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Veröffentlicht am 21.05.2025

Kulturell und thematisch hochinteressant, für mich ein Highlight

Hello Baby
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„Hello Baby“ behandelt ein Thema, das in den meisten Gesellschaften noch immer ein Tabu ist: Unerfüllter Kinderwunsch. Darüber zu sprechen, ist für viele Paare schwierig, da das Unvermögen, auf natürlichem ...

„Hello Baby“ behandelt ein Thema, das in den meisten Gesellschaften noch immer ein Tabu ist: Unerfüllter Kinderwunsch. Darüber zu sprechen, ist für viele Paare schwierig, da das Unvermögen, auf natürlichem Weg ein Kind zu zeugen, einen sehr intimen Lebensbereich betrifft, es mit einem „körperlichen Makel“ verbunden ist und zugleich emotional für das Paar äußerst belastend. Umso beachtenswerter fand ich es, dass die Autorin Kim Eui-kyung selbst ungewollt kinderlos ist und eigene, bisher erfolglose Erfahrungen mit IVF gemacht hat.

Kim Eui-kyung erzählt abwechselnd aus der Perspektive von sechs Frauen, die zwischen Ende 30 und Mitte 40 sind und sich in einer südkoreanischen Fruchtbarkeitsklinik über Jahre IVF-Behandlungen unterziehen. Der gemeinsame Leidensweg macht sie zu Freundinnen, und sie tauschen sich regelmäßig in ihrer Chatgruppe „Hello Baby“ aus, stützen und ermutigen sich gegenseitig.

Durch ein befreundetes Paar kenne ich die Strapazen einer IVF, das damit verbundene Hoffen und die Enttäuschung bei Fehlversuchen, und vieles, was in diesem Buch beschrieben wurde, hat mich daran erinnert. Auch die Klage der Frauen über die mangelnde Unterstützung durch die Partner kam mir sehr bekannt vor.

Der Schreibstil des Buches ist klar, nüchtern, so dass „Hello Baby“ teilweise wie ein Sachbuch oder Erfahrungsbericht wirkt. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich kein Fan übermäßig emotionaler Bücher bin. Trotz der rationalen Herangehensweise gelingt es Kim Eui-kyung, die psychische und physische Belastung der Frauen eindrücklich darzustellen.

Hochinteressant fand ich den Einblick in die südkoreanische Kultur. Im Gegensatz zu der sehr individualisierten westlichen Gesellschaft hat hier insbesondere die Schwiegerfamilie der Ehefrau eine große Bedeutung. Zugleich wird deutlich, dass sich die südkoreanische Gesellschaft in einem Umbruch zwischen Tradition und Moderne befindet: Auf der einen Seite ist da die ältere Generation mit konservativen patriarchalen Vorstellungen von Ehe und Familie, die enormen Druck auf die Frauen ausübt, ein Kind, möglichst einen Jungen, zur Welt zu bringen. Teilweise wirkt es, als würden potentielle Ehefrauen vor allem unter dem Aspekt der Gebärfähigkeit betrachtet. Und auf der anderen Seite stehen die Jüngeren, die gut ausgebildet im Beruf stehen und sich fragen, welche möglicherweise negativen Auswirkungen eine Mutterschaft haben könnte in Bezug auf Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit und Berufstätigkeit. Angesichts der extrem frauenfeindlichen Arbeitswelt eine verständliche Überlegung. Unter welchem Druck schwangere Frauen und Mütter in der Arbeit stehen und wie sehr sie – auch von anderen Frauen – angefeindet werden, wenn sie Mutterschutz oder Elternzeit in Anspruch nehmen, hat mich wirklich erschreckt. Hier wurde mir wieder bewusst, wie wichtig die Errungenschaften sind, die sich die Frauen in Deutschland diesbezüglich erkämpft haben. Auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, dass bei uns in vielen Bereichen eine mehr oder weniger latente Kinderfeindlichkeit vorherrscht, ist das kein Vergleich mit dem, was Kim Eui-kyung beschreibt. Dies dürfte zugleich sowohl Ursache als auch Folge der weltweit niedrigsten Geburtenrate von 0,72 Kindern pro Frau (2023) in Südkorea sein.

Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich am liebsten noch viel mehr gelesen hätte und mir der Schluss, der sehr zu denken gibt, fast zu schnell kam. Für mich definitiv ein Highlight in diesem Frühjahr.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Viel Selbstdarstellung, wenig Innovatives

Natürlich Maria
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Maria Groß kannte ich bisher nicht, aber Cover und Klappentext versprachen genau das, was mir wichtig ist: Einfache, alltagstaugliche und bodenständige Rezepte, mit unkomplizierten, regionalen Zutaten, ...

Maria Groß kannte ich bisher nicht, aber Cover und Klappentext versprachen genau das, was mir wichtig ist: Einfache, alltagstaugliche und bodenständige Rezepte, mit unkomplizierten, regionalen Zutaten, die zum Nachkochen und Genießen einladen.
In mancherlei Hinsicht trifft das auch auf dieses Kochbuch zu, und dennoch hat es meine Erwartungen nicht erfüllt. Gleich beim ersten Durchblättern fällt auf, dass ein Großteil des Buches der Person Maria Groß, ihrem Umfeld, ihrer Philosophie und dem Restaurant „Bachstelze“ gewidmet ist – viel Werbung in eigener Sache, Selbstinszenierung, die mir unangenehm auffällt und mich überhaupt nicht interessiert. Von einem Kochbuch erwarte ich mir vor allem ansprechend bebilderte, ausführlich beschriebene und innovative Rezepte. Viele ganz- oder doppelseitigen Fotos des reich bebilderten Buches drehen sich jedoch ausschließlich um die Autorin. Die außergewöhnlich vielen Bilder verteuern das Buch nicht nur auf stattliche 36 EUR, sondern tragen auch zu seinem sehr intensiven chemischen Geruch bei.
Nur bei wenigen Rezepten bekomme ich Lust diese nachzukochen, die meisten sprechen mich überhaupt nicht an. Viele sind mir zudem zu einfach gehalten, etwa Rindertartar, Blutwurst, Milchreis oder Eierkuchen. Diese sind so simpel, dass ich mich wirklich wundere, diese überhaupt im Buch einer ambitionierten Köchin wiederzufinden. Entsprechend fallen daher auch die Anleitungen aus. Etwas mehr Raffinesse hätte ich mir hier schon erwartet. Die Kartoffelklößchen klingen lecker, sind im Wesentlichen aber simple Gnocchi, die ich schon seit Jahren zubereite. Ausprobieren werde ich demnächst die Rosenkohlquiche, allerdings nicht mit Blätterteig (Maria verwendet TK-Fertigware), da ich diesen nicht mag, sondern klassisch mit Mürbteig.
Insgesamt finde ich leider nicht mehr als 3 oder 4 Rezepte, die mich wirklich ansprechen, und das ist zu wenig.
Ich hatte mir bodenständige Küche mit Pfiff erwartet und wurde leider enttäuscht.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Der Funke sprang leider nicht über

Magic of Moon and Sea. Die Diebin der vielen Gesichter
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Shelwich ist eine düstere Stadt an einem Gezeitenfluss, dessen Tiden magische Fähigkeiten bei den Bewohnern hervorrufen. Nahezu jeder von ihnen hat eine besondere Gabe, deren Stärke mit Ebbe und Flut ab- ...

Shelwich ist eine düstere Stadt an einem Gezeitenfluss, dessen Tiden magische Fähigkeiten bei den Bewohnern hervorrufen. Nahezu jeder von ihnen hat eine besondere Gabe, deren Stärke mit Ebbe und Flut ab- bzw. zunimmt. Das Mädchen Ista Flit ist hierdurch in der Lage, sich bei Flut in eine beliebige andere Person zu verwandeln. Ista ist vor einigen Monaten alleine nach Shelwich gekommen, um ihrem Vater zu suchen. Dieser ist kurz zuvor in Shelwich auf mysteriöse Weise verschwunden, genau wie einige andere Bewohner dieser Stadt. Es heißt, dass bei Nacht und Nebel unheimliche Wesen, die sogenannten Grilks, ihr Unwesen treiben. Auch Ista ist den Grilks gleich an ihrem ersten Abend nur auf Haaresbreite entkommen. Sie wurde von einem jungen Mann namens Alexo Rokis gerettet, der im Gegenzug von ihr fordert, 20 Aufträge für ihn auszuführen. Während eines Auftrags lernt sie Nathaniel „Nat“ Shah kennen und beide geraten in eine gefährliche und zugleich höchst merkwürdige Situation. Als sie weitere Nachforschungen anstellen, kommen sie zusammen mit dem Mädchen Ruby einem Geheimnis auf die Spur, das alle drei in höchste Gefahr bringt…

Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem elfjährigen Sohn gelesen. Wir haben beide etwas gebraucht, bis wir in die Geschichte reingekommen sind. Das Gesamtkonzept der Fantasywelt wirkte auf mich an einigen Stellen etwas unausgegoren. So blieb unklar, in welchem zeitlichen Kontext die Geschichte spielt. Einerseits machte alles einen etwas heruntergekommenen und altertümlichen Eindruck, andererseits wurden Solarmobile und eine sogenannte Rollbahn als Transportmittel erwähnt, die allerdings beide nicht näher beschrieben oder gar genutzt wurden. Auch ist unklar, ob die Gezeitengabe auf die Bewohner von Shelwich beschränkt ist bzw. falls dem so ist, warum Ista, die von außerhalb stammt, über eine solche verfügt. Hier hätte ich gerne noch mehr Hintergrundinformationen gehabt, um eine schlüssige Vorstellung von der Welt entwickeln zu können. Insgesamt erschienen die vorkommenden Fantasy-Elemente – Gezeitengabe und magische Urtiere – eher wie Stückwerk.

Die handelnden Charaktere blieben blass und es fehlte ihnen an Tiefe. Wir wurden daher mit Ista, Nat und Ruby nicht wirklich warm, und so richtig konnten wir nicht mit ihnen mitfiebern. Die politische Ebene der Handlung, bei der zwei rivalisierende Politiker:innen um das Gouverneursamt konkurrieren, wirkten überzogen und arg aufgesetzt. Bei Kinderbüchern ist erfahrungsgemäß auch eine Portion Humor hilfreich, um eine Geschichte aufzulockern, diesen haben wir hier über weite Strecken auch vermisst.

Kurios finde ich, dass dieses Buch, das im englischen Original „Tidemagic. The many faces of Ista Flit“ heißt, in der deutschen Ausgabe den englischen Titel „Magic of moon and sea“ verpasst bekam. Was soll diese Unsitte, deutsche Ausgabe mit – in diesem Fall sogar neuen! – englischen Titeln zu versehen? „Gezeitenmagie“ hätte ich als wesentlich schöner empfunden.

Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Band einer Reihe, und auch wenn diese Geschichte eine im Wesentlichen abgeschlossene Kernhandlung hat, bleiben noch viele Fragen offen. Das Buch endet mit einem kleinen Cliffhanger, der bereits auf das Abenteuer in nächsten Band verweist. Mein Sohn und ich werden die Reihe allerdings nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

leider über weite Strecken sehr platt und peinlich

Horror-Date
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Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal ...

Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal „The Walking Date“ können sich Singles kennenlernen, die nicht mehr lange zu leben haben. Die Paartherapeutin Nala (35), der wegen eines Glioblastoms nur noch wenige Monate bleiben, trifft hier auf den Anwalt Raphael (34), der mit Borreliose im Sterben liegt. Beide beginnen eine Brieffreundschaft, sind sofort auf einer Wellenlänge. Doch als es zu einem ersten realen Treffen kommen soll, verschlechtert sich Raphaels Zustand, und er bittet seinen besten Freund Julius, an seiner Stelle zu der Verabredung zu gehen, da er nicht absagen und Nala enttäuschen will. Pech nur, dass Julius keine Zeit zur Vorbereitung bleibt, und er ein ganz anderer Typ Mensch als Raphael ist. Und so tritt Julius von einem Fettnäpfchen ins nächste, und das Date entwickelt sich für ihn zu einem Horror-Trip…
Fitzek wagt sich hier an ein schwieriges Thema heran: Junge Menschen, die mit ihrem baldigen Tod konfrontiert sind und den einen Wunsch haben: Sich noch einmal verlieben. Das mit Humor und flotten Dialogen zu verknüpfen ist eine Gratwanderung, die Fitzek leider nur gelegentlich gelingt. Das Buch beginnt zunächst vielversprechend, die Szenen sind witzig geschrieben, man kann sich das erste Aufeinandertreffen von Julius und Nala lebhaft vorstellen. Leider driftet die Handlung dann immer mehr ins Absurde ab, ist über weite Strecken einfach nur peinlich und völlig überdreht, der Humor platt. Erst kurz vor Ende wechselt der Tonfall, die Geschichte bekommt noch etwas an Tiefgang und lässt erahnen, was möglich gewesen wäre, wenn die Figuren weniger eindimensional und der Humor subtiler ausgearbeitet gewesen wären. Insbesondere von Oma Henriette hätte ich gerne mehr erfahren, während die unsäglich peinliche Story um Dr. Vierlaken und seine wesentlich jüngere Gespielin Rosie viel zu viel Raum einnimmt und das Niveau des Buches arg runterzieht.
Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Das Buch ist für mich leider Mittelmaß und wirkt routiniert heruntergeschrieben.
Zum Sprecher: Das Hörbuch wurde wie immer von Simon Jäger eingesprochen. Simon Jäger gehört zu meinen Lieblingssprechern und verstimmlicht auch diese Geschichte wieder ganz hervorragend. Vor allem Julius, aus dessen Perspektive erzählt wird, hatte ich durch die Vertonung sehr lebhaft in sämtlichen absurden Situationen vor Augen.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

leider über weite Strecken sehr platt und peinlich

Horror-Date
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Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal ...

Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal „The Walking Date“ können sich Singles kennenlernen, die nicht mehr lange zu leben haben. Die Paartherapeutin Nala (35), der wegen eines Glioblastoms nur noch wenige Monate bleiben, trifft hier auf den Anwalt Raphael (34), der mit Borreliose im Sterben liegt. Beide beginnen eine Brieffreundschaft, sind sofort auf einer Wellenlänge. Doch als es zu einem ersten realen Treffen kommen soll, verschlechtert sich Raphaels Zustand, und er bittet seinen besten Freund Julius, an seiner Stelle zu der Verabredung zu gehen, da er nicht absagen und Nala enttäuschen will. Pech nur, dass Julius keine Zeit zur Vorbereitung bleibt, und er ein ganz anderer Typ Mensch als Raphael ist. Und so tritt Julius von einem Fettnäpfchen ins nächste, und das Date entwickelt sich für ihn zu einem Horror-Trip…

Fitzek wagt sich hier an ein schwieriges Thema heran: Junge Menschen, die mit ihrem baldigen Tod konfrontiert sind und den einen Wunsch haben: Sich noch einmal verlieben. Das mit Humor und flotten Dialogen zu verknüpfen ist eine Gratwanderung, die Fitzek leider nur gelegentlich gelingt. Das Buch beginnt zunächst vielversprechend, die Szenen sind witzig geschrieben, man kann sich beim Lesen das erste Aufeinandertreffen von Julius und Nala lebhaft vorstellen. Leider driftet die Handlung dann immer mehr ins Absurde ab, ist über weite Strecken einfach nur peinlich und völlig überdreht, der Humor platt. Erst kurz vor Ende wechselt der Tonfall, die Geschichte bekommt noch etwas an Tiefgang und lässt erahnen, was möglich gewesen wäre, wenn die Figuren weniger eindimensional und der Humor subtiler ausgearbeitet gewesen wären. Insbesondere von Oma Henriette hätte ich gerne mehr gelesen, während die unsäglich peinliche Story um Dr. Vierlaken und seine wesentlich jüngere Gespielin Rosie viel zu viel Raum einnimmt und das Niveau des Buches arg runterzieht.

Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Das Buch ist für mich leider Mittelmaß und wirkt routiniert heruntergeschrieben.

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