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Veröffentlicht am 07.05.2019

Eine tolle Liebesgeschichte

Alles, was du suchst
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Die Geschichte be­ginnt sehr lustig. Came­ron ist kurz da­vor, ihr Ziel in den Tie­fen Ver­monts, USA zu erreichen, als sie in den Elch Fred hi­nein­fährt. Dieser ist das Stadt­mas­kottchen und ob­wohl ...

Die Geschichte be­ginnt sehr lustig. Came­ron ist kurz da­vor, ihr Ziel in den Tie­fen Ver­monts, USA zu erreichen, als sie in den Elch Fred hi­nein­fährt. Dieser ist das Stadt­mas­kottchen und ob­wohl Came­rons Gesicht den Un­fall alles ande­re als gut über­stan­den hat – von ihrem Auto gar nicht zu spre­chen – machen sich in den nächsten Ta­gen und Wochen alle Sor­gen um Fred. Wenn Came­ron neuen Men­schen be­geg­net und sich vor­stellt, ist sie stets die­jeni­ge, die Fred an­gefah­ren hat. Es ist un­glaub­lich ko­misch. Dieser Hu­mor setzt sich auch im Laufe der Ge­schich­te fort und wäh­rend der Lek­tü­re gab es zahl­rei­che Momen­te, in de­nen ich wirk­lich schmunzeln musste. So be­ginnt ein Buch doch schon­mal gut, oder?



Cameron und Will sind die Haupt­figu­ren der Ge­schich­te und er­zäh­len die Hand­lung aus abwechselnden Perspek­ti­ven. Ich per­sön­lich bin ein großer Fan von unter­schied­li­chen Erzählperspek­tiven, ­be­sonde­res wenn eine Ge­schich­te von zwei so sym­pathi­schen Figu­ren wie Came­ron und Will er­zählt wird. Ich kann es gar nicht anders sa­gen: Beide Fi­gu­ren haben mein Herz im Sturm ero­bert. Bei Lie­bes­roma­nen ist es ja regelmäßig der Fall, dass das männ­liche Love Inte­rest die ein oder andere frag­wür­dige Cha­rak­ter­eigen­schaft mit sich bringt und nicht ge­rade res­pekt­voll mit der Frau um­geht. Bei Alles, was du suchst ist es das komplette Gegen­teil. Ich glaube, ich habe noch nie einen so char­man­ten und res­pekt­vollen männ­li­chen Pro­ta­gonis­ten in einem Lie­bes­roman er­lebt. Und ich möchte mehr Fi­guren wie Will. Er ist so auf­merk­sam, zuvorkommend und lieb – ein rich­tiger Gentle­man.



Aber auch Came­ron hat eini­ges zu bie­ten. Sie hat ihr eige­nes Unter­neh­men ins Leben gerufen und ist eine schlag­fer­tige Frau aus Man­hattan. Re­la­tiv früh kann man sich je­doch denken, dass aus Came­ron schnell ein klei­nes Land­ei wird, denn sie er­kennt den Charme der Stadt so­fort und ist die­sem absolut ver­fallen. Sie ist jedoch nicht nur der Stadt ver­fallen, son­dern merkt schnell, dass auch Will über­aus inte­ressant ist und kann eine ge­wisse Anziehung nicht ab­strei­ten. Für Came­ron be­ginnt ein inne­rer Kampf, denn sie möchte sich nicht in Will ver­lie­ben und eine Be­zie­hung mit ihm ein­gehen, wenn sie weni­ge Wochen später zurück nach New York muss. Gleich­zei­tig führt sie noch ihr Unterneh­men, was sie schlecht von einem Ort aus tun kann, in dem sie nicht einmal Handy­empfang hat. Ich konnte mich während der ge­sam­ten Lek­türe unglaublich gut in Will und Came­ron hineinversetzen.



Marie Force hat einen an­ge­nehmen Aus­druck. Mehr mag ich gar nicht zu dem Schreib­stil sagen. Es würde nicht der Wahr­heit ent­spre­chen, würde ich sa­gen, dass der Schreib­stil über­ragend ist. Denn das ist er nicht. Er ist soli­de, an­schau­lich und hat in mir die Emo­tio­nen her­vor­geru­fen, die man sich eben von der Lek­türe erhofft. Wirklich schöne Passagen habe ich mir nur wenig angestri­chen, da der Schreib­stil eben dem Standart ent­spricht.



Mir hat jedoch ge­fallen, wie Marie Force eine gute Abwechs­lung aus inne­rem Mono­log und direkter Rede um­ge­setzt hat. Als Leser er­fährt man sowohl von Wills als auch Came­rons Innenleben, gleich­zei­tig aber auch nicht so viel, dass man sich fragt, wann die Hand­lung end­lich wei­ter­geht. Ihr kennt es sicher­lich: Sei­ten­lange inne­re Mono­loge können sehr erdrückend sein. Marie Force lässt solche Si­tua­tio­nen nicht auf­kommen. Sie ver­leiht je­dem Kapitel mit einer Menge Dia­lo­gen die nöti­ge Por­tion Biss.



Die Handlung konnte mich voll und ganz von sich überzeugen. Im Ver­gleich zu vielen anderen Liebesroma­nen liegt der Fo­kus bei Alles, was du suchst näm­lich nicht auf Dra­ma und einem ewigen Hin und Her. Man muss sich schon durch eini­ge hun­dert Sei­ten lesen, bis Will und Cameron zu­einan­der finden, und es ist von An­fang an offen­sicht­lich, wie die Geschichte enden wird. Das ist aber nicht schlimm, weil Alles, was du suchst unter anderem stark von sei­nen Figuren lebt. Will und Came­ron erleben aller­hand Zwi­schen­fälle, sodass die Liebes­geschich­te der bei­den zwar noch im Vor­der­grund steht, aber eben nicht aus­schließ­lich.



Zusätzlich zu den Ereig­nissen, de­nen sich Came­ron und Will stellen müssen, kommt eine unfassbare Bandbrei­te an Neben­figu­ren. Will hat – wenn ich mich richtig erinnere – zehn Geschwis­ter, die alle­samt eine mehr oder weni­ger große Rolle in dem Ro­man spie­len. Ich gehe da­von aus, dass seine Ge­schwis­ter unter anderem die Haupt­figu­ren der Folge­bände wer­den und in Alles, was du suchst wird dazu die Grund­lage geschaffen. Da sich die Handlung nicht nur mit der Liebes­ge­schich­te und den Proble­men der Pro­tagonis­ten beschäf­tigt, ist das Buch in meinen Augen äußerst facetten­reich.

Veröffentlicht am 04.04.2019

Eine unterhaltende Geschichte mit viel Gefühl

Liev
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Hallo ihr Lieben, in letzter Zeit ver­spür­te ich den Drang in mir, Bü­cher zu le­sen, die mich in die Süd­staa­ten und das Farm­le­ben ent­füh­ren. Da kam es mir ent­ge­gen, dass ich durch einen Zu­fall ...

Hallo ihr Lieben, in letzter Zeit ver­spür­te ich den Drang in mir, Bü­cher zu le­sen, die mich in die Süd­staa­ten und das Farm­le­ben ent­füh­ren. Da kam es mir ent­ge­gen, dass ich durch einen Zu­fall auf Liev von Dru­cie Anne Taylor stieß. Schon allein das Cover – ja, es ist nicht un­be­dingt das schönste Cover des Jahres – ver­sprach das Genre, das ich mir er­hoffte: Liebe, Sonne, Farm­leben. Und Liev ent­täusch­te mich nicht. Heute gibt es meine Buch­be­spre­chung zu diesem Ro­man.
Ich bin ganz ehr­lich, nach den ersten fünf­zig Seiten war ich mir nicht si­cher, was ich mir mit diesem Buch an­ge­lacht hatte. Bailey wirkt zu Be­ginn des Ro­mans der­art hoch­näsig, dass ich es kaum fassen konnte. Sie be­geg­ne­te sämt­li­chen Figu­ren mit kei­ner­lei Res­pekt, zick­te in einer Tour rum und be­schwer­te sich dann, dass keiner nett zu ihr ist. Schnippisch, ver­wöhnt und selbst­ver­liebt – so hätte ich Bailey nach den ers­ten Sei­ten be­schrie­ben. Ein Glück ändert sich Bailey im Laufe des Ro­mans und sie wuchs mir sehr ans Herz. Es fand eine meis­ter­haf­te Cha­rak­ter­ent­wick­lung statt und die Bailey von den ersten Ka­pi­teln war am Ende des Romans kom­plett ver­schwun­den. Also an alle Leser, die even­tuell Proble­me mit Bai­ley haben: Bleibt am Ball!
Was sage ich zu der Hand­lung? Einer­seits passiert nicht wirk­lich viel und sie ist schon etwas vor­her­seh­bar – ich meine, der Titel des Ro­mans ist Liev, man ist sich als Leser also von Be­ginn an be­wusst da­rü­ber, dass es wohl um Liev und Bailey gehen wird –, aber gleich­zei­tig wusste sie mich auch zu über­ra­schen und hat mich nicht mehr los­ge­lassen. Das Le­sen hat ein­fach Spaß ge­macht und ich wollte wissen, wie es wei­ter­geht. Inner­halb eines Ta­ges hatte ich die zwei­hun­dert­zwei­und­neun­zig Sei­ten durch­ge­le­sen und war fast traurig, als die Ge­schich­te vor­bei war. Sie lädt zum Träumen und Ab­schal­ten ein und lässt Leser den All­tag voll­kommen ver­gessen, was ich sehr ge­nossen habe.
Liev war der erste Roman, den ich von der Au­to­rin ge­le­sen habe. Auch habe ich noch keine Mei­nun­gen zu an­de­ren Bü­chern von ihr ge­le­sen und gene­rell nichts von der Au­to­rin mit­be­kommen. Dem­ent­spre­chend ging ich komplett un­vor­ein­ge­nommen in die Ge­schich­te. Der Schreib­stil der Au­to­rin liest sich gut und flüssig, mehr aber auch nicht. Er ist ver­ständ­lich und schil­dert die Ge­schich­te sach­ge­mäß. Man sollte aber keine hohe oder son­der­lich an­spruchs­volle Schreib­art er­war­ten. Liev liest sich alles andere als schlecht, über­ragt aber nicht mit dem ge­schrie­be­nen Wort.
Jap, es ist eine Lie­bes­ge­schich­te. Hin und wieder tau­chen eini­ge ero­ti­sche Szenen auf, die un­erwar­tet kurz aus­fie­len, aber das fand ich nicht schlecht. Ich bin be­kann­ter­ma­ßen ja eher ein Fan von dem Innen­le­ben der Fi­gu­ren, den gro­ßen Gefüh­len und Emo­tio­nen und muss nicht sei­ten­lan­ge Sex­sze­nen in Büchern lesen. Von da­her ist Liev für mich in die­sem Punkt sehr ge­lun­gen. Das Buch ist ro­man­tisch und es zeigt, wie Liev und Bailey bei­de wachsen, inne­re Hür­den über­win­den und lang­sam zu­einan­der fin­den. Wie bei vie­len Lie­bes­ge­schich­ten weiß man auch bei Liev wie die Ge­schich­te enden wird, ich fand dies aber keines­wegs stö­rend und kann das Buch ge­trost wei­ter­empfeh­len. Jeder, der einmal Lust auf eine emo­tio­nale Reise in die Süd­staaten mit einem wort­ge­witzten Cow­boy hat, sollte Liev einmal in Be­tracht ziehen.
Eine unterhaltende Geschichte mit viel Gefühl, die den Leser in den Süden Amerikas entführt. Bailey legt eine kaum zu beschreibende Charakterentwicklung hinter sich und Liev lässt die Frauenherzen höher schlagen. Für meinen Geschmack eine schöne Geschichte für zwischendurch.

Veröffentlicht am 04.04.2019

Extreme Sogwirkung und ein absolutes Jahreshighlight

Nevernight - Die Prüfung
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Hallo ihr Lieben, die meisten von euch lieben sicherlich Harry Potter, oder? Harry Potter führt uns in eine Welt voller Magie, mystischer Wesen und allerhand Abenteuer. Was würdet ihr sagen, wenn ihr mit ...

Hallo ihr Lieben, die meisten von euch lieben sicherlich Harry Potter, oder? Harry Potter führt uns in eine Welt voller Magie, mystischer Wesen und allerhand Abenteuer. Was würdet ihr sagen, wenn ihr mit dem Buch, das ich euch heute vorstelle, in eine ähnlich faszinierende Welt eintauchen dürft? Ich präsentiere euch das Harry Potter der Assassinen: Nevernight – Die Prüfung von Jay Kristoff.
Ich bin begeistert. Richtig begeistert, wie ich es schon lange nicht mehr war. Das Lesen des Buches liegt nun schon einige Wochen hinter mir und ich habe mich vor dem Schreiben der Rezension etwas gedrückt. Einfach weil ich das Gefühl habe, dass ich für dieses Buch kaum die richtigen Worte finden kann. Jay Kristoff überzeugt von der ersten Seite an und dem Leser wird sofort bewusst: Hier erwartet mich keine leichte Kost. Eine bittersüße Geschichte kommt auf mich zu und es wird einiges von mir verlangt.
Mia ist eine außergewöhnliche Protagonistin mit Ecken und Kanten. Sie ist unglaublich mutig, stark und furchtbar intelligent – dies merkt man besonders zum Ende des Romans hin, wo sie mich immer wieder überraschte. In ihr finden sich viele Emotionen, sie ist einerseits unsicher und voller Angst, aber gleichzeitig eine überaus selbstbewusste Frau, die weiß, wie der Hase läuft und was ihr langfristiges Ziel ist: Rache für ihre genommene Familie. Ihre Vergangenheit hat sie sehr geprägt und sie geht mit einer derben und sarkastischen Art durch ihr Leben.
Diese raue Art von Protagonistin, die so ganz anders ist als die typische zarte, graue Maus, die man in so vielen Romanen erlebt, hat mir klasse gefallen. Mia kann düster und brutal sein, sie nimmt kein Blatt vor den Mund und ich bewundere Jay Kristoff für diesen Charakter. Generell finde ich es großartig, wie er als männlicher Autor einer weiblichen Hauptfigur Charakter und Stimme verleiht. Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Er hat mit Mia eine Figur erschaffen, die definitiv zu meinen liebsten Charakteren aller Zeiten gehört.
Was ist in Büchern genauso wichtig wie die Protagonisten? Genau, Nebenfiguren. Und Nebenfiguren gibt es in Nevernight allerhand. Was mir an ihnen besonders gefallen hat, war ihr Tiefgang. Die Figuren, denen Mia begegnet, sind alles andere als oberflächlich. Man weiß genau, wie Mia zu ihnen steht und was sie ausmacht. Na gut, was die Nebenfiguren ausmacht, stimmt so vielleicht nicht direkt, denn es scheint mir, als könnte jeder Charakter in Nevernight den Leser schockieren und überraschen. Was genau hinter der Oberfläche lodert, weiß wohl nur der Autor selbst, aber für mich steht fest, dass sämtliche Figuren erste Klasse sind. Allen voran natürlich Tric und die Nicht-Katze Herr Freundlich.
… sind keine Grenzen gesetzt. Jay Kristoff hat eine einmalige Welt erschaffen, die so düster wie faszinierend ist. Drei Sonnen, die den Himmel über Gottesgrab erhellen und die Nacht nur an wenigen Tagen wirklich zur Nacht lassen werden. Mit Nevernight hält man als Leser einfach ein Buch in den Händen, das nicht so ist wie die meisten Büchern, die man derzeit in den Regalen der Buchhandlungen sieht. Dies betrifft das eben genannte Figurenspektrum gleichermaßen wie das Worldbuilding oder die Geschichte an sich.
Das Setting empfand ich zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, einfach weil eine Stadt aus Gebein, in der es selten bis gar nicht dunkel wird und die von mehreren Sonnen erhellt wird, so außergewöhnlich ist. Dennoch fand ich es von Beginn an klasse. Jay Kristoff entführt Leser bei der Lektüre neben Gottesgrab auch noch in die Wüste, in die rote Kirche und allerhand anderer mystischer Orte. Was die Welt von Mia Corvere betrifft, ist Nevernight ein faszinierendes Leseerlebnis.
Was ich auch als überaus gelungen empfand ist die generelle Abwechslung, die Jay Kristoff herstellt. Nevernightverbindet sämtliche Themen gekonnt, und so beschäftigen sich die Leser unter anderem mit Machtverhältnissen, Jugendlichen und ihre Probleme – erste Liebe, Freundschaft, Ehrgeiz – aber auch mit Magie. Alles in allem stellt dieser Roman eine hervorragende Mischung sämtlicher Themen dar, sodass es nie langweilig wird. Besonders gut hat mir hier Mias Alltag in der roten Kirche gefallen. Ich bekam beim Lesen immer wieder Harry Potter Vibes, was ich sehr genoss. Die Prüfungen, der Unterricht, die Freundschaften und der Hass untereinander. Hach, es wird einfach nicht langweilig in diesem Buch. Dafür sorgen auch die zahlreichen Wendungen in der Geschichte. Nevernight hat hin und wieder etwas Thrillerartiges an sich und wusste mich zu begeistern, zu schockieren und definitiv zu unterhalten.
Hach ja, ich freue mich ja über jedes Buch, das grandios verfasst ist. Grandios trifft den Schreibstil von Jay Kristoff jedoch nicht mal ansatzweise. Meisterhaft? Erstrangig? Vollkommen? Das kommt der Sache schon nah. Jay Kristoff geht auf eine ganz eigene Weise mit Worten um und diese Art gefällt mir sehr. Er erzeugt nämlich eine ganz besondere Stimmung.
Manche Stellen sind hasserfüllt und wütend, manche sind erhaben und episch, manche lassen den Leser ganz klein und unbedeutend fühlen. Nevernight ist unfassbar sprachgewaltig. Manche Sätze möchte man direkt mehrere Male hintereinander lesen, weil sie so wunderschön klingen. Der Text ist voller Metaphern und bildhafter Vergleiche, was aus Nevernight ein erstklassiges Leseerlebnis macht.
Eine Besonderheit in Nevernight sind die Fußnoten. Diese dienen dazu, dem Leser Hintergrundinformationen zur beschriebenen Welt zu verschaffen. Der Sprecher dieser Fußnoten ist ein ziemlicher Witzbold. Er ist sachlich und ernst, gleichzeitig aber auch sarkastisch und sympathisch. Die derbe Humorart von Nevernight hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Ich stehe den Fußnoten dennoch etwas zwiegespalten gegenüber. Einerseits fand ich sie sehr hilfreich und amüsant zu lesen, andererseits waren mir manche viel zu detailliert. Einige der Fußnoten gingen über ganze Seiten, sodass ich mich im Fließtext erstmal wieder neu orientieren musste. Nichtsdestotrotz trugen sie maßgeblich zu dem einzigartigen Leseerlebnis bei und verliehen Nevernight zusätzlichen Tiefgang.

Ein Buch mit extremer Sogwirkung, das einen nicht mehr loslässt. Ein nicht vorhersehbarer Plot, starke Figuren und ein Schreibstil, der seinesgleichen sucht. Für mich ist Nevernight – Die Prüfungein absolutes Lesehighlight.

Veröffentlicht am 04.04.2019

Ein Highlight!

Die Krone der Dunkelheit
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»Für Fans von George R. R. Martin und Sarah J. Maas« – so in etwa endete jede Re­zen­sion, die ich zu diesem Buch ge­le­sen habe. Eine Aus­sa­ge, die mich skep­tisch als auch freu­dig machte. Und wie­so? ...

»Für Fans von George R. R. Martin und Sarah J. Maas« – so in etwa endete jede Re­zen­sion, die ich zu diesem Buch ge­le­sen habe. Eine Aus­sa­ge, die mich skep­tisch als auch freu­dig machte. Und wie­so? Weil George R. R. Martin und Sarah J. Maas zu mei­nen ab­solu­ten Lieb­lings­auto­ren gehören. Nur weni­ge Auto­ren können so gut plotten und den Leser überra­schen. Nur we­nige so ge­lun­gen mit Wör­tern um­ge­hen und den Leser in den Bann zie­hen. Gleich­zei­tig ist da aber auch die Furcht, dass Laura Kneidls neu­estes Werk ein Ab­klatsch von A Game of Thrones und A Court of Thorns and Roses wird, denn in bei­den Rei­hen gibt es eine Mauer, die das Über­natür­li­che von den Menschen trennt, und noch das ein oder ande­re Ele­ment, das von Laura Kneidl auch in Die Krone der Dunkelheit auf­ge­nommen wurde.
Kann ein Buch, das solch große Ähn­lich­keit mit zwei Lieb­lings­rei­hen von mir hat, über­zeu­gen? Ich war sehr skep­tisch, be­sonders nach­dem ich die Re­zen­sio­nen von Buch und Gewitter und Traumrealistin gelesen habe – zwei Bloggerinnen, de­ren Mei­nun­gen ich wirk­lich sehr schätze und von denen ich glau­be, dass sie ihre Bei­trä­ge immer ehr­lich schrei­ben. Einer­seits dachte ich mir, dass ich großer Fan von A Game of Thrones sowie A Court of Thorns and Roses bin und mir eine ähn­li­che Ge­schich­te somit auf jeden Fall ge­fällt. Ande­rer­seits dachte ich mir, dass ich keinen Ab­klatsch der Ge­schich­ten lesen möchte und viel Ein­falls­reich­tum und Ori­gina­li­tät brauche. Wie hat mir das Buch also gefallen?
In der Ein­lei­tung habe ich es be­reits er­wähnt: Ich ging skep­tisch an dieses Buch heran. Ich habe posi­ti­ve Re­zen­sio­nen ge­le­sen und nega­tive, und ich habe mir be­wusst Zeit ge­nommen, bevor ich Die Krone der Dunkelheitbe­gann, damit ich die Lobes­hymnen als auch die Kri­tik­punkte nicht mehr prä­sent im Kopf habe. Um doch un­vor­ein­ge­nommen in die Ge­schich­te zu starten und mir eine eige­ne Mei­nung bil­den zu können. Nun liegt die Ge­schich­te hinter mir. Deut­lich schneller als ich an­ge­nommen hatte. Ich be­gann das Buch an einem Diens­tag­nach­mittag und am Mitt­woch­mor­gen lagen be­reits über ein­hundert­fünf­zig Seiten hin­ter mir. Machen wir’s kurz: Auch mich konnte Die Krone der Dunkelheit über­zeu­gen und ich hatte enor­me Freude an der Ge­schich­te.
Kurzer Dis­claimer vor­weg: Ich habe mich be­müht, die Re­zen­sion so spoiler­frei wie mög­lich zu ver­fassen, aber gera­de bei den Cha­rak­ter­dis­kussi­onen bin ich nicht immer um Spoiler he­rum­ge­kommen. Ihr seid also vor­gewarnt.
Jap, das ist meine ehr­liche Mei­nung. Ich finde, dass Laura Kneidl eine der be­gabtes­ten deutschen Auto­rinnen unse­rer Zeit ist. Ich liebe ihre Art zu schrei­ben und Ge­schich­ten auf­zu­bauen. Bei Die Krone der Dunkelheit merkt man Laura Kneidl an, dass sie High Fantasy schreibt. Ich komme nicht um­hin, eine ganz andere Art des Schrei­bens bei Die Krone der Dunkelheit, ihrem Young Adult Roman Berühre mich. Nicht. und ihrem Young Adult Fan­tasy­roman Herz aus Schatten zu be­mer­ken. Ihr Schreib­stil ist in ihrem neu­esten Werk reif, ele­gant und gut durch­dacht. Durch­dacht in dem Sinne, dass einzel­ne Sätze gut auf­ge­baut sind und sich leicht über mehre­re Zeilen hin­weg lesen lassen. Ich empfin­de den Schreib­stil als un­glaub­lich an­ge­nehm und flüssig und habe mich sehr gut in der doch kom­plexen Welt zu­recht­ge­funden. Hut ab dafür.
Ich weiß ehr­lich ge­sagt gar nicht, bei welcher Figur ich an­fan­gen soll, denn ich habe hier zu so vie­len Cha­rak­te­ren etwas zu sagen. Diese Re­zen­sion wird alleine durch diesen Ab­schnitt un­glaub­lich lang wer­den, aber hey – nor­maler­wei­se werden meine Buch­be­spre­chun­gen nur lang, wenn ich wirk­lich etwas zu be­män­geln habe. Dass es jetzt ein­mal anders­he­rum ist, ist doch etwas Tolles!
Freya ist mir die sym­pa­thischste Pro­ta­gonis­tin des Romans. Es gibt nur zwei, klar, aber müsste ich mich zwi­schen Freya und Ceylan ent­schei­den, würde ich lieber Freyas Ge­schich­te ver­fol­gen. Freya übt sich heim­lich in Magie und reißt mit Larkin aus, um ihren Bruder zu suchen. Sie be­ge­ben sich auf eine Reise in un­be­kannte Ge­bie­te. Dabei stellt Freya sich He­raus­for­derun­gen, lernt sich selbst kennen und er­fährt mehr über das, was sie sich vom Leben wirk­lich er­hofft. Diese Ge­schich­ten – fan­tasti­sche Reise­ge­schich­ten – sind meine liebsten. Ich könnte nichts ande­res lesen, mir ge­fallen diese Hand­lun­gen immer sehr gut.
Ich empfinde Freya dabei auch als sehr an­ge­nehme Figur. Sie handelt manch­mal etwas über­stürzt, gleich­zei­tig lernt sie aus den Si­tua­tio­nen und be­schrei­tet neue Heraus­for­derun­gen wie­derum etwas durch­dach­ter. Man sieht ihre Ent­wick­lung klar und deut­lich, und ich finde ihre Reise – zu neuen Zielen und sich selbst – spannend zu ver­fol­gen. Einzig und allein ihre Ge­sprä­che mit Larkin haben mir nicht immer ge­fallen, worauf ich gleich noch zu spre­chen komme.
Ceylan ist die toughe Bad-Ass-Figur der Ge­schichte. Sie hat einen star­ken Willen und ist mit­un­ter ganz schön stur und bo­ckig. Das fand ich beim Lesen hin und wieder etwas an­stren­gend, aber ich mag sie dennoch. Ich hatte damit ge­rech­net, dass Ceylans Ge­schich­te rela­tiv trist wird – immer­hin sitzt sie an der Mauer fest, trainiert und ver­sucht sich zwi­schen all den Männern zu etab­lie­ren. Er­war­tet hatte ich eine Handlung, in der Ceylan sich mit eini­gen Hö­hen und Tiefen an der Mauer ein­setzt und am Ende des Ro­mans ihren Platz findet. Doch es kam ganz anders und ich habe ihre Ge­schich­te mit Spannung ver­folgt. Ich mochte ins­beson­dere, dass sich Ceylan und Freya so sehr unter­schei­den und die ab­wechseln­den Kapi­tel für fri­schen Wind sorgen.
Leigh ist einer der Wächter an der Mauer und ein Cha­rak­ter, der mir von An­fang an sym­pa­thisch war. Dies liegt vor allem an seiner schlag­fer­tigen und muti­gen Art, sich auch mal den Vor­ge­setzten gegen­über zu be­haup­ten und durch­zu­setzen. Er ver­tritt seine Meinung ganz klar und unter­stützt Ceylan, wo er nur kann. Das ist klasse, denn so sticht er an der Mauer de­fini­tiv her­vor. Es gab viele Momente, in denen mich Leigh laut auf­la­chen ließ und ich hoffe sehr, dass wir in den nächsten Bän­den noch mehr von ihm mit­be­kommen. Schade finde ich näm­lich wirk­lich, dass Leigh zu Be­ginn des Ro­mans eine sehr prä­sen­te Rolle er­hält und im Laufe der Ge­schich­te lei­der immer wei­ter in den Hin­ter­grund tritt. Ich wünsche mir mehr Leigh!
Larkin finde ich etwas schwie­rig. Das erste Kapi­tel, in dem Leser Lar­kin be­geg­nen, ist groß­ar­tig und mehr als ge­lun­gen. Sein erster Ein­druck auf mich war überaus inte­ressant und ich hatte mir einen eben­so inte­ressan­ten Charakter er­hofft. Das ist er auch, keine Frage, aber die Sache mit der Königs­reli­gion empfin­de ich als sehr ge­wöh­nungs­be­dürf­tig und auch als etwas proble­ma­tisch, wenn es je­mals zu einer ro­man­ti­schen Be­zie­hung zwischen Lar­kin und Freya kommen sollte.
Als er ange­fan­gen hat zu be­ten, nur weil er Freya sieht, dachte ich, dass das ein schlechter Scherz sei und habe in­stän­dig ge­hofft, dass die­ses Ver­hal­ten zurück­geht. Ich weiß gar nicht, wie ich es aus­drü­cken soll, außer dass ich diese Passagen ex­trem be­fremd­lich und un­ange­nehm fand. Durch den ganzen Roman zog sich bei mir das Ge­fühl, dass ich Larkins Taten nicht ein­schätzen kann. Unter­stützt er Freya, weil er es möch­te oder weil er sie und ihre Fami­lie an­betet? Diesen Reli­gions­aspekt mochte ich per­sön­lich über­haupt nicht. Ab­ge­sehen davon bin ich aber ein gro­ßer Fan von Larkin und hoffe, dass sich sein wahrer Cha­rak­ter in den Fort­setzun­gen offen­bart – sollte er es in Die Krone der Dunkelheit nicht ge­tan haben.
Elroy ist ein spannen­der Cha­rak­ter. Er ist ein Pi­rat, der auf der Suche nach ewigem Leben ist – er möchte un­sterb­lich werden. Auf Freyas Reise be­geg­nen sie sich und ich hätte mir noch viel mehr Seiten mit Elroy ge­wünscht. Er ist ein Cha­rak­ter mit Biss und Charme, eine sehr an­ge­nehme Mischung wie ich finde, und ich glaube, Elroy wird auch noch in Freyas Leben eine grö­ßere Rolle spielen. Lasst uns mal ein bisschen über­legen …
Ich bin fest davon über­zeugt, dass sich eine ro­man­ti­sche Be­zie­hung zwischen Lar­kin und Freya nicht er­ge­ben wird, auch wenn sie in Die Krone der Dunkelheit an­gedeu­tet wird. Allein auf­grund von Larkins reli­giö­sem Stand­punkt wird es für Freya in meinen Au­gen keine Option sein, ihm in einem ro­man­ti­schen Sinne näher zu kommen. Elroy hin­ge­gen wird durch Freyas Augen als sehr attrak­tiv, char­mant und intelli­gent be­schrie­ben. Gleich­zeitig haben er und Freya einen Deal ab­ge­macht, an den sich Freya nicht ge­hal­ten hat, und ich gehe ganz fest davon aus, dass Elroy auf diesen Bruch in den Folge­bän­den zu spre­chen kommen wird. Und wir kennen das Muster ja, oder? Attrak­ti­ver Typ, ein Versprechen, das gebrochen wird, aus Hass wird Liebe … Ich bin für eine roman­ti­sche Be­zie­hung zwi­schen Freya und Eloy. Was meint ihr?
Ich habe es bereits am An­fang des Bei­tra­ges ge­sagt, dass ich sehr oft ge­hört habe, dass viele der Mei­nung sind, dass Die Krone der Dunkelheit den Wer­ken von George R. R. Martin und Sarah J. Maas ähnelt. Ich stimme dem auch be­dingt zu. Die Völker der Menschen und Fae leben ge­trennt von­einan­der, dies ge­schieht durch eine gi­gan­tische Mauer. Eine Mauer also, die die poten­ziell Guten von den poten­ziell Bösen trennen soll und welche durch Magie er­schaffen wurde. Be­wacht wird diese Mauer von den Wäch­tern in schwarz. Wer Game of Thrones ge­sehen oder die Bücher ge­lesen hat, wird die Ähn­lich­keit zur Mauer und der Nacht­wache nicht über­se­hen können. Und auch in A Court of Thorns and Roses leben die Menschen und Fae ge­trennt von einer Mauer auf dem Konti­nent. In meinen Augen war es das aber auch mit der Ähn­lich­keit der Geschichten.
Natürlich, Laura Kneidl er­schafft damit keine voll­kommen neue Welt und be­dient sich be­kann­ter Szena­rien und Ge­geben­hei­ten, aber dabei bleibt es auch. Es ist eine be­kann­te Grund­idee, mit denen Laura Kneidl eine ganz ande­re Ge­schich­te er­schafft. Ich würde Die Krone der Dunkelheit daher auch nicht mit den ge­nann­ten Werken ver­glei­chen. Es gibt ge­mein­same Schnitt­stellen, aber jeder der Auto­ren schafft etwas Einzig­arti­ges aus ihnen.
Laura Kneidl beweist mit diesem Buch, dass sie High Fantasy schreiben kann – und zwar richtig gut. Mich hat »Die Krone der Dunkelheit« von der ersten Seite an gefesselt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Eine ganz klare Empfehlung.

Veröffentlicht am 04.04.2019

Etwas schwächer als Band 1

Verliere mich. Nicht.
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Hallo, ihr Lieben. Lange haben wir auf den Januar ge­wartet. Der Monat, in dem Verliere mich. Nicht. von Laura Kneidl end­lich erschien. Nach­dem mich Berühre mich. Nicht. voll­kommen über­zeugte, konnte ...

Hallo, ihr Lieben. Lange haben wir auf den Januar ge­wartet. Der Monat, in dem Verliere mich. Nicht. von Laura Kneidl end­lich erschien. Nach­dem mich Berühre mich. Nicht. voll­kommen über­zeugte, konnte ich die Fortsetzung von Sages und Lucas Liebes­geschichte kaum er­warten. End­lich hatte ich eine Bücher­reihe aus dem New Adult Genre gefunden, die mir wirk­lich zusagte. Eine New Adult Reihe ohne An­häufungen von Kli­schees und die mit tief­gängigen Fi­guren zu punkten wusste. Figuren, die nicht sex­is­tisch sind, sondern höchst emo­tional und realitäts­nah.
Als das Buch dann endlich bei mir zu­hause lag, habe ich noch ein wenig mit dem Lesen gewartet, da ich Verliere mich. Nicht. mit ein paar lieben Insta­gram- und Blog­mädels lesen wollte. Ab dem 19. Februar wollten wir jeden Tag drei Ka­pitel lesen, was die meiste Zeit über auch gut ge­klappt hat. Bis sich dann die Lek­türe dem Ende näherte. Spätes­tens bei den letzten ein­hundert Sei­ten geriet unsere Lese­runde voll­kommen außer Rand und Band und plötz­lich war Verliere mich. Nicht. auch schon vorbei. Interessieren euch meine Lese­ein­drücke? Dann lest doch weiter.
Verliere mich. Nicht. setzt naht­los an das Ende von Berühre mich. Nicht. an und was war ich dank­bar, dass es endlich weiter­ging. Nach dem schreck­lichen Cliff­hanger des ersten Bandes wollte ich un­be­dingt wissen, wie sich die Ge­schichte rund um Luca und Sage weiter­ent­wickelt. Bei dem Ro­man gab es für mich eini­ge Höhen und Tiefen. Ich las Passagen, die mich an die Ge­schich­te fesselten und bei denen ich die drei zu lesen­den Ka­pi­tel viel zu schnell beendete und die Tat­sache ver­fluch­te, dass wir uns nur diese täg­liche Kapitel­an­zahl vor­genommen hatten. Andere Passagen wiederum ließen mich stutzig werden und die Stirn runzeln. Beendet habe ich das Buch mit ge­misch­ten Gefühlen und in den nächsten Ab­sätzen er­fahrt ihr wieso.
Laura Kneidls Schreib­stil ist unverg­leich­bar und für mich, wie auch in Berühre mich. Nicht., ein absolutes High­light des Buches. Mehr muss man ei­gent­lich nicht sagen. Durch ihre wunder­volle Wort­wahl fällt es Lesern leicht, voll­kommen in der Ge­schich­te zu ver­sinken. Verliere mich. Nicht. ist wie sein Vor­gänger flüssig zu lesen und von vielen inneren Mono­logen der Pro­ta­go­nistin geprägt, so dass man den eigenen All­tag schnell vergessen kann. Mitreißend trifft es wohl gut – jeden­falls zeigt sich in Laura Kneidls neuester Lek­türe wieder einmal, welches un­glaub­liches Ta­lent sie für das ge­schrie­bene Wort besitzt. Als Leser weiß man genau, was die Cha­rak­tere der Ge­schich­te gerade empfinden und teilt ihre Schmerzen und Freuden gleich­er­ma­ßen. Dass man sich als Leser so in­vol­viert fühlt, ist für mich sehr wichtig.
Beim Lesen der Lektüre fühlt man sich ganz klar am meisten mit Sage verbunden. Da der Roman aus ihrer Pers­pek­tive erzählt wird, nimmt man aktiv an ihren Ge­danken­gän­gen teil. Und Ge­danken macht sich Sage nicht zu wenige … Ihr Trennungs­schmerz zu Beginn des Romans ist herz­zer­reißend und greifbar. Ich hatte mit­un­ter aber doch Pro­ble­me mit den Dingen, die sie be­schäf­tigen. Klar, ihre Ge­dan­ken waren sehr aus­­führ­­lich ge­schil­dert, so dass man ihr Handeln dem­ent­sprech­end zuordnen konnte, aller­dings gab es für mich viele Logik­fehler. Ihr müsst es euch so vor­stellen: Sage schil­dert ihre Gefühle, anhand derer sie ihre Ent­schei­dungen trifft. Man weiß also, wieso sie sich so be­nimmt. Gleich­zeitig er­gaben ihre Ge­danken in mei­nen Augen nicht immer Sinn, so dass ich trotz der aus­führ­lichen Er­klä­rungen Pro­bleme mit dem Nach­voll­ziehen hatte.
[Spoiler] Wie kann Sage bei­spiels­weise nach so kurzer Zeit zu (ihrem Ex) Luca zurück ziehen? Gerade nachdem sich die beiden so sehr verletzt haben, sich dann in der Woh­nung kaum in die Augen gucken können, sich aus dem Weg gehen und klare Schwie­rig­keiten mit dem anderen haben? Und wie kann Sage auf einmal Sex mit Luca haben, wenn sie offen­sicht­lich Differ­enzen und eine große Dis­tanz zwischen sich haben? Ich meine, Sage hat immer noch mit ihren Ängsten vor Männern zu kämpfen und hat, obwohl sie Luca im ersten Band vertraute, Schwie­rig­keiten gehabt, ihn nur zu umarmen. Und auf einmal ist deut­lich mehr als eine Um­armung drin und alle Sorgen sind vergessen? Ich weiß ja nicht …
Im Vergleich zu Berühre mich. Nicht. wirkte Sage sehr verloren. Ja, sie hat Angst­zustände, aber recht­fertigen diese ihre ge­nerelle Ziel­losig­keit? Sage lebt von einen Tag in den nächsten, sie lernt für eine Klau­sur, bastelt Schmuck und dann? Wo waren ihre Stär­ke und ihr Mut hin? Was ist mit ihren Zielen passiert? Hin und wieder tauchte ihre Ent­schlossen­heit aber auch wieder auf, gerade zum Ende der Lektüre, und diese Text­passagen habe ich sehr ge­nossen. Sie erinnerten mich an die alte Sage, wie sie Leser in Berühre mich. Nicht. kennen­lernten. Eine starke Kämpferin, die ihre Schwächen und Ängste überwindet, zu neuen Ufern auf­bricht und endlich an sich denkt. Dies war für mich per­sön­lich ein aus­schlag­gebender Punkt, weswegen ich den ersten Roman der Reihe so liebe: Ein New Adult Buch mit einer wirklichen Powerfrau, die sich nicht von Männern unter­buttern und definieren lässt.
Luca ist ein Cha­rak­ter, den man einfach nur ins Herz schließen muss. Er ist, im Ver­gleich zu vielen anderen ste­reo­typischen Cha­rak­teren des Genres, so er­fri­schend. Luca ist sen­sibel, loyal, immer für seine Freunde da und einfach kein 0815 Bad Boy, der eine Frau von oben herab behandelt. Er ist der Typ Mensch, mit dem man sich selbst gerne umgeben würde, weil man weiß, dass er das ei­gene Leben be­reichern wird. Umso glück­licher war ich, als die Ge­schich­te an Fahrt auf­nahm und Luca und Sage sich gegen­seitig wieder in das Leben des anderen ließen.
Neben Luca und Sage sind mir jedoch auch viele andere Cha­rak­tere ans Herz gewachsen. Von der quie­tschigen April hin, die ich schon in Berühre mich. Nicht. bewunderte, bis hin zu Connor, der in diesem Band der Reihe eine ver­hältnis­mäßig große Rolle spielt. Laura Kneidl zeigt Lesern in Verliere mich. Nicht. wie wahre Freund­schaften aussehen. Sie führt Leser an Be­ziehungen heran, in denen weder Neid noch Kon­kurrenz­kampf herrschen, sondern die von Ver­ständnis, Mit­gefühl und Liebe definiert werden. Gleich­zeitig verleiht sie jeder Figur eine einzig­artige Stimme, so dass jeder Charakter lebendig wirkt.
Die Handlung von Verliere mich. Nicht. ist mein größtes Problem bei dieser Rezension, denn leider über­zeugte sie mich nicht. Der Beginn des Romans, oder nein, die ersten zwei Drittel des Romans haben sich gezogen wie nichts Gutes. Puh! Sie waren erfüllt von Sages Trauer und leeren Hand­lungen, die für mich einfach nur Puffer und Seiten­füller sind. Die Dank­sagung des ersten Bandes liest sich so, als wäre Laura Kneidls ursprüngliche Idee keine Di­logie gewesen, sondern ein einzelner Roman, und das merkt man in Verliere mich. Nicht. leider stark.
Die Spannung aus Berühre mich. Nicht. war zum größten Teil nicht vor­handen. Statt­dessen füllten sich die Seiten mit vor­her­seh­baren Hand­lungen und Themen, die kurz angerissen, dann aber wieder ver­worfen werden. Der triste All­tag von Sage wird dar­gestellt und auch wenn er interessant zu lesen ist, ist er nicht mit dem spannenden Knis­tern und der Auf­regung des ersten Bandes ver­gleich­bar. Luca und Sage nähern sich lang­sam wieder, lassen sich aber doch nie voll­kommen an­ei­nander ran, bis es sich dann dem Finale nähert.
Bei den letzten ein­hundert Sei­ten der Lek­türe nahm die Hand­lung dann ra­sant an Ge­schwin­dig­keit an und man konnte das Buch prak­tisch nicht mehr aus der Hand legen. Für mich kam das Ende alles in allem nur sehr abrupt. Während sich das Buch von Beginn an zieht und man sich beim Lesen ständig fragt, wo das alles hin­führen soll (dazu später noch mehr), geht das Drama um ihn plötzlich los und ist ge­nau­so schnell wieder vorbei. Verliere mich. Nicht. wirkte auf einmal voll­kommen über­stürzt! Alles kam Schlag auf Schlag.
Ich hätte mir ge­wünscht, dass die Pro­ble­matik um ihn früher im Buch auf­ge­griffen wird. So hätte man sich nicht nur die schwa­chen, lang­atmigen Stellen des Romans sparen können, sondern ihm generell etwas mehr Spannung verpasst. Dieser Kon­flikt von Sage hat so viel Po­ten­zial und könnte Sages Familie und übrige Be­zie­hungen ge­schickt einspannen, dass ich etwas traurig war, dass er im Nach­hinein doch eine ver­hält­nismäßig kleine Rolle spielte – gerade, weil man seit Band eins auf die Konflikt­aus­ei­nander­setzung gewartet hat.
Ich hatte ehrlich gesagt auch viel früher mit ihrem Ge­ständ­nis gerechnet. Dass sich Sage ihren Freunden, ihrer Familie und vor allem Luca deut­lich eher anver­traut. Aber gut, ich verstehe, dass dies der ein­fachere Weg ist, um ein fast fünf­hundert Seiten langes Buch zu füllen. Meine Mei­nung ist jedoch, dass Berühre mich. Nicht. mit dem zu­sätzlichen Ende von Verliere mich. Nicht. eine wunderbar und in sich ab­geschlosse­ne Ge­schichte gewor­den wäre, bei der ein paar Seiten mehr nie­manden gestört hätten.
Ein Punkt, der mir gut und gleich­zei­tig weniger gut gefallen hat, war, dass viele Knack­punkte unserer Ge­sell­schaft in Verliere mich. Nicht. an­ge­sprochen werden. Die Autorin greift die unter­schied­lichs­ten Le­bens­weisen auf und bringt sie den Lesern ge­schickt und sensibel näher. Neben Sages Angst­stör­ungen werden in diesem Roman sex­u­elle Orien­tie­rungen (Pan- & Homo­sex­ualität), De­pressio­nen, Le­gas­thenie und viele weitere Tabusthematisiert.
Es ist klar: Jede Figur in Verliere mich. Nicht. hat sein Päckchen zu tra­gen und auf einige wird dabei be­sonders de­tailliert ein­ge­gangen. Das hat mir gut gefallen, jedoch wird vieles auch nur kurz auf­ge­griffen. Ganz nach dem Motto »Aha, du bist pan­sex­uell« wird es einmal er­wähnt, de­fi­niert und wieder fallen gelassen. Diese Ober­fläch­lich­keit hat mich ge­stört, weil ge­fühlt jede zweite Person in Sages Um­feld be­troffen ist und es dennoch nur am Rande er­wähnt wird. Na­tür­lich, es ent­spricht der Re­a­li­tät und ich finde es klasse, dass diese The­men an­ge­sprochen werden, aber wieso greift man so wich­ti­ge Themen kurz auf, nur um sie wieder fallen zu lassen?
Ich hätte mir ge­wünscht, dass man sich statt etwa zehn ver­schie­denen »Päck­chen« zwei oder drei raus­pickt und ge­zielt auf sie ein­geht. Mir per­sönlich war es einfach etwas zu viel und es wäre mir lieber gewesen, hätte man den Fo­kus auf ein oder zwei Fi­guren und The­ma­tiken gesetzt, zum Beispiel Sages Aus­ei­nan­der­set­zung mit ihm, und sich aus­führ­lich mit ihnen be­schäf­tigt, als di­verse Themen an­zu­kratzen. 
Mein letzter Kritik­punkt schließt an das eben Ge­nann­te an. Es wurden vie­le Themen angerissen, aber nicht ab­ge­schlossen und so beende ich Verliere mich. Nicht. mit vielen offen ge­blie­benen Fragen. Was geschah mit Connor und Aaron? Was passierte mit Megan? Beugte sie sich dem Willen ihrer Eltern oder nicht? Und was war eigentlich mit Cameron und April? In beiden Bänden wurde doch gemunkelt, dass zwischen ihnen etwas sei? Und wo war überhaupt Gavin?
Eine romantische Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen, die viel Spaß bringt zu lesen, von der ich mir jedoch erhofft hatte, sie würde etwas schneller in Fahrt kommen.