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Veröffentlicht am 23.02.2026

Bitterböse Satire - humorvolles und kurzweiliges Gedankenexperiment

Das Geschenk
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In Berlin staunt man nicht schlecht als eines Tages zunächst ein paar Afrikanische Elefanten gesichtet werden und irgendwann 20.000. Der botswanische Präsident hat diese 20.000 Elefanten nach einem Beschluss ...

In Berlin staunt man nicht schlecht als eines Tages zunächst ein paar Afrikanische Elefanten gesichtet werden und irgendwann 20.000. Der botswanische Präsident hat diese 20.000 Elefanten nach einem Beschluss der Deutschen Bundesregierung nach Deutschland bringen lassen: die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Deutschland wird per neuem Gesetz untersagt und damit bricht ein wichtiger Wirtschaftszweig Botswanas weg. Ab sofort muss sich vor allem der Bundeskanzler um dieses akute und vor allem nervenaufreibende Problem kümmern. Im Nu bricht in Deutschland Chaos aus und jede/r versucht, die Elefanten irgendwie für sich zu nutzen oder auch zu bekämpfen.

Nachdem ich bereits begeistert "Trophäe" der Autorin gelesen habe, war ich gespannt auf dieses Gedankenexperiment. Das Buch ist mit knapp 144 Seiten recht schmal, aber es ist eine gelungene und bitterböse Satire, die mit dem Vorgängerroman in jedem Fall mithalten kann.
Die Kapitel sind unterschiedlich lang und mit den Tagesangaben versehen, seit denen die Elefanten in Berlin sind. Die Sichtweise ist hauptsächlich die des Bundeskanzlers, der zunächst von einem Terroranschlag ausgeht und direkt alle Hände voll zu tun hat, sowohl Elefanten als auch Bevölkerung in Schach zu halten. Geschickt zeigt die Autorin auf, wie zunächst versucht wird, Lösungen für den Umgang mit den Elefanten zu finden, die fast alle zufrieden stellen sollen. Immer mehr zeigt sich jedoch, dass Deutschland für die Dickhäuter nicht den idealen Lebensraum bieten kann und schnell stößt jede/r an seine Grenzen. Vor allem der Bundeskanzler ist sehr darauf bedacht, seine eigene Haut zu retten und gerade den rechten Parteien nicht in die Karten zu spielen. Schnell wird deutlich, was jeder weiß, aber worüber nicht gesprochen wird: Politik ist fast immer ein schmutziges Geschäft, das von Taktierereien bis Bauernopfern reicht.
Beim Lesen musste ich oft schmunzeln wegen der absurden Situationen, die sich oft ergeben, oft war ich aber auch ratlos und verstört, wie gehandelt wird.

Ich hätte mir an manchen Stellen mehr Details gewünscht und vielleicht auch andere Perspektiven, da hier vorrangig die Politik und der Bundeskanzler im Fokus stehen. "Das Geschenk" ist völlig anders als "Trophäe" der Autorin, kann aber durchaus mithalten. Eine runde und kurzweilige Satire!

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Gelungener Debütroman vor der Kulisse Alaskas

Alaska Die Fährte der Wölfe
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Helen reist kurz vor Weihnachten alleine nach Alaska um sich den eigenen Traum zu erfüllen, Alaska im Winter zu erleben. Ihr Freund bleibt daheim. Tief im Inneren wünscht sich Helen jedoch mehr als nur ...

Helen reist kurz vor Weihnachten alleine nach Alaska um sich den eigenen Traum zu erfüllen, Alaska im Winter zu erleben. Ihr Freund bleibt daheim. Tief im Inneren wünscht sich Helen jedoch mehr als nur das Wintergefühl: sie möchte ihre Vorstellungen vom Leben und Ansprüche daran finden und erhofft sich mit dieser Auszeit Klarheit. Im Hotel wird sie herzlich begrüßt und direkt gut aufgenommen. Mit der Angestellten Hilda unternimmt sie eine Hundeschlittenfahrt - was jedoch verbirgt Hilda für ein Geheimnis? Helen kommt während ihres Aufenthalts auch den Wölfen, die ungewöhnlich nahe an das Dorf kommen, gefährlich nahe.

Das Cover versprüht direkt ein Wintergefühl und ist toll gestaltet mit dem Hundeschlitten, der Landschaft und dem Wolf als zentralen Element. Das Büchlein ist mit knapp 140 Seiten recht dünn, man kann es gut an einem Nachmittag beenden. Meine Empfehlung ist, es im Winter zu lesen, während es draußen eisig kalt ist und man selbst zu Hause :)
Man ist direkt im Geschehen als Helen sich zunächst mit ihrer Freundin vor ihrem Abflug trifft. Der sehr bildhafte Schreibstil passt hervorragend zur Geschichte, man kann sich die Umgebung und Details sehr gut vorstellen. Gerade die Landschaft Alaskas bringt die Autorin hier gut zum Ausdruck. Ich hätte mir etwas mehr von Helens Gefühlswelt gewünscht, wie sie zu sich selbst findet, das kam mir persönlich an einigen Stellen zu kurz. Die Nebenfiguren werden toll gezeichnet, gerade die geheimnisvolle Hilda weckt das Interesse beim Lesen. Und natürlich dürfen auch die Huskys nicht unerwähnt bleiben, in die man sich bereits beim Lesen sofort verliebt.
Beim Lesen sind mir einige Rechtschreibfehler aufgefallen, im gedruckten Buch sind die Seitenzahlen zudem verschoben, was aber Kleinigkeiten sind, die beim Lesen nicht stören.

Mit ein paar mehr Seiten, mehr Beschreibungen und einen detaillierteren Einblick in Helens Gefühlswelt wäre der Roman für mich noch runder geworden. Ein toller Debütroman über Alaska, Geheimnisse und die Suche nach sich selbst.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Wunderbarer Roman über Wien, Freundschaft und die Liebe - mit unerwarteten und tollen Wendungen

Eine Melange zum Verlieben
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Katie ist Anfang dreißig und kellnert im "Schopenhauer", einem Café in Wien, fünf Tage die Woche. Eigentlich sollte sie sich auf ihre Doktorarbeit konzentrieren, nach der Trennung ihres Ex-Freundes allerdings ...

Katie ist Anfang dreißig und kellnert im "Schopenhauer", einem Café in Wien, fünf Tage die Woche. Eigentlich sollte sie sich auf ihre Doktorarbeit konzentrieren, nach der Trennung ihres Ex-Freundes allerdings sieht sie sich dazu nicht in der Lage. Jeden Nachmittag kommen ihre beiden Freundinnen Elena und Lisi ins "Schopenhauer". Als eines Tages ein ziemlich gutaussehender Mann mit einem Aktenkoffer das Café betritt, ist es um Katie geschehen. Die beiden werfen sich Blicke zu, unterhalten sich immer nur kurz und Katie muss sich fragen: will sie das Geheimnis um "El Sol", wie ihn die drei Freundinnen getauft haben, wirklich lüften oder sich lieber ihren Tagträumen hingeben?

Ich habe mir das Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2025 gekauft, das Cover versprüht direkt gute Laune und viel Humor, der Untertitel "Kaffeehaus-Romanze" passt perfekt dazu. Ein klischeehaftes Wohlfühlbuch ist es aber ganz und gar nicht, ich war mehr als überrascht nach dem Lesen - und sehr begeistert!
Direkt zu Beginn ist man mittendrin im "Schopenhauer", man lernt Katie und ihre Freundinnen kennen, denen ich mich sofort anschließen würde und ebenfalls an der Theke einen Kaffee mit ihnen trinken würde. Auch wenn die drei sich stets nur im Café treffen, wird direkt eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft spürbar. Für jeden Stammgast haben die drei einen Spitznamen und deren Eigenheiten und Routinen werden so herrlich amüsant beschrieben, dass ich mich im Café sofort wohl gefühlt habe und mir alle Charaktere bildlich vorstellen konnte.
Der Erzählstil ist angenehm zu lesen und immer wieder angelehnt an den Wiener Dialekt - auch ich hatte, wie die Protagonistin Katie als "Piefkinesin", manchmal Probleme, jedes Wort zu verstehen oder korrekt auszusprechen. Der Dialekt passt aber perfekt in das Ambiente des Cafés (das tatsächlich in Wien existiert). Katie wirkt direkt unglaublich sympathisch, auch wenn kellnern nicht ihr Traumjob ist, merkt man, dass sie mit Herzblut und Liebe zum Detail dabei ist. Immer wieder werden auch Songtexte, passend zu ihrer Doktorarbeit darüber, mit in den Text eingebunden, was sehr gut in die Handlung passt und das Ganze wunderbar auflockert.
Vor allem der ominöse "Unbekannte", der zu Beginn der Geschichte ins Café kommt, bringt die nötige Spannung in die Geschichte und auch ich konnte mir irgendwann alles vorstellen, wie Katie, Elena und Lisi, was es mit ihm auf sich haben könnte: Geheimagent? Psychologischer Berater? Mafioso? Alles scheint möglich und gerade die nötigen Schubser von Elena und Lisi, die Katie braucht, um dem Unbekannten irgendwie näher zu kommen, haben mir sehr gut gefallen.
Bis hierhin dachte ich noch, dass die Geschichte entspannt vor sich hin verläuft, das Ende kennt man aus anderen Wohlfühlbüchern. Aber im letzten Drittel nimmt das Buch ungewohnt schnell an Fahrt auf und man liest gespannt weiter. Die Spannung steigert sich und die Handlung läuft weg von der klassischen Romanze hin zu einer spannenden Wendung. Über das Ende möchte ich gar nicht viel sagen, außer: ich war sehr überrascht, aber auch sehr begeistert.

Die Autorin versteht ihr Handwerk und hat hier einen wundervollen Debütroman geschrieben, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Cover und Klappentext lassen nicht erahnen, welch tolle Geschichte sich dahinter verbirgt: es geht um das Leben in Wien, die Suche nach sich selbst und was man vom Leben möchte, Freundschaft und natürlich um die Liebe, die bei den Freundinnen unterschiedlich aussieht. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Unterhaltsamer, britischer Cozy Crime mit einem ermittelnden Seniorenquartett

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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In der Seniorenresidenz Coopers Chase geht es alles andere als gemütlich und ruhig zu: gemeinsam mit drei anderen Bewohnern trifft sich die Seniorin Joyce jeden Donnerstag zum "Donnerstagsmordclub". Dort ...

In der Seniorenresidenz Coopers Chase geht es alles andere als gemütlich und ruhig zu: gemeinsam mit drei anderen Bewohnern trifft sich die Seniorin Joyce jeden Donnerstag zum "Donnerstagsmordclub". Dort schauen sie sich alte und ungelöste Kriminalfälle an und recherchieren dazu. Durch ihre früheren Berufe und Verbindungen kann jeder seinen Teil dazu beitragen, den Rätseln ein Stück auf die Spur zu kommen. Als direkt vor ihrer Hautür ein Mord passiert, ist ihr aller Ermittlerinstinkt geweckt. Gemeinsam mit den ermittelnden Detectives der Polizei wollen sie dem Mörder auf die Schliche kommen.

Ich hatte schon viel von der Reihe um den "Donnerstagsmordclub" gelesen und wollte mir nun auch den ersten Band vornehmen. Die Idee um ermittelnde Senioren in einem Mordfall ist zwar nicht neu, aber hier sehr lustig und gut verpackt. In übersichtlich langen Kapiteln wechseln sich die normale Erzählperspektive mit Tagebucheinträgen von Joyce ab. Die vier Senioren, allen voran Joyce, muss man einfach gerne haben. Sie schießen oft über das Ziel hinaus, sind aber mit Leidenschaft, Ehrgeiz und vor allem viel Zeit bei den Ermittlungen dabei. Auch die ermittelnden Detectives sind toll gezeichnet und vor allem Donna passt hervorragend zum ermittelnden Seniorenquartett. Generell spielt der Autor hier mit den Klischees rund um Seniorenheimen und der Polizei sowie deren Charaktere, oft musste ich auch schmunzeln, weil es an manchen Stellen schon sehr klischeehaft wirkt.
Ein großer Kritikpunkt sind für mich allerdings die vielen Personen, die in der Handlung vorkommen. Gefühlt jeder ist verdächtig und mit den Namen kam ich zu oft durcheinander. Vielleicht wäre ein Personenverzeichnis hier hilfreich gewesen. Auch die Auflösung zog sich für mich zu sehr in die Länge und wurde immer komplizierter, vor allem mit den vielen Charakteren und mehreren Handlungssträngen in der Vergangenheit.

"Der Donnerstagsmordclub" ist perfekt zum Zwischendurch-Lesen, solange man den Überblick über die Figuren und das Geschehen behält, ist es ein kurzweiliger und unterhaltsamer, britischer Cozy Crime.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Wichtiges und aufwühlendes Buch über ein Leben ohne Privatsphäre in den sozialen Medien

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Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Programm für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Davor war sie ein Internet-Star: gemeinsam mit ihren Eltern stand sie seit ihrer Adoption als ...

Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Programm für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Davor war sie ein Internet-Star: gemeinsam mit ihren Eltern stand sie seit ihrer Adoption als Baby vor der Kamera für die sozialen Medien. Ihre Eltern haben dort alles gezeigt: von Krankheiten über das erste Mal verliebt sein bis zu Videos im Bikini und in Unterwäsche. Kann Sherry nach all dieser ungewollten Aufmerksamkeit in dem Programm, wo sie keiner kennt, endlich zu sich selbst finden?

Das Buch schildert eindrücklich und ungefiltert ein gefährliches Problem unserer digitalen Zeit und welche Risiken das dauerhafte Auftreten und Präsentieren in den sozialen Medien haben kann. Die Geschichte wird aus Sherrys Ich-Perspektive erzählt: ungefiltert und ungeschönt lässt sie uns an ihren Gedanken teilhaben. In Rückblenden werden Videos der Familie beschrieben, die ihre Eltern im Internet hochgeladen haben. Man merkt sofort, was in dieser Familie gewaltig schief läuft. Die minderjährige Sherry muss, oft gegen ihren Willen, vor die Kamera, denn die Follower wollen versorgt werden. Besonders schwer zu ertragen sind die Kommentare unter den Videos, die ebenfalls im Buch vorkommen. Ungeniert schlägt der Familie der Hass entgegen und auch Sherry, die noch ein Kind ist, wird ungefragt kommentiert.
Sherry selbst macht eine bemerkenswerte Entwicklung durch und lernt sich das erste Mal in ihrem Leben selbst kennen. Auch die Nebenfiguren wie die anderen Jugendlichen im Programm und das Personal dort werden toll und detailliert beschrieben. Sherry ist mir sofort sympathisch gewesen, sie kämpft für Normalität, die sie so verdient hat und die doch nicht selbstverständlich ist. Die Eltern Anton und Merle haben mich durchweg fassungslos und wütend zurückgelassen. Profit und Erfolg stellen sie über dem Wohl von Sherry unter dem Deckmantel, dass Sherry es ja so gut hat, viele Freunde und tolle Kooperationen mit Marken.

Das Buch macht wütend und fassungslos, gleichzeitig gibt es dem Leser aber auch Mut, denn Sherrys Entwicklung zeigt, dass man heilen kann, wenn man als Mensch gesehen und respektiert wird. Aktueller denn je hat Basma Hallak ein aufrüttelndes und zutiefst ehrliches Jugendbuch geschrieben, das mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte. Unbedingte Leseempfehlung!

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