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Veröffentlicht am 24.08.2021

Die Frau, die mehr kann

Die Teehändlerin
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Fankfurt 1838, Friederike ist jung und schön, hat vier Kinder und ist mit dem fünften schwanger. Ihr Mann, mehr oder weniger erfolgreicher Teehändler, wird bald auf eine nicht ungefährliche einjährige ...

Fankfurt 1838, Friederike ist jung und schön, hat vier Kinder und ist mit dem fünften schwanger. Ihr Mann, mehr oder weniger erfolgreicher Teehändler, wird bald auf eine nicht ungefährliche einjährige Reise nach China aufbrechen. Forschung, Einkauf und Anerkennung in der Wissenschaftsszene sind sein Ziel. Sein Prokurist, der ihn vertreten soll, hat ganz eigene, eigennützige Pläne. Jedoch verunfallt er und eine unliebsame Jugendbekanntschaft soll ihn ersetzen. Tobias, sturer Esel der er ist, reist trotzdem. Naiv verteilt er auch noch Darlehen, gönnt seiner Frau aber keine Hilfe, sieht ihre Sorgen nicht. Dafür jammert er in ellenlangen Briefen.
Friederike allerdings ergreift Initiative. Ihre Zweifel werden nachvollziehbar beschrieben, die Lösung ist einfach. Dann ist da ja auch noch der kluge und sympathische Paul. Bahnt sich da etwas an? Dramatisch wird es auf jeden Fall.
Susanne Popp schildert anschaulich das bürgerliche Leben in Frankfurt, Wohnverhältnisse, Sehenswürdigkeiten, sogar das Frankfurter Sängerfest, spart aber auch politische Hintergründe nicht aus. Unterschiedliche Religionen bereiten Probleme. Zudem trifft man auf interessante Namen bekannter historischer Personen der Biedermeierzeit. Sehr gut nachvollziehbar wird Friederikes Kampf um Selbstbestimmung aufgezeigt, eng verbunden mit demAufstieg einer berühmten Kaufmannsfamilie, den Ronnefeldts, die auch heute noch auf dem Teemarkt eine Rolle spielt.
Teil 1 der Ronnefeldt-Saga, die auf historischen Gegebenheiten beruht, läßt auf Fortsetzung hoffen.
Herausgegeben vom Fischer Verlag.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Der Rajah-Kilt

Niemandsmeer
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1841, Südlicher Ozean. Auf der »Rajah« befinden sich hundertachtzig Frauen, die in England für kleinere Straftaten verurteilt wurden, auf dem Weg nach Tasmanien. Aufseherin und Sozialreformerin Kezia, ...

1841, Südlicher Ozean. Auf der »Rajah« befinden sich hundertachtzig Frauen, die in England für kleinere Straftaten verurteilt wurden, auf dem Weg nach Tasmanien. Aufseherin und Sozialreformerin Kezia, edelmütig und gut, gründet einen Nähkurs, um den ungelernten Frauen Kenntnisse zu vermitteln. Unter ihnen ist eine, die mit falscher Identität auftritt. Ein Beinahe-Mord geschieht. Wer beging die Tat und warum? Kezia erfährt einiges über ihre Schützlinge, die bittere Not zu ihren Taten trieb. Hier könnten interessante Lebensläufe geschildert werden. Der Kapitän ist erstaunlich sympathisch, interessiert sich für Kezia.
Clara Shaw hat also einen fremden Namen übernommen, Hattie beschützt ihren Sohn Bertie, nachdem sie Kitty fortgeben musste, sie wird niedergestochen, Joan kommt einem der Mannschaftsmitglieder näher, Marion hat Angst in engen Räumen, Emily unterrichtet die Kinder. Schicksale, die ausführlicher und spannender erzählt gehörten. Das Leben an Bord plätschert dahin, die Frauen versuchen, gottgefällig zu leben. Einige der Gefangenen bedienen sich recht derber Worte, hier schimmert Originalität durch. Ein gewisser Zusammenhalt - wie bei den Stoffstücken im gefertigten Quilt- entsteht. Ein guter Beginn und eine Chance auf ein besseres Leben in Australien.
Hope Adams Roman beruht auf historischem Hintergrund und gibt Einblicke in eine eher unbekannte Welt. Den beschriebenen Rajah-Quilt kann man im Victoria and Albert Museum in London besichtigen.
Aus dem Englischen von Leonie von Reppert-Bismarck und Anja Kirchdörfer Lee, verlegt von Droemer.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Käfighaltung

Der Käfig: Entkommen ist tödlich
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Eddie Gal hat eine schreckliche Kindheit hinter sich. Von der Mutter gehasst und zum Sadisten erzogen, nachdem ihr Versuch, ihn als Baby zu töten, zu einem Hirnschaden geführt hat. In seinen Wahnvorstellungen ...

Eddie Gal hat eine schreckliche Kindheit hinter sich. Von der Mutter gehasst und zum Sadisten erzogen, nachdem ihr Versuch, ihn als Baby zu töten, zu einem Hirnschaden geführt hat. In seinen Wahnvorstellungen sind Menschen Hühner, die er zum Eierlegen in Käfige sperrt und nach Belieben foltert oder tötet. Sehr unwahrscheinlich, dass die Gefangenen so überleben, wie sie das unter den geschilderten Bedingungen tun: Nahrung aus Insekten und Menschenfleisch, Amputationen und Schussverletzungen ohne medizinische Behandlung, ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Hoffnung. Hier aber ist es möglich, eine starke Motivation gibt der Hauptfigur, einem ehemaligen Junkie und gefängniserfahrenen Mann, Kraft.
Morbider Grusel mit Ekel beim Lesen vulgärer und sehr einfacher Sprache wechselt mit durchaus spannenden Passagen. Gerade zum Ende hin fiebert man einer Lösung entgegen.
Ungewöhnlicher Psychothriller von Mike Chick, verlegt von Piper.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Das Chalet

Der Ort der verlorenen Herzen
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Was für eine schöne Idee: Menschen, die ganz allein sind, dürfen sich hier, in den idyllischen Vogesen, zu Weihnachten erholen. Der jetzige Besitzer von Anouks Elternhaus lädt fünf Personen ein.
Anouk ...

Was für eine schöne Idee: Menschen, die ganz allein sind, dürfen sich hier, in den idyllischen Vogesen, zu Weihnachten erholen. Der jetzige Besitzer von Anouks Elternhaus lädt fünf Personen ein.
Anouk zieht eigentlich die Einsamkeit vor. Nachdem ihre Eltern starben, als sie 17 war, igelt sie sich ein. Auch die anderen vier Gäste haben Sorgen, wollen ein unbelastetes Weihnachten verleben. Es kommt anders, der Gastgeber verschwindet, die Hütte schneit derart ein, dass sich die Bewohner plötzlich in einer Art Insellage wiederfinden.
Kurz darauf bekommt Anouk Briefe, die ihre Welt verändern. Sie schafft es, sich mit ihrem Leben tiefgründig auseinanderzusetzen. Hat der Aufenthalt in den Bergen etwas bewirken können?
Viele Emotionen, viel Nachdenkenswertes wird von Claire Stihlé aufgerufen, sensibel und kritisch wird ihre Anouk geschildert. Das wirkt authentisch, ist interessant zu lesen. Aber: was ist mit Antoine?
Kein unbedingter Weihnachts- oder Wohlfühlroman, aber gut zu lesen!

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Veröffentlicht am 17.08.2021

Tischler kriegt sie alle

Prost, auf die Jugend
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Kommissar Tischler mit Leihdackel Resi findet ausgerechnet an einem Samstag im Wald eine Leiche. Ist doch keine Dienstzeit! Weiterer
unterschwelliger bayerische Humor: Was bringt man an den Fundort eines ...

Kommissar Tischler mit Leihdackel Resi findet ausgerechnet an einem Samstag im Wald eine Leiche. Ist doch keine Dienstzeit! Weiterer
unterschwelliger bayerische Humor: Was bringt man an den Fundort eines Toten? »Na, Spurensicherung, Rechtsmedizin, Bestatter, ein paar Schaulustige … Was wir eben so brauchen, wenn wir es mit einer Leiche zu tun haben.« Auch Jäger Ferstels Titulierung als Dampfplauderer ist nett. Derart Blüten kommen häufig vor. Wie schön!
Tischlers Privatleben nimmt Fahrt auf, wird jedoch von Resi erfolgreich torpediert. Cooler Hund. Es geht gemütlich zu auf dem Revier, aber trotzdem wird engagiert nach Motiv und Täter gesucht. Gar nicht so einfach, wenn die Rotzlöffel von heute keinen Respekt mehr haben.
Wieder ist Tischler clever und herzlich, Fink ein netter Sidekick und die Dorfgemeinschaft unterhaltsam. Die Bösen geben keine Ruhe, Drogenhandel, Körperverletzung, Betrügereien sorgen dafür, dass die kleine Dienststelle in Brunngries wohl doch nicht geschlossen wird. Welch ein Glück, die muntere Truppe um Tischler würde mir fehlen. Er stellt dann auch zutreffend fest:
„Ja, in den Bergen konnte man zur Ruhe kommen. Auf welche Weise auch immer.“
Unterhaltsam und gut zu lesender Provinzkrimi mit Schmunzelelementen von Friedrich Kalpenstein, herausgegeben von Edition M.

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