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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein Versuch der Erklärung der Liebe - traurig und schön

Die einzige Geschichte
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Die Liebesgeschichte des 19jährigen Paul mit der knapp 30 Jahre älteren verheirateten Susan - man glaubt zu wissen, was da kommt. Doch diese Geschichte entwickelt sich völlig anders als es die Meisten ...

Die Liebesgeschichte des 19jährigen Paul mit der knapp 30 Jahre älteren verheirateten Susan - man glaubt zu wissen, was da kommt. Doch diese Geschichte entwickelt sich völlig anders als es die Meisten sich vielleicht zu Beginn vorstellten.
Paul erzählt im Rückblick von dieser unkonventionelle Beziehung, die ihr eher verklemmtes Umfeld in einem bürgerlichen Vorort Londons vor ca. 50 Jahren natürlich schockierte, obwohl sich beide vergleichsweise diskret verhielten. Nach zwei, drei Jahren ergreifen die Beiden die Konsequenzen und ziehen weg und zusammen - ein Happy End könnte man meinen.
Doch was im zweiten Teil folgt, ist ein Liebesdrama, für das Beide nicht wirklich verantwortlich zu machen sind. Susan ist gezeichnet von der Vergangenheit ihrer Ehe und Paul ist mit seinen etwas mehr als 20 Jahren schlicht nicht in der Lage, ihr aus ihrer Not herauszuhelfen. Ihre Liebe füreinander ist aufrichtig, doch für Beide sehr schmerzhaft. Paul lässt das Vergangene Revue passieren ohne zu beschönigen und fragt sich gleichzeitig, was falsch gelaufen ist; weshalb die Liebe nicht stark genug war, mit allem fertig zu werden.
Die letzten 70 Seiten erzählen von seinem Leben nach Susan und insbesondere, wie er nun mit der Liebe umging. Ein melancholischer Abschluss, denn die Erfahrungen seiner ersten Liebe haben ihn fürs Leben geprägt und ihn seine Unbeschwertheit verlieren lassen.
Auch wenn die Lektüre einen eher traurig gestimmt zurücklässt, lohnt sich das Lesen. Denn es ist kein Buch gegen die Liebe, sondern zeigt lediglich auf, welche Facetten diese auch haben kann, wenn das Leben einem nicht so wohlgesinnt ist. Das Ganze natürlich in der wunderbaren Sprache Julian Barnes, die so leicht daherkommt, als wäre diese Geschichte an einem schönen Sommernachmittag einfach so nebenbei niedergeschrieben worden. Schön und traurig zugleich - das muss man erst mal hinbekommen.

Veröffentlicht am 23.10.2019

Wirkt ausgesprochen realistisch

Wisting und der Tag der Vermissten
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William Wisting ist seit vielen Jahren ein erfolgreicher Kommissar. Und so ist es kein Wunder, dass ihn das nicht geklärte Verschwinden von Katharina Haugen vor 24 Jahren noch immer keine Ruhe lässt. Jedes ...

William Wisting ist seit vielen Jahren ein erfolgreicher Kommissar. Und so ist es kein Wunder, dass ihn das nicht geklärte Verschwinden von Katharina Haugen vor 24 Jahren noch immer keine Ruhe lässt. Jedes Jahr trifft er sich an dem Tag, an dem sie verschwand, mit ihrem Ehemann Martin Haugen, den er damals verdächtigte, aber dem nie etwas nachgewiesen werden konnte. Doch in diesem Jahr erfährt Wisting, dass Haugens Fingerabdrücke in einem anderen Fall aufgetaucht sind. Und am Tag ihres jährlichen Treffens ist er nicht aufzufinden.
Ob William Wisting tatsächlich der beste Kommissar Norwegens ist, wie das Cover behauptet, sei dahingestellt - immerhin gibt es da beispielsweise Harry Hole (und vermutlich noch andere ). Und in puncto Überraschungen, Action und Gewalt kann Wisting mit Harry Hole definitiv nicht mithalten. Dies hier ist ein sich fast schon gemächlich entwickelnder Krimi, bei dem man gefühlt beinahe in Echtzeit die Ermittlungen und Gedankengänge der jeweiligen ProtagonistInnen nachvollziehen kann. In erster Linie ist es natürlich Wisting, der diesen Vermisstenfall mittlerweile seit Jahrzehnten verfolgt. Dazu kommen noch seine Tochter Line, die als Journalistin an einer Reportage über eine unaufgeklärte Entführung schreibt. Und Adrian Stiller, ein Ermittler aus Oslo, der sich um alte ungelöste Fälle kümmert.
Durch dieses sich langsame Annähern war ich als Lesende in der Lage, praktisch zeitgleich mit den handelnden Personen zu ähnlichen Folgerungen zu kommen wie diese. Das führt dazu, dass es zwar keine allzu grossen Enthüllungen und Aha-Effekte gibt, aber das starke Gefühl entsteht, hier einer echten Geschichte zu folgen. Vermutlich ist dies der Grund, weshalb trotz vergleichsweise wenig Action und Überraschungen dieser Krimi bis zum Ende packend und spannend blieb. Ich schätze, ich werde mir die anderen Krimis mit Herrn Wisting auch mal anschauen

Veröffentlicht am 21.10.2019

Historischer Krimi zwischen Realität und Phantasie

Die Ewigkeit in einem Glas
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Im Jahre 1863 verschwindet die Tochter eines Adligen. Bridie Devine soll sich um das Wiederauffinden der Kleinen kümmern, doch bald stellt sie fest, dass deren Vater viel verschweigt. Auch in seinem Haus ...

Im Jahre 1863 verschwindet die Tochter eines Adligen. Bridie Devine soll sich um das Wiederauffinden der Kleinen kümmern, doch bald stellt sie fest, dass deren Vater viel verschweigt. Auch in seinem Haus erhält sie nur wenig Unterstützung und so ist sie froh über Ruby, der ihr zur Seite steht - auch wenn er tot ist.
Seltsame Figuren gibt es zuhauf in diesem neuen Buch von Jess Kidd. Die zwei Meter grosse Cora mit Backenbart; den toten Boxer Ruby, der in seinen langen Unterhosen Birdie überallhin begleitet; ein Chemiker, der unter anderem geniale Pfeifentabaksmischungen entwirft; ein Zirkusdirektor, der am liebsten Heinrich der VIII. wäre und viele andere skurrile Lebewesen. Dieses London jener Zeit wirkt wie eine Szenerie voll wunderlicher, erstaunlicher Besonderheiten, bei denen man als Lesende nicht ganz sicher ist, ob es Realität oder nur ein Produkt einer lebhaften Phantasie ist.
Dazu trägt nicht nur das bunt gemischte Personal bei, sondern sicherlich auch der besondere Schreibstil der Autorin. Scheinbar unbelebten Dingen werden annähernd menschliche Eigenschaften zugeschrieben: die Themse, 'die sauberer, lieblicher und ruhiger wird. Verschwunden sind ... die engen Windungen eines Flusses, der zu Bosheiten neigt.' Oder 'Der Mond weiss das; er sieht alles. Heute Nacht weist er uns den Weg ...'.
Auch die Hauptfigur Birdie steckt mitten in dieser scheinbaren Widersprüchlichkeit von Realität und Phantasie. Als logisch denkender Mensch ist ihr völlig klar, dass es keine Geister gibt - und dennoch wird sie Tag für Tag von einem Toten begleitet, der ihr zudem sehr sympathisch ist. Sie sucht ein Kind und findet immer mehr Hinweise darauf, dass es sich hierbei um ein ausgesprochen seltsames und merkwürdiges Geschöpf handeln muss. Mir als Leserin erging es ein bisschen wie Birdie, die sich mehrfach selbst frägt: Ist es tatsächlich 'nur' ein normales Kind, was verschwunden ist? Oder ist doch was dran an den Mythen?
Das Ende ist gut gelungen: Denn während sich ihr aktueller Fall kaum auf logische Weise erklären lässt, entpuppt sich ein scheinbar logisch gelöster Fall aus ihrer Vergangenheit als reine Fiktion. Besser lässt sich kaum darstellen, wie nah Realität und Phantasie miteinander verbunden sind.
'Nur' vier Sterne gibt es, weil es mir ein bisschen zu viel des Guten von Allem war. Zu viele skurrile Menschen, zu viele Eindrücke von London, zu viel alles mit allem verbunden. Die Auflösung klappte zwar gut, aber zuviel war es mir dennoch

Veröffentlicht am 18.10.2019

Wunderschöne Bilder

Der lange Weg zu dir
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Sonia und Adam sind zwei Kinder, die getrennt durch ein Meer an der Küste mit ihren geliebten Tieren wohnen: die elternlose Sonia mit ihrer Katze Miezi, Adam bei seiner Grossmutter mit seinem Hund Rufus. ...

Sonia und Adam sind zwei Kinder, die getrennt durch ein Meer an der Küste mit ihren geliebten Tieren wohnen: die elternlose Sonia mit ihrer Katze Miezi, Adam bei seiner Grossmutter mit seinem Hund Rufus. Als Rufus stirbt, ist Adam todunglücklich und hat seinen ganzen Lebensmut verloren. Gleichzeitig startet Miezi zu einer langen Reise und Sonia folgt ihr.
Es sind wunderschöne Bilder, die die Illustratorin Emilia Dziubak zu dieser Geschichte gezeichnet hat, fast schon Gemälde. Viele davon gehen über zwei Seiten, was die beinahe märchenhaft anmutenden Illustrationen noch beeindruckender wirken lässt.
Die Geschichte fällt im Vergleich hingegen schwächer aus. Sie ist rührend und macht schlussendlich Hoffnung, doch selbst für Fünfjährige, insbesondere diejenigen, die schon mal am Meer waren, dürfte sich die Frage stellen: Wie kommen Sonia und Miezi da auf die andere Seite? Auch der Sprachstil reicht nicht an das Niveau der Bilder heran, gerade bei den längeren Passagen wirkte es zumindest auf mich als Erwachsene viel zu nüchtern und profan.
Fazit: Eine nette Geschichte mit herausragenden Bildern.

Veröffentlicht am 18.10.2019

Wie der jemenitische Kaffee die Welt erobert - ein Abenteuer ohnegleichen

Der Mönch von Mokka
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Mokhtar Alkhanshali, ein 24jähriger US-Amerikaner jemenitischer Abstammung, verdient sich nach diversen Rückschlägen als Portier seinen Lebensunterhalt. Durch Zufall erfährt er, dass der Jemen eine jahrhundertealte ...

Mokhtar Alkhanshali, ein 24jähriger US-Amerikaner jemenitischer Abstammung, verdient sich nach diversen Rückschlägen als Portier seinen Lebensunterhalt. Durch Zufall erfährt er, dass der Jemen eine jahrhundertealte Kaffeetradition besitzt, die jedoch im Rest der Welt fast völlig vergessen ist. Voller Enthusiasmus setzt er sich in den Kopf, jemenitischen Kaffee wieder zu seinem Ruhm zu verhelfen und damit auch den Menschen dort zu einem sicheren Einkommen. Er investiert in den nächsten Jahren seine gesamte Zeit, sich das notwendige Wissen beizubringen und Kontakte mit den Farmern, Röstern usw. zu knüpfen. Doch als er kurz vor dem Ziel scheint, bricht ein Krieg im Jemen aus. Und Mokhtar und seine Bohnen sind mittendrin.
Es ist unglaublich, was dieser Mensch alles erlebte, bis er seinen Traum vom jemenitischen Kaffee in der Welt in die Tat umsetzen konnte. Die Erkenntnis, dass die meisten Kaffeefarmer kaum wussten, wie man richtig gute Bohnen erntet und behandelt; die schwierigen Verhältnisse im Jemen, die langfristige Planungen praktisch unmöglich machten; und zuguterletzt noch ein Bürgerkrieg, der Mokhtar und seine Freunde immer wieder in lebensgefährliche Situationen brachte. Das Alles liest sich fast mehr wie ein Abenteuerbuch als eine wahre Geschichte.
Doch der Autor, Dave Eggers, beschränkt sich nicht nur auf diesen Lebensabschnitt des jungen Mannes. Man erfährt viel über die Geschichte, die Tradition, den Anbau und die Herstellung des Kaffees - ich würde fast meinen, eigentlich alles Und dazu auch viel über den Jemen, die Ursache der Unruhen und wie es zu diesem Bürgerkrieg kam.
Eigentlich ist es ein Sachbuch, aber es liest sich wie ein Roman und wüsste ich es nicht besser, hätte ich nach dem Ende mit fester Überzeugung behauptet: 'Wirklich spannend, aber natürlich alles fiktiv.' Weshalb es nicht zu fünf Sternen reichte, liegt am Schreibstil, den ich stellenweise schon recht schlicht fand. Manchmal kann man halt nicht Alles haben