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Veröffentlicht am 27.07.2018

Shiny happy people holding hands

Glückliche Menschen küssen auch im Regen
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singen REM: der Titel hätte lange Zeit für Dianes Leben stehen können, hat sie doch mit Mann Colin und Tochter Clara eine wunderbare Familie gehabt und dann noch mit Félix, ihrem besten Freund, der immer ...

singen REM: der Titel hätte lange Zeit für Dianes Leben stehen können, hat sie doch mit Mann Colin und Tochter Clara eine wunderbare Familie gehabt und dann noch mit Félix, ihrem besten Freund, der immer für sie da ist, ein Literaturcafé betrieben. Naja, eigentlich hat es Félix betrieben, genauso wie Colin das gemeinsame Leben geregelt hat, denn Diane ist eigentlich lebensunfähig: war sie schon immer, aber nun, nachdem sie durch einen Verkehrsunfall Mann und Kind verloren hat, ist sie es noch mehr. Dennoch beschließt sie, für unbestimmte Zeit nach Irland zu gehen, was eigentlich Colins Traum war. Dort ändert sich einiges für sie...

Das alles klingt, als hätte man es schon mal gehört, schon mal gelesen und glauben Sie mir, genauso ist es: wenig originell verfährt die franzöische Autorin Agnès Martin-Lugand mit ihren Charakteren und mehr noch mit ihren Lokalitäten - das typisch Irische beginnt und endet mit Guiness, das typisch Französische.... keine Ahnung, das hat sich mir nicht offenbart. Atmosphärisch ist hier rein gar nichts, auch nicht die Figuren, die sich nur im Ansatz erfassen lassen.

Außerdem wird im Romänchen, denn mehr ist es nicht, quasi durchgehend geraucht - sowohl in Frankreich als auch in Irland - ohne Fluppe in der Hand scheinen die Figuren nicht funktionstüchtig zu sein. Man fragt sich, was das in einem Werk der 2010er eigentlich soll? Davon sind wir doch - in allen europäischen Ländern - inzwischen weit entfernt.

Die Geschichte enthält aus meiner Sicht keine richtige Botschaft: es soll wohl darstellen, wie sich Diane nach dem Schock ganz langsam wieder berappelt und ins Leben zurückfindet, aber glauben Sie mir: nach der Lektüre werden Sie mit ziemlicher Sicherheit genau wie ich dasitzen und sich fragen, was das hier eigentlich sollte. Warum hat sich die Autorin die Mühe gemacht, etwas so wenig Interessantes, Kluges und Wesentliches überhaupt aufzuschreiben und vor allem: warum hat der Verlag, vor allem das namhafte Verlagshaus Blanvalet, es überhaupt publiziert. Wenn zumindest Stil und Sprache aufrührend oder doch zumindest vielversprechend wären - aber auch das ist nicht der Fall.

Also: besser Finger weg und eine andere, wahrscheinlich bessere Auswahl treffen!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss

Das Haus am Fluss
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heißt ein französischer Film aus den 1980ern, der alles andere als das ist. Auf das vorliegende Buch trifft die Formulierung schon viel eher zu: ein langer, ruhiger Fluss der Langeweile! Irgendwie kommen ...

heißt ein französischer Film aus den 1980ern, der alles andere als das ist. Auf das vorliegende Buch trifft die Formulierung schon viel eher zu: ein langer, ruhiger Fluss der Langeweile! Irgendwie kommen Marie und die Geschichte aus längst vergangenen Zeiten nicht in die Puschen - und der Leser ertrinkt in einem Fluss der Langeweile. So zumindest ist es leider mir ergangen, wobei dies - nach "Das Geheimnis des Walfischknochens" schon die zweite Chance war, die ich der Autorin gab. Die zweite und letzte - leider habe ich nun nicht mehr das Gefühl, dass hier noch großes Entwicklungspotential vorhanden ist, obwohl ich mir - und vor allem Tanja Heitmann - genau das wünschen würde.

Ein interessanter Plot: wie im Vorgängerband spielt sich die Geschichte auf zwei Zeitebenen ab - in der Gegenwart und in den 1920er und 40er Jahren, eigentlich liebe ich so etwas über alles! Doch ein umständlicher Schreibstil und leider auch sehr steif geschilderte Charaktere haben mir den Roman leider schnell madig gemacht und die Lektüre zu einer Pflichtaufgabe werden lassen. Vieles ist vorhersehbar, zudem ergeht sich die Autorin in zahlreichen Klischees - und vor allem hätte das meiste um mindestens ein Drittel gekürzt werden können - dann wäre die Geschichte auch griffiger gewesen. So bleibt es beim "gewollt, aber nicht gekonnt". Guten Gewissens kann ich diesen Roman eigentlich nur tausendprozentigen Norddeutschlandfans empfehlen, die vor nichts zurückschrecken.

Veröffentlicht am 27.07.2018

So könnte es sein

Der Preis der Treue
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Ja, so könnte es sein, wenn ein Mann seine Frau betrügt - wobei "betrügen" hier eine Untertreibung sondergleichen ist: Er lebt nämlich faktisch mit seiner Geliebten Alix zusammen in Paris, seine Frau und ...

Ja, so könnte es sein, wenn ein Mann seine Frau betrügt - wobei "betrügen" hier eine Untertreibung sondergleichen ist: Er lebt nämlich faktisch mit seiner Geliebten Alix zusammen in Paris, seine Frau und seine Tochter sieht er nur am Wochenende in Marseille - und selbst dann nicht immer. Es ist also eher schon "richtige" Bigamie: der feine Herr, dessen Namen wir nicht kennenlernen, hat quasi zwei Familien, wobei Alix von der anderen Familie weiß, diese jedoch keine Ahnung hat - oder doch?

Der feine Herr - so will ich ihn nennen, denn einen Namen hat er nicht, hat in dem ganzen Buch nur Alix - alle anderen definieren sich nach Verwandtschaftsgraden wie Ehefrau, Tochter, etc. - betrügt seine Frau nicht nur, nein, er nutzt sie auch aus, denn in ihrer Obhut befindet sich auch sein Vater, der nicht mehr allein leben kann. Ihr obliegt die ganze Sorge um die Familie, Alix hingegen ist für das gemeinsame Leben in Paris zuständig, wo der feine Herr kaum einen Finger rührt.

Ein Filou also? Oder doch ein Mann wie jeder andere? Ich hoffe nicht, denn in der Haut seiner Ehefrau möchte ich nicht stecken. Aber sollte man ihr wirklich die Daumen drücken, dass die Entscheidung für sie fällt? Wird überhaupt eine Entscheidung fallen? Nun, verraten werden soll es nicht, denn der Leser sollte sich doch selbst einen Einblick verschaffen - wenn er es denn als lohnenswert empfindet.

Genau das ist nämlich die Frage!
Die junge Autor Diane Brasseur schreibt wunderbar: flüssig, elegant, stilvoll - aber nicht unbedingt originell. Und ob es realistisch ist, ist hier die Frage, denn sie schreibt als noch recht junge Frau aus der Perspektive eines Mannes in den besten Jahren. Rasch drängt sich dem Leser der Gedanke auf, ob sie, ob jemand aus ihrem Umfeld möglicherweise in einer ähnlichen Rolle gesteckt hat. Teilweise ändert sich die Sprache und ist sehr offen, teilweise gar vulgär, wodurch der gefällige Stil aus meiner Sicht stellenweise unterbrochen wird, auf unangenehme Art und Weise, wie ich finde.

Aber das ist Geschmackssache. Die Kernfrage aus meiner Sicht ist eher die folgende: Ist das Buch, ist seine Botschaft wichtig, ja ist sie "groß" genug, um dieses Buch zu einer lohnenswerten Lektüre werden zu lassen? Ich selbst beantworte sie mit einem "jein": ein ganz nettes Buch für zwischendurch. Eines, das man gelesen haben kann, aber nicht muss.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Mal was anderes

Skalpelltanz
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Eine Autorin schreibt über einen Kollegen: das tut Jenny Milewski in ihrem Thriller "Skalpelltanz", in dem es um Jonas Lermann, Autor von Horrorliteratur, geht. Er hat mit Carl Cederfeldt eine Figur geschaffen, ...

Eine Autorin schreibt über einen Kollegen: das tut Jenny Milewski in ihrem Thriller "Skalpelltanz", in dem es um Jonas Lermann, Autor von Horrorliteratur, geht. Er hat mit Carl Cederfeldt eine Figur geschaffen, die unheimlicher nicht sein kann: von Berufs wegen Chirurg nutzt er sein "Dienstwerkzeug" für die perfidesten Morde, die man sich vorstellen kann. Und verhilft seinem Autor damit zu einem kleinen Vermögen, denn Lermanns Thriller, unter anderem "Skalpelltanz" werden vom Publikum ausgesprochen gut angenommen. Und seine Lesungen auch: diesen verdankt der Autor durchaus das ein oder andere erotische Abenteuer, dem er alles andere als abgeneigt ist.

Soweit gibt es noch nichts sonderlich Originelles: über professionelle Morde hat es immer mal wieder Bücher gegeben. Doch dann geschehen in der - fiktiven - Realität Morde die eindeutig die Handschrift von Carl Cederfeldt tragen. Wie ist das bloss möglich - hat sich irgendein Facharzt oder ähnliches von der Romanfigur zu grausigem Tun inspirieren lassen? Oder wird hier gar die Fiktion zur Realität? Ist etwa Carl Cederfeldt zum Leben erwacht und was bzw. wer kann ihn stoppen?

Wirklich mal was anderes - ein Thriller der ungewöhnlichen Art: Autorin Jenny Milewski spielt geschickt mit verschiedenen Handlungsebenen. Auch der Stil ist gefällig im besten Sinne des Wortes und auch die Passagen, in denen es "normal" zugeht wie bspw. eine Lesung mehrerer Kriminalschriftsteller in einer Buchhandlung gleich zu Beginn des Buches sind geschickt angefügt und passen wirklich gut. Doch dann wird es so richtig heftig, wobei ich zur Wahrung der Spannung nichts Näheres sagen will, nur so viel: Es geht ganz schön hart zur Sache und ist daher ganz klar was für Liebhaber des Horrorgenres, zu denen ich mich definitiv nicht zähle. Aber alle, die sowas mögen, sollten dieses Buch der schwedischen Autorin Jenny Milewski definitiv auf dem Schirm haben!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Für Leser, die es wortreich lieben

Das geheime Leben der Violet Grant
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Violet und Vivian - zwei Erzählstränge, zwei Geschichten, die auf geheimnisvolle Art zusammenfließen. Vivians Geschichte nimmt 1964 im quirligen New York ihren Lauf, die von Violet startet ein halbes Jahrhundert ...

Violet und Vivian - zwei Erzählstränge, zwei Geschichten, die auf geheimnisvolle Art zusammenfließen. Vivians Geschichte nimmt 1964 im quirligen New York ihren Lauf, die von Violet startet ein halbes Jahrhundert früher in Berlin.

Vivian kommt eher durch Zufall an einen Koffer ihrer verschollenen Großtante Violet, von deren Existenz sie bisher noch nichts wusste - aus gutem Grund: sie soll nämlich ihren Ehemann umgebracht haben. Vivian leckt Blut und begibt sich auf Spurensuche in einer Zeit, in der bei ihr auch sonst so einiges los ist. Beim Abholen des Koffers auf dem Postamt hat sie nämlich den jungen und attraktiven Chirurgen Paul kennengelernt, der ihr bald alles andere als gleichgültig ist.

Und die Dinge nehmen ihren Lauf....
Gleichzeitig wird der Leser sukzessive an die Geschichte von Violet herangeführt.

Eine sehr charmante Idee ist es, die dem Roman zugrunde gelegt wurde. Aus meiner Sicht wurden jedoch die höchst interessanten historischen Epochen: die 1910er und 60er, die den Rahmen für die Handlung bilden, nicht genügend beleuchtet - möglicherweise fehlte der Autorin aufgrund mangelnder Recherche der Hintergrund. Das soll keine böswillige Unterstellung sein, sie wird für ihre Geschichte einfach andere Prioritäten gesetzt haben. Dadurch hat mein Interesse an dem Buch jedoch rapide abgenommen, da es gerade die Einbettung in die jeweilige Zeit war, die mich interessierte und von deren Vorhandensein ich bei der Anschaffung des Buches auch ausging.

Dafür gibt sich die Autorin ausgesprochen eloquent - so könnte man es positiv darlegen. Böse Zungen könnten ihre Ausführungen als seitenlanges unnützes Geschwätz bezeichnen. Für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, aber auch für mich gilt. die Darstellung war nicht interessant genug, um mich dauerhaft zu begeistern Eine etwas elegantere Aufbereitung des Themas im vorher ausgeführten Sinne und etwa 200 Seiten weniger hätten mir mehr zugesagt. Dann hätte ich den durchaus vorhandenen Witz bzw. Esprit der Autorin auch goutieren können - so verlor er sich in den Wortmassen.