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Veröffentlicht am 17.04.2023

Konnte überzeugen

Erinnere dich!
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Bei einer Wanderung mit ihren Freunden verschwindet die Abiturientin Maja spurlos. Damals galt ihr Freund Arno als verdächtig, doch er beteuerte, dass er Maja niemals hätte verletzen können. Seitdem sind ...

Bei einer Wanderung mit ihren Freunden verschwindet die Abiturientin Maja spurlos. Damals galt ihr Freund Arno als verdächtig, doch er beteuerte, dass er Maja niemals hätte verletzen können. Seitdem sind 20 Jahre vergangen und als Arno eine Einladung in die alte Heimat zum Klassentreffen erhält. Zunächst zögert er zurückzukehren, doch als ihm ein Handy zugeschickt wird, auf dem er Nachrichten erhält, beschließt er doch zu fahren, denn die Nachrichten fordern eindrücklich "Erinnere dich".
Das Cover weckte meine Aufmerksamkeit, denn durch die Farben schreit es förmlich "sieh mich an".
Der Einstieg allerdings fiel mir recht schwer, denn trotz des absolut flüssigen Schreibstils, der sich angenehm lesen lässt, war es mir zu ruhig und es passierte gefühlt nichts. Im Nachhinein denke ich allerdings, dass genau das den Protagonisten sehr gut charakterisiert, bzw, dass man so einen guten Eindruck von Arno bekommt.
Der Plot ist sehr gut aufgebaut, denn ab dem Punkt, an dem Arno wieder in der alten Heimat ist, wird es richtig spannend. Dabei kommt der Autor völlig ohne blutige Details oder ähnlichem aus. Vielmehr ist es die Frage, was ist passiert, inwieweit kann man die Vergangenheit verdrängen oder inwieweit reagiert der eigene Verstand auf Traumata. Wirklich richtig gut gemacht!
Das Buch kommt mit wenigen Charakteren daher und trotzdem weiß man nicht genau, wem man vertrauen oder glauben kann. Protagonist Arno ist ein gebranntes Kind aus einem zerrüttetem Elternhaus und niemand hätte ihm zugetraut, einst an einer Universität zu unterrichten. Er scheint sehr ruhig, teilweise unsicher und er grübelt alles bis ins kleinste Detail. Doch ist er seinem Vater ähnlich? Könnte er gegen jemanden, den er liebt, handgreiflich sein? Als Leser verfolgt, bzw begleitet man den Protagonisten durch seine Erinnerungen und weiß wirklich nicht mehr, was man glauben kann.
Neben Arno gibt es nur wenige Nebencharaktere und diese bekommen die nötigen Eigenschaften, um sowohl über den Protagonisten zu grübeln und die Handlung voran zu treiben.
Das Ende ist wenig vorhersehbar und alles wirkt, als könnte es genau so passiert sein.
Mein Fazit: nach kurzen Einstiegsschwierigkeiten bin ich froh, am Ball geblieben zu sein, denn der Autor schafft es dann doch an diese Geschichte zu fesseln. Wer Psychothriller mit Tiefgang mag, kommt hier auf seine Kosten. Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 13.04.2023

Spannend, spannender, Marc Raabe

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Berlin im Winter, an einem Kreisverkehr kommt es zu einem Unfall, in dem die junge Volontärin Frida Wilke verwickelt ist. Neugierig schaut sie auf der Ladefläche des Pritschenwagens nach und macht einen ...

Berlin im Winter, an einem Kreisverkehr kommt es zu einem Unfall, in dem die junge Volontärin Frida Wilke verwickelt ist. Neugierig schaut sie auf der Ladefläche des Pritschenwagens nach und macht einen grausigen Fund, eine entkleidete Tote liegt unter der Plane verborgen und auf dem Körper steht eine Adresse. Der entlassene Polizeibeamte Artur Mayer wird von seinem ehemaligen Chef zurück beordert und das hat einen Grund, denn die Adresse auf der Leiche ist die des Bundeskanzlers Henrik Westphal.
Wer bereits Bücher des Autors Marc Raabe kennt, weiß, dass er unheimlich fesselnd und mitreißend schreibt. Auch hier fühlt man sich schnell mitten in den Thriller versetzt. Man hat das Gefühl, dass man beim Lesen einen Film schaut, Kopfkino vom Feinsten. Dabei gibt es auch hier die richtige Mischung aus privater Geschichte der Protagonisten als auch spannende Wendungen im Fall.
Immer wieder gibt es Rückblicke auf eine Clique von Teenagern und was sie so angestellt haben und man ahnt zwar Zusammenhänge zum aktuellen Geschehen, weiß aber erst so nach und nach, um wen es sich dabei handelt, bzw welcher Teenager welcher Erwachsene war. Das gibt nicht nur einen spannenden Rückblick sondern auch einen guten Blick auf den jeweiligen Charakter.
Arthur Mayer ist zwar ein wenig klischeehaft, der gebrochene Ermittler, und doch ist er mir schnell sehr sympathisch, denn trotz seines Sarkasmus hat er das Herz am rechten Fleck und eine gute Beobachtungsgabe. An seiner Seite steht Nele Tschaikowsky, Anwärterin und hoch motiviert bei den Ermittlungen. Auch Nele mochte ich unheimlich gern, sie ist empathisch und weiß sich zu behaupten.
Neben diesen Protagonisten gibt es eine Reihe Nebencharaktete, die, je nach Rolle, gut dargestellt und vorstellbar waren.
Der Fall an sich ist spannend und Raabe baut geschickt das derzeitige Geschehen in Deutschland mit ein. Wer und warum hier mordet bleibt lange im Dunkeln und sorgt ebenfalls für Überraschungen.
Für mich wieder ein gelungener Thriller aus der Feder des Autors. Hier stimmt die Mischung aus Action, Ermittlungen und Persönlichem und macht den Thriller zu einem spannenden Zeitvertreib, der auch für etwas zartbesaitete Leser nicht zu abartig wird, da der Autor hier die richtige Mischung an Details preis gibt. Klare Leseempfehlung und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Art und Nele.

Veröffentlicht am 10.04.2023

Spannende Fantasy

Kairra. Geschenk der Götter
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Im Land der zwei Sonnen leben Kairra und ihr kleiner Bruder Lorrin. Weil die Sonnen tagsüber alles verbrennen, hausen sie in einem Höhlensystem direkt vor der Stadt Decta Verra, deren Bewohner durch einen ...

Im Land der zwei Sonnen leben Kairra und ihr kleiner Bruder Lorrin. Weil die Sonnen tagsüber alles verbrennen, hausen sie in einem Höhlensystem direkt vor der Stadt Decta Verra, deren Bewohner durch einen Schild vor den Sonnen geschützt sind. Doch in der Stadt herrscht der grausame Statthalter Zekoll. Eines Tages sucht Zekolls Cousine Cesszia nach einer Auserwählten, die dazu bestimmt sei, dass Land, welches vom Untergang durch die Sonnen verdammt ist, zu retten. Ausgerechnet Kairra soll die Erwählte sein, doch kaum in der Stadt befindet sie sich in neue Gefahren. Doch sie trifft auch auf Verbündete und gemeinsam versuchen sie ihr Land vor dem Untergang zu retten. 

Das wunderschöne Cover erweckte gleich meine Aufmerksamkeit und auch der Klappentext klingt nach einer spannenden Fantasygeschichte und genau diese findet man hier.

Asta Müller schreibt flüssig und mitreißend und steckt so voller Ideen, dass man hier jede Menge erlebt, mitfiebern kann und es einfach nie langweilig wird. 

Das Worldbuilding ist sehr anschaulich und so spürt man als Leser regelrecht die sengende Hitze der Sonnen. Aber auch der Palast oder die Höhlen, sowohl die der Rebellen als auch die der Verdammten sind gut beschrieben. Man weiß, in welcher Umgebung die unterschiedlichen Charaktere leben und was das aus ihnen gemacht hat. 

Erzählt wird das Ganze aus unterschiedlichen Perspektiven. Während man Protagonistin Kairra in der Ich-Perspektive kennenlernt und somit auch vieles über ihre Gedankenwelt, erlebt man noch einige weitere Charaktere, die wichtig sind für die Handlung. Somit bekommt man einen guten Überblick, nicht nur über die einzelnen Personen, sondern auch über deren Eigenschaften. 

Protagonistin Kairra habe ich vom ersten Moment an ins Herz geschlossen, denn sie ist mutig, kämpferisch und durch und durch loyal, wenn ihr etwas oder jemand am Herzen liegt.

Aber auch alle Nebencharaktere sind so gut dargestellt, dass man auch hier schnell sowohl Sympathien als auch Antipathien entwickelt. Doch nicht jeder ist so, wie man zu Beginn erwartet und es gibt immer wieder Überraschungen. 

Ganz besonders am Herzen liegen mir Kairras kleiner Bruder Lorrin, der vieles von seiner Schwester gelernt hat, aber auch der Rebell Niaff oder der Götterbote Mhartav und nicht zu vergessen Cesszia, die Cousine des Statthalters. Jeder einzelne ist wichtig für die Handlung und sorgt für jede Menge Spannung. 

Für mich hatte die Geschichte viele spannende Lesestunden und ich freue mich auf weitere Geschichten der Autorin

Veröffentlicht am 10.04.2023

Starker Thriller

Wolfskinder
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Weit oben im Berg liegt der kleine Ort Jakobsleiter, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Fernab der Zivilisation ohne fließend Wasser oder Strom lebt die kleine Gemeinde in der die 3 Kinder ...

Weit oben im Berg liegt der kleine Ort Jakobsleiter, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Fernab der Zivilisation ohne fließend Wasser oder Strom lebt die kleine Gemeinde in der die 3 Kinder Jesse, Rebekka und Edith aufwachsen. Doch obwohl man ihnen eintrichtert, dass alles böse in der Stadt wohnt, will Rebekka nur noch weg, bis sie dann eines Tages tatsächlich verschwindet. Doch Rebekka ist nicht die einzige, denn in der Region verschwinden schon seit Jahren immer wieder Frauen.
Der Klappentext machte mich sehr neugierig auf den Thriller und ich wurde nicht enttäuscht.
Der Einstieg fällt leicht, auch wenn es zu Beginn noch ruhig zugeht. Doch Autorin Vera Buck steigert das Tempo von Seite zu Seite, bis man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Der Schreibstil ist klar und direkt und aus ständig wechselnden Perspektiven mehrerer Personen geschildert. Jede Person wird in der Ich Perspektive erzählt, so dass man all ihre Motivation und Beweggründe direkt mitverfolgt und nachvollziehen kann.
Da ist Smilla, deren beste Freundin vor 10 Jahren in der Region spurlos verschwand. Bis heute ist sie besessen von der Suche nach ihrer Freundin Juli, denn sie glaubt Schuld daran zu haben, dass Juli verschwand.
Dann ist da Jesse, ein Siebzehnjähriger aus Jakobsleiter, der bisher zufrieden mit seinem Leben dort oben in den Bergen war, bis Rebekka immer öfter davon spricht fortzuwollen und als sie verschwindet, scheint er der einzige zu sein, der nach ihr sucht.
Auch die Sicht oder besser gerade die Sicht der neunjährigen Edith aus Jakobsleiter fand ich faszinierend und verstörend. Warum möchte ich hier nicht verraten.
Neben den Dreien gibt es noch diverse weitere Perspektiven und jede einzelne erhöht das Tempo und bringt neue Aspekte zu Tage.
Trotz diesem ständigen Wechsel der Perspektiven behält man sehr gut den Überblick, zum einen, weil man in der Überschrift der Kapitel erkennt, wer erzählt, zum anderen weil es der Autorin hervorragend gelingt, ihre Charaktere völlig unterschiedlich darzustellen.
Mir hat der Thriller unglaublich gut gefallen und ich hatte eine schlaflose Nacht, weil ich nicht aufhören konnte zu lesen. Chapeau an Vera Buck für etwas völlig Außergewöhnlichem, bei dem man zwischendurch gern die Augen schließen würde, aber vor lauter Entsetzen und Faszination nicht anders kann als hinzusehen. Bitte unbedingt mehr davon.

Veröffentlicht am 07.04.2023

Anders als erwartet aber trotzdem gut

Fünf Winter
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Honolulu im Jahre 1941, in einer abgelegenen Hütte werden zwei auf brutalste Art getötete Leichen gefunden. Joe McGrady wird mit dem Fall betraut und begibt sich auf eine Ermittlungsreise, die völlig unerwartete ...

Honolulu im Jahre 1941, in einer abgelegenen Hütte werden zwei auf brutalste Art getötete Leichen gefunden. Joe McGrady wird mit dem Fall betraut und begibt sich auf eine Ermittlungsreise, die völlig unerwartete Wendungen nimmt.
Durch zahlreiche, positive Leserstimmen wurde ich auf diesen Thriller aufmerksam und musste mir ein eigenes Bild machen.
Das Cover wäre mir auf den ersten Blick nicht aufgefallen, passt aber durchaus zum Inhalt.
Autor James Kestrels Schreibstil macht den Einstieg ins Buch sehr leicht. Auf eine unaufgeregt, beinahe nüchterne Art erzählt er seine Geschichte. Genau dadurch erhält der Leser einen Eindruck als würde er einen alten Thriller aus der Zeit betrachten. Ohne sich völlig in Details zu verlieren, beschreibt er das Setting.
Durch diesen ruhigen Stil bleibt auch der Thriller eher unaufgeregt und man bleibt Beobachter des Geschehens. Doch dann gibt es immer mehr Wendungen und Überraschungen.
Die Zeit, in der der Thriller spielt, wird gut wiedergegeben und auch wenn ich nicht viel über die Begebenheiten weiß, hatte ich den Eindruck, dass hier alles ganz dicht recherchiert wurde und ich selbst nun mehr über die realen Ereignisse erfahren habe.
Mittelpunkt des Thrillers ist Joe McGrady, der mir sehr gut gefallen hat. Er ist ein ruhiger Mann, der aussergewöhnlich gut Zusammenhänge sieht und über ganz viel Intuition verfügt. Passend zum Schreibstil ist sein Charakter, realistisch, unaufgeregt aber ehrlich und clever.
Neben ihm sorgen viele Nebencharaktete für eine interessante Handlung.
Mein Fazit: mit fünf Winter hat Autor James Kestrel einen gelungenen Thriller geschrieben, der mir als Leser wie ein schwarzweiß Film vorkam. Besonders gut gelingt ihm der Einblick auf die Zeit in dem das Buch spielt und mit seinem Protagonisten hat er einen Charakter erschaffen, den man gern begleitet. Es gibt auch das ein oder andere eher blutige Detail doch auf einer Ebene, das auch eher zart besaitete Leser nicht allzu sehr abgestoßen werden. Lesenswert.