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Madamebiscuit15

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Zwei Paare, ein Sommerhaus und viele Emotionen

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Zwei Paare, ein gemeinsames Ferienhaus in Südfrankreich am Meer, Sommer, Sonne und Idylle? Natürlich nicht, sonst gäbe es dieses Buch wohl kaum.
Felix und Matze sind Freunde seit Schultagen, wobei es schon ...

Zwei Paare, ein gemeinsames Ferienhaus in Südfrankreich am Meer, Sommer, Sonne und Idylle? Natürlich nicht, sonst gäbe es dieses Buch wohl kaum.
Felix und Matze sind Freunde seit Schultagen, wobei es schon immer ein Gefälle in ihrer Beziehung gab. Felix war und ist der Gewinnertyp, während Matze dazugehören und gefallen will. Insofern macht er sich bei Felix klein. Ihre Freundschaft funktioniert seit vielen Jahren nach diesem Muster und wird auch nicht in Frage gestellt. Damit hat Linn, Matzes Freundin, manchmal Mühe, denn Felix darf nicht kritisiert werden und schon gar nicht jetzt im Urlaub, den er schließlich auch noch für alle bezahlt hat.
Diese Ausgangssituation bietet bereits genug Potential für zwischenmenschliche Zerwürfnisse, steht in diesem Roman aber nicht im Mittelpunkt. Den größeren Raum der Handlung nehmen die beiden Frauen Eva, Felix’ Frau und Linn ein. Besonders spannend war dabei für mich der Unterschied zwischen Fremdwahrnehmung und Selbstwahrnehmung der beiden Figuren. Beide struggeln aus den unterschiedlichsten Gründen, egal ob es dabei beispielsweise um ihren Körper oder um das Thema Mutterschaft geht. Sie werden von der anderen oft für exakt die Punkte bewundert, die sie an sich selbst als ungenügend empfinden.
Auch wenn ihre Ausgangssituation zu Beginn der Urlaubszeit völlig unterschiedlich ist, nähern sie sich schnell einander an und zeigen sich einander ungeschönt. Diesen Blick ehrlichen und empathischen Blick auf diese aufkeimende Frauenfreundschaft mochte ich besonders gern.
Auch im Allgemeinen fand ich den flüssigen und schlagfertigen Schreibstil der Autorin überzeugend und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Sich in die beiden Protagonistinnen einzufühlen, fiel mir leicht. Zu viele ihrer Gedanken sind uns Frauen allen bekannt. Es reicht von Momenten, in denen wir uns von der Freundin eher verstanden fühlen, als von dem eigenen Partner, bis hin zu der großen Frage nach dem Kinderwunsch oder eben nicht und wie damit umgehen.
Einziger Kritikpunkt ist das Ende, das wir mir dann doch etwas zu sehr drüber war. Für mich hätte es auch mit weniger Sensation funktioniert. Aber das ist natürlich Geschmackssache.
Eine Leseempfehlung für diesen aktuellen und gelungen Roman von Dita Zipfel.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Wilder und sympathischer Roadtrip zweier Frauen

Karat
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Etna ist Goldschmiedin in einer Schweizer Kleinstadt und ungewollt schwanger. Außerdem hat sie ein großes Problem mit Ungerechtigkeit jeglicher Art und neigt zur Impulsivität. Das ziemlich genaue Gegenteil ...

Etna ist Goldschmiedin in einer Schweizer Kleinstadt und ungewollt schwanger. Außerdem hat sie ein großes Problem mit Ungerechtigkeit jeglicher Art und neigt zur Impulsivität. Das ziemlich genaue Gegenteil dazu ist Svenja, die ihre fertigen Trauringe bei Etna abholen will, denn in drei Wochen ist der Hochzeitstermin. Ein Termin, der ebenso durchgeplant und organisiert ist, wie auch das restliche Leben von Svenja. Aber will sie das überhaupt alles so?
 
Die beiden jungen Frauen treffen in einem Moment aufeinander, wo für beide die Welt ins Wanken gerät und so brechen sie kurzerhand auf zu einem Roadtrip durch die Schweiz. Sie begeben sich auf die Suche nach dem passenden Vater für Etnas ungeborenes Kind und merken dabei schnell, dass sie sich doch ähnlicher sind, als im ersten Momentvermutet.
 
Karin Reys Geschichte schafft es gewichtige Themen (junger) Frauen anzusprechen, ohne schwermütig zu wirken. Ich saß unheimlich gerne mit den beiden Frauen im Van und bin ihren Gesprächen gefolgt.

Etna ist dabei die direkte, sie trägt ihr Herz auf der Zunge und lässt sich nicht verbiegen. Manche Aktionen von ihr wirken im ersten Moment drastisch oder auch verrückt, aber ich fand sie unheimlich sympathisch. Immer wieder musste ich beim Lesen schmunzeln über sie. Für mich ist sie eine sehr warmherzige Person.

Svenja dagegen ist die ruhigere, verlässlichere, die ihre Bedürfnisse meist hintenanstellt. Auch sie habe ich leicht in mein Herz schließen können und mir den Roman über gewünscht, dass sie zu sich selbst und gleichzeitig eine Lösung für ihr Beziehungsdilemma findet.
 
Der Roman ist in einem lockeren Ton geschrieben und lässt sich einfach so weglesen, ohne dass es ihm dabei an Tiefe fehlt. Für mich war es ein temporeicher Ausflug mit zwei starken Frauen, der mir viel Spaß gemacht hat.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Berührend, literarischer Blick auf unsere deutsche Vergangenheit

Treppe aus Papier
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„Kein Fleck in diesem Land ist frei von seiner Geschichte, denkt sie.“ S. 159

Das ist nur einer, dieser vielen Sätze, die in mir nachhallen und dieses Buch für mich zu einem ganz besonderen machen. Henrik ...

„Kein Fleck in diesem Land ist frei von seiner Geschichte, denkt sie.“ S. 159

Das ist nur einer, dieser vielen Sätze, die in mir nachhallen und dieses Buch für mich zu einem ganz besonderen machen. Henrik Szántó schafft es in seinem Roman viele Male Gefühle und Wahrheiten so treffend auf den Punkt zu bringen, dass ich immer wieder innehalten musste beim Lesen und über diese Fähigkeit mit Sprache umzugehen gestaunt habe.

Die Handlung selbst spielt einzig und allein in einem Mehrparteienhaus und das Einzigartige darin ist die Erzählperspektive, denn die übernimmt das Haus selbst. Klingt im ersten Moment seltsam, hat für mich aber unheimlich gut funktioniert. Gerade auch, weil das Haus fühlt, leidet, sich freut und somit sehr menschlich wirkt.

Dabei stellt es Ruth, Nele und Irma in den Mittelpunkt und wechselt maßgeblich zwischen zwei Zeitebenen. Einmal begleiten wir Ruth und Irma während den 1930ern und 1940ern und zum anderen befinden wir uns mit einer über 90jährigen Ruth und Nele in der Gegenwart.

Wie die erste Zeitebene vermuten lässt, spielt die NS-Zeit und ihre Folgen eine große Rolle. Ruth ist Jüdin und Irma ein Kind nazitreuer Eltern und auch wenn es zu Beginn eine Freundschaft zwischen den beiden Mädchen gibt, brauchen wir leider alle keine Fantasie, um uns vorzustellen, wie die Situation für Ruths Familie ausging.

Der Autor nutzt diese Zeitebene allerdings nicht als Fokuspunkt der Geschichte, sondern eher als Ausgangspunkt, um zu veranschaulichen, wie prägend diese Erfahrungen für uns Menschen sind. Denn Ruths Charakter und Verhalten ist ein klares Produkt ihrer Erziehung und jetzt am Ende ihres Lebens, setzt sie sich damit auseinander. Den Anstoß dazu bekommt sie durch die Teenagerin Nele, die für ihre Geschichtsklausur lernen muss und Ruth als Zeitzeugin nutzt.

Die Folge davon ist, dass auch Nele in ihrer Familie nachzufragen beginnt, denn „Vielleicht hat die eigene Familie nicht nur erlebt, sondern auch getan.“ S.72

Es ist ein Roman, der mich sehr berührt hat und für mich eine große Entdeckung darstellt. Henrik Szántó schreibt äußerst einfühlsam, ohne dabei alles auserzählen zu müssen. Vieles klingt und hallt zwischen den Zeilen und verfängt dadurch vielleicht sogar noch viel mehr.
Für mich ein Highlight.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Über ein ganzes Leben

Brennnesseltage
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„Die Geschichte eines Hauses, die Geschichte eines Lebens. Und mir wurdes vieles klarer.“ S. 117

Ein Satz, der in seiner Einfachheit doch so viel aussagt und von großer Bedeutung ist. Für mich bringt ...


„Die Geschichte eines Hauses, die Geschichte eines Lebens. Und mir wurdes vieles klarer.“ S. 117

Ein Satz, der in seiner Einfachheit doch so viel aussagt und von großer Bedeutung ist. Für mich bringt er den Inhalt dieses Romans perfekt auf den Punkt.

Es geht um Babette, eine junge Frau, die mit ihrem Vater auf dem Petererhof in den Bergen lebt. Es ist ein anstrengendes, karges und mühsames Leben für die beiden. Wobei die Gebrechlichkeit des Vaters und ihre ungewollte Schwangerschaft die Situation zusätzlich verschärfen. Als Babette eine, für eine Mutter, unfassbar schwere Entscheidung treffen muss, bleibt ihr anschließend nur noch der Petererhof.

Mehrere Jahrzehnte begleite ich Babette und ihr Leben in den Bergen. Dabei kommt sie mir sehr nahe und ich kann ihr Handeln verstehen. Zugleich bedauere ich es sehr, dass sie in vielen Momenten nicht aus ihrer Haut kann und ihr somit engere Bindungen und menschliche Nähe verwehrt bleiben.

Die Autorin schafft es mit wenigen Worten unheimlich bildhafthaft die Szenerien vor meinem inneren Auge zu erschaffen. Dabei ist ihre Sprache reduziert und klar, zugleich aber entsteht eine unheimlich dichte, eindrückliche Geschichte in einem ganz besonderen Ton.

Für mich ein Volltreffer, der mir länger im Gedächtnis bleiben wird und den ich Euch sehr ans Herzen legen möchte.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Kurzweiliger und gelungener Einblick

Der Butterberg
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Jan wiegt 147kg als er in der Klinik ankommt. Doch sich eingestehen, dass er adipös ist, konnte er bis zu diesem Moment noch nicht. Die nächsten sechs Wochen, während seines Aufenthalts, geht es allerdings ...

Jan wiegt 147kg als er in der Klinik ankommt. Doch sich eingestehen, dass er adipös ist, konnte er bis zu diesem Moment noch nicht. Die nächsten sechs Wochen, während seines Aufenthalts, geht es allerdings auch um diese Selbsterkenntnis.

Sven Weiss nimmt uns mit in den Klinikalltag seines Protagonisten und zeigt dabei mit viel Humor, Selbstironie und Leichtigkeit, wie die Realität der Betroffenen aussieht. Dabei wird schnell deutlich, dass Adipositas die unterschiedlichsten Gründe und Auslöser haben kann und dass gerade die psychologische Arbeit einen Großteil ausmacht. Auch Jan muss erst an den Punkt kommen, seine Schutzmauern abzubauen, um wirklich etwas verändern zu können.

„Essen machte mir keine Angst, im Gegenteil. Es war für mich da, ohne Fragen zu stellen. Ganz einfach. Ganz unkompliziert.“ S. 119

Der Autor verarbeitet hier seine eigenen Erfahrungen und erschafft so authentische, ehrliche Figuren, die ich gerne begleitet und kennengelernt habe. Die Geschichte ist leicht lesbar und unterhaltsam. Was ich dabei besonders mochte, ist, dass sie Verständnis schafft und aufklärt.
Etwas gestolpert bin ich dagegen über die teilweise abwertenden Aussagen den anderen Betroffenen gegenüber.

Falls Ihr also Lust auf einen lockeren Roman zu diesem Thema habt, der nicht zu herausfordernd oder tiefgehend ist, dann seid Ihr hier richtig.

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