Leichte, unterhaltsame Lektüre über die Reise in einen Neuanfang
Au revoir und tschüssIch habe „Au Revoir und Tschüss“ der Autorin Gudrun Lochte sehr gerne gelesen. Über die knapp 320 Seiten bin ich nur so „geflogen“, denn sie lasen sich so leicht und inhaltlich war es keine schwere Kost. ...
Ich habe „Au Revoir und Tschüss“ der Autorin Gudrun Lochte sehr gerne gelesen. Über die knapp 320 Seiten bin ich nur so „geflogen“, denn sie lasen sich so leicht und inhaltlich war es keine schwere Kost. Der erste optische Eindruck ist übrigens überwältigend. Selten habe ich ein so schönes Buch in der Hand gehabt. Der Vani-Verlag hat da wirklich auf jedes noch so kleine Detail geachtet. Es gibt einen Bucheinband, das (gemäldeartig) eine Frau zeigt, die ein trägerloses weißes Sommerkleid trägt. Ein ähnliches Motiv ziert dann in den gleichen zarten Farben (Hellblau und Weiß) zusätzlich noch das Buch selber. Ein passender hellblauer Farbschnitt, ein goldenes Lesebändchen, eine Illustration auf Pergament, ein Lesezeichen und eine Inspirationskarte veredeln dann den hochwertigen Gesamteindruck. Der Roman erzählt von Caroline (Caro), Mitte 40, verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Söhnen, die in einer Hochschulbibliothek arbeitet. Die Ehe steckt nach über 20 Jahren in einer Sackgasse. Man lebt nur noch nebeneinander - ihr Mann Holger bastelt ausschließlich an seiner beruflichen Karriere, während Caro den ganzen Haushalt schmeißt und sich um alles andere kümmert. Und so kommt es bei einem gemeinsamen Abendessen mit dem Vorgesetzten ihres Mannes, das Caro wieder einmal in kürzester Zeit aus dem Hemdsärmel zaubern musste, zum Eklat: Sie erkennt, dass sie so nicht mehr weitermachen möchte. Sie bucht eine mehrwöchige Sprachreise in Frankreich und landet im malerischen Städtchen Uzès. Diese Auszeit vom Zuhause möchte sie endlich einmal nur für sich nutzen. Autorin Gudrun Lochte beschreibt hier eine Lebenssituation, die viele Frauen kennen. Und hinnehmen. Hier fasst die Protagonistin Caro aber all ihren Mut zusammen, stellt ihr bisheriges Leben auf den Prüfstand und kommt in die Veränderung. Diese Reise nach Frankreich bedeutet für Caro auch eine Reise zurück in die Anfänge ihrer Liebe zu Holger und der Auseinandersetzung damit, warum die Liebe sich schrittweise aus ihrer Ehe verabschiedet hat. Malerisch beschreibt die Schriftstellerin den reizvollen Süden Frankreichs, man spürt förmlich, wie sehr die Buchautorin mit diesem Fleckchen Erde verbunden ist. Mich packte beim Lesen auch häufiger die Lust aufzubrechen und noch einmal etwas Neues spontan zu versuchen. Beim Lesen konnte ich förmlich den Duft der warmen Croissants au Chocolat, des dampfenden Milchkaffees oder des leuchtenden Lavendels wahrnehmen, den Flair von Straßencafés und reizvoll verwinkelten Gässchen verspüren, die vielen beschriebenen landestypischen Leckereien ließen mir oft das Wasser im Munde zerlaufen. Wie aufmerksam, dass Gudrun Lochte dann zum Schluss des Buches auch noch zwei schöne und einfache Rezepte zum Nachkochen präsentiert. Das hatte für mich eine besonders persönliche Note. Insgesamt erzählt die Autorin den Roman ruhig und unaufgeregt, es geschieht eigentlich nicht so wirklich viel, und dennoch konnte ich das Buch nur selten aus der Hand legen. Das Buch war in kurze Kapitel aufgeteilt, der Schreibstil eingängig und flüssig, der Druck angenehm. lesefreundlich. Für mich war es insgesamt betrachtet eine leichte Urlaubslektüre, die gerne für mich etwas mehr Tiefgang gehabt haben dürfte. Es schwächelte an manchen Stellen. So waren mir einige Zufälle zu konstruiert. Auch das ständige Abkürzen der Vornamen empfand ich als zu gewollt salopp. Und dass fortlaufend im gesamten Roman immer nochmal ausdrücklich erwähnt wurde, wenn zum Abschluss des Besuchs von Cafés, Restaurants oder Geschäften, abschließend noch bezahlt wurde…diese Wiederholungen fand ich stilistisch eher als störend und überflüssig. Ansonsten war es insgesamt ein unterhaltsames, gelungenes Buch für angenehme Lesestunden mit einem Hauch vom Flair Südfrankreichs.