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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2025

Band 1 einer neuen, spritzigen Reihe – Fortsetzung erwünscht!

Time Travellers - Nächster Sprung - Australien!
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Wer glaubt, eine Klassenfahrt in den Odenwald klingt nach Langeweile und Leberwurstbroten, der hat die 6G noch nicht erlebt! In „Time Travellers – Nächster Sprung: Australien!“ wird aus dem vermeintlich ...

Wer glaubt, eine Klassenfahrt in den Odenwald klingt nach Langeweile und Leberwurstbroten, der hat die 6G noch nicht erlebt! In „Time Travellers – Nächster Sprung: Australien!“ wird aus dem vermeintlich öden Schulausflug ein magisches Abenteuer auf der anderen Seite der Welt – inklusive Outback, Kängurus und jeder Menge Chaos.
Ganz plötzlich – zack! – landet die ganze Klasse nicht im Wald, sondern mitten in Australien. Und Referendarin Mayumi? Die macht sich alleine auf einer Insel breit. Das kann doch unmöglich mit rechten Dingen zugehen … oder steckt da vielleicht ein bisschen Zauberei dahinter? Grace und Rio, zwei Kids mit Köpfchen, fangen an zu ermitteln – während der Rest der Klasse die unerwartete Reise so richtig auskostet. Wenn man schon mal versehentlich nach Australien gesprungen ist, kann man ja auch gleich das Beste draus machen, oder?
Der Schreibstil ist locker-leicht, charmant und witzig – man fliegt förmlich durch die Seiten. Die Kapitel sind kurz, oft mit kleinen Zeichnungen geschmückt und enden nicht selten mit einem Cliffhanger, der einen ruft: „Nur noch eins!“ Besonders schön: Die Klasse besteht aus richtig unterschiedlichen Charakteren, die sich wie im echten Leben auch mal anzicken, aber am Ende zusammenhalten – Teamgeist mit Kakadu und Känguru!
Ob Uluru, Kings Canyon oder Sydney – Australien wird so lebendig beschrieben, dass man beim Lesen fast die Sonne auf der Haut spürt (oder den Sand in den Schuhen). Und trotzdem bleibt’s ein Kinderbuch durch und durch: spannend, lustig und manchmal auch ein kleines bisschen magisch.
Eine gute Lektüre für alle ab 10 Jahren!
Fazit:
Ein turbulenter Start in eine neue Abenteuerreihe, die voller Herz, Humor und Fantasie steckt. „Time Travellers“ ist alles andere als langweilige Schullektüre – das ist Lesevergnügen mit Jetlag-Garantie! Wir sind sowas von bereit für den nächsten Sprung … wohin geht’s wohl als Nächstes? 🌍📚✨
Unbedingt lesen – aber Fernwehgefahr ist hoch!

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Witzig und wirklich eine gute Unterhaltung, auch wenn man noch selbst nicht in Rente ist!

Crime im Heim
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Was kommt dabei heraus, wenn eine Horde rüstiger Rentner beschließt, Hamlet aufzuführen, ein Mops auf mysteriöse Weise das Zeitliche segnet und ein pensionierter Zahnarzt zur Obduktionsbesteck-Garnitur ...

Was kommt dabei heraus, wenn eine Horde rüstiger Rentner beschließt, Hamlet aufzuführen, ein Mops auf mysteriöse Weise das Zeitliche segnet und ein pensionierter Zahnarzt zur Obduktionsbesteck-Garnitur greift? Richtig: ein kriminell komisches Abenteuer mit Herz, Hirn – und Hüftgelenkersatz! Ida Tannerts „Crime im Heim“ ist ein Fest für alle, die britischen Humor in deutscher Ausführung lieben, gern mal laut auflachen beim Lesen und keine Angst vor ergrauten Ermittlern haben, die mit Rollator und Restgehirnzellen dem Verbrechen auf die Spur kommen.
Im Zentrum des gepflegten Chaos steht das Seniorenstift »Silberblick«, das mit seinem gut gemeinten Kulturangebot irgendwo zwischen Akkordeonfolter und Bastelhölle angesiedelt ist. Friedhelm, ein abgehalfterter Feuilletonist mit Theaterfaible und galanter Großmanns-Geste, hat genug vom stillen Rentnerdasein. Er will die große Bühne – mit Shakespeare, Pathos und Puderperücke. Unterstützung bekommt er von Katia, Ex-Yogalehrerin, heimliche Herzensdame und baldige Hamlet-Darstellerin in Personalunion mit Miss Marple auf Kamillentee.
Doch bevor der erste Vorhang fällt, fällt der erste Hund: Ophelia, ein Mops mit Bühnenambitionen, segnet auf mysteriöse Weise das Zeitliche. Die Diagnose: Mord durch Projektil – Standesgemäß ermittelt per Zahnspiegel und Aristokraten-Nagelset. Und das ist nur der Anfang. Bald purzeln die Leichen (na gut, es sind nicht so viele), Geheimnisse kommen ans Licht, und die „Grauen Stars“ nehmen die Ermittlungen auf – mit mehr Grips als Gebiss und einer Prise Altersstarrsinn, die Sherlock Holmes vor Neid erblassen ließe.
Tannert (alias Tessa Korber) gelingt hier ein Geniestreich in Sachen Seniorenkrimi: Witzig, schräg, voller Wortakrobatik und mit einem liebevollen Augenzwinkern für all die Marotten, Zipperlein und Eigenheiten des Alters. Zwischen Theaterprobe und Täterjagd wird philosophiert, gezankt, geschmust und geschossen – und das alles mit einer solchen Lebensfreude, dass man das Gefühl hat, im Haus Silberblick steppt der Bär. Oder zumindest der Mops.
Besonders gelungen sind die Dialoge, sie knistern vor Sprachwitz, schräge Bilder und überraschende Bonmots pflastern die Seiten, und selbst die toten Vierbeiner haben mehr Charakter als so mancher Tatort-Kommissar. Die Senioren sind keine Abziehbilder, sondern echte Typen mit Vergangenheit, Ecken und Kanten – und einem gesunden Hang zum Drama, der der Shakespeare’schen Vorlage alle Ehre macht.
Fazit: „Crime im Heim“ ist wie ein spritziger Eierlikör mit Schuss – süffig, warm ums Herz machend und mit einem Nachklapp, der es in sich hat. Wer gern über Mord lacht, Rollatorenrennen spannend findet und Shakespeare in Badeschlappen schätzt, wird dieses Buch lieben. Ein Must-Read für alle Fans von Cosy Crime, gepflegtem Nonsense und der Frage: Was kann im Altersheim schon schiefgehen? Spoiler: Alles. Und das ist großartig so.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Bildinterpretationen auf Japanisch

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Selten so eine Kuriosität in Buchformat in den Händen gehalten. Geschrieben hat es ein Mensch, der sich Uketsu nennt, wer sich dahinter verbirgt, weiß niemand, da diese Person sich nicht zu erkennen gibt. ...

Selten so eine Kuriosität in Buchformat in den Händen gehalten. Geschrieben hat es ein Mensch, der sich Uketsu nennt, wer sich dahinter verbirgt, weiß niemand, da diese Person sich nicht zu erkennen gibt. Dann ist dieser Kriminalroman so aufgebaut, dass Bilder eine sehr zentrale Rolle spielen und die sind auch alle abgedruckt zwischen dem Text.
Ich kann schon mal verraten, dass es mir ganz gut gefallen hat, weil es einfach mal was andere ist mit diesen Bildern zu arbeiten beim Lesen. Sonst sehr japanisch zurückhaltend und leise im Ton. Obwohl es auch zu sehr blutigen und horrormäßigen Szenen kommt.
Dieses durchschimmernde Böse zwischen all den vermeintlich normalen Schichten macht den Roman aus.
Auch die Übersetzung aus dem Japanischen von Heike Patzschke ist sehr zu loben. Liest sich flüssig und gut. Toll fand ich, dass neben den Zeichnungen die Schriftzeichen vom Original erhalten geblieben ist und nur daneben die deutsche Übersetzung stand.
Schwer etwas über den Inhalt zu schreiben ohne zu spoilern. Es beginnt mit einer Vorlesung in der eine Psychologin auf die Kraft der Bilder eingeht und wie bei traumatisierten Menschen das Gezeichnete genau angeschaut werden sollte. Dann gibt es einen Cut und 3 verschiedene Kapitel folgen. Zunächst war ich verwundert, ob das alles einen Sinn erbeben wird und – einziger spoiler – ja, es ergibt einen Sinn. Aber lest selbst!
Fazit: Für alle Krimifans, die gerne mal was anderes lesen und sich mit Hilfe der Bilder auf die Färten begibt!

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Ein Norweger erzählt uns aus dem Jahr 1681 über Leipzig

Die Lungenschwimmprobe
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Tore Renberg legt mit Die Lungenschwimmprobe einen historischen Roman vor, der nicht nur spannend erzählt, sondern auch tief in die Abgründe einer Zeit eintaucht, in der Wissenschaft gegen Aberglauben, ...

Tore Renberg legt mit Die Lungenschwimmprobe einen historischen Roman vor, der nicht nur spannend erzählt, sondern auch tief in die Abgründe einer Zeit eintaucht, in der Wissenschaft gegen Aberglauben, Gerechtigkeit gegen Machtmissbrauch und Menschlichkeit gegen Fanatismus kämpft. Die Geschichte um die junge Anna Voigt, die im Leipzig des Jahres 1681 des Kindsmords beschuldigt wird, ist spannend erzählt und entfaltet sich zu einem vielschichtigen Gesellschaftsbild des 17. Jahrhunderts. Wer an historischen Stoffen interessiert ist, hat hier einen Volltreffer!
Was dieses Buch ausmacht, ist seine kluge Mischung aus historischer Genauigkeit und erzählerischer Kraft. Der Norweger Tore Renberg versteht es, authentische Figuren zum Leben zu erwecken – der fortschrittliche Arzt, der mit seiner bahnbrechenden Methode den Grundstein für die moderne Rechtsmedizin legt, der mutige Anwalt, der gegen alle Widerstände kämpft, und der unbarmherzige Ankläger, der mehr einem Inquisitor als einem Richter gleicht. Doch auch die Nebenfiguren haben Gewicht und machen die Erzählung noch glaubhafter. Besonders gelungen ist die Art, wie er die barocke Welt mit all ihren Widersprüchen und Grausamkeiten einfängt – vom Rechtssystem, das Frauen wie Anna schutzlos zurücklässt, bis hin zur Allgegenwärtigkeit der Kirche, die nicht nur Trost, sondern auch unbarmherzige Kontrolle ausübt.
Das Buch liest sich trotz seiner über 700 Seiten flüssig, denn Tore Renbergs Sprache ist direkt, klar und gleichzeitig voller Atmosphäre. Er vermeidet blumige Übertreibungen und setzt stattdessen auf eine Bildkraft, die das Geschehen fast greifbar macht. Man riecht förmlich den modrigen Kerker, spürt die Kälte der Folterkammer und das beklemmende Gefühl der Ohnmacht, das Anna und viele andere Frauen ihrer Zeit durchleben mussten.
Außerdem ist der Roman sehr gut übersetzt von Karoline Hippe und Ina Kronenberger, wie ich finde, auch wenn ich es mangels Norwegischkenntnissen nur aus Laienperspektive beurteilen kann.
Besonders gelungen ist die Verknüpfung von historischem Geschehen mit emotionaler Tiefe. Hier wird nicht nur ein Prozess erzählt, sondern das Schicksal eines Mädchens, das sich in einer Welt behaupten muss, die ihre Stimme nicht hören will. Und damit wird das Buch auch über seine Zeit hinaus relevant – es zeigt, wie schwer es ist, gegen festgefahrene Strukturen anzukämpfen und wie kostbar jedes bisschen Fortschritt ist.
Sehr gern gelesen.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Land gegen Stadt - nein, viel viel mehr drin in diesem Roman

Hier draußen
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Landleben, Idylle, Naturverbundenheit – so romantisch sich diese Begriffe auch anhören mögen, in Martina Behms Roman "Hier draußen" zeigt sich schnell: Das Dorfleben hat seine eigenen Tücken. Fehrdorf, ...

Landleben, Idylle, Naturverbundenheit – so romantisch sich diese Begriffe auch anhören mögen, in Martina Behms Roman "Hier draußen" zeigt sich schnell: Das Dorfleben hat seine eigenen Tücken. Fehrdorf, ein kleines holsteinisches Dorf, wird für die Großstädter Ingo und Lara Fenske zur Herausforderung. Die Menschen dort wissen, wo sie hingehören – nur die Neuzugezogenen straucheln. Und als Ingo auf dem Heimweg einen weißen Hirsch anfährt, geraten Aberglauben, Traditionen und die gut gehüteten Geheimnisse der Dorfbewohner ins Wanken.
Martina Behm bringt mit feinem Humor und einem messerscharfen Blick für Details das Spannungsfeld zwischen Stadt und Land auf den Punkt. Ihre Figuren sind keine Klischees, sondern vielschichtig und lebendig. Besonders beeindruckend ist, wie sie verschiedene Perspektiven einnimmt: Mal erleben wir eine Szene durch die Augen eines Jungbauern, für den eine Rinderflucht vor allem peinlich ist, mal aus Sicht der wortkargen Landbewohner oder der überforderten Neuankömmlinge. Diese erzählerische Dynamik hält das Buch spannend und sorgt für eine außergewöhnliche Lebendigkeit.
Ein besonderes Highlight ist die atmosphärische Dichte: Staubige Landstraßen, schwere Landmaschinen, der weiße Passat der Fenskes – die Bilder, die die Autorin zeichnet, lassen mich mitten ins Geschehen eintauchen. Dazu kommt ihre schnörkellose, pointierte Sprache, die das Buch zu einer echten Leseperle macht. Besonders gelungen ist auch, wie sie die ungeschönte Realität des Landlebens zeigt: das harte Dasein der Landfrauen, die Herausforderungen der Landwirtschaft und die Frage, was "Bio" wirklich bedeutet.
"Hier draußen" ist ein Roman, der viel mehr ist als nur eine Stadt-gegen-Land-Geschichte. Er ist scharf beobachtet, klug erzählt und wunderbar unaufgeregt in seinem Humor. Wer literarische Unterhaltung ohne Kitsch und Klischees sucht, wird an diesem Buch große Freude haben. Und nach dem letzten Satz bleibt nur eine Frage: Wann kommt mehr von Martina Behm?

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