Cover-Bild Schwindende Welt
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 267
  • Ersterscheinung: 13.08.2025
  • ISBN: 9783351042448
Sayaka Murata

Schwindende Welt

Roman
Ursula Gräfe (Übersetzer)

Japans Superstar Sayaka Murata ist zurück!

Ein überraschender Roman über sexuelle Begierde, künstliche Befruchtung und ein Leben außerhalb sozialer Normen

Amane stellt mit Entsetzen fest, dass ihre Eltern »kopuliert« haben, um sie zu zeugen, anstatt wie alle anderen die Vorteile künstlicher Befruchtung zu nutzen. Auch wenn ihre Mutter an der alten Welt festhält und das Konzept Liebe verzweifelt verteidigt, will Amane dazugehören in einer Gesellschaft, in der Sex und Romantik fast ganz verschwunden sind. Mit ihrem Mann Saku zieht Amane in die experimentelle Stadt in Chiba, wo auch Männer Kinder in künstlichen Gebärmüttern austragen und sich alle Menschen gleichermaßen um alle Kinder kümmern. Ist das die schöne neue Welt, nach der Amane sich gesehnt hat? 

»Heiter, schräg und on point.« Sally Rooney

»Murata nimmt eine kindliche Idee und hält mit fantasievoller Inbrunst daran fest, wobei sie auf brillante Weise die Herzlosigkeit und Willkür der Konventionen entlarvt.« New Yorker

»Sayaka Murata zementiert ihre Position als Kafka unserer Generation.« Politics & Prose

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2025

Surreal grandios

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Mein erstes Buch der Autorin. Ich hatte bereits viel Gutes von ihr gehört, und so wurde es Zeit, endlich etwas von ihr zu lesen.

Ich bin sofort gut in Schreibstil und Geschichte hineingekommen und konnte ...

Mein erstes Buch der Autorin. Ich hatte bereits viel Gutes von ihr gehört, und so wurde es Zeit, endlich etwas von ihr zu lesen.

Ich bin sofort gut in Schreibstil und Geschichte hineingekommen und konnte gar nicht mehr aufhören. Innerhalb von 24 Stunden war ich durch!

Der Schreibstil ist kühl, distanziert und fast schon steril – absolut passend zur Handlung. Auch die Geschichte selbst bleibt im Umgang mit Seualität bewusst nüchtern und unnahbar. Genau das macht ihren Reiz aus. In einer Zeit, in der in Büchern oft Gefühle und 🌶️ im Vordergrund stehen, ist das ein erfrischend anderer Blickwinkel.

Das Buch stellt so einiges infrage: das Konzept von Beziehungen, Familie, Kinderbekommen, den Umgang mit Gefühlen und Se
, und noch vieles mehr. Alles wird dabei – fast schon unangenehm – auf die Spitze und ins Surreale getrieben. Gerade dadurch regt es gekonnt zum Nachdenken an.

Der Verlauf der Geschichte war für mich nicht vorhersehbar und hat mich immer wieder überrascht. Ich war fasziniert und gleichzeitig oft leicht irritiert.

Die Charaktere wirken bewusst unnahbar, fast schon oberflächlich. Doch genau das unterstreicht die Thematik und lässt einen erneut nachdenken: Was bleibt, wenn man Beziehungen von tiefen Gefühlen und Intimität trennt? Oder wenn man sich nicht mehr in reale Menschen, sondern nur noch in fiktive Figuren verliebt?

Das Ende war noch einmal komplett surreal und ließ mich ungläubig zurück. Ich war platt – und fand es zugleich einfach großartig.

Es war überraschend, hat mich zum Grübeln gebracht, und insgesamt hatte ich großen Spaß beim Lesen.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Krass abgefahren und dystopisch - ein klassischer Murata

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Etwas konsterniert stelle ich beim Aufblättern von „Schwindende Welt“ fest, dass der „neue“ Roman von Sayaka Murata in Japan bereits 2015 erschienen ist. Er ist also im Werk der international renommierten ...

Etwas konsterniert stelle ich beim Aufblättern von „Schwindende Welt“ fest, dass der „neue“ Roman von Sayaka Murata in Japan bereits 2015 erschienen ist. Er ist also im Werk der international renommierten japanischen Schriftstellerin zeitlich vor den Romanen „Die Ladenhüterin“ und „Das Seidenraupenzimmer“ einzuordnen, die beide ebenfalls auf Deutsch erschienen sind.

Aber beim Lesen habe ich schnell bemerkt, dass das Erscheinungsjahr eigentlich egal ist, denn „Schwindende Welt“ ist ein typischer Murata und genauso zeitlos aktuell, wie die beiden anderen Romane, die ich kenne.

Und im Gegensatz zu „Die Ladenhüterin“ kratzt Murata in diesem „neuen“ Roman wieder hart an der Schmerzgrenze. Wenn du schon Texte von ihr gelesen hast, weißt du vielleicht, was ich meine…

Murata überschreitet einfach literarisch moralische und ethische Grenzen und macht sie so erst sichtbar. Ihre Geschichten sind teilweise grotesk und surreal abgefahren, dabei aber in einer heiteren, naiven Art erzählt, die selbst für asiatische Literatur ungewöhnlich ist.


In „Schwindenden Welt“ hat sich die Gesellschaft dahingehend weiterentwickelt, dass Menschen nur noch durch künstliche Befruchtung gezeugt werden. Sex gilt als überholt, und gilt zwischen einem verheirateten Paar als Inzest.


„Schwangerschaft und Geburt erfolgen, losgelöst von den Bedingungen der romantischen Liebe, mittels wissenschaftlicher Methoden.“


Muratas Ich-Erzählerin ist entsetzt, als sie herausfindet, dass sie selbst das Ergebnis eines primitiven Aktes ihrer Mutter ist und widernatürlich gezeugt wurde.
Als Amane heranwächst entdeckt sie allerdings ihre Lust am der körperlichen Liebesakt, wobei es ihr schwerfällt zwischen Masturbation zu einer Fantasiefigur und dem realen Akt mit einem Mann zu unterscheiden.
Ihre Sexpartner sind durch den Akt, den sie nur Amane zuliebe vollzogen haben, allerdings meistens verstört.

Murata dekliniert hier durch, wie willkürlich und veränderlich das ist, was in unserer Gesellschaft als normal angesehen wird, v.a. in sexueller Hinsicht.

„Egal wo ich bin, macht mich der Gedanke, normal zu sein, völlig verrückt. Normalität ist der schrecklichste Wahnsinn, den es gibt. Meinst du nicht auch?«“


Ich würde sagen, das ist eines der wiederkehrenden Hauptthemen in Muratas Roman. Amane wechselt dann im Laufe des Romans mit ihrem Mann in eine noch weiter entwickelte Gesellschaft namens “Experimenta” und wird dort mit ihren verdrängten Kindheitsprägungen durch ihre Mutter konfrontiert.

Wieder muss Amane sich an eine neue Definition von “normalen” gesellschaftlichen Zusammenleben anpassen.

Der ganze Roman ist stark durchdrungen vom Thema Sexualität und dem Verschwinden von sexueller Intimität aus dem Zusammenleben.

Murata greift hier das vor allem in Japan seit den 2010er Jahren in den Medien diskutierte „Zölibatssyndrom“ auf. Fast 50 Prozent der Frauen zwischen 16 und 24 Jahren hätten laut offizieller Erhebung kein Interesse an intimen Beziehungen und würden sexuelle Kontakte sogar ablehnen (Quelle: Wikipedia)
In “Schwindende Welt” gilt es als Weiterentwicklung, romantische Liebe mit virtuellen Figuren zu finden. Die Kleinfamilie ist ohne Sex ebenfalls dabei sich auszulösen und die Gesellschaft in Muratas Roman entwickelt sich immer mehr zu einem Zusammenschluss aus genderneutralen Individuen, die allerdings keinerlei Individualität mehr besitzen.

Muratas Stil würde ich als eher schlicht und naiv distanziert bezeichnen, was aber die Trennung der Menschen von ihren Gefühlen unterstreicht. Auch Amane und ihre Freundinnen sind durch ihre emotionale Abspaltung gekennzeichnet.
Und Murata treibt die verdrehte Logik und die Handlung, die dadurch entsteht, bewusst auf die Spitze.
Das ist schon manchmal krass grenzwertig, abgefahren und zeigt wie starr auch meine eigenen Vorstellungen von Familie und Sexualität sind.

Für Murata-Fans ist der Roman definitiv ein Muss, für Einsteiger
innen empfehle ich lieber “Die Ladenhüterin” für den sanfteren Einstieg.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Sehr spannend!

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Sehr cooles Buch wieder von Sayaka Murata! Ihren ersten ins Deutsche übersetzten Roman Die Ladenhüterin mochte ich sehr, mit Das Seidenraupenzimmer tat ich mich zum Ende hin etwas schwer – doch Schwindende ...

Sehr cooles Buch wieder von Sayaka Murata! Ihren ersten ins Deutsche übersetzten Roman Die Ladenhüterin mochte ich sehr, mit Das Seidenraupenzimmer tat ich mich zum Ende hin etwas schwer – doch Schwindende Welt, ihr viertes (das dritte habe ich nicht gelesen) übersetztes Werk, ging für mich wieder mehr in die Richtung des Erstlings. Und genau deshalb hat es mir wirklich gefallen.
In letzter Zeit lese ich öfter Romane, die sich mit Mutterschaft und Kinderkriegen beschäftigen. Auch hier greift Murata dieses Thema auf – allerdings auf ihre ganz eigene, verzerrte Weise. Die Welt, in der wir uns bewegen, ist auf den ersten Blick fremd, aber doch so nah an unserer Gegenwart, dass es einen verstört und gleichzeitig fasziniert.
Wir begleiten Amane, die in einer Gesellschaft lebt, in der Sex als primitiv und schmutzig gilt. Ehen werden geschlossen, um gemeinsam Kinder großzuziehen – nicht, um romantische oder körperliche Liebe zu leben. Affären gibt es trotzdem, aber meist mit fiktiven Figuren aus Mangas oder Filmen. Kinder entstehen durch künstliche Befruchtung, Männer können ebenfalls schwanger werden, und in einer experimentellen Stadt werden Kinder gemeinschaftlich großgezogen – alle Frauen sind „Mutter“.
Doch Amane ist anders: Sie wurde noch auf „natürliche Weise“ gezeugt, was sie in den Augen vieler stigmatisiert. Und sie empfindet etwas, das in dieser Gesellschaft tabuisiert ist – Lust. Sie versucht, ihren Platz in einer Welt zu finden, die Intimität und Leidenschaft auslöscht und stattdessen Uniformität erschafft.
Wie schon in Die Ladenhüterin und Das Seidenraupenzimmer hinterfragt Murata mit scharfem Blick, was wir als „normal“ bezeichnen. Sie dreht Konventionen auf links und zwingt ihre Leserinnen, über Dinge wie Familie, Sexualität, Nähe und gesellschaftliche Normen nachzudenken. Gerade dieses Spiel mit Tabus – zwischen Humor, Horror und Weirdelementen – macht ihre Romane so einzigartig.
Zum Hörbuch:
Das Hörbuch, eingesprochen von Uta Simone, ist eine absolut gelungene Umsetzung. Ihre Stimme trifft genau den Ton, den Muratas Texte brauchen: eine Mischung aus Kühle, Distanz und unterschwelliger Spannung. Dadurch entsteht ein Sog, der die fremdartige und verstörende Welt noch intensiver erlebbar macht. Simone liest klar und unaufgeregt, aber mit feinen Nuancen, die die innere Zerrissenheit der Figuren spürbar werden lassen. Gerade die beklemmende Atmosphäre und die Brüche zwischen Alltäglichem und Bizarr-Weirdem transportiert sie meisterhaft – so wirkt das Hörbuch fast noch eindringlicher als die Lektüre allein.
Schwindende Welt ist verstörend, komisch, traurig und philosophisch zugleich. Für mich ein echter Pageturner mit hohem Diskussionspotenzial – und eines der Murata-Bücher, das mich nachhaltig beschäftigt hat.
Ein mutiger, verstörender und zugleich faszinierender Roman über Lust, Familie und gesellschaftliche Normen. Typisch Murata: weird, kompromisslos und absolut lesenswert.

Veröffentlicht am 14.08.2025

Schockierendes Ende

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„Schwindende Welt“ ist das zweite Buch, das ich von Sayaka Murata gelesen habe. Schon „Die Ladenhüterin“ hat mir sehr gut gefallen, aber auch „Schwindende Welt“ war ein wirklich starkes Buch. Es wäre für ...

„Schwindende Welt“ ist das zweite Buch, das ich von Sayaka Murata gelesen habe. Schon „Die Ladenhüterin“ hat mir sehr gut gefallen, aber auch „Schwindende Welt“ war ein wirklich starkes Buch. Es wäre für mich sogar ein echtes Highlight geworden, wenn das Ende nicht so gewesen wäre, wie es ist.

Wir begleiten Amane, die in einer Welt lebt, in der das klassische Liebes- und Familienleben, wie wir es kennen, nicht mehr existiert. Zwar kann man sich noch in Menschen (oder auch in Fantasiewesen) verlieben, doch Sex gilt als unnormal und wird gesellschaftlich nicht mehr praktiziert. Kinder entstehen ausschließlich durch künstliche Befruchtung.
Amane ist überrascht, als sie erfährt, dass sie selbst noch auf natürliche Weise gezeugt und geboren wurde.
Wenn sich zwei Menschen dazu entscheiden, zusammenzuleben, heißt das nicht, dass sie einander treu sind. Im Gegenteil, es ist völlig normal, dass beide auch andere Beziehungen oder Verbindungen eingehen. Und auch Männer können inzwischen Kinder austragen.

Das Buch ist mit seinen knapp 200 Seiten eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich habe es zwar schon vor ein paar Tagen beendet, aber ich muss immer wieder an die Geschichte zurückdenken. Beim Lesen habe ich viele unterschiedliche Gefühle durchlebt. Einerseits fand ich es faszinierend, mir vorzustellen, wie so ein alternatives Gesellschaftsmodell aussehen könnte. Ohne feste Bindungen, ohne Körperlichkeit, mit völliger emotionaler und physischer Distanz. Andererseits hat es mich auch traurig gemacht. Vieles wirkte kalt, fast schon wie ein „Roboterleben“, ohne echte Nähe.

Die Geschichte ist wirklich originell und regt stark zum Nachdenken an. Sie lässt sich flüssig lesen, aber ich habe immer wieder innegehalten, um über das Gelesene zu reflektieren.

Mein einziger Kritikpunkt ist das Ende der Geschichte. Es hat mich ziemlich schockiert und mir das Leseerlebnis etwas getrübt. Gleichzeitig glaube ich aber, dass dieser Schockmoment von der Autorin ganz bewusst gesetzt wurde. Vielleicht soll genau das dazu führen, dass man die Geschichte noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Ein Buch das Grenzen sprengt

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Bislang kannte ich von der Autorin nur „Die Ladenhüterin“. Das ist neben diesem Buch geradezu harmlos. Hier braucht man eine Weile, bis man ankommt und selbst dann kann man kaum glauben, was man da liest.

Diese ...

Bislang kannte ich von der Autorin nur „Die Ladenhüterin“. Das ist neben diesem Buch geradezu harmlos. Hier braucht man eine Weile, bis man ankommt und selbst dann kann man kaum glauben, was man da liest.

Diese Welt ist seltsam. Sie ist schon japanisch, aber hier hat man eine ganz andere Vorstellung von Familie. Familie ist eine Wohngemeinschaft, ein Mann und eine Frau, die heiraten, sich verstehen, aber romantische Gefühle anderswo ausleben. Liebe zwischen Ehepartnern ist verpönt und wird als Inzest angesehen. So eine Umgebung ist perfekt, um Kinder behütet aufwachsen zu lassen. Ein Ehepaar beantragt eine künstliche Befruchtung und bekommt sein Wunschkind zum Wunschtermin. Das Kind wird geplant, bestellt, ausgetragen und geliebt und muss niemals erleben, wie sich Eltern aus amourösen Gründen überwerfen.

Das alles erklärt uns Amane. Es klingt fast wissenschaftlich, wenn sie von ihrer Kindheit erzählt, von ihrem sexuellen Erwachen, ihren Liebhabern, die anfangs nicht real sind. Man kann Liebesbeziehungen zu fiktiven Personen aus Büchern, Mangas oder Filmen führen, das ist sogar die gängige Praxis, viel sauberer und unangestrengter als sich mit echten Menschen einzulassen. Und während man noch den Gedanken wälzt, ob das tatsächlich ein praktikables Vorgehen sein könnte, geht Amane den nächsten Schritt und das Geschehen wird zunehmend verstörend.

Was man hier liest ist ein hoch interessantes Gedankenexperiment, das die Autorin bis zur allerletzten Konsequenz durchspielt. Anfangs war es mir etwas zu sexlastig, aber vielleicht muss man da durch, um sich gründlich von allen Konventionen zu verabschieden. Hier blickt man in eine absonderliche Zukunft, die gar nicht mal so unrealistisch zu sein scheint. Das ist spannend, aufschlussreich und höchst verstörend, ein Buch, das Grenzen sprengt.

Das Hörbuch liest Uta Simone sehr eindringlich. Man glaubt ihr problemlos die Rolle einer jungen Frau, die ihr Innerstes nach außen kehrt und leidet mit Amane, versteht sie gut, selbst wenn ihr Handeln absonderlich wird. Es dauert 5 Stunden, 40 Minuten.

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