Wichtiges und aufwühlendes Buch über ein Leben ohne Privatsphäre in den sozialen Medien
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Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Programm für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Davor war sie ein Internet-Star: gemeinsam mit ihren Eltern stand sie seit ihrer Adoption als Baby vor der Kamera für die sozialen Medien. Ihre Eltern haben dort alles gezeigt: von Krankheiten über das erste Mal verliebt sein bis zu Videos im Bikini und in Unterwäsche. Kann Sherry nach all dieser ungewollten Aufmerksamkeit in dem Programm, wo sie keiner kennt, endlich zu sich selbst finden?
Das Buch schildert eindrücklich und ungefiltert ein gefährliches Problem unserer digitalen Zeit und welche Risiken das dauerhafte Auftreten und Präsentieren in den sozialen Medien haben kann. Die Geschichte wird aus Sherrys Ich-Perspektive erzählt: ungefiltert und ungeschönt lässt sie uns an ihren Gedanken teilhaben. In Rückblenden werden Videos der Familie beschrieben, die ihre Eltern im Internet hochgeladen haben. Man merkt sofort, was in dieser Familie gewaltig schief läuft. Die minderjährige Sherry muss, oft gegen ihren Willen, vor die Kamera, denn die Follower wollen versorgt werden. Besonders schwer zu ertragen sind die Kommentare unter den Videos, die ebenfalls im Buch vorkommen. Ungeniert schlägt der Familie der Hass entgegen und auch Sherry, die noch ein Kind ist, wird ungefragt kommentiert.
Sherry selbst macht eine bemerkenswerte Entwicklung durch und lernt sich das erste Mal in ihrem Leben selbst kennen. Auch die Nebenfiguren wie die anderen Jugendlichen im Programm und das Personal dort werden toll und detailliert beschrieben. Sherry ist mir sofort sympathisch gewesen, sie kämpft für Normalität, die sie so verdient hat und die doch nicht selbstverständlich ist. Die Eltern Anton und Merle haben mich durchweg fassungslos und wütend zurückgelassen. Profit und Erfolg stellen sie über dem Wohl von Sherry unter dem Deckmantel, dass Sherry es ja so gut hat, viele Freunde und tolle Kooperationen mit Marken.
Das Buch macht wütend und fassungslos, gleichzeitig gibt es dem Leser aber auch Mut, denn Sherrys Entwicklung zeigt, dass man heilen kann, wenn man als Mensch gesehen und respektiert wird. Aktueller denn je hat Basma Hallak ein aufrüttelndes und zutiefst ehrliches Jugendbuch geschrieben, das mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte. Unbedingte Leseempfehlung!