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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2020

mit einigen Längen und einer schwierigen Protagonistin keine Glanzleistung

Verloren sind wir nur allein
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„Egal, wie sehr ich mich auch dagegen wehre, ich werde die Schatten meiner Vergangenheit niemals abschütteln können. Sie werden immer ein Teil von mir sein. Ob ich will oder nicht.“
(Jeff in Verloren ...

„Egal, wie sehr ich mich auch dagegen wehre, ich werde die Schatten meiner Vergangenheit niemals abschütteln können. Sie werden immer ein Teil von mir sein. Ob ich will oder nicht.“
(Jeff in Verloren sind wir nur allein)

Worum geht’s?

Nach dem Tod ihres Vaters leidet Sky. Zu groß ist der Schmerz. Als dann ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie einen neuen Partner hat und die beiden nach Texas ziehen, bricht für Sky eine Welt zusammen. Weg von ihren Freunden und vom Grab ihres Vater ist sie gezwungen, sich neu einzuleben. Doch daran denkt Sky gar nicht: Sie will weg. Deswegen stößt sie alle von sich, um gar nicht erst Freundschaften aufzubauen. Aber Jeff, Neffe von Skys neuen Stiefvater, gibt nicht so schnell auf. Er möchte Sky zurück ins Leben holen. Mit seiner gutgelaunten Art eckt er bei Sky allerdings eher an. Jedoch beginnt Sky sich zu fragen, ob er wirklich so ein Sonnenschein ist, wie er immer vorgibt. Denn es scheint so, als würde auch Jeff ein dunkles Päckchen der Vergangenheit mit sich tragen. Kann er Sky zurück ins Licht holen oder wird sie endgültig in ihrer Trauer untergehen?

Das Buch ist in sich geschlossen und ein Einzelband.

Schreibstil / Gestaltung

Das wunderschöne Cover mit einem tollen Blumenmuster wirkt verspielt und niedlich, gibt jedoch keine Hinweise auf den Inhalt preis. Es wirkt dennoch ansprechend und ist ein schöner Hingucker.

Das Buch wird durch Sky und Jeff in der Ich-Perspektive erzählt, wobei nur Jeffs Parts entsprechend übertitelt sind. Das Buch verläuft chronologisch. Der Schreibstil ist sehr locker und angenehm zu lesen, das Buch passt sprachlich im Bereich Jugendbuch und junge Erwachsene. Das Buch enthält keine erotischen Inhalte und ist auch frei von Kraftausdrücken.

Mein Fazit

Verloren sind wir nur allein ist mein erstes Buch von Mila Summers, die bisher offenbar vorrangig im Bereich der Liebesromane tätig war und sich hier ans Young Adult Genre heranwagt. Die sehr niedliche Aufmachung und ein gut klingender Klappentext haben mich dazu gebracht, dieses Buch lesen zu wollen. Beührende Liebesgeschichte über die heilende Kraft der Liebe? Das klingt fantastisch. Doch leider, leider hat sich das Buch am Ende als etwas anderes entpuppt.

Es gibt Bücher, die überzeugen mit ihren Charakteren. Es gibt Bücher, die überzeugen mit ihrer Handlung. Hier ist beides nicht wirklich der Fall. Ein Buch steht und fällt einfach mit seinen Protagonisten und hier hat Sky volle Arbeit geleistet, dass das Buch fällt. Schon nach wenigen Seiten geht ihre kratzbürstige Art einem so auf die Nerven, dass man wenig Lust hat, weiterzulesen. Doch geprägt von Trauer und überfordert von dem neuen Umfeld kann man nun schonmal so sein. Deswegen wurde fleißig weitergelesen. Doch es wird nicht besser. Fast schon verzweifelt habe ich danach gesucht, zu verstehen, in welche Richtung das Buch gehen möchte. Es ist von allem ein bisschen, aber von nichts wirklich etwas Komplettes. Hier wird viel Highschool-Leben eingestreut, es gibt ein wenig Ranch-Leben mit Tieren, es gibt das klassische American Way of Life mit Festen, Feiern und einem Schulball, die wirklich absolut stereotypischen Klischees (die zickige Cheerleaderin, der sweete Footballstar, die etwas untypischen Außenseiter). Aber alles wirkte so gewollt zusammengewürfelt, dass es wie ein Abziehbildchen einer Vision wirkte, die nicht beim Herzen ankam. Vielleicht waren es zu viele Aspekte, die abgedeckt werden sollten, denn Trauer, der Umzug, neue Freunde, neue Liebe, der Zwist mit der Mutter, Mobbing an der Schule – es ist jede Menge thematischer Ballast, der an die Geschichte gefesselt ist. Es blieb aber einfach viel im Dunkeln, wieder anderes wirkte sehr sprunghaft und willkürlich. Das erste Drittel des Buches ist ein zäher Einstieg in die neue Stadt und den Start an der neuen Schule, das zweite Drittel dann Highschooldrama in Reinkultur und das letzte Drittel dann so überrumpelnd dramatisch, dass es fremd wirkte. Vor allem aber das Ende sorgte bei mir für viel Unmut: Schlag um Schlag wird die Geschichte vorangetrieben, natürlich hochdramatisch und eigentlich emotional – eigentlich sage ich deshalb, weil es mein Herz nicht erreichen konnte, da ich bereits vorher keine wahre Verbindung zu Sky aufbauen konnte. Jedenfalls gibt es noch zahlreiche ungelöste Probleme, Fragen und Umstände, dennoch wird radikal fix das Buch beendet. Das wirkte unstimmig und gehetzt, zumal vorher auf über 300 Seiten so viel Belangloses eingestreut wurde. Im Grunde kann man sagen: Es passiert nicht viel, aber wenn etwas passiert, wird es schnell wieder abgehakt. Das betrifft nicht nur das Ende mit der Story um Skys Mutter, sondern etwa auch Jeffs Geheimnis und Geschehnisse auf Festen.

Damit einhergehend war es für mich auch schwer, der sich entwickelnden Lovestory zu folgen. Jeff, der als Neffe des neuen Stiefvaters in die Story tritt, ist direkt von Anfang an auf Sky eingeschossen. Dass er eigentlich eine Freundin hat, wird gar nicht wirklich thematisiert, sondern allenfalls dadurch eingeflochten, dass er sich innerlich über die Oberflächlichkeit der Beziehung aufregt. Jeff tut alles dafür, Sky nahe zu sein, für Sky dazusein, sie aus ihrem Schneckenhaus zu holen. Sky hingegen tut alles, ihn von sich zu stoßen, sich über ihn aufzuregen und sich über seine Aufmerksamkeit aufzuregen. Wann und wieso sich das ändert, war für mich nicht greifbar. Auf einer gefühlsmäßigen Ebene war diese Beziehungsentwicklung nicht greifbar und die Beziehungsdynamik, die ebenfalls zwischen sprunghaft und klischeehaft wandelt, ebenso wenig. Es fehlt an Tiefe und die Einblicke in den Kopf der Charaktere sind zwar vorhanden, aber nicht sonderlich aufschlussreich. Natürlich kann man von einem Jugendbuch nicht zu viel erwarten, aber zumindest ein wenig, mit dem man arbeiten kann, wäre hilfreich.

Die Hauptcharaktere in diesem Buch sind Sky und Jeff. Sky präsentiert sich von Anfang an als sehr in sich gekehrt. Sie leidet und trauert immer noch stark, nachdem ihr Vater vor zwei Jahren plötzlich verstarb. Verlustängste, aber auch der Schmerz sind immer noch sehr präsent. Der Umzug in ein neues Leben überfordert sie und macht sie wütend. Entsprechend bissig und gereizt ist sie über viele Seiten des Buches. Ihre Stimmung schwankt häufig zwischen „es ist gar nicht so schlimm“ und „ich möchte hier weg, mich stört alles“. Sky macht es einem extrem schwer, sie zu mögen. In regelrecht zerstörerischer Art fegt sie durch das Buch und ist oft damit beschäftigt, nette Menschen zu verletzen. Jeff hingegen ist der absolute Good Guy. Liebevoll, aufmerksam, stets bereit der Ritter auf dem weißen Pferd zu sein. Als Footballstar ist er an der Schule beliebt, er strahlt mit seinem Megalächeln, obwohl es in ihm ganz anders aussieht. Doch wer ist Jeff eigentlich und was zeichnet ihn aus? Das weiß ich nicht. Ich habe das Gefühl gehabt, dass er viel zu eindimensional war und fast schon mehr Neben- als Hauptcharakter war. Obwohl er eigene Kapitel hat, fand ich mich wenig in seiner Gedankenwelt wieder, denn selbst in seinen Gedanken steht Sky im Fokus. Die zahlreichen Nebencharaktere (von Freunden über Familie über Schulkameraden) waren zwar alle ganz nett, bleiben aber auch oberflächlich und spiele primär eine ihnen zugewiesene Rolle, die sich oftmals an Klischees und Stereotypen bedient. Hierbei werden aber auch viele Punkte angesprochen oder angedeutet, die aber nie wieder aufgegriffen oder gar beendet werden. Auch muss ich sagen, dass sich einige Entwicklungen nicht unbedingt realistisch angefühlt haben, etwa das direkte Aufnehmen von Sky durch Rachel und April, was binnen Tagen zu besten Freunden führt.

Die Autorin hat sich in meinen Augen viel zu sehr auf Sky versteift. Sky hier, Sky da, Sky überall. Ihre Trauer, ihre Wut, ihre Verzweiflung – stets steht Sky im Vordergrund. Aber zeitgleich wird immer und immer wieder angedeutet und eingebracht, dass die vielen Beteiligten, allen voran Jeff, auch Probleme haben. Diese gehen für meinen Geschmack im Buch aber extrem unter. Das führt unweigerlich dazu, dass man sich fragt: Fehlte die Zeit, um diese Probleme angemessen auszuarbeiten, fehlte die Lust, sie näher zu beleuchten oder wollte die Autorin sie unbedingt noch einbauen, ohne den Willen zu haben, ihnen auch Raum zu geben? Es sind durchaus emotionale und auch durchaus wichtige Punkte dabei, die viele Frage aufwarfen, die niemals beantwortet wurden. Gerade über Jeffs Päckchen der Vergangenheit hätte man in meinen Augen mehr erfahren sollen und müssen. Aber es wurde alles so beiläufig abgehandelt, dass wieder nur Sky im Fokus steht. Warum? Das habe ich nie verstanden. Denn so viel gab es in meinen Augen zu Sky einfach nicht zu erzählen. Ganz unweigerlich führte das sogar dazu, dass mich Sky immer mehr angenervt hat. Sky hier, Sky da. Sie ist das arme rohe Ei, was stets betüddelt werden muss, aber es gar nicht will. Sie schlägt permanent wild um sich, verletzt ihr Umfeld und die platte Erklärung hierfür ist stets ihre Trauer. Verlust ist ein wichtiges Thema und auch ein vielschichtiges, aber hier hatte ich einfach das Gefühl, dass die Autorin eine Ausrede für Skys Verhalten gesucht hat. Bis zu einem gewissen Grad ist ihr Handeln und ihre emotionale Instabilität damit ja erklärbar, aber irgendwann ist meine Toleranzgrenze auch erreicht gewesen. Sky ist nicht der einzige Mensch, dem Leid erfahren ist, sie tut aber so. Ich konnte Sky einfach nicht verstehen – vielleicht wollte ich sie aber auch nicht verstehen. Wie eine Abrissbirne ist sie zu jeder Zeit zielgerichtet damit beschäftigt, treffsicher Jeff, ihre Mutter und ihren neuen Stiefvater zu verletzen. Anfangs habe ich es ja noch verstanden (der Umzug, die neuen Leute, Jeffs übergriffiges Verhalten), aber irgendwann einfach nicht mehr. Es wirkte dann nur noch so, als würde sie aus Prinzip gegen alles und jeden sein.

Leider muss ich insgesamt sagen, dass „Verloren sind wir nur allein“ nicht abliefern konnte. Das Buch fällt mit seiner Protagonistin, die so unsympathisch ist, dass man nicht mit ihr mitleiden kann. Das Buch wirkt über weite Strecken handlungsarm und die so entstandenen Längen werden durch die plötzlichen Geschehnisse nicht aufgehoben. Das Buch lässt sich dafür aber locker-leicht lesen und man kommt gut durch. Es ist nur leider allenfalls ein Buch für Zwischendurch, was so viel mehr hätte sein können, man aber so nur das Gefühl hat, keine richtige Verbindung aufbauen zu können. Sehr schade!

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2020

allenfalls nett für Zwischendurch

Midnightsong. Es begann in New York
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„Eine Melodie verändert deinen Herzschlag. Ihr sanfter Klang streichelt deine Seele, ein schneller Rhythmus beschleunigt deine Atmung und kraftvolle Akkorde setzen Adrenalin frei. Egal wer du bist oder ...

„Eine Melodie verändert deinen Herzschlag. Ihr sanfter Klang streichelt deine Seele, ein schneller Rhythmus beschleunigt deine Atmung und kraftvolle Akkorde setzen Adrenalin frei. Egal wer du bist oder wo du lebst, ihre Wirkung ist bei allen gleich.“
(Ryle zu Lynn in Midnightsong)


Worum geht’s?

Lynn möchte eigentlich nur ihrer Schwester, bei der sie wohnen darf, einen Gefallen tun und übernimmt deswegen eine Schicht im Cafe ihrer Schwester. Doch als sie morgens auf dem Weg zur Arbeit ist, landet sie in einem gigantischen Menschenauflauf und wird von einem Mann darum gebeten, einer Gruppe von Jungs Unterschlupf im Cafe zu gewähren. Völlig überrumpelt lässt sich Lynn hierauf ein. Der Schock ist groß, als sie feststellt, dass die Gruppe niemand geringeres ist als die bekannte Boyband Reanimation. Als sie Frontmann Ryle gegenübersteht, spielt ihr Herz verrückt. Aber nach dem Verschwinden der Band ist es noch nicht vorbei: Denn die Band macht ihr ein Angebot, was sie nicht ausschlagen kann.

Midnightsong ist ein Einzelband und in sich geschlossen.


Schreibstil / Gestaltung

Das in verschiedene Lilatöne gehaltene Cover zeigt zwei Gesichter, vermeint die der Protagonisten. Mit leichten Lichtreflexen wirkt verträumt und romantisch. Es deutet auf eine Liebesgeschichte hin, verrät aber abgesehen vom Titel keinen musikalischen Bezug. Das Buch wird ausschließlich durch Lynn in der Ich-Perspektive mit einem linearen Verlauf erzählt. Der Schreibstil ist sehr locker und leicht gehalten, generell wirkt das Buch recht jugendlich und frisch. Das Buch beinhaltet keine explizite Sprache und keine Intimszenen.

Mein Fazit


Endlich mal wieder ein Musikerroman – das dachte ich mir, als ich dieses Buch entdeckte. Mein Herz schlägt für Geschichte um Musiker und Bands, die Klappentext klang süß und erinnerte an das klassische „unbekanntes Mädchen und der große Star“-Dilemma. Eigentlich eine gute Grundlage für ein tolles Buch. Doch leider, leider war dieser Song kein Hit für mich.

Sie will eigentlich nur ihrer Schwester helfen. Deshalb übernimmt Lynn eines Morgens die Ladenöffnung. Neu in New York lebt sie bei ihrer großen Schwester und bereitet ihre Unibewerbung vor. Als sie nun zum Cafe geht, trifft sie auf eine riesige Menschengruppe. Schnell flüchtet sie in den Laden, doch dann klopft ein Mann und bittet sie darum, Zuflucht zu gewähren und den Laden zu schließen. Sie hat nicht viel Zeit zu überlegen und plötzlich findet sie sich mit der gehypten Boyband Reanimation im Lagerraum des Cafes. Am liebsten würde sie im Erdboden versinken, doch dann zeigt Frontmann Ryle sogar Interesse an ihren Arbeiten. Denn Lynn ist flink mit dem Grafiktablett und bearbeitet hierauf Bilder. Nachdem die Jungs wieder verschwunden sind, entdeckt Lynn eine Instagramnachricht von Ryle, der ihr irgendwie unter die Haut gegangen ist. Doch damit nicht genug. Am nächsten Tag meldet sich der Manager und hat ein unglaubliches Angebot für sie: Sie soll mit auf Tour gehen und Fotos der Jungs für ihr neues Album machen. Dies wäre die Chance für ein Empfehlungsschreiben für ihre Unibewerbung. Doch 7 Tage gemeinsam mit Ryle? Das verunsichert Lynn sehr. Wird diese Reise für sie ein großes Abenteuer oder wird sie am Ende mit einem kaputten Herzen und zerbrochenen Träumen nach Hause zurückkehren?

Midnightsong war für mich irgendwie ein Buch, welches seine Melodie nicht gefunden hat. Es war, als wüsste die Autorin nicht ganz, was sie möchte: Young Adult oder New Adult? Tiefgründig oder humorvoll? Die Charaktere in dem Buch sind vom Alter her eher im Bereich New Adult, einige Thematiken sind auch deutlich dem New Adult Bereich zuzuordnen, dann aber wiederum benehmen sich die Charaktere sehr jugendlich und flatterhaft, machen typische Jugendwitze und wirken wir ein Haufen Teenies, die ihren Platz im Leben noch suchen. Das hat mich etwas verrückt gemacht, weil dadurch ein starkes Ungleichgewicht entstanden ist. Wir haben da einerseits eine Band, die auf große Tournee geht, sich ernsthaft mit dem Business auseinandersetzt und auf dicke Hose macht, zugleich aber ist hier mehr Justin Bieber als Rockstar-Romance angesagt. Dann gibt es Phasen, die sehr nachdenklich und ansatzweise tiefgründig, fast schon philosophisch daherkommen, aber gar nicht wirklich nachhallen können, weil sie immer im Keim erstickt werden. Ich war verwirrt ob so vieler Sachen in diesem Buch, dass ich nie das Gefühl hatte, wirklich abgeholt worden zu sein.

Es fing schon damit an, dass der Start so rasant und überrumpelnd war, dass der komplette Klappentext nach etwa 30 Seiten abgehandelt ist. Der Rest des Buches? Hier wird es interessant: Die 18-Jährige Lynn, die Ryle kurzzeitig gegenüberstand, hat ihn mit ihrer künstlerischen Arbeit so sehr überzeugt, dass er sie mit auf die Tour nehmen möchte. 7 Tage soll sie mit der Band unterwegs sein und Fotos für das Album bearbeiten. Natürlich ist es von Anfang an so, dass alle Lynn mögen, man hat von Anfang an eine sehr freundschaftliche Dynamik und es wird sehr viel Rücksicht auf sie genommen. Wie Lynn so nachhaltig auf Ryle wirken konnte (und vis versa!), habe ich aber nie verstanden. Das Buch lebte für mich von Sprunghaftigkeit. Es passiert so viel so schnell auf einmal, was so viel verändert. Es wirkte für mich extrem konstruiert und es fehlten etwas die Verbindungen zwischen den einzelnen Plotpunkten. Es war beinahe so, als hätte die Autorin bestimmte Aspekte, die sie thematisieren möchte, aber kein richtiges Drumherum und Dazwischen. Dadurch waren die Entscheidungen der Protagonisten für mich selten greifbar, nachvollziehbar oder gar fühlbar. Das fand ich extrem schade. Irgendwie war dann auch schon die Hälfte des Buches rum, es fühlte sich so an, als würden sich die Charaktere seit Ewigkeiten kennen – tatsächlich sind aber nur 3-4 Tage vergangen.

Hier geht es weiter, dass ich mich gefragt habe, wieso ein derartiger Aufbau gewählt wurde. Angeblich soll Lynn Fotos für das CD-Booklet machen und die Band hierfür 7 Tage begleiten. Aber: Die Band ist davon allein 3 Tage auf Heimatbesuch bei den Familien, sodass sie gar nicht bei der Band ist. Natürlich wird diese Pause dafür genutzt, die beiden Protagonisten enger zueinander finden zu lassen (und noch ein paar kleine Dramabomben vorzubereiten). Der zeitliche Ablauf war so unglaubwürdig und übertrieben, dass es für mich null nachvollziehbar war, wie Lynn und Ryle Gefühle füreinander entwickeln sollen und Ryle auch noch die Probleme, die sich aus seiner Bekanntheit ergeben, klären will. Die Autorin konnte mich auf einer emotionalen Ebene gar nicht erreichen und selbst objektiv schöne Szenen verhallten mangels Greifbarkeit der Emotionen. Eigentlich war das Buch eine Mischung aus niedlich, lustig und süß. Andere Worte fallen mir für das Buch eigentlich kaum ein.

Geht man von der Liebesgeschichte mal einen Schritt zurück und betrachtet den Rest, muss man feststellen, dass es ein nettes, unterhaltsames Buch für Zwischendurch ist, was ein wenig Einblicke in die Welt einer Boyband gibt, die im Tourfieber gefangen ist. Es gibt einige kritische Ansätze in dem Buch, die aber kaum ausgeführt werden. Es ist einfach ein Buch, was sehr oberflächlich und nett bleibt. Es ist durchaus mitreißend und lässt sich sehr fix lesen, weil es wirklich leichtfüßig ist. Aber leider eben auch nur das. Ich habe ganz sicher kein hochkomplexes Buch mit den absoluten Heulgaranten erwartet, aber zumindest ein wenig Tiefe hätte nicht geschadet. Dafür lässt das Buch kaum ein Klischee aus, erinnert an einigen Stellen an andere Bücher oder bekannte Filme und ist auch größtenteils sehr vorhersehbar. Es ist eine bunte Mischung vieler Aspekte, die für mich dazu geführt haben, dass das Buch unrund und viel zu gewollt wirkte. Es waren Klassiker dabei wie die verschmähte Flamme, die heimlich verknallte, biestige Assistentin, der rücksichtslose Manager und der verständnisvolle Ersatzdaddy. Es gab in meinen Augen kaum etwas Innovatives außer vielleicht Lynns Hobby mit den Grafikarbeiten, was aber wiederum so sehr überzogen wurde, dass es nervte. Denn natürlich öffnen die wenigen Tage mit Ryle ihr so viele Türen, dass sie quasi selbst zum Promi wird. Es war einfach unstimmig für mich. In einem grandios kitschigen Finale wird voll aufgefahren und hollywoodreif abgeliefert, der Epilog strotzt nur so von „wow, wie übertrieben“ und generell musste ich am Ende wieder über den zeitlichen Aspekt des Buches schmunzeln.

Die Hauptcharaktere Lynn und Ryle sind für mich recht schwer fassbar gewesen. Sie sind eindimensional und haben kaum Entwicklung in der Geschichte. Die wenige Entwicklung, die sie durchmachen, wirkt sprunghaft und unüberlegt. Es ist, als würde sie sich nur verändern, um Ryle zu gefallen. Lynn wirkt recht aufgeschlossen, aber zugleich nicht wie jemand, der sehr outgoing ist. Was sie aber wirklich ausmacht, konnte mir nicht vermittelt werden. Gleiches gilt für Ryle. Er ist mit seinem Popstar-Leben offenbar nur bedingt zufrieden, trifft sich hier und da mit Mädels, lächelt nett in die Kamera und plant im Hinterkopf seine Rebellion mit Lynn. Auch bei ihm weiß ich nicht, was ihn ausgemacht hat. Seine Sätze zum Thema Musik wirkten wie Worthülsen. Die restlichen Charaktere decken so ziemlich alles stereotypisch ab, was benötigt wird: eine begeisterte Schwester, ein strenger Manager, eine aufgedrehte, aber freundliche Band, eine eifersüchtige Exfreundin. Sie passen alle gut ins Buch und spielen ihre Rolle in solider Weise, mehr aber leider auch nicht.

Midnightsong ist ein Buch, was so hübsch daherkommt und so vielversprechend klang, am Ende aber nicht für immer im Kopf und Herzen bleibt, sondern eher wie ein netter Disney-Film für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Wer Tiefe sucht, ist hier nicht gut beraten. Es ist ein locker, leichtes Leseerlebnis, gut für Zwischendurch. Aber weder etwas Neues, noch etwas Spektakuläres. Es heißt, ein Lied kann das Leben verändern. Midnightsong hat dies leider nicht geschafft.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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Veröffentlicht am 11.04.2020

eine eindrucksvolle Geschichte

Like Day and Night
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„Ich will nicht warten. Und ich will selbst entscheiden können. Mir wurden schon zu viele Entscheidungen abgenommen.“
(Sophie zu Cole in Like Day and Night)

Worum geht’s?

Freiheit. Dieser Gedanken ...

„Ich will nicht warten. Und ich will selbst entscheiden können. Mir wurden schon zu viele Entscheidungen abgenommen.“
(Sophie zu Cole in Like Day and Night)

Worum geht’s?

Freiheit. Dieser Gedanken kommt Sophie eines Abends, als sie aus dem Fenster auf die Straße guckt. Seit sie denken kann, spielt sich ihr Leben in diesem kleinen, abgeschiedenen Haus ab. Ihre Mutter schottet sie von der Außenwelt ab, Sophie erhält Heimunterricht und darf bis auf wenige Anlässe das Haus nicht verlassen. Heimlich flieht Sophie in die Bücher, die sie eines Tages gefunden hat und erfährt von Geschichten und Gefühlen, die ihre Mutter ihr stets als negativ eingeprügelt hat. Doch wie sieht die wahre Welt aus? Um es herauszufinden, türmt Sophie und springt in das Auto eines Fremden. Cole guckt nicht schlecht, als das junge Mädchen plötzlich neben ihm sitzt und ihn anfleht, zu fahren. Er hört auf sein Gefühl und tritt aufs Gas. Nie hätte er gedacht, dass Sophie sein Leben auf den Kopf stellt. Doch kann sie auch seine eiserne Fassade aus Wut, Selbsthass und Gewalt durchbrechen?

Like Day and Night ist ein Einzelband und in sich geschlossen.


Schreibstil / Gestaltung

Das kontrastreiche Cover in schwarz und weiß mit pinker Schrift steht sinnbildliche für die Gegensätze, die Cole und Sophie symbolisieren. Das Cover ist stimmig und sehr hübsch. Trotz der dezenten Gestaltung ist es ein starker Hingucker. Die Geschichte wird sowohl durch Sophie als auch durch Cole in der Ich-Perspektive erzählt. Die Kapitel sind entsprechend übertitelt, man merkt jedoch auch am Inhalt, wer gerade spricht. Coles Szenen sind oft von Fluchen und derber Sprache gekennzeichnet. Die Geschichte verläuft linear, gegen Ende gibt es einige Zeitsprünge. Der Schreibstil ist sehr gut lesbar, angenehm und locker. Das Buch lässt sich auch über weite Strecken am Stück lesen. Das Buch beinhaltet Erotikszenen, die jedoch nicht sonderlich explizit und stets niveauvoll ausgestaltet sind.

Mein Fazit

Like Day and Night ist mein zweites Buch der Autorin. Nachdem ich The dreams they stole wirklich gut fand, vor allem auch ob der etwas untypischen Geschichten und der Motivation der Autorin, Klischees zu brechen, war ich sehr gespannt, wie mir diese etwas kurios anmutende Geschichte über zwei Leute, die so gegensätzlich sind wie Tag und Nacht, gefallen wird.

Von ihrer Mutter kleingehalten kennt Sophie nur das Leben, was ihre Mutter ihr zeigt. Sei eine gute Hausfrau, halte dich von Männern fern, verlasse nie das Haus und schlage dir Sachen wie Liebe und Lust aus dem Kopf. Doch die 17-Jährige hat in ihrem Gefängnis eine Möglichkeit gefunden, zu fliehen: Bücher. Und diese Bücher sind es, die sie dazu bringen, ihre Mutter und ihre Lehren zu hinterfragen. Als Sophie eines Abends beobachtet, wie ein Auto an der Ampel vor dem Haus wartet und dies am Folgetag erneut passiert, fasst sie einen radikalen Entschluss: Wenn das Auto wiederkommt, wird sie davonlaufen. Und das Auto kommt wieder. Cole könnte gar nicht verwirrter sein, als das junge Mädchen einfach in sein Auto springt und ihn anfleht, loszufahren. Wer ist sie, wieso ist sie so gehetzt und was soll er tun? Auf sein Herz hörend – und zugleich wohlwissend, dass das eine doofe Idee ist – tritt er aufs Gas. In der nächsten Stadt wird er seine ungewöhnliche Beifahrerin absetzen und ihre Wege sich wieder trennen. Da ist sich Cole sicher. Doch bereits die kurze Fahrt reicht, um Cole zu zeigen, dass Sophie keine Vorstellung von der Welt hat. Ist das sein Problem? Ganz sicher nicht. Denkt er und versucht er, sich selbst davon zu überzeugen. Nachdem er aber Sophie abgesetzt hat und kurze Zeit später feststellen muss, dass sie direkt in ihre persönliche Katastrophe läuft, kann Cole nicht anders und rettet sie. Wer ist dieses Mädchen, wieso hat sie keine Ahnung vom Leben und vor allem: Wieso geht sie Cole so sehr unter die Haut?

Like Day and Night ist eine Mischung aus Good Girl/Bad Buy, Selbstfindung/Selbstzweifel und Verzweiflung/Hoffnung. Cole, gefangen in seiner selbstzerstörerischen Blase, trifft Sophie, ausgebrochen aus ihrer einengenden Blase. Es gibt Momente, die gehen ans Herz. Momente, die gehen an den Versand. Und Momente, die einem die Hutschnur platzen lassen. Man verzweifelt, wenn Cole um sich schlägt. Man schwärmt, wenn er seine liebevolle Seite zeigt. Man ist traurig, wenn man versteht, was Sophie alles entgangen ist. Und man freut sich und lacht mit ihr, wenn sie die Welt entdeckt. Diese Buch braucht keine großartigen Dramen und zig Twists. Es ist ein ruhiges Buch, dessen Stärke im Verborgenen und in der Entwicklung liegt. Es ist eines dieser Bücher, was eher schwer daherkommt, obwohl man es nicht erwartet. Eines der Bücher, was einen nicht so schnell loslässt und dazu bringt, Seite um Seite zu lesen, um zu verstehen, mitzuleiden und sich zu freuen. Erneut zeigt die Autorin, wie gut sie Klischees aufbrechen und eine Geschichte für Hirn und Herz gleichermaßen aufbauen kann.

Die beiden Charaktere Sophie und Cole könnten den Titel nicht passender verkörpern. Sophie, so strahlend unschuldig und unwissend, tapsig und unbeholfen wie ein kleiner Welpe, trifft ausgerechnet auf Cole, düster und gefährlich, wütend auf die Welt und noch mehr auf sich selbst, irgendwo verloren in Selbstgeißelung und Gewalt. Es sind Gegensätze, wie sie im Buche stehen. Wenn diese Welten aufeinanderprallen, kommt es unweigerlich zu Erkenntnissen und Veränderungen. So ist es auch hier. Sophie ist trotz ihrer Unwissenheit sehr liebenswert und mutig, überschätzt sich zugleich aber hin und wieder. Sie ist so besessen davon, das Leben zu erkunden und zu verstehen, dass sie nicht merkt, dass sie sich immer wieder in Gefahr begibt. Aber wie auch? Dafür gibt es zum Glück Cole. Er ist der klassische Bad Boy – denkt man! Denn hinter der Fassade aus zahlreichen Tattoos, endlosen Gläsern Whiskey und der Maske aus Wut steckt ein extrem liebenswerter Kern. Cole ist ein wahnsinnig empathischer Mensch, der sehr bemüht ist, auf die Leute aufzupassen, die ihm etwas bedeuten. Doch immer, wenn Sophie es schafft, seine Mauern etwas zu erklimmen, erinnert er sich selbst wieder daran, dass er das personifizierte Verderben ist. Denn Cole wird von den Geistern seiner Vergangenheit gejagt, die seine Gegenwart stark prägen und so auch auf seine berufliche Tätigkeit Einfluss nehmen. Die Enthüllung, welcher Geist ihn jagt, und auch seine Tätigkeit, die auf diesem Geist und seiner hiermit verbundenen fehlenden Selbstliebe basiert, empfand ich als recht vorhersehbar, aber dennoch stimmig und passend. Sie sorgt zudem für einige actionreiche Momente in diesem Buch, die sich stimmig einfügten. Neben den beiden Hauptcharakteren gibt es wenige Nebencharaktere. Nennenswert ist dabei aber die sehr quirlige beste Freundin Jules, die mit einer gigantischen Energie durch das Buch fegt. Zwar ist sie hin und wieder etwas anstrengend, aber ihre Präsenz ist für viele Punkte zwingend notwendig, insbesondere auch im Hinblick auf Coles Entwicklung. Ansonsten gibt es vor allem auch noch einen sehr niedlichen Hund als Supporting Act, was sehr gut funktioniert.

Die Beziehung zwischen Sophie und Cole ist einer der Hauptpunkte in dieser Geschichte. Es ist gewissermaßen ein Hin und Her, denn Cole ist von seinem verzerrten Selbstbild so stark beeinflusst, dass er Sophie regelmäßig von sich stößt. Sophie hingegen ist in ihrem Wunsch so sehr geprägt, zu verstehen, was Liebe und Nähe ist, dass sie von ihren Gefühlen, die Cole in ihr auslöst, überrascht ist. Mangels Wissens kann sie in Cole nichts Schlechtes sehen und mangels Erfahrung kann sie auch nicht verstehen, wieso Cole so schlecht über sich denkt. Dies führt zu einer interessanten und für mich noch nie dagewesenen Beziehungsentwicklung, wenn ein Charakter so unglaublich stark von Unschuld geprägt ist und der andere so sehr von Schuld zerfressen wird. Während es im ersten Moment auf der Hand liegt, dass Cole Sophie rettet – mehr als einmal – und er für sie eine Rettungsinsel in dieser ihr unbekannten Welt ist, muss man sich im Verlaufe der Geschichte aber umso stärker fragen, ob es nicht vielleicht auch anders ist. Ist es wirklich Cole, der Sophie rettet? Oder ist es nicht sogar Sophie, die Cole aus diesem tiefen, düsteren Abgrund zerrt, in dem er seit langer Zeit verweilt? War es Schicksal, dass ihre Wege zueinander geführt haben und war es bestimmt, dass beide einander retten? Dies muss jeder Leser für sich entscheiden.

Ich bin die erste Person, die bei naiven Protagonisten das Handtuch wirft und genervt ist. Doch Sophie hat sich mit so einer Leichtigkeit in mein Herz geschlichen, dass ich es gar nicht gemerkt habe, bis es so sehr wehtat, dass ich nichts als Mitleid und Wut empfand. Sie ist auf einer Art und Weise naiv, die unvorstellbar ist – und vor allem unverschuldet. Sie ist unwissend, weil sie nie lernen durfte, wie die Welt ist. Sie durfte nie ihre Erfahrungen machen, sondern wurde von ihrer Mutter geprägt und konditioniert, wie Sophie die Welt zu sehen hat. Wie oft habe ich mich dabei erwischt, dass ich dasaß und darüber nachdachte, wie es wäre, meinen Erfahrungsschatz nicht zu haben, als ich sah, wie Sophie mal wieder in ein Unglück lief, aber es nicht ahnen und wissen konnte. Es ist das, was uns ausmacht. Unsere Erfahrungen, unsere Erlebnisse, unsere Lehren. Sie formen unsere Moralvorstellungen, unser Angstgefühl und unsere Hoffnung. Sophie durfte dies alles nicht haben, weil ihre Mutter entschied, aufgrund ihrer eigenen persönlichen Erfahrung Sophie zu einem Einsiedlerkrebs zu machen. Eingesperrt in einem Käfig, der aus mütterlicher Liebe entstand, aber am Ende nichts anderes ist als ein Gefängnis. Sophies Mutter hat ihrer Tochter so viele Jahre die Chance genommen, jemand zu werden, sich zu entwickeln. Und diese Erkenntnisse taten weh und haben mich zutiefst berührt. Doch gegen Ende zeigt sich auch, dass das Handeln der Mutter nicht nur von Liebe geprägt ist, sondern auch von Wahn und ihrem eigenen Trauma. Man möchte sie schütteln und ihr zu verstehen geben, was sie ihrer Tochter antut. Aber das stört die Mutter nicht. Im Gegenteil entscheidet sie sich bewusst dazu, Sophie ihre Entscheidungsfreiheiten zu nehmen und ihr die eigenen Vorstellungen aufzuzwängen. Als sie realisiert, dass ihr Einflussspielraum rapide nachgelassen hat, greift sie zu einem letzten, unfassbaren Mittel – und offen bleibt die Frage, ob aus falschverstandener Mutterliebe oder aus purer Bösartigkeit ob der eigenen Erfahrungen.

Ein Punkt, der aber für mich etwas problematisch ist, ist tatsächlich der Aspekt Intimität in diesem Buch. Das Buch deckt im Hauptteil einen eher kurzen Zeitraum mit seiner Dauer von 7 Tagen ab. Es sind sieben Tage, in denen verdammt viel passiert. Sophie möchte die Welt verstehen und sie möchte verstehen, was die Leute in den Büchern meinen, wenn sie von Liebe reden. Cole ist sehr besonnen und erkennt, dass Sophie unschuldig, unerfahren, unwissend ist. Zugleich herrscht zwischen den beiden aber auch eine gewisse Anziehungskraft, der sich Cole nicht immer entziehen kann. Ich habe mich lange gefragt, ob intime Szenen für die Geschichte notwendig sind oder ob sie sich für mich falsch anführen. Die Szenen sind großartig geschrieben, einfühlsam, niveauvoll. Das ist es nicht. Aber ist es richtig, dass ein so unwissendes Mädchen in so kurzer Zeit so viele Stationen der Erfahrungen durchläuft? Konnte Sophie ihre Einwilligung richtig einschätzen? Es ist etwas, was wirklich lange in mir nachklang. Am Ende bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es für Sophies Weg in die Freiheit hilfreich ist und zugleich diese Schritte auch zeigen, wie selbstbestimmt sie nun sein darf – und sein soll. In dieser Beziehung von Sophie und Cole ist einfach vieles untypisch und so hält es sich auch hiermit.

Das Ende ist bei einem Buch immer der Dreh- und Angelpunkt. So war es auch hier das Ende (bzw. die letzten etwa 50 Seiten), was für viel Zündstoff gewirkt hat und natürlich so manchen Plotstrang über den Haufen wirft. Es war für mich kein sonderlich überraschendes, aber ein zum Großteil stimmiges Ende. Was mich aber etwas gestört hat: Ich hatte das Gefühl, hier mehr zu brauchen. Es werden zwar alle Fragen beantwortet, alles Offene geschlossen und zudem Perspektiven aufgezeigt. Zugleich aber wirkte es zu schnell, zu überrumpelnd. Es wird recht fix eine Überraschung an die nächste gereiht und nicht immer wurden dabei die Motive der Beteiligten in dem Maße klar, wie es hätte sein können. Es bleibt nichts im Dunkeln, wirklich nicht. Aber manchmal hätte es noch mehr Licht sein können, um hier und da mehr zu verstehen. Dafür waren es auch einfach zu gewichtige Entscheidungen, die am Ende getroffen wurden. Das Verhältnis zu einigen anderen Handlungen im Buch ist einfach für mich nicht komplett ausgewogen. Es wirkt beinahe so, als würde die Autorin jetzt noch ein wenig überraschen wollen, aber nicht so ganz Lust darauf haben, alles groß aufzubauen. Deswegen fällt es doch recht flach aus.

Alles in allem muss ich sagen, dass Like Day and Night mich auf eine wirklich tolle Reise mitgenommen hat. Es war ein Buch, bei dem ich mit einer gewissen Portion Skepsis eingestiegen bin, mich aber schnell in Sophies Unschuld und Coles Gutmütigkeit verliebt habe. Die beiden sind wie Tag und Nacht, aber Gegensätze sind das, was das Leben interessant macht. Die Geschichte ist innovativ, zugleich bezieht sie aber auch klassische Standardelemente des Genres mit ein. Das Ende war mir leider deutlich zu schnell. Zwar habe ich nicht das Gefühl, noch großartig offene Fragen zu haben, dennoch wirkte es sehr gehetzt und überstürzt. Trotzdem kann ich das Buch sehr empfehlen, da der Weg zum Ende einfach stimmig und mitreißend war.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise von der Autorin überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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Veröffentlicht am 06.04.2020

mitreißend und kompliziert

All Saints High - Die Prinzessin
3

„Wir sind einfach nur zwei Teenager, die in dieser Welt niemals eine Chance hatten, Freunde zu werden, und deshalb das wurden, was von uns erwartet wurde. Feinde.“
(Penn zu Daria in All Saints High 1)

Worum ...

„Wir sind einfach nur zwei Teenager, die in dieser Welt niemals eine Chance hatten, Freunde zu werden, und deshalb das wurden, was von uns erwartet wurde. Feinde.“
(Penn zu Daria in All Saints High 1)

Worum geht’s?

Daria ist die Königin der All Saints High. Cheerleader-Captain, Mädchen aus reichem Hause, beliebt und gefürchtet. Aber hinter der Fassade brodelt es gewaltig. Penn steht für alles, was Daria nicht ist. Gebrochen, allein, arm – und obdachlos. Vier Jahre ist es her, dass Penn und Daria gemeinsam eine fatale Entscheidung getroffen haben und ihre Lebe hierdurch für immer verändert haben. Doch als Darias Mutter Penn mit nach Hause bringt, sieht diese ihre Chance auf Wiedergutmachung, denn Penn soll bei ihnen leben und sein Schuljahr beenden. Aber Penn hält so gar nichts davon und sinnt weiterhin nach Rache gegenüber dem Mädchen, was er für das ganze Übel verantwortlich macht. In einem Strudel aus Hass, Anziehungskraft, Verzweiflung und Hoffnung gefangen beginnt für Daria und Penn eine gefährliche Reise… Doch was ist, wenn die Schatten der Vergangenheit die Gegenwart überlagern?

All Saints High – Die Prinzessin ist Band 1 der All Saints High-Reihe. Das Buch kann als Stand Alone gelesen werden, die Folgebände sind über andere Charaktere, die hier jedoch bereits als Nebenfiguren vorkommen. Vorkenntnisse aus der Sinners of Saint-Reihe sind nicht erforderlich.


Schreibstil / Gestaltung

Das schlichte Cover mit verschiedenen Rosatönen und Lilatönen ist stimmungsvoll und elegant. Es gibt wenig über den Inhalt preis, passt aber zu dem Untertitel „Die Prinzessin“, da es durchaus feminin wirkt. Das Buch startet mit einem etwas längeren Prolog, im Anschluss verläuft die Story nach einem vierjährigen Zeitsprung in die Gegenwart linear. Das Buch schließt mit einem mehrseitigen Epilog. Die Geschichte wird wechselseitig durch Daria und Penn in der Ich-Perspektive erzählt, jeweils ein Kapitel wird von Darias Eltern Melody und Jaime erzählt. Die Kapitel sind entsprechend beschriftet. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig und modern, er ist ruppig und lebhaft. Das Buch enthält explizite Sprache und intime Szenen. Es ist kein Jugendbuch.

Mein Fazit

Die Hot Holes gehen in eine neue Runde. Naja, fast. Bühne frei – hier kommen die Kinder! Als ich las, dass die Autorin nun mit den Kindern als nächste Generation fortführen möchte, war ich etwas zwiegespalten. Wird hier nur versucht, mit einem bereits etablierten Namen Geld zu machen? Oder ist es wirklich eine grandiose Idee, den Nachwuchs dieser vollkommen verkorksten jungen Männer auf die Menschheit loszulassen? Oh ja, es war eine gottverdammt geniale Idee. Und ich brauche und will so viel mehr…

Daria hat alles. Beliebt, reich, gefürchtet. Aber es ist die Liebe ihrer Mutter, die sie nur zu bekommen scheint. Dafür hat ihre Mutter nur Augen für Via, die talentierte Ballerina, die alles darstellt, was ihre Mutter jemals erreichen wollte. Eifersucht, Wut, Enttäuschung – schlechte Berater, die Daria dazu bringen, Vias Zukunft zu zerstören. Ausgerechnet Penn, Vias Zwillingsbruder, hilft Daria dabei, ohne zu wissen, dass er für dieses wunderschöne Mädchen gerade seine Schwester verrät. Als Jahre später das Schicksal über Penn hineinbricht, quartiert Darias Mutter Melody ihn kurzerhand bei ihnen zuhause ein. Zu sehr macht sie sich Vorwürfe darüber, dass Via weiterhin verschwunden ist. Jetzt steht Daria täglich dem Jungen gegenüber, der ihr dunkles Geheimnis kennt und nach Rache sinnt. Doch was passiert, wenn zwischen all dem Hass Gefühle aufkeimen und Penn Stück für Stück hinter die sorgsamen errichtete Fassade der Eisprinzessin guckt? Hätte eine Liebe zwischen der verwöhnten Prinzessin und dem armen Bettelknaben eine Chance in dieser Welt aus teuren Autos und Partys? Als die Vergangenheit die Gegenwart einholt, sieht alles danach aus, als würde die Prinzessin ein für alle Male stürzen. Wird Penn sie auffangen – oder wird er ihr den finalen Todesstoß versetzen?

LJ Shen ist meine Göttin der kaputten Charaktere. In einer Welt aus Zuckerwatte, niedlichen Liebesbekundungen und Herzschmerz ist sie eine Erfrischung im Romance-Bereich. Ich mag es, dass in ihren Büchern die Charaktere ruppig und leicht vulgär sind, dass sie ganz viel Schatten und irgendwo gut versteckt wenig Licht haben. Ihre Charaktere sind wahnsinnig komplex, undurchschaubar und definitiv keine klassischen Good Girls und Bad Guys. Die Grenzen verfließen bei ihr stetig und testen Empathie und Akzeptanz des Lesers. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man zu ihren Büchern greift. Genauso wie klar sein muss, dass All Saints High keine niedliche Highschool Geschichte von Kindern ist, die ein bisschen Geld haben. Nein, hier wartet ein verkorkster Haufen unfassbar reicher Kids, die keine klaren Grenzen aufgezeigt bekommen haben und dank ihrer Genetik und Erziehung bereits komplizierte Charakterzüge mitbringen. Hier wartet kein Jugendbuch, wenngleich All Saints High 1 im Vergleich zur Sinners of Saint Reihe deutlich weniger vulgär und explizit geraten ist.

Das Buch zieht einen in seinen Bann und lässt einen nicht los. Man wird erbarmungslos mitgerissen, in den Intrigen gefangen wie in einem klebrigen Spinnennetz und verliert sich vollständig im Buch. Es ist ein undurchsichtiges Schachspiel zwischen Penn und Daria, ein unübersichtliches Puzzle aus Darias Taten und Worten, ein fragiles Gebilde aus Hoffnung und Mitleid. Und dann bricht teilweise erbarmungslos und ohne Vorwarnung Wut und Hass hervor, was einen bis ins Mark erschüttert. Manchmal verliert man sich darin, wer gut und böse ist, manchmal tauschen die Charaktere diese Rollen auch. Gefangen in dieser Geschichte um eine Hassliebe, die einst nie eine Chance hatte, bei der man nicht weiß, ob sie je eine Chance haben soll. Verblüfft von einer Horde junger Leute, die keine Grenzen kennen und sich gegenseitig in ihr Verderben stürzen, dass ihre Eltern stolz auf sie wären. Und dennoch hin und wieder mit kurzen Sätzen so unglaublich gefühlvoll, dass es wehtut. Mich hat lange kein Buch mehr so verblüfft und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal laufend in ein Buch eintauchen wollte, um zahlreichen Charakteren den Hals umzudrehen. Die Energie des Buches ist unbeschreiblich. So viele negative Schwingungen, böse Doppelspiele und verborgene Botschaften, dass man sich fragt, wie die Charaktere sich noch in die Augen gucken können. Und zugleich gibt es hier eine kraftvolle Freundschaftsdynamik, eine beeindruckende Charakterentwicklung der Daria und eine starke Liebesgeschichte, die zeigt, dass Schicksal nicht alles ist, was einen definiert.


Daria ist im Fokus der Geschichte. Sie ist ein wahnsinnig komplexer Charakter mit ganz vielen Facetten, die mal das Gute, mal das Böse in ihr hervorbringen. Sie ist ein Mensch, der sich einerseits sehr um Freunde sorgt, gleichzeitig aber auch sehr egoistisch ist. Sie ist manipulativ, zeitweilen regelrecht böse, eingebildet und erfüllt ein gewisses Bild, was man an sie hat. Doch verborgen liegt viel Unsicherheit, Angst, Zweifel und Sehnsucht. Anfangs habe ich sie gehasst, aber je besser man sie kennt, desto mehr versteht man sie und fühlt ihren Schmerz. Es geht fast so weit, dass es verständlich macht, wieso sie teilweise handelt, wie sie es tut. Penn hingegen verabscheut die Welt, die Daria darstellt. Privilegiert und rücksichtslos. Er ist arm, ist mit einem Stipendium an seiner Schule und als erfolgreicher Footballer darauf angewiesen, für seine Zukunft auch eins zu kriegen. Er stößt alles und jeden von sich, er ist ein Mensch, der seine Probleme mit sich selbst ausmacht, weil er nie lernen durfte, wie es ist, sich auf jemanden verlassen zu dürfen. Insbesondere seit dem Verschwinden seiner Schwester hegt er Wut auf die Welt. Aber eigentlich hat Penn ein sehr gutes Herz und kann spielend leicht Darias Abwehr durchbrechen und ihr wahres Ich sehen. Doch zugleich spricht ein kleines Teufelchen immer wieder zu ihm, dass Daria eine Welt darstellt, die er verabscheut. So entsteht eine Hassliebe, die wie ein Pulverfass nur darauf wartet, hochzugehen und alles zu vernichten. Als Nebencharaktere treten die verkorksten anderen Kinder der Hot Holes auf, die teilweise in den Folgebänden Protagonisten sind. Zudem spielt Penns Schwester Via eine Rolle, eine Handvoll Footballspieler und Darias Schwester. Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet und unterstützen die Handlung, ohne zu sehr im Fokus zu stehen. An den richtigen Stellen werden Fragen aufgeworfen, sodass man unbedingt die Folgebände lesen möchte.

Storytechnisch hat mich das Buch an vielen Stellen doch sehr überrascht. Die Autorin ist sowieso schon sehr bekannt dafür, mit Twists und Turns zu arbeiten. Das ist ihr auch hier wieder beeindruckend gelungen. Sicher, es gibt auch die ein oder andere vorhersehbare Situation, aber über weitere Strecken gab es einfach viele Überraschungen, die auch emotional ihre Spuren hinterlassen haben. So ändert man als Leser häufig seine Meinung zwischen Hass und Liebe, Hoffnung und Enttäuschung, Wut und Mitleid. Man will den Charakteren zuschreien, dass sie dies und jenes nicht tun sollen, man möchte vor allem Daria regelmäßig schütteln, aber zeitgleich weiß man, dass die Prinzessin fallen und zerbrechen muss, auch wenn es dem Leser wehtut. Das ganze Buch war ein nervlicher Höllenritt, der aber zugleich auch viel Empathie abverlangt und so manche Toleranzgrenze auf die Probe stellt. Das stärkste Element, was die Autorin aber einfach im Schlaf beherrscht: Ihre Charaktere dürfen fehlerhaft sein, sie dürfen verdammt viele Ecken und Kanten haben, sie dürfen andere rücksichtslos verletzen. Nicht umsonst heißt das Buch im Originaltitel auch „ganz schön rücksichtslos“ – als doppelte Anspielung auf die Schönheit Daria, die aber eben auch extrem rücksichtslos ist. Aber diese Rücksichtslosigkeit ist das, was Daria zur Entwicklung zwingt und in eine Position drängt, aus der sie nicht selbst rauskommt, bei der sie aber regelrecht selbst Schuld hat, dort gelandet zu sein. Auf jeden Fall ist All Saints High mehr als nur ein Buch, in dem es um eine verkorkste, hassgeprägte Liebesgeschichte zweier Teenager geht. Passend verpackte Sozialkritik, zahlreiche Intrigen, kaputte Kids mit zu viel Geld, fehlende Grenzen und schmerzhafte Erfahrungen – hier ist alles dabei und für alles gesorgt. Das Buch greift aber auch durchaus gewichtige – und möglicherweise – triggernde Themen auf, die teilweise Grausamkeiten offenbaren, die unter der Oberfläche brodeln.

Was mich aber mal wieder (und wie eigentlich bei jedem Buch der Autorin) stark gestört hat, war einfach das Ende und vor allem der Epilog. Es passt nicht, es ist überzogen, es ist willkürlich. Bereits bei Midnight Blue meinte ich „Ich muss es akzeptieren, aber ich muss es nicht mögen“ und so ist es auch hier. Für die Zukunft verzichte ich vielleicht auch darauf, den Epilog zu lesen, da er bisher eigentlich jedes einzelne Mal unstimmig auf mich gewirkt hat. Vielleicht ist das aber auch eine amerikanische Eigenart, die sich mir nur nicht erschließt.

All Saints High thematisiert ja die Kinder der aus den Sinners of Saint bekannten Protagonisten. Bei Bücher ist sowas natürlich immer etwas schwer, weil man sich unweigerlich fragen muss, ob man Vorkenntnisse braucht. Die Antwort lautet: Ganz klares Nein! Man kann das Buch auch sehr genießen, wenn man die Eltern noch nicht kennt. Vielleicht wird sogar die Lust geweckt, die Geschichte der Eltern dann kennenzulernen. Es ist wie ein netter Bonus für Leute, die bereits die Sinners of Saint gelesen haben, nun die Eltern wiederzutreffen und zu sehen, wie sie als Eltern bestehen – oder halt versagen. Auch hilft es sicher an einigen Stellen, die Kinder besser zu verstehen, wenn man weiß, wie die Eltern ticken. Man hat aber keine Nachteile davon, es nicht zu tun. Das ist der Autorin gut gelungen.

All Saints High 1 ist ein extrem starker Auftakt in eine neue Reihe, die wie eine böse und noch intrigantere Version von Gossip Girl daherkommt. Man hasst die Charaktere, man liebt die Charaktere, man verflucht sie, man bemitleidet sie. Penn und Daria ziehen einen unweigerlich in ihren Bann, ihre Hassliebe ist so komplex und so mitreißend, dass ich das Buch kaum aus den Händen legen wollte. Mit starken Nebengeschichten, vielen Ups und richtigen tiefen Downs wird man in eine Welt von armen, reichen Kindern aus verdammt reichen Häusern entführt, die hinter der perfekten Fassade dunkelste Geheimnisse haben. Macht süchtig, zerreißt das Herz und treibt den Leser in den Wahnsinn. Ich will mehr!

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, was mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]

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Veröffentlicht am 05.04.2020

ein guter Abschluss

Duty & Desire – Verdächtig nah
1

„Wenn du einen Kuss möchtest, finde einen Weg, um mich wiederzusehen.“
(Danika zu Greer in Duty & Desire 3)

Worum geht’s?

Er ist ihr Ausbilder, sie seine Rekrutin. Er ist ein brillanter Cop und hochgradig ...

„Wenn du einen Kuss möchtest, finde einen Weg, um mich wiederzusehen.“
(Danika zu Greer in Duty & Desire 3)

Worum geht’s?

Er ist ihr Ausbilder, sie seine Rekrutin. Er ist ein brillanter Cop und hochgradig arrogant, sie ist ein kluges Nachwuchstalent und ein wahrer Wildfang. Wenn die beiden aufeinandertreffen, fliegen die Fetzen und sprühen die Funken. Doch Danika ist für Lieutenant Greer Tabu und sowieso – so etwas wie Liebe und Gefühle kennt er nicht. Zu oft hat er in seiner Vergangenheit spüren müssen, dass Gefühle einen nur kaputt machen. Und Danika? Die findet Greer einfach nur beängstigend und fordernd. Doch wieso ziehen die beiden sich immer wieder an und können nicht aufhören, aneinander zu denken?

„Duty & Desire – Verdächtig nah“ ist der dritte Teil der „Duty & Desire“-Trilogie. Das Buch ist in sich geschlossen und kann unabhängig gelesen werden, die Charaktere aus Band 1 und 2 kommen jedoch als Nebencharaktere vor.


Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist wieder ähnlich zu Band 1 und 2 gehalten und vervollständigt die Skyline der Stadt mit der Brookyln-Bridge. Das Cover ist in Blautönen und Lilatönen gehalten., dieses Mal jedoch ausschließlich in Blautönen gehalten. Das Cover ist ansprechend und hübsch gestaltet, gibt allerdings wie der Vorgänger keine Informationen über den Inhalt preis. Die Erzählweise des Buches erfolgt wieder linear. Die Protagonisten Greer und Danika erzählen wechselnd in der Ich-Perspektive, der jeweilige Erzähler wird durch eine Überschrift deutlich gemacht. Der Schreibstil ist locker und leicht. Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist sprachlich angemessen für (junge) Erwachsene. Das Buch enthält einige erotische Szenen und gelegentliche Flüche.

Mein Fazit

Ich gebe offen zu: Ich hatte Angst vor diesem Buch. Band 1 und 2 fand ich sehr schwach, fast schon lachhaft platt und ohne wirkliche Substanz. Aber bereits seit Band 1 hat mich Greer, der hin und wieder als Nebenfigur vorkam, fasziniert. Nur seinetwegen habe ich Duty & Desire 3 noch eine Chance gegeben. Und ich muss zugeben: Band 3 hat’s gerettet. Hier gab es endlich fast alles, was ich mir von den Vorgängerbänden gewünscht hätte.

Schon seit längerer Zeit herrscht zwischen Danika und Greer eine gewissen Spannung. Danika hasst ihren Ausbilder, vor allem, nachdem dieser sich über ihren besten Freund Jake respektlos geäußert hat. Greer gilt als gnadenlos, brillant und unnahbar. Gefühle hat er nicht. Nicht mehr. Zu viele Verluste in seiner Vergangenheit haben ihn hart gemacht und kalt werden lassen. Wo niemand ist, den er liebt, kann ihn nichts genommen werden, was ihm etwas bedeutet. Doch Danika reizt irgendetwas in ihm. Die beste Freundin seines Bruders ist nicht nur eine fleißige Rekrutin und gut in ihrer Arbeit, sie fährt ihm auch direkt unter die Haut. Als beide zusammen eine Übung machen, scheint es, als knallen endgültig die Sicherungen durch. Denn fortan können beide nicht mehr aufhören, aneinander zu denken. Doch zu viele Schatten auf Greers Seele lassen ihn Danika immer wieder wegstoßen. Er kann ihr nichts bieten, er ist zu sehr Polizist als sich auf jemanden einlassen zu können und seine Angst, wieder jemanden zu verlieren, steht ihm zu sehr im Weg. Als Danika jedoch in großer Gefahr landet, stellt es alles auf den Kopf. Wird Greers Herz über seinen Verstand siegen können? Oder wird der Lieutenant Danika endgültig in die Arme eines anderen treiben?

Anders als bei den Vorgängern fiel mir der Einstieg in das Buch dieses Mal sehr leicht und das Buch hatte mich bereits nach wenigen Seiten etwas in seinen Bann gezogen. Das Aufeinandertreffen von Danika und Greer in der Sporteinheit, ihre Gedanken übereinander, das Mit- und Gegeneinander war einfach von Anfang an extrem unterhaltsam. Endlich hat es mal Sinn gemacht, wieso die Protagonisten des Buches etwas voneinander wollen – was ich bei den Vorgängern ja nie greifbar fand. Und so entwickelt sich auch die Geschichte: Es ist ein stetes Hin und Her, ein Auf und Ab, ein Ja und Nein, ein großes Vielleicht. Danika und Greer machen es einander und auch dem Leser nicht leicht, aber man liebt sie und man fiebert mich und man wünscht ihnen so sehr, dass zwischen all den Neckereien und Spannungsmomenten das Glück liegt, was beide verdienen. Für mich lag der Fokus im Buch deutlich auf Greer, da er der komplizierter Charakter ist und sich dadurch mehr entwickeln muss. Gepaart mit einigen Einblicken in die Polizeiarbeit (ich hätte nach Band 1 und 2 fast vergessen, dass wir hier nicht bei einer weichgespülten Version von Police Academy sind), etwas Spannung, jeder Menge Geständnissen und sogar einige – realistischen! – Schmachtmomenten, liefert Duty & Desire 3 einfach etwas ab, was ich mir gewünscht, aber von Band 1 und 2 nie erhalten habe: Eine nachvollziehbare Liebesgeschichte, ein interessantes Drumherum, eine Unterhaltung auf Augenhöhe und das Gefühl, nicht zwei hormongesteuerte Teenager zu begleiten. Was natürlich nicht heißt, dass es bei Danika und Greer nicht heiß hergeht. Oh doch, und wie! Aber die Szenen sind wunderbar stimmig, mitreißend und gut platziert. Sie unterstützen die Handlung – und sind nicht die Handlung. Und allein die Tatsache, dass ich dieses Mal mitgefiebert und mitgelitten habe, zeigt, dass hier doch ganz andere Qualität vorliegt. Rückblickend frage ich mich wirklich, was sich die Autorin bei Band 1 und 2 gedacht hat.

Thematisch greift das Buch neben der komplizierten Liebschaft von Danika und Greer auch einige Thematiken auf, die wirklich überraschend für mich kamen. So liegen rund um Greers Tätigkeit recht viele Probleme, die sich auf die Story auswirken. Es werden Themen wie Überbelastung, Verzweiflung und Verlustangst angesprochen, wenngleich leider auch nicht so tief beleuchtet, wie ich es mir gewünscht hätte. Diese komplexen Faktoren spielen in der Polizeiarbeit und auf der Beziehungseben eines Polizisten eine bedeutsame Rolle und ich fand es toll, dass die Autorin sie aufgegriffen hat. So hat der Leser einen Eindruck davon gewinnen können, wie es eigentlich hinter Greers steinernen Fassade aussieht und so manche seiner Handlungen erklärbar gemacht. Denn es kommt öfter vor, dass ich mich über ihn aufgeregt habe, weil er einfach wieder blockiert und Danika weggestoßen hat. Und dann gibt es wieder kleine Szenen, die so unglaublich tief ins Herz gehen, weil sie sehr süß sind, ohne so übertrieben zu sein wie etwa in Band 1. Und das größte Highlight dürfte einfach die ständige Kabbelei zwischen Greer und Danika sein. Hochgradig unterhaltsam, zugleich auch unglaublich niedlich und für den Leser ja offensichtlich, während beide noch ihre Augen vor dem Wesentlichen verschließen. Herrlich! Hier gibt es auf jeden Fall eine gute Beziehungsentwicklung, bei der beide Protagonisten erkennen müssen, dass sie Eigenschaften haben, die ihnen nicht guttun. Das führt sogar zu so wunderbaren Momenten, dass Greer Kuscheln wichtiger als Sex ist. Ja, richtig gelesen! Hätte die Autorin doch Charlie und Jake nur ein wenig so gestaltet, dass sie keine sexbesessenen Biester sind.

Danika geht in diesem Buch für mich ein wenig unter. Sie ist eine taffe Frau, die voller Kraft hinter ihrer Ausbildung her ist, sich mit Greer battelt und zugleich liebevoll ihre Familie umsorgt. Stück für Stück muss sie erkennen, dass sie Greer gegenüber teilweise unfair war, teilweise aber wird sie in ihrer Hoffnung an Greer stark erschüttert. Danika ist ein liebevoller Mensch, dem das Wohlergehen der Leute um sie herum sehr am Herzen liegt. Auch, wenn diese sie wegstoßen. Sie gibt nicht so schnell auf. Dabei vergisst sie aber manchmal, dass sie nicht die ganze Welt schultern kann. Greer ist der typische Lone Wolf. Er lebt für seine Arbeit, er ist gut in seiner Arbeit und hat kein Problem damit, allein zu sein. Im Gegenteil hat er für sich entschieden, dass Alleinsein am besten ist. So kann er niemanden verlieren und sein Verlust niemanden in Trauer reißen. Langsam erkennt er aber, was ihm fehlt. Wärme, Geborgenheit, jemanden für den sich das Aufstehen lohnt. Das kann ihm sein Job nicht geben. Und trotzdem tut er sich wahnsinnig schwer, Danika in sein Leben zu lassen. Seine Ängste sitzen extrem tief und man leidet wirklich mit ihm mit. Greer überrascht aber auch mit vielen Eigenschaften, die man nicht erwartet hätte. Es sind teilweise nur kleine Nebensätze, die offenbaren, wie liebevoll er sein kann. Und wie sehr er sich um andere Leute kümmert, etwa durch seinen Buchclub für Polizisten als therapeutische Alternative. Greer ist vielschichtig und bringt viel Schmachtpotenzial mit, wenn er nicht gerade mit einem Herz aus Stein die Rekruten gängelt.

Zum Ende hin geht dem Buch dann aber doch sehr die Puste aus. Nachdem in guter Weise viele Punkte abgearbeitet wurden und ein großer Knall alles ändert, muss nochmal der Scherbenhaufen aufgekehrt werden. Hier wirkt die Autorin komisch uninspiriert und die sich überschlagenden Gedanken und Erkenntnisse sind bei mir nicht angekommen. Es war für mich nicht ganz erklärbar, wieso auf wenigen Seiten alles über den Haufen geworfen wird und alle plötzlich neue Erkenntnisse haben. Im Zuge dessen sind leider einige Themen auch etwas unter den Tisch gefallen, bei denen ich mir definitiv gewünscht hätte, dass sie noch ihren Abschluss oder zumindest ihre kurze Wirkung finden. Aber nichts Derartiges passiert. Dadurch wirkt das Ende irgendwie etwas überrumpelnd und unfertig. Auch die generelle Herangehensweise, tiefgründige Problematiken auf den Tisch zu werfen (und ja, davon hat Greer einige!) und dann irgendwie wieder halbgar abzuservieren, konnte mich nicht ganz begeistern. Vor allem im Vergleich zu Band 2 war aber zumindest mehr Tiefe gegeben. Greer hätte aber definitiv mehr verdient.

Insgesamt muss ich festhalten, dass Duty & Desire 3 mit wirklich großem Abstand das stärkste Buch der Reihe ist. Wären alle Bände so gewesen, hätte mich die Reihe durchaus begeistern können. So ist es aber, dass Band 1 vermutlich so viele Leser bereits vergrault, dass diese unterhaltsame und mit Abstrichen gelungene Geschichte unterm Radar fliegt. Danika und Greer sind unterhaltsam, kraftvoll, das Buch taucht ausnahmsweise auch etwas in die Polizeiarbeit ab und wirkt insgesamt einfach runder und stimmiger. Man hat das Gefühl, dass es um mehr geht als Sex und auch die Beziehungsentwicklung geht nicht von 0 auf 100 in 2 Seiten. Zwar hat die Autorin auch hier wieder versäumt, das tiefgründige Potenzial voll auszuschöpfen und sich mit eher oberflächlicher Abhandlung zufriedengegeben, aber zumindest hatte man etwas Greifbares. Hier trifft die These „Alle guten Dinge sind 3“ auf jeden Fall voll ins Schwarze.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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