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Veröffentlicht am 11.03.2026

Über Freundschaften und das Frau-Werden

Zum ersten Mal
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Tolles Buch! Ich kannte den Podcast vorher nicht und bin nur über Vorablesen auf dieses Buch gestoßen – und war positiv überrascht. Obwohl die beiden selbst sagen, dass es eine Geschichte ist, die auch ...

Tolles Buch! Ich kannte den Podcast vorher nicht und bin nur über Vorablesen auf dieses Buch gestoßen – und war positiv überrascht. Obwohl die beiden selbst sagen, dass es eine Geschichte ist, die auch viele andere hätten aufschreiben können, liegt vielleicht genau darin der Charme, die Ehrlichkeit und die Wucht dieses Buches.
Der Prozess des Erwachsenwerdens ist für viele nicht leicht. Gerade die Themen, mit denen Frauen in dieser Zeit konfrontiert sind, machen ihn oft noch komplizierter. Im Buch geht es um die erste Blutung, um Scham, um sexuelle Gewalt, um Männer und darum, wie viele Irrwege es auf diesem Weg geben kann – und wie vieles davon leichter wird, wenn man es teilt. Ein Appell, das Schweigen und das Stigma zu brechen, damit die (kollektive) Scham kleiner und kleiner wird.
Es ist ein Buch, das Frauen in den Fokus nimmt und ihre Realität abbildet. Vor allem macht es eines sehr deutlich: wie wichtig Freundschaften sind. Wie sehr uns andere Frauen tragen können und wie viel Empathie, Wertschätzung und Zuneigung in diesen Verbindungen liegt.
Mich hat das Buch von der ersten Seite an berührt. Es war sehr angenehm zu lesen – ein bisschen so, als würden die beiden neben einem bei einem Aperol Spritz sitzen und ihre Geschichten erzählen. Und an manchen Stellen gab es auch ein wenig Heilung. Heilung, weil es so vielen anderen auch so geht oder ging – und weil man es trotzdem irgendwie schafft.
Danke an euch beide, dass ihr diese so persönlichen Geschichten teilt. Ihr habt auf jeden Fall eine neue Leserin (und vielleicht auch Podcast-Hörerin) dazugewonnen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Unerwartet unbefriedigend und gleichzeitig sehr reflektiv.

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich, die ich Männer nicht kannte ist nicht nur eine Reise auf einen anderen Planeten und in eine andere Zeit, sondern vor allem eine Reise zu den grundlegenden Fragen, die in uns allen schlummern: Was ...

Ich, die ich Männer nicht kannte ist nicht nur eine Reise auf einen anderen Planeten und in eine andere Zeit, sondern vor allem eine Reise zu den grundlegenden Fragen, die in uns allen schlummern: Was bedeutet es eigentlich, Mensch zu sein?

Durch die Augen der Protagonistin entdecken wir eine Welt, in der zwar alles vorhanden ist, was man zum Überleben braucht – Luft zum Atmen, Essen und ein Dach über dem Kopf – und doch das Wesentliche fehlt: Verbundenheit. Die Erzählerin wächst mit 39 anderen Frauen in Gefangenschaft auf, ohne Eltern, ohne Privatsphäre und ohne jede Form von körperlicher Nähe. Berührungen sind verboten, Zuneigung ebenso. Gleichzeitig sind die Frauen auch aller Errungenschaften unserer Zeit beraubt – Bildung, Kultur, angemessene Kleidung.

Selbst nachdem die Protagonistin der Gefangenschaft entkommt, fühlt sich das nicht wie eine erkämpfte Freiheit an. Vielmehr ist es ein weiteres Anpassen an eine neue, fremde Realität. Besonders berührend fand ich, dass sie erst sehr spät erkennt, dass selbst sie – die ohne Bindung, Zuneigung und Nähe aufgewachsen ist – doch fähig war zu fühlen:

“I was forced to acknowledge too late, much too late, that I too had loved, that I was capable of suffering, and that I was human after all.”

Und vielleicht liegt genau darin die Antwort auf die zentrale Frage des Buches: Mensch sein heißt fühlen zu können. Freude ebenso wie Leid – und darin mit anderen verbunden zu sein.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: klar, ruhig und gleichzeitig unglaublich eindringlich. Auch der Spannungsbogen bleibt über das ganze Buch hinweg bemerkenswert stark, obwohl die Geschichte eher von Gedanken und Beobachtungen lebt als von klassischer Handlung.

Viele Fragen bleiben am Ende offen – warum das alles passiert ist, wo diese Welt liegt, was mit der Menschheit geschehen ist. Das kann frustrierend sein, und auch ich hätte mir an manchen Stellen mehr Antworten gewünscht. Gleichzeitig ist genau dieses offene Ende vielleicht der stärkste Kniff des Romans: Denn so wie die Protagonistin müssen auch wir akzeptieren, dass wir nicht immer Antworten bekommen. Oft leben – und sterben – wir, ohne alle Fragen klären zu können.

Mich hat das Buch jedenfalls tief berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Eine denkwürdige Reise durch die Welt der Sprache und Mathematik

Schleifen
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Zu Beginn wusste ich nicht, was ich von diesem Roman halten sollte, und selbst nach der letzten Seite blieb die Frage: Ist das wahnsinnig intelligent oder einfach nur wahnsinnig? Am Ende habe ich beschlossen, ...

Zu Beginn wusste ich nicht, was ich von diesem Roman halten sollte, und selbst nach der letzten Seite blieb die Frage: Ist das wahnsinnig intelligent oder einfach nur wahnsinnig? Am Ende habe ich beschlossen, dass es wohl beides ist – und genau darin liegt seine Stärke.

Sprachlich ist Schleifen ein faszinierendes Experiment. Hirschl macht Sprache nicht nur zum Thema, sondern zum strukturellen Prinzip des Romans. Sie ist hier kein neutrales Transportmittel von Bedeutung, sondern eine Kraft mit realen Konsequenzen. Franziskas Krankheit – die Fähigkeit, Symptome zu übernehmen, von denen sie liest oder hört – wirkt zunächst wie eine bizarre Idee, verliert jedoch schnell ihre rein medizinische Dimension. Sie wird zum literarischen Beweisstück dafür, dass Sprache Wirklichkeit erzeugt.

Je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher verschiebt sich der Fokus: Es geht nicht mehr um Krankheit im engeren Sinn, sondern um die Macht der Begriffe, um Diskurse, um Konstruktion. Sprache infiziert, strukturiert, verformt. Und genau hier entfaltet der Roman seine verstörende Aktualität. In Zeiten von Fake News, algorithmischer Echokammern und polarisierenden Wahlkämpfen liest sich dieses Buch wie ein intellektueller Stresstest: Was ist Fakt, was ist Behauptung, was ist bloße rhetorische Simulation von Wahrheit?

Immer wieder musste ich beim Lesen austarieren, ob der Text mich bewusst in die Irre führt oder ob er mir einen philosophischen Kern präsentiert. Diese Ambiguität ist kein Nebeneffekt, sondern spielt sich auf mehreren Ebenen ab: erzählerisch, essayistisch, meta-reflexiv. Er spielt mit wissenschaftlichen Anmutungen, mathematischen Exkursen und sprachphilosophischen Gedankengängen, ohne je ganz preiszugeben, ob wir uns noch im Feld der Erkenntnis oder bereits im Reich der Konstruktion befinden.

Gerade diese Doppelbewegung – zwischen intelligenten Gedankenausflügen und absurder Überzeichnung – macht das Leseerlebnis so intensiv. Das Buch ist unterhaltsam und anstrengend zugleich. Es ist witzig, teilweise urkomisch in seinen sprachlichen Volten, und gleichzeitig erschreckend präzise in seiner Analyse diskursiver Mechanismen. Man liest nicht einfach eine Geschichte, sondern bewegt sich durch gedankliche Schleifen, die das eigene Denken spiegeln und infrage stellen.

Für mich ist Schleifen ein Roman, wie ich ihn bislang nicht gelesen habe. Intelligent und absurd, fordernd und faszinierend. Er richtet sich an Alle die bereit sind, sich auf eine Metaebene einzulassen – auf ein Nachdenken über Sprache selbst, über ihre Macht und ihre Gefährlichkeit.

Am Ende bleibt ein Gedanke, der lange nachhallt: Vielleicht sind selbst die vermeintlichen Grundmauern unserer Gedankenwelt keine festen Strukturen, sondern bewegliche Konstruktionen. Vielleicht ist selbst Mathematik nicht der letzte sichere Hafen, sondern ebenfalls ein philosophisch aufgeladener, mitunter prekärer Raum. Und vielleicht wissen wir tatsächlich weniger, als wir glauben – und erzählen uns die Welt nur so, wie sie uns gerade passt.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Zart, langsam, atmend.

Halber Stein
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Halber Stein ist ein sehr zartes, langsames Buch. Eine Geschichte, die sich in der Natur entfaltet und Leser*in wie auf einem leichten Windhauch durch die Geschichte trägt. Das Buch handelt von Fragen ...

Halber Stein ist ein sehr zartes, langsames Buch. Eine Geschichte, die sich in der Natur entfaltet und Leser*in wie auf einem leichten Windhauch durch die Geschichte trägt. Das Buch handelt von Fragen wie Ankommen, Heimat und Identität. Davon, was wir aufgeben und zurücklassen, wenn wir gen Zukunft gehen, aber auch davon, dass wir bei aller Progression auch zurückblicken dürfen und dort - im Zurück - etwas auf uns warten kann. Die Protagonistin steht vor der Frage der Integration dieser beiden Anteile: der Vergangenheit, ihrer Herkunft, einen Teil, den sie lange ignoriert hat und der Zukunft. Ausgelöst durch einen traurigen Umstand reist sie zusammen mit ihrem Vater zu diesem Teil und stellt sich all den Fragen. Konfrontiert mit der Vergangenheit erleben wir mit der Protagonistin genau diese Auseinandersetzung.

Halber Stein hat mir sehr durch seine Ruhe gefallen und durch die Sanftheit, mit der ich durch die Geschichte geführt wurde. An vereinzelten Stellen ist es mir etwas schwer gefallen, mich auf die Geschichte einzulassen, aber im Großen und Ganzen hat mich der Roman sehr überzeugt. Eine Empfehlung für alle, die ruhige, tiefe Geschichten mögen und sich gerne auf malerische Szenen und Reflexionsmomente einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Starke Frauen in der Generationenperspektive

Niemands Töchter
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Niemands Töchter hat mich schon aufgrund seines Covers und Titel angesprochen und auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Obgleich es viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel gab, hatte ich das Gefühl, ...

Niemands Töchter hat mich schon aufgrund seines Covers und Titel angesprochen und auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Obgleich es viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel gab, hatte ich das Gefühl, eine stringente Geschichte zu lesen und quasi mit den Protagonistinnen die Geschichten aufzuarbeiten. Mir hat der transgenerationale Aspekt der Geschichte ausgesprochen gut gefallen und auch die Zusammenführung im psychotherapeutischen Setting - das ich ebenfalls erstaunlich gelungen fand. Die Sprache der Autorin ist klar und expressiv und hat in mir eine gelungene Identifikation mit den Protagonistinnen geweckt. Ebenfalls angesprochen hat mich, wie gelungen subtil und "selbstverständlich" das Thema psychische Gesundheit/Neurodiversität Einzug in die Geschichte gehalten hat.
Eine klare Empfehlung für Fans von tiefergehenden, transgenerationalen Geschichten mit starken Frauenfiguren und Reflexion zum Thema "Mutter". Für mich schon ein Highlight des Jahres.

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