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Veröffentlicht am 15.10.2025

Spannender und ereignisreicher Regionalkrimi

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
4

Mit dem Roman „Der Tote am Sandstrand“ beginnt eine neue Ostsee-Krimireihe, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat.

Wenn auch Krimis auf keinen Fall zu meinem bevorzugten Genre zählen, wurde ich durch ...

Mit dem Roman „Der Tote am Sandstrand“ beginnt eine neue Ostsee-Krimireihe, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat.

Wenn auch Krimis auf keinen Fall zu meinem bevorzugten Genre zählen, wurde ich durch den Handlungsort, Ostersande an der Wissmarer Bucht, sofort an einige Urlaubsreisen an Ost- oder Nordsee erinnert, was letztendlich mitentscheidend für meine Leseentscheidung war.

Und ich wurde nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil. Denn in diesem Krimi werden sehr viele unterschiedliche Aspekte angesprochen und zu einem harmonischen Gesamtergebnis verknüpft.

Hauptcharaktere ist Hannah Bülow, die erst vor kurzem ihren Ehemann auf tragische Weise verloren hat, alle Brücken hinter sich abbricht und in ihren Heimatort zurückkehrt und eine freie Stelle in der dortigen Polizeiwache übernimmt. Schon bald gilt es einen mysteriösen Todesfall aufzuklären, dem wenig später ein weiterer folgt, wobei es sich um Mitglieder des ehemaligen Freundeskreises um Hannah und ihre jetzige Vorgesetzte und Freundin aus Kindertagen, Constanze, handelt. Im Laufe der Ermittlungen ergeben sich zunehmend Hinweise auf ein tragisches Ereignis der ehemaligen Freundesclique, bei dem eine gemeinsame Freundin den Tod fand.

Neben der Schilderung einer spannenden und wechselvollen polizeilichen Ermittlungstätigkeit werden auch viele Einblicke in die persönlichen Entwicklungen und Verhältnisse der das Romangeschehen tragenden Charaktere ermöglicht. Denn der Jahrzehnte zurückliegende tragische Bootsunfall hat individuelle Spuren hinterlassen. Eine sorgfältige und detailreiche Charakterisierung der Protagonisten sorgt dafür, dass ich mich leicht mit ihnen, ihren Gedanken und auch Entscheidungen identifizieren konnte. So unterschiedlich ihre persönlichen Verhältnisse auch waren, werden sie doch lebensecht und wirklichkeitsnah dargestellt.

Hinzu kommt auch immer wieder die Berücksichtigung eines aktiven und stark frequentierten Urlaubsortes. Und dies auch im Hinblick darauf, dass eine zügige und doch auch zurückhaltende Polizeiarbeit gefordert wird.

Für mich ein wirklich überaus gelungener, spannender und überzeugender Regionalkrimi, von dem ich sehr gerne weitere Bände lesen würde.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 21.09.2025

Englands Thron – heiß und hart umkämpft

Rabenthron
2

Dieser Roman stellt eine fesselnde und spannende Ergänzung zu den bereits vorliegenden beiden Romanen der s.g. Helmsby-Reihe dar. Wieder einmal werden historische Ereignisse mit fiktiven Personen, in diesem ...

Dieser Roman stellt eine fesselnde und spannende Ergänzung zu den bereits vorliegenden beiden Romanen der s.g. Helmsby-Reihe dar. Wieder einmal werden historische Ereignisse mit fiktiven Personen, in diesem Roman ist es der junge Aelfric und sein Sohn Penda, verknüpft. Ausgehend im Jahr 1013 beginnt eine fesselnde und auch abenteuerliche Reise durch gut 30 Jahre englische Geschichte, geprägt durch einige Kämpfe um die Königskrone Englands. Dabei ist einmal mehr die intensive Recherche der Autorin sowohl zu den historischen Ereignissen als auch zu den Lebensverhältnissen sowohl von der Bevölkerung als auch von den Angehörigen der Adelsschicht zu erkennen. Mitreißend und detailreich beschrieben, gelingt eine spannende und informative Zeitreise.
Für mich fällt dabei Königin Emma die wichtigste Rolle zu. Sie verfügt über eine hervorragende Beobachtungsgabe, kennt sich bis in Kleinigkeiten mit den Gepflogenheiten, aber auch den Gefahren am Königshof aus und kämpft, oft auch im Verborgenen, mit um die Königskrone für ihre Söhne. Unterstützung findet sie durch Aelfric, dessen Freund Hakon und einen Mönch, die ihr zeit ihres Lebens treu zur Seite stehen.
Auch wenn sich der Roman über fast 900 Seiten erstreckt, lassen sich diese durch einen leichten Schreibstil sehr gut lesen.

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  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 12.09.2025

Fröhliches und kunterbuntes Miteinander

Unsere Baumhausstadt
0

In diesem Wimmelbuch wird auf 40 Seiten ein harmonisches Für- und Miteinander von Kindern und Tieren wunderschön beschrieben und in Szene gesetzt.

Begleitend dazu kurze und in Reimform gehaltene Texte, ...

In diesem Wimmelbuch wird auf 40 Seiten ein harmonisches Für- und Miteinander von Kindern und Tieren wunderschön beschrieben und in Szene gesetzt.

Begleitend dazu kurze und in Reimform gehaltene Texte, die mit wenigen Worten das beschreiben bzw. zusammenfassen, was auf dem Bild zu sehen ist. Allerdings nur mit wenigen Akzenten, dazu gibt es auf vielen Seiten noch sehr vieles zu suchen, zu entdecken und auch zu erklären.

Mich hat vor allem die Vielfalt der unterschiedlichen Nationalitäten, denen die Kinder zugeordnet sind, fasziniert. Unschwer auch für kleinere Kinder aus der für das jeweilige Heimatland bekannten typischen Merkmale wie zB ein Kopftuch oder auch eine ganz bestimmte Frisur zu erkennen. Und, für mich ganz besonders bemerkenswert: es finden sich auch Kinder mit handicap, wie z.B. ein kleiner Junge in einem Rollstuhl. Ihm ist die Freude und Unbeschwertheit an seinem Aufenthalt in der Baumstadt deutlich am lachenden Gesicht abzulesen. Zudem umringt von weiteren Kindern, sodass er mitten im Geschehen ist und teilhaben kann.

Aus der Baumhausstadt der Kinder werden verschiedene Bereiche näher und auch sehr bildreich bis in Kleinigkeiten dargestellt. Dabei gefällt mir sehr gut, dass die Seiten des Buches unterschiedlich gestaltet sind. Der Text bezieht sich immer auf eine Doppelseite des Buches, wobei sich mal mehr mal weniger inhaltsreiche Bilder zeigen. So folgt auf ein eher ruhigeres, dezenter gehaltenes Bild eine sehr umfangreiche und inhaltsreiche Darstellung.

Das ganze Wimmelbuch, sowohl die Texte als auch die Bilder, sind von einer Leichtigkeit und Fröhlichkeit durchzogen. Man spürt die Empathie und die Herzenswärme für die kleinen Betrachter. Und auch die sehr einfühlsame und kindgerechte Botschaft, die sich in dem für mich wichtigsten Text dieses Buches findet: "Ob Mensch, ob Tier, ob arm, ob reich, in dieser Stadt sind alle gleich."

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Beeindruckender und spannender Vorkriegsroman

Uns führt der Mut
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Der Roman schildert neben den konkreten Auswirkungen der Wirtschaftskrise 1932 auf ein größeres Unternehmen auch den Niedergang der Weimarer Republik und den beginnenden Aufstieg der NSDAP in Deutschland.

Dies ...

Der Roman schildert neben den konkreten Auswirkungen der Wirtschaftskrise 1932 auf ein größeres Unternehmen auch den Niedergang der Weimarer Republik und den beginnenden Aufstieg der NSDAP in Deutschland.

Dies wird sehr fesselnd, detailreich und auch ergreifend durch die Unternehmerfamilie Otto und Auguste Kaiser mit ihren vier erwachsenen Kindern Karl, Frieda, Ilse und Emma und deren traditionsreiche Otto Kaiser AG mit mehr als 2.000 Mitarbeitern dargestellt.

Dabei hat mich ganz besonders die mit viel Empathie, Menschenkenntnis gestalteten sowie sorgfältig und fein nuancierten Charaktere dieser Familie in ihren Bann gezogen, mit denen ein teils beängstigender Einblick in die damaligen gesellschaftlichen und politischen Zeiten ermöglicht wird.

Otto Kaiser führt sein Unternehmen in christlicher Nächstenliebe und sozialer Verantwortung gegenüber allen Mitarbeitern und aus seiner erlebten und vertrauensvollen Glaubenserfahrung heraus. Auch wenn dies auf den ersten Blick durchaus im deutlichen Gegensatz zu dem sich abzeichnenden geschäftlichen Ruin steht.

Karl, mit einer Jüdin verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Frieda, ebenfalls verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern. Ilse, die bereits als junges Mädchen ihre jüngere und attraktivere Schwester beneidet und nun einen zweifelhaften Weg beschreitet, um Anerkennung zu finden. Emma, die für die Firmenfinanzen verantwortlich ist und letztendlich eine Entscheidung trifft, die sie bereut.

Und Max Dietrich, der sich trotz Arbeitslosigkeit einen unverbesserlichen Optimismus, der vor allem auf seine Glaubenserfahrungen zurückzuführen ist, bewahrt hat findet nicht nur Arbeit bei der Kaiser AG, auch seine ideenreichen Vorschläge können erfolgreich umgesetzt werden. Allerdings führt er ein gefährliches Doppelleben, das zunächst unentdeckt bleibt.

Mich hat die Schilderung der zunehmenden Akzeptanz und Identifizierung mit der Nazi-Philosophie sehr bewegt. Und auch die konkreten Auswirkungen, wenn innerhalb eines Familienverbandes unterschiedliche Einstellungen zu dieser gefährlichen und zerstörenden Strömung bestehen.

Der Roman deckt eine geringe Zeitspanne ab, von Ende 1932 bis Anfang 1933.
Bereits so früh den beginnenden Fanatismus so deutlich, überzeugend, authentisch und schmerzhaft kennenzulernen und im Wissen um die Ereignisse der folgenden Jahre bewegt mich der Roman sehr. Vor allem auch im Hinblick darauf, wie Entscheidungen, von negativen Gefühlen geleitet, ungeahnte Dimensionen entwickeln.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ein Sommer der Veränderungen

Duftwickensommer
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Ein Roman, wie ich ihn liebe: in zwei unterschiedlichen Zeitsträngen eröffnen sich gleich zwei unterschiedliche Geschichten, bei der es keine familiären Zusammenhänge gibt und die mit unterschiedlichen ...

Ein Roman, wie ich ihn liebe: in zwei unterschiedlichen Zeitsträngen eröffnen sich gleich zwei unterschiedliche Geschichten, bei der es keine familiären Zusammenhänge gibt und die mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten aufwarten. Abwechselnd verbringt man einige schön sonnige aber durchaus auch schon regennasse Tage auf der Insel Borkum oder in etwa den gleichen Zeitraum in England im Jahr 1911.Die gut 40jährige, frisch geschiedene Marieke hat sich in Erinnerung an unbeschwerte Tage bei ihren Großeltern im Jahr 2024 auf Borkum ein leicht renovierungsbedürftiges Haus gekauft. Doch der Zauber ihrer Kindheitserinnerungen stellt sich nur ansatzweise ein, da die Scheidung ihre Spuren hinterlassen hat.

Im Sommer des Jahres 1911 nimmt Anni, eine junge Deutsche, die in England als Vorleserin bei einer gut situierten älteren Dame beschäftigt ist, nicht nur an einem Wettbewerb um die schönsten Wicken teil, sondern verfolgt mit großem Interesse den Beginn der englischen Frauenbewegung.

Ausgehend von Wickenblüten am Zaun von Mariekes neuem Zuhause erzählt ihre Nachbarin Alwine, die als junge Frau Anni kannte, aus dem Leben von Anni.

Beide Erzählstränge sind durch die jeweiligen Überschriften klar voneinander abgegrenzt und doch fließend miteinander verknüpft. Mit Marieke und Anni werden überzeugende Charaktere ins Leben gerufen, mit denen man sich sehr gut identifizieren kann. Auch wenn sie unterschiedliche Probleme zu lösen haben, so sind diese gerade in Bezug auf ihre jeweilige Lebenssituation sehr treffend und nachvollziehbar dargestellt.

Wobei ich gerade die Skizzierung von Anni mit der Bewältigung ihrer Niedergeschlagenheit bzw. äußerst ausgeprägten depressiven Phase berührt hat. Sie auf ihrem Weg zu begleiten, wieder Lebensfreude zu finden – war für mich ein ganz besonderer Bestandteil dieses Romans.

Und mit Anni habe ich eine junge Frau kennenlernen dürfen, die mit klugen und aufmerksamen Augen ihre Umwelt zur Kenntnis nimmt und mit ihrer klugen und schlagfertigen Art so manche tiefergehende Diskussion, gerade was das Recht von Frauen angeht, auslöst.

Ein buntes und abwechslungsreiches Bild in zwei unterschiedliche Zeitepochen, die für einen wunderschönen Lesegenuss gesorgt haben.

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