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Veröffentlicht am 06.04.2025

Fesselnder Jugend-Mystery-Krimi auch für Erwachsene

Tod im Samtmantel
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Die 13jährige Grace kauft in einem Secondhand-Laden einen wunderschönen Samtmantel - und wird plötzlich von VIsionen heimgesucht, in denen sie durch die Augen eines gleichaltrigen Mädchen in die Vergangenheit ...

Die 13jährige Grace kauft in einem Secondhand-Laden einen wunderschönen Samtmantel - und wird plötzlich von VIsionen heimgesucht, in denen sie durch die Augen eines gleichaltrigen Mädchen in die Vergangenheit schauen kann. Als sie zusehen muss, wie das Mädchen ermordet wird, macht sie sich sogleich daran, in Sachen dieses "Cold-Case" zu ermitteln und gerät dabei selbst in Lebensgefahr ...

Sarah Wynne ist eine englische Autorin, die über 10 Jahre als Grundschulpädagogin gearbeitet hat - und so verwundert es nicht, dass sie sich mit der Gefühlswelt von KIndern und Jugendlichen gut auskennt - und bei genauem Hinsehen auch einige pädagogische Hinweise einstreut.

"Tod im Samtmantel" ist ein überaus spannender Mysterie-Thriller mit einer gelungenen Spannungskurve und einem dramatischen Showdown, bevor es zu einem Ende kommt, in dem alle Fragen geklärt werden. Die Mysterie-Elemente passen zur Geschichte, ohne zu übertreiben und bringen die Handlung voran.

Sarah Wynne schreibt in einem anschaulichen, locker-leichten Stil; die Kapitel sind kurz. Die eigentliche Handlung ist unterbrochen von kursiven gestalteten Einschüben aus Verbrechersicht. Das Geschehen ist nachvollziehbar und wirkt in jeder Hinsicht authentisch.Es gibt Freundschaften, aber auch Mobbing und Schulprobleme sowie eine durch Arbeit oft abwesende Mutter, was aber nie zu einem Drama führt.

Die Figuren sind nachvollziehbar beschrieben und die beiden Mädchen Grace und ihre Freundin Suzy hatte ich sofort ins Herz geschlossen. Mir gefällt sehr, dass Grace sicher sehr clever und mutig ist, aber ihr Verhalten und ihr Umfeld realistisch und nicht abgehoben ist.

Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, konnte "Tod im Samtmantel" auch mich fesseln und ich empfehle es gerne weiter!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Worte wie ein Mantel

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Hatoko, die ohne Eltern und von ihrer strengen Großmutter aufgezogen wurde, kehrt nach deren Tod in ihre Heimatstadt Kamakura zurück, um den Schreibwarenladen und das Amt der öffentlichen Schreiberin zu ...

Hatoko, die ohne Eltern und von ihrer strengen Großmutter aufgezogen wurde, kehrt nach deren Tod in ihre Heimatstadt Kamakura zurück, um den Schreibwarenladen und das Amt der öffentlichen Schreiberin zu übernehmen. Während sie Briefe für verschiedenste Anlässe schreibt, wird sie immer mehr Mitglied einer Gemeinschaft, findet nach und nach zu sich selbst und versöhnt sich mit ihrer Vergangenheit.

Die japanische Autorin Ito Ogawa (geb. 1973) nimmt ihre Leser*Innen mit nach Kamakura, dem ehemaligen japanischen Regierungssitz Japans, der besonders für die zahlreichen gut erhaltenen Tempel und Schreine, aber auch seinen Strand bekannt ist und dem geneigten Leser viel über japanische Kultur vermittelt. DIe Karte am Anfang des Buches war eine gute Ergänzung,

Im Mittelpunkt steht (neben der Hauptfigur Hatoko) die Kunst der Kalligrafie und die auch heute noch vorhandenen öffentlichen Schreiber; japanische Original-Briefe (aber auch ihre Übersetzungen) unterbrechen die Handlung und führen ihre besonderen Fertigkeiten vor Augen. Die Ausführungen hierzu (sorgfältig ausgewähltes Papier, die Farbe der Tinte, die Weichheit oder der Nachdruck eines Pinselstrichs, die Schreibweise in hiragana oder Kanji und sogar eine individuelle Briefmarke ) haben mich ungemein beeindruckt. Überhaupt kommt das japanische Lebensgefühl abseits der Großstädte gut zum Ausdruck.

DIe Schreibweise ist poetisch, sehr sanft und ruhig, Spannung sucht man hier vergeblich; dafür lässt sich gut verfolgen, wie Freundschaften entstehen und Hatoko nach und nach ihren Frieden mit sich und der vormals so verhassten Großmutter, die sie lange Zeit nur "ihre Vorgängerin" nennen kann, finden kann. Das Ende ist versöhnlich und schön, aber offen, was mich bei diesem Buch in keinster Weise gestört hat, sondern Platz für eigene Gedanken bot.

DIe Figuren sind unglaublich liebenswert gezeichnet und mir ging das Herz auf beim Lesen. Insbesondere in die Nachbarin Barbara und die 5jährige QP hatte ich mich schnell verliebt, aber auch die überaus empathische Hatoko, die sich selbst in jeden geschriebenen Brief einbringt, hat nun einen Platz in meinem Herzen.

Nicht nur durch die geschriebenen Briefe werden die verschiedensten Themen angesprochen, wie Liebe, Freundschaft und sogar Tod und Trauer.

Ich habe mich gerne auf dieses sanfte Buch eingelassen, das mich wie ein stiller Fluss begleitete und mit dem ich zur Ruhe kam.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Familiäre Verflechtungen

Die Garnett Girls
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Margo und Richard verband einst eine leidenschaftliche LIebe, aus der die Töchter Rachel, Imogen und Sasha hervorgegangen sind. Doch als Richard spurlos verschwindet, verfällt Margot dem Trübsinn und dem ...

Margo und Richard verband einst eine leidenschaftliche LIebe, aus der die Töchter Rachel, Imogen und Sasha hervorgegangen sind. Doch als Richard spurlos verschwindet, verfällt Margot dem Trübsinn und dem Alkohol und überlässt die jungen Mädchen sich selbst - ohne jemals über die Vergangenheit sprechen zu wollen. DIe Geheimnisse wirken sich jedoch auf die ganze Familie und ihre Beziehungen aus....

DIe britische PR-Fachfrau legt mit "Die Garnett Girls" ihren Debütroman vor; ein Familienroman, der tief hinter die Kulissen der Garnett-Verwandtschaft blickt.

Georgina Moore hat ein Auge für Beziehungen, ihre Dramatik und Verpflichtungen, die aus ihnen erwachsen. Es gelingt ihr, die Gefühle der Figuren genau zu beschreiben, ihre jeweiligen Probleme sowie ihr oftmals schwieriges Verhältnis untereinander und die Folgen, die auch unüberlegte Handlungen auf andere haben. Trotz der ernsten Themen schreibt Moore mit leichter Hand und schönem Stil, so dass ich von der Geschichte mitgerissen wurde.

DIe Figuren sind mehrdimensional ausgearbeitet; ihre Zweifel und Komplikationen nachvollziehbar und höchst authentisch. Ich habe mit allen vier Frauen mitgelitten und auf eine zufriedenstellende Lösung ihrer Probleme gehofft. Durch die wechselnden Perspektiven konnte ich mich gut in die unterschiedlichen Positionen einfühlen.

Auch, wenn hinter allem die Frage steht, was aus Richard, dem Vater der drei Mädchen, geworden ist und hierdurch eine Spannungskurve entsteht, die letztlich befriedigend aufgelöst wird, lebt der Roman von den Spannungen der Figuren untereinander und den Veränderungen in ihren Beziehungen. Mir hat sehr gut gefallen, wie alle (!) sich weiterentwickeln zu starken Frauen, die ihren Weg finden und gehen.

Der Plot, in und rund um das Sommerhaus der Familie auf der Isle of Wight gelegen, ist sicher ebenso ein Höhepunkt dieses Romans und ich habe die wunderschönen Beschreibungen sehr genossen.

Ich empfehle den Roman sehr gerne an Frauen weiter, die sich mit den Themen Frausein, Familie und Selbstfindung beschäftigen mögen und sich auf unterhaltsame Weise spannenden Konflikten stellen.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

London Bridge is falling down

Die Brücke von London
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1749. Die Tuchhändlerin Juliana Hamley, die ihr Geschäft auf der London Bridge betreibt, steht bereits mit einem Bein im Schuldnergefängnis, weil ihr verstorbener Mann ihr nichts als Schulden hinterlassen ...

1749. Die Tuchhändlerin Juliana Hamley, die ihr Geschäft auf der London Bridge betreibt, steht bereits mit einem Bein im Schuldnergefängnis, weil ihr verstorbener Mann ihr nichts als Schulden hinterlassen hat. Zusammen mit dem Waisenjungen Alder, den sie vor dem Ertrinken aus der Themse rettet, steigt sie ins Schmugund war überraschglergeschäft ein und überwindet alle moralischen Bedenken, denn ein dubioser Geldverleiher und die vor der Fertigstellung stehende Westminster Bridge machen ihr das Leben schwer. Und dann ist da auch noch Oliver, der im Dienst des Bridge Houses steht und für Sicherheit und Ordnung auf der Brücke sorgen muss....

Der deutsche Autor Julius Arth hat, fasziniert von der alten London Bridge, hervorragend recherchiert und einen höchst unterhaltsamen Roman über das Leben rund um das faszinierende Bauwerk im Jahre 1749 geschrieben.

Die London Bridge galt unter Zeitgenossen als Achtes Weltwunder mit ihrer auf ihr liegenden Stadt und dem Autor gelingt es, dieses besondere Bauwerk auch seinen LeserInnen ins Herz zu schreiben. Natürlich musste ich mir im Internet Bilder dazu anschauen - und ich kann nur sagen, dass Julius Arth diese Brücke hervorragend beschrieben hat!

Arth schreibt seine Geschichte aus drei Perspektiven: Neben der eigentlichen Hauptfigur Juliana Hamley werden auch die Geschicke der Waisenkinder-Gang um den gewieften Alder beleuchtet als auch des vermeintlichen Gegenspielers Oliver, der Gehilfe des Brückenmeisters ist. Doch damit nicht genug: Es gibt auch einen zweiten Zeitstrang von der Erbauung der London Bridge im Jahre 1202, in der die weisen Frauen Estrid und Sybilla eine wichtige Rolle spielen. Diese beiden Zeitebenen laufen lange Zeit nebeneinander her und verbinden sich erst gegen Ende zu einem schlüssigen Ganzen. Doch ich habe trotz dieser Wechsel zu keiner Zeit den Überblick verloren, denn Arth gelang es vortrefflich, die Geschichte flüssig zu erzählen.

Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich und Arth gelingt es, die Leser
Innen auch emotional in den Bann zu ziehen. Die historischen Fakten verbinden sich mit einer fiktiven Erzählung über die Schicksale höchst unterschiedlicher Figuren, die alle mit diesem besonderen Ort verbunden sind, zu einer mitreißenden Story, in der Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe, aber auch finanzielle Nöte, Skrupellosigkeit, Mord und Aberglaube zu einem perfekten Ganzen zusammenfinden.
Die Figuren selbst sind authentisch und mehrdimensional gezeichnet und bestechen durch ihre Weiterentwicklung, und ich habe mit jeder einzelnen mitgefiebert und mitgelitten und war überrascht und traurig, wie schnell das Buch trotz seiner 560 Seiten zu Ende gelesen war.

"Die Brücke von London" ist ein höchst kurzweiliger historischer Roman rund um ein faszinierendes Bauwerk, den ich interessierten Leser'*Innen wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Top oder Flop

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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In einem abgelegenen Restaurant kommen fünf (ehemalige) Freunde zusammen, um ein Krimidinner zu spielen. Der sechste Stuhl bleibt leer, denn Maria ist vor fünf Jahren auf einem Musikfestival, das die sechs ...

In einem abgelegenen Restaurant kommen fünf (ehemalige) Freunde zusammen, um ein Krimidinner zu spielen. Der sechste Stuhl bleibt leer, denn Maria ist vor fünf Jahren auf einem Musikfestival, das die sechs Freunde gemeinsam besuchten, spurlos verschwunden. Schnell wird klar, dass die Geschichte des Krimidinners keine fiktive ist, sondern starke Parallelen zu den Vorgängen um Marias Verschwinden aufweist. Offensichtlich möchte einer der FreundInnen mit dem Krimidinner einen Mord aufklären - und einen Mörder im Freundeskreis enttarnen....

"Das Dinner" ist bereits der zweite Thriller der jungen deutschen Autorin (1998) nach "Die Auszeit".

DIe Idee um das aufdeckende Krimidinner hatte mir sehr gefallen; die Umsetzung ist meiner Meinung nach aber nur suboptimal gelungen.

Sehr schön empfand ich die Locked-Room-Atmosphäre im Jetzt in dem abgelegenen Fine-Dining-Restaurant und die Verbindung der Geschichte mit einer Speisekarte.

Während die Geschichte spannend beginnt, machen einige Verwirrungen um die Namen der Protagonisten und größere und kleinere Längen das Lesen einigermaßen beschwerlich. Nach einigen unerwarteten Wendungen nimmt die Handlung dann aber noch einmal richtig FAhrt auf und führt zu einem erschreckenden Ende.

Erzählt wird in zwei Zeitebenen: zum einen wird das Krimidinner gespielt, in dem die fünf Figuren allsamt auch noch einen zweiten Spiel-Namen tragen und mir manches Mal der Überblick verloren ging, als auch im "Früher", als die sechs Freunde am Musikfestival teilnahmen, so dass man die Figuren allesamt gut kennenlernen konnte.

Alle Figuren waren mir ausgesprochen unsympathisch; offenbar waren alle in ihrer KIndheit traumatisiert und litten unter schwerwiegenden Folgen. Alkohol, Drogen und Sex sowie großer Egoismus spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Relativ früh fragte ich mich, ob ich diese Zusammenkunft von fünf bzw. sechs Menschen überhaupt als Freunde bezeichnen kann, da von gegenseitiger Sympathie und Vertrauen nichts zu spüren war.

Und gerade darin lag für mich der Grund, warum mir das Lesen kein großes Vergnügen bereitete: DIe Erzählweise war recht einfach und in so gut wie jedem Satz fand sich das F
**-Wort. Überhaupt drehte sich so gut wie alles um dieses Thema und ansonsten wurde eben unflätig geflucht damit, was ich als sehr eindimensional in der Ausdrucksweise der Autorin empfand.

Leider kann ich den Hype um diesen Thriller nicht wirklich verstehen und vergebe wohlwollende drei Sterne.

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