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Veröffentlicht am 06.06.2019

Eine tiefgreifende gefühlvolle Geschichte über das Leben und die Liebe

Solange sie tanzen
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Als Adas Mann Hans plötzlich stirbt, bleibt sie allein mit ihrem Boxer Hemingway zurück. Obwohl sie Unterstützung durch ihre Kinder bekommt, muss sie dennoch lernen nun ihren Alltag alleine zu meistern. ...

Als Adas Mann Hans plötzlich stirbt, bleibt sie allein mit ihrem Boxer Hemingway zurück. Obwohl sie Unterstützung durch ihre Kinder bekommt, muss sie dennoch lernen nun ihren Alltag alleine zu meistern. In ihrem Alleinsein findet sie für sich ein neues Hobby: abends beobachtet sie mit dem Fernglas ihres verstorbenen Mannes die Menschen in ihrer Nachbarschaft. Eines Abends entdeckt sie in einem Nachbarhaus ein tanzendes Pärchen. Von nun an beobachtet sie dieses Paar regelmäßig beim Tanzen. Und mit der Zeit wird dieses tanzende Paar zu einer Verknüpfung mit ihren eigenen Erinnerungen. Während die Gegenwart immer mehr in den Hintergrund tritt, gewinnt die Vergangenheit immer mehr an Bedeutung für Ada.
Die Autorin hat durch eine ausgesprochen gefühlvolle und bildliche Sprache einen wundervollen Roman über Liebe, Freundschaft, Erinnerungen an die Vergangenheit und das langsame Vergessen geschaffen. Dieses Buch berührt den Leser, nicht zuletzt durch die glaubhafte Gestaltung der Personen. Selbst das langsame Hinübergleiten der Hauptperson ins Vergessen wird sehr glaubhaft vermittelt. Durch die einzelnen Episoden aus Adas Vergangenheit kann sich der Leser ein genaues Bild über die Entwicklung der Person machen und so ihre Handlungsweisen verstehen.
Das Cover passt in seiner Schlichtheit sehr gut zur Hauptperson; erlebt man doch Ada als Frau mit wenigen Ansprüchen. Ein Paar mit seinem Hund auf einer Parkbank, damit fasst es die ganze Geschichte von Ada, Hans und Hemingway auf einen Blick wunderbar zusammen.
Als Gesamtwerk ist ein Buch gelungen, das zu Herzen geht, nachdenklich macht und einen lange nicht wieder aus seinen Fängen entlässt. Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.02.2019

Der Gesang der Bienen geht unter die Haut

Der Gesang der Bienen
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Münstertal im Schwarzwald zur Zeit des Mittelalters. Der Zeidler Seyfried lebt eigentlich ein ruhiges Leben mit seiner Familie. Zumindest bis zu dem Tag, an dem ein fahrender Medicus ein krankes Mädchen ...

Münstertal im Schwarzwald zur Zeit des Mittelalters. Der Zeidler Seyfried lebt eigentlich ein ruhiges Leben mit seiner Familie. Zumindest bis zu dem Tag, an dem ein fahrender Medicus ein krankes Mädchen zu seiner heilkundigen Frau Elsbeth bringt. Trotz aller Bemühungen stirbt das Mädchen, bei dem es sich um die Tochter eines hohen Herren handelt. Elsbeth wird beschuldigt mit dem Teufel im Bunde zu sein und zum Tode verurteilt. Seyfried kann einen Aufschub erwirken, und macht sich auf den Weg zu Hildegard von Bingen, die auf dem Rupertsberg gerade ihr neues Kloster erbauen lässt. Sie soll die Hinrichtung verhindern. Während die Familie getrennt wird, versucht Seyfried sein Möglichstes um Hildegard zu überzeugen.
Über den gesamten Roman wechseln sich Passagen zu den einzelnen Personen ab, was die Geschichte auflockert. Dadurch verfolgt der Leser, die weiteren Vorgänge und Schicksale. Die Personen werden sehr realistisch dargestellt. Auch die historischen Hintergründe und Zusammenhänge sind sehr gut recherchiert. Besonders interessant fand ich persönlich die Beschreibung des Zeidlerhandwerks.
Jedem Kapitel vorangestellt ist ein kurzes Zitat oder ein kleiner Bibelvers, was gut zur Geschichte passt. Auch die Sprache ist der beschriebenen Zeit angepasst, ohne langweilig oder abgehoben zu wirken. Dadurch entsteht ein Buch, das sich sehr flüssig liest. Durch die inhaltliche Gestaltung der einzelnen Kapitel wird zum Ende hin noch einmal Spannung aufgebaut, die den Leser dazu bringt, einfach weiterlesen zu müssen.
Die Gestaltung des Covers mit der zeitgemäßen Darstellung der Bienenkörbe und des Zeidlers bei der Arbeit passt sowohl zur erwähnten Zeit als auch zum Inhalt der Geschichte.
Insgesamt ist dem Autor hier ein Buch gelungen, das den Leser sowohl durch Sprachwahl, Schreibstil als auch Inhalt sehr schnell in seinen Bann zieht und so schnell nicht wieder loslässt. Durchaus auch für Leser empfehlenswert, die nicht regelmäßig mittelalterliche Romane lesen.

Veröffentlicht am 18.07.2019

Der zweite Lokalkrimi um Lisa Faber

Tod am schwarzen Fluss
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Eigentlich wollen die Journalistin Lisa Faber und der Hauptkomissar Rainer Steidle nur Urlaub machen an der Enz. Doch beim Spaziergang finden sie die Leiche eines Mannes. Und bei dieser Leiche wird es ...

Eigentlich wollen die Journalistin Lisa Faber und der Hauptkomissar Rainer Steidle nur Urlaub machen an der Enz. Doch beim Spaziergang finden sie die Leiche eines Mannes. Und bei dieser Leiche wird es nicht blieben.
Während Lisa für ein Buch über die Traditionen im Schwarzwald recherchiert stößt sie auf ein Tagebuch aus den letzten Tagen des 2. Weltkrieges. Als kurz darauf bei Bauarbeiten zu einem neuen Supermarkt die Skelette einer ganzen Familie gefunden werden, sieht Lisa hier schnell Zusammenhänge, die Steidle jedoch verneint. Allein betreibt Lisa Nachforschungen und gerät schnell in das Visier der Täter.
Die Autorin hat hier einen Lokalkrimi geschrieben, der im Schwarzwald angesiedelt ist. Es handelt sich hier um den zweiten Band um Lisa Faber. Man muss den ersten Band nicht zwingend kennen, um der Geschichte folgen zu können. In Rückblicken erfährt man ausreichend Hintergrundwissen.
Der Spannungsbogen baut sich hier langsam auf, unterstützt durch Wechsel der Themenstränge und durch die eingeworfenen Tagebucheinträge. Eine wirklich große Spannung wollte sich bei mir leider nicht einstellen. Am Ende hat man das Gefühl, dass das Ende ein wenig konstruiert wirkt. Dennoch habe ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt, und bin auch der einen oder anderen falschen Fährte gefolgt.
Insgesamt ein Krimi, den ich durchaus empfehlen kann, allerdings mit einem Stern Abzug, weil die Spannung noch ein bisschen höher hätte sein dürfen.

Veröffentlicht am 15.07.2019

Ein bildgewaltiger Thriller, der einen in Atem hält

Die Maske der Gewalt
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Richard Schwarz ist ein LKA-Ermittler in Wien. Trotz aller Erlebnisse in der Kindheit (durch Verbrühungen ist er im Gesicht und am Körper gekennzeichnet; er musste den Mord an seiner Mutter mit ansehen) ...

Richard Schwarz ist ein LKA-Ermittler in Wien. Trotz aller Erlebnisse in der Kindheit (durch Verbrühungen ist er im Gesicht und am Körper gekennzeichnet; er musste den Mord an seiner Mutter mit ansehen) steht er fest im Leben. Als in Wien ein Serientäter Frauen ermordet und Zeichen in den Körpern einritzt, setzt Richard alles daran, den Mörder zu finden. Hinweise bekommt er von Theres Lend, einer Psychotherapeutin, die in dem Täter einen ihrer Patienten zu erkennen glaubt. Auch sie hat ein Schicksal zu tragen, droht sie doch an einem angeborenen Defekt zu erblinden.
Erschwert wird Richards Arbeit durch die Entführung seiner „Schwester“ Sarah, die in München den Zirkus leitet der Richard damals als Kind bei sich aufgenommen hat. Sie soll als Druckmittel fungieren, für den Tage zuvor verschwundenen Verlobten von Sarah, der gefährlichen Leuten Geld schuldet.
Für Richard beginnt ein Kampf an mehreren Fronten.

Dieser Thriller ist schon von der ersten Seite an nicht unbedingt für Zartbesaitete geeignet. An einigen Stellen wird der Tathergang so detailliert beschrieben, dass ich einige Male schlucken musste. Auch die eingeschobenen Intermezzi, in denen wir Einblicke in die Gedanken des Täters erhalten, sind nicht ohne, zeichnen ein deutliches Bild dieses gestörten Charakters. An anderen Stellen werden immer wieder Erinnerungen an Richard Kindheit eingeschoben, die helfen, den Hauptcharakter in dieser Reihe besser verstehen zu können.
Trotz, oder gerade durch die ständigen Wechsel der Perspektiven und die bildliche Sprache schafft es die Autorin einen kontinuierlichen Spannungsbogen aufzubauen, der einen an das Buch fesselt.
Am Ende bleiben Fragen offen, so wie es sich für eine Serie gehört; handelt es sich doch hier um den ersten Band einer Reihe um den Ermittler Richard Schwarz. Auch durch die Andeutung, dass der wahre Drahtzieher hinter den Morden in Wien immer noch auf freiem Fuß ist und in irgendeiner Verbindung zu Richard und Theres steht, lässt einen schon ungeduldig auf den zweiten Band warten.
Für den ersten Band würde ich gerne sieben Sterne vergeben, wenn dies möglich wäre. Aber leider muss ich mich mit fünf zufrieden geben.

Veröffentlicht am 13.07.2019

Gelungene Verbindung aus Krimi und geschichtlichem Hintergrund

Unbarmherzig
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Gina Angelucci ist Bearbeiterin von Cold Cases bei der Münchener Polizei. Als eines Tages in einem Kieshaufen menschliche Knochen gefunden werden, wird sie mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Es ...

Gina Angelucci ist Bearbeiterin von Cold Cases bei der Münchener Polizei. Als eines Tages in einem Kieshaufen menschliche Knochen gefunden werden, wird sie mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Es stellt sich heraus, dass es sich bei einer der Leichen um eine Frau aus dem Baltikum handelt. Schnell führen die Untersuchungen in dem kleinen Dorf Altbruck zu einer ehemaligen Munitionsfabrik, in der während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Zuständen leben und arbeiten mussten. Bei ihren Nachforschungen über die Identität der zweiten Leiche wird Gina in eine verzwickte Familiengeschichte verwickelt, die ihren tragischen Höhepunkt ebenfalls in den letzten Tagen des Krieges fand. Gibt es eine Verbindung zwischen beide Geschichten?
Der Autorin ist hier nicht nur ein spannender Krimi gelungen. Sie hat es auch gekonnt verstanden, die geschichtlichen Hintergründe der Munitionsfabriken und der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges mit der Geschichte zu verknüpfen. Durch eingestreute Tagebucheinträge des weiblichen Opfers erfährt der Leser viel über die damalige Zeit und die Zustände in den Lagern.
Nicht nur die Hauptfiguren sind detailreich herausgearbeitet, auch den Nebenfiguren wird auf gekonnte Art Leben eingehaucht. Durch die kleinen persönlichen Fehler und Launen der Figuren, werden sie greifbar und lebensnah.
Entstanden ist eine Geschichte, die den Leser sehr schnell fesselt und nicht mehr loslässt. Am Ende blieb ich nachdenklich zurück. Gleichzeitig bin ich aber auch gespannt auf die nächste Geschichte um Gina Angelucci.