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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kein großartiges Buch

21st Century Thrill: Dangerous Deal
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Dem 17-jährige Christoph wird nach dem Tod seines Nachbarn eine CD zugespielt, worauf sich geheime Daten befinden. Kurz darauf wird ihm eine hohe Summe für eben jene Daten geboten. Er steht nun vor einer ...

Dem 17-jährige Christoph wird nach dem Tod seines Nachbarn eine CD zugespielt, worauf sich geheime Daten befinden. Kurz darauf wird ihm eine hohe Summe für eben jene Daten geboten. Er steht nun vor einer weitreichenden Entscheidung. Nimmt er das Schweigegeld an oder versucht er mit tatkräftiger Hilfe seiner Freunde die Verschwörung aufzudecken. Ein lebensgefährlicher Kampf beginnt. Und dann ist da auch noch sein Schwarm Laura, auf die er schon seit längerem ein Auge geworfen hat...

Das Cover und die Seitengestaltung haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Das markante Gesicht, praktisch geknebelt mit dem fünfhundert Euroschein, als Titelbild ist ein Eyecatcher und die Seiten erinnern an englische Verlage, wo ebenso Kapitel wie Seitenzahl am Rand stehen.

Die Geschichte an sich ist äußerst interessant, wohl ein wenig orientiert an dem Steuersünderskandal, der vor einiger Zeit durch die Medien ging. Die Spannung baut sich schnell auf und wird über die 300 Seiten aufrecht erhalten. Es existieren kaum Längen im Buch und spätestens ab der Mitte interessiert der Ausgang des Falles sehr!

Negativ ins Gewicht fallen bei mir persönlich die Charaktere, die sich im Verlauf der Geschichte nicht wirklich weiterentwickeln konnten und auch nie wahrhaftig lebendig zu werden schienen. Ich konnte mich leider mit keinem Charakter identifizieren und mit ihm mitfiebern, was ich sehr schade finde, da ein Buch meiner Ansicht nach erst durch die Protagonisten wirklich lebt.

Der Schreibstil wird in Dangerous Deal einfach und klar gehalten, für meinen Geschmack jedoch ein wenig zu passiv, manchmal mutete es mir beinahe wie ein Bericht an.

Alles in allem ist der Roman durchaus empfehlens- und lesenswert. Diejenigen, die Jugendthriller mögen und auf der Suche nach einem kurzweiligen Lesevergnügen sind, werden ihre Freude an „Dangerous Deal“ haben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Solider Einstieg

Bobby Dollar / Die dunklen Gassen des Himmels
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Bobby Dollar ist Anwalt, Anwalt im Auftrag des Himmels. San Judas, USA, ist sein Arbeitsplatz. Er verteidigt Kürzlich Verstorbene und schützt sie vor den Anwälten der Hölle und kämpft - auf juristischer ...

Bobby Dollar ist Anwalt, Anwalt im Auftrag des Himmels. San Judas, USA, ist sein Arbeitsplatz. Er verteidigt Kürzlich Verstorbene und schützt sie vor den Anwälten der Hölle und kämpft - auf juristischer Art - um ihre Seelen.
Doch eines Tages verschwindet eine Seele spurlos. Sowohl Himmel als auch Hölle befinden sich in höchster Alarmbereitschaft. Zu allem Überfluss wird Bobby auch noch von düsteren Ungeheuern gejagt. Wohl oder übel muss er um seines eigenen Lebens Willen herausfinden wer hinter dem Verschwinden der Seele steckt.

Den tiefen Sarkasmus, der sich durch das gesamte Buch zieht, bemerkt man schon auf den ersten Seiten. Bobby Dollars Leben ist nicht einfach, erklärt er uns. Und dann bricht ein furioses Feuerwerk über uns hinein, wir werden direkt in die Geschichte gestoßen und finden uns in einem actiongeladenen Kampf gegen die Bewohner der Hölle wieder. Dann im spannendsten Moment - bricht der Autor ab - und rollt die Geschichte von hinten auf. Eine kluge Art den Leser, der praktisch über der Klippe baumelt, Feuer und Flamme für den weiteren Roman zu machen.

Man merkt allein am Schreibstil, dass man es mit einem Altmeister zu tun hat. Jedes Wort scheint mit - urbaner - Bedacht gewählt zu sein, obgleich er sich manchmal in weit ausschweifenden Beschreibungen zu verlieren droht.

San Judas, die Stadt, in der die Geschichte spielt, die Bar in der er des Öfteren logiert sowie einige andere Orte gewinnen dadurch jedoch auch für den Leser an Struktur und Plastizität.

Der Charakter des Bobby Dollar, obgleich die Geschichte aus der Ich - Perspektive erzählt wird und der Leser das gefühlt hat wirklich an Bs Gedanken Teil zu haben, entwickelt sich langsam im Verlauf des Romanes. Auch die Nebencharaktere kommen nicht zu kurz.
Die Geschichte und vor allen Dingen die Ideen des Autors, von denen ich jetzt nicht zu viel verraten möchte, vermochten es, mich zu beeindrucken und zu fesseln.

Alles in allem stellt mit "Die dunklen Gassen des Himmels" Tad Williams ein tolles erstes Urban - Fantasy Werk vor, welches durch plastische Beschreibungen den Leser direkt nach San Judas versetzt. Der einzige Wermutstropfen war jedoch, dass sich der Autor so manches mal in ihnen verloren hat. 100 Seiten weniger hätten dem Roman sicher nicht geschadet. Ich bin trotzdem auf den nächsten Band gespannt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Anders!

Der Palast der Meere
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Stürmische Zeiten herrschen während der Regentschaft von Elizabeth und zu Zeiten Francis Drake und der großen Entdeckungsfahrten auf den Weltmeeren. Und mittendrin finden zwei Waringhamsprösslinge ihren ...

Stürmische Zeiten herrschen während der Regentschaft von Elizabeth und zu Zeiten Francis Drake und der großen Entdeckungsfahrten auf den Weltmeeren. Und mittendrin finden zwei Waringhamsprösslinge ihren Weg durch nicht immer ruhige Fahrwasser.
Eleanor of Waringham ist das Auge der Königin und die engste Vertraute dieser mächtigen Frau. Und während sie am Hofe Auge und Ohr offen hält, soll Isaac of Waringham das Erbe seines Hauses antreten. Dass er jedoch ganz anderes im Sinn hat als auf dem idyllischen Landgut zu versauern, bekommt Lord Waringham spätestens dann mit, als sich Isaac auf ein Schiff schleicht um seinem Schicksal zu entgehen. So beginnt eine neue Ära in der Geschichte der Waringhams.

Ich habe seit Monaten dem „Palast der Meere“ entgegengefiebert und meine Erwartungen in einem kräftigen Freudenfeuer geschürt. Endlich wieder ein neuer Waringham von Rebecca Gablé – endlich! Als ich den Roman in den Händen hielt, war ich hin und weg vom Cover. Smaragdgrün und frisch kommt es daher, in der Mitte prangt ein Schiff, das eine Krone auf dem Haupte trägt. Unschwer ist zu erraten, was das Thema dieses Romans ist, oder? Die Seefahrt und die Kaperfahrten spielten tatsächlich eine große Rolle in dem Buch, jedoch auch das Leben Elizabeths, doch lasst uns von vorn beginnen und dann überprüfen, ob der Palast meine Erwartungen übertroffen hat, oder ob er gesunken ist, wie ein leckgeschlagener Kahn.

Zunächst einmal war ich erstaunt. Für dieses Buch hat Rebecca Gablé zwei Charakteren die Hauptrolle gleichermaßen zugedacht. Eleanor und Isaac of Waringham, zwei Charaktere, die sich einander nicht gerade in inniger Liebe zugewandt waren, und die auch zwei gänzlich unterschiedliche Geschichten zu erzählen hatten. Den beiden wurde gleich viel Raum in dem Buch zugedacht und ich lernte sie, und ihre kleinen Marotten schnell kennen und lieben. Die beiden sind sympathische, eigenwillige Persönlichkeiten, und das macht, denke ich auch, ihren besonderen Reiz aus. Auch die vielen anderen Charaktere aus Gablés neuem Roman waren überwältigend. Einige davon haben mein Herz im Sturm erobert, wie zum Beispiel der blinde Lappidot. Ganz nebenbei lernen wir Königin Elizabeth kennen (und verstehen), genauso wie wir die charakterlichen Widersprüche von Francis Drake enträtseln. Und diese kleinen Einblicke, nicht nur in den geschichtlichen Werdegang, sondern auch in das persönliche Leben historischer Persönlichkeiten macht für mich einen Teil des Charmes eines Gablé-Romans aus.

Der Fokus der vorherigen Waringham-Romane lag meistens auf einer einzigen fiktiven Persönlichkeit, vielleicht noch auf einem wichtigen Nebencharakter. In diesem Falle mussten zwei Geschichten in einem Roman untergebracht und die Charaktere im Detail dargestellt werden. Das erfordert natürlich Raum und stiehlt Seiten an anderer Stelle. Hat die Aufteilung auf zwei Protagonisten diesen Roman schlechter gemacht als ihre anderen Romane? So direkt würde ich das nicht behaupten. Er ist anders, aber trotzdem gut. Gablé hat eben gerade einen anderen Ansatzpunkt genommen, um in die Geschichte zweier so unterschiedlicher Themenstränge einzusteigen und sie historisch korrekt darzustellen.
Ich habe nur an manchen Stellen die politische Nähe vermisst, habe die Auswirkungen, die politische Entscheidungen auf die Figuren hatten, nicht wirklich mit Haut und Haaren gespürt und an mancher Stelle hätte ich mir durchaus noch mehr Erklärung gewünscht. Hier wurde eine Intrige am Rande erwähnt, da ein Putsch, aber selten wurde er wirklich geschildert. In den Vorgängern hatte ich mehr das Gefühl wirklich an der Materie und auch bei politischen Entscheidungen anwesend zu sein. In diesem Fall wurde sich eher auf private Diskussionen beschränkt. Manchen mag das eher zusagen, anderen sind lieber nahe an der Materie.

Die Schauplätze wurden bunt und opulent, spannend und exotisch gewählt. Gablé nimmt uns mit auf eine Reise in die neue Welt, und auch an den Hof, voller prächtiger Kleider und Prunk, von Elizabeth. Die Darstellung fand ich grandios. Ich war immer mit dabei, immer auf dem Schiff oder schlug mich mit einer Machete durchs Unterholz. Gablés Beschreibungen krochen mir so manches Mal förmlich unter die Haut. Doch leider Gottes rückte Waringham (notwendigerweise, ich versteh das schon) in den Hintergrund. Wie hab ich die Stallungen und die Burg vermisst und wie die kurzen Stippvisiten genossen, bei denen ich die Luft der Rosengärten schnuppern durfte.

Wie soll ich dieses Buch, voller wunderbarer kleiner Details, die mir die damalige Zeit näher gebracht haben, bloß beurteilen. Hat es meine Erwartungen erfüllt? Nein, nicht ganz. Gablé ist auf fremden Pfaden gewandelt, und hat mich, die doch eigentlich auf die bekannten Gefilde der Waringhamschen Heimat gehofft hatte, mitgenommen ins Unbekannte. Ich habe mich auf diese Fahrt eingelassen und wurde mit einem opulenten Einblick in eine Zeit voller Entdeckungen und Intrigen belohnt.

Trotzdem – ich habe Waringham vermisst, und die politische Nähe, die ich aus ihren anderen Büchern kenne und liebe. Aus diesem Grund bewerte ich das Buch mit 4,5 glorreichen Sternen. Ich setzte meine Messlatte in schwindelerregender Höhe an, doch als Maßstab sind mir die anderen Waringham-Romane leider zu lebhaft in Erinnerung geblieben!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Guter Krimi

Locked in
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Alex hangelt sich von einem Freelancer-Job zum nächsten und versucht, ihre Alkoholsucht zu bändigen, als sie bei Recherchen auf den Fall von Amy stößt. Amy wurde schwer misshandelt und liegt seit dem im ...

Alex hangelt sich von einem Freelancer-Job zum nächsten und versucht, ihre Alkoholsucht zu bändigen, als sie bei Recherchen auf den Fall von Amy stößt. Amy wurde schwer misshandelt und liegt seit dem im Wachkoma. Der Täter wurde nie gefasst. Alex beginnt zu ermitteln und die Hinweise verdichten sich.

Zuerst einmal wusste ich nicht, dass ich so einen Pageturner in meinen Händen halte. Wahrlich, es ist ein Pageturner. Ich sah nach einer Weile auf, und wunderte mich, dass ich schon die Hälfte des Buch verschlungen hatte, ohne das ich gemerkt hätte, dass sonderlich viel Zeit vergangen war. Das Buch konnte fesseln!
Woran lag es aber nun?
Zunächst einmal an der lockeren Schreibweise, in die trotz allem Recherchearbeit gesteckt wurde. Das spürt man! Holly Seddon schreibt spannend, jedoch ohne große Schnörkel. Sie trifft die Charaktere einfach auf den Punkt, und schlägt sich in der Lesegeschwindigkeit nieder. Ich hatte bisweilen das Gefühl, selbst an Alex’ Recherchen teilzuhaben oder Jakes Geheimnis zu teilen. Zudem spornten mich die kurzen Kapitel dazu an, einfach noch ein oder zwei Kapitel mehr zu lesen.
Der Roman wurde aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben. Alex’ Point of View merkte man die Verbissenheit an, während man bei Jake die Schuldgefühle spürte. Auch Amys Sichtweise war für mich sehr interessant zu lesen. Im Endeffekt empfand ich den Roman vom Stil her als sehr abwechslungsreich geschrieben, was nicht wenig zu meiner Lesefreude beitrug.
Der Kriminalfall, der in die Geschichte eingebettet ist, strotzt jetzt nicht vor falschen Spuren oder gefährlichen Situationen. Ich hatte schon ab etwa der Hälfte des Buches meinen Verdacht auf jemanden gelenkt, der sich letztendlich auch als Täter entpuppte. Warum las ich das Buch dennoch mit Spannung? Nun, für meinen Geschmack überwog weder die persönliche Geschichte der Protagonisten noch der Kriminalfall. Zudem wurde kein Infodumping betrieben. Es hielt sich in der Wage, und das finde ich nicht oft in der Kriminalliteratur. Deshalb hat mir das Buch letztendlich auch gut gefallen.

Deshalb vergebe ich für einen soliden Krimi mit glaubwürdigen Protagonisten 4 Sterne. Ich bin gespannt auf das nächste Werk aus Holly Seddons Feder!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Überraschend und mit viel Humor!

KALYPTO - Die Herren der Wälder
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Während die Magier des vor tausenden von Jahren untergegangen Reiches Kalypto Pläne für ein Spiel voller Krieg und Verderben schmieden, wächst der junge Lasnic zu einem respektablen Jäger in den Wäldern ...

Während die Magier des vor tausenden von Jahren untergegangen Reiches Kalypto Pläne für ein Spiel voller Krieg und Verderben schmieden, wächst der junge Lasnic zu einem respektablen Jäger in den Wäldern heran. Weit entfernt in Bergreich Garona wird Prinzessin Ayrin darauf vorbereitet eines Tages die Herrschaft über das Land zu übernehmen. Beide wissen noch nicht, welch dunklen Zeiten sie entgegenblicken müssen.

Ich kenne Tom Jacuba von seinen historischen Romanen, in denen er durch historische Genauigkeit und einen schönen Stil besticht. Wo er mich in seinen historischen Romanen zu unterhalten wusste, löste er begeistertes „An-den-Seiten-kleben“ im Fantasy-Genre bei mir aus. Und das schon nach den ersten zwei Kapiteln! Aber beginnen wir am Anfang.
Das Cover sprang mir schon im Buchladen ins Auge, ist es weder zu Mädchenhaft gemacht, noch tummelt sich darauf die gesammelte Riege der Fantasygestalten, die man sonst gerne auf Büchern abbildet. Das Cover wirkt edel in seinen grau-bronze Tönen und der Zirkel hat zudem noch Wiedererkennungswert für die nächsten Bände die noch folgen werden. Die Karte in der Klappe zog ich oft zu Rate (ich liebe es, wenn Karten dabei sind, insbesondere wenn die Charaktere viel reisen, wie es in diesem Buch der Fall ist).
Tom warf mich in seine High-Fantasy-Welt und schon nach wenigen Kapiteln fühlte ich mich sowohl in Lasnics Flussdelta wie auch im Bergreich (so unterschiedlich die beiden von Stimmung und Thematik her sein mögen) heimisch und konnte mich zunächst gar nicht entscheiden, welchen der beiden Handlungsstränge ich nun gebannter verfolgen mochte. Oder vielleicht doch die Eroberungen der Magier? Wie schon angeklungen, wechselt der Autor zwischen drei Erzählsträngen hin und her, wobei Lasnic und Ayrin die Protagonisten sind, auf denen der Fokus (und auch meine Sympathie) lagen. Der Wechsel zwischen den Handlungssträngen wurde zudem durch die Sprache verdeutlicht. Wo Ayrin sich deutlich gewählter und ihrer gehobenen Geburt angemessen auszudrücken weis, bedient sich Lasnic des Öfteren unflätigen Fluss-Delta-Ausdrücken (Marderscheiße! Ich musste nach einer Weile so grinsen, wenn er mal wieder rumfluchte!). Die Nebencharaktere waren ebenso liebevoll gezeichnet und der ein oder andere mit einem augenzwinkernden Dialekt versehen, sodass auch sie Widererkennungswert genossen und ich mich während der Lektüre darauf freute, wieder über sie zu stolpern. Generell hatten die Helden ihre Makel. Sie trugen keine strahlende Rüstung ohne Fehl und Tadel, sondern handelten aus ihrem Emotionen heraus und folgten ihren Stärken und Schwächen. Lasnic flieht vor der Verantwortung. Aylin empfindet nicht gerade Zuneigung zu ihrer kleinen Halbschwester (und die Gründe für diese Haltung stellt der Autor auch mehr als Glaubwürdig dar). Und gerade solche Helden verfolge ich sehr gerne, da sie menschlich sind und ich Leben und Leidenschaft für die Sache, für die sie stehen, in ihnen spüre. Nicht selten habe ich Nägelkauend Seite um Seite durchblättert, um ihr Schicksal zu verfolgen. Habe Gehasst und Geliebt – und es ist selten, dass ein Buch so starke Gefühle bei mir hervorruft! Als ich die letzte Seite umgeschlagen hatte, musste ich erst mal lästerlich fluchen, da die Zeit bis zum zweiten Band mir noch so unendlich lang erscheint.

Tom Jacuba gelingt es, eine opulente, großangelegte Geschichte in weniger als 600 Seiten zum Leben zu erwecken. Das gelingt manch anderem Autoren nicht auf 1100 Seiten. Er schafft es mit vergleichsweise wenigen Worten ein Sogwirkung zu erzeugen, obwohl er sich dazu entschieden hat, manche Dinge im Hintergrund passieren zu lassen oder nur anzudeuten. Aber ich muss auch nicht unbedingt jeden einzelnen Reisetag oder jedes einzelne Pferdgehoppelt minutiös dokumentiert im Buch widerfinden.
Dort, wo ich manchmal in meinen Rezensionen schreibe, dass ein paar mehr Seiten der Storyline oder den Charakteren durchaus gut getan hätten, äußere ich hier, dass in diesem Buch wirklich in der Kürze die Würze liegt (wenn 560 Seiten „kurz“ nennen kann – Fantasyleser wissen, welche Kaliber ich miteinander vergleiche).

Das Buch hat mich mit sich fortgetragen und mir viele spannende, amüsante und fluchende Lesestunden beschert. Es hat mich verschlungen und am Ende kaum mehr aus seinen Klauen entlassen. Und, wenn Leser wie ich dem Autor gerne mal einen Besuch abstatten würden, um in einer Nacht und Nebelaktion das Manuskript des nächsten Bandes zu mopsen, hat der Autor ziemlich viel richtig gemacht. Ich vergebe begeisterte 5 Sterne.