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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2026

Authentisch

Herz König
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"Herz König" ist der erste Roman, den ich von Lily King lese und mir wurde klar, wieso ihre Romane so beliebt sind. Die Geschichte ist knapp, knackig geschrieben, ohne viel Dramatisierung und trotzdem ...

"Herz König" ist der erste Roman, den ich von Lily King lese und mir wurde klar, wieso ihre Romane so beliebt sind. Die Geschichte ist knapp, knackig geschrieben, ohne viel Dramatisierung und trotzdem tiefgründig und von einer starken Ambivalenz charakterisiert. In nur 222 Seiten durchleben wir eine (Liebes-)Geschichte, die sich durch ein ganzes Leben einer Person zieht - gleichermaßen Liebesgeschichte und Entwicklungsroman.
Mit sehr viel Authentizität zeichnet King die Entwicklung einer jungen Frau, die später in ihrem Leben mit den Entscheidungen ihrer Jugend konfrontiert ist, ohne daraus eine eindeutige Moralgeschichte entstehen zu lassen. Der Fokus liegt weniger darauf, ob die Hauptperson etwas richtig oder falsch gemacht hat, sondern darauf, welche unterschiedlichen Wege das Leben für uns bereithält und wie die Menschen unser Leben nachhaltig prägen.
Der Roman zeugt von einer beeindruckenden Ehrlichkeit und Rohheit, die mir das Gefühl gegeben haben, dass die Autorin biographisch sehr viel in die Geschichte hat einfließen lassen.
Ich kann nicht genau den Finger darauf legen, aber der Roman hat mich berührt und gefesselt und hallt noch nach. Die Rohheit von Liebe, die schweren Entscheidungen in der Jugend und gleichzeitig die Erkenntnis, dass ein erfülltes Leben nicht davon abhängt, ob wir "die richtigen Entscheidungen" getroffen haben, machen dieses Buch für mich besonders.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Tiefgründige Einblicke

John of John
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„John of John“ gibt einen tiefen Einblick in das Leben zweier homosexueller Männer auf den Äußeren Hebriden, einer abgelegenen schottischen Inselwelt, auf der die „Moderne“ noch keinen wirklichen Einzug ...

„John of John“ gibt einen tiefen Einblick in das Leben zweier homosexueller Männer auf den Äußeren Hebriden, einer abgelegenen schottischen Inselwelt, auf der die „Moderne“ noch keinen wirklichen Einzug gehalten zu haben scheint. Douglas Stuart zeichnet das Bild zweier Männer, die zwischen religiösen Dogmen, Armut, harter Arbeit und emotionaler Sprachlosigkeit gefangen sind. Die Atmosphäre erinnerte mich stellenweise an Hugos „Die Elenden“ sowie Brontes "Sturmhöhe": Hoffnungslosigkeit, Gewalt und unterdrückte Sehnsüchte prägen den Alltag vieler Figuren.

Besonders berührend fand ich, wie Stuart die innere Zerrissenheit seiner Charaktere beschreibt. Vieles wirkt sehr persönlich und authentisch, als würde der Autor eigene Erfahrungen und Beobachtungen einfließen lassen. Dabei erzählt er nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch von generationsübergreifender Einsamkeit und dem Druck traditioneller Männlichkeitsbilder.
Die beiden Johns verbindet die Sehnsucht nach Freiheit und Nähe, gleichzeitig aber auch die Unfähigkeit, sich wirklich von dem zu lösen, was vertraut und gesellschaftlich akzeptiert ist. Der eine hält trotz Wollallergie und dem langsamen Sterben des Tweed-Handwerks an seiner Arbeit fest, der andere scheint emotional auf der Insel gefangen zu sein, obwohl er sich nach einem anderen Leben sehnt.

Ein Buch, was mich trotz der Länge gefesselt und nicht losgelassen hat und mich einmal mehr zum reflektieren gebracht hat.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Starke Frauen

Die Liebeshungrigen
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Das Buch Die Liebeshungrigen hat mich ziemlich überrascht. Aus verschiedenen Perspektiven erhalten wir einen Einblick in die Lebensrealität von Frauen im Umfeld mächtiger Männer – und darin, wie destruktiv ...

Das Buch Die Liebeshungrigen hat mich ziemlich überrascht. Aus verschiedenen Perspektiven erhalten wir einen Einblick in die Lebensrealität von Frauen im Umfeld mächtiger Männer – und darin, wie destruktiv diese Realität auch heute noch sein kann.
Ich hatte zunächst erwartet, dass das Buch stärker die Auswirkungen der Medienwelt thematisiert. Stattdessen habe ich es als eine feministische Erzählung darüber gelesen, was Macht mit Menschen macht: mit Männern, die sie besitzen, mit Frauen, die unter ihr leiden, und mit Kindern, die ihr ausgesetzt sind.
Es ist ein großartiger Gesellschaftsroman mit einer beeindruckenden Vielschichtigkeit. Die Perspektivwechsel zwischen den Figuren fand ich sehr gelungen und überhaupt nicht anstrengend. Vielmehr fühlte es sich an, als würde man verschiedene Fragmente zusammensetzen, um nach und nach das große Ganze zu erkennen.
Besonders beeindruckt hat mich außerdem der Schreibstil der Autorin. Mit großer Sensibilität und sprachlicher Präzision gelingt es ihr, die Lebensrealitäten ihrer Figuren greifbar zu machen. Ich konnte mich sehr gut in die unterschiedlichen Charaktere hineinversetzen und ihre Gedanken, Ängste und Konflikte nachvollziehen.
Für mich ist Die Liebeshungrigen ein kluger, bewegender und hochaktueller Roman, der lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Impulsgebend

Wenn es besser ist zu gehen
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r. Welding hat mit diesem "Ratgeber" (oder vielmehr Einladung zur Selbstreflexion) eine impulsgebende, aber auch augenöffnende Lektüre geschaffen, die einlädt, sich in verschiedenen Stadien der eigenen ...

r. Welding hat mit diesem "Ratgeber" (oder vielmehr Einladung zur Selbstreflexion) eine impulsgebende, aber auch augenöffnende Lektüre geschaffen, die einlädt, sich in verschiedenen Stadien der eigenen Beziehungssituation mit sich selbst, seinen Bindungsstilen, seinen Gefühlen und seinem Gegenüber auseinanderzusetzen.

Klar wissenschaftlich fundiert und sehr praxisnah zeichnet Dr. Welding das komplexe System, dass dazu führt, dass Menschen auch in unbefriedigenden Beziehungen lange verweilen. Eine große Kunst einen so komplexen Sachverhalt so anschaulich darzustellen, ohne wichtige Elemente zu vernachlässigen.

Als sehr hilfreich habe ich die vielen Einladungen zur Selbstreflexion empfunden und auch den letzten Teil zu "Was kann ich tun" der einen gleichsam interventionellen als auch präventiven Charakter hat. Auch wenn das Buch sicherlich keine Paartherapie ersetzt, kann ich mir gut vorstellen, wie es ein erster Impulsgeber im Veränderungsprozess sein kann. Sei es vor, während oder nach einer Beziehung.

Eine Empfehlung für Alle, die sich mit der eigenen Beziehungsfähigkeit und den eigenem Bindungsverhalten auseinandersetzen möchten oder einfach Interesse an der Komplexität menschlichen Zusammenlebens haben.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Spannend, toxisch, fesselnd.

Ultramarin
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Ein sehr fesselnder Roman über eine toxische Beziehung, die sich in ein Drama mit krassem Höhepunkt steigert. Sprachlich schafft es die Autorin sehr gut, Spannung aufzubauen, sodass man das Buch gerne ...

Ein sehr fesselnder Roman über eine toxische Beziehung, die sich in ein Drama mit krassem Höhepunkt steigert. Sprachlich schafft es die Autorin sehr gut, Spannung aufzubauen, sodass man das Buch gerne in einem Rutsch durchlesen würde. Etwas schwierig habe ich persönlich die vielen Zeitsprünge empfunden, die für mich etwas den Lesefluss gestört haben. Auch fand ich die Charaktere teilweise etwas oberflächlich ausgestaltet, sodass ich nicht immer deren Verhaltensweisen folgen konnte. Da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, gerade weil die Charaktere so viel psychologisch spannende Themen bereitgehalten haben.
Dagegen fand ich die toxische Beziehungsdynamik zwischen den Protagonisten sehr gut ausgearbeitet: Manchmal war es richtig schwer auszuhalten und es gab einen Konflikt zwischen dem Bedürfnis "schnell weiterlesen zu wollen" und "das Buch erstmal für sehr lange auf Seite legen". Und auch die Wendung am Schluss kam für mich sehr gelungen.
Ich würde das Buch jeder*m empfehlen, die sich auf einen spannenden Read freuen, der als Abwechslung mal queere Beziehungen in den Fokus nimmt.

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