Traumhafte Idee mit Schattenseiten
REMIch bin mir sicher, jeder von uns hat sich schon mal gewünscht, seine skurrilen Träume wie einen Film abspulen zu können. Was für uns (noch) nur ein weit entfernter Gedanke ist, wird hier bittere Realität. ...
Ich bin mir sicher, jeder von uns hat sich schon mal gewünscht, seine skurrilen Träume wie einen Film abspulen zu können. Was für uns (noch) nur ein weit entfernter Gedanke ist, wird hier bittere Realität. Alysee, die von Kindheitstagen an Angst vor einem traumbehafteten Schlaf hat, begibt sich auf eine lebensgefährliche Spurensuche zu ihrer Vergangenheit. Das Erbe, das sie dazu veranlasst, birgt jedoch ein bedrohliches Geheimnis: Träume können sichtbar gemacht werden. Doch was geschieht mit den vermeintlich irrealen Albträumen?
Auf diese Frage gibt uns REM eine erschreckende Antwort. Doch nicht nur die Geschichte hat es in sich – auch das Cover lässt erahnen, welch horrorähnlicher Stoff sich hier verbirgt. Genretypisch und inhaltlich abgestimmt wird bereits äußerlich eine düstere Atmosphäre kreiert.
Hierzu sehr unterstützend fungieren die Illustrationen im Buch. Die sowieso schon sehr lebhafte Sprache wird dadurch ideal unterstützt, sodass wahrhaftige Bilder in den Kopf des Lesers projiziert werden. Insgesamt wird man regelrecht durch die Seiten gezerrt, so klar und flüssig ist der Schreibstil. Außerdem werden teilweise erschreckende, abstruse und ekelerregende Bilder gezeichnet, die ihr Übriges für Spannung und Lesefluss tun. Und dennoch wird die Geschichte nicht mit jener übel erregenden Sprache überladen, wodurch Stil und Storyführung noch immer thrillertypisch anmuten. Demnach kann man REM auch als alter Thriller-Hase und gleichzeitiger Horrorneuling (wie ich es bin) sehr gut lesen.
Allerdings liegt hier wahrscheinlich auch der Knackpunkt. Da ich nicht wirklich affin im Bereich Horror bin, kann ich nicht sagen, ob Strauss und Fitzek hier genau mit dieser Wendung einen wahren Meisterstreich gelandet haben oder der Plot selbst für echte Kenner zu weit hergeholt ist – Für mich ist er das nämlich definitiv. Insgesamt kann ich für mich sagen, dass Basis und Erklärung des ganzen Geschehens eher futuristisch und unrealistisch wirken, was den ansonsten sehr gelungenen Horror-Thriller ein wenig nach unten zieht. Natürlich werde ich an dieser Stelle nicht spoilern, aber eines kann ich sagen: Manchmal ist weniger eben mehr. Für mich hat man hier einfach die falsche Autobahnausfahrt genommen und somit an Fahrt und Glaubwürdigkeit verloren.
Um noch mal zu etwas Positivem zu kommen, möchte ich abschließend kurz auf die Charaktere eingehen. Diese haben mir nämlich allesamt durch ihre Eigenarten und authentisches Handeln gefallen, weswegen die Geschichte noch ein Stück lebhafter wurde. Dabei empfinde ich vor allem Marvin als Bereicherung und stilistisch ideal eingearbeitete Figur. Aber auch zu Alysee konnte ich schon durch den rückschauenden Beginn eine Art Verbundenheit entwickeln, die einen umso mehr mitfiebern lässt.
Am Ende ist REM eine wirklich gelungene Mischung aus Thriller und Horror. Getragen wird die durchweg spannende Geschichte dabei vom bildhaften und abartigen Schreibstil (hier aber definitiv positiv gemeint!) sowie den authentischen Charakteren. Sie hätte für mich jedoch etwas besser abschneiden können, wenn die Ursache der Geschehnisse nicht so weit hergeholt wäre.
Alle, die sich gern ein paar spannende Stunden mit einem guten Thriller bescheren wollen und sich manchmal eine gewisse Note an Übernatürlichem wünschen, sollten meiner Meinung nach zu REM greifen. Und wer zusätzlich noch ein klein wenig mehr den Hang zur Realität verlieren will, dem gefällt das Ganze wahrscheinlich sogar noch ein Stück besser.