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Veröffentlicht am 26.01.2025

Erschütterndes Familiendrama, tiefenpsychologische Gespräche

Mutterlüge
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Ruth ist seit über zwanzig Jahren mit Leib und Seele Therapeutin in der Traumatherapie. Sie hat eine ganz besondere Art, auf ihre schwer traumatisierten Patienten einzugehen und diese im besten Fall vor ...

Ruth ist seit über zwanzig Jahren mit Leib und Seele Therapeutin in der Traumatherapie. Sie hat eine ganz besondere Art, auf ihre schwer traumatisierten Patienten einzugehen und diese im besten Fall vor einem Suizid zu bewahren. Leider gelingt es ihr nicht, ihr Privatleben genauso aufrecht zu erhalten. Ihre Zwillinge sind mittlerweile 17 Jahre alt. Ihre Tochter Carolyn ist eigenständig und will die Welt entdecken. Ihr Sohn Tom ist seit gut einem Jahr spurlos verschwunden, was letztendlich auch zum Ende ihrer Ehe mit David geführt hat. Als mit Dan ein neuer Patient auftaucht, der Tom zum Verwechseln ähnelt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Obwohl es gegen ihren Kodex verstößt, behandelt Ruth ihn anders als andere Patienten. Voller Verzweiflung und Trauer um ihren verschwundenen Sohn begeht sie Handlungen, die sie noch bitter bereuen wird…

Zu Beginn der Story erfahren wir zunächst sehr viel über Ruth und ihre Familie. Die Geburt der Zwillinge, ihre starke Mutterliebe, die auch mit einer Art Abhängigkeit verbunden ist. Speziell zu ihrem Sohn Tom hat Ruth eine derart innige Verbindung, dass sie ihre therapeutischen Ansätze gerne mal außer Acht lässt und genau das tut, wovon sie ihren Patienten fachmännisch abraten würde. Deshalb fühlt sie sich auch zu Dan besonders hingezogen. Dieser hat wenig Liebe von seiner Familie erfahren und trifft Ruth damit mitten ins Herz. Für mich war es absolut nachvollziehbar, dass sie ihren Beruf vergisst und die Mutterrolle übernimmt. Gerade in ihrer aktuellen Lebenssituation ist sie gebrochen, hilflos und sehnt sich nach Nähe und Zuneigung.

Der Schreibstil von Bev Thomas ist mitreißend und voller Emotionen. Dabei spannt die Autorin ihre Leser ganz schön lange auf die Folter, bevor sie endlich mit den Geschehnissen rund um das Verschwinden von Tom herausrückt. Aber das empfand ich gar nicht schlimm, denn allein die Gespräche zwischen Ruth und ihren Patienten haben mich in einen solchen Sog gezogen, dass Tom damit fast zur Nebensache für mich geworden ist.

Mit dem Schlussteil war ich leider nicht so ganz zufrieden. Vom Inhalt her passend, aber bei mir blieben noch ein paar Fragen offen, die ich mir einfach beantwortet gewünscht hätte. Trotz allem rundet das Ende die Story prima ab und ich gebe zu, dass ich das Buch mit etwas Wehmut beendet habe.

Fazit: Mit „Mutterlüge“ erleben wir ein erschütterndes Familiendrama, das für allerlei Emotionen sorgt. Das bedrückende Setting des Therapiezimmers und beeindruckende tiefenpsychologische Gespräche sorgen hier für jede Menge Unterhaltung. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Etwas langatmig, dennoch unterhaltsam

Die Tochter des Serienkillers
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Jenny ist die Tochter des "Schmetterling-Killers", wie ihn die Presse taufte. So mordete er nicht nur hauptsächlich in der Rotlichtszene, sondern heftete jedem seiner Opfer einen toten Schmetterling an. ...

Jenny ist die Tochter des "Schmetterling-Killers", wie ihn die Presse taufte. So mordete er nicht nur hauptsächlich in der Rotlichtszene, sondern heftete jedem seiner Opfer einen toten Schmetterling an. Nach seiner Verurteilung hat Jenny noch ein paar Jahre mit ihrer Mutter Claire verbracht, wollte dann jedoch ein neues Leben führen. Mit neuer Identität hat sie sich mit Ehemann Mark und ihren beiden Kindern ein neues Leben geschaffen. Doch ihr Ehemann weiß nichts von ihrer Vergangenheit. Als plötzlich Olivia verschwindet, die Frau, mit der Mark eine kurze Affäre hatte, kommt die Vergangenheit in Jenny wieder hoch. Außerdem hat sie mit unkontrollierbaren Blackouts zu kämpfen, die sie an den Rand des Wahnsinns treiben. Auch Mark wird immer skeptischer, zumal er seine eigenen Geheimnisse vor Jenny hat ...

Ich dachte ja eigentlich, dass dieses Buch an den Vorgänger anknüpfen würde, doch dies ist tatsächlich nicht der Fall. Wir haben es hier mit ganz anderen Charakteren und damit einer völlig anderen Story zu tun, was ich aber keinesfalls negativ bewerten würde. Denn Hunter erzählt auch diesmal die Geschichte aus diversen Perspektiven und hebt im Besonderen Jenny hervor, deren Vater als Serienmörder verurteilt wurde und eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzt. Immer wieder werden wir Zeuge der Vergangenheit und begleiten Jenny und ihren Vater, deren Beziehung zueinander sehr innig ist. Seine Prinzessin, wie er sie liebevoll nennt, begleitet ihn auf Schritt und Tritt und somit auch zu den Tatorten. Einige Kapitel bringen sogar einen Briefwechsel zwischen Jenny und ihrem Vater hervor, die deutlich machen, wie nahe sich die beiden standen.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und mitreißend, dennoch hätte Hunter für meinen Geschmack ruhig ein bisschen mehr Spannung einbauen dürfen. Diese habe ich im Gegensatz zu Teil eins stellenweise vermisst und war daher auch nicht so stark an die Handlung gefesselt. Die Storyline an sich fand ich zwar interessant, jedoch wirkte die Geschichte manchmal langatmig - und ich hätte mir mehr Interaktion von Jennys Ehemann Mark erhofft. Im Schlussteil legt die Autorin eine Schippe drauf und kommt mit einem Kracher ums Eck, der mich völlig unvorbereitet getroffen und damit mega überrascht hat! Dranbleiben lohnt sich also.
Den Epilog hätte es für mich gar nicht mehr gebraucht und ich fand diesen leider auch etwas übertrieben.

Fazit: Ein solider Thriller, der nicht mit dem Vorgänger mithalten kann, aber trotzdem zu unterhalten weiß. Hunter nimmt diesmal die Tochter eines Serienmörders ins Visier und lässt diese ihre Geschichte erzählen. Kann man gut zwischendurch lesen.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Thriller mit mystischen Elementen

LAKE – Das Haus am dunklen Ufer
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Nachdem die Schauspielerin Casey Fletcher stark alkoholisiert ihren letzten Theaterauftritt gecrasht hat, wird sie nun von ihrer Mutter im verlassenen Vermont am Lake Green vor den Paparazzi versteckt. ...

Nachdem die Schauspielerin Casey Fletcher stark alkoholisiert ihren letzten Theaterauftritt gecrasht hat, wird sie nun von ihrer Mutter im verlassenen Vermont am Lake Green vor den Paparazzi versteckt. Ausgerechnet an dem See, der Grund ihrer Alkoholeskapaden ist. In ihrer Lethargie versunken, betrinkt sie sich fast bis zur Besinnungslosigkeit. Bis ihr Interesse an den neuen Nachbarn - den Royces - hängenbleibt. Sie beobachtet einen Streit, und am nächsten Morgen ist Katherine Royce wie vom Erdboden verschwunden. Spielt der Alkohol mit ihren Sinnen, oder ist tatsächlich irgendetwas Schreckliches passiert?

Zitat S. 152:
"Mir wird bewusst, dass ich schon wieder mit einem Fernglas, mit dem man Mondkrater erkennen könnte, das Haus der Royces beobachte. Ein bisschen extrem ist das ja schon. Und obsessiv. Und einfach nur verrückt."

Sager schreibt in abwechselnden Kapiteln im DAVOR und im JETZT. Im JETZT scheint bereits alles aus den Fugen geraten zu sein und man kann die Zusammenhänge noch nicht verstehen. Diese klären sich erst nach und nach im DAVOR.

Der Autor hat eine spannende Erzählweise. Nachdem man den Grund für Caseys Exzesse erfährt, kann man das Verhalten dieser Protagonistin gut nachempfinden. Erst mit Katherines Verschwinden erwachen ihre Lebensgeister und sie fühlt sich verpflichtet, dieser Sache nachzugehen. Es liegt eigentlich auf der Hand, wie dieser Thriller weitergeht. Doch weit gefehlt. Mit einer absolut überraschenden Wendung reißt der Autor alle Erwartungen nieder und präsentiert einen ganz anderen Plot.

Dazu muss ich sagen, dass diese Wendung ins Mystische geht, was nicht jedermann mag. Mich hat es jedoch begeistert und rundete für mich diese Story gekonnt ab. Eine gelungene Abwechslung im Thrillergenre.

Fazit: Ein spannender Thriller mit mystischen Elementen, der mit einer überraschenden Wendung daherkommt und damit die ganze Story auf den Kopf stellt. Grandios.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Blutig, krass, ging mir unter die Haut

Der Jäger
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Die Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, die zum Teil aus Ermittlern und auch Opfern bestehen. Doch die Autorin lässt zudem den Täter hin und wieder zu Wort kommen, was ich unglaublich interessant ...

Die Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, die zum Teil aus Ermittlern und auch Opfern bestehen. Doch die Autorin lässt zudem den Täter hin und wieder zu Wort kommen, was ich unglaublich interessant fand. Seine Gedanken und Gefühle gibt er offen preis, und auch wenn ich kein Mitleid mit ihm haben möchte, ging mir seine Geschichte – vor allem seine Mobbingerlebnisse, mit denen der Leser zu Beginn der Story konfrontiert wird - tief unter die Haut.

Generell hat Svenja Diel großen Wert auf die Ausarbeitung ihrer Charaktere gelegt. Man erfährt genau das, was man wissen muss. Obwohl es in dieser Geschichte sehr viele Figuren gibt, kommt man keinesfalls durcheinander. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und die Protagonisten handeln real und sind ebenso authentisch gezeichnet. Die Ausübung der Taten erzählt die Autorin direkt und ohne Umschweife und hat mir damit so manche Gänsehaut beschert.

„Dass jemand dieses Gebiss trägt und damit tatsächlich einen Menschen attackiert und tötet, ist einfach …«, Nova fehlten die Worte. »Es ist eine Sache, einen Menschen zu töten, vielleicht zu erschießen. Aber ihm mit einem Metallgebiss die Sehnen und die Halsschlagader durchzubeißen, ist noch einmal etwas ganz anderes.« (Zitat Kap. 49)

Der Schreibstil von Diel ist düster, fesselnd und unfassbar mitreißend. Ich konnte die angespannte Atmosphäre deutlich spüren und war so sehr in die Story versunken, dass ich alles um mich herum vergessen habe. Dieses Zusammenspiel von kaum auszuhaltender Neugier, wer denn nun der Mörder ist, und gleichzeitiger Schockstarre, über die Grausamkeit der Taten, hat mich enorm fasziniert. Und als sich nach und nach der Nebel lichtet und sich das Puzzle zusammensetzt, habe ich mich von meinen vielen Emotionen einfach nur noch Treiben lassen. Wahnsinn!

Fazit: Ein blutiger Thriller, der mir schier unter die Haut ging und mich bestens unterhalten hat. Eine krasse Story, authentische Charaktere und ein blutrünstiger Mörder machen dieses Buch zu einem echten Pageturner!

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Kurzweiliger, unterhaltsamer Thriller

Die Schanze
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Ellens Leben in Hamburg, weit weg der Heimat, ist gescheitert. Trotz erheblicher Zweifel bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und kehrt widerwillig in den winterlichen Ort ihrer Kindheit zurück, um ...

Ellens Leben in Hamburg, weit weg der Heimat, ist gescheitert. Trotz erheblicher Zweifel bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und kehrt widerwillig in den winterlichen Ort ihrer Kindheit zurück, um sich hier als Hausärztin niederzulassen. Damit, dass die Vergangenheit, die Ellen vergeblich zu verdrängen suchte, eiskalt zurückschlägt und Leben kosten würde, hatte sie allerdings nicht gerechnet.

Schon im Prolog geht es einmal in die Vollen. Lars Menz legt damit den Grundstein für eine vielversprechende Story. Tatsächlich hat Menz ein Händchen für kurzweiliges Erzählen, aber gerade im ersten Drittel des Buches habe ich mich irgendwann gefragt, wann es mal so richtig losgeht. Doch das „Durchhalten“, so schlimm war es tatsächlich nicht, lohnt sich.

Menz streut in die gegenwärtige Handlung immer wieder Rückblicke. Langsam, aber sicher erschließen sich so die Geschehnisse aus Ellens Jugendzeit und legen Geheimnisse offen, die einen ganzen Ort zum Schweigen brachten. Doch jetzt scheint jemand Rache zu nehmen, und niemand weiß, wer das nächste Opfer sein wird. Gemeinsam begeben sich Ellen und der Journalist Merab auf Tätersuche und geraten dabei selbst ins Visier des Mörders.

Menz zeichnet seine Figuren facettenreich und realistisch. Besonders Ellen und Merab, aber auch die anderen Protagonisten fügen sich so glaubhaft in das Geschehen, dass man dem Autor die Story voll und ganz abnimmt.

Auch mit seinem Schreibstil konnte Menz mich absolut abholen. Insbesondere im letzten Drittel nimmt die Handlung noch mal richtig Fahrt auf. Der finale Twist hat mich überzeugt, auch wenn sich meine Vermutung damit bestätigt hat. Aber so gut mir „Die Schanze“ auch gefallen hat, bei einem Thriller würde ich persönlich doch etwas mehr Action erwarten. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch gelungen und empfehlenswert.

Fazit: „Die Schanze“ ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Thriller, mit dem man sich stimmungsvoll die dunkle Jahreszeit vertreiben kann. Gerade zu Beginn hätte das Buch gern etwas mehr Fahrt aufnehmen dürfen, alles in allem liefert Lars Menz aber eine gelungene Story, die Lust auf mehr macht.

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