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Veröffentlicht am 03.10.2025

Eine Auszeit

Drei Tage im Schnee
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Hannah, eine Single-Frau Mitte 30, arbeitet hart daran, Karriere zu machen und weiter aufzusteigen. Ihr Privatleben beschränkt sich - außer auf Selbstoptimierung durch Fortbildungen und Training im Fitnessstudio, ...

Hannah, eine Single-Frau Mitte 30, arbeitet hart daran, Karriere zu machen und weiter aufzusteigen. Ihr Privatleben beschränkt sich - außer auf Selbstoptimierung durch Fortbildungen und Training im Fitnessstudio, Wellnesseinheiten und KLeidungssuche - auf mäßge zu Kontakte zu Freundinnen. Um "ihre Akkus wieder aufzuladen", verbringt sie ein Wochenende in einem Holzhäuschen im Nirgendwo und es beginnt zu schneien. Zunächst überlegt sie, schon wieder abzureisen, als ihr das kleine Mädchen Sonja begegnet. Die beiden freunden sich an, mychen Schneeengel, bauen ein "Schneinhorn" und trinken weißen Kakao. Dabei verliert sich Hannah in Erinnerungen und Gedanken über ihr Leben, ihre Ziele und die Freude, die sie vermisst ...

Die deutsche Journalistin Ina Bhatter hat mit "Drei Tage im Schnee" ihr erstes Buch vorgelegt. Da sie selbst beruflich im PR-Bereich arbeitet und sich den Luxus einer längeren Auszeit genommen hat (allerdings ein Jahr auf Weltreise), gibt es gewisse Überschneidungen mit ihrer Figur Hannah, die sie überaus authentisch dargestellt hat.

Als Ich-Erzählerin lässt Bhatter ihre Leser*Innen teilhaben an den Erinnerungen und Gedanken Hannahs, die echte Freude in ihrem Leben vermisst. Mittels des angenehmen, sanften Schreibstils taucht man tief in Hannahs Gefühlswelt ein, die in der Atmosphäre des alleinstehenden Häuschens in verschneiter Landschaft und Sophies Gesellschaft ihr Leben überdenkt und sich schließlich neue Ziele setzt, sowie den Kontakt zu einer alten Freundin wieder aufleben lassen möchte. Dabei bleibt die Erzählung aber auch immer "hyggelig" und ohne Probleme und Dramen. Sophie erscheimt zur richtigen Zeit aus dem Nichts, begleitet Hannah eine zeitlang und verschwindet wieder; sie ist nicht greifbar und lässt gerade zu ihrer Person einige Fragen offen. Sie wirkt auf mich nicht wie eine eigenständige Figur, sondern lediglich wie ein Katalysator für Hannahs Entwicklung.

Durch die Lektüre kann man selbst einige Zeit eintauchen in die zauberhaft anmutende verschneite Welt und sich wohlfühlen - oder sich anregen lassen, über das eigene Leben nachzudenken und auf die eigene innere Stimme zu hören. Dabei war mir die Zielrichtung allerdings ein wenig einseitig und sehr egoistisch, denn meiner Meinung nach kann es im Leben nicht ausschließlich darum gehen, Spaß zu haben.

"Drei Tage im Schnee" ist eine unterhaltsame kleine Auszeit des Lesenden und obwohl die Geschichte noch lange nachhallt, ist der Mehrwert gering. Mit 176 kleinformatigen Seiten (von denen einige unbedruckt sind) für 20€ handelt es sich in meinen Augen eher um ein Geschenk-Büchlein.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Bayerischer Krimi mit Herz und Hirn

Bodenfrost
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Auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs wird - im Rahmen des Kinderfestes der Polizei - eine Leiche gefunden. Etliche Anzeichen deuten auf einen Serienmörder, der "der Harpunier" genannt wurde, doch ...

Auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs wird - im Rahmen des Kinderfestes der Polizei - eine Leiche gefunden. Etliche Anzeichen deuten auf einen Serienmörder, der "der Harpunier" genannt wurde, doch dieser soll eigentlich verstorben sein. Krimalhauptkommissar Wallner und Polizeihauptmeister Kreuthner ermitteln in einem Fall, der einige Rätsel aufgibt ....

"Bodenfrost" ist bereits der 12. Fall der kultigen bayerischen Regio-Krimis um Clemens Wallner, Leonhardt Kreuthner und Karla Tiedemann aus der Feder von Andreas Föhr, der sich problemlos auch ohne Vorkenntnisse aus den vorhergehenden Bänden lesen lässt.

Auch "Bodenfrost" lebt wieder vom bayrischen Lokalkolorit und dem oftmals schwarzen Humor, hebt sich meiner Meinung nach aber deutlich positiv von den meisten lustigen Krimis ab, denn Föhrs Werke sind intelligent und amüsant, ohne die Figuren und ihre Handlungen ins Lächerliche zu ziehen - und der Schwerpunkt liegt definitiv auf einem gekonnt konstruierten Mordfall.

Andreas Föhr Schreibstil lässt sich äußerst angenehm lesen und zusammen mit der angenehmen Spannungskurve blätterten sich die Seiten quasi von selbst um. Auch, wenn ich bereits frühzeitig eine Idee hatte, wer der Mörder von Vitus Zander, des Brauerei-Geschäftsführers sein könnte, hielten viele Ermittlungen und Wendungen die Spannung hoch bis zum Ende, das dann allerdings ein wenig schnell und konstruiert daherkam. Doch dies ist entschuldbar aufgrund des hohen Lesegenusses bis dahin.

"Bodenfrost" besticht durch seine lebensechten, durchaus liebevoll gezeichneten Figuren, die absolut authentisch daherkommen. Hier macht es Freude, auch an ihrem Privatleben Anteil zu haben und die Entwicklungen zu verfolgen. Neben den oben genannten Hauptfiguren habe ich auch Wallners ein wenig kauzigen Vater Manfred ins Herz geschlossen, der jede Gelegenheit wahr nimmt, mit jungen Frauen zu flirten.
Dass einige Aktionen, insbesondere die des schlitzohrigen Polizisten Leo Kreuthners oder auch die Kontrolle eines Einsatzfahrzeuges der Polizei auf eine Umweltplakette, recht unrealistisch sind, tut dem Lesespaß keinen Abbruch, sondern sorgte für einige laute Lacher bei der Lektüre, da sie absolut nicht plump daherkommen.

Bemerkenswert ist, dass Föhr bei aller Leichtigkeit auch ernste und wichtige Themen anspricht und Stellung bezieht; sei es in der Rolle des patriachalischen, gestrigen Vitus Zander, der seine lebenslustige Ehefrau dominiert und in die Rolle eines Tradwifes drängt oder eine mögliche Schuld Manfreds durch eine unbedachte Tat im Zweiten Weltkrieg. Dies schafft meiner Meinung nach einen Mehrwert.

Mir hat auch dieser zwölfte Krimi um Wallner und Kreuthner wieder beste Unterhaltung mit Herz und Hirn bereitet und ich empfehle "Bodenfrost" gerne weiter.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Ein ungewöhnliches Täter-Ermittler-Konstrukt

Garden Girls
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Auf den Outer Banks legt ein Serienkiller tote Frauen vor Leuchttürmen ab, deren nackte Körper über und über mit Blumentattoos übersäht sind. Der FBI-Ermittler Tiberius Granger, ehemaliges Sekten-MItglied, ...

Auf den Outer Banks legt ein Serienkiller tote Frauen vor Leuchttürmen ab, deren nackte Körper über und über mit Blumentattoos übersäht sind. Der FBI-Ermittler Tiberius Granger, ehemaliges Sekten-MItglied, der mit seiner Einheit zu den Tatorten gerufen wird, trifft auf seine frühere Geliebte Bexley Hemmingway, deren jüngere Schwester vermisst wird. Schnell wird klar, dass der Täter ein perfides Interesse daran, Tiberius zu schaden und ihn und alle, die ihm nahe stehen, auf brutalste Weise zu vernichten. Fatal ist, dass ein Hurrikan auf die Inseln zusteuert und den Zeitdruck der Ermittlungen weiter erhöht.....

"Garden Girls" ist bereits der dritte Fall der SCU (einer fiktiven (!) Einheit des FBI, mit dem Namen "Special Crime Unit"); allerdings der erste der Reihe, der auf Deutsch übersetzt wurde. Autorin ist die US-Amerikanerin Jessica R. Patch, die bereits einige Bestseller veröffentlichen konnte.

Obwohl ich Cover sonst eher unwichtig finde, ist es mir bei diesem Buch doch ein Bedürfnis, einige Worte über die Gestaltung zu verlieren: Während der Lektüre wurde sehr schnell die Verbindung zwischen Thriller und dem fantasievollen Blumen-Cover deutlich - doch auf den ersten Blick könnten potentielle Leser'Innen auf eine falsche Fährte gelockt werden. Der Titel "Garden Girls - Verhängnisvolle Schönheit" könnte (wie eine Umfrage im kleinen Kreis bestätigte) zusammen mit den auf den Umschlag gedruckten nachtschwarzen Blüten und dem Auge auf ein Buch aus den Genre Fantasy oder Dark Romance bzw. Erotik hinweisen anstatt auf einen Thriller mit einem niederträchtigen Serienverbrecher.

Das Setting liegt auf den "Outer Banks", einer schmalen und 280 Kilometer langen Inselkette im Atlantik vor der Küste North Carolinas in den USA. Dieser sehr ungewöhnliche Tatort brachte mir ganz nebenbei neue Kenntnisse im Bereich Geografie.

In bildhaftem, lebendigem Schreibstil schreibt Patch abwechelnd aus unterschiedlichen Perspektiven und brachte dadurch das verabscheuungswürdige Verhalten des KIllers sowie die zunehmende Verzweiflung des Ermittlers deutlich zum Ausdruck und schaffte Beklemmung. Die Spunnungskurve zieht sich auf hohem Level durch das ganze Buch, allerdings hätte ich mir gerade in der Mitte gewünscht, dass endlich LIcht ins Dunkel kommt und die sehr zahlreich auftauchenden Gespräche über den nahenden Hurrikan haben für mich die Spannung nicht gesteigert, sondern waren zu viel. Ebenso mochte ich es nicht sehr, dass der Glaube immer wieder thematisiert wurde, die Ermittler Trost im Gebet suchten und die Rettung aus aussichtsloser Position am Ende als gottgewollt beschrieben wurde, verbunden mit christlicher Polemik. Abgesehen vom eigenen Glauben war dieses zu viel für einen Thriller nach meinen Geschmack und ich empfand die Autorin als missionarisch.

Dass es viele rückblickende Informationen zu Tis und Bexleys Vergangenheit gab, war durchaus wichtig für die Aufklärung und diese waren gut in die Ermittlungen eingebettet. Allerdings blieben dIe Figuren (insbesondere der SCU) mir allesamt recht fremd; da hätte mir eine tiefere Ausarbeitung besser gefallen. Möglicherweise liegt dies jedoch auch mit daran, dass ich die vorhergehenden Bände nicht kenne.
Kritisch sehe ich auch das sich überstürzende Ende, in dem sich die Situation mit dem Mörder und Entführer einerseits und dem eintreffenden Hurrikan sehr zuspitzt und ein paar glückliche Zufälle und unlogische Wendungen (und ein Todesfall) zu viel zur Aufklärung führten. Immerhin gibt es ein happy end mit einem guten Abschluss.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass mich die "Garden Girls" gut unterhalten haben mit einigen ungewöhnlichen Ansätzen und überraschenden Plot-Twists und ich gebe 3,5 Sterne und empfehle das Buch gerne weiter - sofern die Themen keine Trigger für die Leser*Innen sind! (Sekten, Manipulation, Unterdrückung insbesondere von Frauen, Tradwifes, Entführung, Folter, Mord, Hurrikans,)

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Berührend, schockierend, zum Nachdenken anregend

Meine Mutter
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Auf einer Lesereise ihres ersten Buches entscheidet sich Bettina FIedler, spontan das Grab ihrer Mutter zu besuchen, zu der sie eine eher schwierige Beziehung verbindet. SIe beschließt, sich auf Spurensuche ...

Auf einer Lesereise ihres ersten Buches entscheidet sich Bettina FIedler, spontan das Grab ihrer Mutter zu besuchen, zu der sie eine eher schwierige Beziehung verbindet. SIe beschließt, sich auf Spurensuche zu begeben, reist nach Schlesien, wo ihre Familie einst durch den Neubau einer Klinik ein ganzes Dorf namens Wölfelsgrund, dem heutigen Międzygórze, gegründet hat und schließlich nach Kriegsende alles aufgeben musste und in den Westen floh. FIedlers Mutter heiratete früh, bekam zwei KInder und führte eine unglückliche Ehe, bevor ihr Leben letztlich in einem Selbstmord endete Doch mit zunehmender Erkenntnis gelingt es FIedler, immer mehr Frieden zu schließen....

Die Kölner Fotografin Bettina FIedler hat sich auf Spurensuche in der Vergangenheit ihrer eigenen Familiengeschichte begeben; dazu reiste sie nach NIederschlesien, wertete Briefe, Aufzeichnungen und Tagebücher aus und erschuf dabei einen Familienroman, der zugleich auch Gesellschaftskritik und Heilung ist.

Flitner erzählt nüchern und authentisch, vermeidet es, über Gefühle zu schreiben und stößt immer wieder Gedankengänge an; bewahrt hat sie definitv auch ihren (schwarzen) Humor. Es wird deutlich, dass die Autorin nicht eine Geschichte erzählen will, sondern selbst auf der Suche nach Antworten ist, verstehen will, was passiert ist, was ihre eingene Geschichte prägte und was letztlich zum Suizid der Mutter führte. Dabei geht es lange Zeit gar nicht um das Leben ihrer Mutter, sondern fängt weit früher an, als die Vorfahren das Sanatorium und damit den Ort Wölfelsgrund gründeten, zahlreiche Privilegien hatte und schließlich von Verwöhnten zu sozialen Absteigern wurde.

Manche Absätze schockierten mich, etliche regten zum Nachdenken an, viele berührten mich sehr.
Insbesondere die Ereignisse um das Kriegsende 1945, die in der Geschichte oft verdrängt werden, sind absolut lesenswert. (Flitner berichtet u.a.vom grauen­erregenden „Celler Massacre Trial“. Kurz vor dem Einmarsch der Alliierten am 8. April 1945 wurde in Celle ein Zug mit 3.400 KZ-Häftlingen bombardiert, die Häftlinge aus dem KZ Bergen-Belsen, entweder in die Luft gejagt oder während ihrer Flucht durch Celle und Umgebung erschossen oder erschlagen. Alle Schuldigen kamen im Prozess als „unschuldig“ davon.)

Was eigentlich ein hochspannender autofiktionaler Roman hätte werden können, zerfällt leider sehr, da Flitner ständig springt zwischen Ort und Zeit, den Geschehnissen und eigenen Gedanken, Erinnerungen zahlreicher Personen, ohne dass diese gekennzeichnet sind. 316 Seiten sind in nur drei Kapitel aufgeteilt. Dies bremste ein wenig den Lesefluss und führt für mich zu einem Punktabzug in der Bewertung.

"Meine Mutter" ist definitv ein Buch, das noch lange nachhallt und viele eigene Überlegungen anstößt. Ich empfehle es - trotz verstörender Themen - unbedingt weiter.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Verbrechen im soziokulturellen Kontext

Schwüre, die wir brechen
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Im südschwedischen Malmö wird eine Leiche gefunden, die statt ihres menschlichen Kopfes einen Krokodilkopf trägt. Der verwitwete Kommissar Jon Nordh und seine strafversetzte Kollegin Svea Karhuu nehmen ...

Im südschwedischen Malmö wird eine Leiche gefunden, die statt ihres menschlichen Kopfes einen Krokodilkopf trägt. Der verwitwete Kommissar Jon Nordh und seine strafversetzte Kollegin Svea Karhuu nehmen - durchaus widerwillig - die Ermittlungen auf. Schon bald werden weitere Opfer aufgefunden, und nicht zuletzt anhand der altägyptischen Symbole auf den Leichen wird klar, dass der Täter, der seine Opfer als altägyptische Gottheiten inszeniert, HInweise gibt und es sich um einen Serienmörder handelt. Als auch noch eine zwielichtige True-Crime-Podcasterin in den Fall verwickelt wird, steigt der Druck der Öffentlichkeit auf die Polizei. Und als schließlich ein junges Mädchen verschwindet, spitzt sich die Lage endgültig zu. Aber auch neben den eigentlichen Ermittlungen gibt es dramatische Wendungen im Privatleben der beiden Ermittler, die diese in große Schwierigkeiten bringen....

"Schwüre, die wir brechen" ist bereits der zweite Fall der Ermittler Jon Nordh und Svea Karhuu aus der Reihe "Tatort Malmö" des deutsch-schwedischen Autorenehepaares Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson, auf den ich bereits begierig gewartet hatte, um mehr über die spannenden Schicksale des Ermittlerduos zu erfahren. Ja, tatsächlich, denn während ich mich sonst an weitschweifigen Berichten über die Ermittler abseits der zu lösenden Fälle störe, sind in der Tatort "Malmö" - Reihe die Geschichten von Jon und Svea selbst eigenständige Krimis, die ständig weiterlaufen - und die ich überaus interessant und berührend finde. DIese Erzählstränge wissen natürlich Leser*Innen des ersten Bandes besonders zu schätzen; jedoch auch Neueinsteiger werden durch kurze Erklärungen auf den aktuellen Stand gebracht.

Während im ersten Band noch Malmö als Stadt eine wichtige Rolle spielte, ist der Ort hier eher belanglos.
Im MIttelpunkt der Geschichte stehen altägyptische Schriftzeichen und Gottheiten, an deren Bedeutung sich diverse Figuren abarbeiten, sowie die Geschichte des Täters: In regelmäßgigen Rückblicken (die kursiv gedruckt sind) erzählen die Autoren chronologisch die Geschichte von Peter, einem elternlosen Jungen, der in der Colonia Dignidad in Chile in den 70er Jahren unter brutalsten Bedingungen aufwuchs und schließlich in ein anderes Leben flüchtete, in dem er auf besondere Art Halt fand.
Überhaupt sind diese zusätzlichen eindringlichen Schilderungen für mich ein Mehrwert in den Büchern von Vossen/Danielsson: schon die auf den ersten Blick außergewöhnliche Geschichte der adoptierten und in Nordschweden aufgewachsenen Svea, die im restlichen Schweden auf Widerstand trifft als auch die unrühmliche Geschichte um die Colonia Dignidad des Sektengründers Schäfers in Chile sind von sozialer Bedeutung und ich habe dazulernen können.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und die Spannungskurve hoch. Während der polizeiliche Fall nach vielen kleinen Schritten vor und zurück und überraschenden Wendungen gut aufgeklärt wird, lassen die Probleme der beiden Ermittler auf den nächsten Band der Reihe hoffen.

Die Figuren sind mehrdimensional angelegt und trotz ihrer schwierigen Seiten mag ich sowohl Svea als auch Jon sehr. Während Sveas eher polizeiliches Thema (das mich im übrigen sehr berührt!), hat Jon mit einem sehr alltäglichen Problem zu tun: der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie - neben der Trauerarbeit. WIe schön, dass dieses Problem auch einmal einen Mann trifft und nicht immer nur Frauen angelastet wird!

INsgesamt ist die Atmosphäre des Buches eher düster; die Taten sehr brutal und oftmals nicht leicht zu ertragen. (Wer Triggerwarnungen braucht: Morde, Verstümmelungen, Pädophilie, Betrug, Identitätsdiebstahl und vieles mehr werden thematisiert.) Da ist es angenehm zu lesen, dass auch die Polizisten an ihre Grenzen geraten und von Frust überwältigt werden.

Trotz der zahlreichen Themen und Verbrechen gelingt es meiner Meinung nach den Autoren sehr gut, sich nicht zu verzetteln und die Handlungen stringent voranzutreiben.

"Schwüre, die wir brechen" hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es allen Genre-LIebhabern weiter sofern sie nicht allzu zart beseitet sind.


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