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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2025

Wenn der Krimi zur Nebensache wird

Über die Toten nur Gutes
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Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Dies liegt vor allem natürlich an dem sehr strahlendem Gelb, für das sich der Verlag entschieden hat. Dies in Kombination mit dem Titel des ...

Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Dies liegt vor allem natürlich an dem sehr strahlendem Gelb, für das sich der Verlag entschieden hat. Dies in Kombination mit dem Titel des Buches und dem Hund der sein Bein neben dem Sarg hebt, hat auf jeden Fall meine Neugier geschürt. Innerhalb weniger Sekunden hat sich in meinem Kopf eine Erwartungshaltung an das Buch aufgebaut: ein leicht skurriler Regionalkrimi, mit kauzigen Charakteren, erquickender Handlung und viel schwarzem Humor. Wie weit meine Erwartung und die Realität übereingestimmt haben, möchte ich in den nächsten Zeilen erörtern.
Der Anfang des Buches hat auf jeden Fall mal voll ins Schwarze getroffen und ich habe mir selbst für die gute Wahl des Hörbuchs gratuliert. Die skurrile und humorvolle Art und Weise wie der Autor Andreas Izquierdo in seinen Roman startet hat mir gut gefallen und gleich Lust auf mehr gemacht. Es dauert ein wenig bis wir uns dem eigentlichen Kriminalfall widmen, aber das Vorgeplänkel hat die Wartezeit auf jeden Fall verkürzt und versüßt.
Da es sich bei diesem Buch um den Auftakt einer neuen Reihe rund um Trauerredner Mads Madsen handelt, werden zwar viele Charaktere eingeführt, aber nicht alle bis ins kleinste Detail beschrieben. An mancher Stelle hätte ich mir mehr Informationen gewünscht oder einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten erhofft, denke aber das dies dann in den weiteren Bänden der Fall sein wird. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Mads und seinem Vater Fridtjof hat mir öfters einmal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
In Bezug auf die Handlung des Buches bin ich ein wenig zwiegespalten. Mads Arbeit als Trauerredner fand ich sehr interessant, weil dies ein Berufsfeld ist, mit dem ich mich bis dato noch nicht beschäftigt habe, auch die Bestatter Themen fand ich ansprechend. Mein Highlight war aber sicher die zwischenmenschliche Interaktion zwischen Mads und seiner Familie und Freunden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass es sich hierbei ja eigentlich um einen Krimi handelt.
Die Idee des ermittelnden Trauerredners finde ich noch immer sehr ansprechend und auch die Art und Weise wie Mads ermittelt gefällt mir. Allerdings fand ich den Kriminalfall selbst an vielen Stellen unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Vor allem, was die Antagonisten betrifft war mir hier viel zu viel Schwarz-weiß Denken im Spiel.
Eine Bewertung für dieses Buch abzugeben, fällt mir unglaublich schwer. Ein Krimi mit nicht überzeugendem Kriminalfall ist eigentlich eine Themenverfehlung. Dennoch habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und fand gerade die Mischung aus humorvoller Erzählung, auch wenn der Humor manchmal ein wenig ins übertriebene Lächerliche gekippt ist, ernsten Themen und leisen Tönen sehr ansprechend. Keinen der Punkte kann ich bei meiner Bewertung komplett ausklammern, daher bleibt mir nichts anders übrig als das Buch mit einer durchschnittlichen Sternebewertung zu versehen.
Der Dumont Verlag hat mit der Auswahl von Uve Teschner als Sprecher dieses Hörbuchs eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Seine Art zu Lesen hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Uves Stimme und seine Art zu Lesen passt perfekt zu der Mischung aus Krimi und humorvoller Erzählung. Ich hoffe, dass er auch die weiteren Bände der Reihe lesen wird, denn auch wenn mich der Inhalt nicht komplett überzeugen konnte, seine Stimme hat es auf jeden Fall getan.
Meiner Meinung nach ist dies kein Buch für eingefleischte Krimifans. Dafür ist der Spannungsbogen einfach nicht ausgeprägt genug und der Kriminalfall zu unglaubwürdig. Wer allerdings seine Freude an kauzigen Charakteren und humorvollen Dialogen hat und neben noch ein wenig Spannung haben möchte, sollte diesem Buch eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Finanzwissen für Anfänger – charmant erklärt

Finanzipier dich!
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"Über Geld spricht man nicht" diesen Satz kennen bestimmt sehr viele. Und viele Jahre war dies auch eine gelebte Realität. Glücklicherweise gibt es hierbei ein Umdenken und man spricht mittlerweile über ...

"Über Geld spricht man nicht" diesen Satz kennen bestimmt sehr viele. Und viele Jahre war dies auch eine gelebte Realität. Glücklicherweise gibt es hierbei ein Umdenken und man spricht mittlerweile über Geld, übers Sparen und Investieren. Wagt man einen Blick in die nicht allzu ferne Vergangenheit wird man allerdings feststellen, dass dies vor allem auf Männer zu traf. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die meisten Finanzratgeber auch von Männern geschrieben wurden. Seit einigen Jahren werden aber auch Frauen in diesem Bereich sichtbarer und es gibt eine Vielzahl an Finanzratgebern von Frauen für Frauen.
Auch wenn es für viele nicht nachvollziehbar oder verständlich ist, aber ich finde es sehr positiv und viel mehr noch äußerst wichtig, dass es weiblich geprägte Finanzbücher gibt. Natürlich lese ich auch Bücher die von Männern geschrieben wurde, allerdings gibt es einige Aspekte, die mir in Ratgebern von Männern immer zu kurz kommen oder sogar komplett fehlen.
Franziska Stieber ist eine der "jungen wilden" Damen aus dem Finanzbereich, die sich durch ihren Finanzpodcast "Finanzen mit Franzi" bereits einen Namen gemacht hat. Sie spricht mit diesem Buch gezielt eine junge weibliche Leserschaft an, wobei nichts dagegen spricht das auch männliche oder etwas ältere Personen dieses Buch lesen. Den größten Mehrwert hat man allerdings sicherlich, wenn man dieses Buch möglichst früh in seinem Erwachsenenleben liest.
Besonders gut gefällt mir der Schreibstil der Autorin. Sie schafft den Spagat zwischen Wissensvermittlung und Unterhaltung mit Bravour. An keiner Stelle des Buches habe ich mich überfordert gefühlt. Dieses Buch ist wirklich für absolute Anfänger im Bereich Altersvorsorge und Investieren geeignet, da sich die Autorin die Zeit nimmt, alle Begrifflichkeiten genau zu erklären. Wer allerdings, so wie ich, bereits eine Vielzahl an Finanzratgebern gelesen hat, wird eher wenig Neues erfahren, ehrlicherweise muss man aber sagen, dass dies wenig verwunderlich ist, denn auch Franziska Stieber kann das Rad nicht neu erfinden und will dies auch gar nicht. Dennoch möchte ich klarstellen, dass ich dieses Buch mitnichten als verschwendete Lesezeit bezeichnen möchte. Es war auch für mich sehr informativ und hat mir noch einmal die Basics der Finanzbildung vor Augen geführt.
Die Autorin widmet sich in ihrem Buch sehr ausgiebig dem Thema der Rentenlücke und erklärt im Zuge dessen sehr ausführlich das deutsche Rentensystem. Für mich als Österreicherin war dieser Teil zwar informativ, aber wenig hilfreich. An dieser Stelle möchte ich auf das Buch "Geld und Gloria Rente ohne Roulette" von Annette Weiß hinweisen. Zwar hat auch sie das deutsche Rentensystem im Fokus, jedoch sind ihre Berechnungen der Rentenlücke auch für Österreicher*innen anwendbar.
Obwohl es bereits eine Vielzahl an mehr oder weniger vergleichbaren Büchern auf dem Markt gibt und ich mir relativ sicher bin, dass in Zukunft noch viele nachfolgen werden, hat Autorin Franziska Stieber es geschafft, ein Buch zu schreiben, dass meiner Meinung nach, eine absolute Leseempfehlung ist.
Mit ihrem einfühlsamen, nicht wertenden und angenehmen Erzählstil hat sie ein wundervolles Grundlagenbuch erschaffen, dass vor allem, aber nicht nur, jungen Menschen helfen wird, sich finanziell erfolgreich aufzustellen, unabhängig von ihrem Verdienst.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Die Kraft der Musik in dunklen Zeiten

Stille Nacht, heilige Nacht
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Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass „Stille Nacht, heilige Nacht“ das mit Abstand bekannteste Weihnachtslied ist. Auch wenn es zur Weihnachtszeit eher selten ...

Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass „Stille Nacht, heilige Nacht“ das mit Abstand bekannteste Weihnachtslied ist. Auch wenn es zur Weihnachtszeit eher selten im Radio läuft, ist es doch das Lied, dass in die meisten Sprachen übersetzt wurde, zur katholischen Christmette dazugehört, wie das Amen im Gebet und sicher auch in sehr vielen Haushalten unter dem Christbaum gesungen wird.
Jetzt lehne ich mich noch einmal weit aus dem Fenster und behaupte, dass zwar die meisten das Lied, aber nicht seine Entstehungsgeschichte kennen. Auch mir war sie nur in Ansätzen bekannt und umso mehr habe ich mich gefreut, dass es ein Kinderbuch gibt, dass sich genau diesem Thema widmet.
Bereits der erste Eindruck des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Verarbeitung des Buches ist hochwertig und die Haptik äußerst ansprechend. Die Bilder sind ansprechend, strahlen viel Wärme aus und versprühen weihnachtlichen Charme. Die Atmosphäre des Buches würde ich trotzdem als ein klein wenig düster bezeichnen. Dies liegt aber vor allem daran, dass die Zeit, in der das Lied geschrieben wurde, von Themen wie Hunger, Kälte und Krieg geprägt war. Dies spürt man meiner Meinung nach auch in den Bildern und den Worten des Buches. Ich möchte aber betonen, dass ich dies nicht als Kritik, sondern als neutrale Feststellung meine. Meiner Meinung nach wäre das Buch deutlich weniger authentisch, wenn dieser leicht deprimierende Hauch fehlen würde.
Der Erzählstil des Buches ist ruhig, berührend und auf jeden Fall kindgerecht. Armut und Krieg wird im Kontext erwähnt, aber meiner Meinung nach nicht überdramatisiert. Ganz im Gegenteil diese Dinge werden nur im Zusammenhang erwähnt, damit man eine bessere Vorstellung von den damaligen Zeiten bekommt. Und auch nachvollziehen kann, warum dieses Lied den Menschen damals so viel Hoffnung gegeben hat und zu einem weltweiten Hit geworden ist.
Die Länge des Textes ist für ein Kinderbuch passend und der kleine Leser konnte mit 2,5 Jahren der Geschichte sehr gut folgen. Die Schriftgröße ist gut gewählt und so bietet das Buch auch die Möglichkeit, dass Leseanfänger das Buch allein lesen können.
Doch nicht nur kleine Leser und Leseanfänger kommen bei diesem Buch auf ihre Kosten. Dies ist wirklich ein Buch für die ganze Familie. Zur Abrundung des ganzen beinhaltet das Buch natürlich auch sowohl den Liedtext als auch die Noten für das Lied. Daher steht dem gemeinsamen Singen nach dem Lesen nichts im Wege.
Meiner Meinung nach ist dies ein ganz besonderes Weihnachtsbuch, dass sich deutlich von der Maße der Weihnachtsbücher abhebt und das nicht nur aufgrund seines einzigartigen Inhalts. Es besticht durch stimmungsvolle Illustrationen und eine berührende Geschichte. Dieses Buch lädt ein, dass man es sich mit der ganzen Familie gemütlich macht, Kekse isst, gemeinsam der Geschichte lauscht und danach das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt singt. Aus diesem Grund kann ich das Buch wirklich von Herzen weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Ein Hörbuch mit guter Stimme, aber schwacher Story

Nightblood Prince
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Der Klappentext ist dazu da, damit man einen Eindruck bekommt, warum es in dem Buch geht und ob dieses Buch das richtige für einen ist. Manchmal verrät der Klappentext so viel, dass ich das Gefühl habe, ...

Der Klappentext ist dazu da, damit man einen Eindruck bekommt, warum es in dem Buch geht und ob dieses Buch das richtige für einen ist. Manchmal verrät der Klappentext so viel, dass ich das Gefühl habe, ich muss das Buch gar nicht mehr lesen. Ein anderes Mal hat man nach dem Lesen der Geschichte dein Eindruck, dass der Klappentext zu einem anderen Buch gehören müsste. Und dann gibt es den Fall, wo der Klappentext interessant klingt, eigentlich auch den Inhalt des Buches gut beschreibt und trotzdem nicht so richtig passt. Letzteres ist für mich bei diesem Buch der Fall.
Denn eine wichtige Information wurde verschwiegen. Nämlich, dass es sich bei diesem Buch um einen Vampirroman handelt. Hätte ich dies im Vorfeld gewusst, dann hätte ich gleich die Finger davongelassen. So war ich allerdings schon mitten in der Geschichte gefangen, als mir diese Erkenntnis kam. Leider war dies aber nicht mein einziges Problem mit dem Buch.
Große Schwierigkeiten haben mir die Charaktere gemacht. Diese blieben für mich bis zum Schluss blass und unnahbar. Ich konnte weder zu Fei noch zu Siwang oder Yexue eine Verbindung herstellen. Bei den beiden Herren hatte ich noch dazu das Problem, dass ich sie die ganze Zeit verwechselt habe. Obwohl es eindeutige Unterschiede zwischen ihnen gibt, waren sie für mich doch so austauschbar, dass ich immer wieder überlegen musste, wer jetzt wer ist.
Eine Erklärung dafür wäre natürlich, dass es daran gelegen hat, dass ich in diesem Fall nicht das Buch gelesen, sondern das Hörbuch gehört habe. Ich kann nicht zu 100% ausschließen, dass dies zu den Schwierigkeiten beigetragen hat, wobei ich sehr viele Hörbücher, auch aus dem Fantasy Bereich höre und ansonsten nie solche Probleme hatte. Ich befürchte, dass dies eher die "Schuld" der Autorin Molly X. Chang ist, da sie sich mit Beschreibungen und Erklärungen sehr stark zurückgehalten hat.
Dies trifft sowohl auf die Personen zu wie auch auf die Landschaft und das Magiesystem. All diese Dinge blieben hinter einem Nebelschleier verborgen und man hat nur hin und wieder kleine Einblicke bekommen. Mir ist bewusst, dass dies der Auftakt zu einer Reihe ist und das mittlerweile viele Autorinnen und Autoren dazu tendieren im ersten Band auf ausufernde Beschreibungen zu verzichten. Meiner Meinung nach ist dies aber der falsche Weg, denn nur wenn ich mir die Welt wirklich vorstellen kann, wird mein Interesse geweckt, um weitere Bücher der Serie zu lesen.
Positiv hervorheben möchte in an dieser Stelle die Umsetzung des Hörbuches. Der argon Verlag hat sich für Ann-Kathrin Hinz als Sprecherin des Buches entschieden. Diese Entscheidung finde ich sehr gelungen, denn ihre Stimme hat das Hören zu einem sehr angenehmen Erlebnis gemacht.
Leider ist dies aber einer der wenigen positiven Dinge, die ich zu diesem Buch sagen kann. Ich werde definitiv keinen weiteren Band der Serie lesen. Die Mischung aus Vampirroman und Disneys Mulan war zwar interessanter als erwartet, aber für meinen Geschmack fehlte da einfach der Tiefgang, die Charakterentwicklung und ein vernünftiges Storytelling.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Faszinierende Antarktis, aber schwache Charaktere

The Penguin Paradox
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Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt und nach der Lektüre des Klappentextes war meine Entscheidung, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss, gefallen. Das einzigartige Setting ...

Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt und nach der Lektüre des Klappentextes war meine Entscheidung, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss, gefallen. Das einzigartige Setting des Buches war dafür ausschlaggebend.
Glücklicherweise kann ich auch sagen, dass das Buch mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht hat. Autorin Greta Milan hat es vortrefflich geschafft die Stimmung einzufangen und die Antarktis und die Forschungsstation vor meinem geistigen Auge Wirklichkeit werden zu lassen. Mir ist bewusst, dass ihre Beschreibungen wahrscheinlich sehr romantisiert sind und nicht alle Forschungsstationen so luxuriös ausgestattet sind. Dennoch denke ich, dass vieles sehr nah an der Wahrheit dran ist.
Die wissenschaftlichen Aspekte der Geschichte, die Pinguine und die unbeschreibliche Schönheit der Landschaft waren für mich definitiv die Pluspunkte und auch Highlights der Geschichte. Denn mit diesen Aspekten hebt das Buch sich klar von anderen Romanen des Genres ab. Aber wo es Licht gibt, gibt es immer auch Schatten.
Für mich waren die Hauptpersonen, allen voran Emerie, die Schattenseiten der Geschichte. Durch die Beschreibungen des Klappentextes habe ich mir Emerie als starke, kluge und unabhängige Wissenschaftlerin vorgestellt. Das war sie sicher auch, aber vor allem war sie auch unglaublich stur, verbohrt und voreingenommen. Und diese Dinge haben für mich ihre positiven Eigenschaften überschattet und mir ihren Charakter einen wenig verleidet.
Besonders weil diese Eigenschaften maßgeblichen Einfluss auf den Fortgang der Geschichte und ihre Interaktion mit Beckett gehabt haben. Mir ist bewusst, dass dies nicht das erste Buch ist, in dem die Handlung geprägt ist von „Enemie to lover“. Allerdings fühlte es sich hier nicht authentisch, sondern eher erzwungen an. Die Gründe, warum Emerie Beckett so sehr ablehnt, waren für mich bis zum Schluss nur bedingt greifbar und das, obwohl die Autorin immer wieder versucht es zu rechtfertigen und zu erklären. Auch Emeries zwanghafte Suche nach Beweisen, dass Pinguine nicht monogam leben, hat mich zum Ende hin ein wenig genervt.
Ich muss Greta Milan allerdings zugutehalten, dass sie Emerie mit der Fähigkeit ausgestattet hat, ihr Verhalten, zumindest bis zu einem gewissen Grad, zu reflektieren und sie dadurch auch eine Charakterentwicklung durchgemacht hat. Ab einem gewissen Punkt war ich dann mehr oder weniger mit der Geschichte versöhnt und konnte Emeries Handlungsweisen sogar nachvollziehen.
Leider hat die Autorin dann noch eine Extraportion Drama in die Geschichte einbauen müssen. Dieses Drama war aber genauso vorhersehbar wie unnötig und hat für mich wieder einiges an positiven Gefühlen zerstört.
Das Buch hat durchaus seine Stärken, aber leider eben auch seine Schwächen und eine Beurteilung fehlt mir nicht leicht. Die Geschichte selbst ist nämlich gut konstruiert und auch dem Erzählstil der Autorin konnte ich einiges abgewinnen. Das Drumherum entspricht auch meinem Geschmack, der Anteil an Spice und Drama hätte geringer sein können, aber mir ist bewusst, dass ich mit dieser Meinung eher in der Minderheit bin.
Mir ist bewusst, dass ich das Buch trotz vieler Kritikpunkte sehr gut bewerte. Dies liegt vor allem daran, dass ich ein Buch nicht schlecht bewerten möchte, nur weil mir die Hauptperson unsympathisch war. Ich möchte aber abschließend noch die Empfehlung aussprechen, dass allen denen es wichtig ist, dass die Charaktere ausnehmend sympathisch sind, vielleicht noch einmal überlegen sollten, ob dieses Buch wirklich das richtige für sie ist.

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