Ich kannte von Alena Schröder bisher nur ihre beiden Romane „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“. Da ich diese ganz wunderbar fand, ...
Ich kannte von Alena Schröder bisher nur ihre beiden Romane „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“. Da ich diese ganz wunderbar fand, war ich umso neugieriger auf die Kolumnensammlung, und schon der Titel ließ mich schmunzeln.
Die Texte sind direkt aus dem Leben gegriffen, viele der beschriebenen Situationen kommen einem aus dem eigenen Alltag bekannt vor. Alena Schröder nimmt sich selbst nicht zu ernst und schreibt mit entwaffnender Selbstironie, voller Humor und herrlich pointiert, so dass ich beim Lesen mehrmals laut musste, was bei mir eine absolute Seltenheit ist. Diese Kolumnen sind genau die richtige Lektüre, um sich zwischendurch eine kleine Auszeit zu gönnen und erzeugen sofort gute Laune. Ich hätte noch stundenlang weiterlesen können und hoffe sehr auf einen zweiten Band!
„Ein Glück dass ich den Tod nicht fürchte“ ist entstanden aus Gesprächen, die die erfahrende Journalistin Lara Marlowe mit der inzwischen 29-jährigen Julija Mykytenko geführt hat. Julija Mykytenko meldete ...
„Ein Glück dass ich den Tod nicht fürchte“ ist entstanden aus Gesprächen, die die erfahrende Journalistin Lara Marlowe mit der inzwischen 29-jährigen Julija Mykytenko geführt hat. Julija Mykytenko meldete sich 2016 nach Ihrem Bachelor in Sprachwissenschaften freiwillig zur ukrainischen Armee und ist inzwischen als Oberleutnant Kommandeurin einer Drohneneinheit. 2018 starb ihr Mann im Kampf, der ebenfalls als Soldat im Donbass in Einsatz war, 2020 entzündete sich in Vater selbst auf dem Maidan.
Lara Marlowe tritt im Buch selbst vollständig in den Hintergrund und überlässt Julija Mykytenko das Wort. Diese berichtet eindrucksvoll von ihren Beweggründen, in die Armee einzutreten und für die Unabhängigkeit der Ukraine unter Einsatz ihres Lebens zu kämpfen. Ihre Schilderungen vermitteln ein eindrückliches Bild vom Einsatz an der Front, den die ukrainischen Soldaten und Soldatinnen mit den begrenzten Mitteln, die Ihnen zur Verfügung stehen, führen. Julija Mykytenko zeigt auf, wie der Mangel an Ausrüstung, Munition, gepanzerten Fahrzeugen, Drohnen, Waffen- und Abwehrsystemen den Kampf gegen die russische Invasoren erschweren. Auch für strukturelle Probleme der ukrainischen Armee findet sie deutliche Worte, ebenso klar kritisiert sie Teile von Wolodymyr Selenskyis Politik und Kriegsführung.
Julija Mykytenko engagiert sich zudem in verschiedenen Organisationen für die Gleichberechtigung von Frauen in der ukrainischen Armee und sammelt Sachspenden für die Soldaten sowie Geld für die Beschaffung von Ausrüstung und Drohnen.
In weiteren Kapiteln des Buches erzählt Julija Mykytenko von ihrer Kindheit und Jugend und dem Beginn ihres politischen Engagements auf dem Maidan 2014 als junge Studentin.
Da die einzelnen Kapitel immer wieder zeitlich in den Jahren zwischen 2014 und 2024 hin- und herspringen, ist es manchmal nicht ganz einfach, die Geschehnisse gedanklich in die richtige Reihenfolge zu bringen. Hier hätte ich eine stärker chronologische Erzählweise bevorzugt.
Julija Mykytenkos Mut und ihr unbeirrbarer Einsatz für Freiheit und Unabhängigkeit hat mich sehr beeindruckt. Ein bewegendes, wichtiges und sehr empfehlenswertes Buch!
Die Laubwichtelin Glim hat ihre Ausbildung in der Zauberstab-Werkstatt abgeschlossen und begibt sich, wie es die Tradition vorgibt, auf Wanderschaft. Hierbei begegnet Glim der abenteuerlustigen, redseligen ...
Die Laubwichtelin Glim hat ihre Ausbildung in der Zauberstab-Werkstatt abgeschlossen und begibt sich, wie es die Tradition vorgibt, auf Wanderschaft. Hierbei begegnet Glim der abenteuerlustigen, redseligen und tollpatschigen Elfe Annivè, die eine Chronik schreiben möchte. Die beiden freunden sich miteinander an und setzen ihren Weg gemeinsam fort. Zur gleichen Zeit geschehen unheilvolle Dinge: Rätselhafte Unwetter fegen durchs Land und Eisblitze fahren hernieder. Glim und Annivé sind fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und das Land vor der drohenden Katastrophe zu retten.
Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem elfjährigen Sohn gelesen. Indem der Autor Marcus Raffel seine Leser und Leserinnen immer wieder direkt anspricht, wird man sofort in die Geschichte hineingezogen. Ravenholm und seine Bewohner werden sehr bildlich beschrieben, allen voran natürlich Glim und Annivé. Dabei spielt der Autor immer wieder mit gängigen Klischees: Drachen, die gar keine Schuppen haben und bei näherem Hinsehen gar nicht böse sind, eine Elfe, die eben nicht elfengleich anmutig, sondern ungelenk ist, und Zauberer, die ihre Macht nur einsetzen um Grütze in Blaubeerquark zu verwandeln. Der Schreibstil ist sehr unterhaltsam und humorvoll, wir mussten beim Lesen immer wieder lachen oder schmunzeln. Durch die zahlreichen Dialoge wird die Geschichte zudem sehr lebendig erzählt.
Glim und Annivé halten fest zusammen, überwinden ihre Ängste und zeigen, wie viel man erreichen kann, wenn füreinander eintritt und etwas wirklich will. „Glim aus dem Ginsterwald“ ist eine herzerwärmende, wundervolle Geschichte über Freundschaft, Mut und die Fähigkeit, über sich selbst hinauszuwachsen. Die im Buch thematisierte Katastrophe kann als Hinweis auf den Klimawandel und die Ausbeutung der Natur durch den Menschen verstanden werden, der wir entschlossen entgegen treten müssen, um unsere Erde zu bewahren.
Der Verlag empfiehlt das Buch ab 9 Jahren. Aufgrund des eher kindlichen Erzählstils würde ich die Altersangabe etwas niedriger ansetzen. Meiner Ansicht nach eignet sich „Glim aus dem Ginsterwald“ auch sehr gut zum Vorlesen ab ca. 7 Jahren. Etwas ältere Kinder können Glims und Annivés Abenteuer dann selbst entdecken. Die kurz gehaltenen Kapitel sind hierfür ideal.
Ein wirklich schönes, rundum lesenswertes Abenteuer!
Simon ist 12 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern, einem katholischen Diakon und einer Bestatterin, in das Örtchen Augen-zu-und-durch, Nebraska. Dieser Ort ist besonders, da er komplett abgeschirmt von ...
Simon ist 12 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern, einem katholischen Diakon und einer Bestatterin, in das Örtchen Augen-zu-und-durch, Nebraska. Dieser Ort ist besonders, da er komplett abgeschirmt von jeglicher elektromagnetischer Strahlung ist, um Wissenschaftlern zu ermöglichen, über große Radioteleskope auf kleinste Signale aus dem Weltraum zu lauschen. Doch Simons Familie hat einen anderen Grund, an einen Ort zu ziehen, an dem es weder Radio noch Fernsehen, Internet oder Handys gibt. Welcher dies ist, kristallisiert sich erst im Laufe der Geschichte heraus: Simon ist der einzige Überlebende eines Amoklaufes an seiner früheren Schule. In Augen-zu-und-durch Freunde sich Simon mit der Autistin Agate und Kevin an, und zusammen hecken sie unter Agates Führung einen Plan aus, um ein Signal von Aliens aus dem Weltraum zu faken.
Der Klappentext und die Auszeichnungen in Amerika haben mich dazu bewogen, dieses Buch mit meinem Sohn (11) zu lesen, doch ich muss sagen, dass ich etwas völlig anderes erwartet hatte. Die Geschichte ich reichlich skurril und gleichzeitig für mein Empfinden sehr zäh. Auch wenn der ironische Erzählstil von Simon, der in der Ich-Perspektive die Erlebnisse schildert, durchaus humorvoll und unterhaltsam ist und so das Grundthema – Traumabewältigung – auf eine leichtere Ebene gehoben wird, konnten wir mit der Handlung leider nichts anfangen. Auch die Protagonisten blieben uns fremd. Die Altersangabe ab 11 Jahren empfinde ich als nicht ganz passend, ich würde eher Jugendlichen ab 13 Jahren als Zielgruppe sehen.
Man spürt an vielen Stellen stark, dass die Geschichte für den amerikanischen Markt geschrieben ist, und auch die zugrunde liegende Geschichte eines Amoklaufs an einer Schule ist in Deutschland glücklicherweise weit weniger wahrscheinlich. Leider geht diese Thematik nicht aus dem Klappentext hervor, sonst hätte ich das Buch erst gar nicht mit meinem Sohn gelesen, da ich beim ihm keine Ängste in diese Richtung wecken möchte.
Nachdem mich bereits Martin Suters letzter Roman „Melody“ nicht recht überzeugen konnte, wollte ich „Wut und Liebe“ nochmal eine Chance geben. Der Plot liest sich vielversprechend: Noah ist ein junger ...
Nachdem mich bereits Martin Suters letzter Roman „Melody“ nicht recht überzeugen konnte, wollte ich „Wut und Liebe“ nochmal eine Chance geben. Der Plot liest sich vielversprechend: Noah ist ein junger erfolgloser Künstler, der mit seiner großen Liebe Camilla zusammenlebt. Diese hat jedoch die Nase voll von einem Leben, in den sie jeden Cent zweimal umdrehen müssen, und sie verlässt Noah, obwohl sie ihn liebt. Sie wünscht sich einen wohlhabenden Mann, der ihr das ersehnte sorgenfreie Leben bieten kann. Noah ist am Boden zerstört, trinkt in einer Kneipe, wo er eine ältere Dame namens Betty trifft, die ihm einen lukrativen, aber höchst kriminellen Deal vorschlägt…
Ich konnte zu keiner der handelnden Figuren eine Beziehung aufbauen. Noah wirkt arg bedürftig, wie er Camilla hinterherläuft, und Camilla ist konsequent, aber durch ihren Wunsch, sich von einem reichen Typen aushalten lassen zu wollen, sehr unsympathisch. Bei Betty hatte ich von Anfang an ein ungutes Gefühl, ihr Handeln war für mich sehr manipulativ und durchschaubar. Überhaupt hatte ich in der durchaus wendungsreichen Geschichte sehr schnell eine Idee, wie sich am Schluss alles auflösen würde, und ich behielt Recht. Da der Plot äußerst vorhersehbar war, kam bei mir keine echte Spannung auf, und alles plätscherte so vor sich hin. Zudem wirkte die gesamte Handlung sehr unecht und konstruiert. Wie auch in seinen weiteren Romanen beschreibt Suter gerne ausführlich diverse Mahlzeiten; darauf könnte ich gut verzichten. Sehr negativ fiel mir zudem wie schon bei „Melody“ der ständige Alkoholkonsum auf, das ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und verharmlost Alkoholmissbrauch.
Auch stilistisch hat mich Suter nicht überzeugt. Der Roman ist literarisch gewohnt solide geschrieben, aber auch nicht mehr. Für mich war es wohl das letzte Buch dieses Autors.