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Veröffentlicht am 19.07.2025

spannend erzählter psychologischer Roman

Schattengrünes Tal
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Lisa, 39, lebt zusammen mit ihrem Mann Simon, einem Förster, in einem kleinen Dorf im Schwarzwald. Neben ihrem Job in der Touristeninformation hilft sie im Hotel ihres Vaters Carl mit, das inzwischen ziemlich ...

Lisa, 39, lebt zusammen mit ihrem Mann Simon, einem Förster, in einem kleinen Dorf im Schwarzwald. Neben ihrem Job in der Touristeninformation hilft sie im Hotel ihres Vaters Carl mit, das inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen ist. Im Dorf ist Lisa gut vernetzt, sie ist eine feste Größe im Chor und packt überall mit an.

Eines Tages checkt überraschend Daniela als Dauergast im Hotel ein. Sie wirkt verunsichert, und Lisa nimmt sie bereitwillig unter ihre Fittiche. Daniela knüpft überraschend schnell Kontakte, blüht regelrecht auf, und dringt immer tiefer in Lisas Lebensumfeld ein. Als bei Lisa die Alarmglocken läuten und ihr klar wird, dass Daniela ganz eigene Ziele verfolgt, ist es bereits zu spät…

Nach „In blaukalter Tiefe“ war „Schattengrünes Tal“ mein zweiter Roman von Kristina Hauff, und wieder erwartete mich ein spannender, psychologisch ausgefeilter Plot. Die Erzählform ist personal, wobei die Perspektive kapitelweise zwischen den Figuren wechselt.

Von Anfang an haben mich die zwischenmenschlichen Konflikte in diesem Buch fasziniert: Da ist Carl, der seit Jahren eine Affäre mit Margret hat, die ihn umsorgt und faktisch das Hotel führt, vom ihm jedoch wie eine Servicekraft behandelt wird. Auch gegenüber seiner Tochter Lisa kennt Carl keinen Dank. Für ihn zählt nur sein abwesender Sohn Felix, Lisas unermüdlichen Einsatz nimmt er als selbstverständlich an. Die Ehe von Lisa und Simon verliert sich in Routine, und auch zwischen Lisa und ihrer besten Freundin Johanna gibt es unterschwelliges Konfliktpotential. Und dann kommt plötzlich die geheimnisvolle Daniela ins Dorf. Wie Kristina Hauff diese Figur ausarbeitet, hat mir besonders gut gefallen. Daniela hat ein untrügliches Gespür für die wunden Punkte ihrer Mitmenschen und die Schwachstellen von Beziehungen und versteht es, diese gezielt zu nutzen.

Auch das dörfliche Setting, der heraufziehende Herbst mit den länger werdenden Schatten im tiefen Tal mit den Waldhängen passt hervorragend zur Stimmung des Buches.

Während mich die ersten beiden Drittel des Buches wirklich gefesselt haben, hätte ich mir einen etwas anderen, auf gewisse Weise konsequenteren Schluss gewünscht. Da ich nicht spoilern möchte, kann ich hier nicht näher darauf eingehen. Simon kam mir als Figur insgesamt etwas zu kurz und blieb charakterlich schwer greifbar, obwohl ihm eigentlich eine wichtige Rolle zukommt. Die Figur von Carl empfand ich als nicht ganz stimmig, und man merkte ihr meiner Ansicht nach am deutlichsten an, dass die Autorin nicht aus dem Süden kommt und mit der hiesigen Mentalität nicht so vertraut ist.

Unabhängig davon hat es mir sehr viel Freude gemacht, das Buch zu lesen, der Schreibstil ist eingängig und packend, und bis zum Schluss bleibt die Spannung hoch. Wer gerne psychologische Romane liest, wird hieran seine Freude haben!

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Veröffentlicht am 19.07.2025

Im Moos ist was los!

Im Schatten von Giganten
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In ihrem neuesten Sachbuch „Im Schatten von Giganten“ widmet sich die Biologin Jasmin Schreiber den Lebewesen, die wir im Alltag meist übersehen: Spinnen, Asseln, Hundertfüßern, winzigen Pilzen und Bärentierchen, ...

In ihrem neuesten Sachbuch „Im Schatten von Giganten“ widmet sich die Biologin Jasmin Schreiber den Lebewesen, die wir im Alltag meist übersehen: Spinnen, Asseln, Hundertfüßern, winzigen Pilzen und Bärentierchen, die allesamt in kleinsten Ökosystemen wie Totholz, Moosen, Pfützen, Blüten und ähnlichem zuhause sind.

Etwas ungewohnt für ein Sachbuch ist die Erzählperspektive in der Ich-Form. Jasmin Schreiber beginnt mit einem kurzen einleitenden Kapitel, in dem sie über den Beginn ihrer Leidenschaft für die unscheinbaren Tierchen, die in unserer unmittelbaren Umgebung leben, erzählt.

Die einzelnen Kapitel widmen sich anschließend dem Leben unter Steinen, im Totholz, im Kraut, im Baum, im Moospolster, in der Blüte, in der Pfütze, im Kadaver und im Dung. Schöne Farbfotos begleiten den Text, der zugleich informativ und unterhaltsam geschrieben ist, so dass sich das Buch sehr flüssig und angenehm liest. Das Verhältnis von Text zu Bild empfinde ich als sehr ausgewogen.

Besonders faszinierend fand ich das Kapitel über das Leben im Totholz, da wir häufig im Wald spazieren gehen, und ich dort nun die verschiedenen Flechten und Pilze auf abgestorbenen Baumteilen mit anderen Augen sehe.
Das Buch gibt einen interessanten ersten Einblick in verschiedenste Mikro-Lebensräume und lädt dazu ein, die unmittelbare Umgebung genauer wahrzunehmen: Einen Stein umzudrehen, und zu beobachten, was sich darunter so tummelt, oder eine Pfütze näher zu betrachten.

Ich kann das Buch rundum weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 19.07.2025

psychologisch stark

Ungebetene Gäste
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Während ein arabischer Handwerker den Balkon renoviert, ist Naomi mit ihrem einjährigen Sohn Uri allein in der Wohnung in Tel Aviv. Sie fühlt sich unwohl, spürt, dass sie Vorurteile gegenüber dem Mann ...

Während ein arabischer Handwerker den Balkon renoviert, ist Naomi mit ihrem einjährigen Sohn Uri allein in der Wohnung in Tel Aviv. Sie fühlt sich unwohl, spürt, dass sie Vorurteile gegenüber dem Mann hat und versucht, diese durch besondere Freundlichkeit zu kompensieren. Als der Arbeiter kurz die Toilette aufsucht und Naomi in der Küche abgelenkt ist, entwischt Uri auf den Balkon, stößt den auf der Brüstung liegenden Hammer vom Balkon und trifft damit einen jungen Mann tödlich. Auf der Straße kommt es zum Tumult, sofort wird ein Anschlag des arabischen Arbeiters vermutet, und die Polizei nimmt diesen fest. Naomi steht völlig neben sich und ist nicht in der Lage, das Missverständnis aufzuklären.

Ayelet Gundar-Goshen ist studierte Psychologin, und dies spürt man an den fein ausgearbeiteten Charakteren und der psychologischen Tiefe der Erzählung. Naomi und ihr Mann Juval sehen sich als moderne, aufgeklärte Menschen und sind doch selbst gefangen in einem Strudel aus Sprachlosigkeit, tradiertem Rassismus, Schuld, Angst und schlechtem Gewissen.

„Ungebetene Gäste“ besteht aus drei Teilen, wobei der erste und letzte in Tel Aviv spielen und der zweite in Lagos, wohin die Familie noch während des Gerichtsprozesses übersiedelt, da Juval dort eine zeitlich befristete Arbeit im Umfeld des israelischen Militärs annimmt. Auch in Lagos verfolgen die Schatten des Unglücks die Familie, die inneren Konflikte belasten Naomis und Juvals Beziehung, und auch Uri spürt die Spannungen zwischen seinen Eltern.

Vor allem im zweiten Teil führt die Autorin eine ganze Reihe weiterer Figuren wie die Psychologin Noga ein, schildert kleine Episoden, deren Bedeutung für die Handlung oder das Figurenprofil mir sich nicht immer erschließt. Hierzu gehören beispielsweise der verhaltensgestörte Junge Liam und der Anruf eines merkwürdigen Mannes, der um einen Termin bei Noga bittet, aber nie wieder in Erscheinung tritt.

Nahezu allen Figuren gemeinsam ist eine gewisse Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren, man schweigt oder redet aneinander vorbei. Persönliche Traumata vermischen sich mit gesellschaftlichen, und die Figuren sind teils wie gelähmt in ihrer Hilflosigkeit. Das Ende kam für mich etwas (zu) plötzlich, und ich hätte sehr gerne noch weitergelesen.

Sehr interessant fand ich einen Betrag in der ARD Mediathek der Sendung „titel thesen temperamente“, in dem die Autorin davon erzählt, inwiefern die Geschichte ihres eigenen Großvaters sie zu der politischen Ebene im Lagos-Teil inspiriert hat.

Auch wenn „Ungebetene Gäste“ speziell den jüdisch-arabischen Konflikt behandelt, sind einige Grundthemen auch auf unsere Gesellschaft übertragbar, und ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich an Stelle von Naomi, Juval oder Noga handeln würde. Mich hat „Ungebetene Gäste“ sehr berührt und ich empfehle es unbedingt weiter. Nun bin ich neugierig auf weitere Werke der Autorin, und „Wo der Wolf lauert“ liegt schon bereit.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

George Smiley ist zurück!

Smiley
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Mit „Smiley“ setzt Nick Harkaway das Erbe seines Vaters John le Carré fort, aus dessen Feder der neben James Bond wohl berühmteste Spion der Literatur stammt.

Zeitlich ist „Smiley“ in den Jahren zwischen ...

Mit „Smiley“ setzt Nick Harkaway das Erbe seines Vaters John le Carré fort, aus dessen Feder der neben James Bond wohl berühmteste Spion der Literatur stammt.

Zeitlich ist „Smiley“ in den Jahren zwischen „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ angesiedelt. Der Secret Service holt Smiley für einen heiklen Auftrag zurück, der ihn mit den dunklen Schatten der Vergangenheit konfrontiert.

Ich war gespannt, ob sich Harkaways Stil und seine Ausarbeitung der Charaktere in das bekannte Smiley-Universum einfügen würde, und ich bin sehr angenehm überrascht worden. Das Buch liest sich hervorragend und passt sich perfekt in das bestehende Gefüge ein. Die Story ist vielschichtig, geschickt konstruiert und hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Dem aktuellen Zeitgeist entsprechend, bietet Harkaway etwas mehr Action als le Carré.

Da zwischen Carrés Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ in der Handlung ca. zehn Jahre liegen, bietet dieser Zeitraum eine wunderbare Gelegenheit, ihn mit aufregenden Geschichten zu füllen, und Harkaways Smiley-Debüt macht Lust auf mehr. Sollte ein weiterer Band auf Deutsch erscheinen, werde ich ihn ganz sicher lesen!

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt

Die Frau des Farmers
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Helen Rebanks ist die Ehefrau des Farmers und Autors James Rebanks, der über sein Leben als Schäfer auf einer Farm schreibt. Nun hat sie mit „Die Frau des Farmers“ ein Buch über ihr Leben veröffentlicht. ...

Helen Rebanks ist die Ehefrau des Farmers und Autors James Rebanks, der über sein Leben als Schäfer auf einer Farm schreibt. Nun hat sie mit „Die Frau des Farmers“ ein Buch über ihr Leben veröffentlicht. Darin schreibt sie am Beispiel eines langen Tages über den Alltag auf dem Hof als Bäuerin und Mutter von vier Kindern. Dieser Handlungsstrang wird immer wieder unterbrochen von Rückblicken in die Vergangenheit, in der sie vom Leben ihrer Großeltern und Eltern erzählt und auf ihr eigenes Leben zurückblickt, von der Kindheit über das Kennenlernen von James und den Beginn ihrer Ehe. Hierbei geht es oft erstaunlich wenig um den Hof, sondern eher um ein recht normales Dasein zweier Studenten bzw. junger Menschen, die sich ein gemeinsames Leben aufbauen, in schneller Folge mehrere Häuser nacheinander kaufen, renovieren und verkaufen, wie es in Großbritannien üblich ist, wo man selten zur Miete wohnt. Auch Helens Begeisterung fürs Kochen und Backen, ihre Arbeit als Backwarenlieferantin für Cafés und kleine Lädchen nimmt viel Raum ein. Der Text wird immer wieder unterbrochen durch diverse Rezepte für Snacks, Hauptgerichte, Nachspeisen, Kekse und Kuchen.

Diese sprunghafte Erzählweise zwischen verschiedenen Zeitebenen erschwert den Lesefluss. Die sehr britischen Speisen, die zudem recht fleischlastig sind, laden mich eher nicht zum Nachkochen ein, nur den einen oder anderen Kuchen werde ich vielleicht mal ausprobieren. Dennoch fand ich die Rezepte sehr interessant, weil sie einen guten Einblick in die traditionelle britische Landhausküche bieten.

Ich hatte mir einen stärkeren Fokus des Buches auf dem Hofleben erwartet und wurde hier enttäuscht. Helens Lebensweg und Familiengeschichte ist ganz unterhaltsam zu lesen, hat für mich jedoch keinen literarischen Mehrwert. Wer gerne Geschichten übers Leben einer Großfamilie liest, ist hier richtig, wer sich einen tieferen Einblick in die Arbeit auf einer Farm erhofft, wird nicht fündig werden.

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