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Veröffentlicht am 29.09.2025

Opfer müssen ernst genommen und geschützt werden!

Opfer Nummer 11
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Hannah Allen war erst vierzehn Jahre alt und noch Schülerin, als sie von „The Ghost“, dem Serienmörder Peter Harris, entführt wurde. Sie war sein elftes Opfer und er hat ihr diese Zahl auf ihren Bauch ...

Hannah Allen war erst vierzehn Jahre alt und noch Schülerin, als sie von „The Ghost“, dem Serienmörder Peter Harris, entführt wurde. Sie war sein elftes Opfer und er hat ihr diese Zahl auf ihren Bauch tätowiert. Wie durch ein Wunder hat Hannah überlebt und sich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen, um ihre Qualen zu verarbeiten. An ihrem letzten Abend in der Therapiegruppe erscheint DI Conrad Wallace bei Hannah. Conrad hat ihren Fall vor zehn Jahren bearbeitet. Er erzählt ihr, dass eine vermisst gemeldete Schülerin tot aufgefunden wurde. Es gibt eindeutige Parallelen zu den Peter-Harris-Morden und das Opfer trug ebenfalls ein Brandzeichen, die Nummer 13. Doch was ist mit Opfer Nummer 12 passiert? Klar ist, es muss einen Nachahmungstäter geben, denn Peter Harris sitzt noch immer im Gefängnis ...

Ich mochte Hannah auf Anhieb, da sie eine starke und selbstbewusste Frau ist. Was sie erlebt hat, ist schwer zu verarbeiten und es war schön zu sehen, welchen Erfolg sie mit der Selbsthilfegruppe feiern konnte. Die Mädels dort haben Ähnliches erlebt und ich finde, Kitching hat die Gewalt, die Angst und die vielen anderen Emotionen, die Frauen weltweit täglich erleben, hervorragend und vor allem authentisch dargestellt. Sie geht zudem auf die Hasskommentare in den sozialen Medien ein, die abscheulich und opferbeschämender nicht sein könnten. Viel zu oft wird den Opfern die Schuld an der Tat gegeben, denn vielleicht war der Rock zu kurz oder man ist selbst schuld, da man nachts einfach nicht allein nach Hause hätte gehen sollen.

Jess Kitchings sensibler Schreibstil ist hier wirklich außergewöhnlich. Sie erzählt offen, dass dies ihr bisher persönlichstes Buch ist, da es sich intensiv mit den Folgen von Gewalt und sexuellen Übergriffen für die Opfer und der in unserer Gesellschaft weit verbreiteten Schuldzuweisung an die Opfer auseinandersetzt. Das drückt sie auch mit ihrer Sprache aus und hat eine herzzerreißende Geschichte geschrieben, die ein ganz dickes Lob verdient. Alle Opfer sind lebenslang Opfer. Sie erleben das Trauma jeden Tag neu, und Selbsthilfegruppen und Freundschaften sind ihre Lebensgrundlage. Dieses Buch unterstreicht die gute Arbeit, die sie leisten, und zeigt, dass sie dringend gebraucht werden.

Fazit: Eine Geschichte, die mir unter die Haut ging und mich nachdenklich machte. Am Ende war ich dankbar, dass es sich hier nur um eine fiktive Story handelte, doch die Botschaft von Kitching ist klar und deutlich: Opfer müssen ernst genommen und geschützt werden!

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Ein wahrhaft dämonisches Meisterwerk!

Heart of the Damned – Ihr Versprechen ist sein Untergang
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Ich gebe zu, ich war skeptisch. Die Beschreibung mit der "Fake-Verlobten" und "Enemies-to-Lovers"-Konstellation klang nach einem gängigen (mittlerweile recht ausgelutschten) Trope. Doch die Geschichte, ...

Ich gebe zu, ich war skeptisch. Die Beschreibung mit der "Fake-Verlobten" und "Enemies-to-Lovers"-Konstellation klang nach einem gängigen (mittlerweile recht ausgelutschten) Trope. Doch die Geschichte, die sich daraus entwickelt hat, hat mich absolut umgehauen. Dieses Buch ist ein Paradebeispiel dafür, wie man einen bekannten Plot-Ansatz neu und aufregend erzählen kann.

Die Welt, die hier mit so viel Liebe zum Detail erschaffen wurde, ist eine fesselnde Melange aus Magie, Dämonen und knallharter menschlicher Politik. Die anfängliche Einführung in das Geflecht der Königreiche und der mächtigen Erzfürsten ist ein genialer Schachzug, der einen sofort in diese komplexe Welt hineinzieht. Und obwohl die Vielzahl an Charakteren und Namen anfangs vielleicht ein wenig überwältigend wirkt, ist es die unglaubliche Tiefe der Hauptfiguren, die diese Geschichte zum Leben erweckt.

Scarlet ist eine Heldin, wie ich sie mir wünsche: eine taffe Überlebenskünstlerin, die mehr zu verbergen hat, als ihr lieb ist. Ihr Credo "Ich werde heute nicht sterben" ist nicht nur ein Spruch, sondern eine Philosophie, die sie mit Kampfgeist und Magie in einer durch und durch gefährlichen Welt am Leben hält. Was sie aber so unglaublich greifbar macht, ist ihre menschliche Seite – die Art und Weise, wie sie trotz all ihrer Stärke langsam Mauern einreißt und sich auf die Menschen um sie herum, allen voran König Ren, einlässt. Ich wäre gern ein bisschen mehr wie sie.

Und König Ren? Er ist erfrischend anders. Er bricht mit dem Klischee des düsteren, grimmigen Protagonisten. Unter seiner königlichen Fassade verbirgt sich ein loyaler, selbstloser und überraschend sanfter Mann, dessen eigenes dunkles Geheimnis der Geschichte eine weitere, packende Ebene verleiht. Die Dynamik zwischen ihm und Scarlet ist elektrisierend – ihre schlagfertigen Dialoge sind ein absolutes Highlight. Ich lieb die beiden!

Dieses Buch ist pure, ungestüme Spannung. Es lässt einem kaum Zeit zum Verschnaufen, die Ereignisse überschlagen sich. Vertrauen wird aufgebaut und im nächsten Moment brutal gebrochen. Zwischen Dämonenkämpfen, politischen Intrigen und der ständigen Gefahr, dass Scarlets Identität auffliegt, wird die Spannung auf einem konstant hohen Niveau gehalten. Die Atmosphäre ist düster und hoffnungslos, aber keineswegs negativ. Man leidet mit den Charakteren, spürt die drohende Gefahr und wird von den unvorhersehbaren Wendungen in den Bann gezogen.
Die Geschichte ist unvorhersehbar, und der dunkle Ton bleibt lange im Gedächtnis.

Fazit: Ich muss zugeben, dass meine Erwartungen ziemlich gering waren. Was wie ein weiterer müder Abklatsch bekannter Tropes klang, entpuppte sich jedoch als eine große Überraschung, die mich schier aus den Socken gehauen hat. Wer sich nach einem Wirbelwind aus unerwarteten Wendungen und packenden Intrigen sehnt, der wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Ein wahrhaft dämonisches Meisterwerk!

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Bewegend, düster, dramatisch!

Coram House
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Alex Kelley ist Schriftstellerin und hat sich hauptsächlich auf True Crime spezialisiert. Nachdem ihr letztes Buch gefloppt ist, versucht sie sich diesmal daran, die Geschehnisse des Coram House aufzuarbeiten. ...

Alex Kelley ist Schriftstellerin und hat sich hauptsächlich auf True Crime spezialisiert. Nachdem ihr letztes Buch gefloppt ist, versucht sie sich diesmal daran, die Geschehnisse des Coram House aufzuarbeiten. Das einstige Waisenhaus birgt eine dunkle Vergangenheit und das damalige Verschwinden des kleinen Tommy ist immer noch nicht aufgeklärt. Alex bekommt Unterstützung von der ansässigen Polizei und Akteneinsicht in die früheren Vernehmungen. Je näher sie den Geheimnissen kommt, umso mehr Leichen tauchen plötzlich auf. Wer wird der oder die Nächste sein?

Ich mochte Alex als Protagonistin sehr gerne. Die Story wird einstig aus ihrer Sicht erzählt, wobei einige Kapitel Vernehmungsprotokolle aus den 80er Jahren sind. Alex ist wissbegierig, ehrgeizig und voller Tatendrang. Die erschütternden Geschehnisse in dem damaligen Waisenhaus gehen ihr ziemlich nahe und lassen ihr einfach keine Ruhe. Mir ging es ähnlich, denn was da ans Tageslicht kam, war mitunter schon schwer zu verarbeiten. Dass die Kinder nicht beim Namen genannt wurden, sondern Nummern zugewiesen bekamen, fand ich erschreckend genug. Aber zu erfahren, welche Schäden die täglichen Misshandlungen und der Missbrauch durch Priester und Nonnen angerichtet haben, hat mir wirklich den Atem geraubt. Harte Kost!

»Wissen Sie, was ich die ganze letzte Woche gemacht habe? Aussagen gelesen. Von missbrauchten Kindern. Von Kindern, die gesehen haben, wie andere missbraucht wurden. Ich habe die Aussage einer Frau gelesen, die mit angesehen hat, wie ein Kind ins Wasser gestoßen wurde, wie man es ertrinken ließ – und niemand hat ihr geglaubt. Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn man so was mit sich herumträgt?« (Zitat)

Seybolt hat die Story mit ihrem dramatischen und düsteren Schreibstil perfekt in Szene gesetzt. Sie hat es nicht nur geschafft, den Spannungsbogen konstant oben zu halten, sondern mich dank der durchweg bedrückenden Atmosphäre an die Handlung zu fesseln. Ich konnte es kaum erwarten, weitere düstere Geheimnisse aufzudecken und noch tiefer in die Geschichte des verruchten Waisenhauses einzutauchen.

PS: Ich könnte Heidi Jürgens stundenlang zuhören! Sie ist eine großartige Sprecherin. Ihre Stimme klingt angenehm und hat so eine gewisse beruhigende Wirkung, die stark im Kontrast zum Erzählten steht. Mega!

Fazit: Ein bewegender Thriller, der mich emotional mächtig herausgefordert hat. Die düsteren Geheimnisse rund um das Waisenhaus sind gewiss nichts für schwache Nerven, aber Seybolt hat hier eine tolle Story daraus geschaffen, die ihr unbedingt lesen oder hören solltet.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Spannendes Konstrukt aus Lügen und Intrigen

Wenn du wieder lügst
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Jared Crosby ist wahnsinnig attraktiv und zudem der neue Tennislehrer im Camp Pendleton. Die vier Mädchen Blakely, Grace, Meg und Thera haben direkt ein Auge auf ihn geworfen. Vor allem Blakely ist angetan ...

Jared Crosby ist wahnsinnig attraktiv und zudem der neue Tennislehrer im Camp Pendleton. Die vier Mädchen Blakely, Grace, Meg und Thera haben direkt ein Auge auf ihn geworfen. Vor allem Blakely ist angetan von seiner Schönheit und dem Reiz, etwas Verbotenes mit ihm zu tun. Doch genau das wird Jared zum Verhängnis und er wird kaltblütig ermordet. Die vier Freundinnen sind schockiert und beenden aufgrund der Ereignisse zunächst den Kontakt zueinander. Heute, sechsundzwanzig Jahre später, treffen sie aufgrund einer anonymen Nachricht wieder aufeinander. Dabei steht nur eine Frage im Raum: Wer spielt hier ein falsches Spiel?

Die Geschichte wird uns aus mehreren Perspektiven erzählt. So kommen alle vier Mädchen abwechselnd zu Wort und berichten über die Geschehnisse von damals und heute. Ein paar Kapitel sind auch Regina gewidmet – der Ehefrau von Jared. Die Auswahl der Protagonisten ist Berry hervorragend gelungen. Jede einzelne Figur hat ihr eigenes Schicksal, sei es Mobbing, Bulimie oder Homosexualität. Berry geht auf alle Themen sehr intensiv ein und spricht auch zu Beginn eine entsprechende Triggerwarnung aus. Die hätte es meiner Meinung nach aber gar nicht gebraucht.

Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend und mitreißend. Die stetigen Perspektivwechsel lockerten die Handlung auf und fesselten mich an die Seiten. Ich mochte die Zeitsprünge in die Vergangenheit sehr gern und habe mit Neugier die Geschehnisse rund um den Mord an Jared verfolgt. Aber auch die gegenwärtigen Ereignisse sind an Dramatik kaum zu überbieten. So gibt es im Schlussteil eine krasse Wendung, die ich zum einen niemals erwartet hätte und die gleichzeitig ein ganz anderes Licht auf die ein oder andere Person der Mädelsgruppe wirft.

Fazit: Lucinda Berry überzeugt mit einer spannenden Story, in der nichts ist, wie es zunächst scheint. Sie spinnt ein Konstrukt aus Lügen und Intrigen und macht es damit fast unmöglich, die wahre Realität im Auge zu behalten. Cooler Plot!

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Nervenkitzel, Drama - und eine wichtige Botschaft

Himmelerdenblau
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Zwanzig Jahre liegt es zurück: Julie Novak, Tochter einer wohlsituierten Familie, verschwindet über Nacht spurlos. Zwanzig Jahre konnte das mysteriöse Verschwinden der Jugendlichen nicht geklärt werden. ...

Zwanzig Jahre liegt es zurück: Julie Novak, Tochter einer wohlsituierten Familie, verschwindet über Nacht spurlos. Zwanzig Jahre konnte das mysteriöse Verschwinden der Jugendlichen nicht geklärt werden. Zwanzig Jahre, ein wunderbarer Zeitpunkt, um den Vermisstenfall in einem True Crime Podcast neu aufzurollen und alte Geister heraufzubeschwören, die besser auch weiterhin geruht hätten.

Romy Hausmann versteht es, Phänomenen unserer Zeit bewusst Raum zu geben, ohne dabei den Blick für unsere Gesellschaft und deren schwerwiegenden Probleme zu verlieren. Dabei fasziniert sie mich immer wieder mit ihrer klaren, schnörkellosen Sprache und ihrem Talent, eine unterschwellig schaurige Atmosphäre zu schaffen.

„Himmelerdenblau“ erzählt die Geschehnisse aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Figuren. Auch die Gegenüberstellung der strukturierten Recherchearbeit der Podcasterin Liv und Theos verzweifeltem Versuch, sich zu erinnern, schaffen einen Gegensatz, der die Dramatik der Story nur noch umso deutlicher unterstreicht.

Wirklich tief berührt hat mich Theo, mit all seinen Ecken und Kanten, vor allem mit seiner Demenz. Er ist ein authentisch gezeichneter Charakter, mit dem man bangt, der unglaublich niedlich ist und in seiner Verzweiflung die Leserschaft mit sich in eine tiefe Traurigkeit zieht. Romy Hausmann hat mit Theo eine Figur erschaffen, die man sofort ins Herz schließt - und auch lange nach Zuklappen der Buchdeckel nicht gehen lassen kann.

Bis kurz vor Schluss hatte ich keine Ahnung, worauf die Story eigentlich hinauslaufen soll. Ideen, wie das Ganze ausgehen könnte? Fehlanzeige! Ich wusste nur, wie es sehr wahrscheinlich nicht enden wird. Und mit diesen Vermutungen lag ich auch richtig. Tatasche ist, der Twist am Ende hat mich vollends geplättet! Gleichzeitig erzählt die Autorin so schlüssig und überzeugend, dass es nie anders hätte ausgehen können. Das ist Erzählkunst der Spitzenklasse!

Fazit: Spannung, Gänsehaut, eine emotionale Achterbahnfahrt - all das bietet „Himmelerdenblau“ und reißt dabei tiefe Wunden in die Seele. Ein Buch zum Nachdenken, Mitfühlen und Erschaudern. Wer es nicht liest, ist selber schuld!

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