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Veröffentlicht am 20.10.2021

Super Setting, aber mit einigen Schwachstellen!

Marthas Widerstand
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Martha sitzt im Gefängnis. In sieben Tagen wird sie sterben. Sie hat einen Mord gestanden und das Volk wird über ihre Schuld oder Unschuld abstimmen. Wenn sie in Zelle 7 am Ende der Wochen einziehen wird, ...

Martha sitzt im Gefängnis. In sieben Tagen wird sie sterben. Sie hat einen Mord gestanden und das Volk wird über ihre Schuld oder Unschuld abstimmen. Wenn sie in Zelle 7 am Ende der Wochen einziehen wird, wird über ihren Tod entschieden. Doch nicht alle sind sich sicher, dass Martha den Mord wirklich begangen hat. Ihre psychologische Beraterin Eve hat Zweifel an ihrer Geschichte, denn Martha scheint alles andere als überzeugt von ihrer Schuld. Und als sie beginnt, nachzufragen, findet Eve erschreckende Informationen, die alles verändern könnten…

Die Idee des juristischen Abstimmungssystem fand ich interessant und neuartig. Der Aufbau war gewöhnungsbedürftig, durch die zeitliche Vorgabe der sieben Tage in sieben Zellen aber temporeich und mit steigendem Spannungsbogen. Da die Geschichte in einer nicht weit entfernten Zukunft spielt, die sich nicht viel von unserer unterscheidet, macht es an einigen Stellen erschreckend realistisch.

Durch die ständig wechselnden Perspektiven und zahlreichen Retrospektiven wusste man als Leserin immer etwas mehr als die Protagonistinnen, wodurch einiges vorweggenommen wurde, dennoch blieben einige Wendungen und Überraschungen zum Schluss.

Der Schreibstil wirkte an manchen Stellen noch etwas holprig. Es fehlte an einem authentischen emotionalen Zugang zu den Protagonist*innen und an manchen Stellen wirkte es wie ein Drehbuch, aber doch sehr bildhaft. Man kann sich einige Szenen sehr gut als Serie oder in einem Film vorstellen! Leider sind viele Szenen dadurch stark vereinfacht und es fehlt an Tiefe der Geschichte.

Martha empfand ich als facettenreiche Protagonistin mit viel Potential für eine weitere Charakterentwicklung im zweiten Band. Sie war schwer zu durchschauen, aber facettenreich und nicht die klassische mutige und unfehlbare junge Heldin.

Ich bin gespannt auch den nächsten Band und freue mich, die Personen und ihre Persönlichkeiten besser kennen zu lernen. Der erste band hat mir sehr viel Spaß gemacht, ich habe bis zum Schluss Mitgeraten und für Matha die Daumen gedrückt!

Zwar hatte die Geschichte noch einige Schwachstellen und auch der Schreibstil hätte etwas runder sein können, dennoch hat mich das World-Building überzeugt und ich sehe viel Potential, das noch nicht ganz ausgeschöpft wurde.

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Wunderschön, wundervoll, wunderbar!

Das Gegenteil von Hasen
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Er war ein Wolf unter den Hasen. Und ich wollte sein wie er.

S. 7


Die Geschichte begleitet Schülerinnen eines Gymnasiums. Man erfährt recht früh, dass es zu einem ernstzunehmenden Fall von Mobbing kam, ...

Er war ein Wolf unter den Hasen. Und ich wollte sein wie er.

S. 7


Die Geschichte begleitet Schülerinnen eines Gymnasiums. Man erfährt recht früh, dass es zu einem ernstzunehmenden Fall von Mobbing kam, aber wenig über die genauen Vorfälle. Alle, die einem im Buch begegnen, sind auf ihre Weise sympathisch, nett und humorvoll und wirken gleichzeitig gemein, hinterhältig oder falsch. Sie alle spielen eine bedeutende Rolle in der Geschichte und sind doch nur ein Teil im Gefüge. Wer ist Täterin? Wer ist Opfer?

Ein Buch über das Vergeben, über Schuld und über das Böse, aber auch das Gute in allen von uns!


Ich schätze, wir sind alle nur ein Moment. Ein flüchtiges Blinzeln in der Zeit. Eine Summe aus unseren Entscheidungen, und damit etwas, das erst am Ende Sinn ergibt – wenn überhaupt.

S. 349


Wie wundervoll kann ein Buch sein? Anne Freytag: ja.
Dieses Buch zählt definitiv zu meinen Jahreshighlights!

Die Geschichte entwickelt sich spannend – Man versucht mitzuraten und herauszufinden, was passiert ist und wer beteiligt ist. Gerade auch durch die verschiedenen Textarten, die immer wieder eingebauten Schnipsel und Hinweise, ist die Geschichte interessant und abwechslungsreich gestaltet.

Der Schreibstil ist wundervoll, aber man muss ihn aufmerksam lesen, um nichts zu verpassen. Das Buch hat eine ruhige und unglaublich poetische Erzählstimme, die sehr blumig und einnehmend beschreibt.

Das Buch hat eine starke und wichtige Botschaft und so viel Ehrlichkeit, dass es entwaffnend ist und einen mit Fragen über sich und das Leben zurücklässt. Anne Freytag hat hier starke Charaktere entwickelt und miteinander verwoben. Personen, die man weder lieben noch hassen kann, denen man sich näher fühlt als man für möglich hält, die man meint schon ewig zu kennen und in denen man sich selbst wiederfindet. Die Geschichte fängt die Wahrheit, die Welt und die Menschen ein in einem Porträt, einer Momentaufnahme, die brillant aufgebaut und großartig geschrieben ist.


Manchmal frage ich mich warum (…) Vielleicht tut man manche Dinge einfach, ohne sie zu verstehen. Aus einem Gefühl heraus und nicht aus dem Verstand.

S. 153


Das Buch hat sich von Beginn an in mein Herz geschlichen, mich begeistert und vollends überzeugt. Eine tiefgründige Botschaft, verpackt in eine poetische Geschichte, die berührt, zum Nachdenken anregt, die einen auch Tage später nicht loslässt, die den Himmel wie eine Sternschnuppe kurz erleuchtet und Versprechungen von der Weite des Universums mit sich bringt!

Wunderbar, Wundervoll und Wunderschön! Eine Leseempfehlung von ganzem Herzen!

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Ein Jugendbuch mit Suchtpotential!

Silber - Das erste Buch der Träume
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Livs Leben wird ganz schön auf den Kopf gestellt: Ihre Mutter hat ihren Herzensmann kennen gelernt und jetzt muss Liv mit ihrer kleinen Schwester umziehen und auf eine neue Schule gehen. Als sei das nicht ...

Livs Leben wird ganz schön auf den Kopf gestellt: Ihre Mutter hat ihren Herzensmann kennen gelernt und jetzt muss Liv mit ihrer kleinen Schwester umziehen und auf eine neue Schule gehen. Als sei das nicht schon schlimm genug, warten in dem neuen Haus zwei neue Geschwister auf die beiden. Ihre neue Stiefschwester führt sich wie eine richtige Zicke auf, während ihr neuer Stiefbruder Grayson ziemlich distanziert ist und scheinbar nichts mit ihr zu tun haben will. Doch nachts erlebt Liv in ihren Träumen die wildesten Abenteuer und begegnet ihrem Stiefbruder. Auch nach dem Aufwachen bleibt die Erinnerung an die Träume und als die Freunde ihres Bruders plötzlich in der Schule mit ihr abhängen wollen, wird sie stutzig. Was haben diese lebendigen Träume nur zu bedeuten? Warum begegnen ihr Grayson und dessen Freunde immer wieder? Welches Geheimnis versucht Grayson vor ihr zu verbergen?

Kerstin Gier ist ja bekannt für ihren humorvollen Schreibstil mit zynischem Unterton, den sie auch in dieser Reihe beweist. Die Geschichte ist sehr lebendig und abenteuerlich und auch schon für jüngere Leser*innen geeignet. Aber auch ich habe sie gern gelesen, mich in dem Setting wohlgefühlt und konnte mich mit Liv identifizieren, die nicht nur als junge, sondern auch starke weibliche Protagonistin beschrieben wird.

Liv zeigt sich durchsetzungsfähig, klug und besonnen und steht dennoch für ihre Gefühle ein und zeigt diese offen. Sie ist nicht nur meinungsstark, sondern ebenso loyal, harmoniefreudig und dennoch nicht konfliktscheu.

Als Jugendliche hätte ich die Reihe absolut gefeiert, das Boygroup-Feeling lässt mein Teenie-Herz definitiv höher schlagen. Den locker-leichten Schreibstil fand ich erfrischend, man liest das Buch nicht nur schnell, sondern auch mit Freude-

Eine spaßige Lektüre für Zwischendurch und Band 2 und 3 finden sicher bald ihren Weg in mein Regal!

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Ruhiges Finale, was alle Fäden zusammenführt

Bezwungen
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Wenn nun alle im Abteil gemeinsam gesagt hätten: Nein, Sie dürfen sie nicht mitnehmen? Hätten wir die Lorder dann aufhalten können?

S. 50


Endlich scheint Kaya bzw. Rain zu erfahren, wo sie herkommt ...

Wenn nun alle im Abteil gemeinsam gesagt hätten: Nein, Sie dürfen sie nicht mitnehmen? Hätten wir die Lorder dann aufhalten können?

S. 50


Endlich scheint Kaya bzw. Rain zu erfahren, wo sie herkommt und wer ihre Familie ist! Durch einen Hinweis hat sie herausfinden können, wo ihre leibliche Mutter wohnt. Mit einer neuen Identität möchte sie sich ihrer Mutter annähern und herausfinden, wo sie hingehört. Ein schwieriger Umzug steht ihr bevor, denn niemand darf wissen, dass sie die totgeglaubte Tochter ist! Doch nicht alle neuen Puzzlestücke decken sich mit ihrer Vergangenheit und schon bald muss sie sich die Frage stellen, ob ihre Mutter ihr wirklich die Wahrheit erzählt. Denn Kaya kann sich weiterhin nur bruchstückhaft an ihr Leben vor der Löschung erinnern. Kann sie herausfinden, wer sie wirklich ist? Und kann sie bei dieser Reise ihre große Liebe Ben finden und wiedersehen?

Nach einem verwirrenden zweiten Band werden zum Ende hin viele losen Enden wieder aufgenommen und versucht zu verknüpfen. In diesem Teil stehen vor allem Kayas älteste Vergangenheit und die Erinnerungen an ihre frühe Kindheit im Zentrum. Der Band und dessen Handlung beginnt deutlich ruhiger.

Der Band fokussiert Kayas frühe Kindheit. Sie als Person wirkt deutlich jugendlicher und auch eine Spur unüberlegter und unreflektierter als im vorherigen Band. Dieser Teil ist weniger kämpferisch und erst ab circa der Hälfte nimmt die Geschichte Fahrt auf, es gibt eine spannende Wendung und es spitzt sich zu. Kaya wirkt weniger rebellisch, weniger schlagfertig oder risikobereit, stattdessen in vielen Situationen eher zurückhaltend. Die Veränderungen passen zwar zu den neu aufgedeckten Erinnerungen und dem Setting, fand ich für ein Reihenfinale allerdings wenig spannend. Ihr Charakter wurde über die Zeit immer unschärfer, sie zersplitterte in die verschiedenen Charaktere ihrer Vergangenheit, was sie weniger greifbarer machte. Ich konnte bis zum Schluss nicht mehr beurteilen, ob ich sie sympathisch fand.


„Nein, wichtig ist nur, was wir hier und jetzt sind.“

Und dann küsste er mich abermals, und das ist alles, was zählt. Dieser Moment.

S. 263


Der Band hat zwar ein rundes Ende geboten, dieses kam aber mMn sehr überraschend und auch mit plötzlichen Informationen, die vorher gar keine Rolle spielten. Das Ende wirkte daher etwas künstlich.

Insgesamt hat mir der erste Band mit Abstand am besten gefallen: Die Reihe hat mit einem spannenden und interessanten World-Building eröffnet, aber leider wurde es durch die vielen Rückblicke und kleinen Puzzlestücke zeitweise verwirrend.

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Ein Buch, das viele wichtigen Fragen aufwirft

Drachenläufer
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An einem eiskalten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich – im Alter von zwölf Jahren – zu dem, der ich heute bin.

S. 7 (Erster Satz)


Khaled Hosseini führt uns in das Afghanistan der Vergangenheit. Amir ...

An einem eiskalten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich – im Alter von zwölf Jahren – zu dem, der ich heute bin.

S. 7 (Erster Satz)


Khaled Hosseini führt uns in das Afghanistan der Vergangenheit. Amir reist mit uns zu seinen frühen Erinnerungen an seine Heimatstadt Kabul in den 70er Jahren. Er erzählt von seinem besten Freund Hassan, von seiner eigenen Flucht und beschwerlichen Reise in die USA und den schwierigen Start im neuen Land, der neuen Kultur mit einem Vater, dessen Herz an der Heimat hängt. Amir lässt und teilhaben an seinen schönsten und schlimmsten Erinnerungen, aber auch seinen größten und schrecklichsten Entscheidungen.


Für dich – tausendmal!

S.75


Das Buch entspricht eigentlich nicht meinem regulären Genre und hätte ich vermutlich nicht in die Hand genommen, hätte ich den Autor nicht gekannt.

Ich habe bewusst zu dem Buch gegriffen: Gerade durch die aktuelle Situation und schrecklichen Fernsehbilder. Weil Afghanistan und seine Kultur so fern wirken, aber durch dieses Buch menschlich so nah! Der Schreibstil, der bewusst aus einer autobiografischen Perspektive erzählt, und der nicht chronologische Verlauf der Geschichte waren erst einmal ungewohnt für mich. Insbesondere die Ich-Perspektive hat die Geschichte aber authentischer und realer werde lassen, weshalb sie auch an manchen Stellen vor geschilderter Grausamkeit kaum auszuhalten war.

Durch die langsame Entwicklung der Geschichte und den biografischen Stil hatte das Buch auch seine Längen. Es wurden teils viele Worte für nicht sehr viele Ereignisse verloren, denn wie im Leben gibt es mal spannendere und weniger spannendere Phasen. Doch Hosseini hat es geschafft, eine authentische Lebensgeschichte zu entwerfen, die man nicht unterbrechen möchte. Man hat das Gefühl, in einen Dialog mit dem Erzähler zu treten, der so viel erlebt hat und erleben musste, so viel gefühlt hat und fühlen musste, dass man sich selbst klein fühlt und zurücknimmt. Man kann nur mit großen Augen und weitem Herzen der Geschichte lauschen und sie vollends aufnehmen.

Denn es ist eine unglaublich wichtige Geschichte, die hier entworfen wird. Eine Geschichte von Entscheidungen, Handlungen und Worten, die man zeitlebens bereut, eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Versöhnung. Eine Erzählung über das Vergessen-Wollen, aber nicht Vergessen-Können und die schwierige Herausforderung, sich selbst zu vergeben. Gleichzeitig werden wichtige Fragen über Heimat(losigkeit), Kultur und Flucht aufgeworfen und in einer besonderen Weise thematisiert, ohne sie zu lösen.

Am Ende des Tages sind wir alle Menschen, die das Leben vieler anderer prägen, verändern und beeinflussen. Die Fragen, die wir uns aber stellen sollten, sind: Wer möchte ich sein? Und wie möchte ich sein?

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