Cover-Bild Die Farbe von Milch
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10,00
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  • Verlag: Heyne
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 208
  • Ersterscheinung: 11.03.2019
  • ISBN: 9783453422544
Nell Leyshon

Die Farbe von Milch

Roman
Wibke Kuhn (Übersetzer)

Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.

Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten – einer zarten, mitfühlenden Kranken. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2020

Berührend & intensiv

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Zum Inhalt
Mary, die jüngste von vier Bauerntöchtern, ist ein bisschen anders als ihre Schwestern. Ihre Haare haben die Farbe von Milch und sie trägt das Herz auf der Zunge. Obwohl das Leben auf dem Bauernhof ...

Zum Inhalt
Mary, die jüngste von vier Bauerntöchtern, ist ein bisschen anders als ihre Schwestern. Ihre Haare haben die Farbe von Milch und sie trägt das Herz auf der Zunge. Obwohl das Leben auf dem Bauernhof sehr hart ist und der cholerische Vater immer wieder seine Wut an den Mädchen und auch am eigenen Vater auslässt, behält Mary ihr sonniges Gemüt und erfreut sich an der Natur. Als sie von ihrem Vater regelrecht an den Ortspfarrer „vermietet“ wird, damit sie sich um die kranke Pfarrersgattin kümmern kann, ändert sich Marys Leben schlagartig. Vom Bauernhof an harte Arbeit gewohnt, bereiten ihr die Aufgaben im Pfarrhaus überhaupt keine Probleme. Dennoch leidet sie an Heimweh und sie sehnt sich zurück zu ihrer Familie, vor allem zu ihrem Großvater, zu dem sie ein besonderes Verhältnis hat. Doch der Pfarrer ist unerbittlich und lässt sie nicht gehen und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

So fand ich’s
Die 15-jährige Mary erzählt uns ihre Geschichte mit ihren eigenen Worten und vor allem in ihrer ganz eigenen, unnachahmlichen Art. Der schlichte Erzählstil, den die Autorin hier gewählt hat, wirkt auf den ersten Blick etwas einfältig und an die fehlenden Kommata musste ich mich erst gewöhnen. Aber es wird schnell klar, dass das eben Marys Art ist, die Dinge zu sehen, zu spüren und zu erleben. Und so hatte ich auch Marys „Stimme“ im Ohr, als sie davon berichtet, wie es ihr im Pfarrhaus ergangen ist.

Gerade auch durch diese eigenwillige Sprache war ich wie gefangen in der Geschichte und entgegen meiner üblichen Lesegewohnheiten habe ich das Buch in einem Rutsch gelesen. Marys unausweichliches Schicksal hat mein Herz immer schwerer werden lassen. Dennoch konnte ich nicht anders und musste unbedingt immer weiter lesen.

Diese Geschichte hat mich mehr als nur berührt – sie hat definitiv Spuren hinterlassen und mich einige Tage nicht mehr losgelassen.

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Veröffentlicht am 14.05.2020

Das traurige Leben der fröhlichen Mary

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Mary ist im Grunde genommen ein total fröhliches Mädchen und freut sich so ziemlich über alles in ihrem Leben. Obwohl sie körperlich anders ist, als ihre Schwestern, arbeitet sie nicht weniger hart auf ...

Mary ist im Grunde genommen ein total fröhliches Mädchen und freut sich so ziemlich über alles in ihrem Leben. Obwohl sie körperlich anders ist, als ihre Schwestern, arbeitet sie nicht weniger hart auf dem Hof ihrer Eltern. Leider findet sie nie die Anerkennung ihres Vaters und auch die ihrer Mutter nicht, nichts desto trotz verliert Mary nie ihre gute Laune, die sie mit ihrem Großvater teilt.

Als Marys Vater vom Pfarrer der Gemeinde erfährt, dass dieser Hilfe in seinem Haus benötigt, um seine kranke Frau zu pflegen, ist für ihn gleich klar, dass Mary diesen Job übernehmen muss. Diese Nachricht ist ein Schock für Mary, Mary möchte nicht vom Hof ihrer Eltern weg und getrennt sein von ihrer Familie, aber ihr bleibt nichts anderes übrig als widerwillig die Arbeit im Pfarrershaus zu übernehmen.

Dort angekommen, ist Mary ziemlich überrascht von dem völlig anderen Lebensstil, der dort herrscht und sie so natürlich nicht kennt. Alles ist in ihren Augen so luxuriös und pompös. Überall stehen Bücher, wo Mary sich doch gar nicht vorstellen kann, dass jemand diese lesen kann.

Mary arbeitet von nun an im Pfarrershaus mit Edna, die sich schon länger um die Familie kümmert. Zu Marys Hauptaufgaben gehört es, sich um die kranke Frau des Pfarrers zu kümmern. Diese schließt Mary mit ihrer offenen Art gleich in ihr Herz und genießt die Anwesenheit von ihr sichtlich. Leider geht es der Hausherrin zunehmend schlechter und sie verstirbt.

Von nun an ist nichts mehr wie es war. Mary darf nicht, wie erwartet wieder zurück auf den Hof ihrer Familie, sondern muss bleiben. Edna hingegen wird entlassen und so ist Mary nun allein mit dem Pfarrer und die Einsamkeit des Pfarrers treibt ihn dazu, Mary mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als ihr lieb ist.

Die Geschichte der kleinen Mary hat mich sehr traurig gemacht. Der Schreibstil ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber man kommt dann doch schnell in die Geschichte hinein. Die Charaktere waren leider allesamt unsympathisch bis auf Mary, ihr Großvater sowie die Pfarrersfrau. Ihre Schwestern kann man nicht so recht einschätzen und man hat manchmal das Gefühl, auch sie machen sich insgeheim lustig über ihre Schwester bzw. nehmen sie nicht sonderlich ernst.

Mary ist ein so fröhliches Mädchen, das aus allem etwas positives ziehen kann, umso trauriger macht es mich, wie sie von ihrer Familie behandelt wird. Da erscheint es Anfangs wie ein Lottogewinn im Pfarrershaus zu arbeiten. Der Pfarrer und dessen Frau sind so nett zu ihr, obwohl Mary als mal ein wenig frech daherredet, allerdings ist dies Marys Art und das scheint trotz allem zu gefallen. Leider wendet sich das Blatt als die Pfarrersfrau stirbt und sogar die fröhliche Mary langsam und schrittweise nichts positives mehr an ihrem Leben sieht und daher nur noch einen einzigen Ausweg findet.


Das Buch hat mich sehr erschüttert, man möchte zwischendrin einschreiten und laut rufen, was sie machen soll und wie sie sich verhalten soll, aber auch das hätte nichts gebracht, den es waren damals eben andere Zeiten und man kam nicht so einfach als Mädchen aus manchen Situationen heraus, wie es heutzutage der Fall ist.

Mir hat das Buch für zwischendurch sehr gefallen, obwohl es eine traurige Geschichte war, aber es kann eben nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Von daher ist das Buch weiterzuempfehlen, als eine etwas andere Lektüre zur Abwechslung.

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Veröffentlicht am 06.05.2020

Spezielle Sprache mit großartig, emotionaler Geschichte

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Mein Name ist Mary und ich habe gelernt, ihn zu buchstabieren. M. A. R. Y.

Mir gefällt hier nicht nur die Geschichte, die dahinter steckt, sondern auch das tolle Cover. Ein Buch, das mich beim Ansehen ...

Mein Name ist Mary und ich habe gelernt, ihn zu buchstabieren. M. A. R. Y.

Mir gefällt hier nicht nur die Geschichte, die dahinter steckt, sondern auch das tolle Cover. Ein Buch, das mich beim Ansehen von außen beruhigt, aber wenn man die Geschichte kennt, einen innerlich sehr aufrührt.

Zum Buch:
Die Geschichte spielt um 1830 und wird aus der Ich-Perspektive von Mary erzählt. Mary ist ein damals 15-jähriges Bauernmädchen und wächst unter härtesten Bedingungen am Bauernhof ihres Vaters auf. Sie lebt dort mit ihrem Großvater, der gehbehindert ist, ihren Eltern und drei Schwestern. Sie und ihre Schwestern arbeiten hart auf dem Hof, werden vom Vater - der ihnen immer wieder sagt, wie unnütz sie denn seien, weil sie keine Söhne sind - geschlagen und leisten diesem bedingungslosen Gehorsam. Das Leben aller unterliegt ärmlichen Verhältnissen und harter Arbeit. Doch Mary, trotz ihrer Einfachheit, ist eine Denkerin, eine pragmatische Person, die vieles hinterfragt, geradlinig in ihren Antworten und damit macht sie sich ihr Leben nicht immer leicht.

Fazit:
Mary liebt ihr Leben auf dem Hof, doch erhält sie eines Tages die furchtbare Nachricht, dass ihr Vater sie an die Pastorenfamilie verkauft hat, wie ein Stück Vieh. So muss sie bald darauf in das Haus des Pastors ziehen und dort als Magd und Küchenhilfe arbeiten und wird gleichzeitig auch die Vertraute der Pastoren-Gattin, die schwer erkrankt ist. Nach deren Tod muss sie weiterhin dort im Haus bleiben und wird zum Opfer der Begierde des Pastors. Fazit: Trotz des schlichten Schreibstils, der ungebildeten Mary, bin ich sehr schnell in die Geschichte reingekommen. Eigentlich gleich nach der ersten Seite, auch wenn viele Satzzeichen in dem Buch fehlten. Die Handlung ist teilweise sehr bedrückend für mich, da ich so einen Umgang oder so ein Leben, Gott sei Dank, nie kennenlernen musste. Die Geschichte aus Mary’s Sicht ist so toll geschrieben, dass ich nicht aufhören konnte und das Buch heute begonnen und ausgelesen habe. Die Autorin bringt hier ganz klar die Thematik der Gewalt an Frauen aus der damaligen Zeit aufs Tapet. Wie Männer damals glaubten, leider auch heute noch oft, dass sie sich jederzeit nehmen dürfen, was sie möchten. Frauen waren den Männern damals wirklich schutzlos ausgeliefert. Mary nimmt ihr Leben in die Hand und zahlt dafür einen äußerst hohen Preis. Hier wurde eine Protagonistin mit einer sehr starken Stimme und Persönlichkeit geschaffen, für die die damalige Zeit einfach noch nicht reif war.


Das Buch ist für mich mein erstes Lesehighlight im Mai und es macht mich sprachlos und nachdenklich! Von meiner Seite eine klare Leseempfehlung! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 01.04.2020

Sehr speziell, aber großartig !

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Die besten Bücher, sind immer jene, die man ohne große Erwartungen zur Hand nimmt und die dann auf ganzer Linie überraschen und vor allem überzeugen können.

So erging es mir vor zwei Tagen mit DIE FARBE ...

Die besten Bücher, sind immer jene, die man ohne große Erwartungen zur Hand nimmt und die dann auf ganzer Linie überraschen und vor allem überzeugen können.

So erging es mir vor zwei Tagen mit DIE FARBE VON MILCH. Das Buch stand sehr lange auf der Wunschliste, weil es viele Buchmenschen empfohlen und gelobt haben, auf deren Meinung ich einfach IMMER vertraue.

Ich wusste vorab nur grob worum es geht, habe aber niemals mit einer so gewaltigen Geschichte gerechnet oder gar damit, wie sehr mich dieses kleine, mit knapp über 200 Seiten doch recht dünne Büchlein, berühren und fesseln würde.

In DIE FARBE VON MILCH erzählt die 15jährige Mary ihre Erlebnisse im Jahr 1830. Sie wächst mit drei älteren Schwestern auf einem englischen Bauernhof auf, auf dem es eigentlich keine Freude gibt. Der Vater ist ein Tyrann, der die Töchter von morgens bis abends zur Arbeit zwingt, dem beim kleinsten Fehler der Mädchen die Faust ausrutscht und der sie ganz deutlich in jeder Minute ihres Lebens spüren lässt, dass sie keine Söhne sind. Die Mutter nimmt das alles teilnahmslos zur Kenntnis.

Als die Frau des Pfarrers erkrankt, schickt der Vater Mary in dessen Haushalt, um sich um die kranke Frau zu kümmern.

Und das ist eigentlich auch schon der Kern der Geschichte, die aufgebaut ist, wie ein Tagebuch. Immer wieder erklärt Mary darin, dass dies hier ihre Geschichte ist, die sie mit ihren eigenen Händen geschrieben hat. Jeder Buchstabe sei ausbuchstabiert.

Warum sie dies immer wieder erwähnt, wird einem recht schnell klar. Mary hat keinerlei Bildung genossen, sie kann weder schreiben noch lesen und erlernt diese Dinge erst im Lauf der Geschichte, die sie rückblickend in ganz schlichtem Ton und ohne Interpunktion erzählt.

Zunächst fand ich den Schreibstil dadurch etwas gewöhnungsbedürftig, habe mich dann aber schnell daran gewöhnt und war voll und ganz in Marys Geschichte eingetaucht.

Sie war eine tolle Protagonistin, mit scharfem Verstand und dem Herz auf der Zunge. Sie spricht aus, was immer sie denkt, ohne sich um Benimmregeln zu scheren. Ich mochte sie sehr und es tat mir oft leid, dass es das Leben immer wieder so schlecht mit ihr meinte. Obwohl sie das selbst vielleicht nicht zwingend so sah. Zumindest nicht in Bezug auf ihre Familie, denn obwohl sie zuhause nie gut behandelt wurde, sehnt sich Mary nach ihren Schwestern und dem Hof und kehrt auch immer wieder dorthin zurück.

Es ist eine bewegende Geschichte und keine besonders "schöne", aber eine, die so unglaublich gut geschrieben ist, die vielleicht auch aufrüttelt, weil sie Themen enthält, die auch heute noch immer nicht Ernst genommen werden.

Ganz ganz großartiges Buch !

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Veröffentlicht am 18.02.2020

Spezielle, aber authentische Sprache und hochgradig emotionale Geschichte

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Die ganze Geschichte spielt sich im Jahre 1830 bzw. 1831 ab und offenbart die damaligen Lebensumstände mit erschreckender Genauigkeit. Mary wächst in einer Bauernfamilie auf, arbeitet trotz ihrer körperlichen ...

Die ganze Geschichte spielt sich im Jahre 1830 bzw. 1831 ab und offenbart die damaligen Lebensumstände mit erschreckender Genauigkeit. Mary wächst in einer Bauernfamilie auf, arbeitet trotz ihrer körperlichen Behinderung in Form eines deformierten Beins, von früh bis spät im Stall und dem Feld und erfährt nur wenig Liebe und Zuneigung. Stattdessen erzählt Nell Leyshon von Hunger, Leid und häuslicher Gewalt, von Glauben und einem Leben, das sich heutzutage keiner mehr vorstellen kann. Auch zeigt sie auf, dass ein Umbruch nicht immer gutes mit sich bringen muss und dass Hoffnung manchmal einfach erlischt.
Das Buch beginnt mit einem intensiven Einblick in Mary’s Alltag und ihr tristes, trostloses Leben. Mitzuerleben, wie dieses junge Mädchen von eingespannt wird und schon beim kleinsten Fehler bestraft wird, war eine wahre Tortur. Trotzdem empfand ich den Einstieg als äußerst gelungen, denn als Leser bekommt man so genügend Zeit, sich ein Bild von dem Begebenheiten und von Mary zu machen. Aber auch um sich an den Schreibstil, der wahrlich besonders ist, zu gewöhnen. Außerdem weckt dieser Start durchaus Neugierde, fesselt schon genug, um mehr über Mary und ihre Geschichte erfahren zu wollen. Eine gewisse, unterschwellige Spannung ist also von der ersten Sekunde an gegeben, sodass es einem schwer fällt, das Buch auch mal aus den Händen zu legen. Trotzdem lebt das Buch viel eher von den neuen Eindrücken des damaligen Lebens, die man gewinnt und der Sympathie, die man Mary gegenüber empfindet. Meiner Meinung nach erzählt das Mädchen in einem sehr ruhigen Tempo, nimmt sich Zeit und schildert genau, was sich zugetragen hat.
Im Laufe der Seiten fragte ich mich immer wieder, ob da denn überhaupt noch was nennenwertes passiert oder ob Mary einfach wahllos ein Jahr ihres Lebens offenbart. Es war einfach nicht klar, worauf alles hinauslaufen wird und als dann die große Wende kam, war ich umso überraschter, dass es doch so eine Heftigkeit an den Tag legte. Damit hatte ich, nicht zuletzt auch wegen den ansonsten eher monotonen Geschehnissen absolut nicht gerechnet und war wahrlich sprachlos. Ab diesem Moment kann und will man dann keine Sekunde mehr Pause machen, sondern endlich das Ende erfahren. Ich bin noch immer geflasht und weiß nicht recht, wie ich meine Empfindungen in Worte fassen soll. Eigentlich ist es bis kurz vor Ende weder großartig spannend noch besonders spektulär, doch diesen Anlauf hat die Geschichte schlicht und einfach gebraucht, damit das „Finale“ dann diese Wirkung entfalten und so einschlagen konnte, wie es das tat.

Dank des sehr außergewöhnlichen Schreibstils erlangt das Buch noch einmal eine neue Dimension an Lebendigkeit und Authensität. Nell Leyshon lässt nämlich Mary sprechen, und zwar so, als würde das Mädchen tatsächlich persönlich von Angesicht zu Angesicht erzählen. Zu Beginn war das etwas, was mich nicht nur verwirrte, sondern auch ein wenig aufhielt. Ich habe wirklich Zeit gebraucht, um mich an die Einfachheit und das Umgangssprachliche zu gewöhnen. Um mal ein Beispiel zu nennen: Mary ihr Zimmer liegt im zweiten Stock des Hauses – und tagein tagaus heißt es im Buch „ich ging die Treppe hoch und ging die Treppe nochmal hoch“. Oder sie berichtet unzählige Male, wie sie den Kamin anheizt. Allein ihre morgendliche Routine wird immer wieder genaustens und meist sogar wortgleich erzählt – aber das wirklich überraschende ist dabei, dass trotzdem keine Langeweile aufkam. Es glich einfach einem Tagebucheintrag. Es fühlte sich echt und greifbar an, authentisch und verlieh dem Buch eine besondere Note. Ich kannte so was nicht, kann aber vermelden, dass mir das unglaublich gut gefallen hat und ich nie gedach hätte, dass es einer Geschichte sogar noch in die Karten spielt. Desweiteren wird dabei auch auf Kommas, wörtliche Rede und sonstige Satzzeichen verzichtet. Am Anfang noch seltsam, doch wenn man sich mal vor Augen führt, dass Mädchen in dieser Zeit meist nicht in der Lage waren, überhaupt zu lesen, geschweige denn zu schreiben, ist es nur umso glaubhafter, dass Mary auf solch Banalitäten wie Anführungszeichen und Co. verzichtet.

Die Figuren wirkten tatsächlich wie aus den 1830er Jahren entsprungen. Nell Leyshon hat die Charakterzüge sehr schön eingefangen und widergegeben und so noch mehr Greifbarkeit und Realität in das Buch gebracht. Neben unserer Protagonistin Mary, zu der wir gleich kommen, gab es noch etliche andere Charaktere, die sich gut voneinander unterschieden und durch verschiedene Wesensmerkmale voneinander abhoben. So beispielsweise Mary’s Schwestern, die mir besonders gut gefielen, da sie alle zwar das gleiche Schicksal hatten, aber ganz unterschiedlich damit umgingen. Die eine gläubig, die andere zickig, die letzte rebellisch – und mitten drin die behinderte Mary. Obwohl man deutlich merkt, dass das Verhältnis zwischen den vier Mädchen angespannt war, schimmert doch an manchen Stellen die geschwisterliche Liebe und Loyalität durch, die untereinander herrscht.
Die Eltern von Mary hätten nicht perfekter für die Handlung und das Buch an sich sein können. Obwohl so manche Tat bei mir auf absolutes Unverständnis traf, leuchtet doch ein, dass es damals einfach normal war, wenn mal körperliche Züchtigungen und Strafen verteilt wurden. Das allein fand ich äußerst glaubhaft, und realistisch. Der Großvater tat mir in erster Linie leid, doch wenn man eben nichts mehr zum Lebensunterhalt beiträgt, war mal damals nichts mehr wert und das wurde von der Autorin in Form des Opas wirklich deutlich aufzeigt.
Ich könnte jetzt noch über alle anderen Figuren sprechen, doch im Endeffekt läuft es eh darauf hinaus, dass ich sage, sie waren alle essentiell für die Geschichte, sehr lebendig und authentisch – von Sympathie will ich aber definitiv abstand nehmen.
So verhielt es sich auch mit Mary. Man ist neugierig darauf, was das Mädchen erlebt hat, man ist gespannt, wie sie mit dem Erlebten umgeht – aber so eine richtige Bindung konnte ich nicht zu ihr herstellen. Ich verstand ihre Gedanken und Handlungen, empfand sie als nachvollziehbar und ihr unbedachtes Mundwerk sorgte für den ein oder anderen Schmunzler, aber die Distanz blieb. In erster Linie schiebe ich das für meinen Teil auf die Tatsache, dass wir in zwei komplett unterschiedlichen Welten leben und es mir dadurch wohl etwas schwer fiel, sie richtig gern zu haben. Ich hatte immerzu ein junges Mädchen, fleißig und emsig, wie aus einem alten Film oder einer alten Serie vor Augen; die Mary als Person. Allgemein erinnerte sie mich so manch eines Mal an Laura von „Unsere kleine Farm“, aber das ist ein anderes Thema.
Kurz und knapp: es hätte keine Figur gegeben, die besser für die Rolle der Mary gepasst hätte. Sie verlieh dem Buch Tiefgang und Spannung, man lernte sie ausreichend gut kennen und war ihr, allein durch den Stil, schon nah genug, um mitfühlen zu können. Auch an Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit mangelte es der 15-jährigen nicht.

FAZIT:
Mit „Die Farbe von Milch“ liefert Nell Leyshon ein Buch, das zurecht schon einige Male für Preise nominiert war. Die Geschichte kommt absolut authentisch daher, ist sprachlich betrachtet einmalig erzählt und überzeugt durch eine intensive, berührende und mitreißende Geschichte voller Leben. Die Lebensumstände der 1830er Jahre sind erschreckend und schockierend und die Autorin fängt diese Empfindungen sehr gut ein und gibt sie wider. Ich konnte in dem Buch komplett versinken und bin rückblickend enorm froh, dass ich vorher kaum etwas über den Inhalt wusste. Falls ihr mit dem Gedanken spielt, es ebenfalls zu lesen, empfehle ich euch, nicht mehr als den Klappentext, der oben steht, zu lesen – man würde sich, meiner Meinung nach, viel zu viel vorweg nehmen. Für mich hat es nicht ganz zum Highlight gereicht; dafür fehlte mir einfach das gewisse Etwas, aber wir schrammen knapp daran vorbei und deshalb gibt’s von mir eine absolute Lese-Empfehlung.

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