Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
online

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2026

schonungslos und eindrücklich

Bambino
0

Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, ...

Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sein Vater ihm aber nicht verraten möchte, wer ihn geboren hat, entwickelt sich die Suche nach seiner Mutter zu einer Obsession. Er ist gekränkt, entwickelt eine immer größer werdende Wut auf seine Mitmenschen und lebt diese in Gewaltexzessen aus. Bald schließt Mattia sich den faschistischen Schwarzhemden an und verbreitet mit ihnen Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Später zieht er freiwillig gegen Griechenland in den Krieg und wird im Kriegswinter in den Bergen zermürbt. Langsam bröckeln seine Überzeugungen, doch zu viel ist bereits passiert, als dass Mattia das Geschehene hinter sich lassen könnte.

Marco Balzano erzählt aus Mattias Perspektive, in nüchternem, beinahe sachlichem Stil. Man kann Mattia nicht mögen, und auch die Ungewissheit bezüglich seiner Herkunft, die Weigerung des Vaters, ihm mehr über seine Mutter zu offenbaren, dient glücklicherweise niemals als Entschuldigung für seine zügellose Gewalt, seine Bindungsunfähigkeit und seine tiefe Abneigung gegen Menschen. „Bambino“ wird er wegen seines glatten, bartlosen Gesichts von den Faschisten genannt, und ein Kind bleibt Mattia in gewisser Weise sein Leben lang. Er wirkt unreif, nicht fähig zu Verantwortung und Reflexion, seine tiefe Verunsicherung lässt ihn umso stärker zuschlagen und begründet seine Faszination für die Faschisten, die für ihn Stärke verkörpern. Einzig sein Vater hält sein Leben lang zu ihm, ist jedoch auch nicht in der Lage, eine tiefgehende Beziehung zu ihm aufzubauen, ihn emotional zu stützen und mit ihm zu kommunizieren. Wenn die beiden reden, reden sie aneinander vorbei.

Nebenbei erzählt der Roman die leid- und wechselvolle Geschichte von Triest und Julisch Venetien und thematisiert die nationalistisch motivierten Angriffe auf slowenische und kroatische Minderheiten. Der Autor hat reale historische Figuren und Ereignisse wie die Stürmung des Narodni dom oder den Angriff paramilitärischer faschistischer Horden auf eine Gruppe von Eltern, die auf die Rückkehr ihrer 1500 Kinder aus einem Ferienlager der Arbeitergenossenschaft warteten, in den Roman verwoben. Im Anhang finden sich hierzu nähere Erläuterungen.

Ein eindrücklicher, schonungsloser und sehr lesenswerter Roman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2026

wundervoll illustriert und sehr lustig!

Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn? Ein Mäusekrimi (Band 1)
0

„Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn?“ ist der erste Band um den Mäusedetektiv Monsieur Mausebart und seinen Gehilfen Mopsi. Die beiden machen sich auf die Suche nach dem Restaurantbesitzer ...

„Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn?“ ist der erste Band um den Mäusedetektiv Monsieur Mausebart und seinen Gehilfen Mopsi. Die beiden machen sich auf die Suche nach dem Restaurantbesitzer Gustav Giftzahn, der wie vom Erdboden verschluckt ist. Dabei erleben sie einige Abenteuer, brenzlige Situationen und chaotische Momente.

Schon das herrliche Cover mit der Ausstanzung sticht sofort ins Auge, und der liebevolle, aufwändige Illustrationsstil setzt sich im Buchinneren fort. Textpassagen wechseln sich mit Comicsequenzen, Sprechblasen und ausdrucksstarken Zeichnungen ab, so dass viel Abwechslung geboten ist und auch kleine Lesemuffel bei der Stange bleiben. Sehr gut gefällt mir die Farbwahl, die sich neben Schwarz auf Gelbtöne beschränkt, so dass die Gestaltung nicht zu unruhig wird. Und natürlich könnte zu Mäusen keine Farbe besser passen als Käsegelb! Einzig das Schriftbild dürfte für mein Empfinden gerne einheitlicher sein, da die verschiedenen Schriftarten und -größen sowie der gelegentliche Fett- oder Kursivdruck doch etwas ablenken.

Durch den Comic-Stil und viele lautmalerische Ausdrücke wie SCHLÜRF, WUUSCH, GU-GAAK, KLACK, KNALL ist das Vorlesen manchmal etwas herausfordernd, aber auch sehr lustig und unterhaltsam. Für Selbstleser:innen ab ca. 8 Jahren ist dieses abwechslungsreich gestaltete Buch ideal. Gelegentlich kommen kleine französische Sätze oder Ausrufe vor, die Leseanfängern nicht geläufig sind. Da die deutsche Bedeutung jedoch auch erklärt wird, ist das Verständnis kein Problem, und so wird auch gleich Interesse an einer Fremdsprache geweckt!

Dank des sehr wortgewandten, lebendigen Schreibstils fliegt man nur so durch die Seiten und amüsiert sich köstlich über die vielen lustigen Einfälle, und der Kriminalfall ist spannend, actionreich.

Mein einziger Kritikpunkt sind die vielen Pupswitze, auf die ich gut hätte verzichten können. Allerdings kommen diese bei der Alterszielgruppe gut an.

Insgesamt ein vielversprechender Auftakt, der Lust auf mehr macht!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2026

Ein faszinierendes Nachschlagewerk für die ganze Familie!

National Geographic Kids - Lexikon des Weltalls; ein visuell spektakuläres Nachschlagewerk zu Astronomie und Raumfahrt für Kinder ab 8
1

Nachdem meinen Sohn und mich letztes Jahr aus der Reihe „National Geographic Kids“ von Ravensburger schon „Jenseits der Unendlichkeit“ über das James-Webb-Weltraumteleskop begeistert hat, war das „Das ...

Nachdem meinen Sohn und mich letztes Jahr aus der Reihe „National Geographic Kids“ von Ravensburger schon „Jenseits der Unendlichkeit“ über das James-Webb-Weltraumteleskop begeistert hat, war das „Das Lexikon des Weltalls“ natürlich ein Muss.

Das Lexikon ist sehr übersichtlich aufgebaut, und ein Farbcode am Seitenrand verweist auf die Kapitel „Was wir wissen“, „Reise durchs Sonnensystem“, „Zu den Sternen und weiter“, „Sind wir allein“ und „Träume für die Zukunft“. Abgerundet wird das Buch durch ein ausführliches Glossar.

Jede Doppelseite widmet sich einem bestimmten Thema, etwa dem Weltraumwetter, der Geschichte der Astronomie, der Raumfahrttechnik, Sonnenzyklen oder Kometen. Die Seiten sind großflächig bebildert, wobei sowohl Aufnahmen von Satelliten und Weltraumteleskopen als auch computergenierte Illustrationen zum Einsatz kommen. Letztere immer dann, wenn reale Aufnahmen nicht existieren, etwa weil die Objekte zu weit entfernt liegen oder bestimmte Perspektiven nicht fotografiert werden können.

Die Texte sind gut verständlich, sehr informativ und übersichtlich angeordnet. Das Buch richtet sich an Kinder ab 8 Jahren, doch einige Kapitel dürften für diese Altersgruppe noch zu anspruchsvoll sein. Darin sehe ich allerdings kein Problem, bleibt das Lexikon so doch für eine längere Zeit spannend, und jüngere Kinder sind schon allein von den spektakulären Bildern fasziniert. Auch ältere Weltraumfans und Erwachsene können hier noch viel Neues entdecken, so dass das Lexikon ein Nachschlagewerk für die ganze Familie ist und zum gemeinsamen Blättern, Lernen und Staunen einlädt.

Von uns eine ganz große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.01.2026

warmherzig und leise erzählt

Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
0

In Martinville steht eines Morgens plötzlich ein kleines Bücherschränkchen, bewacht von einem getigerten Kater. Der 10-jährige Evan nimmt sich spontan zwei Bücher mit und entdeckt darin alte Ausleihkärtchen ...

In Martinville steht eines Morgens plötzlich ein kleines Bücherschränkchen, bewacht von einem getigerten Kater. Der 10-jährige Evan nimmt sich spontan zwei Bücher mit und entdeckt darin alte Ausleihkärtchen einer inzwischen längst verschwundenen Bibliothek. Je tiefer er und sein Freund Rafi der Geschichte der Bibliothek und der Bücher auf den Grund gehen, desto näher kommen sie einem Geheimnis, das Evans Leben auf ungeahnte Weise berührt.

Was für ein herrliches, warmherziges Buch! Mein Sohn (11) und ich waren hin und weg. Wunderbar leichtfüßig erzählt Rebecca Stead abwechselnd aus der Perspektive von Evan, dem Kater Mortimer und einer geisterhaften Bibliothekarin von Freundschaft und Zugehörigkeit, vom Loslassen und neu Anfangen und vom Zauber des Lesens. Wie ein Kater auf Samtpfoten schleicht sich die Geschichte mitten ins Herz und lässt einen mit einem Lächeln und einem warmen Gefühl zurück. Ganz große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2026

Mika ermittelt wieder!

Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin
0

Mein Sohn (knapp 12) und ich haben im Sommer Band 1 der Reihe verschlungen und waren total begeistert, so dass wir das Erscheinen von Band 2 herbeisehnten.

Die dreizehnjährige Mika lebt und arbeitet im ...

Mein Sohn (knapp 12) und ich haben im Sommer Band 1 der Reihe verschlungen und waren total begeistert, so dass wir das Erscheinen von Band 2 herbeisehnten.

Die dreizehnjährige Mika lebt und arbeitet im Jahr 1880 im Waisenhaus in Stockholm. Ihr fällt auf, dass sich ein paar Kinder seltsam verhalten und teils die Schule schwänzen. Da es in Stockholm zeitgleich eine Serie von Diebstählen gibt, ist Mika in Sorge, dass die Kinder darin verwickelt sein könnten, und stellt Nachforschungen an. Hierbei kommt sie einer geheimnisvollen Frau auf die Spur und gerät dabei unversehens selbst in Gefahr.


Schon in Band 1 hatten wir Mika und den rauen Kommissar Valdemar Hoff liebgewonnen. Das Setting ist wieder recht düster und insbesondere gegen Ende auch etwas blutig, so dass ich die Altersempfehlung von 10 Jahren aufwärts keinesfalls unterschreiten würde. Hunger, Armut, Hoffnungslosigkeit, (Polizei-)gewalt gegen Kinder, versuchter Mord werden thematisiert und sorgen für eine ernste Grundstimmung.

Sehr gut gefiel meinem Sohn und mir, dass es Johan Rundberg durch seinen dichten und präzisen Stil wieder gelingt, auf lediglich 192 Seiten eine komplexe und spannende Geschichte zu entwickeln, die die Atmosphäre um 1880 lebendig werden lässt. Auch die Einbindung der historischen Vega-Expedition unter Leitung von Nordenskiöld fanden wir spannend und sie regte uns dazu an, hierzu noch etwas zu googeln, ebenso zu Magatama-Perlen aus Japan. Die Geschichte rund um die Meisterdiebin erschien uns allerdings in der Rückschau recht konstruiert und an einigen Punkten unlogisch. Diese fielen auch meinem Sohn sofort auf und er kam direkt nach dem Ende des Buches von selbst darauf zu sprechen.

Da wir die Story in Band 2 leider nicht so überzeugend fanden wie bei „Der Ruf des Nachtraben“, vergeben wir diesmal 4 von 5 Sternen. Wir sind jedoch auf jeden Fall sehr gespannt, wie es mit Mika, Valdemar Hoff und den anderen weitergehen wird und freuen uns schon auf Band 3!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere