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Veröffentlicht am 10.11.2025

Die Macht von Erinnerungen und Zensur - Fantasy mit aktuellem Thema

Das Buch der verlorenen Stunden
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Vielen Dank an Vorablesen und den dtv Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

An diesem Buch hat mich der Mix aus Roman und Fantasyelementen ...

Vielen Dank an Vorablesen und den dtv Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

An diesem Buch hat mich der Mix aus Roman und Fantasyelementen angesprochen – es hat mich etwas an die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig erinnert, die ich sehr gerne mochte: eine Bibliothek abseits von Raum und Zeit mit Büchern, die Erinnerungen und Lebensgeschichten bewahren.

Dieses Konzept wird hier in ein historisches Setting gebettet. Die junge Jüdin Lisavet lebt 1938 in Nürnberg und wird von ihrem Vater während der Reichspogromnacht im sogenannten Zeitraum versteckt, in der sie den 2. Weltkrieg überlebt. Eine zweite Perspektive bringt uns zur Geschichte von Amelia, die 1965 bei ihrem Onkel Ernest in Boston aufwächst. Doch dann wird Ernest ermordet, angeblich von den Russen. Amelia erfährt durch Moira, eine Kollegin ihres Onkels, die Wahrheit: Ernest war Zeithüter und konnte mit einer Uhr in den Zeitraum reisen, die Zeit verändern. So begibt sich auch Amelia in diese Welt abseits von Raum und Zeit.

Die beiden Zeitebenen entwickeln sich langsam: während in der Gegenwart Amelia versucht, dem Erbe und Tod ihres Onkels auf die Spur zu kommen und gegen andere Zeitwächter zu verteidigen, begleiten wir Lisavet in den Jahren, die sie während des Krieges im Zeitraum verbracht hat – und in der sie Ernest kennen- und lieben gelernt hat. Die erste Verbindung der beiden Zeitebenen durch Ernest ist also relativ offensichtlich, aber es verstrickt sich immer mehr und spätere Plottwists konnten mich ehrlich überraschen. Das war bei ca. 50-60% des Buches, danach konnte ich es kaum aus den Händen legen. Davor… nun, ehrlich gesagt fand ich das Lesen davor etwas zäh, weil es wirklich sehr langsam erzählt wurde und die ersten Enthüllungen eher offensichtlich waren.

In der 2. Hälfte des Buches wird auch das zentrale Thema sehr eindeutig. Es geht besonders um Erinnerungen, und den Zeitraum als Ort, der Erinnerung bewahrt. Gleichzeitig geht es um Organisationen, die diese Fähigkeiten für eigene Zwecke nutzen wollen: Erinnerungen sollen gelöscht und zensiert werden. In diesem Komplex kommt die Rebellion gegen diese Organisationen auf, die sich mit der Blume Vergissmeinnicht schmückt – ein eindeutiges Symbol für ihre Mission.

Und unter diesem Aspekt begleiten wir Amelia, Lisavet, Moira und Ernest; wie sie sich von ihrer Moral leiten lassen und für das Kämpfen, was sie für richtig halten.

„Du würdest mich nicht verlieren. Man kann nichts verlieren, woran man sich nicht erinnert.“

Zusammen mit dem historischen Kontext des 2. Weltkriegs bzw. kalten Krieges ein unfassbar aktuelles Thema, das uns zeigt, wie wertvoll die Macht der Erinnerungen ist und wie gefährlich es ist, wenn Menschen in Machtpositionen das Narrativ verändern lassen (wollen).

Das Buch hat ein paar langatmige Stellen, besonders zu Beginn, und man darf nicht zu viel über die magischen Elemente nachdenken, da das System nicht komplett ausgefeilt und begrenzt wurde. Aber insgesamt hatte ich eine gute und anregende Lesezeit und möchte das Buch vor allem wegen der Thematik allen ans Herz legen. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Zwischen Sportmedizin und zweiten Chancen

Falling for No. 89
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Danke an NetGalley und den LYX Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Band 1, My Idea of No. 14, hat mir im April unfassbar gut ...

Danke an NetGalley und den LYX Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Band 1, My Idea of No. 14, hat mir im April unfassbar gut gefallen. Ich mochte den Schreibstil, die süße Liebesgeschichte, die toughe Protagonistin Leah und den gut recherchierten und großen Sportanteil in dieser Sportsromance. Dementsprechend war mir klar, dass ich auch noch weitere Bücher von Alicia Sommer lesen wollte. So bin ich auch ohne große Vorkenntnisse über den Klappentext in die Geschichte gestartet, und wusste nur, dass die Protagonistin Shaila was mit Medizin macht und der Protagonist Kayce (logischerweise) bei den L.A. Vipers Football spielt.

Und während ich die erste Begegnung von Leah und Sam im 1. Band als richtig süßes Meet Cute empfunden habe, hat mir das erste Aufeinandertreffen der Protagonisten hier im Buch den Einstieg nicht ganz so leicht gemacht… körperliche Nähe und Tension, besitzübergreifender Protagonist. Ich hatte das Gefühl, was verpasst zu haben. Und ja, irgendwie haben wir alle einen Teil der Story (gewollt) verpasst, denn: das hier ist eine Art Second Chance Romance. Die beiden Protagonisten kennen sich aus Teenagerzeiten und auch wenn sie da nicht wirklich ein Paar waren, so gab es doch körperliche Nähe und geteilte Gefühle.

Ich bin ehrlich: ich mag Second Chance (oder Childhood Best Friends to Lovers) Bücher nicht so gerne. Ich habe da als Leserin wirklich die ganze Zeit das Gefühl, essentielles Wissen über die Beziehung der Charaktere verpasst zu haben, weil die halt schon so viel vorherige Geschichte haben. Genau diese Vibes habe ich anfangs verspürt und es hat gedauert, bis ich in die Story reingekommen bin.

Shaila lernen wir relativ schnell gut kennen, da es immer wieder Tagebucheinträge aus ihrer Vergangenheit gibt, die Stück für Stück Licht ins Dunkel zu ihrer Beziehung zu Kayce bringen sollen. Ihre Arbeit als „Praktikantin“ der Sportmedizin beim Team hat mir auch gut gefallen und dadurch wurde eine ganz andere Seite vom Sport beleuchtet. Ich glaube ich hatte auch noch nie etwas über dieses Berufsfeld gelesen und fand die Einblicke super spannend. Während wir bei No. 14 ganz viel auf dem Feld und beim Training unterwegs waren, geht es hier auch mehr in die Kabinen, Vor- und Nachuntersuchungen der Mannschaft – aber natürlich auch Unfälle auf dem Feld. Bei Kayce dauert es etwas länger bis man ihn kennen lernt, er ist sehr verschlossen und man ahnt nur, dass es vergangene Konflikte mit seiner Familie gab.

Ich muss auch sagen, dass mir die Charakterentwicklung der beiden sowie die „Enthüllungen“ über die Vergangenheit eher schwach und oberflächlich fand, sodass ich kaum eine emotionale Verbindung aufbauen konnte. Die Tagebucheinträge von Shaila z.B. waren in meinen Augen eher unglaubwürdig und gingen für mich in eine kindisch-obsessive Richtung, die ich sehr unpassend fand.

Am Ende komme ich bei dem Buch auf gute 3 Sterne. Die beiden Protagonisten und ihre Liebesgeschichte waren einfach nicht mein Fall – und der Sportteil mit dem spannende Zusatz der Sportmedizin (bin immer noch Fan von dem Thema!) kam mir etwas zu kurz. Der Schreibstil von Alicia Sommer gefällt mir sehr und ich hoffe einfach, dass der 3. Band der L.A. Vipers Reihe wieder mehr meinen Geschmack trifft und an das Highlight-Leseerlebnis von Band 1 anknüpfen kann.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Schmerzlich nah an der Realität

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"Diese Mutter beschützt ihr Kind vor den Blicken zweier Menschen. Wieso haben meine Eltern mich nicht auch beschützt? Wieso dachte ich als Kind, sie tun das alles, weil sie mich lieben, nur um mich dann ...

"Diese Mutter beschützt ihr Kind vor den Blicken zweier Menschen. Wieso haben meine Eltern mich nicht auch beschützt? Wieso dachte ich als Kind, sie tun das alles, weil sie mich lieben, nur um mich dann wieder und wieder dieser Welt auszuliefern. Wieso haben sie mich nicht abgeschirmt?"

Einfach nur wow. Dieses Buch... sollten alle lesen. Ich bin mir sicher, dass Geschichten wie die von Sherry uns in der Realität bald vermehrt erreichen werden. So viele Menschen posten ihre Kinder einfach im Internet und denen scheint nicht bewusst zu sein, welche Gefahren damit einhergehen. Alle Szenen aus der Vergangenheit, in denen Sherry ihren Alltag und ihre Präsenz auf dem Familien-Kanal beschreibt, sind SO unfassbar schmerzhaft und haben mich richtig sauer gemacht. Die Mutter heißt übrigens Merle - so wie ich - und vielleicht waren die Aggressionen gegenüber meinem Namenszwilling dadurch noch stärker. Puh.

Zum Glück kommt Sherry an einen neuen Ort, der voller Found Family und neuen Möglichkeiten ist. Eine Zeit, in der Sherry sich ihren Ängsten stellen muss und rausfinden darf, wer sie selbst sein will und wie viel sie mit anderen Menschen teilen will.

Eine absolute Leseempfehlung <3.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Fiktive Frauen an der Macht zur Zeiten der Bonner Republik

Die Frau der Stunde
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Vielen Dank an Vorablesen und den Droemer Knaur Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Von der Autorin hatte ich schon länger das ...

Vielen Dank an Vorablesen und den Droemer Knaur Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Von der Autorin hatte ich schon länger das Sachbuch „Die Ersten ihrer Art“ auf der Leseliste. In ihrem neuen Roman „Die Frau der Stunde“ wagt Heike Specht sich an das Thema Frauen in leitenden politischen Ämtern heran. Was wäre, wenn Ende der 1970er Jahre eine Frau Außenministerin der BRD geworden wäre? Fakt ist, dass Frauen immer noch in der Politik unterrepräsentiert sind. Deutschland hatte von 2005 bis 2021 eine Bundeskanzlerin, von 2021 bis 2025 gab es die erste Außenministerin, auf eine Bundespräsidentin lässt sich für die Wahl 2027 vielleicht hoffen…

So arbeitet also die Autorin ein fiktives Thema auf, welches hoch aktuell bleibt. Sie nimmt die realen Politikstrukturen und bettet dort von ihr kreierte Politiker*innen und Personen ein. Bei manchen lassen sich reale Vorbilder besser erahnen als andere, aber es bleibt immer genug Interpretationsspielraum, da z.B. auch Parteinamen nie konkret genannt werden – stattdessen gibt es Liberale, Konservative und Sozialdemokraten.

In dem Buch begleiten wir also die erste Außenministerin der BRD, Catharina, und ihre Realität als Frau in der nationalen und internationalen Politik. Gleichzeitig spielen noch ihre beiden Freudinnen Suzanne (eine Journalistin) und Azadeh (eine Dokumentarfilmerin) eine große Rolle, durch die auch das Thema Iran und vor allem die dortigen Frauenrechte Teil der Handlung werden.

Ich bin ehrlich: es hat schon sehr lange gedauert, bis mich das Buch wirklich gepackt hat und ich weiterlesen wollte. Dadurch, dass alle Charaktere erfunden waren, habe ich im Politikwusel irgendwann den Durchblick verloren und konnte dem Teil der Handlung schwer folgen. Es ist wirklich schon sehr politisch – und das sage ich als Person, die ein Studiengang mit Politikschwerpunkt studiert hat und sich besonders mit Frauen in der Politik beschäftigt hat.

Ich persönlich hatte mir erhofft, mehr über Catharina als Person zu erfahren, ihr Alltag im Amt, ihre Wahrnehmung und ihre inneren Konflikte – stattdessen ging es um die Konflikte innerhalb der deutschen Politik und der Außenbeziehungen. Das übergeordnete Ziel des Buches war mir nicht so klar, und so hat mir auch Spannung gefehlt. Für mich muss ein Buch entweder eine spannende Handlung haben, der ich folgen will, oder eine Charakterentwicklung muss im Vordergrund stehen (plot vs. character driven) – und hier war beides nicht klar fokussiert.

Was ich aber gut fand, war die Darstellung der Realität von Frauen in der Politik zur Zeit der Bonner Republik. Es ist sehr treffend dargestellt, wenn Catharina als „Frau Minister“ angeredet wird, oder sie öffentliche (sexistische) Anfeindungen im Parlament erlebt. Wer sich für genau diese Realität interessiert, dem empfehle ich an dieser Stelle das Buch „In der Männer-Republik“ von Torsten Körner, sowie den dazugehörigen Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“, da wird das Thema sehr eindrücklich behandelt.

Auch gut finde ich, wie Cover und Titel zum Inhalt des Buches passen – über Catharina wird ein Artikel geschrieben, der eben jenen Titel „Die Frau der Stunde“ trägt, und das dazu beschriebene Foto zeigt sie in der Pose, die auch die Frau vom Cover einnimmt.

Insgesamt hatte dieses Buch ein super spannendes Konzept und einige gute Szenen, aber insgesamt bin ich etwas unbefriedigt. Die ganze Zeit wartet man auf einen Knall in der Handlung, irgendwas das raussticht, aber die Geschichte erzählt sich eher etwas nebenher und legt den Fokus eindeutig auf Politik und internationale Beziehungen, statt auf die Protagonistin und ihre Sicht.

Außerdem hätte ich gerne noch ein Vor- bzw. Nachwort der Autorin gehabt, welches die Geschichte kontextualisiert und indem Heike Specht uns an ihren Gedanken teilhaben lässt, warum sie den Fokus der Geschichte so gelegt hat, wie er nun ist.

Insgesamt komme ich auf 3 Sterne bei dem Buch und hoffe, dass mich das Sachbuch der Autorin mehr überzeugen kann als ihr Roman.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

unfassbar schön geschriebenes Debüt

Bestie
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Vielen Dank an Vorablesen und den pola Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Vorab: ich verfolge Joana schon sehr lange auf ihrer ...

Vielen Dank an Vorablesen und den pola Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Vorab: ich verfolge Joana schon sehr lange auf ihrer Reise zum Autorinnensein, und habe sie auch ein, zwei Mal auf Events persönlich getroffen. Ich schätze sie als Person wirklich sehr und habe mich einfach riesig gefreut, dass sie mit ihrem Debüt Bestie sich so einen großen Traum erfüllen kann. Ich versuche in meiner Rezension trotzdem, meine Meinung objektiv zu halten 😊.

„Manchmal wünschte ich, die Welt stünde Kopf, sodass ich aus ihr herausfallen könnte.“

Dieses Buch behandelt die ungleiche Beziehung zwischen Anouk und Delia/Lilly. Die beiden kommen in einer Wohngemeinschaft zusammen, und es wirkt, als könnten sie Freundinnen werden. Doch beide sind nicht ganz ehrlich und haben Hintergedanken. Delia gibt sich als erfolgreiche Autorin Lilly aus, die sich durch Anouks erfolgreiches Influencerdasein Kontakte erhofft. Und Anouk denkt, dass „Lilly“ einen berühmten Vater hat, der ihr helfen kann, ihren Traum von der Journalistenschule näher zu kommen. Die beiden Protagonistinnen sind sehr spannend, authentisch, vielschichtig und überzeugen mich in ihrer unperfekten Art mit Ecken und Kanten.

„Ich bin gern im Wasser, weil ich finde, dass man sich nirgends so gut vergisst.“

Ich habe selten ein Buch gelesen, was so toll geschrieben ist. Der Schreibstil von Joana ist gefühlvoll, poetisch, klug. Ich habe mir so viele Szenen markiert, die mir gefallen haben. Meine liebste Szene – und das klingt jetzt sicher absurd – ist die, in der Delia und Anouk in Kapitel 9 schwimmen sind. Diese Passage, als „Lilly“ durchs Becken schwimmt, fühle ich mich so verstanden, als würde Joana in meinen Kopf gucken können. Ich bin früher super viel geschwommen und habe es in diesem Sommer für mich wiederentdeckt, und da hat mich diese Szene einfach sehr berührt.
Generell gab es aber immer wieder Momente, wo so kluge Dinge standen; über das Frau-sein, über Träume, über Selbstbewusstsein.

„Als die Morgensonne ihre ersten Strahlen über das alte Parkett gießt, stehe ich an der Schwelle zum Traum und habe zum ersten Mal nicht das Bedürfnis, in ein anderes Leben einzutreten. Es reicht, von meinem eigenen zu Träumen.“

Zwischendrin geht es auch sehr viel ums Theater, und es ist sehr passend, dass das Buch in verschiedene Akte unterteilt ist sowie ein paar Interluden, die wie ein Theaterskript aufgebaut sind. Außerdem spielt das Stück „Die Möwe“ von Tschechow eine große Rolle in dem Buch, und man merkt, welche Bedeutung dieses Theaterstück für Joana hat. Ich bin ehrlich: ich kenne das Stück jetzt nicht, ich habe manche der Anspielungen und die Interludes nicht zu 100% verstanden – aber ich glaube es ging auch mehr um die Atmosphäre, und das war für mich stimmig. Weiterhin geht es natürlich viel um die Welt der Influencer und Selbstdarstellung, und dieses Themengebiet fand ich ebenfalls authentisch – erschreckend falsch – dargestellt. Manche Szenen gingen für mich schon fast in Richtung magischem Realismus, z.B. die mit dem Hund Grendel. Das wird nicht so richtig aufgeklärt, aber für mich passt dieses Zweideutige zum gesamten Ton des Buches. I mean, schon der Titel ist ein zweideutiges Wortspiel!

Ich glaube, der einzige Punkt, an dem ich mir noch etwas mehr gewünscht habe, war die Handlung. So hätte mich die Hintergrundgeschichte von Delia, die eher am Rand behandelt wird, sehr interessiert, während ich mir eher weniger von der Liebesgeschichte gelesen hätte.
Ich persönlich habe beim Lesen auch gedacht, dass es a) eine queere Liebesgeschichte wird oder b) Delia in eine leichte psychopathische Richtung geht und vollständig abdreht – hätte beides zur Atmosphäre der ersten Hälfte gepasst :D. Joana entscheidet sich für eine andere Richtung, die etwas in eine metaphorische Richtung geht, und mich am Ende mit ein paar Fragezeichen zurückgelassen hat, weil ich es etwas plötzlich und überraschend aufgelöst fand. Vielleicht muss ich das Buch auch nochmal lesen, und das Ende sacken lassen, um es besser zu verstehen.

Fazit: mit ihrem Debütroman zeigt Joana ihre Fähigkeiten als Schriftstellerin. Besonders ihr Schreibstil, als auch ihre Art, Charaktere und Orte zu erschaffen und zu beschreiben, sind mir sehr positiv aufgefallen. Sie nimmt Themen mit in ihre Bücher auf, die authentisch sind und zum Zahn der Zeit passen, ohne zu popkulturell aufgeladen zu sein. Handlungstechnisch hätte ich mir etwas mehr Wumms gewünscht. Aber: wenn ein Debüt schon so gut ist… dann ist die Welt nicht bereit für zukünftige Romane der Autorin, die können nur großartig werden.

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