurückzudrehen, sondern zeigt, wo ich heute ansetzen kann. Der Ton ist angenehm unaufgeregt: wissenschaftlich genug, um ...

Hacking Age hat mich direkt neugierig gemacht, weil es nicht verspricht, die Zeit zurückzudrehen, sondern zeigt, wo ich heute ansetzen kann. Der Ton ist angenehm unaufgeregt: wissenschaftlich genug, um Vertrauen zu schaffen, und gleichzeitig so alltagstauglich, dass ich beim Lesen sofort Dinge markieren und ausprobieren wollte.

Am stärksten ist das Buch, wenn es konkret wird. Kleine, machbare Stellschrauben statt XXL-Umbau: Schlaf rhythmischer denken, Eiweiß und Ballaststoffe smarter planen, Krafttraining als „Jungbrunnen“ verstehen, Stress wirklich managen (nicht nur verdrängen), Sonnenkultur statt Sonnenangst – und dazu Hautpflege, die mehr ist als Marketing. Ich mochte die klaren „Darum funktioniert’s“-Erklärungen und die kurzen Mythen-Checks, die liebgewonnene Halbwahrheiten freundlich, aber bestimmt zerlegen. Viele Grafiken und Mini-Checklisten senken die Hürde, wirklich loszulegen.

Schön auch: der weite Blick auf Gesundheit – nicht nur Blutwerte, sondern soziale Beziehungen, mentale Hygiene, neugieriges Lernen. Genau das fühlt sich nach „älter werden, aber lebendig bleiben“ an, nicht nach Kalorien- und Minutenknausern.

Ganz ohne Abzüge ist es nicht. Einige Empfehlungen sind mir bekannt gewesen; der Mehrwert liegt dann eher in Struktur und Motivation. Hier und da hätte ich mir tiefere Quellenangaben oder klarere „Was kann, was kann (noch) nicht“-Kategorien gewünscht, gerade bei Trends (Supplements, Kälte/Wärme, Wearables). Und natürlich bleibt ein Rest Privilegien-Bias: Nicht jede*r kann Routinen ständig perfekt takten – das Buch gibt zwar Alternativen, aber an manchen Stellen blitzt der Idealalltag durch.

Trotzdem überwiegt für mich klar das Positive. Hacking Age ist kein Wunderversprechen, sondern ein gut sortierter Werkzeugkasten, der mich freundlich in Bewegung setzt. Es vermittelt dieses seltene Gefühl: „Ich muss nicht alles ändern, nur heute ein bisschen besser werden – und morgen wieder.“ Genau damit schließt man das Buch – und fängt an.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Nordisch leicht

Hej!
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Hej! hat mich genau dort abgeholt, wo ich beim Kochen am liebsten bin: unkompliziert, saisonal, gemütlich – mit einem Hauch Fernweh Richtung Norden. Zora Klipp schafft es, dieses skandinavische „Alles ...

Hej! hat mich genau dort abgeholt, wo ich beim Kochen am liebsten bin: unkompliziert, saisonal, gemütlich – mit einem Hauch Fernweh Richtung Norden. Zora Klipp schafft es, dieses skandinavische „Alles halb so wild“-Gefühl auf den Teller zu bringen: klare Aromen, wenige gute Zutaten, kleine Kniffe, die plötzlich alles runder schmecken lassen. Beim Blättern hatte ich sofort Lust, den Tisch zu decken und einfach loszulegen.

Was mir besonders gefallen hat: Die Rezepte sind alltagstauglich, ohne langweilig zu sein. Viel Gemüse, frische Kräuter, Zitrus, eingelegte Kleinigkeiten – dazu Ideen, wie man Reste weiterdenkt statt wegwirft. Ich mag, dass Zora nicht nur sagt, was zu tun ist, sondern warum: kurze Hinweise zu Texturen, Säure, Crunch. Das macht sicherer und freier. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind klar, die Zutatenlisten bleiben schlank, und trotzdem wirkt nichts karg. Genau dieser Mix aus Leichtigkeit und Wärme hat mich gekriegt.

Auch optisch ist das Buch ein Wohlfühlort: helle Fotos, ohne Food-Porn-Overload, dafür mit realistischen Portionen und kleinen Tablett-Tricks, die man sofort übernimmt. Viele Rezepte lassen sich vorbereiten oder unkompliziert verdoppeln – perfekt für Wochenabende und spontanen Besuch. Besonders die kleinen Extras (Schnell-Pickles, Dips, Gewürzöle) sind zu neuen Standards bei mir geworden; sie retten müde Nudeln genauso wie Ofengemüse.

Mini-Kritik: An ein, zwei Stellen hätte ich mir bei den Backzeiten/Temperaturen einen engeren Korridor gewünscht (mein Ofen ist wohl eigenwillig), und bei manchen Zutaten wären Alternativen für wirklich leere Vorratskammern hilfreich. Nichts, was man nicht mit ein bisschen Küchenintuition ausgleicht – aber ein „Falls du X nicht hast, nimm Y“-Satz macht im Alltag oft den Unterschied.

Unterm Strich ist Hej! für mich ein Buch, das die Hemmschwelle senkt und die Lust aufs Kochen hebt. Nordisch im Geist, nahbar in der Umsetzung, tröstlich im Ergebnis. Es schenkt dieses ruhige „Das kriegen wir hin“-Gefühl – und genau dafür greife ich immer wieder dazu.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Neuanfang mit Witz

Mutti steigt aus
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Mutti steigt aus hat mich als Hörbuch genau im richtigen Moment erwischt: Ich wollte etwas Leichtes, aber nicht Belangloses – humorvoll, dabei ehrlich. Genau das bekomme ich hier. Die Geschichte über eine ...

Mutti steigt aus hat mich als Hörbuch genau im richtigen Moment erwischt: Ich wollte etwas Leichtes, aber nicht Belangloses – humorvoll, dabei ehrlich. Genau das bekomme ich hier. Die Geschichte über eine Frau, die nach Jahren im Familien- und Erwartungsmodus plötzlich ihr eigenes Tempo sucht, fühlt sich erstaunlich nah an. Ich habe oft gelacht, manchmal geschnaubt und mich an mehr als einer Stelle ertappt gefühlt.

Die Sprecherin trägt das wunderbar. Ihr Ton hat Wärme und Witz, und sie trifft diese feinen Nuancen zwischen Selbstironie und verletzlichen Momenten. Dialoge klingen lebendig, Nebenfiguren bekommen Kontur, ohne zur Karikatur zu werden. Gerade die bissigen Seitenhiebe sitzen – aber nie so, dass es gemein wird. Für mich ist das der Sweet Spot: freundlich frech.

Inhaltlich mochte ich den Mix aus Alltagschaos, Familienknoten und kleinen Mutproben. Es geht weniger um den großen Befreiungsschlag als um viele Mini-Entscheidungen, die sich am Ende wie ein neues Leben anfühlen: Nein sagen lernen, um Hilfe bitten, sich etwas zutrauen. Das macht den Reiz des Hörens aus – man begleitet, statt nur zuzusehen.

Ein, zwei Passagen sind vorhersehbar, und an wenigen Stellen wäre etwas weniger Überzeichnung bei den „Problemverursachern“ (ihr wisst schon: Besserwisser, Bequemlinge, Weltretter im eigenen Kopf) schöner gewesen. Aber selbst dann fängt der Humor das gut auf. Das Tempo bleibt angenehm, Kapitel enden oft mit einem kleinen Schmunzler, der mich sofort zum Weiterhören verleitet hat.

Besonders schön: die leisen Töne. Wenn zwischen den Gags plötzlich ein Satz steht, der mitten ins Herz trifft – über verpasste Chancen, über das älter Werden, über die Freiheit, die nicht ruft, sondern flüstert. Genau dort hat mich das Hörbuch am meisten gepackt.

Unterm Strich ist Mutti steigt aus für mich ein warmes, pointiertes Hörvergnügen über Selbstbehauptung, Familie und zweite Anläufe. Leicht genug fürs Pendeln, echt genug, um hängen zu bleiben – und gesprochen mit genau der richtigen Portion Charme.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Mord mit Meeresbrise

Der tote Kurschatten von Sylt
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Der tote Kurschatten von Sylt war für mich genau die richtige Hörbuchwahl für graue Nachmittage und lange Spaziergänge. Schon nach den ersten Minuten war ich im Inselmodus: salzige Luft im Kopf, Möwen ...

Der tote Kurschatten von Sylt war für mich genau die richtige Hörbuchwahl für graue Nachmittage und lange Spaziergänge. Schon nach den ersten Minuten war ich im Inselmodus: salzige Luft im Kopf, Möwen im Ohr, dieses ganz eigene Sylt-Gefühl zwischen Kurort-Glanz und Nordsee-Rauheit. Die Geschichte setzt auf charmanten Krimischwung statt blutiger Schauwerte – und genau das mochte ich.

Besonders gut funktioniert die Atmosphäre: kleine Pensionen, Strandpromenade, Tratsch im Café, dazu ein Ermittlerblick, der eher beobachtet als poltert. Die Figuren sind pointiert gezeichnet, manchmal leicht überzeichnet, aber mit Wiedererkennungswert. Ich hatte schnell das Gefühl, ein paar von ihnen schon zu kennen – im besten Sinne.

Als Hörbuch lebt der Fall stark von der Produktion. Die Sprecherleistung trifft für mich den Ton: unaufgeregt, präzise, mit gutem Ohr für Dialogrhythmus. Stimmen werden sauber voneinander abgegrenzt, ohne in Klamauk abzurutschen. Tempo und Pausen passen; ich konnte problemlos folgen, auch wenn um mich herum Alltagsgeräusche liefen. Sehr angenehm fand ich, wie humorige Spitzen gesetzt werden – dezent, nie auf Kosten der Spannung.

Der Plot selbst liefert solide Krimikost: ein Toter im Kuridyll, ordentlich Motive, ein paar falsche Fährten und ein Finale, das die Fäden sauber zusammenzieht. An zwei, drei Stellen hätte ich mir etwas weniger Plauderei und ein klein wenig mehr Biss gewünscht; gelegentlich wirkt der Weg zur Auflösung sehr gemütlich. Für mich zählt das hier aber zur Sorte „bewusste Tonlage“: Cosy mit Küstenkante.

Was bleibt, ist ein rundes Hörerlebnis mit viel Lokalkolorit, sympathischen Figuren und wohldosiertem Witz. Der tote Kurschatten von Sylt hat mich bestens unterhalten, ohne laut zu werden – ein Fall zum Miträtseln, bei dem man nebenbei tief durchatmen kann. Ich bin definitiv bereit für eine weitere Runde Inselkrimi – gern wieder mit dieser Stimme im Ohr.

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