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Veröffentlicht am 08.07.2019

Eine Zukunft ohne Individualität, eine Zukunft die hoffentlich nur Fiktion bleibt

Die Unvollkommenen
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Fünf Jahre nach dem Ableben und der Wiedergeburt von Samson Freitag lernen wir Lila kennen. Lila ist eine Gegnerin der Optimalwohlökonomie der Bundesrepublik Europa und seit einem versuchten Mordanschlag ...

Fünf Jahre nach dem Ableben und der Wiedergeburt von Samson Freitag lernen wir Lila kennen. Lila ist eine Gegnerin der Optimalwohlökonomie der Bundesrepublik Europa und seit einem versuchten Mordanschlag an einem Regierungsmitglied im Jahre 2052 unter Verwahrung. Dies ist kein Gefängnis im herkömmlichen Sinne, die Verurteilten werden sozusagen unfreiwillig in den Dornröschenschlaf gelegt. So auch Lila. Nach ihrer „Freilassung“ wird sie in ein Internat für Verurteilte gebracht, in dem sie nun den Rest ihres Lebens wie im Schlaraffenland leben „darf“. Doch auch hier droht den Verurteilten bei Ungehorsam die Verwahrung. Da Lila fünf Jahre ihres Lebens fehlen, fällt ihr der Start in den „Alltag“ nicht leicht und sie muss akzeptieren, dass ihr Todfeind Samson Freitag zwar gestorben, aber als „Gott“ wiedergeboren wurde…

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Ich durfte 2017/2018 schon „Die Optimierer“ von Theresa Hannig lesen und war begeistert. Schnell stand für mich fest, dass ich die Fortsetzung lesen muss und umso größer war meine Freude, dass ich wieder an dieser Leserunde teilnehmen durfte.

Enttäuscht wurde ich beim Lesen nicht. Der Einstieg in die Materie viel mir sehr leicht. Der Schreibstil ist wieder sehr flüssig und der Spannungsbogen bleibt konstant. Es gab aber auch Textpassagen die ich mehrmals lesen musste, um Zusammenhänge zu verstehen, vor allem bei der Technik. So ist für mich das Buch auf keinen Fall etwas für „zwischendurch mal schnell lesen“.
Das Ende ist leider, wie schon beim Vorgängerband, plötzlich sehr schnell und rasant erzählt. Fragen bleiben offen.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Lila und der Homunkulus waren mir sehr sympathisch. Eoin Kophler war mir anfangs sympathisch, aber im Verlauf der Geschichte änderte sich meine Meinung zu ihm. Bei Anna Freitag, die Mutter von Samson, bin ich ein bisschen hin und her gerissen und kann kein genaues Urteil fällen.
Erstaunlich war für mich die Tatsache, dass die Roboter Rechte einfordern, die in meinen Augen nur biologischen Individuen zustehen.

Das Cover gefällt mir wieder sehr gut und passt mit dem Vorgängerband super zusammen.

Fazit:
Theresa Hannigs Fortsetzung ist super gelungen, schon alleine deshalb, da es den Leser wieder sehr viel zum Nachdenken und auch viel Diskussionsstoff bietet.
Das überwachende digitale Zeitalter, welches schon in „Die Optimierer“ beschrieben wurde, wird in diesem Roman weiter ausgebaut. 2052 wurde „nur“ überwacht und gespeichert, 2057 werden den voll integrierten Menschen über implantierte Chips Sinne, Emotionen und Realitäten vorgegaukelt. Verstorbenen Menschen kann per Chip die „Seele“ in einen Roboter implantiert werden und so lebt dieser geliebte Mensch weiter.
Ich hoffe sehr, dass dieser Roman nur Fantasie bleibt und nicht eines Tages in die Realität umgesetzt wird, außer als Film.

  • Cover
  • Idee
  • Geschichte
  • Figuren
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 03.05.2019

Ein Roman für Teenager

First Comes Love
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Im Roman „First Comes Love - Liebe mich wenn du dich traust“ von Katie Kacvinsky treffen wir auf den Teenager Gray, der sein Leben durch eine familiäre Tragödie ohne Emotionen und Lebenslust lebt. Seine ...

Im Roman „First Comes Love - Liebe mich wenn du dich traust“ von Katie Kacvinsky treffen wir auf den Teenager Gray, der sein Leben durch eine familiäre Tragödie ohne Emotionen und Lebenslust lebt. Seine Zukunft und Träume hat er der Familie wegen aufgegeben. Gray macht Bekanntschaft mit Dylan, die ihre Semesterferien bei ihrer Tante in Phoenix verbringt. Ihre Kamera sowie ihr Notizbuch hat sie immer dabei. Dylan ist das ganze Gegenteil von Gray. Sie hat eine unglaubliche positive Einstellung zum Leben und ihre Abenteuerlust ist kaum zu bändigen. Beide freunden sich an und Grays Mauern werden durch Dylan nach und nach brüchig. …

Das Cover gefällt mir, es ist nicht aufdringlich.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Die Szenen kann man sich beim Lesen gut bildlich vorstellen.

Die Story ist anfänglich sehr mitreißend, verebbt aber leider sehr schnell. Vom Kennenlernen bis zum Verlieben vergeht kaum Zeit und das Gray nach kürzester Zeit so vernarrt in Dylan ist, dass er sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen kann, war für mich nicht glaubwürdig bzw. nicht verständlich.
Die Person Gray ist gut ausgearbeitet und man erfährt viel über ihn, was auch wichtig ist um zu verstehen warum er so ist wie er ist. Über Dylan erfährt der Leser leider nicht viel. Die Darstellung ihrer Person wirft viele Fragen auf. Ich konnte auch nicht erkennen, woher Dylan ihre Lebensweisheiten nimmt, denn ihr Leben scheint ohne Probleme und Sorgen zu verlaufen. Sie gibt Gray Ratschläge die eher einer Großmutter entsprechen würden. Der Story fehlt dadurch das „gewisse Etwas“.

Fazit:
Für eine Teenager-Liebesgeschichte ist das Buch gut geschrieben und ich denke, wenn ich 20 Jahre jünger wäre, hätte mich der Roman mehr gefesselt. So aber ist die Story für mich zu flach. Als Übung des „kreativen Schreibens“, so wie die Schriftstellerin dieses Buch betitelt, ist es jedoch gut gelungen. Authentisch wird die Geschichte dadurch, dass die Schriftstellerin eigene Erfahrungen eingebracht hat. Auch die Orte die hier beschrieben werden, wurden von ihr besucht.

  • Cover
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.12.2018

Fünf Frauen auf dem Weg zu sich selbst

Als das Leben vor uns lag
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Der Leser trifft beim Lesen auf fünf Mädchen die in den 1950er Jahren in einem katholischen Kloster-Internat in Spanien aufwachsen. Jede ist aus verschiedenen Gründen dort und unterschiedlicher könnten ...

Der Leser trifft beim Lesen auf fünf Mädchen die in den 1950er Jahren in einem katholischen Kloster-Internat in Spanien aufwachsen. Jede ist aus verschiedenen Gründen dort und unterschiedlicher könnten sie in den Persönlichkeiten nicht sein.

Die Geschichte beginnt an einem Abend während die Mädchen ihr Pfänderspiel spielen. Dieses läuft jedoch aus dem Ruder und die Ereignisse nehmen ihren Lauf….
In den 1980er Jahren beschließen sie, sich wieder zu sehen und jede erzählt den Anderen ihre Lebensgeschichte…

Das Cover gefällt mir sehr gut und der Schreibstil ist sehr flüssig.
Die Geschichte selbst gibt dem Leser einen sehr anschaulichen Einblick in die damaligen Gepflogenheiten. Vor allem ist es sehr interessant zu erfahren, wie die Mädchen und angehenden Frauen ihr Leben in den damaligen Zeiten meistern mussten, vor allem wenn sie nicht als Heimchen am Herd enden wollten. Auch die Entwicklung jeder einzelnen Protagonistin wird anschaulich beschrieben und es ist sehr interessant, an vielen Stellen auch sehr überraschend zu erfahren, welchen Weg jede Einzelne eingeschlagen hat.
Auch historisch erfährt der Leser einiges über die sehr turbulenten politischen Ereignisse des damaligen Spaniens und auch diese prägen die Persönlichkeiten der Frauen.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und schön anschaulich beschrieben worden. Während des Lesens waren sie mir sympathisch; die eine mehr, die andere weniger, aber ich fieberte mit jeder einzelnen Protagonistin mit.
Besonders gelungen ist, dass jeder Charakter ein eigenes Kapital hat und die eigentliche Lebensgeschichte der jeweiligen Damen erst beim lang ersehnten Wiedersehen erzählt wird.

Fazit:
„Als das Leben vor uns lag“ von Care Santos ist ein anschaulich beschriebener Roman über das Leben der Frauen ab den 1950er.
Der Spannungsbogen ist gut aufgebaut, jedoch war mir das Ende zu flach. Die Passage des lang ersehnten Wiedersehens erfüllte nicht meine Erwartungen. Die Autorin hätte sicher noch manches Erzählen können.

  • Cover
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 02.07.2018

Auf der Jagd nach Büchern, die die Welt verändern können

Die Bücherjäger
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Zu Zeiten des Konstanzer Konsils im Jahre 1417 begegnen sich vier Menschen die unterschiedlicher nicht sein können. Sie alle sind auf der Jagd nach den Büchern, welche die Welt verändern können und jeder ...

Zu Zeiten des Konstanzer Konsils im Jahre 1417 begegnen sich vier Menschen die unterschiedlicher nicht sein können. Sie alle sind auf der Jagd nach den Büchern, welche die Welt verändern können und jeder der vier sucht die Bücher aus anderen Gründen. Einer von ihnen will die Bücher schützen, einer anderer will seine Macht zurück, ein dritter will Ruhm und Reichtum erlangen und die einzige Dame will Rache.

Mein Eindruck:
Das Cover trifft genau meinen Geschmack. Ich suche die Bücher meistens nach dem Cover aus und hier stimmt einfach alles.

Das Buch liest sich flüssig und der Spannungsboden ist genau richtig. Wenn man erst angefangen hat zu lesen, mag man nicht aufhören. Dazu trägt das faszinierende Spracherlebnis bei. Der Autor jongliert mit den Worten und sehr oft war das Balsam für die Leseseele. Viele Passagen habe ich öfter gelesen, da sie einfach nur genial zu lesen waren.

Beeindruckend ist auch der geschichtliche Hintergrund. Wieder einmal durfte ich beim Lesen etwas über die Vergangenheit lernen. So macht Geschichte einfach nur Spaß. Sehr interessant und anschaulich beschrieben ist, wie zu damaligen Zeiten Bücher und Schriften „kopiert“ wurden. Beeindruckend vor allem, da man einen genauen Einblick in die benötigten Werkzeuge und in die Vorgehensweise des „Kopierers“ bekommt.

Die Charaktere sind gut dargestellt. Auch die verschiedenen Facetten eines Charakters kommen gut zur Geltung. Die tragende Rolle für mich ist einfach Poggio. Alle anderen Charaktere wirken, im Vgl. mit Poggio, leicht blass. Über ihn erfahren wir viel, während zu den anderen Protagonisten einige Fragen offen bleiben.

Poggio ist der Assistent des Papstes Johannes XXIII. Für ihn gehen Bücher über alles. Seinem Freund (Johannes XXIII.) gegenüber ist er stets loyal.

Johannes XXIII (Baldassare) war eigentlich Pirat und schaffte es mit Hilfe Poggios bis zum Papst, bis dieser in Konstanz gestürzt wurde.

Agnes von Mähren ist die Witwe von Jobst von Mähren und schließt sich den beiden an. Sie war mir bis zum Schluss ein Rätsel.

Oswald von Wolkenstein ist ein Mann, der nach Ruhm und Reichtum giert. Um sein Ziel zu erreichen, bittet er den König um Hilfe und bekommt sie auch. Leider nicht so, wie Oswald es eigentlich wollte.

Mein Fazit
Mit „Die Bücherjäger“ von Dirk Husemann durfte ich wieder einen historischen Roman lesen, der mir viele spannende und lehrreiche Lesestunden bescherte. Die Geschichte beginnt rasant und der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten, einige Verschnaufpausen gewährt der Autor einem aber dennoch.

Ich persönlich finde die Figur des Piraten Baldassare, später Papst Johannes XXIII., sehr interessant und hoffe, dass seine Geschichte ein anderes Mal erzählt wird.

Auf jeden Fall hat mich „Die Bücherjäger“ auf Herrn Dirk Husemann aufmerksam gemacht und ich werde sicherlich noch weitere Bücher von diesem Sprachakrobaten lesen.

  • Cover
  • Abenteuer
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Originalität
Veröffentlicht am 09.03.2018

Mathematisches Genie trifft auf Kunst und Krimi

Tulpengold
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Das Amsterdam des Jahres 1636 wird durch Tulpenauktionen und Morden an gut betuchten Herrschaften in helle Aufregung versetzt. In dieser Zeit tritt ein junger Waisenknabe namens Pieter als Lehrling bei ...

Das Amsterdam des Jahres 1636 wird durch Tulpenauktionen und Morden an gut betuchten Herrschaften in helle Aufregung versetzt. In dieser Zeit tritt ein junger Waisenknabe namens Pieter als Lehrling bei Meister Rembrandt seinen Dienst an. Schon bei seiner Ankunft in Amsterdam gibt es den ersten Toten und Pieter lässt dies keine Ruhe, er möchte den Mord zu gerne aufklären. Es stellt sich heraus, dass sein Lehrmeister Rembrandt den Ermordeten als Kunden gehabt hatte und dieser bleibt nicht der letzte Kunde dessen Leben ein jähes Ende haben wird…

Mein Eindruck:
Das Cover passt hervorragend und hat mich gleich angesprochen. Es wirkt mit der Tulpe im Golddesign sehr edel und man erkennt den historischen Charakter des Buches.

Der Schreibstil ist flüssig, spannend von Beginn an und sehr bildlich, mein Kopfkino hatte so ein Vergnügen beim Ausmalen der Szenerie.

Ein großes, dickes Lob geht an die Autorin Eva Völler. Beim Lesen merkt man richtig, wieviel Zeit sie für die Recherche des ganzen Hintergrundwissens investiert hat. Es wird ausführlich beschrieben, wie zu damaligen Zeiten die Farben hergestellt wurden, wie der Tulpenhandel von statten ging und vor allem das mathematische Genie, welches in Pieter steckt, wird genau unter die Lupe genommen.

Zu den Charakteren:
Pieter ist mir ab der ersten Seite ans Herz gewachsen. Seine verschrobene, kluge und naive Art machen ihn einfach sympathisch. Mit klarem Kopf, Disziplin und viel Rechnerei macht er sich daran, die Morde aufdecken zu wollen und gerät dabei selbst in große Gefahr.
Meister Rembrandt ist ein Choleriker durch und durch mit wenig Verstand wenn es um seine finanzielle Lage geht. Dennoch ist er mir sympathisch und ab und an tat er mir sogar leid.
Im Verlauf der Geschichte lernt der Leser viele tolle Charaktere kennen, einige mag man gleich und einige sind einfach unsympathisch. Betrachtet man alle Charakter zusammen, ergeben sie ein „rundes Bild“, welches die Geschichte blühen und wachsen lässt.

Mein Fazit
„Tulpengold“ ist ein historischer Roman in dem der Leser viel Hintergrundwissen erlangt, ohne dabei langweilig und langatmig zu werden. Von Beginn an packt die Geschichte den Leser und man mag das Buch nicht aus der Hand legen.
Mit viel Charme und Herzblut entführt uns die Autorin in eine längst vergangene Zeit und ich hoffe, eines Tages wieder etwas von Pieter & Co. lesen zu können.

  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Atmosphäre