Zwei Paare, ein Sommerhaus und viele Emotionen
Es ist hell und draußen dreht sich die WeltZwei Paare, ein gemeinsames Ferienhaus in Südfrankreich am Meer, Sommer, Sonne und Idylle? Natürlich nicht, sonst gäbe es dieses Buch wohl kaum.
Felix und Matze sind Freunde seit Schultagen, wobei es schon ...
Zwei Paare, ein gemeinsames Ferienhaus in Südfrankreich am Meer, Sommer, Sonne und Idylle? Natürlich nicht, sonst gäbe es dieses Buch wohl kaum.
Felix und Matze sind Freunde seit Schultagen, wobei es schon immer ein Gefälle in ihrer Beziehung gab. Felix war und ist der Gewinnertyp, während Matze dazugehören und gefallen will. Insofern macht er sich bei Felix klein. Ihre Freundschaft funktioniert seit vielen Jahren nach diesem Muster und wird auch nicht in Frage gestellt. Damit hat Linn, Matzes Freundin, manchmal Mühe, denn Felix darf nicht kritisiert werden und schon gar nicht jetzt im Urlaub, den er schließlich auch noch für alle bezahlt hat.
Diese Ausgangssituation bietet bereits genug Potential für zwischenmenschliche Zerwürfnisse, steht in diesem Roman aber nicht im Mittelpunkt. Den größeren Raum der Handlung nehmen die beiden Frauen Eva, Felix’ Frau und Linn ein. Besonders spannend war dabei für mich der Unterschied zwischen Fremdwahrnehmung und Selbstwahrnehmung der beiden Figuren. Beide struggeln aus den unterschiedlichsten Gründen, egal ob es dabei beispielsweise um ihren Körper oder um das Thema Mutterschaft geht. Sie werden von der anderen oft für exakt die Punkte bewundert, die sie an sich selbst als ungenügend empfinden.
Auch wenn ihre Ausgangssituation zu Beginn der Urlaubszeit völlig unterschiedlich ist, nähern sie sich schnell einander an und zeigen sich einander ungeschönt. Diesen Blick ehrlichen und empathischen Blick auf diese aufkeimende Frauenfreundschaft mochte ich besonders gern.
Auch im Allgemeinen fand ich den flüssigen und schlagfertigen Schreibstil der Autorin überzeugend und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Sich in die beiden Protagonistinnen einzufühlen, fiel mir leicht. Zu viele ihrer Gedanken sind uns Frauen allen bekannt. Es reicht von Momenten, in denen wir uns von der Freundin eher verstanden fühlen, als von dem eigenen Partner, bis hin zu der großen Frage nach dem Kinderwunsch oder eben nicht und wie damit umgehen.
Einziger Kritikpunkt ist das Ende, das wir mir dann doch etwas zu sehr drüber war. Für mich hätte es auch mit weniger Sensation funktioniert. Aber das ist natürlich Geschmackssache.
Eine Leseempfehlung für diesen aktuellen und gelungen Roman von Dita Zipfel.