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Veröffentlicht am 22.06.2025

Wohlfühlgeschichte rund um zwei Schwestern

Der alte Apfelgarten
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Nach dem Tod ihres Vaters erben die Schwestern Nina und Bette zu gleichen Teilen die Farm. Zu ihrem Entsetzen erfahren sie, dass das Anwesen hoch verschuldet und kaum zu retten ist. Bette, die in einer ...

Nach dem Tod ihres Vaters erben die Schwestern Nina und Bette zu gleichen Teilen die Farm. Zu ihrem Entsetzen erfahren sie, dass das Anwesen hoch verschuldet und kaum zu retten ist. Bette, die in einer renommierten Anwaltskanzlei in London arbeitet, sieht sich gezwungen, länger am Ort zu bleiben. Nina, die jahrelang keinen Kontakt zu Bette hatte, kommt dies ungelegen, dennoch müssen die beiden zusammenarbeiten, um die Farm zu retten. Sie werden dabei unterstützt von Cam, dem die Nachbarfarm gehört, und Ryan, dem Ex-Verlobten von Bette, der sie damals furchtbar verletzt hat.

Es war mein erstes Buch der Autorin und ich kam ohne Probleme in die Geschichte hinein. Der Schreibstil ist bildhaft flüssig, das Ambiente rund um die Farm wunderbar gezeichnet. Die Schwestern Bette und Nina fand ich beide von Anfang an sympathisch, obwohl sie grundverschieden sind. Die erste Hälfte der Story verläuft ein wenig unaufgeregt, da hätte ich mir mehr Tempo gewünscht, er mit dem Auffinden des alten Apfelgartens kommt Schwung hinein. Die Annäherung der Schwestern ist liebevoll beschrieben, auch die Wandlung von Bette, wie sehr sie sich in ihrer alten Heimat wieder wohl fühl. Besonders gefallen hat mir, dass die Nebenfiguren wie Allie, Bettes Freundin und Barney, Ninas kleiner Sohn, nicht nur begleitende Staffage sind, sondern maßgeblich zur Handlung beitragen. Hingegen schade fand ich, dass Mutter Sophia nur am Anfang vorkommt und danach keine Rolle mehr spielt. Sie erkundigt sich offenbar nicht einmal, wie es ihren Töchtern nun geht. Ryans Verhalten in seiner Jugend konnte ich ebenfalls nicht nachvollziehen, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein junger Mann so handeln würde. Und der Bösewicht wird klischeehaft unsympathisch und uneinsichtig gezeichnet.
Trotz meiner kleinen Kritikpunkte ist es eine wundervolle Wohlfühl-Familiengeschichte die ich sehr gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Sommerflair auf Capri

Sommersehnsucht und Meeresglitzern
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Im zweiten Band der Sommersehnsucht-Reihe steht Lina, die zweite Tochter, im Mittelpunkt. Ihre Ehe mit Peter ist bereits seit langer Zeit wie ein ausgeleierter Hausschuh, dennoch trifft es sie hart, als ...

Im zweiten Band der Sommersehnsucht-Reihe steht Lina, die zweite Tochter, im Mittelpunkt. Ihre Ehe mit Peter ist bereits seit langer Zeit wie ein ausgeleierter Hausschuh, dennoch trifft es sie hart, als sie dahinterkommt, dass er sie betrogen hat. Am Boden zerstört fliegt sie nach Capri zurück, überraschend begleitet sie ihre 18-jährige Tochter Marie, die ebenfalls Probleme hat. Die Sonne Capris, die Anteilnahme ihrer Großmutter, Mutter und Schwestern tun Lina gut. Und da ist auch noch Luca, der ihr die Chance gibt, in ihren Beruf als Architektin zurückzukehren.

Mit dem zweiten Band ihrer Capri-Reihe serviert uns die Autorin wieder einen wundervollen Wohlfühlroman, der sich auch mit einigen tiefgehenden Themen beschäftigt. Lina erlebt, was viele Frauen nach Jahren Ehe erleben müssen: Der Alltag hat die beiden Eheleute zermürbt, der Mann flüchtet in eine Affäre. Die Wandlung von Lina gefiel mir sehr gut, besonders dass sie selbst reflektiert und ihren Teil am Scheitern der Ehe anerkennt. Das Flair und Ambiente der Insel ist ein spezielles Highlight der Serie und ist in diesem Band wieder wundervoll eingefangen. Luca ist ein liebenswerter Charakter und ich mochte ihn sofort. Eine Veränderung geschieht auch mit Ulla, der Mutter der drei Töchter, die ebenfalls eine neue berufliche Perspektive erhält und aufblüht.
Die zahlreichen Nebenstränge um Nonna und deren Schwester, Ulla und den Limonenbauern Etienne, sowie ein Wiedersehen mit Raffaele und Tilda ließen mich durch die Seiten nur so fliegen.
Nur die Auflösung um das Rätsel, weshalb Großvater Lorenzo seine Schwiegertochter und die Enkelinnen von der Insel verbannt hat, konnte ich nicht nachvollziehen. Da hoffe ich, dass im nächsten Band was nachkommt, weil das allein ist etwas dünn. Zudem soll es einigen Beteiligten verschwiegen werden – geht gar nicht.
Aber es folgt noch Band 3 um die jüngste Schwester Ann, die auch ihre Geheimnisse hat, auf deren Auflösung ich schon richtig neugierig bin.
Fazit: Ein wundervoller Sommerroman mit italienischem Flair, den ich sehr gern für vergnügliche Lesestunden weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Die Wäscherin vom Sellraintal

Das verstoßene Mädchen
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Fannerl und ihre zwei jüngeren Schwestern wachsen unter privilegierten Verhältnissen als Töchter eines Kaufmanns auf. Und in Johann findet sich ein tüchtiger Mann, dem Fannerl zugeneigt ist, spätere Hochzeit ...

Fannerl und ihre zwei jüngeren Schwestern wachsen unter privilegierten Verhältnissen als Töchter eines Kaufmanns auf. Und in Johann findet sich ein tüchtiger Mann, dem Fannerl zugeneigt ist, spätere Hochzeit nicht ausgeschlossen. Als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, dreht sich Fannerls Situation komplett. Ihre Mutter muss wieder heiraten, will sie ihren Lebensstandard aufrecht erhalten, angeblich hat ihr Ehemann sein gesamtes Vermögen verspekuliert. Der neue Ehemann ist ein ehemaliger Geschäftspartner ihres Vaters und stellt eine Bedingung: Fannerl muss aus dem Haus, da ihr weißblondes Haar Unglück bringen soll. Auch Johann will nichts mehr von ihr wissen. Schweren Herzens verlässt Fannerl ihre Familie und macht sich auf den langen Weg ins Sellraintal um fortan selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.

In diesem Roman nimmt uns die Autorin mit ins Innsbruck des späten 19. Jahrhunderts. Fannerl ist fröhlich und unbeschwert, der Augapfel ihres Vaters, der ein ungewöhnlicher Mann ist und seine Töchter aufrichtig liebt. Gut recherchiert wird ein bürgerlich wohlhabendes Leben geschildert, mit Dienstboten und einer Mutter, die nie gelernt hat, für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Im Gegensatz dazu arbeiten die Wäscherinnen vom Sellraintal hart und machen sich zweimal die Woche zu Fuß auf den stundenlangen Weg in die Stadt um ihre Wäsche abzuliefern und neue zu holen. Fannerl lernt Franza kennen, die Wäscherin, die von ihrem Vater unterstützt wurde, und findet bei ihr ein neues Zuhause. Die Wandlung die Fannerl von der verwöhnten Kaufmannstochter zur arbeitenden Frau durchmacht, gefiel mir sehr gut.
Der flüssige Schreibstil, die detailgenauen Schilderungen des historischen Ambientes, sowie die lebendigen Figuren machen die Lektüre zu einem wahren Vergnügen.
Ein paar Fragen bleiben offen, beispielsweise hätte ich gern mehr vom Stiefvater gehört, der meist nur erwähnt wird. Ich denke, der wird im zweiten Teil noch eine größere Rolle erhalten.
Unter dem Strich ein fesselnder Roman, den ich ohne Zögern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Selbstfindung mit Geheimnissen

Noch fünfzig Sommer mehr
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Eleni wächst bei ihren Großeltern auf, da ihre Mutter als Polarforscherin ständig auf Reisen ist und schließlich bei einer ihrer Forschungsaufträge ums Leben kommt. Als Eleni mit knapp 18 beide Großeltern ...

Eleni wächst bei ihren Großeltern auf, da ihre Mutter als Polarforscherin ständig auf Reisen ist und schließlich bei einer ihrer Forschungsaufträge ums Leben kommt. Als Eleni mit knapp 18 beide Großeltern verliert, geht sie nur selten vor die Tür. Schließlich lernt sie Theo kennen, die beiden werden ein Paar und sie blüht auf. Als Theo plötzlich verstirbt, fällt sie erneut in noch schlimmere Depressionen, kümmert sich auch nicht mehr um ihren geliebten Garten. Auf einmal erhält sie Blumengrüße mit geheimnisvolle Botschaften. Nach und nach nimmt sie am Leben wieder Anteil.

Der Roman ist in verschiedenen Zeitebenen aus der Sicht von Eleni geschrieben. Das war für mich anfangs etwas mühsam, doch ich bin langsam hineingekommen. Die Beschreibung: Ein Sommerroman so leuchtend wie ein Garten voller Blumen trifft für mich nicht zu. Mit der Protagonistin Eleni bin ich leider nicht warmgeworden, ihre Depression hängt wie eine Wolke über der gesamten Erzählung. Erst trauert sie um ihre Oma, die sie Mamie nennt, danach um Theo. Ihr Beruf ist mir auch unklar, sie lebt offenbar hauptsächlich von ihrem Erbe und schreibt Reiseberichte,das scheint zu funktionieren, obwohl sie niemals an den besagten Orten war. Die Rückblenden in die Vergangenheit zeigen ein lebenslustiges Mädchen und lockern die düstere Stimmung etwas auf. Zudem taucht hier eine weitere Person auf, deren Verbindung zu Eleni mir zunächst unklar war, die ich bald als das Highlight es Buches empfand. Die Auflösung rund um die geheimnisvollen Botschaften mit Blumenbeigaben fand ich gelungen, trotzdem kann ich Theos Verhalten nicht verstehen oder gar gutheißen.
Der Funke ist bei mir leider nicht übergesprungen, für mich war der Roman stellenweise bedrückend zu lesen.
Dennoch besticht die Story durch einen bildhaft flüssigen Schreibstil, das Setting in der Bretagne ist gut gewählt und hat ein für mich angenehmes Flair geschaffen. Das versöhnt ein wenig mit der vorangegangenen Düsternis.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Begleitung auf dem letzten Weg

Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben
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Die beiden Freundinnen Helene und Marlene, die »beiden Lenes« verbringen wilde Studienjahre. Danach hält ihre Freundschaft mit längeren Pausen dazwischen. Helene wird Ärztin und eröffnet ihre eigene Praxis, ...

Die beiden Freundinnen Helene und Marlene, die »beiden Lenes« verbringen wilde Studienjahre. Danach hält ihre Freundschaft mit längeren Pausen dazwischen. Helene wird Ärztin und eröffnet ihre eigene Praxis, Marlene zieht es in die USA, heiratet und lässt sich wieder scheiden. Auch Helene heiratet, bekommt eine Tochter und ist gern in ihrer Praxis. Schließlich heiratet Marlene ein zweites Mal, scheint glücklich zu sein, bis eine schlimme Diagnose sie aus der Bahn wirft.

Die Autorin ist selbst promovierte Ärztin und blickt auf reichhaltige Erfahrung zurück. Sie scheut sich nicht, ein Thema anzusprechen, dass bereits seit Jahren kontrovers diskutiert wird: Sterbehilfe. Was in einigen Ländern, beispielsweise der Schweiz, schon erlaubt ist, nämlich der selbstbestimmte Tod, ist in Deutschland verboten. Die rechtliche Lage wurde gelockert, mittlerweile ist ein assistierter Suizid unter gewissen Umständen straffrei, mit einer Menge an Grauzonen. Als Leser/in darf man an einer Diskussionsrunde teilhaben, in der es um den assistierten Suizid geht. Der Schreibstil ist schnörkellos und flüssig lesbar, mit Fachbegriffen – die jedoch in einem Anhang alle laienverständlich erklärt werden.

Die Story rund um die Krebserkrankung von Marlene und Helenes Umgang damit, hat mir gut gefallen und wird würdevoll und einfühlsam geschildert. Marlene bittet Helene um assistierten Suizid, was diese in einen gravierenden Konflikt stürzt. Marlenes Schwester, die ebenfalls an einer schweren Krankheit leidet, entscheidet sich dafür, in die Schweiz zu fahren. Das wird leider recht kurz behandelt, auch sind die Gefühle von Marlene, die ihre Schwester begleitet, wenig beleuchtet.
Dieses heikle Thema ist eingebettet in eine Geschichte rund um eine etwas schwierige Freundschaft zwischen zwei Frauen. Die Erzählweise aus der Sicht von Helene, in Ich-Form, wirkt dennoch an manchen Stellen nüchtern, sodass mir Helene nicht wirklich nahekam – ich spüre nicht, ob Helen darunter leidet. Marlene meldet sich oft jahrelang nicht, die beiden Ehemänner finden keinen Draht zueinander, Marlene ist teilweise übergriffig (z.B. als sie Helenes minderjähriger Tochter Hanna hinter dem Rücken der Mutter zur Pille verhilft). Für mich waren beide Frauen als Charaktere nicht greifbar. Die privaten Verwicklungen von Helene zu Marlenes Mann Julian konnte ich bis zum Schluss nicht nachvollziehen. Helenes Mann Urs hingegen war für mich ein Fels in der Brandung und die sympathischste Figur im Buch.
Die Autorin wählt für ihre Protagonistin einen alternativen Sterbeweg ohne irgendeine Form der Sterbehilfe, daher blieb der Konflikt rund um den assistierten Suizid unbeantwortet. Das ist vielleicht auch gut so, es kann sich jede/r selbst eine Meinung bilden. Besonders beeindruckt hat mich die Sterbeszene.
Ein respektvoll geschriebenes Buch zu einem bleibend aktuell wichtigen Thema, das mutig von der Autorin aufgegriffen wurde. Manche Handlungen der Protagonisten kann ich nicht nachvollziehen. Dies ist jedoch Geschmackssache, daher spreche ich sehr gern eine Leseempfehlung aus für alle, die sich mit dem Problematik Tod, würdiges Sterben und Begleitung befassen möchten

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