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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2019

Die ewig fremde Russin

Die Leben der Elena Silber
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Ich habe just die letzten Seiten inhaliert und tada! Alexander Osang steht auf der Longliste für den Deutschen Buchpreis 2019. Und hier mit diesem Roman muss man in doppelter Hinsicht sagen: ER steht ...

Ich habe just die letzten Seiten inhaliert und tada! Alexander Osang steht auf der Longliste für den Deutschen Buchpreis 2019. Und hier mit diesem Roman muss man in doppelter Hinsicht sagen: ER steht auf der Longliste, denn sein Roman erzählt auch seine Familiengeschichte. Klar, es ist ein Roman, aber Alexander Osang ging auf eine Reise seine eigene Vergangenheit zu ergründen und hat es in diesem Roman „Das Leben der Elena Silber“ aufgearbeitet. Ein fiktiver Roman, der als Grundlage seine eigene Geschichte hat und die startet mit der echten Begebenheit, dass sein Urgroßvater zu Tode kommt. Danach ergeben sich durch die Großmutter, also hier im Roman (J)elena, Parallelen, aber die Geschichte selbst ist erfunden.
Es beginnt mit diesem schon erwähnten dramatischen Auftakt, da kommt der revolutionäre Großvater Anfang des 20. Jahrhunderts östlich von Moskau zu Tode. Die Tochter Jelena, wächst in ärmlichen und kargen Verhältnisse auf. Flieht dann aus Kalkül in die Arme des Deutschen Robert Silber, der eine Textilfabrik aufbaut. Im weiteren Verlauf kommt sie nach Deutschland, zunächst mit den Nazis an der Macht. Letztendlich landet sie in Ostdeutschland.
Hab ich zu viel verraten? Nein! Das Buch macht nicht die Fakten aus, sondern wie die Geschichte erzählt ist und wie Elena sich in der Welt zurechtfindet und wie diese Familie über Generationen hinweg noch aus dieser harten Grundkonstellation besteht und wie Elena eine immer Fremde bleibt.
Alexander Osang sagt über dieses Buch selbst, dass es das privateste ist, was er bisher schrieb. Wo doch die anderen Romane eher Vergangenheitsbewältigungen der deutschen Wendeerfahrungen waren, ergründet er hier seine Familie.
Ich bin gespannt – ob er seiner Preissammlung (u.a. Theodor-Wolff-Preis) den Deutschen Buchpreis dieses Jahr hinzufügen kann.
Fazit: Ein wahres Epos über Generationen hinweg mit dem wir die russische Seele wieder ein bisschen besser verstehen.

Veröffentlicht am 19.08.2019

Ein uncharmanter Alter - aber gut zu lesen mit einem Schmunzeln!

Otto
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Ein Thema das uns alle betrifft, denn die Gesellschaft wird immer älter und unsere Eltern werden in der Regel nicht flexibler mit steigenden Lebensjahren. Daher eine gute Perspektive sich diesem Thema ...

Ein Thema das uns alle betrifft, denn die Gesellschaft wird immer älter und unsere Eltern werden in der Regel nicht flexibler mit steigenden Lebensjahren. Daher eine gute Perspektive sich diesem Thema überspitzt fiktiv zu nähern!
Dana von Suffrin legt mit ihrem Debüt “Otto” eine Familiengeschichte vor die sich um den patriarchischen Vater kreist: Otto.
Otto hat zwei unglückliche Töchter, ist Ingenieur, gebürtiger Rumäne und „Herr über ein Reihenhaus“. Die Geschichte wird aus der Sicht seiner Lieblingstochter Timna erzählt. Otto landet im Krankenhaus und besteht auf familiärer Betreuung. Nach dem Aufenthalt wird er nicht sanftmütiger, nein, es wird noch schlimmer! Der störrische Alte bekommt eine „Mitbewohnerin“, die sich um den Haushalt kümmern soll. Organisiert natürlich von den eigenen Kindern, damit das Leben für sie wieder in normale Bahnen gelenkt wird. Valli heißt die Invasion! Da sind die Gewitter vorprogrammiert. Herrlich liest sich dieser Text. Diesen Roman muss man mit einer saftigen Portion Galgenhumor nehmen! Der patzige Alte wird herrlich portraitiert. Wahrlich ein alter Dickkopf, der seine Gedanken unreflektiert herausposaunt. Das Otto einmal ein weitsichtiger Mann war, scheint verloren gegangen. Oder ist er doch noch tief in seinem Kern vorhanden?
Der Schreibstil von Dana von Suffrin ist erfrischend und leicht zu lesen.
Fazit: Ein Thema das uns alle betrifft, denn die Gesellschaft wird immer älter und unsere Eltern werden in der Regel nicht flexibler mit steigenden Lebensjahren. Daher eine gute Perspektive sich diesem Thema überspitzt fiktiv zu nähern!

Veröffentlicht am 16.08.2019

Ein amerikanisch-vietnamesischer Lyrik-Roman

Auf Erden sind wir kurz grandios
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Was für einen Schatz ich geborgen habe, merke ich bei Büchern erst, wenn ich es zuklappe und eine Wehmut sich in mir breit macht, dass es leider schon wieder zu Ende ist. Und einen solchen Schatz habe ...

Was für einen Schatz ich geborgen habe, merke ich bei Büchern erst, wenn ich es zuklappe und eine Wehmut sich in mir breit macht, dass es leider schon wieder zu Ende ist. Und einen solchen Schatz habe ich mit dem Debüt von Ocean Vuong geborgen! Sein Roman "Auf Erden sind wir kurz grandios“ ist eine Perle in diesem Bücherjahr. Vor allem weil es so anders ist als viele andere Romane. Übrigens ist der Romantitel, den ich grandios finde, auch der Titel eines seiner Gedichte.
Er schreibt klar- leise Töne mit hohem Einschlag. Die poetische Prosa trifft einen mit voller Wucht, wie eine Welle die man kaum abwarten kann und dann haut sie einen doch um und man sitzt im Sand. So fühlt sich dieser Text an.
Ocean Vuong verarbeitet seine eigenen Erfahrungen als Einwanderungskind aus Vietnam in die USA mit diesem Roman. Ein fiktiver Charakter schreibt seiner Mutter, die nicht lesen kann, einen Brief um seine Erlebnisse zu verarbeiten. Die Kombination aus Liebe und Leid, diese Gradwanderung beschreibt er sehr gut. Die Geschichte wird erzählt, aber Ocean Vuong behält viel Raum für eigene Gedanken des Lesers bereit. Auch merkt man dem Roman sehr stark an, dass Ocean Vuong in erster Linie Lyriker ist und dann erst Schriftsteller – oder macht er eine neue Dimension auf mit diesem Roman?
Mich hat der Roman überzeugt, daher wünsche ich dem Roman viele Leser! Aber ich rate nur zum Roman, wer auch gerne Lyrik liest.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Verbindet spannend die Welten

Die geheime Mission des Kardinals
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Für mich einer DER Autoren unserer Zeit, ein Kosmopolit, ein Weltbürger, ein Erzählkünstler mit Meinung und Haltung: Rafik Schami!
Ich habe ihn einmal live erleben dürfen und habe seitdem seine Stimme ...

Für mich einer DER Autoren unserer Zeit, ein Kosmopolit, ein Weltbürger, ein Erzählkünstler mit Meinung und Haltung: Rafik Schami!
Ich habe ihn einmal live erleben dürfen und habe seitdem seine Stimme von dieser Lesung und dem daran angeknüpften Interview im Ohr. Ich erwähne es nur, da es meine Art seine Romane zu lesen massiv beeinflusst hat. Ich lese seine Roman förmlich mit seiner Stimme im Kopf. Seine sehr spezielle ruhige Taktung und sein Akzent, wunderbar!
Zum Roman, der neuste Roman „Die geheime Mission des Kardinals“ verbindet seine reiche Erzählkunst wieder einmal mit einer überzeugend guten Geschichte.
Wir werden nur ein paar Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, Damaskus 2010, Vorkriegszeit. Die Leiche eine Kardinals wird in einem Ölfass an die italienische Botschaft geliefert –der Schreck ist groß. Wir lernen den syrischen Kommissar Barudi vor Ort kennen, der bald unterstützt wird von Mancini aus Rom. Die beiden gehen auf die Suche warum der Kardinal sein Leben lassen musste.
„Die geheime Mission des Kardinals“ ist spannend, geheimnisvoll und mit so viel Menschenkenntnis geschrieben, dass ich als Leser immer das Gefühl hatte die Charaktere förmlich vor Augen zu haben.
Klar, dieser Roman von Rafik Schami ist kein schmaler Roman und auch mit ausführlichen Beschreibungen geschmückt. Das führt zu diesem Schwergewicht mit über 400 engbedruckten Seiten. Daher rate ich nur zu diesem fast märchenhaft erzähltem Roman nur, wenn man als Leser gerne in eine andere Welt eintauchen und sich gerne vom dem Text tragen lassen. Es ist schon ein Roman zu dem man sich Zeit nehmen sollte um viele Seiten am Stück zu lesen, sonst kommt man nicht in den Lesefluss und in der Geschichte an.

Fazit: Ein spannender Roman der die Welten verbindet und zugleich unterhaltsam ist!

Veröffentlicht am 05.08.2019

Auf die Barrikaden!

Deutschland verdummt
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Wie kann es sein, dass in einem so reichen und demokratischen Land wie es Deutschland der Bildungszustand unserer Kinder und Jugendlichen stätig schlechter wird?
Das Sachbuch „Deutschland verdummt“ von ...

Wie kann es sein, dass in einem so reichen und demokratischen Land wie es Deutschland der Bildungszustand unserer Kinder und Jugendlichen stätig schlechter wird?
Das Sachbuch „Deutschland verdummt“ von Michael Winterhoff stellt auf knappen 200 Seiten in einfacher Sprache die momentane Situation dar und welche Fehlentwicklungen in den letzten 20 Jahren stattgefunden haben.
Da Michael Winterhoff Kinder- und Jugendpsychater ist, hat er durch seine tägliche Arbeit einen etwas anderen Blickwinkel auf die Schüler und stellt die unentwickelte Psyche vieler Kinder in den Fokus und die dadurch entstehende Unfähigkeit sich zu einem selbstbestimmten Erwachsenen zu entwickeln. Daraus entwickelte sich eine Abwärtsspirale. Denn anstatt die Kinder in ihrer psychischen Entwicklung durch echte Lehrer- bzw. Erzieherbindungen noch zu entwickeln werden sie durch offene Konzepte eher alleine gelassen. Schüler vermissen die Beziehung, Aussagen haben keinen Affekt und die Kinder sind letztendlich orientierungslos.
Michael Winterhoff gibt uns einen Einblick in die Bildungspolitik und dem täglichen Arbeiten in den Schulen. Zeigt zugleich aber auch Lösungsansätze auf wie man der Entwicklung entgegenwirken könnte. Gut strukturierte Kapitel beleuchten einzelne Aspekte aufgelockerte mit ehrlichen Interviews.
Mich hat besonders die aktuelle Bildungspolitik sprachlos gemacht. Er deckt widersprüchliche Anforderungen und Vorgaben auf. Er prangert an, dass die Bildung in Deutschland ideologischen Ideen folgt und nicht wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Zielgruppe? Alle! Eltern, Lehrer, Erzieher, Politiker. Alle, die auch weiterhin an einer funktionierenden Gesellschaft in Deutschland interessiert sind.

Fazit: Mein elterliches Bauchgefühl wurde mit diesem Buch bestätigt. Ich werde mich wo es mir möglich ist einbringen und mich nicht abspeisen lassen. Es geht um die Zukunft aller Kinder in diesem Land, die uns ALLEN eine Weiterentwicklung ermöglicht. Leistung muss wieder ein positiver Begriff werden und keine Last.