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Veröffentlicht am 25.09.2025

History meets Mystery

alias Grace
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Neben dem lesen schaue ich außerdem noch unheimlich gerne Serien. Irgendwann dachte ich mir dann, es wird Zeit mir Netflix zu gönnen, denn dort findet man Serien im Überfluss, manche gut, manche schlecht. ...

Neben dem lesen schaue ich außerdem noch unheimlich gerne Serien. Irgendwann dachte ich mir dann, es wird Zeit mir Netflix zu gönnen, denn dort findet man Serien im Überfluss, manche gut, manche schlecht. Eine sehr gute Serie, die ich nur durch Zufall entdeckt habe, war 𝐀𝐥𝐢𝐚𝐬 𝐆𝐫𝐚𝐜𝐞. 6 Folgen die ich verschlungen habe und als ich las, dass es sich um eine Romanvorlage handelt, habe ich mich schon ein bisschen geärgert, dass ich nicht zuerst das Buch gelesen habe. Aber manchmal ist es gar nicht schlecht, sich visuell auf ein etwas anspruchsvolleres Buch vorzubereiten.

1843, Toronto: Das schöne Dienstmädchen Grace wird zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie am Mord ihrer beiden Vorgesetzten beteiligt gewesen sein soll. Aber Grace beteuert ihre Unschuld und gibt sich als Opfer.
Jahre später versucht der Psychologe Dr. Jordan hinter die Fassade zu blicken. In mehreren Sitzungen kommt er Grace immer näher, hört ihre Geschichte, ihre Version und verfällt der angeblichen Mörderin dabei immer mehr. Aber ist sie wirklich die Unschuld in Person oder ist alles nur gespielt?

Sobald man das Buch anfängt, merkt man schon, wie gut die Serie umgesetzt bzw. wir gut gecastet wurde und wie gut sich die Schauspieler vorbereitet haben. Das hat mir sehr geholfen, denn der Roman ist mitunter etwas anstrengend, dicht bedruckt und recht lang.

Es gibt wenig Dialoge und viele Monologe. Grace habe ich immer gern „zugehört“. Sie hat eine so ruhige und bedächtige Art zu erzählen. Etwas einfach gehalten mit sehr vielen „und’s“, aber ohne dass es dabei stupide wirkt. Von Margaret Atwood kenne ich bisher nur noch „The Handmaids Tale“ als Serie und vom Stil her erinnern Grace’s Monologe auch sehr an die von Offred.
Jedenfalls hing ich genau wie Dr. Jordan an ihren Lippen, wenn sie vom Alltag und den kleinen Freuden einer Dienstmagd erzählte. Aber auch von harten Zeiten, von Tod und Verlust.

Mit Dr. Jordan hat man es schon etwas schwerer, da man auch seinen Gedanken folgt und die sind oft nicht nett. Zudem quält er sich immer wieder mit erotischen Fantasien herum, von denen man nicht unbedingt Zeuge sein will. Dennoch blitzt der gute Wille hin und wieder durch. Und trotzdem ist es schwer ihn sympathisch zu finden.

Generell kommen die Männer hier nicht gut weg. Frauen sind die Opfer der Männer und Männer sind die Opfer ihrer Lust. Allerdings geht es Atwood komplexer an als viele andere.
Während manche Männer ohne Umschweife richtige Mistkerle sind, sind andere nicht offensichtlich böse.
Am besten kommt noch der Hausierer Jeremiah weg, der ehrlich zu Grace ist, ihr eine Chance anbietet, sie aber nicht drängt. Der aber auch nicht den Helden spielt und sich selbst der Nächste ist.

Schließlich ist es vor allem die Frage nach Grace’s Schuld oder Unschuld die einen auch als Leser umtreibt. Dabei kommt sowohl eine fantastische, als auch eine psychologische Erklärung zum Einsatz. Für mich war der Fall am Ende relativ klar, während andere Leser hier und da noch versteckte Hinweise erkannt haben wollen. Aber der Roman ist meiner Meinung nach nicht weniger raffiniert, nur weil man am Ende eine relative klare Auflösung bekommt.

Ob Grace’ weiteres Leben nun ein glückliches ist, darüber lässt sich sicher streiten. Für mich war sie am Ende jemand, der seinen Frieden gemacht und sich ihrem Schicksal ergeben hat. Welches das im weiteren Verlauf werden würde, bleibt im Dunkeln. Obwohl man als Leser gerne alles restlos erfahren hätte. Und so bleibt sich der Roman bis auf den letzten Seiten treu. Ich fand das Ende ganz passend.

Das Buch ist für mich sicher eines meiner Jahreshighlights und mir trotzdem nicht ganz 5 Sterne wert. Es ist mitunter anstrengend und es gibt Stellen, die schleppen sich dahin, mögen sie auch noch so wichtig für die Handlung sein. Ansonsten ein großartiger Roman, den ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Ein magischer Herbst-Roman

A Dark and Secret Magic
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𝐀 𝐃𝐚𝐫𝐤 𝐚𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐜𝐫𝐞𝐭 𝐌𝐚𝐠𝐢𝐜 war ein Buch dass mir gleich durch seine schöne, herbstliche Optik auffiel und auf meine Wunschliste wanderte.

Hecate ist eine Heckenhexe und führt zusammen mit ihrem Kater ein ...

𝐀 𝐃𝐚𝐫𝐤 𝐚𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐜𝐫𝐞𝐭 𝐌𝐚𝐠𝐢𝐜 war ein Buch dass mir gleich durch seine schöne, herbstliche Optik auffiel und auf meine Wunschliste wanderte.

Hecate ist eine Heckenhexe und führt zusammen mit ihrem Kater ein zurückgezogenes Leben in ihrem Cottage im Wald. Doch bald steht ihr 31. Geburtstag und damit die Eindämmung ihrer Zauberkräfte an. Wichtig, um ihre Kräfte als Heckenhexe zu stärken. Aber dann taucht plötzlich ein alter Bekannter auf. Matthew ist Schattenmagier und in Hecates Zirkel nicht willkommen. Als Heckenhexe muss sie ihm jedoch Zuflucht gewähren und Matthew ist auch kein unangenehmer Zeitgenosse und außerdem ganz hilfreich als Hecate ein geheimes Buch ihrer verstorbenen Mutter findet. Ein Buch voll mit dunkler Magie. Was hatte ihre Mutter zu verbergen und sind die Rituale des Zirkels wirklich nur zu Hecate’s Bestem?

Kennt ihr diese kuscheligen ASMR Videos, die ein herbstliches Setting mit flackernden Kerzen zeigen, währen der Kamin knistert, das Laub raschelt und eine leise Melodie zu hören ist? So ist dieses Buch! Ich komme das erste mal so richtig mit Cozy Fantasy in Berührung und genauso habe ich es mir auch vorgestellt.

Natürlich kommt mit den Geheimnissen um Hecate’s Mutter doch ein bisschen Action rein, aber irgendwas muss ja passieren, oder? Ich fand es jedenfalls nicht zu viel, auch nicht den romantischen Anteil, obwohl sich die Liebesgeschichte zum Ende hin etwas zu schnell entwickelt hat für meinen Geschmack.

Mit Hecate haben wir auch endlich mal eine Protagonistin in ihren 30ern, die introvertiert ist und ihr einfaches Leben genießt. Ich habe ihren Tagesablauf geliebt und würde mir so ein Leben auch wünschen. Im Anhang des Buches findet man sogar Rezepte von Hecate’s Köstlichkeiten zum nachkochen.

Die Geschichte hat ein paar kleine Schwächen, aber im Großen und Ganzen...war ich einfach sehr zufrieden mit dem Buch. Und die Kleinigkeiten die ich nicht mochte, fallen auch nicht so sehr ins Gewicht. Für mich der perfekte kleine Herbst-Roman!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Aufstieg und Fall einer Tänzerin

Die Tänzerin vom Moulin Rouge
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Ich mag den Film „Moulin Rouge“ und deswegen hat dieser Roman auch gleich mein Interesse geweckt. Das die Geschichte vom Leben der realen Tänzerin Louise Weber alias „La Goulue“ inspiriert ist, habe ich ...

Ich mag den Film „Moulin Rouge“ und deswegen hat dieser Roman auch gleich mein Interesse geweckt. Das die Geschichte vom Leben der realen Tänzerin Louise Weber alias „La Goulue“ inspiriert ist, habe ich erst während des Lesens erfahren. Aber umso besser, dachte ich. Dachte ich…

Paris, 1882: Das Leben der jungen Louise it hart und hält wenig Vergnügungen bereit. Als Wäscherin verdient sie gemeinsam mit ihrer Mutter den Lebensunterhalt. Diese sieht den Ausweg aus der Armut nur in der Heirat ihrer Tochter mit dem schmierigen Kutscher Remí. Louise hat allerdings andere Pläne, macht sich erst als Fotomodell einen Namen und später als berühmt-berüchtigte Tänzerin „La Goulue“ im Moulin Rouge. Doch der Erfolg steigt Louise zu Kopf und so setzt sie nicht nur ihre Karriere, sondern auch die Chance auf die große Liebe aufs Spiel.

Es ist sehr schwer einen Roman zu genießen, wenn die Hauptprotagonistin derart unsympathisch ist wie Louise. Das war nicht von Anfang an so, doch der Wandel kommt mit einem Schlag. Ab da war mir ihr Verhalten häufig zu theatralisch, übertrieben und unverschämt. Ich weiß zwar nicht wie viel vom Charakter der wahren Louise bekannt ist, aber als Autorin hätte ich mich bemüht, sie nicht als größenwahnsinnige Säuferin darzustellen, die jedem in ihrem Umfeld weh tut.
Der Einblick in die Pariser Künstlerszene des späten 19. Jahrhunderts, inklusive realer Künstler, hat mir dagegen sehr gefallen. Eine Welt voller Rausch und Vergnügungen.
Ich bin sicher man hätte da auch eine sympathischere Figur als „La Goulue“ für diesen Roman finden können. Oder von mir aus gleich eine ganz erfundene Geschichte über eine aufstrebende Tänzerin.
Für mich war es eine kleine Herausforderung das Buch fertig zu lesen, daher nur 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Ein absolut fesselnder Roman

Das Korsett
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Meine erste Reaktion nachdem ich das Buch ausgepackte hatte: Jaaa, Goldschnitt! Ein schöner Buchschnitt ist nicht zu verachten, vor allem nicht wenn er so schön glitzert. Aber das war natürlich nicht der ...

Meine erste Reaktion nachdem ich das Buch ausgepackte hatte: Jaaa, Goldschnitt! Ein schöner Buchschnitt ist nicht zu verachten, vor allem nicht wenn er so schön glitzert. Aber das war natürlich nicht der einzige Grund, warum ich „Das Korsett“ haben wollte. Schon der erste Roman von Laura Purcell hatte mich vollends überzeugt und so musste ich auch ihre anderen Werke lesen. „Das Korsett“ ist ihr zweiter Roman und weil ich mich sowieso sehr für Mode interessiere, gab es gleich zwei gute Gründe für diesen viktorianischen Thriller.

Als gut betuchte Tochter aus reichem Haus hat Dorothea Truelove wenig Sorgen. Weil sie sich dessen aber bewusst ist, verbringt sie ihre Freizeit mit wohltätiger Arbeit. Diese führt sie direkt ins Oakgate Gefängnis, wo sie kriminellen Frauen Trost spendet. Ganz uneigennützig ist die Arbeit jedoch nicht, denn sie bietet Dorothea zugleich eine hervorragende Grundlage für ihr Phrenologie Studium. Lässt sich anhand des Schädels vorhersagen, ob jemand zum Mörder taugt? Mit Ruth scheint sie die perfekte Kandidatin gefunden zu haben, hat diese doch ihre Herrin auf dem Gewissen. Mordwerkzeug war ein mit Hass gefüttertes Korsett, denn Ruth ist überzeugt allein mit Nadel und Faden den Tod bringen zu können.

Ich fand den Roman von der ersten bis zur letzten Seite absolut fesselnd! Wir lesen abwechselnd aus der Sicht von Dorothea und Ruth, die beide den Zwängen ihrer jeweiligen Gesellschaftsschicht unterliegen. Ruth‘s Geschichte ist um einiges dramatischer und ich konnte ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen. Selbst für ihre bösen Gedanken hatte ich Verständnis. Auch Dorothea kam mir zwischendurch fast bösartig und durchtrieben vor, besinnt sich zum Schluss aber eines besseren. Ihr Schicksal steht in besonderer Verbindung dem von Ruth gegenüber und die letzten Zeilen halten dementsprechend noch eine fiese Überraschung bereit. Gerade als man dachte, das Ganze sei geklärt worden. An dieser Stelle fragt man sich dann abschließend, ob der Roman nun fantastische Züge oder ob doch alles nur einen psychologischen Hintergrund hat. Richtig raffiniert, ich habe es geliebt!
„Das Korsett“ ist einer meiner Jahresfavoriten und verdient 5 goldene Sterne.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Der Weg einer aufstrebenden Künstlerin

Glasgow Girls
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Auch wenn ich mich sehr für Kunst interessiere, von den Glasgow Girls habe ich noch nie gehört. Dabei handelt es sich um eine aus Glasgow stammende Künstlerbewegung. So treten in diesem Roman viele reale ...

Auch wenn ich mich sehr für Kunst interessiere, von den Glasgow Girls habe ich noch nie gehört. Dabei handelt es sich um eine aus Glasgow stammende Künstlerbewegung. So treten in diesem Roman viele reale Personen auf, von denen jedoch keiner der Hauptprotagonist dieser Geschichte ist. Das ist nämlich die fiktive Olivia, ein Mädchen mit großen Träumen.

1892: Als Olivias geliebter Vater stirbt, ist das Zeichnen ihr einziger Trost. Wie gern würde sie auf die School of Arts gehen und ihre Fähigkeiten verbessern. Stattdessen winkt nur die Heirat mit ihrem Jugendfreund Ali und die Arbeit als Näherin. Doch Olivia will mehr vom Leben und fasst einen mutigen Entschluss. Als Bedienung in einem Café knüpft sie wichtige Kontakte in die Künstlerwelt und lernt interessante Menschen kennen, die sie fördern. Darunter auch den charmanten Maler Gabriel. Alles scheint perfekt, als Olivia sogar einen Platz an der Kunstschule erhält. Glück birgt aber auch seine Schattenseiten und Olivia muss lernen, dass alles seinen Preis hat.

Rückblickend muss man sagen, dass Olivia trotz einiger Stolpersteine bemerkenswert viel Glück hatte und das hat mich ein wenig gestört. Nicht dass man einer netten Romanheldin keinen Erfolg wünschen würde, aber wenn alles zu glatt läuft, ist es auch langweilig. Gar nicht langweilig war dagegen der Einblick in die Glasgower Künstlerszene. Dazu gibt es am Ende des Romans außerdem eine Liste aller vorkommenden realen Künstler.
Als großer Jugendstil-Fan hatte ich viel Freude an den buchstäblich blumigen Beschreibungen der Kunst, Architektur und Mode. Man bekommt so viele nette, kleine Details beschrieben und lernt etwas über diese Zeit dazu.
Natürlich darf auch ein wenig Romantik nicht fehlen. Nicht unbedingt mein Lieblingsthema und leider hat mich die Romanze um Olivia und Gabriel gar nicht gepackt. Da gefiel mir die Konstellation Olivia/ Ali viel besser.
Das Ende von „Glasgow Girls“ empfand ich als recht offen und ob es einen 2. Teil gibt, steht noch nicht fest. Doch ich hoffe von Herzen, dass es einen geben wird. Bis dahin gibt es von mir erst einmal 4 Sterne.

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