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Veröffentlicht am 11.05.2023

Sommer, Sonne, Malibu

Malibu Rising
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Nina Riva und ihre 3 Geschwister Jay, Hud und Kit bereiten sich 1983 auf die Party des Jahres zum Saisonabschluss vor. Es gibt keine Einladungen zu dieser Party. Jeder der von ihr hört und die Adresse ...

Nina Riva und ihre 3 Geschwister Jay, Hud und Kit bereiten sich 1983 auf die Party des Jahres zum Saisonabschluss vor. Es gibt keine Einladungen zu dieser Party. Jeder der von ihr hört und die Adresse kennt, darf sich als eingeladen betrachten.

Die Riva Geschwister sind Surf-Legenden in Malibu. Nina, die Älteste ist ein Surfstar und Supermodel und Ausrichterin dieses Events, bei dem jeder dabei sein möchte.

Die Vier sind die Kinder von Mick Riva, einem Hollywood Rockstar, der ein ganz furchtbarer Vater für sie war. Er verließ seine Frau June , ließ sie mit vier Kindern sitzen, um sich seiner Karriere und anderen Frauen zu widmen.

In einem 2. Erzählstrang erfährt der Leser Hintergründe zu der Liebesgeschichte von June und Mick, die sich als Teenager kennenlernen und verlieben, schließlich heiraten und einer hoffnungsvollen Zukunft entgegensehen. Mit dem zunehmenden Erfolg von Mick, beginnt der Zerfall der Familie. Die Bürde der Verantwortung lastet zunehmend auf der ältesten Tochter Nina, denn June beginnt ihren Kummer mit Alkohol zu ertränken.

Mir hat dieser Rückblick in die Vergangenheit sehr gefallen. Ich mochte die Liebesgeschichte und habe das Heranwachsen der Kinder gerne begleitet. Den Gegenwartsstrang, der sich um die Party drehte, fand ich nicht ganz so fesselnd. Die Party lief dann auch ganz furchtbar aus dem Ruder und es gab viel zu viele Charaktere, die mal kurz erwähnt wurden, aber für die Story eigentlich nicht relevant waren. Es las sich ein bisschen wie die Klatschseiten aus der „Gala“.

Insgesamt fand ich das Buch wirklich sehr unterhaltsam. Wie schon in dem Buch über Evelyn Hugo, schafft die Autorin fiktive Figuren, die so echt wirken, dass man meint schon über sie gelesen zu haben. Es war ein großer Lesespaß, der auch hier wieder als Hörbuch wunderbar funktioniert. Die ausufernde Party mit Leuten die auf Kunstwerke pinkeln oder mit Tellern durch die Gegend werfen, hätte ich jetzt nicht gebraucht.

Das 80er Jahre Feeling mochte ich umso mehr.

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Veröffentlicht am 01.05.2023

Mary‘s Geschichte

Die Farbe von Milch
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Mary ist ein einfaches Bauernmädchen, die ihre Geschichte eigenhändig aufgeschrieben hat, um sie festzuhalten. Und sie erzählt sie von Anfang an, beginnend im Jahr 1830, wo sie gerade einmal 15 Jahre alt ...

Mary ist ein einfaches Bauernmädchen, die ihre Geschichte eigenhändig aufgeschrieben hat, um sie festzuhalten. Und sie erzählt sie von Anfang an, beginnend im Jahr 1830, wo sie gerade einmal 15 Jahre alt ist.

Schon auf der ersten Seite wundert man sich, wie es sein kann, dass ein Mödchen wie Mary aus ärmlichen Verhältnissen kommend, offensichtlich lesen und schreiben kann, wo ihre ganze Familie doch aus Analphabeten besteht. Offensichtlich wird Mary im Laufe der Geschichte Bildung zuteil, zumindest wird sie Lesen und Schreiben lernen.

Mary wird in eine Bauernfamilie geboren, und ihr Leben besteht für sie und ihre 3 Schwestern von klein auf aus harter, körperlicher Arbeit. Wenn die Sonne aufgeht, werden die Kühe gemolken. Dann wird Tag für Tag auf dem Feld gearbeitet bis die Sonne untergeht. Der Vater, enttäuscht, dass er keinen einzigen Sohn bekommen hat, führt ein strenges Regiment und wer nicht spurt , wird von ihm gezüchtigt. Mary ist dieses Leben gewohnt und hat sich damit arrangiert. Sie hat eine besondere Beziehung zu ihrem Großvater, der mit im Haus lebt und ins „Apfelzimmer“ umziehen musste, nachdem er pflegebedürftig geworden ist. Sie ist die einzige, die sich die Zeit nimmt und sich ein bisschen um ihn kümmert. Man spürt, dass sich die beiden charakterlich auch sehr ähnlich sind.

Eines Tages eröffnet ihr der Vater, dass sie den Bauernhof verlassen soll, um im Pfarrhaus die Pflege der kranken Pfarrersfrau zu übernehmen. Ihr Vater bekommt dafür etwas Geld und sie erhält Kost und Logie.

Mary muß sich dem Befehl des Vaters fügen und leidet besonders unter dem Abschied vom Großvater. Im Pfarrhaus eröffnet sich ihr eine neue und vollkommen fremde Welt , in die sie zunächst Mühe hat sich einzufinden. Als sie sich gerade an die neuen Lebensumstände gewöhnt hat, stirbt die Pfarrersfrau und die Geschichte nimmt eine neue Wendung,

Mary‘s Geschichte hat mich von Anfang an sehr berührt. Sie ist eine wirklich starke Protagonistin, die immer ehrlich und gnadenlos direkt ist und immer ausspricht was sie denkt, was ihr schon im Elternhaus so manche Ohrfeige eingebracht hat. Sie sieht die Dinge wie sie sind und arrangiert sich mit dem, was sie sowieso nicht ändern kann. Außerdem hat sie auch wenn sie ungebildet ist eine gewisse Schläue und ist in der Lage ihre Schlüsse zu ziehen und Dinge zu erkennen. Auf mich hat sie sehr authentisch gewirkt, und ihre offene Art war auch sehr erfrischend.

Die Sprache des Romans ist sehr einfach, fast archaisch und schlicht, aber nichts anderes hätte zu Mary gepasst.

Einmal mit der Geschichte begonnen, entwickelt der Roman einen Sog, der es mir schwermachte das Buch zur Seite zu legen. Ich musste wissen, wie es weitergeht und vor allem wie Mary‘s Geschichte zu Ende geht.

Nell Leyshon hat mit „Die Farbe von Milch“ einen bedrückenden und sehr berührenden bis zum Ende abgerundeten Roman geschrieben, der bestimmt noch eine Weile nachhallen wird.


Mit seinen 207 Seiten war es ein kurzes Buch, aber ein sehr intensives und empfehlenswertes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 29.04.2023

Wege aus der Einsamkeit

Unsere Seelen bei Nacht
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Die Geschichte spielt wie alle seine Werke in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado, USA. Dies ist das letzte Buch des Autors Kent Haruf, der leider 2014 schon verstorben ist, und es ist posthum veröffentlicht ...

Die Geschichte spielt wie alle seine Werke in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado, USA. Dies ist das letzte Buch des Autors Kent Haruf, der leider 2014 schon verstorben ist, und es ist posthum veröffentlicht worden.

Die 70jährige , verwitwete Addie wagt einen mutigen Schritt. Sie fragt ihren Nachbarn Louis, der ebenfalls Witwer ist, ob er bereit wäre ab und zu bei ihr zu übernachten. Die rüstige Witwe stellt sofort klar, dass es ihr nicht um Sex gehe, sie wolle einfach nachts nicht alleine sein und jemanden an ihrer Seite haben mit dem sie reden könne.

Louis ist zwar zunächst irritiert, lässt sich aber auf das Arrangement ein und so entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, aus der neue Lebensfreude erwächst. Die beiden erzählen sich Nacht für Nacht ihre Lebensgeschichte, Begebenheiten auch Fehler aus ihren Leben und lernen sich immer besser kennen und schätzen.

Dass Louis nächtliche Besuche bei Addie die Gerüchteküche in der Kleinstadt schnell entfachen, und auch Addie’s Sohn Gene meint sich einmischen zu müssen, ist nicht verwunderlich aber ganz schön übergriffig.

Sehr einfühlsam, leise und unaufgeregt erzählt der Autor die Geschichte zweier älterer Menschen, im Kampf gegen die Einsamkeit.


Mir hat das Buch gut gefallen und ich empfehle es hier gerne weiter.

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Veröffentlicht am 27.04.2023

Nette Urlaubslektüre

Kretisches Schweigen
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Im 3. Fall der kretischen Urlaubskrimis rund um Kommissar Michalis Charisteas und seinem Partner Pavlos Koronaios geht es um 2 Skelette die am Strand von Frangokastello entdeckt werden. Der Strand ist ...



Im 3. Fall der kretischen Urlaubskrimis rund um Kommissar Michalis Charisteas und seinem Partner Pavlos Koronaios geht es um 2 Skelette die am Strand von Frangokastello entdeckt werden. Der Strand ist berühmt für die Drosoulites- die Seelen gefallener Krieger- , die der Legende nach im Frühjahr als Schatten über dem Meer auftauchen. Das lockt zahlreiche Touristen an, die hoffen diesem Spektakel beiwohnen zu können. Die Toten am Strand haben mit den Vorfahren der Einheimischen eher wenig zu tun, aber hier müssen die Kommissare erst mal Überzeugungsarbeit leisten. Die Einschusslöcher in den Skeletten lassen Mord vermuten, doch die Kreter regeln ihre Angelegenheiten lieber ohne Polizei.

Dieser locker leichte Krimi mit Kretaflair hat mir gut gefallen. Ganz gegen meine Gewohnheit habe ich diesen 3. Band als Einstieg genutzt, ohne die Vorgänger zu kennen. Das gelang gut, nicht zuletzt durch das Personenverzeichnis am Anfang. Es ist jetzt nicht so superspannend, aber man bleibt doch gerne dran an der Geschichte und lernt Traditionen, Gebräuche und die Menschen dieser zauberhaften Insel ein bisschen näher kennen. Insbesondere als Urlaubslektüre sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Das traurigste Haus in der Fröhlichstraße

22 Bahnen
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Tilda ist in Sorge. Sie muß aus ihrer kleinen, etwas verhuschten Schwester eine Kämpferin machen, wenn sie demnächst ausziehen möchte, um eine Promotionsstelle in Berlin anzutreten. Sie kümmert sich rührend ...

Tilda ist in Sorge. Sie muß aus ihrer kleinen, etwas verhuschten Schwester eine Kämpferin machen, wenn sie demnächst ausziehen möchte, um eine Promotionsstelle in Berlin anzutreten. Sie kümmert sich rührend um Ida, versucht sie zu schützen, wenn Mama mal wieder ausrastet und wollte sie eigentlich niemals mit ihr alleine lassen. Im Grunde ist die Situation untragbar, und es wundert fast, dass das Jugendamt bei Tilda‘s und Ida‘s Mutter noch nicht auf der Matte gestanden hat. Die Mutter depressiv und alkoholabhängig, Väter, derer gibt es zwei, sind längst über alle Berge. Natürlich gibt es auch keine finanzielle Unterstützung. Da bleibt dann kein Platz für große Träume sollte man meinen.

Doch Tilda ist eine starke junge Frau, ein Mathefan und ein sehr empathischer Mensch. Eine bessere Schwester für die 10 jährige Ida könnte es gar nicht geben.

Tilda, die neben dem Studium im Supermarkt jobbt, bessert nicht nur die spärliche Haushaltskasse auf, sie ist für ihre kleine Schwester im Prinzip eine Ersatzmutter.

In den Ferien überlegt sie sich ein Programm für Ida, weil das die schlimmste Zeit für die Kleine ist. Den ganzen Tag zu Hause bei einer trinkenden Mutter ist einfach zu viel.

Sowohl Tilda als auch Ida haben zusammen viel Spaß im Schwimmbad, wo die große Schwester regelmäßig ihre 22 Bahnen schwimmt und die Kleine sich im Tauchen übt.

Dann taucht Viktor regelmäßig im Schwimmbad auf, dessen ganze Familie bei einem Unfall ums Leben gekommen ist und bringt Tilda‘s wohl durchdachte Lebensplanung noch einmal kräftig durcheinander.

Trotz einem etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, mochte ich die Geschichte total. Tilda ist so sympathisch und Ida einfach zuckersüß. Ich habe die Geschwister sofort in mein Herz geschlossen. So bedrückend die Gesamtsituation zu Hause ist, und die Schwestern machen sich keine Illusion auf eine Besserung, so schön sind die kleinen Glücksmomente die sich die beiden zusammen schaffen.

Mir hat das Hörbuch sehr gut gefallen , auch die Vertonung durch Sprecherin Carolin Haupt fand ich ausgezeichnet.

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