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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2025

Psycho

Die Schatten, die dich jagen
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Eine wilde Bestie soll in Norfolks Wäldern jagen und töten. Detective Chief Inspector Robert Kett hat Zweifel, will den Mörder fassen. Trotz einer üblen Stichverletzung und persönlicher Sorgen. Drei anstrengende ...

Eine wilde Bestie soll in Norfolks Wäldern jagen und töten. Detective Chief Inspector Robert Kett hat Zweifel, will den Mörder fassen. Trotz einer üblen Stichverletzung und persönlicher Sorgen. Drei anstrengende Töchter!
Der Einstieg ist sehr gelungen, das Szenario spannend. Es könnte ein riesiges mysteriöses Tier gewesen sein, aber wie passen die eingeritzten Buchstaben dazu?
In mühsamer Kleinarbeit werden Einwohner befragt, Spuren untersucht. Kompetenzrangeleien machen die Suche nicht leichter, ungehobelte Männer auch nicht. Und immer spielen Hunde eine Rolle.
Alex Smith bedient sich klarer, drastischer Sprache, beschreibt anschaulich und charakterisiert die Personen vorstellbar. Was aber nicht vorstellbar ist, was Menschen Anderen antun.
Psychothriller der packenden Art, ein aufregender Pageturner.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Ein Aufregerbuch

»Mama, bitte lern Deutsch«
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Die Mutter braucht keine Deutschkenntnisse - sie hat ja ihren Sohn. Der liest ihr vor, füllt Fomulare aus, setzt sich mit Behörden auseinander. So einfach wird ihm eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. ...

Die Mutter braucht keine Deutschkenntnisse - sie hat ja ihren Sohn. Der liest ihr vor, füllt Fomulare aus, setzt sich mit Behörden auseinander. So einfach wird ihm eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. Sein Fazit: „Danke für nichts, Mama.“ Das klingt verbittert und ist es auch. In seinem Frust überzieht Tahsim Durgun, verallgemeinert an falschen Stellen. Fairerweise muss festgestellt werden, dass Nichts und Niemand seiner harschen spitzzüngigen Kritik entkommt. Wie kann man das Aussehen seiner Schwester mit einem Kondom vergleichen? Den Bruder abschieben wollen wegen eines fehlenden Buchstabens? Ironie vom Feinsten fehlt bei ihm an keiner Stelle. Aber: worüber beschwert er sich noch? Kostenlose Kleidung? Eine günstige Wohnung? Gelungenes Abzocken von Spenden? Keine Geschenke von der Kioskverkäuferin? Über den zusätzlichen Deutsch- Unterricht? Ja, der ist suboptimal gelaufen, das ist aber nicht die Regel. Gelungener und bewusster Maisklau von Feldern? Nächtliche Alkoholpartys für Minderjährige am Strand .. ? Ach nein, laute Musik, der Dreck und das Erbrochene am See gefallen ihm doch nicht. Oder ist es gar das im Vergleich zur Türkei bessere deutsche Gesundheitssystem? Nicht nur seine Familie wird nicht sofort oder liebevoll behandelt.
Tahsim rechnet mit Deutschland ab. Jetzt ist der 1995 in Oldenburg Geborene Lehramtsstudent und angekommen.
Sein Schreibstil ist eloquent, präzise und mit bissigem Humor. Liest sich flüssig, ist sein Ventil.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Ein Erinnerungsbuch

Die Kinder von der Fischerinsel
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An die Fischerinsel erinnere ich mich gut. Ich bin in der Nähe einige Jahre zur Schule gegangen, wenn auch zwei Jahre früher als der Autor, habe ähnliche Mitschüler, wie sie in Andreas Ulrichs Buch beschrieben ...

An die Fischerinsel erinnere ich mich gut. Ich bin in der Nähe einige Jahre zur Schule gegangen, wenn auch zwei Jahre früher als der Autor, habe ähnliche Mitschüler, wie sie in Andreas Ulrichs Buch beschrieben werden, gehabt. Die Fotos hätten von meinen Freunden sein können, Mode und Frisuren sind mir sehr vertraut.
Ein erinnerungsträchtiger Einblick in die Verhältnisse auf der Spreeinsel, Zeitgeist schimmert durch. Andreas Ulrich lässt seine Klassenkameraden erzählen, berichtet sachlich und beschreibt Lebensetappen. Dabei entdeckt er interessante Zusammenhänge, die für ihn Ende der 70er nicht offensichtlich waren.
Durch die privilegierte Wohnsituationen und eine weiterführende Schule traf er auf Künstler-, Diplomaten- und Ministerfamilien, für ihn in der Schulzeit nichts Besonderes. Erst später wird ihm so Einiges bewusst. Ein Anhang mit Namen berühmter Bewohner rundet die Geschichte der Fischerinsel ab.
Unaufgeregte, sachliche Zeitgeschichte. Andreas Ulrich erforscht und recherchiert engagiert, gibt verschiedene Lebensgeschichten wieder. Erinnerungsträchtig, interessant.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Eine Berufung

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Hatoko kehrt in ihren Heimatort Kamakura zurück, um den Schreibwarenladen der verstorbenen Großmutter zu übernehmen. Zusätzlich enthält das Erbe das Amt der öffentlichen Schreiberin. Dabei müssen das Papier, ...

Hatoko kehrt in ihren Heimatort Kamakura zurück, um den Schreibwarenladen der verstorbenen Großmutter zu übernehmen. Zusätzlich enthält das Erbe das Amt der öffentlichen Schreiberin. Dabei müssen das Papier, die benutzte Tinte, der Sprachstil, die Tusche, sogar die Briefmarke nach bestem Gefühl ausgewählt werden. In Japan ein anerkannter und wichtiger Beruf.
Hatokos Ausbildung als Kalligrafin begann, als sie sechs Jahre alt war. Eine Stunde täglich musste sie üben. Das steigerte sich, die strenge Großmutter beeinflusste ihre Kindheit stark. Ständige Antreiberei ließen keine Freundschaften oder kindliche Freizeitvergnügen zu.
Die Hauptfigur erzählt detailliert, kleinteilig, beschreibt überaus gründlich ihre Art des Briefeschreibens. Ihr Ziel ist es, andere Menschen mit ihren Arbeiten glücklich zu machen. Ihre Geduld, ihr Streben nach Perfektion bei den immer sehr persönlichen Briefen sind bewundernswert. Jedes Schreiben ist ein gut überlegtes Kunstwerk, gewissenhaft verfasst und nur darum geht es in diesem Buch. In Maßen durchaus nicht uninteressant, mir für ein ganzes Buch zu ausführlich. Gut, dass durch die Briefe Lebenseinblicke gegeben werden. Mehr Interessantes Persönliches von Poppo-chan hätte mir gefallen, aber: „Sie schrieb über banale Dinge, …“ , urteilt sie über ihre Vorgängerin. Trifft auch auf sie zu. Der Japan- Zauber, die fernöstliche Poesie - kam bei mir nicht an.
Ito Ogawa hat eine Melange aus Sachbuch und Alltag einer seltenen Berufsgruppe verfasst. Für an einige japanischen Bräuchen und an der Tätigkeit öffentlicher Schreiberinnen interessierten Lesern ein unaufgeregter Leckerbissen.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Aus der Zeit gefallen

Das Ministerium der Zeit
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Menschen, die in ihrer Zeit aus verschiedenen Gründen versterben, werden zu Forschungszwecken in die Gegenwart geholt. Verschiedene Epochen, verschiedene Geschlechter, verschiedene Berufe und natürlich ...

Menschen, die in ihrer Zeit aus verschiedenen Gründen versterben, werden zu Forschungszwecken in die Gegenwart geholt. Verschiedene Epochen, verschiedene Geschlechter, verschiedene Berufe und natürlich sehr unterschiedliche Charaktere. Jede/r bekommt eine/n Betreuer/in, der/die ihnen hilft, sich zurechtzufinden.
Graham Gore, Commander der Royal Navy, ca. 1809-1847, ist einer von ihnen. Sehr interessant, ihn bei der Eingewöhnung zu beobachten, seinen Gedanken zu folgen.
Humorperlen durchziehen das Buch. Sehr amüsant ist die Beschreibung, wie Graham Fahrrad fahren erkundet.
Dennoch setzt sich bei der „Brücke“ ( Betreuerin) und auch bei dem Leser der Gedanke durch: ist es zu vertreten, Menschen ohne ihre Zustimmung in eine andere Welt zu holen und als Versuchskaninchen zu benutzen? Ihnen Nummern statt Namen zu geben?
Ethik geht anders. Und auch im Buch kommt alles ganz anders. Das Ende ist zunächst verworren, dann erwartbar.
Fazit: streckenweise spannend, interessant, verwirrend, faszinierend - alles dabei!

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