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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.06.2025

Leise und unglaublich toll erzählte Geschichte über die fremde Welt im All und die Sicht auf die Erde

Umlaufbahnen
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Vier Astronauten und zwei Astronautinnen sind in einer Raumstation um die Erde unterwegs: Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA). Sie leben zusammen ...

Vier Astronauten und zwei Astronautinnen sind in einer Raumstation um die Erde unterwegs: Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA). Sie leben zusammen auf engstem Raum und führen Forschungsarbeiten durch in einem durchgetakteten Tagesablauf. In 24 Stunden umrundet die Raumstation 16 mal die Erde. Weit weg von Freunden, Familie und dem gewohnten Alltag wird ein Tag der sechs Personen geschildert.

Mich hat das Buch vom Cover und Klappentext schon für sich eingenommen. Es gibt eigentlich keine wirkliche Handlung, es wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der sechs AstronautInnen erzählt und ihre Beobachtungen, aber auch Eindrücke, Sehnsüchte und Gefühle wiedergegeben. Man erfährt, über welchen Kontinent oder Land sich die Raumstation gerade befindet und es werden unglaublich toll die Eindrücke zu diesen Landschaften und Gegebenheiten erzählt. Auch die Experimente, Forschungsarbeiten und Reparaturen in und an der Raumstation werden beschrieben, sodass man als Leser stets mittendrin ist und ich habe einiges an interessanten Dingen gelernt. Generell wird eine Welt beschrieben, die die allerwenigsten von uns jemals erleben werden und umso spannender ist ein realistischer Einblick, den man mit diesem Buch bekommt.
Das Buch plätschert vor sich hin, was die Geschichte jedoch nicht beeinträchtigt. Es ist eine leise Geschichte, der Erzählstil dazu passend, an vielen Stellen fast schon poetisch. Beim Lesen war ich mittendrin in dieser völlig anderen Welt, man wird demütig und ehrfürchtig und mir wurde bewusst, dass wir Menschen auf dieser Erde nur ein winziges Sandkorn sind im Vergleich zur Natur und dem allumfassenden Kosmos. Die Erde als kleiner Punkt im unendlichen Weltall wird so toll beschrieben, dass einem beim Lesen umso bewusster wird, wie wichtig es ist, diesen Planeten zu schützen und nicht auszubeuten.

Mir hat die Geschichte unglaublich gut gefallen, auch ohne konkrete Handlung wird so viel aus einer völlig anderen und fremden Welt erzählt. Für mich ein neues Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Geniale Idee oder absurde Spinnerei? Konnte mich nicht komplett überzeugen

Frau Shibatas geniale Idee
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Frau Shibata ist 34 Jahre alt und arbeitet als Angestellte in einem Büro in Tokio. Als einzige Frau in der Abteilung wird sie zum Kaffee kochen und Aufräumen degradiert. Eines Tages hat sie die Nase voll ...

Frau Shibata ist 34 Jahre alt und arbeitet als Angestellte in einem Büro in Tokio. Als einzige Frau in der Abteilung wird sie zum Kaffee kochen und Aufräumen degradiert. Eines Tages hat sie die Nase voll und behauptet gegenüber ihren Kollegen, dass sie schwanger sei. Alle sind verwundert, da Frau Shibata Single ist und keiner etwas geahnt hat. Sie zieht die Lüge der Schwangerschaft durch und genießt so die Vorteile, die es mit sich bringt, schwanger zu sein. Auf einmal wird sie im Büro wertgeschätzt, kann früher nach Hause gehen und nimmt sich Zeit für sich, ihre Hobbies und Freundinnen. Wie weit lässt sich das Spiel treiben bis es zum unvermeidlichen Moment der Geburt kommt?

Das Buch wurde mir von einer Freundin empfohlen und mit knapp 200 Seiten ist es schnell durchgelesen. Was wie ein interessantes Experiment klingt, hat jedoch gerade zum Schluss hin seine Schwächen.
Der Roman fängt leicht und locker an mit dem Alltag Frau Shibatas im Büro. Die Kapitel sind benannt nach den fortschreitenden Schwangerschaftswochen und unterschiedlich lang. Ich habe mich direkt zu Beginn gefragt, wie Frau Shibata das wohl neun Monate durchziehen möchte - vor allem danach, wenn das Baby auf der Welt sein müsste, sie Elternzeit nimmt und jeder sich fragt, wo das Baby ist. Die Handlung an sich tritt leider oft auf der Stelle, es wird aus der Ich-Perspektive erzählt und der Erzählstil hat mich nicht abgeholt, oft wirkt er fast schon monoton, was aber auch die Tristesse des Alltags unterstreicht. Mit mehr oder weniger wichtigen Anekdoten wird die Geschichte oft in die Länge gezogen.
Sehr gut hingegen gefällt mir die (Gesellschafts)Kritik des Buches: die Rolle der Frau in einer von Männer dominierten Welt, die geringe Wertschätzung und der Druck der Familienplanung von der Gesellschaft. Auch Diskriminierung, Misogynie und Ausbeutung werden gut thematisiert. Die Geschichte an sich fängt spannend an, nimmt aber immer im Verlauf der Handlung ab und auch das Ende hat bei mir eher Fragen aufgeworfen als dass ich zufrieden aus der Geschichte gegangen wäre.

Das Buch ist eine schöne Lektüre für zwischendurch und mit 200 Seiten recht schnell durchgelesen. Trotz der wichtigen Themen hat mich die Geschichten nicht mitreißen können und wird mir nicht groß im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Keine Spannung und nervige Charaktere - konnte mich nicht überzeugen

Die Villa
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Ein Junggesellinnenabschied in Marbella soll das große Highlight vor Aoifes Hochzeit werden. Gemeinsam mit vier Freundinnen will sie es dort richtig krachen lassen. Doch die Reise endet für Aoife tödlich ...

Ein Junggesellinnenabschied in Marbella soll das große Highlight vor Aoifes Hochzeit werden. Gemeinsam mit vier Freundinnen will sie es dort richtig krachen lassen. Doch die Reise endet für Aoife tödlich und der Mord wird nie aufgeklärt. Drei Jahre später möchte Dani, die an dem Abend vor drei Jahren große Erinnerungslücken hat, mit den anderen drei Frauen dem Todestag von Aoife gedenken und überredet sie, mit ihr nach Marbella zu reisen. Sie erhofft sich, endlich Klarheit zu bekommen, was damals wirklich passiert ist. Schnell reißen jedoch alte Wunden auf und jede der vier versucht, ihre eigenen Geheimnisse zu schützen.

Mich haben das Cover und der Klappentext direkt angesprochen. Auch wenn das Setting mit den Protagonisten nicht neu ist, war ich trotzdem gespannt. Leider hat mich die Geschichte nicht überzeugt.
Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht der vier Frauen erzählt, wobei Dani hier den meisten Anteil hat. Außerdem wird zwischen Gegenwart und Vergangenheit gesprungen, woran ich mich beim Lesen erstmal gewöhnen musste, da es verwirrend ist, der Handlung und den vielen Personen zu folgen. Die Protagonistinnen an sich sind mir allesamt unsympathisch und es auch leider geblieben. Irgendeine von ihnen ist immer genervt, Dani versucht, alle mitzureißen, die anderen wollen lieber nach Hause und sind am nörgeln. Es kommt weder ein richtiger Lesefluss noch Spannung auf, auch die viele wörtliche Rede trägt dazu bei. Die Figuren bleiben undurchsichtig und ohne Tiefe. Ich hatte auf ein großes Finale gehofft, wurde aber leider enttäuscht, die Auflösung tritt ebenso auf der Stelle wie der Rest. Ein anderer Kritikpunkt ist der Umgang mit Alkohol, der in großen Massen zu jeder Zeit fließt und die teilweise sehr obszönen Szenen.

Für mich leider eine Enttäuschung trotz toller Ausgangslage, die viel Potenzial bietet. Schade!

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Spannendes und fesselndes Thriller-Debüt - schockierend und toll konstruiert

Sie hat angefangen
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Die Freundinnen Esther, Annabel, Chloe und Tanya kennen sich seit der Schulzeit und sind seitdem immer noch mehr oder weniger gut befreundet. Alle vier erhalten eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ...

Die Freundinnen Esther, Annabel, Chloe und Tanya kennen sich seit der Schulzeit und sind seitdem immer noch mehr oder weniger gut befreundet. Alle vier erhalten eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemaligen Mitschülerin Poppy. Sie wurde früher von den vieren gemobbt und umso überraschter sind die vier, dass sie von Poppy auf eine Privatinsel in der Karibik eingeladen werden, mit allem Drum und Dran. Als sie Poppy dann gegenüber stehen, können sie ihren Augen kaum trauen: aus dem schüchternen und unscheinbaren Mauerblümchen ist eine wunderschöne erwachsene Frau geworden. Als wäre nie etwas zwischen den fünf vorgefallen, freuen sich zunächst alle auf die gemeinsamen Tage. Doch die Stimmung heizt sich schnell auf, alte Wunden werden aufgerissen und auch Poppys Verhalten wird immer merkwürdiger...

Das Cover und der Klappentext haben mich direkt angesprochen. Auch der Titel ist interessant und deutet schon auf tieferliegende Probleme und Streit hin.
Bereits der Prolog lässt einen schaudernd zurück und macht Lust, mehr zu lesen. Die Kapitel sind aus den verschiedenen Perspektiven der vier Frauen geschrieben, außerdem gibt es Rückblenden, in den Poppy aus der Schulzeit anhand von Tagebucheinträgen vom Mobbing und den Ereignissen von damals erzählt. Das macht das Ganze unglaublich spannend und abwechslungsreich und hat mir sehr gut gefallen. Auch das Setting ist toll gewählt, verströmt es doch neben paradiesischem Urlaubsfeeling auch eine unterschwellig düstere Stimmung. Die Figuren sind alle toll und gut gezeichnet: die oberflächliche Influencerin ist genauso vertreten wie die reiche Hau- und Ehefrau ohne Job. Über Poppy erfährt man lange Zeit wenig, sie bleibt von allen am undurchsichtigsten - was der Spannung natürlich zugute kommt. Jede Protagonistin hat ihren eigenen Erzählstil und so fliegt man geradezu durch die Seiten.
Die Idee eines aus dem Ruder laufenden Junggesellinnenabschieds ist nicht neu, aber die Autorin versteht es, die Spannung immer weiter aufzubauen und mit einer fesselnden Geschichte zu punkten. Das Hauptthema des Buches ist Mobbing und die daraus folgende Rache, die hier unglaublich gut und realistisch dargestellt wird. Oft hat es mir beim Lesen fast das Herz zerrissen vom Mobbing zu lesen, das jede Grenze überschreitet und kein Spaß ist, wie die vier Freundinnen sich einzureden versuchen.
Die Geschichte an sich ist schon mehr als spannend, aber den Plot-Twist am Ende habe ich überhaupt nicht kommen sehen und hat das ganze Buch nochmal eine Stufe nach oben gehoben.

Thriller-Fans werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, das Setting ist nicht neu, aber die Geschichte, die Figuren und die Spannung dafür umso fesselnder. Sian Gilbert hat einen großartigen Debütroman vorgelegt und ich bin auf weitere Werke der Autorin gespannt!

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Spannender und toll konstruierter Cosy Crime - typisch britisch und sehr zu empfehlen!

Marchfield Square
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Der Marchfield Square ist ein vornehmer Wohnkomplex in London. Hier beobachtet Vermieterin und Bewohnerin Celeste van Duren das Treiben ihrer Mieter sehr genau. Als in der Wohnanlage ein Mord an einem ...

Der Marchfield Square ist ein vornehmer Wohnkomplex in London. Hier beobachtet Vermieterin und Bewohnerin Celeste van Duren das Treiben ihrer Mieter sehr genau. Als in der Wohnanlage ein Mord an einem Bewohner verübt wird, ist Celeste alarmiert und beunruhigt - das darf es im beschaulichen und idyllischen Marchfield Square nicht geben! Der Tote Richard Glead war alles andere als beliebt und niemand scheint so wirklich erschüttert über seinen Tod zu sein. Die Polizei ermittelt eher schleppend und deshalb beschließt Celeste, selbst Nachforschungen anzustellen. Celeste beauftragt zwei ihrer Mieter damit: ihre Reinigungskraft Audrey und den eigenbrötlerischen Schriftsteller Lewis. Beide sind zunächst wenig begeistert, zusammenzuarbeiten, aber da Celeste das Unterfangen großzügig entlohnt, stimmen sie doch noch zu. Die beiden decken einige Geheimnisse der Bewohner in Marchfield Square auf und je tiefer sie graben, desto gefährlicher werden ihre Ermittlungen...

Bereits das Cover und der Farbschnitt sind ein absoluter Hingucker. Es lohnt sich, das Cover genauer zu betrachten, finden sich doch bereits einige Hinweise auf die Handlung darin.
Die Kapitel sind übersichtlich lang und aus verschiedenen Perspektiven erzählt: es kommen Lewis', Audreys und Celestes Sichtweisen vor. Das bringt eine tolle Abwechslung und Dynamik in die Handlung und man lernt mehr über die Hauptfiguren. Den Anfang macht Celeste, die gemeinsam mit ihrem Angestellten Dixon in einer Wohnung im Marchfield Square lebt. Sie beobachtet gerne und oft das Treiben ihrer Mieter aus ihrer Wohnung heraus. Daher hat es mich nicht verwundert, als sie zu Beginn des Buches etwas Ungewöhnliches in der Wohnung der Gleads sieht. Sie wirkt beim Lesen resolut und einnehmend, man merkt ihren Einfluss auf ihre Umgebung und Mitmenschen.
Auch Audrey und Lewis werden toll gezeichnet: Audrey als Reinigungskraft, die Celeste bereits näher kennt und mit ihren Eigenheiten vertraut ist, steht Lewis gegenüber, der so gut wie nichts mit seinen Nachbarn zu tun hat. Er macht im Buch die wahrscheinlich größte Entwicklung durch: er hat sich nicht komplett verändert, aber in Audrey hat er jemanden gefunden, mit dem er befreundet sein kann und er lernt immer mehr, aus sich herauszugehen und auf Menschen zuzugehen.
Die Ermittlungen der beiden bilden natürlich den Rahmen der Geschichte und es ist stets spannend mitzuverfolgen, wen sie als verdächtig einstufen und vor allem, welche Geheimnisse sie aufdecken. Man merkt beim Lesen schnell, dass man niemandem so wirklich vertrauen kann und auch Audrey und Lewis tappen bis zuletzt im Dunkeln, wer der Täter ist. Mit Humor und Spannung zugleich ergänzen sie sich mit der Zeit immer besser und werden ein eingespieltes Team. Dabei legen sie Celeste als "Auftraggeberin" immer wieder Bericht ab, was sie herausgefunden haben. Celestes Motiv dahinter bleibt lange unklar, trotz allem wirkt sie sympathisch und bildet eine tolle Hauptfigur in der Handlung. Gerade das Ende wartet mit einem genialen Plot-Twist auf, der sich toll in die Geschichte einfügt.

Auf den ersten Blick und dem Klappentext nach wirkt das Buch wie typisch britischer Cosy Crime, jedoch ist es für mich eher Crime als Cosy und bildet daher die perfekte Balance. Mit liebevoll gezeichneten Charakteren und einer spannenden Handlung ist es ein kurzweiliges Lesevergnügen für alle Crime-Fans, die auch an typisch britischen Geschichten Gefallen finden. Beim Lesen haben mich die Rahmenhandlung und die Charaktere auch an die Serie "Only Murders in the Building" erinnert, die ich sehr gerne geschaut habe. Unbedingt lesen!

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