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Veröffentlicht am 16.12.2025

Komplex aufgebauter Thriller mit einer Prise schwarzem Humor

Down Cemetery Road
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Sarah Tucker ist eine »gelangweilte Hausfrau«, verheiratet mit dem wohlhabenden Mark, hat jedoch keine Kinder. Von der Ehe ist der Lack ab, dennoch spielt sie die brave Gastgeberin auch mal für unliebsame ...

Sarah Tucker ist eine »gelangweilte Hausfrau«, verheiratet mit dem wohlhabenden Mark, hat jedoch keine Kinder. Von der Ehe ist der Lack ab, dennoch spielt sie die brave Gastgeberin auch mal für unliebsame Geschäftspartner ihres Mannes. Während ein potenzieller Partner von Mark mit seiner Freundin bei ihnen zu Gast ist, explodiert das Nachbarhaus, in dem eine alleinstehende Frau mit kleinem Kind wohnt. Das Kind überlebt, doch neben der Mutter kommt auch ein Mann ums Leben, der später als Ehemann der Frau identifiziert wird. Eigenartigerweise ist der Ehemann angeblich jedoch schon vor Jahren ums Leben gekommen. Und als Sarah das kleine Mädchen im Krankenhaus besuchen möchte, schient die Kleine wie vom Erdboden verschluckt zu sein und niemand will ihr Auskunft geben. Sarah erwacht aus ihrem »Hausfrauenschlaf« und beginnt Fragen zustellen, stellt sogar einen Privatermittler ein, der einiges an Merkwürdigkeiten zutage bringt. Doch ehe sie die Sache noch weiter verfolgen können, stirbt der Mann und die Polizei sieht in ihm einen Drogendealer. Als auch bei Sarah Drogen gefunden werden und ihr Mann sie mit Pillen ruhigstellen möchte, klingeln bei ihr sämtliche Alarmglocken ...

Der Roman war für mich schwierig zu lesen, ständig wechselnde Schauplätze, eine Menge an Personen und rätselhafte Szenen. Der Anfang hat mich gleich gefesselt, im ersten Kapitel wird ein Mensch gefangengehalten, das wurde so eindrücklich geschildert, dass ich fast selbst in der Zelle saß. Und der Einstieg des Geschäftsessens im zweiten Kapitel war mit herrlich viel schwarzem Humor gewürzt – leider verlor ich bald den Faden. Bis zur Mitte konnte ich keinerlei Zusammenhänge erfassen, erst danach gibt es einige Stränge, die mit einem »Aha« zusammengeführt werden. Zur Hauptperson Sarah fand ich keinen Zugang, sie lebt in den Tag hinein, hadert zeitweise mit ihrem Schicksal – gelangweilt trifft es. Dennoch kennt sie nicht einmal die Menschen in ihrer nächsten Nachbarschaft. Daher war es für mich nicht nachvollziehbar, dass sie sich plötzlich dafür interessiert, was aus dem kleinen Mädchen wird. Die anderen Personen agieren wie Statisten, sehr spät kommt Zoe (die Witwe des Detektivs) ins Spiel. Und dann auch Ex-Soldat Michael (da hatte ich endlich die Verbindung zum ersten Kapitel). Irgendwie fand ich zu der Geschichte nicht so den Draht, komplex und verworren – vermutlich müsste ich sie ein zweites Mal lesen, um wirklich sämtliche Zusammenhänge zu durchschauen. Der Schluss lässt einiges offen – was mich nachträglich nicht verwundert, da es offenbar eine Serie ist, die bereits verfilmt wurde. Leserinnen und Leser, die gern verwickelte Thriller haben, bei denen man miträtseln kann, werden an dieser Geschichte ihre Freude haben. Für mich war sie zu konfus.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Historischer Roman rund um die Baumwollspinnereien

Glimmende Himmel
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June arbeitet nun in der Baumwollspinnerei, als ihr Franklin O’Donovan wiederbegegnet. Sie ist ihm nicht wohlgesonnen, auch die Arbeit ist hart, vor allem die schlechte Luft macht ihr zu schaffen. Ein ...

June arbeitet nun in der Baumwollspinnerei, als ihr Franklin O’Donovan wiederbegegnet. Sie ist ihm nicht wohlgesonnen, auch die Arbeit ist hart, vor allem die schlechte Luft macht ihr zu schaffen. Ein Lichtblick ist ihre Freundin Hattie und die Briefe, die sie an ihre Familie schreibt. Auch ihre medizinische Erfahrung, die sie sich als Begleitung ihrer Tante angeeignet hat, kommt ihr nun zugute und sie gewinnt an Selbstsicherheit, als es ihr gelingt, den kleinen Sohn von Franklins Freunden von seiner Durchfallerkrankung zu heilen. Franklin ermuntert sie, sich Gehör zu verschaffen. Bei der Zeitung lernt sie den Redakteur Jacob kennen, er ebenfalls gegen die Missstände in den Spinnereien kämpft und er sorgt dafür, dass sie künftig ihre Tipps und Ratschläge in einer Kolumne veröffentlichen darf.
Franklin hingegen befindet sich in einer Abwärtsspirale. Obwohl er und June sich näherkommen, hält er sich für nicht gut genug und trifft falsche Entscheidungen.

Ich war sehr gespannt auf den zweiten Teil. Voran möchte ich schicken, dass man zuvor den ersten Teil gelesen haben sollte, denn sonst ist vieles vermutlich unklar. Ein bisschen enttäuscht wurde ich, weil rund um Franklins Geschichte nichts aufgeklärt wurde. Man bleibt im Dunkeln, was es mit seiner ersten Frau auf sich hat, warum er seinen kleinen Sohn in die Obhut seiner Schwester gegeben hat und sich nicht einmal nach ihm erkundigt. Seine Figur entwickelt sich in diesem Band kaum weiter.
June hingegen reift ungemein und ihre Persönlichkeit wird zum starken Charakter, was mir sehr gut gefiel. Viel Historisches ist in den Roman eingearbeitet, die katastrophalen Zustände in den Baumwollspinnereien, die Profitgier der Besitzer und das unhygienisch elende Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter.
Nur wenig erfährt man von Junes Familie, das fand ich schade. Doch ist vermutlich von einem Mittelteil zu erwarten, dass das meiste offenbleibt.
Der Schreibstil ist wie beim ersten Teil flüssig zu lesen, die Dialoge der damaligen Zeit angepasst. Ich warte mit Sehnsucht auf Band 3.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Kurzgeschichten, aufbereitet für Erstleser/innen

Leserabe 1. Lesestufe - Schulgeschichten mit Hund Floh
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Das kleine Büchlein ist speziell für Anfänger/innen im Lesen gedacht, mit Kurzgeschichten von geringer Länge in großer Schrift und mit zahlreichen Illustrationen. Es gliedert sich in die Leseraben-Reihe ...

Das kleine Büchlein ist speziell für Anfänger/innen im Lesen gedacht, mit Kurzgeschichten von geringer Länge in großer Schrift und mit zahlreichen Illustrationen. Es gliedert sich in die Leseraben-Reihe ein. Ich habe das Buch mit meiner 7-jährigen Enkelin gelesen, sie geht in die zweite Klasse und es entsprach ihrem Können.
Der Inhalt der Geschichten war für sie ein bisschen langweilig, bis auf die Letzte, in der ein kleines Reh gerettet wird. Dass ein Hund mit in der Klasse ist, sozusagen ein Klassenhund, der die Kinder motiviert, fand sie allerdings toll und bedauerte, dass dies in ihrer Schule nicht möglich wäre. Vor allem die Illustrationen konnten sie begeistern und sie verglich das Klassenzimmer mit ihrem eigenen. Dazwischen sind Rätsel, die meine Enkelin auch spannender fand als die Geschichten selbst.
Fazit: ein Buch für kleine Leser/innen, mit Rätseln und farbenfrohen Illustrationen.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Turbulent und humorvoll, ein wunderbarer Roman über die Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben

Vier sind zwei zu viel
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Evi ist Psychotherapeutin, liebt ihren Job und ist zufrieden mit ihrem Leben, denn sie hat zwei bester Freunde: Maren und Markus. Als jedoch beide in festen Beziehungen liiert sind, wächst auch in ihr ...

Evi ist Psychotherapeutin, liebt ihren Job und ist zufrieden mit ihrem Leben, denn sie hat zwei bester Freunde: Maren und Markus. Als jedoch beide in festen Beziehungen liiert sind, wächst auch in ihr der Wunsch nach Liebe und Partnerschaft. Bei einer Fortbildungstagung lernt sie den charismatischen Ben kennen, zu dem sie sich fast sofort hingezogen fühlt. Er ist aufmerksam und liebevoll, jedoch hat er eine Macke: Er lebt gesund und sein Leben wird bestimmt von gesunder Ernährung und Fitnesstracker. Kann eine Beziehung das auf Dauer aushalten?

Nachdem es im ersten Band um Maren und ihren Ex gegangen ist, steht hier nun Evi im Mittelpunkt. Sie ist eine lebenslustige und tüchtige Frau, in die mich sofort hineinversetzen konnte. Ben nervt mit seinem »Longevity«- Spleen – was in vielen Fällen zu komischen Situationen führt, aber manchmal ein wenig zu viel ausgereizt wird. Gibt es solche Typen wirklich? Auch Markus, der beste Freund, jammert sehr viel über seine Freundin – an vielen Stellen habe ich mich gefragt, warum manchmal Beziehungen nicht eher beendet werden.
Der Schreibstil ist flott, die Dialoge leicht und locker, wie schon bei ersten Teil hätte ich mir an einigen Stellen ein wenig mehr an Tempo gewünscht, Nebenstränge wie die Situation um die Patientin Domdröse, waren für mich etwas zu lang. Trotzdem habe ich die Geschichte gern gelesen, musste an manchen Stellen herzhaft lachen und kann diesen amüsanten Roman gern weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Ein Suizid, der Wellen schlägt

Der unsichtbare Elefant
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Thomas Siebenmorgen, ein tüchtiger Anwalt, der für eine große Kanzlei arbeitet, springt vor den Augen einer Kollegin in den Tod. Im letzten Moment scheint er es sich anders zu überlegen, kann sich an einem ...

Thomas Siebenmorgen, ein tüchtiger Anwalt, der für eine große Kanzlei arbeitet, springt vor den Augen einer Kollegin in den Tod. Im letzten Moment scheint er es sich anders zu überlegen, kann sich an einem Kabelbinder festhalten, lässt jedoch letztlich los, ohne Hilfe anzunehmen. Marie beschäftigt das »Warum?«, genauso wie den Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams Viktor und den jungen ehrgeizigen Anwalt Simon, dessen Vater aus Ruanda stammt. Lediglich die Polizei ermittelt nicht, weil es ein eindeutiger Selbstmord war. Viktor, der mit Thomas zusammen in einer Grundschulklasse war, sucht die Eltern auf, um ihnen als Psychologe beizustehen, Simon soll innerhalb der großen Anwaltskanzlei Licht ins Dunkel bringen. Dazu spricht er mit den Kollegen und einem ehemaligen Kollegen, der Thomas Siebenmorgen ausgenutzt und mit Arbeit überhäuft hat. Und auch Maria lässt der Tod ihres Kollegen nicht los und sie durchsucht sein Büro nach Hinweisen.

Das Buch in ein Genre einzuordnen, ist mir nicht gelungen, vielleicht psychologische Gegenwartsliteratur. Der erste Teil hat mir sehr gut gefallen. Der Autor hat verschiedene Perspektiven in kurzen Kapiteln gewählt, sämtliche Beteiligte möchten der Sache auf den Grund gehen, warum Thomas Siebenmorgen in den Tod gesprungen ist. Dazu hätte er mehr als ein Motiv gehabt: ständige Überarbeitung, keinerlei Wertschätzung für seine Hingabe für den Beruf, das Übergehen bei der Beförderung, die drohende bevorstehende Kündigung und eine unglückliche Liebe. Stück für Stück wird entschlüsselt, wie oft Siebenmorgen ausgenützt, übergangen - ja sogar belächelt – wurde, auch die hohe Erwartungshaltung der Eltern wurde angerissen. Und genau hier begann für mich im zweiten Teil der Faden abzureißen: Die Story verliert sich in zahlreichen Nebensträngen, es erschien mir fast so, als wollte der Autor möglichst viele Themen hineinpacken. Immer mehr Nebenpersonen treten auf, ihre eigenen Hintergründe werden beleuchtet, die den Lesefluss hemmen und nichts zur Aufklärung des Falls beitragen. Gegen Ende gibt es beispielsweise ein Klassentreffen, bei dem man gefühlt die Geschichte jedes ehemaligen Klassenkameraden/in erfährt. Zumindest weiß ich nun, dass es in einer großen Anwaltskanzlei nicht gerade zimperlich zugeht und die Kollegen einander großteils egal sind, beziehungsweise als Rivalen gegenüberstehen. Hoffentlich trifft das nicht auf jede Kanzlei zu. Auch der historische Teil von Thomas‹ Großeltern und dass vergangene Traumata bei ihm nachgewirkt haben könnten, konnte mich nicht überzeugen. Der Schluss war versöhnlich doch für mich unbefriedigend, denn aufgelöst wurde nichts.
Der Schreibstil war flüssig lesbar, mir sind auch einige wunderbare Formulierungen aufgefallen, daher setze ich meine Bewertung in der Mitte an. Eine Leseempfehlung für all jene Leserinnen und Leser, die sich gern mit rätselhaften Fällen beschäftigen.

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