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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2025

Beeindruckendes Portrait einer in Vergessenheit geratenen Frau

Die Entflammten
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Inhalt:

Simone Meier war mir bis Mitte Oktober 2024 gar kein Begriff. Dann aber ging ich mit Angie zu einer wunderbaren Lesung von "Die Entflammten" und realisierte erst da, wovon das Buch überhaupt handelt. ...

Inhalt:

Simone Meier war mir bis Mitte Oktober 2024 gar kein Begriff. Dann aber ging ich mit Angie zu einer wunderbaren Lesung von "Die Entflammten" und realisierte erst da, wovon das Buch überhaupt handelt. Meier nimmt sich nämlich der Lebensgeschichte von Jo van Gogh-Bonger an. Der Frau, die hauptverantwortlich war für den weltweiten Ruhm ihres Schwagers Vincent van Gogh und die immer wieder aus so vielen Geschichtsbüchern ausradiert worden war.

Meine Meinung:
Um so besser, dass ich anfangs Oktober auch gleich ein paar Bilder von Vincent van Gogh im MoMa in New York bestaunt hatte. Und so fügte sich alles zu einem schönen Gesamtbild und ich startete mit diesem Buch ins Jahr 2025. Es dauerte ein paar Kapitel, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen war, aber dann fand ich mich immer besser zurecht und war begeistert von Meiers Sprache, von der Leichtigkeit, mit der sie gekonnt historische Fakten rund um die bewegte Lebensgeschichte von Jo van Gogh-Bonger mit fiktiven Elementen verwebt.

Schreibstil und Aufbau:
Die Geschichte wird in zwei immer enger ineinander verschmelzenden Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart begleiten wir die Kunsthistorikerin Gina nach Italien ans Meer ins Haus ihres Vaters, einem Schriftsteller, der nur ein einziges Buch geschrieben hat und an weiteren Versuchen gescheitert ist. Dort will Gina eine Arbeit über Jo van Gogh-Bonger schreiben, welche sich bald als grösser und mächtiger erweist, als erwartet. Ihre inneren Dialoge mit Jo werden immer intensiver, die Biografien der beiden Frauen beginnen sich einander anzunähern und in fiktiven Treffen zu vereinen, Gina beginnt, ihre Arbeit als ganzen Roman zu schreiben. Im Vergangenheitsstrang begleiten wir Jo durch ihren Alltag in Paris und Amsterdam, lernen sie als junge Frau und Partnerin von Theo van Gogh, als Schwägerin und Bewundererin von Vincent van Gogh und später als dessen wichtigste und einflussreichste Galeristin und Managerin kennen und erhalten tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt.

Meine Empfehlung:
Simone Meier ist mit diesem gekonnt erzählten und auf fundierten Recherchen basierenden Roman ein kleines Meisterwerk gelungen. Sie hat nicht nur eine packende und berührende Geschichte geschrieben, sondern damit Jo van Gogh-Bonger auch ein würdiges Andenken geschaffen.

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Veröffentlicht am 31.12.2024

Unterhaltsam, leicht und auch ein wenig seicht

Zum Glück ein Jahr
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Inhalt:
Julia tröstet ihre beste Freundin Nelly mit einer rauschenden Silvesterparty zumindest ein wenig über den Tod deren Mannes hinweg. Mitten in der Nacht fassen die besten Freundinnen einen Entschluss ...

Inhalt:
Julia tröstet ihre beste Freundin Nelly mit einer rauschenden Silvesterparty zumindest ein wenig über den Tod deren Mannes hinweg. Mitten in der Nacht fassen die besten Freundinnen einen Entschluss und was als amüsantes Trinkspiel begonnen hat, wird zu einer Löffelliste, die sich gewaschen hat und die ihre Leben komplett auf den Kopf stellen wird.

Meine Meinung:
Das Buch habe ich sehr gerne gelesen und ich habe mich von der Geschichte und den sympathischen Protagonistinnen immer wieder überraschen und unterhalten lassen. Die Handlung bleibt zwar eher oberflächlich, greift aber doch einige spannende Themen auf und vor allem Nellys Umgang mit einem heftigen Verdacht hat mich tief beeindruckt. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Entwicklung von Julias Beziehung sich anders und in meinen Augen realistischer ergibt, als dies in vielen anderen Romanen der Fall ist und ich hätte ihren Mann Alex einige Male am liebsten getreten. Er ist die Figur, die mit Abstand am eindimensionalsten bleibt und auch sonst hat die Geschichte nicht allzu viele Facetten, der Charme der beiden besten Freundinnen, der leichte Humor und die immer mal wieder äusserst pointierten Dialoge machen dies aber wett.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich überrascht und unterhalten und mir einfach immer wieder entspannte Lesestunden beschert, ihr dürft aber nicht zu viel Tiefgang erwarten, sondern bekommt einfach zwei wunderbar erzählte Protagonistinnen, eine lustige Grundidee und einzelne eher blasse Nebenfiguren.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Schöne Botschaft, eher oberflächliche Beschreibungen

Wunder einer Winternacht
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Inhalt:
Als Ossi und Tommi beim Tauchen ein rätselhaftes Holzkästchen finden, erzählt ihnen ihr Opa eine alte Legende und eine ganz einzigartige Version der Weihnachtsgeschichte. Diese handelt vom kleinen ...

Inhalt:
Als Ossi und Tommi beim Tauchen ein rätselhaftes Holzkästchen finden, erzählt ihnen ihr Opa eine alte Legende und eine ganz einzigartige Version der Weihnachtsgeschichte. Diese handelt vom kleinen Waisen Nikolas und seiner grosse Dankbarkeit und Nächstenliebe, vom grimmigen Lisakki und davon, dass in vielen Menschen ein trauriges aber oft gutes Herz wohnt, auch wenn man dieses auf den ersten Blick nicht erkennen kann.

Meine Meinung:
Ronja vom Blog oceanlove hat mir das Buch als Adventskalender empfohlen und dafür eignet es sich wirklich sehr gut. Es hat mir schöne Lesestunden beschert und mich mit den täglichen Geschichten wunderbar unterhalten. Die Grundidee und die schöne Weihnachtsbotschaft haben mich sehr berührt, die Beschreibungen und Zeitsprünge haben mir aber nicht so gut gefallen.

Aufbau:
Zuerst hat mich irritiert, dass das erste Kapitel mitten im Sommer spielt, aber wie sonst hätten Ossi und Tommi das Holzkästchen beim Tauchen finden können? So ergibt also alles Sinn und die vierundzwanzig Kapitel, die auch wirklich mit "Türchen" überschrieben sind, eignen sich ideal als Adventskalender und verströmen schon ab dem zweiten Türchen viel Winter- und Weihnachtsstimmung.
Es hat mich persönlich sehr gestört, dass auf den wenigen Seiten einige Jahrzehnte erzählt werden und dass die Beschreibungen entsprechend sehr allgemein und oberflächlich bleiben. Es geht im Buch vor allem um Nächstenliebe, Freundschaft und um das Gute im Menschen, ich weiss aber nicht wirklich, wie die Figuren aussehen, wie sie leben und was sie ausser den Weihnachtstagen sonst noch so bewegt.

Meine Empfehlung:
Ehrlich gesagt habe ich mir ein wenig mehr erwartet, finde die Geschichte aber trotzdem sehr schön geschrieben und kann mir gut vorstellen, dass sie sich vor allem auch zum Vorlesen eignet. Ich empfehle "Wunder einer Winternacht" allen, die bereit sind, an Wunder zu glauben, die sich gerne berühren und verzaubern lassen und die sich nicht daran stören, wenn Beschreibungen eher oberflächlich bleiben.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Geschichte mit Luft nach oben aber toller Protagonistin

Mord im Christmas Express
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Inhalt:
Weihnachten naht und die frühpensionierte Kommissarin Roz reist zur Geburt ihrer Enkelin mit dem Nachtzug in die schottischen Highlands. Die verschneite Winterlandschaft wird aber schnell zum Alptraum. ...

Inhalt:
Weihnachten naht und die frühpensionierte Kommissarin Roz reist zur Geburt ihrer Enkelin mit dem Nachtzug in die schottischen Highlands. Die verschneite Winterlandschaft wird aber schnell zum Alptraum. Das Wetter macht den Passagieren einen Strich durch die Rechnung, der Zug entgleist, eine Leiche wird gefunden und immer mehr gefährliche Geheimnisse kommen ans Licht.

Meine Meinung:
Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich vor einem Jahr bei Ina, also musste ich natürlich zugreifen, als ich es für zwei Franken im Bärner Brocki kaufen konnte. Der Aufbau hat mich sehr überrascht. Es geschieht nämlich sehr lange nicht viel, dafür lernte ich alle Passagiere kennen und konnte schon ein wenig spekulieren. Auch war das Buch sehr unterhaltsam erzählt und erinnerte mit einem Augenzwinkern an eine in die heutige Zeit versetzte Version "Mord im Orient Express". Plötzlich wird die Geschichte spannender, die Themen werden sehr heftig (TW beachten) und das Ende entpuppt sich sogar noch als feministisches Plädoyer.

Schreibstil und Aufbau:
Diese ganzen Entwicklungen wirkten für mich nicht ganz rund aufeinander abgestimmt. Es ging mir zu lange, bis die Handlung ins Rollen kam und ich persönlich finde, dass die Auflösung und die ganzen Verstrickungen am Schluss ein wenig gar weit hergeholt und leider auch vorhersehbar waren. Allerdings sind Themen wie Social Media, häusliche Gewalt und auch der Zusammenhalt von Frauen sehr schön verarbeitet und modern erzählt.

Meine Empfehlung:
Leichte Unterhaltung, die immer intensiver wird, schottisches Winterfeeling und Figuren mit einer wichtigen Message machen dieses Buch aus. Ja, der Krimi hat Luft nach oben was den Spannungsbogen anbelangt. Allerdings haben mir die Protagonistin und die Idee sehr gut gefallen und ich kann mir vorstellen, weitere Romane von Alexandra Benedict zu lesen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Kommt nicht an die Vorgänger heran, ist aber unterhaltsam

Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache
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Inhalt:
Orpheus kehrt mit Wut im Bauch, einem mächtigen Zauber und Racheplänen zurück. Vor allem Staubfinger soll leiden und schon bald verschwinden alle Figuren, die Staubfinger lieb sind, in einer grauen ...

Inhalt:
Orpheus kehrt mit Wut im Bauch, einem mächtigen Zauber und Racheplänen zurück. Vor allem Staubfinger soll leiden und schon bald verschwinden alle Figuren, die Staubfinger lieb sind, in einer grauen Zwischenwelt, wo sie schwächer und schwächer werden. Können Liebe und Freundschaft einen scheinbar unzerstörbaren Fluch aufheben?

Meine Meinung:
Was habe ich mich gefreut, als mir unsere Nachbarin dieses Buch ganz überraschend geschenkt hat und was habe ich dann aber leider auch mit dieser Geschichte gekämpft... Vor etwa zwanzig Jahren habe ich die "Trilogie" gelesen und meine Erinnerungen waren...lückenhaft bis inexistent. Hinten im vierten Band befinden sich aber ein detailliertes Personenverzeichnis sowie einen Rückblick auf die ersten drei Bände aus Orpheus Sicht, die mich ratlos zurückgelassen hat, also habe ich mir online auch noch diverse Zusammenfassungen der "Trilogie" angesehen und nach etwa hundert gelesenen Seiten hatte ich endlich das Gefühl in der Geschichte angekommen zu sein. Diese hat mich gut unterhalten und mich ganz wenig vom Zauber der Trilogie spüren lassen, weil sie aber nach so wenigen Seiten wieder vorbei war, fehlten mir Tiefe und die enorm hohe sprachliche Qualität, die ich aus den anderen Bänden kenne.

Meine Empfehlung:
Wer ein wenig Sitzfleisch hat und sich sehr gut an die Geschehnisse der Vorgängerbände erinnern kann, oder bereit ist, diese noch einmal zu lesen oder sich zumindest ein paar Zusammenfassungen anzusehen, wird mit einer kurzweiligen Geschichte belohnt, die aber nicht über die Tiefe der Trilogie verfügt und nicht annähernd an deren Raffinesse heranreicht. Hätte es diesen vierten Band gebraucht? Für mich nicht unbedingt, aber da scheiden sich die Geister.

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