wischen Ebbe und Geheimnissen – Fünf Fremde von Romy Fölck
Fünf FremdeMit Fünf Fremde entführt Romy Fölck ihre Leser auf die kleine Nordseeinsel Neuwerk – ein Ort, der mit seiner rauen Schönheit und Abgeschiedenheit perfekt zu dieser Geschichte voller Geheimnisse passt. ...
Mit Fünf Fremde entführt Romy Fölck ihre Leser auf die kleine Nordseeinsel Neuwerk – ein Ort, der mit seiner rauen Schönheit und Abgeschiedenheit perfekt zu dieser Geschichte voller Geheimnisse passt. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, selbst über die windgepeitschten Deiche zu laufen und die salzige Luft zu spüren. Für mich lebt der Roman vor allem von dieser dichten Atmosphäre und den Figuren, die nach und nach ihre Geschichten preisgeben.
Das Setting auf Neuwerk ist für mich eines der größten Highlights des Buches. Die Insel wirkt zugleich idyllisch und beklemmend – ein abgeschlossener Raum, in dem niemand wirklich entkommen kann und alte Geheimnisse schneller ans Licht kommen, als den Beteiligten lieb ist. Romy Fölck beschreibt die Landschaft so lebendig, dass sie fast selbst zu einer Figur der Geschichte wird. Gerade diese Isolation verstärkt das Gefühl von Spannung und Misstrauen zwischen den Charakteren.
Auch die Charaktere sind interessant angelegt. Die unterschiedlichen Perspektiven geben nach und nach Einblick in ihre Gedanken, Motive und Geheimnisse. Als Leser versucht man ständig herauszufinden, wem man trauen kann und wer vielleicht mehr verbirgt, als zunächst sichtbar ist. Besonders gut gefallen hat mir, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft werden und sich die Ereignisse langsam zu einem größeren Bild zusammensetzen.
Der Schreibstil von Romy Fölck ist ruhig, atmosphärisch und sehr bildhaft. Die Geschichte entfaltet sich eher langsam und lebt von Stimmung und Figurenentwicklung. Für mich hat das gut funktioniert, auch wenn im letzten Drittel die Spannung etwas nachlässt und das Finale stellenweise etwas konstruiert wirkt.
„Manchmal sind es nicht die Fremden, die uns Angst machen – sondern die Geheimnisse, die wir selbst mitbringen.“
Dieses Zitat spiegelt für mich die Essenz des Romans wider. Die Geschichte zeigt, wie sehr Menschen von ihrer Vergangenheit geprägt werden und wie schwer es sein kann, sich ihr zu stellen.
Mein Fazit: Fünf Fremde ist ein atmosphärischer Spannungsroman mit einem starken Setting und vielschichtigen Figuren. Auch wenn die Handlung gegen Ende kleine Schwächen zeigt, überzeugt das Buch durch seine dichte Stimmung und die interessante Struktur mit verschiedenen Perspektiven. Für mich eine spannende, unterhaltsame Lektüre mit 4 Sternen.