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Veröffentlicht am 04.04.2026

Der Meisterdetektiv Teil 2

Die Rätsel meines Großvaters
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Die junge Lehrerin Kaede kümmert sich liebevoll um ihren an der Lewy-Körper-Demenz erkrankten Großvater. Außerdem verbringt sie immer wieder Zeit mit ihrem Kollegen Iwata und dessen Freund Shiki. Die ...

Die junge Lehrerin Kaede kümmert sich liebevoll um ihren an der Lewy-Körper-Demenz erkrankten Großvater. Außerdem verbringt sie immer wieder Zeit mit ihrem Kollegen Iwata und dessen Freund Shiki. Die von den Freunden beobachteten oder erlebten Rätsel trägt Kaede ihrem Großvater vor, der in seinen lichten Momenten darin brilliert, die Rätsel zu entschlüsseln. Doch Kaede hat ein eigenes Trauma und gerät so selbst in einen Fall----
»Die Bibliothek meines Großvaters« ist bereits der zweite Roman des japanischen Autors Masateru Konishi. Es beruht zum Teil auf dessen eigenen Erfahrungen mit der Pflege seines demenzkranken Vaters und lehrt die LeserInnen einiges über die seltene Form der Demenz, das Lewy-Körper-Syndrom; dennoch erschienen mir einige Passagen nicht ganz glaubwürdig, sondern eher der dichterischen Freiheit zu unterliegen.
»Die Bibliothek meines Großvaters« war in Japan ein Bestseller und ist Teil einer Trilogie.
Die Handlung erinnert ein wenig an einen Episodenroman und ist durch die Treffen Kaedes mit ihrem Großvater sowie Iwara und Shiki angenehm verbunden und mit einem roten Faden ausgestattet.
Nach Art der klassischen Detektive löst Kaedes Großvater in seinem stillem Kämmerlein jedes Rätsel, das Kaede ihm vorträgt. Während im ersten Band noch der Schwerpunkt bei Agatha Christie liegt, kommt hier im zweiten Band das Gespräch immer wieder auf Alfred Hitchcock und seine klassischen Krimis.
Diesmal gibt auch Kaedes Freund Shiki den anderen ein Rätsel auf durch sein Verhalten, dem seine Freunde natürlich ebenfalls nachgehen und auch Kaedes großes Trauma spielt wieder eine Rolle.
Von der leicht erzählten Schreibweise sollte man sich nicht täuschen lassen, denn die Geschichten haben durchaus Tiefgang und die Handlung ist sehr emotional. Großartig empfand ich die Passage, in der Kaede mit ihrem Großvater wegen seiner zunehmenden Ausfälle eine Ärztin aufsucht und diese Kaede die positiven Seiten ihrer besonderen Situation aufzeigt und ermahnt, die Erkrankung nicht als Katastrophe anzusehen, sondern Mut macht. Dies gibt noch einmal einen anderen, bemerkenswerten Blick auf die Krankheit und kann auch den Leser
Innen Hoffnung machen, die ebenfalls mit einer Form von Demenz konfrontiert sind.
Die Figuren sind allesamt einfühlsam und mehrdimensional beschrieben; mich konnte ihr aller Schicksal absolut fesseln. Schade fand ich, dass die sich im ersten Band entwickelnden zarten Liebesbande nicht wirklich weiter verfolgt wurden; ich hoffe darauf, dass es hier im dritten und letzten Band zu einer Lösung kommt.
Der Roman ist auch eine Hommage an die klassische (Kriminal-)Literatur, und so besteht er nicht nur aus den ausschließlich mit Kombinationsgabe gelösten einzelnen Fällen, sondern enthält auch eine Vielzahl an Anspielungen und Hinweisen auf Bücher bzw. Filme (die ich leider nicht alle entschlüsseln konnte).
Sehr schön empfand ich das japanische Flair der Geschichte; nach einigen Erfahrungen muss ich doch sagen, dass japanische AutorInnen Geschichten einfach ganz anders erzählen als alles, was ich sonst lese.
Lobend erwähnen möchte ich auch die wunderschöne Ausstattung des Buches mit dem wundervollen Farbschnitt; dieser zusätzliche Genuss entgeht des Lesern des Ebooks leider.
Ich empfehle das Buch gerne weiter an jeden, der sich auf den besonderen Erzählstil einlassen mag. Da in unserer Zeit eigentlich jede
r früher oder später mit dem Thema der „Demenz“ in seinem Umfeld konfrontiert wird, möchte ich dieses Buch ebenfalls allen sehr ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Gegen gesellschaftliche Konventionen

Der Gesang der See
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In Sunnmøre an der Westküste Norwegens im 19. Jahrhundert führen die Einwohner ein hartes Leben, das geprägt ist vom Fischfang und der Schafzucht. Als die junge, schwangere Kristiane ihren Ehemann verliert, ...

In Sunnmøre an der Westküste Norwegens im 19. Jahrhundert führen die Einwohner ein hartes Leben, das geprägt ist vom Fischfang und der Schafzucht. Als die junge, schwangere Kristiane ihren Ehemann verliert, soll ihr auch das Lotsenrecht entzogen werden, das seit Generationen ihre Familie innehat, denn als Frau darf sie dieses nicht ausüben; genau, wie ihr viele andere Tätigkeiten nicht zugestanden werden. Ihr Versprechen an ihren Vater, das Recht in der Familie zu halten, kann sie nur durch eine schnelle neue Heirat halten. Kristianes Jugendfreund Lars, für den sie sich entscheidet, wird ein zuverlässiger und verständnisvoller Ehemann, guter Vater für Kristianes Sohn Lisje-Anders und gewissenhafter Lotse. Doch Kristiane verliebt sich in den Kaufmannssohn und Kapitän Fredrik…..

Die norwegische Schriftstellerin Trude Teige ist vor allem aufgrund ihrer Generationen Romane 2015-2025) bekannt und beliebt. „Der Gesang der See“ von 2002, der sie als Autorin bekannt machte, wurde allerdings jetzt erst auf Deutsch veröffentlicht; in ihm verarbeitet sie ihre eigenen Erfahrungen als Tochter eines Fischers an der norwegischen Westküste und die Geschichte ihrer Ururgroßmutter, die sich ihren Platz in der Männerwelt erkämpfte; sicher ein Grund, warum der Roman überaus authentisch und glaubhaft wirkt.

Die norwegische Landschaft mit ihren harten Lebensbedingungen ist überzeugend beschrieben.

Trude Teige schreibt klar und bildhaft und auf ruhige Art und Weise. Wie die Einwohner des Fischerortes macht sie kein großes Aufheben um die Geschehnisse, sondern beschreibt nüchtern die Vorgänge und schafft dennoch dabei eine gewisse Emotionalität. Allerdings ist in meinen Augen deutlich zu erkennen, dass die Autorin sich in den späteren Romanen weiterentwickelt hat und es ihr noch stärker gelingt, die LeserInnen in die Geschichte hineinzuziehen.

Teige zeichnet ein genaues Bild der norwegischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Sehr deutlich kommt dabei das patriarchalische Verhalten der Einwohner zum Ausdruck. Frauen waren nicht nur bestimmte Tätigkeiten wie das Arbeiten als Lotse untersagt, sie waren auch stark eingrenzenden gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Kristiane agiert in einer Weise, die widersprüchlich zu den geltenden gesellschaftlichen Konventionen ist und eckt mit ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung immer wieder an. Dabei kämpft sie nicht nur für sich selbst um einen Platz in der Männerwelt, sondern für alle Frauen, wie zum Beispiel die musikalische Andrine, der ihre Familie Cellospielen verbietet, weil es angeblich unschicklich ist.

Die Figuren sind mehrdimensional beschrieben und als Leser
In erhält man ein genaues Bild der klassengeprägten Gesellschaft zu der Zeit. Allerdings empfinde ich eine gewisse Distanz selbst zu Kristiane, obwohl ich sie als starke Frau schätze und bewundere.

Für dieses bewegende und überaus lesenswerte Buch vergebe ich vier Sterne und empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Schrecklich schön

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Die Übersetzerin Anne reist in eine Kleinstadt in Norddeutschland, um ihre Mutter, die im Sterben liegt, zu begleiten. Die letzten Worte der Mutter deuten auf ein unausgesprochenes Familiengeheimnis, dem ...

Die Übersetzerin Anne reist in eine Kleinstadt in Norddeutschland, um ihre Mutter, die im Sterben liegt, zu begleiten. Die letzten Worte der Mutter deuten auf ein unausgesprochenes Familiengeheimnis, dem Anne nach und nach auf die Spur kommt, als sie nach deren Tod das handgeschriebene Buch ihrer Mutter findet, in dem diese von ihrer Kindheit in Westpommern zur Zeit des Nationalsozialismus berichtet ….

Die als Autorin genannte Mareike Busch ist das Pseudonym eines Autors, der bisher überwiegend Kriminalromane verfasst hat; für dieses Buch hat er nun aber einen weiblichen Autorennamen gewählt. Er verarbeitet mit dieser Familiengeschichte auch seine eigene, denn die Hauptfigur Hanna ist nach dem Vorbild seiner Mutter entstanden.

Eingebettet in die Rahmenhandlung der Gegenwart lässt Mareike Busch die - zunächst - sechsjährige Hanna in der Ich-Perspektive von ihrem Leben auf einem Bauernhof in Westpommern erzählen. Ihre Eltern sind mit ihren drei Kindern und dem Großvater, zu dem Hanna eine besondere Verbindung hat, aus einem niedersächsischen Dorf ausgewandert, woraus sich erste Schwierigkeiten ergaben, denn die Auswanderer sind streng katholisch und haben nur wenig mit den evangelischen Bewohnern gemein. Als der Nationalismus Einzug hält, geht ein Riss nicht nur durchs Dorf, sondern auch durch Hannas Familie. Zunächst schleichend, doch immer stärker wird das Leben von den politischen Auswirkungen und schließlich dem Zweiten Weltkrieg berührt. Während Hanna beobachtet und zu verstehen versucht, erhofft sie weitere Informationen durch das Belauschen ihrer Eltern zu erhalten.
Diese Erzählperspektive aus der Sicht eines Kindes ist ungewöhnlich, doch sie konnte hervorragend ein authentisches und genaues Bild zeichnen von den Vorgängen im Dorf. Unbefangen und eher wertfrei schildert Hanna das Gesehene und es wird aufgezeigt, welchen Einfluss die Geschehnisse und Schrecken des Krieges tatsächlich auf das alltägliche Leben hatten, was ich viel emotionaler empfand als in vielen Geschichtsbücher.

Leider endete der Roman mit einer nur kurzen Abhandlung über die Flucht und ihre dramatischen Auswirkungen für die Familie. Ich hätte so gerne noch mehr darüber erfahren, wie das Leben Hannas und ihrer Familie nach dem Krieg und einem weiteren Neuanfang weitergegangen ist, doch würde dies den Umfang des Buches restlos sprengen.

Die tragische Figur dieses Romans ist sicher die zuletzt geborene Tochter Rosa, die aufgrund einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und einer Entwicklungsverzögerung nicht nur besondere Aufmerksamkeit von ihrer Familie benötigte, sondern auch ins Visier des menschenverachtenden Systems geriet. Welches Schicksal sie ereilte, warum in Annes Familie später diese Schwester Hannas totgeschwiegen wurde, ergibt den besonderen Spannungsbogen in dieser Familiengeschichte.

Die Figuren sind einfühlsam beschrieben, wirken sehr authentisch und durch Hannas Sicht einfach wie aus dem Leben gegriffen. Einen besonderen Bezugspunkt stellte dabei der Großvater dar, der Hanna Denkanstöße und Erklärungen lieferte, aber auch ihr Freund Martin, der mit seiner künstlerischen Ader einen schweren Stand bei seinem Vater hatte, dem Metzger mit brauner Uniform und überzeugten nationalsozialistischen Ansichten.

Ein kleiner Wermutstropfen stellt in meinen Augen lediglich das etwas kitschige Ende dar, das einem großartigen Buch einen für mich zu banalen Abschluss bescherte.

Die ruhige Erzählweise, in der Gedanken und Gefühle ihren Raum fanden, konnte mich ganz in ihren Bann ziehen und ich wollte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Das sehr genaue Bild, das Mareike Busch von einer normalen Familie in einer schrecklichen Zeit zeichnete, wirkte unaufgeregt und trotzdem - oder gerade deshalb - sehr eindringlich und ich möchte das Buch dringend allen weiterempfehlen, die mehr über diese Zeit wissen möchten (oder sollten).

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Fehlende Bindung

Alma
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Als der Vater der inzwischen 50jährigen Alma stirbt, reist sie zurück nach Triest, dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Hier soll Vili, den ihr Vater einst in ihre Familie brachte, ihr ihr Erbe übergeben. ...

Als der Vater der inzwischen 50jährigen Alma stirbt, reist sie zurück nach Triest, dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Hier soll Vili, den ihr Vater einst in ihre Familie brachte, ihr ihr Erbe übergeben. An diesem Ort wird Alma heimgesucht von den Erinnerungen an ihre Familie, ihre Kindheit und ihre erste Liebe …

Federica Manzon, italienische Autorin und Verlegerin, legt mit „Alma“ ihren ersten auch auf Deutsch erschienenen Roman vor, der bereits vielfach ausgezeichnet und in neun Sprachen übersetzt wurde.

Positiv zu erwähnen ist die wunderschöne Sprache, die Federica Manzon verwendet. Anspruchsvoll und beinahe als künstlerisch zu bezeichnen, möchte man etliche Sätze aufschreiben und bewahren.

Allerdings ist der Schreibstil insgesamt alles andere als leicht zu lesen, denn die Autorin springt von Gedanke zu Gedanke und verliert sich in Zeit und Raum. Ein roter Faden ist schwer zu finden, wirkliche Spannung kam bei mir nicht auf, und so wurde ich lange Zeit nur angetrieben von dem Wunsch, endlich zu erfahren, was denn nun das Erbe Almas Vater sein würde.

Manzon scheut davor, Zeiten und Namen der Orte zu nennen, was es mir zusätzlich schwer machte. Sie lässt Alma häufig in Gedanken an „die Insel“ oder „die Hauptstadt“ verweilen, was die Geschichte in meinen Augen undurchschaubarer machte.

Alma, die in Triest aufwuchs, einer Stadt mit einem spannenden historischen Werdegang, wird mehr oder meist weniger erzogen von einer Mutter, die in „der Stadt der Irren“ arbeitet, wohin sie Alma oft mitnimmt, einem Vater, der als rechte Hand des Marschall Tito meist durch Abwesenheit glänzt und ihren intellektuellen Großeltern, mit denen sie die österreichische Kaffeekultur in der Stadt genießt. Echte Nähe wird Alma nicht zuteil, was sich schließlich durch ihr ganzen Leben zieht – und auch nicht zu den Leser*Innen aufkommt. Manzon lässt Alma sich erinnern, aber Gefühle oder Wertungen der Hauptfigur erfahren wir nicht. Nicht nur Alma, sondern ihre ganze Familie blieb mir fremd. Diese doch recht ungewöhnliche Art, die Figuren zu zeichnen, ließ bei mir mehr Fragen offen, als beantwortet wurden. Trotzdem – oder vielleicht oder gerade deshalb – herrscht ein Gefühl von Melancholie, Zerrissenheit, Entwurzelung und fehlender Heimat.

Dass Triest durch eine wechselhafte Geschichte mit Einflüssen aus Italien, Österreich-Ungarn und Slowenien gekennzeichnet ist, klang immer wieder an. Allerdings hatte ich häufig das Bedürfnis, die Lektüre durch weitere Informationen ergänzen zu müssen und forschte immer wieder im Internet nach.
Während ich bei den geschilderten Kriegsgrauen zunächst an die Jugoslawienkriege (von 1991 bis 2001), die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren, dachte, an die ich mich gut erinnern kann, deuten die Anspielungen auf den Marschall Tito jedoch auf frühere Kriege hin.

Wirklich etwas gelernt oder verstanden habe ich leider nicht direkt durch die Lektüre, sondern durch meine zusätzlich erworbenen Informationen.

Obwohl ich große Erwartungen an den Roman hatte, fand ich leider nicht wirklich einen Zugang zu Figuren und Handlung und bleibe enttäuscht zurück, obwohl Sprache und Themen durchaus lobenswert waren.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Eine magische Geschichte, etwas blass umgesetzt

Zwei in einem Bild
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DIe alleinerziehende Claire nimmt eine Stelle als Putzkraft in der Barnes Foundation in Philadelphia an, wo sie fortan in Nachtschichten für einige Galerien zuständig ist. Besonders gefällt ihr das Gemälde ...

DIe alleinerziehende Claire nimmt eine Stelle als Putzkraft in der Barnes Foundation in Philadelphia an, wo sie fortan in Nachtschichten für einige Galerien zuständig ist. Besonders gefällt ihr das Gemälde "DIe Musikstunde", das 1917 von Henri Matisse erschaffen wurde und seine Familie (seine Ehefrau Amélie Noellie Parayre und die drei Kinder Marguerite, Jean und Pierre) zeigt. Eines Nachts steigt sie, eher durch Zufall, und von Jean gezogen, in dieses Bild ein und findet sich in der magischen Welt des Künstlers wieder. Sie erfährt, dass die Portraitierten in den Bildern ein geheimes Leben führen und zwischen den ausgestellten Kunstwerken reisen können. Nacht für Nacht unterbricht sie ihre Arbeit, um zu Jean in das Bild zu steigen und mit ihm Partys zu feiern, die Rennbahn zu besuchen und über Klippen zu wandern, während CLaire und Jean sich dabei immer näher kommen...

Morgan Pager, Bookstagramerin und tätig im Verlagswesen, hat mit "Zwei in einem BIld" einen eigenen Genre-übergreifenden Roman geschrieben. Dabei geht sie der Frage nach, ob die Portraitierten in einem Gemälde möglicherweise abseits der Blicke der Betrachter ein eigenes Leben führen und wie dieses aussehen könnte: dabei lässt sie die Welten der Realität und der Kunst miteinander verschmelzen. Ausgesucht hat sie dazu ein Gemälde von Henri Matisse, einem bedeutenden Künstler der klassischen Moderne und es ist absolut empfehlenswert, sich dieses Bild begleitend - zum Beispiel im Internet - anzuschauen.

In meinen Augen ist es eine bezaubernde Idee, eine junge Frau wortwörtlich in ein Gemälde eintauchen zu lassen, dort das Leben zu spüren und die Portraitierten näher kennenzulernen. Abwechselnd erzählt Morgan Pager die Geschehnisse dabei von Jean und Claire und lässt uns Leser*Innen an deren Gefühlen teilhaben. So wird das Kunstwerk Matisse' buchstäblich lebendig und wir erfahren etwas über die Familie Matisse' und die Zeit. (Ein wenig mehr Recherche und Hintergrundwissen hätte hier auch noch einen echten Mehrwert geben können.) Außerdem hat Claire aber auch ein Leben abseits des Museums, das wir mit zunehmendem FOrtgang der Handlung immer genauer kennenlernen und das voller Probleme und Sorgen ist.

Leider bleiben die Figuren dabei recht eindimensional und fest in ihrer Rolle. Sowohl die Geschichte als auch die Figuren entwickeln sich nicht wirklich weiter; manche Handlungen Claires bleiben für mich nicht nachvollziehbar und insbesondere das Ende ist vorhersehbar. Obwohl ich mich gerne auf die magische Geschichte eingelassen habe, hat mich dennoch geärgert, dass manche Aktionen, die es nicht hätten sein müssen, völlig unrealistisch sind und damit in meinen Augen die ganze Geschichte abwerten. (Leider kann ich das hier nicht genauer beschreiben ohne zu spoilern - am schlimmsten fand ich da eine Sache am Ende.) Und auch die zarte Liebesgeschichte zwischen Claire und Jean hätte weiter ausgearbeitet sein können, um glaubhaft zu wirken. An manchen Stellen hätte ich die Handlung gerne angestupst, um mehr Spannung zu erhalten.

Eine Auflistung der vorkommenden Gemälde wäre eine sehr schöne Ergänzung im Buch gewesen.

Obgleich der Roman für Kunst-Interessierte eigentlich ein Muss sein könnte, blieb die Umsetzung einer charmanten Idee leider etwas blass, so dass ich nur drei Sterne vergeben kann.

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